Die richtige Versicherung für eine Langfahrt/Weltumsegelung finden

Von Thomas Gibson

Thomas Gibson ist Prokurist bei FIRMENICH Yachtversicherungen und seit über 25 Jahren in der Wassersportbranche tätig, davon 21 Jahre im Bereich Yachtversicherungen. Er ist begeisterter Fahrten- und Regattasegler. Privat segelt er seit 1976 auf Elbe, Nord- und Ostsee. Zu seinen seglerischen Höhepunkten zählen ein Trans-Atlantik-Törn (1996), die zweimalige Teilnahme am Fastnet Race (1989, 1991) sowie mehrfache Teilnahmen am Hochseeklassiker „Rund Skagen“. Und nicht zuletzt steht der gemeinsame Bau von zwei Segelyachten mit Freunden in seinem Lebenslauf.

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Die richtige Versicherung finden

Anbieter für Yachtversicherungen gibt es viele. Die spannende Frage ist jedoch: „Wie finde ich die richtige Versicherung für mein Vorhaben?“ Daher möchte ich nachstehend einige typische Fragestellungen, die sich vor einer Blauwasserreise ergeben, aufzeigen und beantworten – wobei die individuellen Anforderungen von Langfahrtseglern an die Versicherung mitunter sehr unterschiedlich sein können. Die Schiffstypen, die Schiffswerte und auch die Menschen dahinter unterscheiden sich in den meisten Fällen erheblich.

Riggverlust auf der Ostsee. Kein Segler ist vor solchen Schäden sicher.

Wie bekomme ich qualifizierte Angebote?

Wer eine Weltumsegelung oder Langfahrt plant, sollte sich sehr weit vor Beginn der Reise Angebote einholen. Durch rechtzeitiges Anfragen kann man sich eingehend mit dem Angebot beschäftigen und versuchen, es entsprechend der eigenen Wünsche mitzugestalten.

Eine Blauwasseryacht zu versichern, ist nicht immer einfach. Manche Versicherer lehnen Langfahrtboote sogar ab, da aufgrund der hohen Belastungen für Schiff und Crew das Schadensrisiko ungleich höher ist als bei einer Bootsversicherung für das heimische Revier.

Langfahrtyachten in der Südsee

Daher sollte eine Langfahrt-Yachtversicherung auf jeden Fall ausführlich mit dem Versicherer besprochen werden. Dabei lässt sich schnell feststellen, welche Gesellschaften/Fachmakler sich für die Versicherung des Törns wirklich interessieren. Diese Firmen werden viele weiterführende Fragen stellen.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Informationen der Eigner liefert, umso besser. Dazu gehören Nachweise über die eigene Qualifikationen– und damit sind nicht nur Führerscheinkopien gemeint. Aufgezeigt werden sollte auch die praktische Törnerfahrung. Hilfreich sind auch Informationen, ob bereits viele Jahre schadenfrei gesegelt wurde. Und nicht zuletzt brauchen die Versicherer Angaben über die Yacht. Dazu zählen technische Daten, aktuelle Bilder, durchgeführte Verbesserungen und eine Begründung, warum dieses Schiff das richtige für den geplanten Törn ist – inklusive einer Fahrtgebietsbeschreibung mit möglichst genauem Zeitablauf. Änderungen sind natürlich nachträglich möglich, müssen jedoch vorher angezeigt und besprochen werden.

Mit anderen Worten: Es ist empfehlenswert, den potentiellen Versicherer „mit ins Boot“ zu holen. Das schafft Vertrauen. Und der Versicherer weiß im Falle eines Schadens gegebenenfalls schneller und besser, wie er helfen kann.

Welche Versicherungsarten gibt es?

Haftpflichtversicherung

In jedem Fall sollte eine Yacht-Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Diese deckt Schäden, für die der Eigner aufgrund gesetzlicher Bestimmungen gegenüber Dritten haftet. Wichtige Inhalte sind hierbei unter anderem die Kautionsleistungen im Ausland; Kosten für unbeabsichtigtes Auslösen einer EPIRB; Umweltschäden als Folge einer Havarie, wenn zum Beispiel Treibstoff nach einem Sinkschaden ausläuft und die Gewässer verunreinigt. Geprüft werden sollte auch, ob die Teilnahme an Regatten inbegriffen ist, denn das ist nicht immer der Fall. Letztlich hat die Yacht-Haftpflichtversicherung auch eine Art defensive Rechtsschutzfunktion, denn sie wehrt auch ungerechtfertigte Ansprüche ab. Für eine weltweite Fahrt sind Deckungssummen in Höhe von 10–15 Millionen Euro empfehlenswert.

