Decken- und Wandverkleidung auf Yachten. Tipps vom Profi.

Von Guido Peisen

Seit über 15 Jahren leitet Guido Peisen das Familienunternehmen GISATEX – einer der führenden Anbieter von innovativen, technischen Textilien. Dazu gehört auch eines der umfangreichsten Sortimente von Wand- und Deckenverkleidungen für den Yachtbereich. In seiner Freizeit ist der gebürtige Rheinländer nicht nur auf der Ostsee unterwegs, er freut sich auch über jede freie Stunde auf kurzen Segeltörns am Bodensee, direkt vor der Haustür des Unternehmens aus Reutlingen.

Webseite des Autors
Alle Beiträge ansehen

Titelfoto: Garcia Yachts

Die Anforderungen an das Material sind unterschiedlich

Bootseigner stehen gelegentlich vor der Herausforderung die Verkleidung zu erneuern. Die Gründe dafür sind in der Regel Renovierungsarbeiten oder aber der Wunsch nach etwas Neuem. Wer beispielsweise eine gebrauchte Yacht erwirbt, könnte auf die Idee kommen, eine dunkle Holzdecke im Salon mit einer hellen, freundlichen Deckenverkleidung zu ersetzen, die zudem noch eine isolierende Wirkung hat.

So unterschiedlich die Gründe auch sein mögen, mindestens genauso unterschiedlich sind die verschiedenen am Markt erhältlichen Materialien, die im Bereich Wand- und Deckenverkleidung auf Yachten zum Einsatz kommen. Da kann man als Laie schnell den Überblick verlieren, wenn Hersteller die unterschiedlichen Eigenschaften von Materialen auflisten. Eine erste gute Annäherung ist daher, erst einmal herauszufinden, für welchen Anwendungsfall eine neue Verkleidung benötigt wird, schließlich gelten in der Nasszelle, wo tendenziell mehr Feuchtigkeit entsteht, andere Anforderungen an das Material als in einer Kabine, in der geschlafen wird.

In den meisten Beratungsgesprächen, die ich mit Kunden führe, kristallisieren sich immer wieder die gleichen vier Bereiche heraus. Daher werde ich im Folgenden gesondert auf sie eingehen und aufzeigen, worauf hier jeweils geachtet werden sollte. Unterschieden wird zwischen Sanitärräumen und der Pantry, Schlaf- und Wohnräumen, Superyachten und Außenbereichen von Sportbooten sowie Kleinbooten.

Die Qual der Wahl. Die Auswahl von Verkleidungen ist nicht einfach.

Üblicherweise spielen folgende Eigenschaften bei der Klassifizierung von Wand- und Deckenverkleidungen dabei eine Rolle:

  • Lichtechtheit. Bleibt der Farbton immer gleich oder bleicht das Material aus beziehungsweise dunkelt es nach? In der Praxis wird hierfür gerne eine Lichtechtheitsnote zwischen 1 und 8 ermittelt, wobei 8 der beste und 1 der schlechteste Wert ist.
  • Fleckenschutz. Wie anfällig ist das Material für Verschmutzungen und wie leicht sind diese gegebenenfalls wieder zu entfernen?
  • Antimikrobiell. Nimmt das Material Bakterien auf oder hat es einen Schutz dagegen? Kann Schimmel leicht entstehen oder können sich Pilze bilden?
  • Isolierende Wirkung. Isoliert das Material oder kann es mit anderen Materialien kombiniert werden, um eine Isolierung zu erreichen?
  • Feuchtigkeitsschutz/Atmungsaktivität. Wie atmungsaktiv oder wasserdicht ist das Material? Bildet sich Kondenswasser auf oder hinter dem Material?
  • Trockenzeit. Wie lange braucht das Material, um zu trocknen?
Antimikrobielle Deckenverkleidung im Salon einer Yacht – Foto: Garcia/Blue Yachting

Hinweis: Im Handel sind diverse Materialien erhältlich, die sich für den Laien augenscheinlich für die Wandverkleidung oder Deckenverkleidung eignen. Hier sollte nicht blauäugig vorgegangen werden, da das Thema recht komplex ist und es ärgerlich ist, wenn am Ende das falsche Material eingesetzt wird.

