Revierinfo Südfrankreich: Segeln an der Côte d‘Azur und Calanques

Von Michael Amme

Michael ist seit über 20 Jahren als Journalist und Fotograf auf dem Wasser tätig. Der studierte Geograf hat weltweit Reisereportagen in mehr als 100 Charter- und Blauwasserrevieren produziert. Zudem haben den Hamburger viele Segelreisen und seine frühere Tätigkeit als Charter- und Überführungsskipper rund um den Globus geführt. Zusammen mit Sönke Roever ist er die treibende Kraft von BLAUWASSER.DE und ein beliebter Referent auf Bootsmessen und diversen Seminaren (siehe Termine).

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Titelfoto: ©Michael Amme

Der Überblick: Das Segelrevier Südfrankreich zwischen Marseille und Monaco

Die Französische Mittelmeerküste ist die vermutlich am dichtesten mit Yachten befahrene Küste Frankreichs. Dabei ist weniger der westliche Küstenabschnitt des mitunter stürmischen Golfs von Lyon gemeint, der bis an die spanische Grenze reicht. Vielmehr liegt das Zentrum des maritimen Tourismus zwischen Marseille und Monaco und reicht im Osten bis nach Menton an die italienische Grenze.

Ein Großteil dieses Küstenabschnitts wird umgangssprachlich auch als Côte d’Azur bezeichnet, wobei die geografische Grenze dieses berühmten Küstennamens nicht eindeutig festgelegt ist. In jedem Fall endet die Côte d’Azur im Westen spätestens bei Cassis und der folgende Küstenabschnitt bis nach Marseille ist auch als die Küste der Calanques bekannt.

Watteweiche Strände wie hier am berühmten Tahiti-Beach bei Saint-Tropez sind eines der Markenzeichen des Reviers. ©Michael Amme

Die Entfernung zwischen Marseille im Westen und Menton im Osten beträgt auf direktem Weg etwa 120 Seemeilen. Viele kennen die Namen der Hotspots dieser Küste: Saint-Tropez, Cannes, Antibes, Nizza, Monaco. Reflexartig denken die meisten dabei an VIP-Tourismus, Megayachten, Filmfestspiele und ganz viel Glanz und Gloria und fragen sich, ob man hier als Normalsterblicher überhaupt segeln gehen kann. Soviel vorweg: Segeln ist in Frankreich Volkssport und niemand im Land käme auf den Gedanken, dass der schönste Küstenabschnitt des Landes nicht für jedermann zugänglich ist. Völlig selbstverständlich wird somit selbst in Orten wie Saint-Tropez die Reservierung des Charterseglers gleichberechtigt mit der einer 100-Millionen-Megayacht bearbeitet und Liegegebühren sind hier schon lange nicht mehr die teuersten im Mittelmeer.

Auch hier in Nizza ist der Liegeplatz nicht teurer als auf Mallorca oder Sardinien. ©Michael Amme

Neben den Hotspots des Reviers gibt es Dutzende Urlaubsorte mit zum Teil riesigen Marinas, die dem sommerlichen Ansturm von Landtouristen und Bootsfahrern problemlos gerecht werden. Dazu gibt es viele kleine Perlen wie Sanary-sur-Mer oder Cassis, die sich vom ehemaligen Fischerdorf zum hippen Ferienort entwickelt haben.

Mit Marseille bietet das Revier zudem eine Top-Metropole mit Liegeplätzen direkt im Zentrum, ebenso können weitere große Städte wie Toulon, Nizza oder Cannes besucht werden. Mit einem ganz anderen Gesicht, ganz ruhig und idyllisch, zeigen sich dagegen viele der Buchten und vor allem die vorgelagerten Inseln des Reviers: die Iles du Frioul vor Marseille, die zauberhaften Iles d’Hyères, die Iles des Embiez des Pastis-Fabrikanten Paul Ricard oder die Iles de Lerins vor Cannes.

