Teakdeck – Überholung der NONSUCH in Eigenleistung

Von Max Lessner

Max Lessner segelt seit seiner Kindheit. Kurz vor dem Staatsexamen (Jura) entscheidet er sich für eine Auszeit unter Segeln. Von ersten Impuls bis zum Loswerfen der Leinen dauert es gerade einmal wenige Wochen. Mit seiner Sirius 26 erkundet er im Segelsommer 2014 einhand die gesamte Ostsee. Über die Reise von Max ist das Buch „Im Zweifel für den Segelsommer“ erschienen.

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Ich gehöre zu den Menschen, die auch im Winter ihr Boot nicht lange alleine lassen können. Manchmal habe ich das Gefühl, ich verbringe fast genauso viel Zeit in der Winterlagerhalle wie im Hafen oder beim Segeln. Oft sitze ich auch einfach nur auf dem Boot, beschäftige mich mit scheinbar sinnlosen „Arbeiten“ und träume dabei vom Langfahrtsegeln. Und irgendwie fließt dann doch immer ganz schön viel Arbeit ins Schiff. Mindestens ein großes Projekt nehme ich mir jeden Winter vor – und so habe ich meine NONSUCH in den letzten Jahren zwischen den Segelzeiten zu einem echten Schmuckstück gemacht. Zumindest empfinde ich das so 🙂

Das Teakdeck muss überholt werden

Dieses Jahr war ein richtiger Hammer dran: das Teakdeck! Über die Jahre hat es viel gelitten und immer öfter trocknete es nach Regen und Tau unregelmäßig. Es blieben kleine Feuchtigkeitsnester an den Rändern einiger Fugen. Ein sicheres Zeichen, dass die Fugenmasse hier ihre Haftung verloren hatte. Wenn das Deck nicht leiden und Feuchtigkeit in den Unterbau sickern sollte, musste etwas passieren. Also stand die Überholung des Decks mit neuen Fugen, neuen Pfropfen und allem Pipapo an.

Da ich im Internet nur wenige brauchbare Anleitungen gefunden habe, wie so ein Projekt umgesetzt werden kann, möchte ich hier einen kleinen Überblick über den Aufwand und die Arbeitsschritte geben – vielleicht finden sich ja Nachahmer. Ich habe als ambitionierter Hobbyhandwerker etwa acht bis zehn volle Wochenenden für die Arbeiten gebraucht. Eine leere Halle ist dabei von Vorteil – so hört niemand die vereinzelten Flüche und Verwünschungen.

Am Anfang ahnte ich noch nicht, wie viel Arbeit auf mich zukommen würde.

Als Erstes wurden sämtliche Beschläge abgebaut und die alte Fugenmasse rausgeholt. Es gibt viele Meinungen, wie das am besten funktioniert. Für mich hat eine Kombination aus zwei Werkzeugen am besten funktioniert. Das waren zum einen ein elektrischer Fein-Multimaster mit Fugenmesser und Anschlag zur sauberen Führung und zum anderen ein spezieller Fugenhaken. An engen Stellen wie dem Butt auf dem Vordeck habe ich zusätzlich noch ein Skalpell zum Auftrennen und einen Dremel eingesetzt.

Beim Entfernen der Fugenmasse helfen ein Multimaster und ein Fugenhaken.

Am wichtigsten war letztendlich jedoch der Fugenhaken. Dieser hat drei scharfe Kanten und funktioniert wie eine Mischung aus Unkrauthaken und Hobel. Vor allem für exakte Arbeiten und ein leichtes Tieferhobeln der Fugen ist der Fugenhaken fast unverzichtbar. Sollten die Fugen flächendeckend weniger als etwa vier Millimeter Tiefe haben, kommt man um den Einsatz einer Oberfräse kaum herum, da die Fugenmasse für eine gute Haftung mindestens diesen Platz an Klebefläche braucht; für partielle Vertiefungen – wie bei mir an Bord – hat die Methode mit dem hobelnden Fugenhaken allerdings gut funktioniert.

Gut zu sehen: die drei scharfen Kanten des Fugenhakens.

