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Michael ist seit über 25 Jahren als Journalist und Fotograf auf dem Wasser unterwegs. Der studierte Geograf hat weltweit Reisereportagen in mehr als 100 Charter- und Blauwasserrevieren produziert. Zudem haben den Hamburger viele Segelreisen und seine frühere Tätigkeit als Charter- und Überführungsskipper rund um den Globus geführt. Michael ist ein gefragter Referent auf Bootsmessen und in Seminaren.
Das Segelrevier Rügen im Überblick
Das Segelrevier Rügen zählt zu den abwechslungsreichsten Revieren der deutschen Ostsee. Breite Boddengewässer, enge Fahrwasser, schmale Sunde und die offene Ostsee sorgen auf engem Raum für landschaftliche Vielfalt und navigatorische Herausforderungen. Neben Rügen selbst gehören auch Hiddensee, Teile Usedoms, die Halbinsel Zingst sowie die Küstenstädte Greifswald und Stralsund zu den reizvollen Törnzielen. Und wenn auf der offenen Ostsee Starkwind herrscht, bieten die geschützten Boddengewässer und Sunde genügend Ausweichmöglichkeiten für einen entspannten Urlaubstörn.

Ob im Greifswalder Bodden, Jasmunder Bodden oder Rügischen Bodden, im Rassower Strom, Strelasund oder Peenestrom – das Segelrevier Rügen bietet nahezu überall Marinas, Häfen, Steganlagen und geschützte Ankerplätze. Wegen der kurzen Entfernungen zu den vielen Zielen ist die Törnplanung einfach und das Ziel Rügen auch für den Segelanfänger attraktiv.

Wer auf direktem Weg rund Rügen segelt, muss etwa 100 Seemeilen einplanen. Wer dazu noch auf Erkundungsfahrt in den einzelnen Boddengewässern geht, die Halbinsel Zingst oder den Peenestrom ansteuert, legt schnell auch mehr als die doppelte Distanz zurück.

Die landschaftliche Vielfalt macht das Segelrevier Rügen einzigartig. Steile Kreidefelsen im Norden, die Dünenlandschaften auf Hiddensee, kilometerlange Sandstrände, dichte Buchenwälder und ausgedehnte Schilfgürtel wechseln sich auf engem Raum ab. Hinzu kommen charmante Hafenorte und historische Hansestädte wie Stralsund und Greifswald mit ihren liebevoll restaurierten Altstädten. Kaum ein anderes deutsches Segelrevier vereint auf so kurzer Distanz derart unterschiedliche Landschaften und Törnziele.

Törnplanung rund Rügen: Etappen und Routen
Wer mit der eigenen Yacht aus Westen anreist, muss ab Warnemünde eine 45 Seemeilen lange Etappe ohne Zwischenstopp einplanen. Etwas kürzer ist die Distanz von Gedser oder Klintholm auf den nahegelegenen dänischen Inseln Falster und Møn.
In die geschützten Boddengewässer führen zwei Zufahrten – nördlich und südlich der Insel Hiddensee. Von Warnemünde aus ist der südliche Zugang etwas kürzer. Das erste gut erreichbare Etappenziel ist der Wasserwanderrastplatz Barhöft auf dem Festland.

Wer als Chartersegler mit dem Auto über die A20 eine Charterbasis ansteuert, startet seinen Törn vermutlich entweder in Barth, Stralsund oder Greifswald am Festland oder in Breege oder Lauterbach direkt auf der Insel Rügen. Und damit in jedem Fall direkt in den geschützten Boddengewässern ohne lange Wege zu den vielen Nahzielen des Reviers.
Mit einer Woche Zeit lässt sich die rund 100 Seemeilen lange Umrundung Rügens auch mit einer Familiencrew entspannt bewältigen. Ob der Törn im oder gegen den Uhrzeigersinn verläuft, sollte vor allem von der aktuellen Wetterlage und den Windverhältnissen abhängig gemacht werden. Vor allem für die längeren Etappen entlang der Außenküste lohnt sich vor dem Ablegen ein genauer Blick auf Wetterbericht. Starker Nord- oder Ostwind kann die Bedingungen auf der offenen Ostsee deutlich anspruchsvoller machen, während die geschützten Boddengewässer meist gute Ausweichmöglichkeiten bieten.

