Törnbericht: Mit der Charteryacht durch die Südbretagne segeln

Von Michael Amme

Michael ist seit über 20 Jahren als Journalist und Fotograf auf dem Wasser tätig. Der studierte Geograf hat weltweit Reisereportagen in mehr als 100 Charter- und Blauwasserrevieren produziert. Zudem haben den Hamburger viele Segelreisen und seine frühere Tätigkeit als Charter- und Überführungsskipper rund um den Globus geführt. Zusammen mit Sönke Roever ist er die treibende Kraft von BLAUWASSER.DE und ein beliebter Referent auf Bootsmessen und diversen Seminaren (siehe Termine).

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Die Südbretagne ist mit das beliebteste Segelrevier Frankreichs

Kurvenreich windet sich die Landstraße D186 über viele Kreisverkehre bis in den Hafen von La Trinité-sur-Mer. Das erste, was die Crew am Steg neben dem Hafenbüro sieht, ist der Trimaran „Idec Sport“. Ein 32-Meter-Geschoss, das mit 41 Tagen den Rekord für die schnellste je gesegelte Weltumsegelung hält. Daneben liegen Multi-50-Trimarane, ein Open 60 und zwei Pogo 12.50. „Willkommen im Land der Extremsegler“, sage ich zu meiner Crew, „die Bretagne ist das Zuhause der meisten französischen Segelikonen.“

Im Charterhafen von La Trinité-sur-Mer liegen auch bekannte Rekordschiffe wie die IDEC SPORT.

Über den Himmel hetzen Wolken und knipsen das Sonnenlicht an und aus und unser Blick wandert rüber auf die andere Seite des Hafenbeckens. Der riesige Mastenwald macht klar, dass das Revier aber in erster Linie das der Fahrtensegler ist. Am hintersten Steg des Hafens finden wir die Flotte unserer Charterfirma. Stilecht zum Umfeld und ungewöhnlich für den Chartermarkt haben sie auch Yachten von Schiffsmarken wie Outremer, Solaris, X-Yacht, RM und Pogo im Programm.

Für uns als Familiencrew ist das schnelle Schiff vom Typ RM 9.70 eine neue Erfahrung beim Chartern.

Die Charterfirma überrascht mit schnellen Yachttypen

„Als Alternative zu anderen Charteranbietern haben wir besondere Boote im Angebot“, erklärt der Firmenchef der Charterfirma. „Damit sprechen wir nicht den typischen Mittelmeersegler an, der einen Wohnwagen auf dem Wasser sucht. Unsere Boote sind für einen anderen Typ Segler. Sie benötigen Respekt und erhöhte Aufmerksamkeit, von uns als Stützpunkt ebenso wie von den Gästen.“

Wir besteigen die brandneue RM 970 und sind von dem modernen Konzept, dem offenen Layout unter Deck und dem breiten Cockpit begeistert. Etwas unwohl ist uns dennoch, weil auch wir normalweise eher auf den vom Stützpunktleiter erwähnten Wohnwagenmodellen unterwegs sind – und jetzt beim Anblick des schwarzen Karbonmasts, der Kevlarsegel, der Backstagen und der unfassbar vielen Leinen vor unserer eigenen Courage erschrecken.

Das schnelle Schiff ist Herausforderung und Spaß zugleich

Die spontane Idee, den Familienlandurlaub um eine Woche auf dem Wasser zu verlängern, hat auch wegen des saisonal beschränkten Angebots zu dieser Bootswahl geführt. Jetzt, beim Auslaufen am Nachmittag nach der Übergabe, bläst der Wind mit 25 Knoten. Das erste Ziel, Quiberon, ist nur ein paar Seemeilen entfernt, „das Großsegel schenken wir uns“, sage ich, „das lohnt den Aufwand nicht.“ Die eigentliche Wahrheit aber lautet: Das leichte und sensible Gefährt mit seiner teuren Regattaausstattung möchte ich erstmal lieber in moderaten Bedingungen testen.

Der Hafen Port Haliguen hat einen zu jeder Tide erreichbaren Yachthafen und bietet Leihfahrräder.