Fugen des Teakdecks vorbereiten

Der nächste Arbeitsschritt war die Vorbereitung für die neue Fugenmasse. Zunächst mussten die Flanken der Fugen von den letzten Rückständen der alten Fugenmasse befreit und geschliffen werden, um eine gute Haftung der neuen Masse sicherzustellen. Auch hier hat sich wieder eine Kombination aus Maschinen- und Handarbeit bewährt. Ein Schleifaufsatz für den Multimaster und ein spezieller Fugenschleifklotz namens „Seam Sander“ kamen zum Einsatz. Letzterer ist, genau wie der Fugenhaken auch, ein Spezialwerkzeug, das man sonst vermutlich eher selten brauchen wird. Für diese Art von Arbeit ist es jedoch nahezu unverzichtbar.

Mit dem „Seam Sander“ werden die Flanken der Fugen geschliffen.

Darüber hinaus fand ich es sinnvoll, das Deck schon jetzt einmal grob anzuschleifen. Beim Neuverfugen arbeitet man in der Regel großzügig mit der Fugenmasse und es entsteht viel Überstand. Dabei kann sich die Fugenmasse, in durch Abnutzung und Verwitterung entstandene Riefen im Holz setzen. Den Überschuss hier später wieder herauszubekommen, ist deutlich anstrengender, als das Holz vorher etwas zu glätten. Folglich gab es erst einmal einen schnellen Schleifgang. Außerdem konnte ich so besser abschätzen, wie viele Teakpfropfen neu zu setzen sind, da einige dabei unerwartet wegflogen.

Ein grober Anschliff vor dem Verfugen erleichtert später die Arbeit.

Als das geschafft war, wurden die Fugen mit Aceton entfettet. Auch hier halfen der Fugenschleifklotz oder alternativ ein Essstäbchen aus Holz weiter, da hiermit recht leicht ein mit Aceton getränkter Lappen durch die Fugen und wirklich bis in die letzte Ecke geführt werden konnte.

Mit Aceton werden die Fugen gereinigt. Stäbchen und Lappen helfen dabei.

Als letzter vorbereitender Schritt wurde ein Fugenband in die gesäuberten Fugen eingelegt. Dieses verhindert, dass die Fugenmasse auch am Boden derselbigen haftet. So kann sie sich bei wechselnden Wetterbedingungen bewegen und leidet deutlich weniger. Auch wenn einige Experten die Meinung vertreten, dass das bei modernen Fugenmassen nicht mehr zwingend notwendig sei, beeinflusst es die Haltbarkeit der Fugen doch. Doch hier muss ich euch warnen, dieses feine Klebeband ist widerspenstig und dröselt sich wie Geschenkband auf. Am besten drückt man es mit einem dünnen Schlitzschraubenzieher auf den Boden der Fuge. Vereinzelte Wutausbrüche sind dennoch garantiert.

In die gesäuberten Fugen wird ein spezielles Klebeband eingelegt.

Pfropfen ersetzen

Am Ende habe ich für die Vorbereitungen rund fünf Wochenenden, also den Großteil der Zeit, gebraucht. Als die Vorbereitungen endlich geschafft waren, wurde es angenehmer. Jetzt mussten unter anderem einzelne Pfropfen und Schrauben erneuert werden. Denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben sich über einzelnen Decksschrauben die Teakpfropfen gelöst und müssen erneuert werden. Häufig müssen die Schrauben auch noch „tiefergelegt“ werden. Nicht um den Coolnessfaktor zu steigern :-), sondern weil ein Teakpfropfen mindestens drei bis vier Millimeter Platz haben sollte und das bei einem älteren Deck meistens nicht mehr gegeben ist. Zur Erneuerung wird die Schraube herausgeschraubt, das Loch mit einem Forstnerbohrer vertieft und die Schraube wieder eingesetzt.

Ich hatte das vorher noch nie gemacht und schnell gemerkt, dass es kein Hexenwerk ist. Die neuen Pfropfen wurden anschließend mit Bootsleim wieder eingesetzt (Ich habe Bindan CIN verwendet, da die dunkle Farbe später wenig auffällt). Alternativ geht auch wasserfester PU Leim.

Die Pfropfen werden mit Bootsleim eingesetzt.

Das abschließende Kürzen der überstehenden Pfropfen habe ich übrigens nicht, wie von den meisten Tischlern vorgeschlagen, mit einem Stecheisen, sondern, wegen der geringeren Gefahr etwas kaputt zu machen, mit einem feinen Sägeblatt gemacht.

Die Pfropfen sind drin und können nun gekürzt und geschliffen werden.

Fugenmasse in die Fugen einbringen

Nun kam endlich die neue Vergussmasse in die Fugen. Allein die Auswahl der Fugenmasse war ein abendfüllendes Thema. Ich hatte mich nach etwas Recherche für TDS 440 entschieden. Es erschien mir am hochwertigsten und einfachsten zu verarbeiten, da kein Primer notwendig ist und es bereits ab fünf Grad aushärtet.