Wer von dieser französischen Mittelmeerküste weitere Mittelmeerziele besuchen möchte, muss etwa 100 Seemeilen bis nach Korsika segeln, 120 Seemeilen quer über den Golf von Lyon bis zur spanischen Mittelmeerküste der Costa Brava oder gut 200 Seemeilen bis nach Mallorca. Alternativ kann man entlang der italienischen Festlandsküste (auch Riviera genannt) in Tagesetappen über Genua, La Spezia und Piombino bis nach Elba segeln.

Der Erlebnisfaktor: Unterwegs an der Côte d‘Azur und der Küste der Calanques

Über den Grund, warum im Verhältnis zu anderen Mittelmeerrevieren eher weniger deutsche Yachten und Chartersegler an dieser Küste unterwegs sind, kann nur spekuliert werden. Vermutlich spielen vermeintliche Sprachbarrieren, der Ruf der Küste als ultimatives Epizentrum der High Society, ein vermutetes hohes Preisniveau oder einfach liebgewonnene deutsch-französische Vorurteile eine Rolle.

Megayachten wie hier in Saint-Tropez gehören mit zum Reviererlebnis. ©Michael Amme

Wer an der Promenade eines Touristenortes für eine Kugel Eis vier Euro bezahlt oder beim Bäckereiverkäufer auch mit dem einfachsten Schulenglisch nicht weiterkommt, fühlt sich schnell in seinen Vorurteilen bestätigt. Die Wahrheit aber ist, dass sich bis auf einzelne Ausnahmen die Lebenshaltungskosten oder Marinapreise nicht von anderen Zielen im westlichen Mittelmeer unterscheiden. Auch in Bezug auf die Sprachbarriere hat sich einiges getan, zumindest im maritimen Sektor ist die Kommunikation auf Englisch heute weitestgehend problemlos möglich.

Auch in den Touristenzentren sind Sprachbarrieren kein Problem. ©Michael Amme

Wer die auch sehr gut mit dem Auto erreichbare französische Mittelmeerküste als mögliches Törnziel von seiner Liste streicht, muss wissen, dass er damit einem extrem abwechslungsreichen Revier einen Korb gibt. Die Reduzierung des Reviers auf das bekannte Jet-Set-Klischee führt an der Realität vorbei, vielmehr handelt es sich hier um ein mit allen Facetten mediterraner Reviercharakteristik ausgestattetes Urlaubsziel.

Die Vielseitigkeit dieser gut 120 Seemeilen langen Küstenlinie ist durchaus bemerkenswert: Neben dem azur-blauen Meer gibt es über 60 Marinas und mehr als 200 goldene Sandbuchten. Von der einsamen Ankerbucht im Schutz von schroffen Feldnasen oder fjordartigen Einschnitten bis zur Flaniermeile mit Edelboutiquen ist hier alles möglich und je nach Vorliebe und Routenwahl kann hier jeder sein ganz individuelles Törnerlebnis gestalten. Übrigens: Wegen der guten Infrastruktur und der kurzen Entfernungen zwischen den vielen Zielen eignet sich das Revier auch sehr gut für Anfänger.

Die Routen- und Törnoptionen entlang der Côte d’Azur

Wer nicht wochen- oder monatelang Zeit hat die Küste mit der eigenen Yacht zu erkunden und auf einem Urlaubstörn von einer oder maximal zwei Wochen unterwegs ist, der hat im Prinzip zwei Optionen: Entweder man macht sich auf in Richtung Westen und erkundet auf dem Weg bis nach Marseille die Iles d’Hyères und die viel weniger bekannte Küste der Calanque. Oder man steuert mitten hinein ins Epizentrum der Côte d’Azur und besucht auf dem Weg nach Osten mit Saint-Tropez, Cannes oder Monaco einige der bekanntesten Hafenorte des Mittelmeers.

Egal welche Route man wählt, der Badespaß ist immer Teil einer Segelreise in Südfrankreich. ©Michael Amme

Route 1: Marseille und die Küste der Calanques

Beginnen wir mit der weniger bekannten Route Richtung Marseille (siehe auch Revierreportage: Die Küste der Calanques). Die etwa 60 Seemeilen zwischen den Iles d’Hyères und Marseille bieten neben ihren Touristen-, Hafen- und Fischerorten auch die einsame Küste der Calanques, ein Nationalparkgebiet, das sich über etwa 15 Seemeilen im Süden von Marseille erstreckt.

