Musik an Bord

Von Max Lessner

Max Lessner segelt seit seiner Kindheit. Kurz vor dem Staatsexamen (Jura) entscheidet er sich für eine Auszeit unter Segeln. Von ersten Impuls bis zum Loswerfen der Leinen dauert es gerade einmal wenige Wochen. Mit seiner Sirius 26 erkundet er im Segelsommer 2014 einhand die gesamte Ostsee. Über die Reise von Max ist das Buch „Im Zweifel für den Segelsommer“ erschienen.

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Die Puristen unter den Seglern genießen beim Segeln die Stille oder das am Rumpf vorbeiplätschernde Wasser. Doch leider kennt auch das seine Grenzen. Wenn der Motor im Nord-Ostsee-Kanal stundenlang läuft oder der Wind schon seit Tagen im Rigg pfeift. In diesen Momenten ist ein wenig Musik, eine willkommene Ablenkung. Selbst während der ruhigen Momente vor Anker oder unter Segeln gehört für mich und viele andere die passende Musik nicht nur einfach dazu, sondern sie macht die Erlebnisse noch intensiver. In den langen Wintermonaten ohne Segeln kommt das Erlebte wieder in Erinnerung – dank der Musik, wie eine Filmszene mit dem passenden Soundtrack.

Ich kann mich heute noch an Situationen auf See erinnern und an die Musik, die dabei lief. Ein Beispiel von vielen: Himmelfahrt 2016, das erste Segelwochenende im Jahr mit Temperaturen über 25 Grad Celsius. Um das Wetter auszunutzen, ging es bereits morgens um halb acht aus dem Hafen. Zwei Schiffe in Flottille kreuzen ohne Welle, dafür mit Sonnenbrand und guter Fahrt durch die Kieler Bucht. Dazu läuft der Titel „Higher“ von Mike Mago. Genauso wie die Geschichten und Törnziele wird auch dieser Song für immer mit diesem Vatertagswochenende für mich verbunden bleiben.

Für viele Segler gehört Musik zum Segeln dazu.

Die passende Musik kann den schönsten Segeltag mit perfektem Wind und Sonnenschein noch besser machen, den Abend mit Freunden in einer ruhigen Ankerbucht untermalen und sogar neuen Mut in schwerem Wetter oder anderen schwierigen Situationen geben. Beim perfekten Segeltag bin ich mir sogar fast sicher, dass die richtige Musik das Boot „gefühlt“ noch schneller machen kann.

Jedem ist bekannt wie unglaublich vielseitig Segeln als Hobby ist. Das zeigt sich auch bei der Musik, denn in jeder der geschilderten Situationen würden völlig andere Klänge passen und die Geschmäcker sind ja bekanntlich sowieso verschieden.

Hier nun ein paar Vorschläge für situationsabhängige Playlists beim Segeln.

Der perfekte Sommertag.

Vorschlag 1 – Der perfekte Sommertag

Stell dir vor, du fährst bei gemütlichen 3-4 Windstärken über die offene See, das Boot macht gute 5 Knoten, die Sonne scheint, es steht kaum Welle und die Getränke sind kalt.

Das könnte dazu laufen:

1. Higher – Mike Mago
2. Dont You (Forget about me) – Simple Minds
3. The Days – Avicii
4. Loosing Sleep – John Newman
5. Summerbreeze – Baiser
6. Talk – Coldplay
7. Midnight City – M83
8. Voyage Voyage – Robert Miles & Patricia Kaas
9. Moving on Up – M People
10. Saltwater – Nora En Pure

Lauer Sommerabend vor Anker.

Vorschlag 2 – Lauer Sommerabend vor Anker

Anderer Ort, anderes Setting. Der Tag geht, die Temperatur ist noch warm und das Schiff liegt vor Anker in einer einsamen Bucht oder an einer schwedischen Schäre. Freunde und gute Gespräche an Bord. Das ganze untermalt von einem glühenden Sonnenuntergang und der Petroleumlampe auf dem Cockpittisch. Auf dem Grill am Heckkorb brutzelt der frisch erstandene Fisch oder ein gutes Steak. Wer nicht die Ruhe genießen möchte, könnte folgende Songs auflegen:

1. Chan Chan – Buena Vista Social Club
2. I See Fire (Kygo Remix) – Ed Sheeran & Kygo
3. Tom´s Diner – DNA
4. We Were Here – BOY
5. La Soledad – Pink Martini
6. Another Day in Paradise – Phil Collins
7. Flume – Bon Iver
8. Unter meiner Haut – Gestört aber geil
9. Heaven/ Where True Love Goes – Cat Stevens
10. Crocketts Theme – Miami Vice / Jan Hammer

Schweres Wetter.

