Alternative zu den klassischen Monatskarten (Pilot Charts): Jimmy Cornells „Atlas der Ozeane“

Von Redaktion Blauwasser.de

Die Blauwasser-Redaktion recherchiert, produziert und veröffentlicht praxisnahe Themen rund um das Reisen auf dem Wasser. Das Team besteht aus erfahrenen Seglern und Experten.

Webseite des Autors
Alle Beiträge ansehen

Cornells Atlas der Ozeane erscheint in der 2. Auflage

Der erfahrene, mehrfache Weltumsegler Jimmy Cornell hat zusammen mit seinem Sohn Ivan eine komplett überarbeitete und aktualisierte zweite Auflage seines „Atlas der Ozeane“ herausgebracht. Die erste Ausgabe erschien im Jahr 2012.

Unzählige Blauwassersegler setzen weltweit bei der Planung von Ozeanpassagen oder längeren Strecken sogenannte Monatskarten (Pilot Charts) ein. Das sind Karten, auf denen Wetterbeobachtungen, die über Jahrzehnte hinweg stattgefunden haben, sichtbar gemacht werden. Angaben wie durchschnittliche Winde, vorherrschende Windrichtungen oder Strömungen werden vereinfacht und schematisiert dargestellt und sind so eine unverzichtbare Hilfe bei der Planung einer längeren Überfahrt oder Segelreise in ein bestimmtes Seegebiet.

Allerdings mehren sich zunehmend kritische Stimmen unter den Langfahrtseglern, die monieren, dass die klassischen Karten nicht mehr aktuell sind und die Langzeitwetterbeobachtungen in Zeiten des Klimawandels überarbeitet werden müssten. Immer wieder trifft man Segler, deren eigene Beobachtungen abweichen.

Ivan und Jimmy Cornell am Kap Hoorn – Foto: Cornell Sailing

Dieser Aufgabe hat sich Jimmy Cornell zusammen mit seinem Sohn Ivan angenommen. Gemeinsam haben sie auf Basis einer selbstgeschriebenen Software die Wetterdaten der Jahre 1991 bis 2011 ausgewertet und in der ersten Ausgabe ihres Atlas zusammengefasst. Die neueste – zweite Auflage – berücksichtigt nun zusätzlich auch noch die Jahresdurchschnittswerte von 2011 bis 2016. In Summe sind das 25 Jahre.

Sind vorhandene Monatskarten veraltet?

Gerade deutschsprachige Blauwassersegler benutzen bei der Planung häufig das vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie herausgegebene Kartenwerk „Monatskarten für den Nordatlantischen Ozean“ (Nr. 2420) in der letzten 5. Auflage. Es stammt allerdings aus dem Jahr 1997 und wurde seither nicht mehr aktualisiert oder neu aufgelegt und die darin angegebenen Werte sind längst mit Vorsicht zu genießen.

Klassische Pilot Charts der National Imagery and Mapping Agency aus den USA.

Ebenso verwenden Segler nicht selten den kostenfrei zum Download erhältlichen „Atlas of Pilot Charts for the North Atlantic Ocean“ (NVPUB106) aus dem Jahre 2002, herausgegeben von der US-amerikanischen National Imagery and Mapping Agency – einer Behörde, die dem Verteidigungsministerium angehört. Aber auch da sind lediglich Daten bis zum Jahr 2001 berücksichtigt und somit sind auch diese Werte stellenweise veraltet.

Ein Vergleich der Publikationen

Wer einen Blick in die drei verschiedenen Publikationen wirft, darf nun allerdings nicht überall auf der Welt einen signifikanten Unterschied erwarten. Dazu ein Beispiel: Für das Seegebiet der Kanaren werden in den einzelnen Atlanten für den Monat November immer noch relativ gleiche Angaben gemacht, wie das nachstehende Bild verdeutlicht.

Kanaren im Vergleich: Monatskarten (BSH), Pilot Charts (USA), Atlas der Ozeane.

