Segelscheine: Der RYA Yachtmaster Coastal

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Die studierte Journalistin aus Flensburg segelt seit ihrem zwölften Lebensjahr. Seit fast zehn Jahren leidenschaftlich auch auf großen Yachten, gerne auch auf Langfahrten, Atlantiküberquerungen und Überführungen. Sie ist Inhaberin des Sporthochseeschifferscheins sowie des RYA Yachtmaster Offshore. Darüber hinaus ist Maren RYA Cruising Instructor (Segellehrerin). Seit 2020 hat sie ein eigenes kleines Fahrtenboot – eine Cross 25.

Der RYA Yachtmaster Coastal im Überblick

Der RYA Yachtmaster Coastal ist das Äquivalent zum deutschen Sportküstenschifferschein (SKS). In Großbritannien ist er der amtliche Führerschein zum Führen von Sportbooten bis zu 24 Meter Länge in Küstengewässern. Eine Seemeilenbegrenzung vom Festland nennt die RYA nicht. In der Literatur gibt die RYA lediglich an, dass der Inhaber des Yachtmaster Coastals in der Lage ist, „eine Yacht in Küstenrevieren zu skippern, hat aber nicht unbedingt die Erfahrung, längere Passagen zu segeln.“

Während der Inhaber des SKS seine Lizenz kommerziell nutzen darf, muss der Yachtmaster Coastal für ein Engagement als bezahlter Skipper zusätzlich ein Commercial Endorsement erwerben (mehr dazu weiter unten).

Wer mit dem Schein gewerblich fahren möchte, braucht das Commercial Endorsement. ©Sönke Roever

Der Weg zum RYA Yachtmaster Coastal

Um den RYA Yachtmaster Coastal zu erwerben, muss eine praktische Prüfung abgelegt werden. Um die notwendigen Fähigkeiten für Praxis und Theorie im Vorfeld zu erwerben, legt die Royal Yachting Association den Seglerinnen und Seglern eine Reihe von Kursen ans Herz.

Die Ausbildungskurse der RYA starten mit „Start Yachting“ für Anfänger, gehen weiter über „Competent Crew“ und „Day Skipper“ bis hin zum „Coastal Skipper“. Keiner der Kurse ist jedoch eine zwingende Voraussetzung für den Erwerb des jeweils höheren Scheins, das gilt selbst für den nächsthöheren Schein, den „Yachtmaster Offshore“. Sie stellen lediglich sicher, dass die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten Schritt für Schritt erlernt werden können. In jedem Fall aber empfiehlt die RYA die Teilnahme an einem Theoriekurs zur Vorbereitung auf den Yachtmaster Coastal. Aber auch hier gilt: Verpflichtend sind Theoriekurs und -prüfung nicht.

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Voraussetzungen für den Yachtmaster Coastal

Wer den Yachtmaster Coastal erwerben möchte, benötigt keinen vorhergehenden Sportbootführerschein. Allerdings muss der Kandidat oder die Kandidatin deutlich mehr Zeit auf See verbracht haben, als es beim deutschen SKS der Fall ist.

Die minimalen Voraussetzungen sind:

  • 30 Tage auf See. Dabei muss das Boot unter 24 Meter lang und ein Motor- oder Segelboot entsprechend der gewünschten Prüfungsart sein. Außerdem müssen die Tage innerhalb der zurückliegenden zehn Jahre liegen.
  • Zwei Tage als Skipper auf einem Boot unter 24 Meter Länge
  • 800 Seemeilen, wovon mindestens die Hälfte in Tidengewässern gesammelt werden muss
  • 12 Stunden Nachtfahrt

Die Anzahl an erforderlichen Seemeilen reduziert sich um die Hälfte, wenn der Kandidat bzw. die Kandidatin den Kurs zum Coastal Skipper im Vorfeld erfolgreich abgeschlossen hat.

Darüber hinaus muss der Prüfling zuvor einen Erste-Hilfe-Kurs (im Idealfall bei der RYA, ein Kurs des Deutschen Roten Kreuzes wurde in der Vergangenheit aber anerkannt) abgelegt haben und über ein Funkzeugnis wie das Short Range Certificate (SRC) verfügen. Das Mindestalter liegt bei 17 Jahren.

Vor der Prüfung muss auch das SRC-Funkzeugnis vorliegen. ©Sönke Roever

Die Ausbildung zum Yachtmaster Coastal

Die Ausbildung zum Yachtmaster Coastal wird weltweit an verschiedenen Standorten angeboten. Wichtig hierbei ist, darauf zu achten, dass der Verein oder die Schule durch die Royal Yachting Association zertifiziert ist. Denn nur diesen ist es erlaubt, die offizielle Ausbildung der RYA anzubieten. Über die Training-Centre-Suche auf der Webseite der RYA ist es möglich, die passende Segelschule in der Nähe oder der gewünschten Region zu finden.

