Yachtcharter: Mit VDC-Standards bist du sicher unterwegs

Wie die Arbeit der Vereinigung Deutscher Yacht-Charterunternehmen e. V. den Chartersegler unterstützt, erklärt der Präsident Christian Zaloudek im Interview

BLAUWASSER.DE: Wofür steht die Vereinigung Deutscher Yacht-Charterunternehmen e. V. (VDC) und was sind deren Aufgaben?

Christian Zaloudek: Die Vereinigung Deutscher Yacht-Charterunternehmen ist der führende Branchenverband für gewerbliche Yachtcharter in Deutschland und setzt sich seit ihrer Gründung im Jahr 1999 für Transparenz, Qualität und Sicherheit auf dem deutschen und internationalen Chartermarkt ein.

Charterkunden, die sich für ein VDC-Mitgliedsunternehmen entscheiden, genießen ein hohes Maß an Vertrauen und Sicherheit. Die Einhaltung der Verbandsstandards minimiert Risiken und sorgt für einen reibungslosen und sicheren Charterurlaub.

Der Verband vertritt darüber hinaus die Interessen seiner Mitglieder gegenüber Behörden, Verbänden und der Öffentlichkeit und unterstützt sowohl die Charterunternehmen als auch deren Kunden. Das Hauptanliegen der VDC ist gleichzeitig auch unser Slogan: Der sichere Kurs zum guten Charterboot. Dies wird durch die Festlegung und Überwachung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards erreicht, zu deren Einhaltung sich alle Mitglieder verpflichten. Zu denen seit einigen Jahren auch ausländische Anbieter gehören.

Christian Zaloudek ist der erste Vorsitzende der Vereinigung Deutscher Yacht-Charterunternehmen e. V. ©privat

BLAUWASSER.DE: Wie viele Firmen sind Mitglied beim VDC und aus welchen Bereichen kommen sie?

Christian Zaloudek: Aktuell haben wir 24 Unternehmen als aktive Mitglieder im Verband, dazu kommen die ausländischen Firmen, die bei uns als passive Mitglieder geführt werden. Die Unternehmen setzen sich aus Charteragenturen und aus Flottenbetreibern zusammen, die vor Ort die Stützpunkte betreiben. Gemeinsam möchten wir sicherstellen, dass der Kunde ein sicheres und verlässliches Charterangebot vorfindet.

Vermittlung von Charteryachten durch Onlineagenturen und sogenannte „klassische“ Agenturen

BLAUWASSER.DE: In diesem Zusammenhang liest man immer wieder auch Kritisches über sogenannte Online-Agenturen, die weltweit Yachten vermitteln. Was steckt dahinter?

Christian Zaloudek: Seit vielen Jahren entstehen nach und nach reine Online-Agenturen, die den Markt mit scheinbar günstigen Angeboten erobern wollen. Sie locken Investoren mit dem Versprechen, durch eine zukünftige Markthoheit sehr hohe Renditen zu erwirtschaften. Um die dafür notwendigen Marktanteile zu gewinnen, werden Kunden mit subventionierten Preisen angelockt. Hier ist Vorsicht angesagt. Denn nicht jede gut gemachte Internetseite ist ein Indiz für solide kaufmännische Arbeit und einen ausgeprägten Servicegedanken. Firmen wie Blue Balu oder Zizoo sind Beispiele der Vergangenheit, die krachend in die Insolvenz geschlittert sind. Dabei haben viele Kunden und Flottenbetreiber viel Geld verloren. Noch aber sind viele weitere mit Investorengeldern ausgestattete reine Online-Agenturen am Start und hier ist erhöhte Wachsamkeit auch vom Kunden gefragt.

Auch im Schadensfall braucht es einen verlässlichen Charterpartner. ©Christian Zaloudek

BLAUWASSER.DE: Und wo genau liegt jetzt der Unterschied zu den Charter-Agenturen, die Mitglied im VDC sind?

Christian Zaloudek: Zunächst einmal: Alle unsere Mitglieder werden vor der Aufnahme in die Vereinigung geprüft und müssen laut Satzung klare Kriterien erfüllen, die auch bestimmte Qualitätsmerkmale und kaufmännische Fähigkeiten und Arbeiten einschließt.

Kundenorientiertes Handeln, Service und Vertrauen sind bei allen unseren Mitgliedern die wichtigen Stichworte. Unsere Agentur-Mitglieder – die gerne auch als „klassische Agenturen“ bezeichnet werden – arbeiten zum Beispiel nur mit ausgewählten, persönlich bekannten Flottenanbietern zusammen und können schon mit dieser Vorauswahl ein hohes Maß an Qualität und Sicherheit bieten.

Der sichere Weg zum guten Charterboot ist das Motto der Vereinigung. ©VDC e. V.

BLAUWASSER.DE: Wie kann der Kunde auf der Suche nach der passenden Charteryacht jetzt die eine Charter-Agentur von der anderen unterscheiden?

Christian Zaloudek: Ein Tipp ist zum Beispiel, auf einer Internetseite mal einen Blick in das Impressum zu richten und zu prüfen, wo das Unternehmen eigentlich seinen Geschäftssitz hat. Auch Online-Bewertungen müssen kritisch hinterfragt werden. Sehr hilfreich ist oft auch der Test mit einem telefonischen Kontakt. Gelingt der, kann meist durch zwei, drei fachbezogenen Fragen schnell herausgefunden werden, ob mein Gegenüber fachlich und sachlich gut aufgestellt ist.

Kosten sparen beim Charterurlaub

BLAUWASSER.DE: Kurz ein ganz anderes Thema: Der Charterurlaub ist in den letzten Jahren teurer geworden. Woran liegt das?