Fjordähnliche Einschnitte wie die Calanque de Morigiou prägen einen Teil dieses Küstenabschnitts. ©Michael Amme

Auf dieser Route können wir festhalten, dass die ganz großen Namen der südfranzösischen Küste links liegen bleiben. Mit dem Vorteil, dass es hier ruhiger zugeht, weniger voll ist und das Naturerlebnis im Vordergrund steht. Calanques sind tief in die Kalksteinfelsen einschneidende fjordähnliche Buchten, die der Küste ihren Namen gegeben haben und die herrliche Ankerstopps in unbebauter Natur ermöglichen.

Buchten mit Sandstrand gibt es wie hier in der Anse de Figuerolls auch an der Küste der Calanques. ©Michael Amme

Ebenfalls geradezu idyllisch auf dieser Route zeigen sich die drei Inseln der Iles d’Hyères, Porquerolle, Port-Cros und Ile du Levant (siehe auch Revierinformation Iles d’Hyeres). Die autofreien Inseln bieten romantische kleine Hafenorte, schöne Ankerbuchten und herrliche Fahrradwege vorbei an wilden Küstenformationen.

In Port-Cros auf den Iles d’Hyères geht es herrlich entspannt und verträumt zu. ©Michael Amme

Eindrucksvoll auf dieser Route ist auch der Kontrast zwischen der Metropole Marseille und der vier Seemeilen vor der Hafeneinfahrt liegenden Inselgruppe Iles du Frioul. Marseille ist die wohl beste Metropole im Mittelmeer, die man unter Segeln besuchen kann. Was unter anderem an der Tatsache liegt, dass das Haupthafenbecken für Yachten, der große Vieux Port, gleichzeitig auch den Mittelpunkt des Zentrums dieser pulsierenden und absolut sehenswerten Metropole bildet. Wer nach dem Besuch müde und erschöpft vom vielen Sightseeing ist, schmeißt einfach gleich gegenüber auf den ruhigen Iles du Frioul den Anker für einen Badestopp.

Der Vieux Port von Marseille liegt mitten im Zentrum der Stadt. ©Michael Amme

Route 2: Die Küste der berühmten Côte d’Azur

Wer von den großen Charterstützpunkten bei Toulon oder in Bormes-les-Mimosas startet, um die Küste der Côte d’Azur bis zur italienischen Grenze ganz in der Nähe von Monaco zu erkunden, der hat für den Hin- und Rückweg am Ende des Törns zwischen 160 und 200 Seemeilen auf der Logge. Wer zudem auch noch die nahen und bilderbuchschönen Iles d’Hyères mit in den Törnplan aufnehmen möchte, muss noch ein paar Seemeilen mehr einkalkulieren.

Liegt auch an der Côte d’Azur: Die Festung Bregancon ist die Sommerresidenz des französischen Präsidenten. ©Michael Amme

Für viele stehen auf dieser Route die bekannten Namen im Vordergrund und es gibt keinen Grund, berühmte Orte wie Port Grimaud, Saint-Tropez, Cannes, Antibes oder Monaco nicht anzusteuern. Sofern die Liegeplätze in der Hauptsaison nicht gnadenlos voll sind, kommen hier ganz selbstverständlich auch Fahrten- und Chartersegler unter. Alle diese Orte sind nicht umsonst zu Ikonen der Tourismusgeschichte aufgestiegen, in denen sich schon früh Maler, Schriftsteller und Schauspieler genauso wohl gefühlt haben wie die Schönen und Reichen Europas. Auch wenn der damalige Glanz heute teilweise vom Massentourismus überdeckt wird — der Kern des Reizes dieser Orte lohnt auch heute noch den Besuch.