Von Port Haliguen auf der Ostseite der Halbinsel Quiberon hatte uns der Basisleiter bei der Schiffsübergabe eigentlich abgeraten, „nicht besonders attraktiv“, meinte er. Nach dem Festmachen schnappen wir uns die kostenlosen Fahrräder der Marina und radeln, vorbei an dem alten Leuchtturm auf der gemauerten Hafenmole, in den Sonnenuntergang. Auf dem Weg zur Südspitze der Halbinsel Quiberon passieren wir feinsandige, weiße Sandstrände, „wenn das nicht attraktiv sein soll, haben wir ja noch einiges zu erwarten“, freut sich Bordfrau Karen über den gelungenen Auftakt.

Die Herausforderung Südbretagne ist viel geringer als gedacht

Die Südbretagne ist zusammen mit der Côte d’Azur am Mittelmeer das bekannteste Segelrevier Frankreichs. Und das, obwohl es in der Biskaya liegt und im Westen nur aus einer Wasserwüste von rund 2.000 Seemeilen offenem Atlantik besteht. Dass die Südbretagne als Urlaubsrevier trotzdem beliebt ist, liegt auch an den geografischen Gegebenheiten.

Schon das erste Ziel Quiberon überzeugt mit einem tollen Strand gleich neben dem Hafen.

Die Gezeitenunterschiede und damit die Strömungen sind, anders als in der Nordbretagne am Eingang zum Englischen Kanal, bei weitem nicht so extrem. Dazu gibt es im Revier mit seinen großen Charterstützpunkten in La Trinité-sur-Mer und Lorient zahlreiche alte Städte, idyllische Flussläufe mit verträumten Ortschaften und viele der Küste vorgelagerte Inseln. Bei der Übergabe hatte sich der Stützpunktleiter Zeit für eine Revierberatung genommen, jetzt sind weit über ein Dutzend Kreuze auf der Karte eingezeichnet, „das sind doch viel zu viele für eine Woche“, meint meine Tochter Nora bei der Planung am nächsten Morgen.

Das ungewöhnliche Charterschiff mit Karbonmast und Kevlarsegeln sorgt auch für Entspannung.

Der Wind ist abgeflaut, ideale Bedingungen für die Erprobung des kleinen Monsters. Die RM 970 hat in 2017 den Preis „Europas Yacht des Jahres“ in der Kategorie Fahrtenboot gewonnen. „Das Schiff kombiniert Elemente aus dem Hochsee-Rennsport gekonnt mit den Komfortmerkmalen herkömmlicher Yachten“, heißt es in der Laudatio. Gelobt werden zudem das ergonomische und sichere Cockpit, das coole Design, der leichte Sperrholzrumpf und die agilen Segeleigenschaften.

Unter Deck der preisgekrönten Yacht ist es hell, offen und freundlich.

Bei wenig Wind schnell zu segeln ist ein großer Spaß

An letztere müssen wir uns erst noch gewöhnen, das Schiff ist leichtfüßig und hibbelig und der Wirrwarr an Leinen für Crews ohne Regattaerfahrung ungewohnt. Mit Barbourholern, Backstagen und Cunninghamstrecker gibt es auf herkömmlichen Charteryachten keine Berührungspunkte. „Papa, du weißt aber schon, wie das alles zu bedienen und einzustellen ist?“, fragt unser Teenager Jakob jetzt beim Setzen der Segel.

Auch die Jugend an Bord hat schnell ein Gespür für das leichtfüßige Schiff.

Gemeinsam arbeiten wir uns durch die Leinenknäuel, dann prescht das Schiff los. Mitten durch die „Passage de la Teignouse“, ein Minenfeld aus Untiefen und Felsen, die strömungsreiche Durchfahrt zwischen der Halbinsel Quiberon und der Insel Houat. Mit unseren zwei Metern Tiefgang verzichten wir auf jede Abkürzung, „das haben wir bei diesen Segeleigenschaften auch gar nicht nötig“, sage ich mit der Pinne in der Hand und grinse über sechs Knoten Speed bei nicht einmal zehn Knoten Wind.