Kosten für unbeabsichtigtes Auslösen einer EPIRB sollten durch die Versicherung gedeckt sein.

Kaskoversicherung

Über die Yacht-Kaskoversicherung sind Schiff, Ausrüstung und persönliches Reisegepäck versichert. Wichtige Inhalte hierbei sind eine Allgefahrendeckung, eine Feste Taxe und hohe Deckungssummen für Bergungs-, Wrackbeseitigungs-, und Entsorgungskosten. Ausschlüsse sollten klar definiert sein, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Sehr wichtig ist auch ein klar umrissenes Fahrtgebiet mit verständlichen Hurrikan- und Zyklonausschlussklauseln, denn dieser Punkt wird von den Anbietern unterschiedlich gehandhabt.

Sturm am Ankerplatz: Rutscht der Anker, wird es unangenehm.

Ergänzend zur Yacht-Kaskoversicherung sollte das Thema „Beschlagnahme“ durchdacht werden. Schäden am Schiff, während es sich in behördlichem Gewahrsam befindet, sind bei den meisten Yacht-Kaskoversicherungen ausgeschlossen. Die reine Beschlagnahme der Yacht kann gegen Zahlung einer Zulagenprämie gegebenenfalls eingeschlossen werden. Zudem gibt es auch komplette Zusatzversicherungen, in denen ebenfalls das Kriegsrisiko enthalten ist.

Insassenunfallversicherung

Die Yacht-Insassenunfallversicherung dient zur Absicherung von Personenschäden, die an Bord der Yacht auftreten. Hier kann man wahlweise nur die Besatzung oder Eigner und Besatzung versichern, was Einfluss auf die Prämie hat. Wichtige Inhalte sind hier die Progressionsstaffel für Invalidität, Bergungskosten für Personen und die Erweiterung auf Unfälle auf dem Bootssteg, beim Schwimmen oder Tauchen, soweit dieses vom versicherten Boot aus geschieht, oder bei Fahrten mit dem Beiboot.

Seglerin mit einem gebrochenen Fuß

Grundsätzlich empfehlen wir jedem Yachteigner den Abschluss einer privaten 24-Stunden-Unfalldeckung für sich und seine Familie, da diese auch an Land und bei allen anderen ausgeübten Tätigkeiten greift und pro Person höhere Deckungssummen und noch bessere Leistungen möglich sind.

Rechtsschutzversicherung

Die Yacht-Rechtsschutzversicherung schützt vor hohen Rechtskosten und sichert gezielt die Bereiche ab, die für Eigner wichtig sind. Leider lässt sich nie vorhersagen, ob Begegnungen und Ereignisse im Streit enden. Manche führen sogar zu ernsthaften gerichtlichen Auseinandersetzungen. Unter Umständen verliert man damit viel Zeit, Geld und Nerven.

Die Yacht-Rechtsschutzversicherung ist primär für das europäische Ausland inklusive der Mittelmeeranrainerstaaten gedacht. Zudem gilt sie weltweit sechs Monate mit einer Höchstentschädigung von 50 000 Euro. Längere Fahrten können im Einzelfall abgestimmt werden. Rechtskosten für ungerechtfertigt gestellte Ansprüche gegen den Eigner werden, wie bereits erwähnt, schon im Rahmen der Yacht-Haftpflichtversicherung übernommen.

Krankenversicherung

Die universell gültige, ideale Auslandskrankenversicherung für Jedermann gibt es nicht, da Ansprüche an Zeitdauer, Umfang, Reiseziel und das Alter sowie das Geschlecht eine Rolle spielen. Auch die Art der Vorversicherung (gesetzlich oder privat) ist ein entscheidender Faktor.