Cannes bietet Großstadtflair inklusive Glanz und Massentourismus. ©Michael Amme

Natürlich hat auch dieser Küstenstreifen viel mehr als nur die berühmten französischen Küstenorte zu bieten. Womit nicht nur Plätze wie der legendäre High-Society-Strand Plage de Tahiti gemeint sind, die rötlich schimmernden Felsen von l’Estérel, der Garoupe-Strand von Antibes oder das Grimaldi-Fürstentum Monaco. Vielmehr finden sich darüber hinaus stets auch schöne Ankerplätze vor watteweichen Stränden, manche davon sogar an wilden und selbst heute noch gänzlich unbebauten Küstenabschnitten. Dazu bietet ein gutes Dutzend Urlaubsorte mit weniger bekannten Namen lebendige Ziele mit guten Marinas. Insgesamt, auch mit den Ankermöglichkeiten auf den vor Cannes liegenden Iles de Lerins, kann der Törnplan auch auf dieser Route fast täglich den individuellen Vorlieben angepasst werden.

Im Kontrast zu Cannes zeigen sich die gleich gegenüberliegenden Iles de Lerins herrlich ruhig und entspannt. ©Michael Amme

Die nautische Herausforderung der französischen Mittelmeerküste

Navigatorisch stellt die französische Mittelmeerküste uns Segler vor keine außergewöhnliche Herausforderung. Die bisweilen stark mit Einbuchtungen und Landzungen zerklüftete Küste ist erstaunlich rein von Untiefen und die Wassertiefen nehmen schnell zu. Schon zehn Seemeilen vor der Küste verläuft bereits die 2.000-Meter-Linie, überhaupt ist das Mittelmeer tief wie ein Ozean (maximale Tiefe: 5.267 Meter!).

Das nächste Kap oder die nächste Landmarke ist stets in Sicht und wer etwas geübt in der Übertragung der zweidimensionalen Kartenansicht auf die dreidimensionale Realität ist, kommt hier auch problemlos ganz ohne Plotter und GPS zurecht. Zumal auch die Kennzeichnung von Sperrgebieten, Kaps, Untiefen und Hafeneinfahrten mit Seezeichen sehr gut ist.

Auf den Etappen entlang der Côte d’Azur ist stets auch freies Segeln möglich. ©Michael Amme

Der Tidenunterschied beträgt selbst zu Springzeiten weniger als 0,3 Meter und kann somit weitestgehend vernachlässigt werden. Einen größeren Einfluß auf die Wassertiefen haben langanhaltende Winde, Nordwind reduziert die Wassertiefe, bei Südwind steigt das Wasser. Apropos Südwind: Bei starkem Südwind (kommt meist nur in der Nebensaison vor) ist die Küste dem hohen Wellengang ausgesetzt, viele Ankerbuchten werden dann unbrauchbar und einige Hafenansteuerungen problematisch.

Offene Ankerbuchten wie die Anse du Gau können bei Südwind unbrauchbar werden. ©Michael Amme

Ein paar Einschränkungen gibt es durch Naturschutzgebiete. Der Parc National de Port-Cros rund um die Iles d’Hyères darf weitestgehend überall befahren werden, es gibt aber einige in den Karten und Handbüchern beschriebene Ankerverbote. Weite Teile der östlichsten Insel der Iles d’Hyères (Ile du Levant) sind dagegen militärisches Sperrgebiet und dürfen nicht befahren werden. Auch im Parc National de Calanques gibt es in den tief einschneidenden Buchten ein paar mit Bojen gekennzeichnete Sperrgebiete, die mitunter den verfügbaren Platz zum Ankern deutlich einschränken.

Wie hier in der Calanque d` En-Vau wird der Ankerplatz durch die Absperrung bisweilen eng. ©Michael Amme

Die Törnziele entlang der Côte d’Azur und der Küste der Calanques

Die Häfen

Zwischen Marseille im Westen und Monaco beziehungsweise Menton direkt an der italienischen Küste im Osten gibt es über 60 Marinas und Häfen. Im Prinzip bieten alle auch Plätze für Besucher, in kleinen und begehrten Häfen wie zum Beispiel in Cassis sind allerdings auch die Besucherplätze oft permanent belegt.