Auf einer Umrundung Rügens erleben Segler die ganze Bandbreite des Reviers: die offene Ostsee entlang der Außenküste, die extrem engen Fahrwasser zwischen Hiddensee und Rügen, den breiten Strelasund, der Rügen vom Festland trennt, und den mit zwölf Seemeilen Durchmesser großen und seenartigen Greifswalder Bodden. Während sich in den geschützten Boddengewässern alle paar Seemeilen ein Hafen, eine Marina oder ein Ankerplatz findet, müssen auf der Ostseeseite zwei rund 25 Seemeilen lange Etappen ohne Zwischenstopp eingeplant werden.

Wer die geschützten Bodden und Sunde nicht verlassen möchte, kann seinen Törn in viele Richtungen ausweiten: Rund 15 Seemeilen führen bis in den Jasmunder Bodden, etwa 30 Seemeilen sind es bis in den Saaler Bodden. Beide Reviere bieten zahlreiche Häfen, Steganlagen und geschützte Ankerplätze. Auch im Süden lohnt ein Abstecher in den Peenestrom. Er führt über rund 20 Seemeilen bis in das Stettiner Haff, das zusammen mit den angrenzenden polnischen Gewässern ein eigenes, reizvolles Mikrorevier bildet. So bietet das Segelrevier Rügen selbst bei zwei Wochen Törndauer genügend Abwechslung, ohne dass die geschützten Boddengewässer verlassen werden müssen.
Nautische Besonderheiten im Segelrevier Rügen
Grundsätzlich lässt sich das Segelrevier Rügen auch mit einer Kielyacht von gut zwei Metern Tiefgang problemlos befahren. Gleichzeitig gilt: Mit geringerem Tiefgang erschließen sich zahlreiche zusätzliche Buchten, Häfen und Ankerplätze, die größeren Yachten verwehrt bleiben.

Ebenfalls richtig ist die Aussage, dass durch den stetig wechselnden Reviercharakter auch die navigatorische Herausforderung bisweilen etwas größer ist. Besonders bekannt und herausfordernd sind die extrem schmalen Fahrwasser zwischen Hiddensee und Rügen sowie die auf dem Weg in den Jasmunder und Saaler Bodden. Zwischen den Tonnen bleibt oft gerade genügend Platz, um einer entgegenkommenden Fähre sicher auszuweichen. Gleichzeitig ist es oft direkt neben dem Fahrwasser so flach, dass man wahlweise sofort im Schlick, auf hartem Sand oder, im schlechtesten Fall, auf einem Stein festsitzt. Gerade bei Seitenwind erfordert das präzises Steuern und einen aufmerksamen Blick auf die Tonnenlinie. Was aber nicht bedeutet, dass die viele Seemeilen langen Fahrwasserrinnen nicht trotzdem unter Segeln befahren werden können.

Mit dem Strelasund verändert sich der Charakter des Reviers deutlich. Die Fahrrinne ist hier wesentlich breiter, und auch außerhalb des Tonnenstrichs bleibt genügend Raum zum freien Segeln. Spätestens im Greifswalder und Rügischen Bodden öffnet sich das Revier dann zu einer weitläufigen Wasserlandschaft. Hier müssen nur noch einzelne Untiefen beachtet werden – und die zahlreichen Reusen der Fischer, die insbesondere bei schlechter Sicht leicht übersehen werden können. Bei Starkwind baut sich allerdings auch hier schnell eine kurze, steile Welle auf.

Die zweite Hälfte der Inselumrundung ist navigatorisch deutlich unkomplizierter. Hier an der Außenküste empfängt uns die tiefe und dunkelblaue Ostsee, der Horizont wird weit und Flachstellen, Untiefen und Fahrwasser spielen keine Rolle mehr.
Anders sieht es bei den Abstechern in die Boddengewässer aus. Für den Jasmunder, Wieker und Barther Bodden beträgt die Solltiefe des Fahrwassers drei Meter, im Saaler Bodden sind es zwei Meter und im Peenestrom 2,5 Meter. Dennoch gilt: Viele Häfen und Steganlagen sind deutlich flacher als die ausgewiesene Solltiefe der Fahrrinnen.

Zwar spielt der Tidenhub im Segelrevier Rügen kaum eine Rolle, dennoch können starke und anhaltende Winde den Wasserstand erheblich verändern. Im Greifswalder Bodden sind Schwankungen von bis zu einem Meter möglich: Süd- und Westwind lassen den Wasserstand sinken, Nord- und Ostwind dagegen steigen.
Mit den Wasserstandsänderungen gehen zum Teil kräftige Strömungen in den schmalen Sunden und Durchfahrten einher. Im Strelasund zum Beispiel setzt der Strom bei Nord- und Westwinden nach Süden, bei Ost- und Südwinden nach Norden. Im Landtief, der Zufahrt von der Ostsee in den Greifswalder Bodden, können die Stromgeschwindigkeiten dann bis zu fünf (!) Knoten betragen.

