Ankunft der Weltumseglerin Mareike Guhr nach 45.000 Meilen

Von Sönke Roever

Sönke hat 80.000 Seemeilen Erfahrung im Kielwasser und von 2007 bis 2010 zusammen mit seiner Frau Judith die Welt umsegelt. Er veranstaltet Seminare und ist Autor der Bücher "Blauwassersegeln kompakt", "1200 Tage Samstag" und "Auszeit unter Segeln". Sönke ist zudem der Gründer von Blauwasser.de und regelmäßig mit seiner Frau Judith und seinen Kindern auf der Gib'Sea 106 - HIPPOPOTAMUS - unterwegs.

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Lauter Jubel und „Mareike“-Rufe hallen durch den Sandtorhafen im Herzen der Hamburger Hafencity. Rund einhundert Menschen sind gekommen, um mit Mareike Guhr ihre Weltumsegelung zu feiern. Es ist Samstag, der 24. September 2016. Die Sonne scheint, ein Champagner-Korken knallt und Mareike duscht die Menge, wie es sonst die Fahrer der Formel-1 auf dem Siegerpodest tun. Sie hat es sich verdient.

Ankunft im Sandtorhafen – Mareike duscht die Menge

Im Kielwasser des 50-Fuß-Katamarans „La Medianoche“ liegen rund 45.000 Seemeilen. Das reicht genau genommen sogar zwei Mal um die Welt. Ganze viereinhalb Jahre war die 47-jährige unterwegs, hat 37 Länder und 143 Inseln besucht. Davon zeugen auch die Gastlandflaggen, die zwischen Masttopp und Backbordbug im Wind tanzen.

37 Länder hat Mareike mit dem 50-Fuß-Katamaran in viereinhalb Jahren besucht.

Insgesamt 140 Mitsegler haben Mareike auf ihrer Reise an Bord der „La Medianoche“ begleitet und viele davon stehen nun an der Pier und klatschen. Aber auch an Bord war einiges los auf den letzten Meilen nach Hamburg. Judith und ich kennen Mareike schon lange und so gehen wir am Freitagabend in Glückstadt an Bord und treffen neben etlichen Familienmitgliedern auch den Eigner und zwei Gäste. Wir sind acht Erwachsene und zwei Kinder, als wir am nächsten Morgen um 5.30 Uhr die Leinen lösen, um mit der Flut elbauf zu gehen. Es ist kalt. „Viel zu kalt“, wie Mareike findet. Sie ist wohl noch die Tropen gewöhnt.

Am Morgen auf der Elbe.

Die Elbe ist in leichte Nebelschwaden gehüllt. Sie ziehen über das Wasser und verkünden den Anfang eines besonderen Tages. Bereits mit dem ersten Sonnenlicht treffen wir im Morgendunst ein Schiff auf dem Wasser, das Mareike grüßt. Ein großes Transparent ziert die Backbord-Seite, auf dem „Herzlich Willkommen“ steht. Mareike lacht vor Freude und jubelt den Gratulanten zu.

Der erste Gratulant erreicht die La Medianoche.

Kurz darauf passieren wir die Schiffsbegrüßungsanlage am Willkomm-Höft in Schulau. „Willkommen in Hamburg!“ hallt es aus den Lautsprechern – gefolgt von der Nationalhymne. Mareike verdrückt eine Träne und auch wir bekommen einen kleinen Kloß im Hals. Sechs Jahre ist es her, dass unsere Weltumsegelung zu Ende ging und auch bei uns gab es diesen magischen Moment am Willkomm-Höft. Gänsehaut pur.

Gänsehaut-Moment. Schiffsbegrüßungsanlage am Willkomm-Höft in Schulau.