Vorschlag Nummer 3 – Schweres Wetter

Zum Schluss noch eine Situation in der mir Musik immer sehr hilft mich zu fokussieren und einen klaren Kopf zu bewahren oder auch die Crew abzulenken: Ob unverschuldet oder nicht, man gerät in schweres Wetter. Wind und Wellenhöhe steigen kontinuierlich an, der nächste Hafen ist noch ein ganzes Stück entfernt, der ganze Körper steht unter Spannung, das ein oder andere Crewmitglied wird langsam stiller und auch der Skipper schaut in den Himmel und fragt was da wohl noch kommen wird. Nun ist die passende Musik nicht nur angenehm, sondern auch tatsächlich hilfreich. Um die Stille an Deck zu durchbrechen, kommt ein ganz anderer Musikstil zum Tragen. Am meisten motiviert mich dann kraftvolle Rockmusik oder die klassische Gute-Laune-Disko-Musik. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass ausgerechnet diese beiden Genres oft für professionelle Videos bei Hochseeregatten gewählt werden. Ich habe allerdings auch ernsthaft schon mal einen Einhandsegler getroffen, der immer, wenn ihm das Wetter nicht mehr geheuer war, den Soundtrack zum Filmklassiker „Das Boot“ aufgelegt hat. Ob das jetzt hilft, weiß ich natürlich nicht, aber es ist eine schöne Idee.

Drückt das Wetter auf die Stimmung, kann Musik helfen.

Fest steht aber, dass die passenden Klänge aus anfänglichem Unwohlsein einen richtig klasse sportlichen Segeltag machen können und das ist bei mir mehr als einmal der Fall gewesen. Daher folgt hier die passende Playlist:

1. Danger Zone – Kenny Loggins
2. Catch The Sun – The Glitch Mob
3. Spiralling – Keane
4. Bohemian Like You – Dandy Warhols
5. Bulletproof – La Roux
6. Allein Allein – Polarkreis 18
7. When We Stand Together – Nickelback
8. Relax – Frankie Goes to Hollywood
9. Dont You Worry Child – Swedish House Mafia
10. Can´t Stop – Red Hot Chilli Peppers

Abendidylle in Schweden. Dezente Klänge untermalen die Szenerie.

Wie Du siehst, ist die passende Musik so vielseitig wie das Segeln selbst. Natürlich sind auch die Geschmäcker verschieden und so erheben die vorgeschlagen Playlists keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder gar Richtigkeit. Sie sollen nur ein Gefühl davon geben, wie die passende Musik an Bord jedes Erlebnis noch intensiver machen kann. Probier es doch einfach mal aus und entwerfe Deine eigene Playlists für die Musik – ganz gleich, ob für abends vor Anker, bei Sonne unterwegs, nachmittags im Hafen oder sogar bei langweiligen Motorfahrten.

Es lohnt sich auf jeden Fall.

Link zur Internetseite von Max Leßner

Link zum Buch über die Ostseeumrundung von Max Leßner

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Tobi
Guest

Schöner Artikel, Vielen Dank!
Mich würde interessieren welche geräte ihr nutzt, wo am besten die Aussenlautsprecher angebracht werden und welche Lautsprecher einer salzigen Atmosphäre widerstehen.
VG Tobi

Sönke Roever
Admin

Wir haben wasserfeste Lautsprecher von VDO verbaut. Diese sitzen im Cockpit ganz achtern, damit sie möglichst wenig im Innenraum des Schiffes stören. Wir stellen dort manchmal den Ton auch nur ganz leise ein und wenn man sich dann auf die Cockpitbank daneben legt, kann man dort zuhören, ohne die anderen zu stören.

Max
Guest

So ähnlich habe ich es auch gemacht:
In der Plicht, relativ weit unten. So nutzt man den Hohlraum der Backskiste dahinter als Resonanzkörper, der Lautsprecher sitzt aber so, dass der Sound nicht weit dringt. Entferntere Boote werden so relativ wenig belästigt.
Bei mir sind wasserdichte Alpine Marine Lautsprecher verbaut. Sehr zu empfehlen.

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