Überall im Revier wimmelt es von Seezeichen. Neben den unzähligen Fahrwassertonnen helfen viele Kardinal- und Einzelgefahrtonnen, Richt- und Sektorenfeuer, Leuchttürme und Sperrgebietstonnen bei der Navigation. Besonders die Fahrwasserabzweigungen mit ihrer rot-grünen Farbenpracht erfordern die volle Aufmerksamkeit des Skippers. Damit ist das Revier auch ideal für die Ausbildung und Auffrischung der Navigationskenntnisse.

Häfen, Marinas und Ankerplätze rund Rügen
Bereits im rund zwölf Seemeilen großen Greifswalder Bodden stehen Seglern mehr als ein halbes Dutzend Hafenorte sowie zahlreiche Anleger und geschützte Ankerplätze zur Verfügung. Die meisten davon können auch mit tiefgehenden Kielyachten problemlos angelaufen werden. Nicht weniger vielfältig präsentiert sich der 15 Seemeilen lange Strelasund. Auch entlang der westlich anschließenden Küste Rügens finden Segler gemeinsam mit den Häfen auf der gegenüberliegenden Festlandsküste und der Insel Hiddensee eine außergewöhnlich hohe Dichte an Marinas, Häfen und Liegeplätzen.

Ganz anders sieht es nur auf der etwa 50 Seemeilen langen Strecke um die Außenküste von Rügen herum aus. Hier bieten nur die drei Häfen Sassnitz, Lohme und Glowe Schutz, die zudem alle sehr nah beieinander liegen.
Wer seinen Törn dann in die drei Abzweigungen Richtungen Saaler Bodden, Jasmunder Bodden oder Peenestrom ausweitet, findet erneut ein dichtes Netz aus Häfen, Anlegern und geschützten Ankerplätzen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass in diesen drei Fahrtgebieten viele der Anlandeplätze für eine Kielyacht mit zwei Meter Tiefgang nicht erreichbar sind.

Die Vielfalt der Törnziele rund Rügen ist außergewöhnlich. Welche Häfen, Marinas und Ankerplätze besonders lohnende Törnziele sind, stellen wir in einem eigenen Beitrag vor. Besonders reizvoll ist die Kombination aus naturbelassenen Küstenlandschaften und historischen Hansestädten wie Stralsund und Greifswald mit ihren liebevoll restaurierten Altstädten. Während Stralsund direkt auf der Kurslinie liegt, erreicht man Greifswald nur über eine knapp drei Seemeilen lange Revierfahrt auf dem Flusslauf Riek.

Bekannte Urlaubs- und Ausflugsorte wie Lauterbach oder Kloster trumpfen mit abwechslungsreichen Touristenangebot, egal ob historische Schmalspurbahn, kultiger Fischbrötchenkutter oder ambitioniertes Inseltheater. Etwas ruhiger geht es in Orten wie Altefähr, Seedorf oder Barhöft zu. Die kleinen Hafenorte überzeugen mit ihrer entspannten Atmosphäre, guter Infrastruktur und zahlreichen Möglichkeiten für einen Landgang.

Naturfreunde zieht es dagegen nach Neuhof oder Gustow. Und auch Baabe zählt mit seiner von Schilf gesäumten Zufahrt und der legendären Ruderbootfähre zu den besonders reizvollen Törnzielen des Reviers.
Ganz anders dagegen der ehemalige Fährhafen Sassnitz an der Außenküste von Rügen. Der ehemalige Fährhafen verbindet maritimes Flair mit Fischerei, historischen Kaianlagen und urbanem Leben. Wieder anders präsentiert sich das benachbarte Lohme – ein kleiner Sportboothafen und idealer Ausgangspunkt für Wanderungen entlang der Kreideküste und zum Königsstuhl.

Auch die Infrastruktur im Segelrevier Rügen überzeugt. Die meisten Marinas wurden in den vergangenen Jahren modernisiert und bieten einen guten Standard mit gepflegten Sanitäranlagen. Rund um die Häfen finden Segler zudem eine gute touristische Infrastruktur – vom Brötchenservice über Spielplätze bis hin zum Fahrradverleih. Auch die Liegegebühren bewegen sich – insbesondere im Vergleich zu Mittelmeerrevieren – auf einem sehr moderaten Niveau.