Die RYA erwartet, dass vor Beginn des Vorbereitungs- und Prüfungskurses bereits alle Voraussetzungen erfüllt werden. Zusätzlich empfiehlt sie die Teilnahme an einem Theoriekurs, der in Präsenz oder online stattfinden kann.

Der Praxiskurs zur Vorbereitung auf die Yachtmaster-Prüfung und die Prüfung selbst finden in der Regel in einem Tidenrevier statt. Ein beliebtes Revier hierfür ist der Solent im Süden Englands. Es heißt, jeder, der hier segeln kann, kann es auch in jedem anderen Revier der Welt. Es gibt auch Kurse und Prüfungen beispielsweise im Mittelmeer, dort werden die Tidenkenntnisse dann eher theoretisch geprüft.

Der praktische Vorbereitungskurs – die sogenannte Prep-Week – dauert in der Regel eine Woche, an die sich direkt die Prüfung anschließt. Während der Vorbereitungswoche gibt der Instructor seine ehrliche Einschätzung ab, ob der Kandidat bzw. die Kandidatin tatsächlich auch zur Prüfung antreten sollte oder nicht. Eine grundsätzliche Empfehlung ist, im Vorfeld bereits ein Gezeitentraining zu absolvieren.

Die Ausbildung in Tidengewässern hilft auch bei der Theorie. ©Maren Christoffer

Lehrmaterialien für den Yachtmaster Coastal

Zur Vorbereitung auf den Yachtmaster gibt es verschiedene englischsprachige Literatur. Da die Prüfung sehr umfangreich ist und über mehrere Stunden dauert, gibt es keinen Fragenkatalog, auf die sich der Kandidat bzw. die Kandidatin vorbereiten kann. Es wird ein breites inhaltliches Wissen in allen Bereichen des Yachtings vorausgesetzt. Das geht von den Kollisionsverhütungsregeln (in England ColRegs), über Wetterkunde, terrestrische Navigation, Radar bis hin zu Sicherheit und Motorkunde. Dementsprechend breitgefächert muss auch die Vorbereitung stattfinden. Dazu hat die RYA einige eigene Lehrbücher herausgebracht und vertreibt diese im eigenen Onlineshop.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, das Buch „Yachtmaster Scheme Syllabus & Logbook“ zu kaufen. Es enthält detaillierte Inhalte über die Voraussetzungen und die Prüfungsinhalte des gesamten Yachtmaster-Weges von Coastal zu Ocean. Sinnvolle Zusammenfassungen der Inhalte liefern zudem das „Reeds Skipper´s Handbook“ und „The Complete Yachtmaster“. Um fit in den Bereichen wie Kollisionsverhütungsregeln sowie Tag- und Nachtsignalen zu sein, empfiehlt es sich, die FlipCards anzuschaffen. Mit ihnen lernt man quasi mit Karteikarten und spielerisch, was wichtig ist.

Mit den FlipCards lässt es sich leicht lernen. ©Maren Christoffer

Prüfungsanmeldung zum Yachtmaster Coastal

In der Regel erfolgt die Anmeldung zur Prüfung über das Trainingszentrum, bei dem auch die Ausbildung stattfindet. Die Segelschule arrangiert dann alles mit der RYA und dem zuständigen Prüfer. Der Prüfling muss nur sicherstellen, dass der Instructor im Vorfeld alle wichtigen Informationen erhält und alle Unterlagen wie Prüfungsanmeldung, Meilennachweis und SRC zum Prüfungsbeginn vorliegen.

Wer gerne ohne Prep-Week und Segelschule bzw. Verein eine Prüfung arrangieren möchte, kann dies über die Webseite der RYA anfragen. Hierbei ist zu beachten, dass dann auch das Boot entsprechend den Vorgaben der RYA gestellt werden muss. Das Boot muss zwischen 7 und 18 Meter lang, seetüchtig und nach den Vorgaben der RYA gemäß Buch „Cruising Yacht Safety“ ausgestattet sein.

Bei einer selbst gestellten Yacht müssen die Vorgaben der RYA erfüllt sein. ©Michael Amme

Die Prüfung zum Yachtmaster Coastal

Die Prüfung zum Yachtmaster Coastal ist eine praktische Prüfung, während der auch die theoretischen Kenntnisse abgefragt werden. In dem Zeitraum von sechs bis zehn Stunden muss der Kandidat bzw. die Kandidatin unter Beweis stellen, dass er oder sie in der Lage ist, ein Boot auch in unbekannten Küstengewässern sicher zu führen. Während der Prüfung kann der RYA-Prüfer daher alle Skills und Kompetenzen abfragen, die einem Skipper in der realen Welt begegnen können.