Wie hier in Cannes bieten die meisten Orte zentrumsnahe Liegeplätze. ©Michael Amme

Einfacher ist es in den großen Marinas der vielen Urlaubsorte mit Namen, die kaum einer kennt: Le Lavandou, Cavalaire-sur-Mer, San-Peire-sur-Mer und viele andere. Trotzdem: Berührungsängste vor den großen Namen wie Saint-Tropez, Cannes oder Monaco sind definitiv nicht notwendig, die Anfragen von ausländischen Besuchern werden in der Regel gleichberechtigt behandelt, Vetternwirtschaft bei der Liegeplatzvergabe scheint hier weniger ausgeprägt zu sein als in anderen Revieren.

Keine Angst vor großen Namen: Auch in Monaco gibt es Liegeplätze für Charter- und Fahrtensegler. ©Michael Amme

In der Saison und in den beliebten Orten ist es unbedingt ratsam, vorab telefonisch einen Liegeplatz anzufragen. Das geht mittlerweile fast überall problemlos auf Englisch. Natürlich kann man auch über UKW-Funk Kontakt aufnehmen, eine vorab getätigte Reservierung aber gibt Planungssicherheit und erspart Stress bei der Ansteuerung. Wer einfach so in eine Marina einläuft, ist gut beraten, erst an der in vielen Häfen vorhandenen Ankunftspier (Quai d’accueil) in der Nähe des Hafenbüros festzumachen. Oft darf hier auch für kurze Besorgungen, zum Wasser Bunkern oder für einen Mittagsstopp für bis zu zwei Stunden kostenlos festgemacht werden.

Das Preisniveau der Liegeplätze für Gäste ist nicht höher als in anderen Revieren

In fast allen Häfen wird man bereits beim Einlaufen vom Hafenpersonal empfangen und zum Liegeplatz begleitet, oft helfen die Mitarbeiter mit ihren kleinen Booten auch beim Festmachen. Am weitesten verbreitet in den Häfen sind Murings, mit deren Hilfe der Bug in Position und das Heck von der Pier freigehalten wird. Vereinzelt wird diese Aufgabe hier auch von Bojen oder Pfählen erledigt, andernorts gibt es Schwimmsteganlagen mit Fingerstegen.

Das Preisniveau für Gastlieger unterscheidet sich kaum von dem in Italien, Kroatien oder auf den Balearen (vermutlich ist es insgesamt sogar etwas preiswerter), wobei auch hier im Juli und August für einen Liegeplatz einer 45-Fuß-Yacht mit um die 100 Euro gerechnet werden muss.

Eine Mischung aus Ankerbucht und Hafen bietet die Calanque de Port-Miou bei Cassis. ©Michael Amme

Wer ein ganz besonderes Hafenerlebnis haben möchte, sollte nach Port Grimaud fahren. Die exklusive Touristensiedlung mit ihren vielen Kanälen, Gassen und Brücken wurde nach dem Vorbild von Venedig auf dem Wasser erbaut, viele der privaten wie auch für Besucher zugänglichen Liegeplätze liegen in einem Gewirr aus bebauten Landzungen und Wasserbecken. Erstaunlich knapp und so gut wie nicht vorhanden sind dagegen Liegeplätze für Besucher in der Metropole Nizza, die auch keinen Charterstützpunkt hat. Was aufgrund der guten Flugverbindungen nach Nizza zu bedauern ist.

Der am Reißbrett entstandene mondäne Urlaubsort Port Grimaud ist ein sehenswertes Unikum. ©Michael Amme

Die Ankerplätze

Die Zahl der Ankerplätze entlang dieser 120 Seemeilen langen Küste hat niemand gezählt, dreistellig aber ist sie in jedem Fall. Was zusammen mit den vielen Häfen des Reviers die Möglichkeit schafft, in Trippelschritten auf Entdeckungstour zu gehen. Unter den möglichen Ankerstopps gibt es Berühmtheiten wie die zwei Seemeilen breite Bucht De Pamplonne, der feinsandige Traumstrand ist besser bekannt als Tahiti-Beach. In den edlen und teuren Beach-Clubs trifft sich das In-Publikum aus Saint-Tropez und Umgebung und der Ankerplatz ist tagsüber zugeparkt mit blankpolierten Megayachten.