Die Passage de la Teignouse ist ein Minenfeld an Untiefen und muss umfahren werden.

Das Tagesziel heißt Port-Tudy auf der Ile de Goix

Um uns herum sind Dutzende weiße und bunte Segel, es ist Anfang August und Hochsaison. „Port-Tudy ist der einzige sichere Anlaufpunkt der Insel“, hatte uns der Stützpunktleiter bei der Einweisung erklärt. Im Hafenhandbuch finden wir die Telefonnummer des Hafenmeisters, „je ne parle pas francais“, beginne ich das Gespräch und frage auf Englisch nach einem Liegeplatz. Ohne Probleme werden Schiffsname, Länge, Tiefgang und voraussichtliche Ankunftszeit aufgenommen, „you are welcome“, heißt es zum Ende des Telefonats. Egal, wo wir im Laufe der Reise nach Liegeplätzen fragen, Murings bezahlen oder Essen bestellen, immer machen wir die Erfahrung, dass das auch auf Englisch geht.

Der Inselhafen Port-Tudy auf der Ile de Goix ist ein entspannter und liebenswerter Urlaubsort.

Port-Tudy ist eine Perle. „Sehr fotogen und mit der alten Häuserfront um den Inselhafen ein typischer Hafen der Region“, hatte der Stützpunktleiter erzählt. Gleich hinter dem Hafen entdecken wir, idyllisch zwischen der steilen Felsküste gelegen, eine Badebucht mit feinem Sandstrand und türkisfarben leuchtendem Wasser. „Ganz schön kalt“, findet Karen den Atlantik und bleibt beim Sonnenbad am Strand.

Strand und Wasser erinnern an die Karibik, die Wassertemperatur eher nicht.

Doch der Rest der Crew guckt sich bei den Franzosen das Klippenspringen ab und stürzt sich jubelnd in die 19 Grad kalten Atlantikfluten. Auf dem Rückweg gibt es am Hafen zur Stärkung für die Jugendlichen einen Crêpe mit Käsefüllung und für die Eltern einen Vorspeiseteller mit frischen Muscheln und Garnelen.

Gleich am Hafen von Port-Tudy gibt es viele Gelegenheiten, französische Küche zu probieren.

Alle Hafenplätze sind bis auf den letzten Platz belegt, beim Bezahlen der 25 Euro Liegegebühren erklärt der Hafenmeister: „Wir lassen so viele Boote rein wie möglich und geben dann über UKW Kanal 9 bekannt, dass der Hafen voll ist. Das kann gerade im August schon mal passieren.“ Wer dann zu spät ist, kann entweder vor dem Hafen ankern oder findet in den nur wenige Seemeilen entfernten großen Häfen von Lorient Platz.

In Port-Tudy kann tideunabhängig im Hafenbecken an Muring festgemacht werden.

Die Iles de Glénan sind so etwas wie die Brutstätte französischer Segellegenden

Das westlichste Ziel der Reise sind die Iles de Glénan. Für die Nacht haben wir einen vor den angesagten Westwinden geschützten Ankerplatz hinter der Ile de Penfret ausgesucht. Damit entfällt für heute auch das Berechnen der genauen Gezeiten. Weil der Ankerplatz zu jeder Zeit angelaufen werden kann und die Strömung entlang der offenen Seepassage maximal nur einen halben Knoten erreicht. Nur nahe der Küste, an Kaps oder in engen Durchfahrten, können es zu Springzeiten zweieinhalb Knoten sein, in den Flussläufen auch über drei. Bei einem Tidenunterschied von etwa zwei Metern zu Nippzeiten und bis zu viereinhalb Metern zu Springzeiten.

Der Ankerplatz ganz im Osten der Iles de Glénan ist schön, sicher und bei jedem Tidenstand erreichbar.