Mareike ist nicht nur eine erfahrene Skipperin, sondern auch Segelsportjournalistin und PR-Fachfrau im Bereich Wassersport. Sie lernte bereits früh auf familieneigenen Schiffen das Segeln und ist seit fast 30 Jahren auf Ostsee, Nordsee, Mittelmeer, Atlantik, Pazifik und in der Karibik unterwegs. Häufig war sie als Skipperin für Charteragenturen im Einsatz und hat so bereits viele Crews auf Törns und Regatten sicher und erfolgreich geführt. 2012 startete sie zu ihrer „großen Reise“.

La Medianoche

Leider gibt es viel zu wenige Frauen ihrer Art. Also jene, die eigenverantwortlich die Welt umsegeln. Dabei scheint das gut zu gehen. „Als Frau bin ich überall mit offenen Armen empfangen worden und hatte das Gefühl, dass sich die Leute ganz besonders bemüht haben, mir zu helfen“, sagt sie.

Mareike mit Handfackel vor Hamburg-Blankenese.

Es geht weiter die Elbe hinauf und einige Schiffe gesellen sich zu uns – sowie ein Kamerateam des NDR, das an Bord kommt. Während wir Blankenese passieren, folgen die üblichen Fragen nach den besonderen Momenten des Törns. Die Weltumseglerin erzählt vom schönsten Moment der Reise – dem Ankommen auf den Marquesas in der Südsee nach 18 Tagen auf See. Aber sie erinnert sich auch an weniger schöne Augenblicke, wie beispielsweise einen heftigen Sturm vor Anker in dem kleinen Atoll Cocos Keeling.

Kamerateam des NDR an Bord: Mareike steht Rede und Antwort.

Wer mehr von Mareike wissen möchte, kann ihre Webseite besuchen, ein wenig von ihr in unserem Blauwasserbuch lesen oder sie im Rahmen der Törnberatung auf der Messe hanseboot treffen. Dort ist sie an beiden Messe-Wochenenden anwesend (29./30.10. und 05./06.11.2016 – Törnberatung im Obergeschoss der Halle B1).

Freunde begleiten Mareike auf den letzten Meilen an Bord der Repsold.

Zurück zur Elbe. Nach fünfeinhalb Stunden erreichen wir um 11 Uhr den Sandtorhafen. Die morgendliche Kälte ist verflogen. Hamburg zeigt sich im Altweibersommer, warm und sonnig. Die Klappbrücke neben der Elbphilharmonie hebt sich und die ersten Menschen klatschen am Ufer. Am Ende der Pier entdecken wir Mareikes Fans und Freunde. Sicher bringt sie das Schiff an die Pier. Leinen fliegen über. Dann ist der Kat nach 45.000 Seemeilen fest und Mareike feiert ihre Reise. Kameras surren, Fotoapparate klicken, Menschen klatschen. Willkommen in Hamburg.

Glückliche Ankunft in der Hamburger Hafencity.

„Und wie geht es nun weiter?“, fragt ein Reporter. „Ich werde irgendwann wieder losfahren und rate allen, es auch zu tun. Wagt es, zieht los und bleibt nicht in der Karibik kleben. Fahrt durch den Panama-Kanal. Der Pazifik ist der größte und schönste Ozean der Welt!“. Dem können wir uns nur anschließen. In diesem Sinne: Happy Sailing!

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Jürgen Brandmüller
Guest

Super Klasse, Hut ab. ⚓⛵⚓

Uwe Sehringer
Guest

einfach TOLL !!,,,,,,

Edmund Fritz
Guest

Herzlichen Glückwunsch Mareike. Eine hervorragende Leistung. Zu Zweit ist eine Weltumsegelung schon eine gute Leistung jedoch alleine “rund” ist eine vollkommen anders zu bewertende Angelegenheit und als Frau gibt es dafür den doppelten Segler- Bonus. Ich weiß, wovon ich rede.

Lühr Erika
Guest

Hochachtung! In Lübeck wäre evtl. Wohnraum frei von Ende Nov. 16 – Ende März 17.
Mit freundlichem Gruß erika

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