Die weite Bucht De Pamplonne ist auch Treffpunkt der Megayachtszene. ©Michael Amme

Im krassen Gegensatz dazu finden sich in den kleinen Einbuchtungen der Baie de Bon-Porté nur drei Seemeilen weiter südlich menschenleere und unbebaute Ankermöglichkeiten. Tatsächlich sind kleine und oft auch einsame Einbuchtungen keine Seltenheit. Natürlich aber sind die Buchten mit schönen Sandstränden, Sonnenschirmverleih, Strandrestaurant und Bootsvermietung in der Überzahl und längst keine Geheimtipps mehr. Gut zu wissen: Ein Großteil der Yachten fährt zum Abend hin zurück in einen Hafen und die bevorzugten und sicheren Ankerpositionen werden für die Nacht wieder frei.

Auch das gibt es: menschenleere Buchten wie hier in der Baie de Bon-Porte. ©Michael Amme

Außerhalb der wenigen Naturschutzgebiete oder Ankerverbotszonen ist das freie Ankern überall erlaubt. Trotzdem sollte unbedingt darauf geachtet werden, den Anker nicht über Seegras fallen zu lassen. Dafür sind an einigen Stellen zum Schutz des Meeresbodens auch kostenpflichtige Bojen zum Festmachen ausgebracht, die Anzahl solcher Bojen ist allerdings sehr überschaubar. In vielen kleinen Ankerbuchten und insbesondere in den schmalen Calanques wird wegen des begrenzten Raums oft zusätzlich zum Anker auch eine Landleine ausgebracht.

Wird der Platz wie hier in der Calanque d`En-Vau eng, ist eine zusätzliche Landleine ratsam. ©Michael Amme

Badestrände werden fast überall im Revier mit einem gelben Bojenband gesichert, hinter dem das Befahren oder Ankern selbstverständlich verboten ist. Meist gibt es einen gekennzeichneten Korridor, den man für einen Landgang mit dem Beiboot befahren darf. Die Benutzung von Fäkalientanks in Buchten ist selbstverständlich, wer sie nicht in einem Hafen entleeren kann, sollte dies einige Seemeilen vor der Küste erledigen.

Insgesamt erscheint die Einhaltung und Kontrolle der Reglements auf dem Wasser eher auf die französische Art praktiziert zu werden: Laissez-faire.

Deutliche Fahrverbote wie diese sollten aber auch in Frankreich nicht ignoriert werden. ©Michael Amme

Beim flüchtigen Blick auf eine Übersichtskarte dieser Küste könnte man zu der Einschätzung gelangen, dass bei Winden aus südlichen Richtungen alle Ankerplätze des Reviers unbrauchbar werden. Auch wenn das für viele der Buchten zutrifft, bietet die Küste mit ihren Vorsprüngen, Halbinseln und Einbuchtungen genug Möglichkeiten, auch bei Südwinden sichere Ankermöglichkeiten zu finden. Zu denen insbesondere auch die Nordküsten der vorgelagerten Inseln zählen.

Idealer Schutz bei Südwind bietet der Ankerplatz auf Porquerolles auf einer der Iles d’Hyères. ©Michael Amme

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die enorme Fülle der möglichen Hafen- und Ankerplätze eine Spielwiese für viele Wochen, wahrscheinlich sogar Monate bietet. Die extreme Unterschiedlichkeit und Vielfalt der Ziele biete dabei für jeden Geschmack etwas.

Wind und Wetter in Südfrankreich

Bei der Betrachtung der Windverhältnisse macht es Sinn, die Küste westlich und östlich von Toulon einzeln zu betrachten. Denn der Westteil des Reviers, die Küste der Calanques, Marseille und der Golf von Lyon, liegt im Einflussbereich des mitunter stürmischen Mistrals, der als ablandiger Nordwestwind durch das Rhonetal gepresst wird. Aber auch der Tramontana, ebenfalls ein Nordwestwind, ist hier oft anzutreffen. Beide Winde wehen gerne auch mal über mehrere Tage, allerding deutlich weniger oft im Sommer als in der Nebensaison und im Winter.