Der Himmel ist grau, die Luft frisch, am Nachmittag fällt der Anker vor einem feinsandigen weißen Strand. Aus der riesigen und durch die Nasszelle begehbaren Backskiste an Steuerbord zerren wir das Schlauchboot und den elektrischen Außenbordmotor, „der hat ja richtig Power“, staunt Jakob beim Übersetzen.

Den Sundowner auf der Ile de Penfret gibt es am feinsandigen Strand des Ankerplatzes.

Auf dem Spaziergang zur anderen Seite der Insel erblicken wir die ganze Weite des kleinen Inselarchipels der Iles de Glènan, die aus vier größeren Inseln und drei Dutzend Inselchen und Felsen besteht. Und in deren geschützter Mitte eine herrlich türkisfarbene Wasserfläche leuchtet, „fahrt da aber nicht rein“, hatte Mathieu gewarnt, „bei eurem Tiefgang sind die Ankerplätze im Inneren zu gefährlich.“

Auf der Ile de Penfret ist das Jugendcamp der bekanntesten Segelschule Frankreichs untergebracht.

Auf den Inseln operiert die bekannteste und älteste Segelschule Frankreichs. Wir beobachten Jugendliche auf Dutzenden Jollen und Strandkatamaranen, später am Nachmittag werden sie sich in ihr Zeltlager hinter den Stranddünen zurückziehen. Einer der jungen Segellehrer erklärt uns, dass die Segelschule hier auf vier Inseln unterschiedliche Stützpunkte betreibt und die Erwachsenen getrennt von den Jugendlichen und Kindern ausbildet. Viele französische Segellegenden lernten hier Segeln, Franck Cammas, Francis Joyon, Isabelle Joschke und Jean-Luc Van Den Heede sind die bekanntesten.

Meistens bleiben die Schüler einer Klassenreise für eine Woche auf der Ile de Penfret.

Die Ile Saint-Nicolas ist so etwas wie die Hauptinsel der Iles de Glénon

Von den Inseln sind wir begeistert und bleiben eine zweite Nacht – dieses Mal an einer Muring vor der Hauptinsel Ile Saint-Nicolas, einen Yachthafen haben die Inseln nicht. Wir schlendern über die autofreien Wege bis zum Fähranleger, planschen am Sandstrand, genießen die ruhige Heidelandschaft und beobachten einen durch das Muringfeld springenden großen Delfin.

Plötzlich springt ein stattlicher Delfin mitten durch das Muringfeld.
Strand, Farben und Landschaft lassen auf den Iles de Glénon keine Wünsche offen.

In der Nacht nimmt der Westwind zu, das „Petite Monstre“ zerrt an der Muring und hoppelt über die Wellen. Noch vor dem Frühstück brechen wir auf Richtung Festland, „Belon ist sehr schön, aber in der Mündung müsst ihr mit der Wassertiefe aufpassen“, hatte Mathieu gewarnt.

Der kleine Ort Port Manec`h mit seinen wenigen Häusern versprüht bretonisches Flair.

Am Festland machen wir unsere erste Begegnung mit einem Flusslauf

An der wild zerklüfteten Felsküste stoppen wir vor der Mündung in Port Manec’h und warten auf steigendes Wasser. Mit Kanistern füllen wir die leeren Wassertanks auf und stillen an einem Hafenimbiss unseren Hunger. Dann schiebt uns die Tide durch einen grün bewaldeten Flusslauf mit steilen Ufern bis zur kleinen Ortschaft Belon.

Flussläufe wie der Belon sind landschaftlich attraktiv und navigatorisch durch viel Strömung geprägt.

Zwischen zwei Murings liegen die Boote mit Bug- und Heckleine wie an einer Perlenschnur in Reih und Glied. Wir wenden und steuern mit voller Kraft voraus gegen fast vier Knoten Strom einen freien Platz an. „Ganz anders, aber sehr idyllisch hier“, findet Karen den Fluss, die winzige Ortschaft mit ihren schiefergeckten alten Häusern und den Wanderweg entlang dem Flussufer.

Alle Schiffe in Belon sind mit Bug und Heck an einer Muring befestigt.