Christian Zaloudek:
Ja, auch wir beobachten dies kritisch und mit Sorge. Nach Corona sind zunächst einmal Yachten deutlich teurer geworden. Der Preis für eine Segelyacht aus einer Serienwerft in der Größe 46 Fuß ist um rund 100.000 Euro gestiegen. Auch die Preise für die Liegeplätze in den Marinas sind zum Teil stark gestiegen. Zusammen mit sonstigen Kostensteigerungen ergibt das am Ende natürlich auch einen höheren Charterpreis für den Kunden.

Was einzelne Änderungen für Auswirkungen haben, kann ich gut an einem konkreten Beispiel erläutern: Die Preispolitik in Sukosan – eine der größten Marinas Kroatiens – wurde umgestellt und ein Liegeplatz wird nicht mehr gestaffelt nach Größe, sondern pauschal berechnet. Mit der Folge, dass es für Charterunternehmen hier nicht mehr möglich ist, kleinere Yachten um die 35 Fuß wirtschaftlich zu betreiben.

Zum Teil stark gestiegene Nebenkosten wie Preise für Marinas wirken sich auch auf den Charterpreis aus. ©Michael Amme

BLAUWASSER.DE: Gerade für Familien macht das den Einstieg in den Segelurlaub nicht gerade leichter.

Christian Zaloudek: Richtig. Aber genau hier versuchen wir als VDC in Zusammenarbeit mit den ausländischen Dachverbänden auch unsere Stimme zu erheben. Gerade in Bezug auf Familien leisten wir auch konkrete Hilfestellung. So versuchen wir zum Beispiel für Familien jedes Jahr Sondervereinbarungen mit unseren Partnern zu vereinbaren. Mal sind das 15 Prozent Rabatt in den kroatischen ACI-Marinas oder Familienpakete, die neben einem zusätzlichen Rabatt noch Extras wie Außenbordmotor oder ein SUP enthalten. Wer als Familie bucht, sollte seine Charteragentur unbedingt darauf hinweisen.

Ein Herz für Familien: Hier versucht der VDC mit Kooperationen spezielle Angebote zu machen. ©Michael Amme

BLAUWASSER.DE: Hast du noch weitere Tipps zum Stichwort Geld sparen beim nächsten Charterurlaub?

Christian Zaloudek:
Zum Beispiel die Charteragentur mal nach ausgewählten Premiumpartnern fragen, die auch ältere, aber sehr gut gewartete Yachten im Programm haben. Innerhalb der VDC-Mitglieder erstellen wir regelmäßig eine Liste unter dem Titel „Oldies but goldies“, bei denen man richtig Geld sparen kann. Ganz praktisch kann man natürlich auch einfach vor Ort mehr an Bord kochen oder die Nacht öfter vor Anker statt im Hafen verbringen.

BLAUWASSER.DE: Kommen wir noch einmal zurück auf eure klassische Verbandsarbeit. Ihr vertretet die Interessen eurer Mitglieder und deren Kunden ja auch gegenüber Behörden und der Öffentlichkeit. Kannst du dazu ein paar praktische Beispiele nennen?

Christian Zaloudek:
Wir konnten zum Beispiel in Kroatien eine führerscheinrechtliche Änderung erwirken. Der anerkannte Sportbootführerschein-See und der SKS waren nur bis zu 30 sogenannten gross tons gültig, bei Katamaranen ab 44 Fuß war da schon Schluss. Hier konnten wir eine Regelung erwirken, dass Skipper mit diesen Scheinen jetzt pauschal Schiffe bis 18 Meter chartern können.

Ein anderes Beispiel ist das von den italienischen Behörden verhängte Nachtankerverbot für den gesamten Nationalpark La Maddalena bei Sardinien. Auch hier haben wir reagiert und zusammen mit den internationalen Verbänden ICOMIA und EBI eine Änderung erwirkt.

Aber auch national sind wir immer wieder gefordert, gegenüber Behörden die Interessen unsere Mitglieder und deren Kunden zu vertreten. Egal ob die Themen Kleinschifferzeugnis, Nationalpark Wattenmeer, See-BG Abnahmen für Yachten oder aktuell die Verordnung zur Neuregelung des amtlichen Sportbootführerscheins heißen, die extrem umstritten ist. Zum Beispiel sollen demnach die Prüfungen zum Sportbootführerschein-See nur noch auf nationalen Seeschifffahrtsstraßen durchgeführt werden können. Damit wäre die Existenz hunderter Sportbootschulen im Binnenland bedroht und ein deutlicher Rückgang der Führerscheinerteilungen zu erwarten.

Die Mitglieder des VDC versuchen, den Segelurlaub so sorgenfrei und sicher wie möglich zu machen. ©Michael Amme

BLAUWASSER.DE: Du bist ja selbst auch viel auf Charteryachten unterwegs. Zum Abschluss vielleicht noch eine persönliche Frage: Welches ist dein Lieblingsrevier und wie sieht dein perfekter Urlaubstag auf dem Wasser aus?

Christian Zaloudek: Mein schönster Segeltag beginnt ohne festen Plan: keine Route, die in Stein gemeißelt ist, sondern Freiheit und Spontanität nach Wind und Laune. Tagsüber mag ich entspanntes Segeln und am Abend fällt der Anker gerne in einer geschützten Bucht. Zusammen mit der Crew kochen und beim Essen im Cockpit den Sonnenuntergang genießen – dann ist der Tag perfekt.

Und ganz ehrlich: Ob das nun im Mittelmeer vor Kroatien oder Griechenland sattfindet oder im türkisfarbenen Paradies der Seychellen ist mir dabei gar nicht so wichtig. Was zählt, ist das Gefühl aus Freiheit und Gemeinschaft.

BLAUWASSER.DE:
Wir danken dir für das Gespräch.

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