Wer lieber vor Anker übernachtet, findet im Segelrevier Rügen zahlreiche geschützte Ankerplätze – und das oft inmitten beeindruckender Natur. Gute Möglichkeiten bieten beispielsweise die Baggerbucht oder der Deviner See im Strelasund, die Having im Norden des Greifswalder Boddens sowie viele der Einbuchtungen der verschachtelten Gewässer. Am besten immer dort, wo die Zweimeterlinie bis nah ans Ufer reicht und die Küste guten Schutz vor den vorherrschenden Winden bietet. Nicht erlaubt ist das Ankern in entsprechend ausgewiesenen Naturschutzgebieten und Biosphärenreservaten. Diese – oft auch nur zu bestimmten Jahreszeiten – verbotenen Abschnitte sind alle gut in der Seekarte gekennzeichnet.

Praktische Informationen zum Segelrevier Rügen
Wetter
Das Wetter im Segelrevier Rügen wird sowohl vom Nordatlantik als auch vom kontinentalen Klima Osteuropas beeinflusst. Mal ziehen Tiefdruckgebiete mit Regen und kräftigem Wind über die Ostsee, mal sorgen Hochdrucklagen für trockenes und sonniges Wetter. Grundsätzlich sollten Segler jedoch zu jeder Jahreszeit mit rasch wechselnden Bedingungen rechnen. Während auf der offenen Ostsee bei Starkwind schnell unangenehmer Seegang entstehen kann, bieten die geschützten Boddengewässer meist deutlich ruhigere Bedingungen.
Für Segler ist das eine gute Nachricht: Die wechselnden Wetterlagen sorgen über weite Teile der Saison für zuverlässigen Wind. Vorherrschend sind westliche Windrichtungen, während Ostwind häufig trockenes, sonniges und – insbesondere im Frühjahr und Herbst – eher kühles Wetter bringt.
Die folgenden Durchschnittswerte für den Monat Juli geben einen guten Eindruck von den sommerlichen Bedingungen im Revier:
Temperatur: 21,4 °C
Wassertemperatur: 17,0 °C
Sonnenstunden pro Tag: 7,7
Regentage: 10
Luftfeuchtigkeit: 76 %
Flautentage (bis 2 Bft): 5
Starkwindtage (ab 6 Bft): 2

Brücken
Bei einer Inselumrundung von Rügen muss die Ziegelgrabenbrücke bei Stralsund passiert werden, die sechsmal täglich öffnet: 05.20, 08.20, 12.20, 15.20, 17.20, 21.30 (Änderungen vorbehalten).
Wer nach Greifswald möchte, muss die Wieker-Klappbrücke passieren, die täglich ab neun Uhr zur vollen Stunde öffnet (nicht um 12.00 Uhr) und saisonabhängig bis 19.00 bzw. 20.00 Uhr betrieben wird (Änderungen vorbehalten).
Wer in den Saaler Bodden möchte, muss bei Bresewitz eine Brücke passieren, wer den Peenestrom befährt, muss in Wolgast und Zecherin die Brückenöffnung beachten.

Fischerei
Vorsicht vor den vielen Pfahlreusen, insbesondere im Greifswalder Bodden. Und Vorsicht auch vor den vielen Stellnetzen im gesamten Revier, die viele hundert Meter lang sein können und durch viele Schwimmer bis an die Oberfläche ragen. Die Enden dieser Stellnetze sind durch zwei Flaggen übereinander gekennzeichnet und müssen unbedingt umfahren werden.
Literatur & Seekarten
Einige Fahrwasser neigen zur Versandung und werden regelmäßig angepasst, daher sind in diesem Revier aktuelle nautische Unterlagen empfohlen.
- Küstenhandbuch Mecklenburg-Vorpommern, Michael Brandenburg, Edition Maritim
- Törnführer Ostseeküste 2, Jan Werner, Delius Klasing
- Sportbootkartensatz DEKL Satz 2, Mecklenburg-Vorpommern und Bornholm, Delius Klasing oder NV Atlas Serie 4, Rund Rügen – Boddengewässer – Stettin, NV-Verlag
Charter
Das Charterangebot rund um Rügen ist ausgesprochen vielfältig. Ausgangshäfen sind insbesondere Barth, Stralsund und Greifswald am Festland sowie Breege und Lauterbach auf Rügen. Neben dem Sportbootführerschein See sind auf der Ostsee eine Funklizenz und ein Pyroschein erforderlich (letzterer kann meist auch durch Schnelleinweisung vor Ort erworben werden). Viele der kleinen Häfen sind für Yachten der 50-Fuß-Klasse kaum geeignet, Katamarane sind so gut wie keine im Programm.

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