Thematisch sind die Themen in die folgenden Gebiete eingeteilt:

  • Kollisionsverhütungsregeln: Ob der Prüfling fit in diesem Bereich ist, wird sowohl in der Praxis als auch theoretisch unter Deck abgefragt.
  • Sicherheit: Der Kandidat/die Kandidatin sollte u. a. wissen, welches Sicherheitsequipment an Bord sein muss und welche Verantwortung er bzw. sie in Bezug auf die Sicherheit von Crew und Schiff hat.
  • Bootsführung: Der Prüfer kann neben den klassischen Manövern wie An- und Ablegen oder Boje-über-Bord auch Aufgaben wie Anlegen unter Segeln oder Segeltrimm stellen.
  • Seemannschaft und Wartung: Hierunter fallen Aufgaben wie Arbeit an Deck oder das Demonstrieren von Knoten.
  • Verantwortung des Skippers: In diesem Bereich möchte der Prüfer sehen, dass der Skipper bzw. die Skipperin in der Lage ist, mit der Crew zu kommunizieren, das Boot seeklar zu machen und auch Aufgaben zu delegieren.
  • Navigation: In diesem Bereich zeigt der Yachtmaster-Coastal-Kandidat, dass er oder sie die terrestrische Navigation beherrscht. Das umfasst u. a. die Tidenkalkulationen für eine Passage und das Erstellen eines Pilotage-Plans.
  • Wetter: Der Prüfer erwartet, dass der Skipper bzw. die Skipperin in der Lage ist, eine Wettervorhersage einzuholen sowie zu verstehen und mit den gängigen meteorologischen Begriffen vertraut ist.
  • Signale und Funk: Der Prüfling muss über einen SRC oder eine höherwertige Funklizenz verfügen.
Bei der Prüfung kommt es auch zur intensiven Abfrage der Theorie. ©Clemens Stecher

Die kommerzielle Nutzung des Yachtmasters Coastal

Um den Yachtmaster Coastal auf einem Boot unter britischer Flagge kommerziell nutzen zu können, ist das Commercial Endorsement notwendig. Um dieses zu erlangen, müssen die Yachtmaster-Coastal-Kandidaten und -Kandidatinnen zusätzlich die folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Absolvieren eines Online Kurses „Professional Practices and Responsibilities“ inkl. Online-Prüfung
  • Seediensttauglichkeit nach ENG1 oder ML5
  • Beleg über das Absolvieren eines RYA-Sea-Survival-Trainings oder eines äquivalenten STCW-Kurses
Der Beleg über ein anerkanntes Sicherheitstraining muss vor der Prüfung vorliegen. ©Michael Amme

Fazit

Die Ausbildung und Prüfung zum Yachtmaster Coastal ist eine sinnvolle Ergänzung zum Sportküstenschifferschein. Hier wird sehr viel Wert auf die praktische Ausbildung des Skippers gelegt. Auch für jene, die nicht vorhaben kommerziell zu skippern, macht diese Ausbildung durchaus Sinn. Sie vermittelt sehr viel praktische Erfahrungen, die in der deutschen Ausbildung nicht angeschnitten werden. Wer gerne noch weiter gehen möchte und auch mit dem Gedanken spielt, den Yachtmaster Offshore zu machen, kann den Coastal auch überspringen und nur mit Hilfe von Törns und Kursen die notwendige Praxiserfahrung für den Yachtmaster Offshore sammeln.

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Bettina Glocker
Bettina Glocker
1 Jahr her

Aus eigener Erfahrung kann ich die Yachtmaster Ausbildung in Ergänzung zum deutschen Pflichtschein sehr empfehlen. Meine Erfahrungen: Die deutschen Scheine geben im wesentlichen das Hintergrundwissen und beim Yachtmaster habe ich die Praxis auf das allerfeinste gelernt. Ich war in Südafrika, Langebaan. Bei der Theorie konnte ich ein paar mal aushelfen warum das so ist. Aber die Praxis war definitiv das heißeste. Tenor war, wenn nicht jetzt üben wann dann? Wetterbedingt sehr robuste Boote, da konnte man sich verlassen, dass nichts so leicht kaputt zu kriegen war. Da können die europäischen Hersteller leider nicht mithalten, brauchen es für unsere Verhältnisse hier… Mehr lesen »

Thomas
Thomas
6 Monaten her

Ist der SKS nicht eher mit dem RYA Day Skipper vergleichbar? Beide Scheine sind ausreichend um europaweit zu chartern. Der RYA costal ist vom Umfang schon deutlich wertiger, wie ich finde