Und dann stellt sich die Frage: Was ist nach der Reise? Gibt es die Möglichkeit des Wiedereinstiegs in die Vorversicherung? Und wie geht das dann? Wer privat versichert ist, muss abklären, ob eine langfristige Erweiterung der Versicherung auf das außereuropäische Ausland möglich ist, denn in der Regel unterliegen Auslandsaufenthalte einer zeitlichen Begrenzung. Nicht enthalten sind oftmals Rücküberführungskosten. Alternativ könnte eine Anwartschaftsregelung getroffen und für die Reisedauer eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen werden. Bei der gesetzlichen Versicherung sollte in jedem Fall rechtzeitig die Möglichkeit einer Anwartschaft geprüft werden, da diese nicht zwangsläufig möglich ist.

Bei einem medizinischen Notfall unverzichtbar: die Krankenversicherung.

Auch für Auslandskrankenversicherungen gibt es eine Vielzahl von Anbietern mit verschiedenartigsten Annahmekriterien, Deckungsinhalten und Tarifen. Daher empfiehlt es sich auch hier, sich weit vor der Reise damit zu beschäftigen.

Wichtig: Bekannte Vorerkrankungen sind im Gesundheitsfragebogen des jeweiligen Anbieters anzugeben und nicht mitversichert!

Was gibt es beim Vergleich zu beachten?

Es wird zum Teil erhebliche Unterschiede in den Angeboten geben, sowohl in der Jahresprämie als auch beim Deckungsumfang. Unter bestimmten Umständen wird die Anfrage sogar abgelehnt oder es werden Teilgebiete ausgeschlossen. Der grundsätzliche Aufbau sowie die Definition der Fahrtgebiete und Hurrikan-Klauseln weichen oft gravierend voneinander ab. Im Vergleich zu einer „normalen“ Versicherung für Europa liegt die Jahresprämie grob beim Drei- bis Vierfachen. Auch die Selbstbeteiligung je Schadensfall wird deutlich höher sein.

Klassische „Gummiparagraphen“ wie „unzureichende Bemannung oder Vertäuung“, „unbemanntes Stillliegen vor offener Küste“ oder „vorherige See- oder Fahruntüchtigkeit“ sollten nicht im Angebot enthalten sein. Ebenso Ausschlüsse wie z. B. „Schäden durch Korrosion, Rost, Elektrolyse,Fäulnis oder Ungeziefer“. Sie können in der Konsequenz gravierend sein, wenn beispielsweise ein Schiff durch ein korrodiertes Seeventil oder einen angeknabberten Schlauch sinkt.

Schäden durch Korrosion können gravierende Folgen haben.

Was passiert im Schadensfall?

Jeder Schadensfall sollte so schnell wie möglich gemeldet werden. Der Versicherer oder Makler ernennt je nach Schadensart oder Ort einen Sachverständigen. Falls an Ort und Stelle kein Sachverständiger verfügbar sein sollte, wird er eingeflogen. Ist keine geeignete Werft in der Nähe, muss der Schaden eventuell vorerst provisorisch behoben werden. Unter Umständen ist auch ein Transport zur nächsten Werft notwendig. Das kann auf dem Land- oder Seeweg nötig sein.

Als Versicherungsnehmer sollte man im eigenen Interesse zu Kompromissen und/oder Mithilfe bereit sein. Das ist im Rahmen der Mitwirkung und Schadensminderung Pflicht und trägt erheblich dazu bei, die gesamte Abwicklung zu vereinfachen und zu beschleunigen. Beispielsweise sollte im Fall der Fälle nie ohne Absprache mit dem Versicherer/Makler ein fester Bergelohn vereinbart werden!

Außerdem gibt es Lloyd’s Open Form (LOF). Es ist international gebräuchlich. Das ist ein standardisierter Vertrag zur Rettung eines Havaristen aus Seenot. Bei Streitigkeiten entscheidet ein unabhängiges Schiedsgericht über die endgültige Höhe.

Beim Abschleppen sollte Lloyd’s Open Form angewendet werden.

Fazit

Blauwasserrouten gibt es unendlich viele. Unendlich viele Versicherungen für dieses nach wie vor spezielle Vorhaben jedoch nicht. Wer eine solche Reise plant, sollte rechtzeitig den Markt nutzen, um die optimale Police zu finden. Und natürlich hilft es, sich bei einem solch großen Vorhaben von Experten beraten zu lassen, die mit dem Segeln und den damit verbundenen Gefahren vertraut sind.

Diese Anbieter können dich zu dem Thema beraten

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