Auf der Biskaya hingegen sieht es im Juli schon anders aus. Das ist der Monat, in dem viele Yachten auf dem Weg von Europa zu den Kanaren die 300-Seemeilen-Passage zwischen Brest in Frankreich und A Coruña in Spanien in Angriff nehmen. Hier hat sich das Wetter im Mittel in den letzten Jahren verändert, wie das nachstehende Bild zeigt. In den Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie sowie in den Pilot Charts aus den USA ist nicht so stark von West- oder gar Südwestwind die Rede wie in den Charts von Jimmy Cornell.

Biskaya im Vergleich: Monatskarten (BSH), Pilot Charts (USA), Atlas der Ozeane.

Besonders deutlich zu sehen ist die Veränderung beispielsweise nördlich der Galapagos-Inseln im Monat März. Während die US-amerikanischen Pilot Charts für dieses Seegebiet eher Winde aus dem südlichen Quadranten zeigen, werden in den Karten von Jimmy und Ivan Cornell Winde aus dem östlichen Sektor dargestellt. Bei der Planung einer Überfahrt von Panama zu den Galapagos-Inseln kann dies durchaus von Bedeutung sein.

Galapagos im Vergleich: Pilot Charts (USA), Atlas der Ozeane.

Cornells Atlas der Ozeane ist eine wichtige Planungsgrundlage

Mit anderen Worten: Der Klimawandel hat Folgen und die globalen Wettersysteme verändern sich. Dank der Neuauflage des Atlas von Jimmy und Ivan Cornell steht Seglern, die eine längere Passage planen, nun wieder eine aktuelle Information zur Verfügung – und das nicht nur für den nordatlantischen Ozean. Ivan und Jimmy Cornells „Atlas der Ozeane“ enthält insgesamt 128 Monatskarten für alle wichtigen Seegebiete weltweit (u.a. Atlantik, Pazifik, Indik oder Mittelmeer). Dargestellt werden: Windgeschwindigkeit und -richtung, Strömungsgeschwindigkeiten und -richtungen, die ungefähre Lage der innertropischen Konvergenzzone, die häufigsten Zugbahnen tropischer Stürme und die ungefähre Lage der Hochdruckgebiete auf jeder Erdhalbkugel.

Darstellung des Nordatlantiks im Juli in Jimmy und Ivan Cornells Atlas der Ozeane.

Sechzig Detailkarten der am häufigsten gesegelten Ozeanrouten helfen bei der Törnplanung. Außerdem werden taktische Zusatztipps für die Monate gegeben, in denen die betreffenden Passagen am häufigsten gesegelt werden. Diese schriftlichen Ergänzungen/Kommentare und Tipps zur Taktik stammen von Meteorologen und Spezialisten aus den jeweiligen Gebieten.

Neu gegenüber der ersten Auflage sind vor allem auch die monatlichen Windgramme für die beliebtesten Ozeanrouten. Sie zeigen die Windstärke und -richtung entlang einer bestimmten Route an und erleichtern so die Planung einer bestimmten Strecke.

Windgramm für die Strecke von Galapagos zu den Marquesas in Französisch Polynesien im März.

WWindgramm für die Strecke von Newport zu den Azoren im Juni.

Das Buch zum Thema

Jimmy und Ivan Cornell, Atlas der Ozeane (2. Auflage)

Cornell Sailing Ltd.
ISBN: 978-1-9997229-2-0
Spiralbindung, 136 Seiten, farbig
Format: 420 x 297 mm

Schreibe einen Kommentar...

4 Kommentare für "Alternative zu den klassischen Monatskarten (Pilot Charts): Jimmy Cornells „Atlas der Ozeane“"

avatar
  Subscribe  
Aktuellste Älteste Likes
Informiere mich bei
Chris
Guest

tolles Angebot – sind die Versandkosten bei dem Angebot inbegriffen ?
falls nein – wieviel betragen diese für den Versand in die Schweiz

Reinhard
Guest

Versandkosten nach Deutschland 18 Euro

Rolf
Guest

Ich vermute, der kleine Pfeil und der Balken am Rande Windgramme sollen die Stromrichtung anzeigen. Eine Beschreibung habe ich im Buch leider nicht gefunden.

Sönke Roever
Admin

Soweit ich weiß, zeigt der Pfeil den Kurs vom Start- zum Zielpunkt an 🙂