Auf der gegenüberliegenden Flussseite liegt das Chez Jacky, ein Restaurant mit eigener Austern- und Muschelzucht. Auf der Terrasse werden große Platten mit Schalentieren serviert, dazu eiskalter Weißwein. Wer möchte, kann für 59 Euro eine Portion gegrillten bretonischen Hummer bestellen oder die frischen Meeresfrüchte im Ladengeschäft des Restaurants für die Zubereitung an Bord erwerben.

Wie in Belon gibt es fast überall im Revier frische Meerestiere direkt vom Züchter.

Die Belle-Ile ist ein weiteres Highlight des Reviers

Das letzte Ziel der Reise ist die 35 Seemeilen entfernte Belle-Ile, „eine fantastische Insel“, hatte der Stützpunktleiter geschwärmt, „da kann man zwei Wochen bleiben und jeden Tag was anderes machen.“ Er schwärmte von dem fjordähnlichen Einschnitt Stêr-Wenn ganz im Westen, in dem man mit Buganker und Heckleine zum Land zwischen einsamen steilen Küsten festmacht. Oder von Port Kerel im Süden, ein tiefer Einschnitt mit herrlichem Sandstrand im Scheitel.

Le Palais ist der Hauptort der Insel Belle-Ile, sehr lebendig und absolut sehenswert.

Uns bleibt auf der größten bretonischen Insel nur noch Zeit für die Hauptstadt Le Palais. Hafenmitarbeiter in drei orangenen Schlauchbooten begrüßen die ankommenden Segler und schieben die Yachten im „Bassin à flot“ zu großen Päckchen zusammen. Fähren tuten, Tagestouristen flanieren und die Restaurantterrassen in den Gassen und rund um den Hafen sind alle voll besetzt.

Das innere Hafenbecken wird vor dem Schließen der Schleuse bis zum letzten Platz gefüllt.

Der Ort selbst versprüht mit seiner mehrgeschossigen und in Pastellfarben gestrichenen, alten Bebauung viel mediterranes Flair. Die Hafeneinfahrt ist mit zwei Bilderbuchleuchttürmen bestückt, und über allem thront die alte Festungsanlage Vauban, in der im Sommer die Aufführungen des Belle-Ile-en-Mer Festivals stattfinden.

Voller Leben sind die Gassen des touristisch geprägten Ortes La Palais auf der Belle-Ile.

Fazit: Das Revier ist eine Wucht, das Wetter abwechslungsreich

Auf dem Rückweg zur Charterbasis preschen wir als eingespieltes Team mit einer Backstagsbrise Richtung Norden. „Das Schiff ist schon sexy“, findet Karen, „nur das Wetter könnte besser und das Wasser wärmer sein.“ Trotzdem kommt Wehmut auf, denn die zerklüfteten Küsten, die watteweichen Sandstrände, die hübschen Hafenorte, die unterschiedlichen Inseln und die frischen Meeresfrüchte haben alle an Bord überzeugt.

Einen absolut letzten Zwischenstopp gibt es auf der Insel Houat.

Bemerkenswert sind auch die Bretonen, die, anders als ihre Landsleute im Süden, viel offener sind und zudem meist gutes Englisch sprechen. Auch die vielen schnellen Yachttypen im Revier sind auffällig, genauso die Lässigkeit, mit der die Franzosen auf ihnen unterwegs sind. Und die navigatorischen Herausforderungen sind trotz Tidenrevier erstaunlich überschaubar. „Ein total spannendes Revier mit Idealbedingungen zum Urlaubssegeln“, fasse ich meine Eindrücke auf Nachfrage vom Stützpunktleiter nach dem letzten Festmachen zusammen. Nur eine Frage bleibt unbeantwortet: Warum haben wir unterwegs eigentlich keine deutschen Segler getroffen?

Bullerbü auf Französisch – die Küste der Südbretagne bietet reichlich Abwechslung.

