Firewall für Datenverkehr über das Satellitentelefon

Von Sönke Roever

Sönke hat 80.000 Seemeilen Erfahrung im Kielwasser und von 2007 bis 2010 zusammen mit seiner Frau Judith die Welt umsegelt. Er veranstaltet Seminare und ist Autor der Bücher "Blauwassersegeln kompakt", "1200 Tage Samstag" und "Auszeit unter Segeln". Sönke ist zudem der Gründer von Blauwasser.de und regelmäßig mit seiner Frau Judith und seinen Kindern auf der Gib'Sea 106 - HIPPOPOTAMUS - unterwegs.

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Die Satellitenanlage an Bord zum Telefonieren zu verwenden ist das eine. Die meisten Blauwassersegler nutzen die Technik darüber hinaus für den Datenverkehr und gehen damit »online«. Auch die einfachen Telefone können als Modem verwendet werden. Dazu werden sie mit einem PC verbunden, und mit wenigen Klicks ist man online. Wobei die Begriffswahl »online« bei den mobilen Telefonen etwas irreführend ist, weil die Download-Datenübertragungsraten sehr gering sind und sich maximal bei 64 kbit/s bewegen. Bei älteren Geräten liegen sie eher bei 2,4 kbit/s. Zum Vergleich: Ein Standard-DSL-Anschluss hat eine Download-Datenübertragungsrate von rund 6016 kbit/s. Trotz der niedrigen Datenübertragungsrate können sehr gut Wetterinformationen bezogen oder Text-E-Mails ohne Formatierung versandt werden. Eine Datei mit detaillierten Wetterinformationen hat ca. 50 kByte. Je nach Netzbetreiber und Gerät ist sie in bis zu 3 Minuten geladen. Wer hingegen mit einem Satellitenterminal online geht, erhält deutlich höhere Datenübertragungsraten von bis zu 492 kbit/s. Da dauert das Herunterladen der beschriebenen Wetterdatei nur noch rund eine Sekunde.

In dem Zusammenhang sei auf einen wichtigen Aspekt hingewiesen: Auf jedem Rechner, Tablet oder Smartphone laufen unzählige Programme im Hintergrund. Sobald eine Onlineverbindung besteht, suchen diese Programme automatisch nach Updates und beginnen diese herunterzuladen. Dabei kommen durchaus hohe Datenvolumina zustande, die mit dem eigentlichen Vorhaben nichts zu tun haben. Was interessiert beispielsweise mitten auf dem Ozean bei einer kostspieligen Verbindung mit einer niedrigen Datenübertragungsrate ein viele Megabyte schweres Update des Virenscanners. Daher ist es zu vermeiden, sozusagen »direkt« online zu gehen.

Moderne Betriebssysteme wie Windows 8 erkennen zwar langsame Verbindungen und schränken dann von sich aus Teile des überflüssigen Datenverkehrs ein und dennoch ist es ratsam die Verbindung als Tunnel aufzubauen. Das ist eine Verbindung, die nur den relevanten Datenverkehr durchlässt. Hierzu kann Hardware eingesetzt werden, die wie eine Firewall arbeitet und Trittbrett-Datenverkehr von relevantem Datenverkehr unterscheidet. Sie lässt nur jene Daten durch, die wirklich gebraucht werden. Alternativ kann eine Software verwendet werden, die den Verbindungsaufbau zum Satelliten-Gateway eigenständig über eine getunnelte Verbindung herstellt und damit ebenfalls nur die nötigsten Daten durchlässt.

Nachstehend gebe ich einen kleinen Überblick über Soft- und Hardware, die nach diesem Verfahren arbeitet.

Software

Skyfile Mail

SkyFile Mail ist eine beliebte und weit verbreitete Software zum Empfangen und Versenden von E-Mails, Fax und SMS über eine Satellitenverbindung. Während der Übertragung komprimiert die Software die Daten und nutzt eine getunnelte Verbindung. So werden nur relevate Daten übertragen. Das spart Zeit und Geld.

Onsatmail

Onsatmail bietet ähnlich wie Skyfile eine zuverlässige Software für E-Mail Nutzung über eine Satellitenverbindung. Dabei kann die Nachrichtengröße begrenzt werden und mittels verschiedener Filterlisten der Datenverkehr gesteuert werden. Zudem unterstützt das Programm das POP-Verfahren.

Mailasail / Teleport IT

Die britische Firma bietet ein kostenpflichtiges E-Mail-System mit umfangreichem Funktionsumfang für Blauwassersegler an, das über eine Satellitenverbindung arbeitet. Die Software heißt Teleport IT und arbeitet ähnlich wie die anderen Programme mit Kompression und Firewall.

Hardware

Red Box

Die Red Box ist ein ziemlich interessantes Stück Hardware. Sie erlaubt es jedem beliebigen Endgerät über WLAN eine bestehende Internetverbindung zu nutzen. Dabei können drei mögliche Quellen für die Internetverbindung genutzt werden: Mobiltelefone, WLAN und vor allem Satellitenverbindungen. Zudem können NMEA- oder Raymarine-Seatalk-Daten übertragen werden und das alles geschützt durch eine Firewall. Einfach genial.

Optimizer / Red Port

In der Box versteckt sich ein Router, der direkt mit einem Satellitentelefon oder -terminal verbunden werden kann. Das Gerät stellt dann über einen Hotspot für Endgeräte an Bord ein WLAN-Signal zur Verfügung. Dabei wird wie bei der Red Box auch eine Firewall genutzt, die unnötigen Datenverkehr vermeidet.

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