Ein Meilenstein: Die Fugenmasse wird eingebracht.

Die Fugen wurden großzügig vom Boden aus aufgefüllt und die Vergussmasse mit einem Spachtel mit leichtem Druck zusätzlich in die Fuge gedrückt. Dabei musste allerdings berücksichtigt werden, dass die Fugenmasse während der Aushärtung minimal schrumpft. Der Spachtel sollte folglich nicht direkt auf das Deck gesetzt werden, sondern in einem leichten Abstand mit etwas Druck geführt werden. Für das Deck meiner 26 Fuß langen NONSUCH habe ich zwölf 600-Milliliter-Kartuschen benötigt.

Nach dem Aushärten der Fugenmasse wird der Überschuss entfernt.

Überschüssige Fugenmasse entfernen

Nachdem alles gut durchgetrocknet war, wurden die überstehenden Fugen abgestoßen. Dazu habe ich ein Schneideblatt für den Multimaster verwendet; für die überstehenden Teakpfropfen analog dazu ein feines Sägeblatt. Diese Arbeit machte mir einigermaßen Spaß, da ich nun zum ersten Mal erahnen konnte, wie schön das Deck nach Abschluss der Arbeiten aussehen würde. Allerdings kann es – je nach Alter und Zustand des Teaks – passieren, dass beim Abtragen der Fugenmasse Späne aus den Decksstäben schlagen. Die Späne solltet Ihr am besten aufheben und sofort mit dem Kleber, der für die Teakpfropfen zum Einsatz kam, wieder einkleben.

Ein Riss wird mit dem Bootsleim repariert.

Alle Reste der Vergussmasse, die dann noch übrig waren, wurden schließlich abgeschliffen. Ich habe zwei Schleifgänge durchgeführt, einen mit 80er Körnung vorweg und einen mit 100er Körnung hinterher. Glatter sollte das Deck nicht werden, um seine Rutschfestigkeit nicht einzubüßen.

Auf der Zielgeraden: Das Deck wird geschliffen.

Das überholte Teakdeck nacharbeiten

Nun wird man wahrscheinlich erstmal einige Zeit schmachtend vor dem aufgearbeiteten Deck stehen und das Ergebnis dieses zeitintensiven Werks genießen. In den allermeisten Fällen ist die Arbeit dann leider noch nicht vorbei, es sei denn, Ihr seid echte Naturtalente. Zumindest haben sich bei mir einige Luftblasen gebildet oder die Fugen haben nicht überall perfekt an der Stabflanke gehaftet. Solche Stellen habe ich mit einem Skalpell so weit wie nötig aufgetrennt, gesäubert und mit einer Spritze (ohne Kanüle) noch einmal neu verfugt. Wenn man exakt arbeitet, lassen sich große Nacharbeiten hierbei ganz gut vermeiden. Auch musste ich einige Pfropfen noch nacharbeiten. Ich würde etwa ein Wochenende, also zwei Basteltage, für solche Nacharbeiten einplanen.

Einzelne Stellen des Decks werden nachgearbeitet.

Zum Schluss mussten nur noch sämtliche Beschläge wieder montiert und eventuelle Abschlussfugen zum Decksaufbau oder Deck hin gezogen werden. Für diese sollte allerdings nicht die Teakdeck-Vergussmasse, sondern ein normaler MS Polymer Kleber verwendet werden. Dieser hat eine deutlich höhere Haltekraft.

Geschafft! Die Arbeit hat sich gelohnt. Das Deck erstrahlt im neuen Glanz.

Geschafft! Staunen und genießen!

Geschafft! Nun könnt ihr euch ein Bier aufmachen und dem Frühjahr entgegensehen. Wer das Projekt angeht, wird merken, dass es viel Aufwand mit sich bringt. Aber es lohnt sich. Der Anblick des messetauglichen Decks ist alle Mühen wert und die nächsten Jahrzehnte Benutzung können kommen! Ich hoffe, ich konnte euch mit dieser kleinen Anleitung aus Laienperspektive ein wenig helfen und euch dazu motivieren, auch euer Teakdeck aufzumöbeln. Wenn Ihr noch weitere Fragen habt, stellt sie gerne über die Kommentar-Funktion.

NONSUCH mit neuem Deck zurück in ihrem Element.

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