Unter normalen Sommerbedingungen haben wir es an diesem Küstenabschnitt allerdings meist mit einem thermischen Wind zu tun, ein Seewind aus Südost bis Süd (auch Marin genannt), der normalerweise um die vier Windstärken weht und zum Abend hin wieder einschläft.

Bei Starkwind wie Mistral sollte man auch in Südfrankreich das Handwerk des Reffens beherrschen. ©Michael Amme

Im Ostteil des Reviers bis zur italienischen Küste ist im Sommer eine thermische Seebriese aus östlichen und südlichen Richtungen anzutreffen. Die hohen Berge im Hinterland dieses Küstenabschnitts schützen vor den Auswirkungen des Mistrals. Aber auch der in den Vormittagsstunden einsetzende Seewind kann hier vier bis fünf Windstärken erreichen, am Abend und in der Nacht ist es allerdings meist wieder windstill. Hin und wieder wird der thermische Wind auch von ablandigen Nord- und Nordwestwinden mit um die vier Windstärken abgelöst. Flautentage sind an diesem Küstenabschnitt insgesamt deutlich häufiger anzutreffen als westlich von Toulon.

Im Sommer darf in Südfrankreich definitiv überwiegend mit herrlichem Badewetter gerechnet werden. ©Michael Amme

Literatur & Seekarten für Südfrankreich

  • Revierführer: Mediterranean France & Corsica Pilot; Rod & Lucinda Heikell, Verlag Imray
  • Sportbootatlas für die Côte d’Azur: NV Atlas FR10 Toulon to Menton, NV-Verlag
  • Sportbootatlas für die Calanques: NV Atlas FR09 Cabo Creus to Toulon, NV-Verlag

Charter und Anreise

Das Charterangebot ist umfangreich, große internationale Flottenbetreiber haben hier genauso einen Stützpunkt wie einheimische Firmen. Die Yachten und Preise sind weitestgehend identisch mit denen in anderen Mittelmeerrevieren, nur der starke Zuwachs an Katamaranen in den Flotten scheint hier etwas langsamer zu gehen.

Die meisten Charterstützpunkte liegen bei Toulon, in Marseille, Bormes-les Mimosas und rund um Saint-Tropez und Cannes. Diese Ausgangshäfen sind am besten mit dem Auto zu erreichen, von München sind es etwa 800 Kilometer, von Köln 1.150 und von Berlin 1.500 Kilometer. Wer die guten Flugverbindungen nach Nizza nutzen möchte, hat je nach Charterstützpunkt einen bis zu zwei Stunden langen Taxi- oder Mietwagentransfer. Alternativ kann die Bahnlinie genutzt werden, die direkt an der Küste entlangführt.

Bormes-les-Mimosas ist nur einer der zahlreichen Charterstützunkte dieses Reviers. ©Michael Amme

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Dr. Adelbert Niemeyer
Dr. Adelbert Niemeyer
2 Monaten her

Wir sind gerade mit unserer LIBRA im beschriebenen Revier. Es ist Hochsaison. Beim Einlaufen in den Hafen von Antibes (Port Vauban) habe ich über Kanal 9 gefragt, ob für eine Nacht ein Liegeplatz zu haben sei. Daraufhin kam die Frage, wo unser Schiff registriert ist. Nach der Antwort Hamburg wurde der Funkverkehr sofort in Deutsch!!! weitergeführt und uns bedeutet, dass wir einen Platz bekommen. In der Capitanerie hat man mich sofort an eine Mitarbeiterin verwiesen, die die Formalitäten auf Deutsch abwickelte. Unglaublich freundlich war der Service! Wir hatten noch nie Sprachprobleme und genießen das Revier in vollen Zügen! Sehr empfehlenswert!… Mehr lesen »