Einklarieren im Baltikum (Polen, Litauen, Lettland und Estland)

Von Janne Brauckmann

Janne sammelte bereits als Kind mit der Jolle auf einem Binnensee Segelerfahrung. 2011 segelte sie zum ersten Mal eine Kielyacht im Urlaub mit ihrem Freund Henning. Seitdem verbrachten sie gemeinsam diverse Urlaube an Bord. 2016 umrundete sie zusammen mit Henning die gesamte Ostsee.

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Wenn wir uns während eines normalen Segelurlaubs nur innerhalb der 12sm Zone zwischen Deutschland und Dänemark bewegen, entfällt das Einklarieren. Jetzt aber sind wir auf einer Ostseerunde entlang der zehn Anrainerstaaten und das ist etwas anderes. Polen und die baltischen Staaten sind noch nicht so lange wie Dänemark im Schengen-Abkommen und nehmen das Einklarieren teilweise deutlich ernster. Wir waren gespannt was uns unterwegs erwarten würde.

Die polnische Gastlandflagge weht unter der Saling.

1. Polen

In Polen haben wir die Einfahrterlaubnis für die Häfen vorher jeweils per Funk angefragt. Diese kam in der Regel ohne Nachfragen sofort. Der Versuch eines befreundeten Skippers nach direkter Querung von Dänemark aus in einem polnischen Hafen formgerecht einzuklarieren misslang. Bei dem Anblick der Personalausweise und der Crewliste wurde er mit den Worten abgewiesen “Nein, das macht nur Arbeit, Du bezahlst nur für den Hafen”.

Passkontrolle an Bord in einem polnischen Hafen.

Die Flagge von Litauen.

2. Litauen

Von Polen aus haben wir Russland außerhalb der 12-Seemeilenzone passiert und direkt Klaipeda in Litauen angesteuert. Kurz vor dem Hafen haben wir uns per Funk angemeldet. Wir wurden nach Bootsnamen, Bootsflagge, unserer Nationalität, der Anzahl Personen an Bord, dem letzten Hafen, dem nächsten Hafen und der wahrscheinlichen Aufenthaltsdauer gefragt. Dazu wurden wir aufgefordert uns beim Verlassen von Klaipeda auf demselben Kanal abzumelden. Beim Hafenmeister haben wir dann nur noch die üblichen Angaben hinterlegt: Namen des Schiffs und des Skippers, Länge und Breite des Schiffs, letzter und nächster Hafen, Ankunftstag und -zeit, Unterschrift des Skippers. Bei uns wurden trotz der Anreise direkt aus Polen keine Crewlisten oder Personalausweiskopien benötigt.

Die Flagge von Lettland.

3. Lettland

Das Prozedere für den ersten Hafen in Lettland erfolgte analog Litauen. Dafür erlebten wir dann die Überraschung im kleinen Hafen Pavilosta. Wir hatten uns zur Abwechslung mal nicht per Funk angemeldet und kamen auch von einem lettischen Hafen. Mitten im Anlegevorgang – die Heckleine war schon über, Janne kämpfte gerade mit der Vorspring – tauchte ein uniformierter Grenzschutzbeamter auf. Eine Frage nach der anderen ratterte er runter. Nach vollständiger Beantwortung hat er uns dann auch mit den Leinen geholfen.

Hafen Pavilosta in Lettland.

Eine andere deutsche Crew war vor uns eingelaufen und musste die Fragen noch vom Wasser aus beantworten, bevor sie das Anlegemanöver beginnen konnten. Von seinem Büro aus hat der Grenzschutzbeamte den Hafen über diverse Videokameras sehr gut im Blick. Trotz allem war er aber stets freundlich und hilfsbereit.

Schiffe der lettischen Marine.

4. Estland

In den Häfen in Estland mussten wir die im Baltikum üblichen umfangreichen Angaben machen. Nur in Tallinn (Estland) haben wir zum ersten Mal auf unserer Reise in der Old City Marina unseren internationalen Bootsschein vorgelegt. Dort braucht man ihn tatsächlich. Unterwegs trafen wir einen Segler auf Ostseerunde, der wieder weggeschickt wurde, weil er den internationalen Bootschein oder andere vergleichbare Schiffsdokumente nicht vorlegen konnte. Er ist dann auf den Pirita Olympiahafen bei Tallinn ausgewichen.