Decken- und Wandverkleidungen in Sanitärräumen und der Pantry

Ab einer gewissen Schiffsgröße verfügen die meisten Yachten über Nasszellen, in denen auch geduscht werden kann. Das bringt spezielle Anforderungen an die Decken- und Wandverkleidung mit sich, da in kurzer Zeit und auch nur für eine kurze Zeit ein hohes Maß an Feuchtigkeit entsteht. Das gleiche gilt übrigens für die Pantry, wenn beispielsweise Nudelwasser gekocht wird.

In der Pantry entsteht Feuchtigkeit und die Verkleidung sollte wasserfest sein. Foto: ELAN/Blue Yachting

In solchen Räumlichkeiten brauche ich ein Material, das gut mit der hohen Luftfeuchtigkeit umgehen kann und entsprechend wasserfest ist. Wichtig ist, dass kein Wasser durch das Material hindurchdringt. Dadurch wird Kondenswasser und Schimmelbildung in nicht sichtbaren Bereichen der Yacht vermieden. Im Handel gibt es verschiedene Produkte für diese Anwendung. Wir bieten unseren Kunden diesbezüglich gerne das Produkt SENSUAL TOUCH an, das aus einem geschlossenzelligen, thermoplastischen Polymer besteht und diese Eigenschaften mit sich bringt.

Darüber hinaus ist es im Sanitärbereich hilfreich, wenn der Hygiene eine entsprechende Bedeutung beigemessen wird und das Material antimikrobiell ist. Während antibakterielle Materialien, wie der Name schon sagt, nur gegen schädliche Bakterien wirksam sind, verhindern antimikrobielle Materialien zudem auch die Bildung von Schimmel und Pilzen. Erreicht wird dies beispielsweise über den Einsatz von gesundheitsunschädlichen Silberionen, wie sie beispielsweise auch in der Trinkwasserentkeimung verwendet werden.

Und zu guter Letzt sollte das Material unempfindlich gegen Verschmutzungen und leicht zu reinigen sein. Das spielt sowohl in der Pantry als auch in Sanitärbereichen gleichermaßen eine Rolle.

Decken- und Wandverkleidungen im Salon und den Kabinen

Maßgeblich für solche Räumlichkeiten an Bord einer Yacht ist, dass sich in diesen Räumen vergleichsweise lange aufgehalten wird, insbesondere auch beim Schlafen in der Nacht. Daher ist es wichtig, dass sich hinter der Wandverkleidung kein Kondenswasser bildet, das entstehen kann, wenn Personen stark schwitzen oder die Temperatur im Schiff höher ist als die Außentemperatur. Stichwort: Atmungsaktivität.

In Kabinen kommt atmungsaktives Material zum Einsatz. Foto: Allures Yachting

Des Weiteren ist es in solchen Räumen in der Regel gewünscht, dass die Temperatur einigermaßen konstant bleibt. Daher sollten Materialen eigesetzt werden, die diese Eigenschaften erfüllen. Solche Decken- oder Wandverkleidungen haben idealerweise eine Oberfläche aus Polyester (PES) und werden dahinter mit einem Vlies oder mit Kunstseide (Charmeuse) ausgestattet, um die geforderte Isolierende Wirkung zu erzeugen. Je nach Verarbeitung kann damit zusätzlich auch eine Schallisolation einhergehen. Auf unserer Internetseite sind solche Materialen beispielsweise unter dem Namen AMAREE LEDRO oder AMAREE MUSC zu finden.

Darüber hinaus können solche Verkleidungen zusätzlich mit weiteren Isoliermaterialen kombiniert werden, um die Wirkung bei extremen Anforderungen zu erhöhen. Das kann auch für Yachtbesitzer mit dem Rumpfmaterial Stahl oder Aluminium von Interesse sein, um ein Aufheizen oder Auskühlen zu vermeiden.

Renovierung einer Yacht. Mit Dämmplatten (anthrazit) wird zusätzlich isoliert.

Solche Dämmplatten bestehen meistens aus vernetzt geschlossenzelligem PE-Schaumstoff und es gibt sie in verschiedenen Stärken. Beim Kauf würde ich auf drei Dinge achten: Erstens sollten die Platten gut verformbar sein, um eine saubere Verklebung auf dem Untergrund zu gewährleisten. Zweitens sollte die Wasseraufnahme möglichst gering sein (gut ist ein Wert kleiner als vier Prozent). Und drittens sollte auch die Wärmeleitfähigkeit möglichst gering sein. Die Wärmeleitfähigkeit wird in der Einheit W/(m K) angegeben und das steht für Watt pro Meter und Kelvin. Werte unter 0,04 stehen für qualitativ hochwertige Materialien, die für den Innenausbau von Yachten geeignet sind. Wer so ein Material sucht, kann im Handel beispielsweise nach PROFI THERMO ISOCELL suchen.