Charter und Anreise

Die Südbretagne ist nach der französischen Mittelmeerküste das meistbesuchte Segelrevier Frankreichs. Dementsprechend gibt es hier eine große Auswahl an Charterunternehmen, neben internationalen Flottenbetreibern und lokalen Firmen auch Spezialanbieter mit besonderen Yachten wie der RM 970. La Trinité-sur-Mer und Lorient sind dabei die Ausgangshäfen mit den größten Flotten.

Die Flughäfen von Nantes und Rennes sind beide etwa 140 Kilometer von den Charterstützpunkten entfernt. Der von Brest ist 175 und der von Paris 500 Kilometer entfernt. Lorient selbst hat ebenfalls einen kleinen Flughafen. Mit dem Auto sind es von Köln etwa zehn Stunden (1.000 Kilometer), München oder Bremen liegen beide etwa 1.300 Kilometer entfernt.

La Trinité-sur-Mer ist einer der beiden großen Häfen mit Chartermöglichkeiten.

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Weitere Infos zum Revier

Revier und Navigation

Die Ziele des Reviers liegen alle nah beieinander, wir haben in der Charterwoche fünf Inseln und zwei Küstenorte besucht und zusammen 130 Seemeilen gesegelt. Der Tidenstrom beträgt in offenen Gewässern nur etwa 0,5 Knoten, an den Küsten und in engen Durchfahrten bis zu 2,5 und in den Flussläufen bis zu 4 Knoten. Der Tidenhub erreicht zwischen 2 und 4,5 Meter. Das Kartenmaterial sowie die Betonnung und Befeuerung sind sehr gut, der Service in den Häfen ebenfalls.

Viele Ziele, hübsche Küsten und stets guter Wind bieten ideale Voraussetzungen für Segler.

Häfen und Ankerplätze

Viele große und auch tideunabhängige Yachthäfen entlang der Küste bieten allen denkbaren Service. Einige Hafenareale sind durch Schleusen nur zu bestimmten Wasserständen erreichbar. Viele Muringfelder entlang der Flussläufe, im Schutz der Hafenbecken oder an schönen Ankerstellen bieten zudem tideunabhängige Sicherheit. Die Hafengebühren sind im Vergleich zum Mittelmeer mit 25 Euro für zehn Meter (Hochsaison) günstig, eine Muring kostet etwa 15 Euro.

In den Inselhäfen wie hier auf der Belle-Ile gibt es auch Liegeplätze hinter einer Schleuse.

Wind und Wetter

Das Revier kann gleichermaßen dem Einfluss des Azorenhochs wie den durchziehenden Tiefdruckgebieten ausgesetzt sein. Dabei überwiegt wechselhaftes atlantisches Wetter mit Wind aus West und Nordwest. Bei klaren Wetterlagen zeigen Wolkenbildungen über Land an, dass es am Nachmittag zu einem starken Seewind aus Südwest kommen wird – und damit in der Nacht die brise de terre aus Nordost einsetzt, der thermische Landwind.

Wind und Wetter ändern sich häufig und sind von atlantischen Einflüssen geprägt.

Literatur & Seekarten

• Nick Chavasse, Atlantic France, Verlag Imray, 54,20 Euro.
• Susanne und Ralf Paschold, Süd-Bretagne, Eigenverlag,
• NV. Atlas France FR 5 und FR 6, NV Verlag
• Oder Einzelkarten: F 7033, 7032, 7031, Verlag SHOM
• Für den Landgang: Marcus X. Schmid, Bretagne, Michael Müller Verlag

Häfen im Porträt

Ile Huat

Die eine Seemeile breite Bucht Tréac’h er Gourhed auf der Ostseite der Insel bietet reichlich freien Ankerraum auf zwei bis drei Meter Wassertiefe. Der unberührte und unbebaute kilometerlange Sandstrand gilt als der schönste der ganzen Bretagne. Perfekt zum Baden, Sonnen, Spazierengehen und Muscheln sammeln. Die kleine Ortschaft hinter dem Strand hat einen kleinen Hafen, der komplett mit kleinen Fischerbooten besetzt ist und nur wenigen Yachten bis maximal zehn Meter Platz bietet.

Der Strand in der Bucht Tréac’h er Gourhed gehört mit zu den Perlen des Reviers.