Flagge von Estland.

5. Fazit

Auf dem AIS sind diverse “Law Enforcement” Boote sichtbar. Wir selbst sind weder in Polen noch im Baltikum von einem Kontrollboot des Grenzschutzes angehalten worden. Eine andere deutsche Crew dafür gleich zweimal – je einmal in Lettland und Estland. Auch in Finnland ist der Grenzschutz in der Gegend um Helsinki sehr präsent. Ein weiteres deutsches Boot wurde vom finnischen Grenzschutz kurz vor Helsinki angehalten. Es blieb aber jeweils bei ein paar Fragen.

Ein Militärboot patroulliert auf dem Wasser.

Von den offiziellen Landesfunktstellen wird das AIS im Blick behalten. In Estland war ein deutsches Segelboot auf eine Untiefe gelaufen und machte nur noch 0,1kn Fahrt. Bevor das Boot sich selber über Funk gemeldet hat, hat Tallinn Rescue Radio es zuerst angefunkt und gefragt, ob es Hilfe benötigt.

Begegnung mit einem finnischen Patrouillenboot.

Generell gibt es in Polen und im Baltikum wesentlich mehr militärische Sperrgebiete als in Deutschland und selbst Finnland hat eine deutlich höhere Militär-Präsenz. In vielen Häfen und auch auf See haben wir Militärboote gesehen. Teilweise wurden in direkter Nähe Übungen abgehalten und über Funk Sprengungen angekündigt. Eine Unterwassersprengung haben wir sogar sehr deutlich auf unserem Boot gehört.

Die Autoren an Bord ihrer Yacht Asgard im Baltikum.

Insgesamt war das Reisen auf eigenem Kiel in Polen und im Baltikum von den Formalitäten her nicht wesentlich aufwendiger als in Deutschland oder Dänemark. Das Segeln innerhalb der Länder und von Land zu Land ist sehr einfach. Der Papierkram war bei uns immer schnell erledigt und die entsprechenden Ansprechpartner sehr freundlich und zuvorkommend.

Die Ostsee-Umrundung von Janne und Henning kann im Internet verfolgt werden:
ostseeumsegelung.wordpress.com

Weitere umfangreiche Informationen zum Thema gibt es auch auf dem Ostsee-Seminar mit Sönke Roever und anderen hochkarätigen Referenten

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Robert
Guest

Also ich bin letztes Jahr auch über Finnland und dann die Baltischen Staaten und Polen wieder retour nach Deutschland. Ich habe mich nirgends angemeldet. In Litauen und in Polen wurde ich einmal sehr freundlich gefragt, woher ich komme, Nationalität, Personenanzahl an Bord. Papiere wollte keiner sehen. Ausser in Tallin in der City Marina, aber da auch nur damit man mit der Schiffsgröße nicht schwindelt. Ansonsten kann ich diese Länder jedem nur empfehlen. Nachzulesen ist die Reise übrigens auf meiner Seite http://www.namastetwo.npage.at
Wünsche allen die das lesen noch ein schönes Saisonende.
Robert

Klaus
Guest

Wir waren im Juli August unterwegs nach Litauen,Lettland und
Estland , eine kleine handfunke ist da schon sehr hilfreich zum an und abmelden,
Gleich in klaipeda haben wir es nicht gemacht und haben prompt Besuch
Von den Grenzern per Schlauchboot bekommen und nach Ziel ,
Personen usw. Gefragt ,
Allerdings das überhaus höflich und in keinsterweise belehrend,
Danach ein kurzer Spruch Beim ein und auslaufen und alles war
Easy .
Die Grenzer auf Pavilosta sind schon etwas merkwürdig(Aussage vom supernetten
Hafenmeister)
Eigentlich nur noch da wenn russische Segler kommen und sich einklarieren müssen,
Ich schließe mich da Janne und Hening an , ein schöner Törn ohne Probleme,

Norbert
Guest

Ich habe ebenfalls letztes Jahr die Ostseerunde gemacht und die Behörden in Klaipeda waren die einzigen, die es mit An- und Abmelden per Funk ernst genommen haben. In Tallinn war man statt Bootsschein auch mit der Frequenzzuteilungsurkunde für die Funke zufrieden 😉

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