Hinweis: Da solche Materialien auch bei der Isolierung von Motorräumen verwendet werden, sollte darauf geachtet werden, dass die Platten chemikalien- und treibstoffbeständig sowie flammwidrig sind.

Decken- und Wandverkleidungen im Außenbereich von Yachten

Auf größeren Segelyachten und Motorbooten werden Verkleidungen auch im Außenbereich eingesetzt. Dort sind sie besonders stark Abrieb, Verschmutzung und Spritzwasser ausgesetzt, daher sollten Materialien ausgesucht werden, die besonders strapazierfähig und gut zu reinigen sind.

Strapazierfähige Außenverkleidung auf einem Motorboot

Für den Außenbereich gut geeignet ist beispielsweise Verkleidungsmaterial, dessen Oberfläche aus Polyvinylchlorid (PVC) besteht, weil dieser Kunststoff sowohl die notwendige Wasserundurchlässigkeit und Schimmelresistenz als auch die erforderliche Festigkeit mit sich bringt und folglich auch eine permanente Beanspruchung dem Material nichts anhaben kann.

Je nach Hersteller wird die Unterseite der Wand- oder Deckenverkleidung zusätzlich mit einer Abdeckung aus Kunstseide versehen und dem Material durch Einbringen eines vier bis fünf Millimeter starken, offenporigen PU-Schaumstoffs eine gewisse Elastizität und Weichheit gegeben. Das erlaubt, beim Verkleben kleinere Unebenheiten auszugleichen und erhöht die Isolierfähigkeit des Materials. Ein mögliches Produkt für diesen Anwendungsfall ist GISATEX SKYLON.

Verkleidungen im Außenbereich sollten gegen Abrieb, Verschmutzung und Spritzwasser geschützt sein.

Decken- und Wandverkleidungen auf kleinen Booten

Die meisten der vorstehend aufgeführten Punkte rühren daher, dass die Yachten eine gewisse Größe haben und es verschiedene Räumlichkeiten an Bord gibt. Auf kleineren Booten ist dies normalerweise nicht gegeben und es reicht oft aus, sich auf ein Allround-Material, wie beispielsweise AMAREE AMERICAN highflex, zu konzentrieren.

Wenn ein Material so universell eingesetzt wird, sollte es auch entsprechende Eigenschaften haben, die den vielen Anforderungen gerecht werden. Dazu gehören sollten: Wasserbeständigkeit, Lichtechtheit, Stoßunempfindlichkeit, Temperaturbeständigkeit, Scheuerfestigkeit und Schmutzunempfindlichkeit.

Auf kleinen Booten sind die Flächen eher kleinteilig.

Außerdem sind auf kleinen Booten oftmals keine sehr großen Flächen vorhanden, die mit einer Verkleidung beklebt werden. Vielmehr gibt es viele Ecken, Kanten und Rundungen. Um dieser Herausforderung zu begegnen, ist es zudem ratsam, ein Material zu verwenden, das entsprechend dehnfähig und nicht zu dick ist, um es auf den Untergrund anzupassen. Mitunter wirkt das Material durch die geringere Materialstärke etwas weniger edel als andere Materialien, aber der Anspruch, es sauber verarbeiten zu können, steht hier deutlich im Vordergrund.

Nun könnte man vielleicht auf die Idee kommen, ein solches Allround-Material auch auf größeren Yachten einzusetzen, um sich das Leben einfach zu machen. Das halte ich persönlich für falsch, da man damit deutlich unter den Möglichkeiten bleibt, die passenden Produkte nutzungsgerecht an den richtigen Orten in der Yacht einzusetzen. Logischerweise ist ein Allround-Material auch immer ein kleiner Kompromiss – beispielsweise ist es entweder wasserfest oder atmungsaktiv.