Le Palais auf Belle-Ile

Der Hauptort der größten Insel der Bretagne ist ein beliebtes Ziel von Seglern, Touristen und Tagesgästen. Hinter der Hafenmole gibt es das große Hafenbecken Avant Port, in den Yachten tideunabhängig ein- und auslaufen und an Murings festmachen können. Das mittlere Hafenbecken Port d’echouage fällt teilweise trocken, das hintere „Bassin á flot“ öffnet seine Schleuse bei Hochwasser. Hier liegt man sehr geschützt direkt neben der Häuserfront des Ortes. Die Liegegebühren für eine 10-Meter-Yacht betragen etwa 25 Euro, Duschen kostet einen Euro.

Im Basin á flot liegt man mitten im Zentrum von Le Palais.

Port-Tudy auf Ile de Groix

Der alte Hafen war ursprünglich Stützpunkt einer Thunfischfangflotte, heute ist er hauptsächlich Ziel von Touristen. Im äußeren Hafenbecken Avant Port können Yachten tideunabhängig an Murings festmachen, die gleich neben dem Fähranleger liegen. Hinter der Nordmole gibt es Liegeplätze an Schwimmpontons, das innere Hafenbecken ist von etwa zwei Stunden vor bis zwei Stunden nach Hochwasser durch eine dann geöffnete Schleuse erreichbar. Bei ruhigem Wetter kann auch vor dem Hafen auf sechs Meter Wassertiefe geankert werden.

Eine der Möglichkeiten in Port-Tudy festzumachen ist das Einschleusen in das innere Hafenbecken.

Port du Belon

Der Besuch von zumindest einem der zahlreichen Flussläufe entlang der bretonischen Küste ist eine sehenswerte Abwechslung. Die Entfernung von der Mündung bis zu dem kleinen Ort Belon ist nur eineinhalb Meilen lang und führt an wunderschönen grünen Ufern entlang. Die Zufahrt ist flach und sollte nur bei Hochwasser befahren werden, die Muringfelder im Flusslauf haben dagegen immer genug Wasser. Die Strömungsgeschwindigkeiten erreichen hier bis zu vier Knoten. Gegenüber der verschlafenen Ortschaft gibt es zwei Restaurants mit eigenen Zuchtanlagen, deren frische Austern sind landesweit bekannt.

Die Restaurantplätze gegenüber der Ortschaft Belon sind genauso beliebt wie die frischen Meerestiere.

Ile de St.-Nicolas

Auf der Hauptinsel der Iles de Glénan gibt es ein paar wenige Häuser, den einzigen Fähranleger der Inselgruppe, weite Heideflächen und schneeweiße Strände. Die Murings für Yachten sind tagsüber häufig belegt, abends aber fahren viele Segler zurück zum Festland. Ein bei Hochwasser überspülter Strand vor dem Muringfeld verbindet die Insel St.-Nicolas mit der Insel Bananec. Mit weniger als zwei Meter Tiefgang kann man auch auf der sehr geschützten Südseite der Insel ankern.

Wie hier auf der Ile de St.-Nicolas haben viele Plätze im Revier einen karibischen Flair.
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Carsten Sommer
Carsten Sommer
8 Monaten her

“Nur eine Frage bleibt unbeantwortet: Warum haben wir unterwegs eigentlich keine deutschen Segler getroffen?”
In der Süd-Bretagne sind nicht wenige deutsche Boote unterwegs, die das Revier allerdings größtenteils in der Hochsaison meiden, wenn die Franzosen kollektiv Urlaub machen. Wir fahren unsere Törns auf der Logoff auch nur im Frühjahr und im Spätsommer. Dann geht alles wesentlich entspannter zu. Was nicht geschrieben worden ist: Die Süd-Bretagne bietet herrlichen Segelspaß von April-Oktober. Aber trotzdem ein toller, schön und informativ geschriebener Artikel!!

Bonne Navigation!

Carsten.

Martin
Martin
8 Monaten her

Sind in Frankreich ein Segelschein zwingend erforderlich?