Wahl des Klebstoffs für Decken- und Wandverkleidungen

Wurde sich für ein Material entschieden, sollte auch bei der Wahl des Klebstoffs eine gewisse Sorgfalt walten. Je nach Material muss der Kleber für die Verklebung von Mineralfilzen, Kunstleder, Webstoffe, Vliesstoffe oder Schaumstoffe geeignet sein. Logischerweise muss der Kleber auch zum Untergrund passen. Auf Yachten kommen in Frage: verzinkte, lackierte oder anderweitig gegen Korrosion behandelte Bleche, GFK (im rohen und bearbeitetem Zustand), Holz und holzlackierte Flächen, Styropor, Untertapeten, Kork, PVC-Beläge oder Mineralfaserplatten, um nur einige zu nennen.

Am gebräuchlichsten bei der Verklebung sind sogenannte Dispersionsklebstoffe. Das sind flüssige Klebstoffe auf Wasserbasis, die sich nach Verdunsten des Wassers verfestigen. Ich würde empfehlen, einen lösungsmittelfreien, hochfesten Kleber zu verwenden. Er sollte sich gut mit einem Pinsel, Spachtel oder einer Rolle verstreichen lassen – auch auf größeren Flächen – und schnell anziehen. Wenn der Kleber zudem noch dauerelastisch und alterungsbeständig ist und eine hervorragende Haftung auf fast allen Klebeuntergründen zeigt, sind sehr gute Ergebnisse zu erwarten.

Außerdem hat es sich bei Decken- und Wandverkleidungen bewährt, einen Kleber einzusetzen, der nur einseitig aufgetragen werden muss – logischerweise auf die Oberfläche und nicht auf das Material – so ist es einfacher.

Je nach Hersteller muss der Klebstoff vor dem Gebrauch gut aufgerührt werden. Ein gründliches Aufrühren garantiert eine einwandfreie Vermischung der Grundsubstanzen. Auch sollte der Klebeuntergrund entsprechend vorbereitet werden, also trocken und frei von Staub, Fett, Öl oder sonstigen klebstoffabweisenden Substanzen sein.

Mit Hilfe einer Schablone wird das neue Material zugeschnitten.

Normalerweise wird das Wand- oder Deckenmaterial zunächst grob auf den Bedarf zugeschnitten und im Anschluss wird die Wand oder Decke mit dem Dispersionskleber einseitig eingestrichen. Sobald der Kleber anzuziehen beginnt, kann das Decken- oder Wandmaterial direkt in das Klebstoffbett eingelegt und geglättet werden. Nach dem Aushärten kann dann überschüssiges Material sauber weggeschnitten werden. Je nach Komplexität ist die Verklebung in mehreren Schritten durchzuführen. Bei größeren Flächen kann es helfen, den Klebstoff mit einer Lammfellrolle auszurollen.

Tipp:
Wer unsicher mit dem Verkleben ist, sollte vor der endgültigen Verarbeitung einfach eine entsprechende Probeklebung unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse und der zu verklebenden Materialien durchführen.

Mit der passenden Innenverkleidung kann eine Yacht ansprechend eingerichtet werden.

Fazit

Bei den verschiedenen Materialen für Wand- und Deckenverkleidungen den Überblick zu behalten und vor allem das richtige Material für den vorgesehenen Einsatzzweck auszuwählen, ist für den Laien oft eine Herausforderung und es sollte wie angesprochen nicht blauäugig erfolgen. Es wäre doch schade, wenn die Innenausstattung der Yacht am Ende nach vielen Arbeitsstunden für Frust statt Freude sorgt. Wer hier am zweifeln ist, sollte sich lieber von einem Fachmann beraten lassen. Und auch wenn dieser Beitrag ein erster Beratungsansatz ist und es mich freuen würde, wenn die vorstehenden Tipps helfen, den richtigen Weg einzuschlagen, kann er eine professionelle Beratung nicht ersetzen.

Mehr zur Innenausstattung von Yachten

GISATEX – Schlafkomfort

Die Matratzenmanufaktur GISATEX aus Reutlingen ist Spezialist für Produkte auf Yachten und bietet mit maßgefertigten Bootsmatratzen der Marke gisamed hochwertigen Schlafkomfort an Bord.

GISATEX – Wand- und Deckenverkleidungen

Das schwäbische Familienunternehmen GISATEX bietet hochwertige Produkte für Yachten und ist Spezialist für innovative, dehnungsfähige Wand- und Deckenverkleidungen für Yachten.
Subscribe
Informiere mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments