Bootsbau: GFK als Rumpfmaterial für Segelyachten. Das sollte man wissen!

Ein Beitrag von

Johannes Erdmann überquerte im Alter von 19 Jahren zum ersten Mal einhand den Atlantik. Während seines Schiffbaustudiums schrieb er sein erstes Buch „Allein über den Atlantik“. Nach zehn Jahren als Wassersportjournalist, rund 60.000 Seemeilen im Kielwasser und sieben Jahren auf See gibt er heute seine Erfahrung vom Langfahrtsegeln als Berater und Journalist weiter. Mit Shorecrew.de begleitet er zudem angehende Eigner auf dem Weg zur eigenen Yacht und ist der Chefredakteur von BLAUWASSER.DE.

GFK-Yachten: Warum selbst 60 Jahre alte Rümpfe noch halten

Im Baumarkt stehe ich oft vor der Wahl: Nehme ich ein bestimmtes Bauteil, etwa einen Fenstergriff oder ein Wasserrohr, aus Plastik – oder doch lieber aus Metall? Zugegeben, ich tendiere fast immer zu Metall. Auch wenn es meist etwas mehr kostet. Ein Teil aus Metall erscheint einfach stabiler, hochwertiger und langlebiger als eines aus Plastik, das mit den Jahren spröde wird – und irgendwann womöglich bricht.

Mit einem ähnlichen Gefühl gehen auch viele Segler durch den Bootsmarkt. Wenn ich ein Schiff suche, mit dem ich einen Ozean überqueren und dem ich im Zweifel mein Leben anvertrauen möchte, dann doch lieber etwas Robustes. Wenn schon zwischen mir und dem 5.000 Meter tiefen Ozean nur ein guter Zentimeter Material liegt, dann doch am besten Metall, zum Beispiel Aluminium. Aber ist das wirklich nötig?

An den Ankerplätzen rund um die Welt prägen GFK-Yachten heute das Bild – kaum ein anderer Werkstoff ist im modernen Yachtbau so verbreitet. ©Johannes Erdmann

Die Erfahrung lehrt schließlich, dass Alltagsgegenstände aus Plastik erstaunlich kurzlebig sein können – und häufig auch gar nicht für Jahrzehnte gebaut werden. Vielfach wird nur so viel Material eingesetzt, wie für den vorgesehenen Zweck und die erwartete Lebensdauer nötig ist. Mehr Material kostet mehr Geld, erhöht das Gewicht und macht die Produktion teurer. Dinge wesentlich stabiler zu bauen, als sie sein müssen, ist schlicht unwirtschaftlich.

Ein Urgestein der GFK-Kreuzer und zugleich ein Langfahrt-Pionier aus den 1960er Jahren: die Laurin Koster 28. ©Johannes Erdmann

Bei GFK-Yachten war das einmal anders. Als in den 1960er- und 70er-Jahren immer mehr Boote aus glasfaserverstärktem Kunststoff gebaut wurden, wusste man schlicht noch nicht genau, wie dünn ein solcher Rumpf eigentlich sein durfte. Das ist einer der Gründe, warum viele GFK-Yachten „von damals“ heute einen so guten Ruf genießen: Sie sind vielfach überdimensioniert – und entsprechend robust.

Vor einigen Jahren interviewte ich Professor Dieter H. Scharping zu diesem Thema. Er ist Autor des Standardwerks „Konstruktion und Bau von Yachten“ und war damals in Deutschland an der Entwicklung von Richtwerten beteiligt, nach denen die Stärke von GFK-Laminaten ausgelegt wurde. Er erzählte mir offen, dass damals schlicht die Erfahrungswerte fehlten. Wie stark musste ein Laminat sein, damit ein Rumpf auch nach Jahren auf See noch zuverlässig seinen Dienst tat? Wie dünn durfte man bauen, ohne die nötigen Sicherheitsreserven zu unterschreiten?

Also orientierte man sich zunächst an Materialstärken, wie man sie aus dem traditionellen Holzbootsbau kannte. Deshalb baute man damals – aus heutiger Sicht – viel, viel zu dick.

In der Pionierzeit der GFK-Yachten wusste man noch nicht, wie dünn man laminieren kann. ©Johannes Erdmann

Das machte die frühen GFK-Yachten schwerer als nötig. Gleichzeitig dürfte es einer der Gründe dafür sein, dass noch heute erstaunlich viele von ihnen an unseren Küsten unterwegs sind. Dabei ging man in den Anfangsjahren keineswegs davon aus, dass diese Boote ewig halten würden. 25 Jahre Lebensdauer erschienen durchaus realistisch. Heute sind die GFK-Dinosaurier mit 50 und 60 Jahren im Kielwasser immer noch allgegenwärtig – und sehen häufig sogar noch gut aus. Ein Yachtmakler sagte mir dazu einmal mit ernster Miene, er sei überzeugt davon, dass Archäologen noch in 2.000 Jahren GFK-Yachten aus der Wüste ausbuddeln würden.

Mit ihrem GFK-Leichtbau vom Typ Dufour Arpege umsegelte Gudrum Calligaro die Welt einhand und zu großen Teilen durch das Südpolarmeer. ©Johannes Erdmann

CE-Kategorie A: Wie viel sagt sie über eine GFK-Yacht aus?

Doch wie groß sind die Unterschiede in der Bauqualität von GFK-Yachten tatsächlich? Werden moderne Yachten heute noch mit genügend Reserven für lange Reisen und Ozeanpassagen gebaut – oder bewegen sich manche Konstruktionen zu nah am vorgeschriebenen Minimum? Und welche Bauweisen und Materialien gibt es überhaupt? Berechtigte Fragen.

Einen ersten Anhaltspunkt liefert bei modernen Yachten die europäische Sportbootrichtlinie. Seit dem 16. Juni 1998 müssen neu in Verkehr gebrachte Sportboote in der EU grundsätzlich deren Anforderungen erfüllen und werden einer der Entwurfskategorien A bis D zugeordnet. Kategorie A ist dabei für Sportboote vorgesehen, die für Windstärken über 8 Beaufort und signifikante Wellenhöhen von mehr als vier Metern ausgelegt sind – außergewöhnliche Bedingungen ausgenommen.

Eine solche CE-Plakette an Bord bestätigt nicht nur, dass die Yacht nach den geltenden CE-Anforderungen gebaut wurde. Sie gibt auch an, für welche Entwurfskategorie sie zugelassen ist und welche maximale Zuladung dabei nicht überschritten werden darf. ©Johannes Erdmann

Ein Blick auf die CE-Plakette verrät also zunächst einmal, für welche Bedingungen eine Yacht konstruiert wurde. Über die tatsächliche Qualität und Robustheit eines Bootes sagt der Buchstabe allein allerdings wenig aus. Denn zwei Yachten der Kategorie A können sich bei Konstruktion, Laminataufbau, Materialstärken und Sicherheitsreserven erheblich unterscheiden. Mit der Sportbootrichtlinie und den dazugehörigen Normen wurden allerdings auch viele Anforderungen an Konstruktion und Festigkeit vereinheitlicht.

GFK-Rümpfe: Ist alt und massiv besser als modern und leicht?

Der berühmte schottische Yachtkonstrukteur William Fife soll seinen Leitspruch für die Konstruktion guter Yachten einmal mit den Worten „What looks right – is right“ zusammengefasst haben: Was richtig aussieht, ist auch richtig. Dahinter steckte natürlich nicht nur Bauchgefühl, sondern auch Erfahrung, überlieferte Regeln und das Wissen aus unzähligen gebauten und gesegelten Schiffen.

Heute kommt eine weitere entscheidende Ebene hinzu: die rechnerische Auslegung. Ein Konstrukteur entscheidet nicht allein aufgrund seiner Erfahrung, wie dick ein Rumpf laminiert oder wie kräftig eine Struktur ausgeführt werden sollte. Er muss definierte Anforderungen erfüllen und nachweisen, dass die Konstruktion den zu erwartenden Belastungen standhält. Dafür gibt es Berechnungsverfahren, mit denen unter anderem die Belastungen von Rumpf und Deck sowie die erforderliche Festigkeit der einzelnen Bauteile bestimmt werden. Heute lässt sich ziemlich genau berechnen, welche Festigkeit ein Bauteil mindestens aufweisen muss.

Bei einer Kollision haben GFK-Yachten schlechte Karten – ganz gleich, ob moderner Leichtbau oder ältere, massiv gebaute Yacht. Immerhin: Trotz des erheblichen Schadens schwimmt diese Yacht noch. ©Johannes Erdmann

Für den Käufer einer Blauwasseryacht stellt sich deshalb weniger die Frage, ob eine moderne Yacht ausreichend dimensioniert ist – das sollte sie sein, sofern sie eine CE-Plakette trägt. Interessanter für das Leben an Bord und die Langlebigkeit ist vielmehr, wie weit ihre Bauweise über die vorgeschriebenen Mindestanforderungen hinausgeht.

Früher fehlten jahrzehntelange Erfahrungen mit dem noch jungen Werkstoff. Sicherheit erreichte man deshalb vor allem durch Material: lieber eine Lage Glasfasermatte mehr als eine zu wenig. Heute können Konstrukteure wesentlich genauer berechnen, welche Kräfte an welcher Stelle auftreten und welche Laminatstärke erforderlich ist.

Das bedeutet allerdings nicht, dass moderne GFK-Yachten zwangsläufig viel schwächer gebaut sind. Im Gegenteil: Moderne Fasern, Harze, Sandwichmaterialien und Fertigungsverfahren ermöglichen es, bei geringerem Gewicht sehr steife und belastbare Rümpfe herzustellen. Ein moderner Rumpf muss nicht besonders dick sein, um stabil zu sein. Gleichzeitig ermöglichen die Normen aber auch, Konstruktionen genauer auf die zu erwartenden Belastungen auszulegen.

Das ist ein wichtiger Punkt beim Gebrauchtbootkauf: Ein 40 Jahre alter, massiv laminierter GFK-Rumpf kann deutlich schwerer und dicker ausgeführt sein als ein moderner Rumpf gleicher Größe. Daraus folgt aber weder automatisch, dass das alte Boot „besser ist“, noch dass das moderne „schlechter“. Entscheidend ist vielmehr, wie das jeweilige Laminat aufgebaut ist, welche Materialien verwendet wurden, wie sorgfältig sie verarbeitet wurden und wie die auftretenden Kräfte in die gesamte Struktur eingeleitet werden.

Solch ein Hanseat aus den 70er Jahren gilt als ein besonders robustes Urgestein des deutschen GFK-Bootsbaus. ©Johannes Erdmann

Wie wird eine moderne GFK-Yacht gebaut? Aufbau und Materialien

Mein Vergleich vom Anfang hinkt natürlich ein wenig, denn die Serienyachten, von denen wir hier sprechen, bestehen nicht einfach aus „Plastik“, sondern aus GFK – glasfaserverstärktem Kunststoff. Und der hat mit einem einfachen Kunststoffteil aus dem Spritzgussverfahren wenig gemeinsam.

Genau genommen ist GFK ein Faserverbundwerkstoff, der leicht, fest und ausgesprochen langlebig sein kann – und sich zudem nahezu in jede gewünschte Rumpfform bringen lässt. Seine Eigenschaften entstehen aus dem Zusammenspiel von Glasfasern und Kunstharz. Die Glasfasern sorgen vor allem für die Festigkeit des Bauteils. Das Harz umschließt die Fasern, hält sie in ihrer Position und überträgt die Kräfte zwischen ihnen. Erst zusammen entsteht daraus ein belastbares Laminat.

Anders als ein einfaches Kunststoffteil besteht ein GFK-Rumpf also nicht aus einem homogenen Material, sondern aus vielen gezielt angeordneten Fasern, die mit Harz verbunden werden. Dazu werden Glasfasermatten, -gewebe oder -gelege in einer Form aufgebaut und entweder von Hand mit Harz getränkt oder mithilfe eines Vakuumverfahrens mit Harz durchsetzt. Nach dem Aushärten entsteht daraus eine feste Schale – der Rumpf der Yacht.

Mit diesen 445 g/m² schweren biaxialen Glasfasermatten wurde das Unterwasserschiff einer GFK-Yacht nach einer Osmosesanierung neu aufgebaut und zusätzlich verstärkt. ©Johannes Erdmann

Glasfaser

Glasfasern können als Matten, Gewebe oder gerichtete Gelege verarbeitet werden. Bei modernen Yachten kommen häufig sogenannte „biaxiale“ oder „multiaxiale“ Gelege zum Einsatz, bei denen die Fasern gezielt in den Richtungen angeordnet werden, in denen Kräfte aufgenommen werden sollen. So lässt sich mit vergleichsweise wenig Material eine sehr hohe Festigkeit erreichen.

Polyesterharz

Auch beim verwendeten Harz gibt es deutliche Unterschiede. Im klassischen Serienbootsbau kommt überwiegend Polyesterharz zum Einsatz. Das hat vor allem wirtschaftliche Gründe: Polyesterharz ist vergleichsweise günstig, lässt sich unkompliziert verarbeiten und liefert für den normalen Yachtbau ausreichende mechanische Eigenschaften. Gerade bei großen Stückzahlen ist der Preisunterschied erheblich.

Für schnelle Reparaturen sind Polyesterharz und eine dünne Matte völlig ausreichend. ©Johannes Erdmann

Vinylesterharz

Hochwertiger, aber auch teurer ist Vinylesterharz. Es besitzt bessere mechanische Eigenschaften, haftet besser an den Fasern und ist vor allem deutlich widerstandsfähiger gegen das Eindringen von Wasser. Es bietet auch einen besseren Schutz gegen Osmose. Manche Werften verwenden Vinylester deshalb nicht für das gesamte Laminat, sondern zumindest für die äußeren Laminatschichten unmittelbar hinter dem Gelcoat. So lässt sich der bessere Feuchtigkeitsschutz nutzen, ohne den gesamten Rumpf mit dem teureren Harz bauen zu müssen.

Epoxidharz

Noch einmal eine Stufe darüber liegt Epoxidharz. Es besitzt eine sehr hohe Haftfestigkeit, gute mechanische Eigenschaften, schrumpft beim Aushärten vergleichsweise wenig und ermöglicht besonders leichte und hochfeste Faserverbundkonstruktionen. Deshalb findet man Epoxidharz vor allem bei hochwertigen, gewichtsoptimierten oder besonders leistungsorientierten Yachten sowie im Regattabootbau.

Für eine Osmosesanierung und als Sperrschicht eignet sich Epoxidharz. Mit passenden Dosierpumpen lassen sich Harz und Härter einfach im richtigen Mischungsverhältnis ansetzen. ©Johannes Erdmann

Warum wird nicht immer Epoxidharz verwendet?

Dass nicht jede Serienyacht aus Epoxid gebaut wird, hat vor allem praktische und wirtschaftliche Gründe: Epoxidharz ist deutlich teurer als Polyesterharz, stellt höhere Anforderungen an Verarbeitung und Fertigungsabläufe und benötigt je nach System längere beziehungsweise genauer kontrollierte Aushärtebedingungen. Für eine Großserienwerft, die viele Rümpfe möglichst effizient produzieren muss, bringt Polyester deshalb erhebliche Vorteile.

Welches Harz verwendet wurde, sagt deshalb allein noch wenig über die Qualität einer Yacht aus. Ein sauber verarbeitetes Polyesterlaminat kann jahrzehntelang halten, während auch die hochwertigsten Materialien durch Fehler bei der Verarbeitung geschwächt werden können. Mindestens ebenso wichtig ist deshalb, wie sorgfältig das gesamte Laminat hergestellt wurde.

Die Arbeit mit Harz und Härter ist kein Hexenwerk. Mit etwas Übung sind auch größere Laminierarbeiten für Laien machbar – und die Wiederbelebung eines 40 Jahre alten GFK-Klassikers kann eine ausgesprochen befriedigende Aufgabe sein. ©Johannes Erdmann

GFK-Rumpf: Besser Volllaminat oder Sandwich?

Früher wurden GFK-Rümpfe fast ausschließlich als Volllaminat gebaut, der Rumpf bestand also über seine gesamte Dicke aus Glasfaser und Harz. Das ist einfach, robust und vergleichsweise unempfindlich gegen Beschädigungen. Der Nachteil: Um eine ausreichend steife Struktur zu erhalten, wird viel Material benötigt und damit kommt auch viel Gewicht ins Boot.

Deshalb werden moderne Yachten häufig zumindest teilweise in Sandwichbauweise gefertigt. Zwischen zwei vergleichsweise dünnen GFK-Laminaten liegt dabei ein leichter Kern, entweder aus geschlossenzelligem Schaum oder aber leichtem Balsaholz. Das Prinzip ähnelt einem Doppel-T-Träger: Die beiden äußeren GFK-Schichten übernehmen vor allem Zug- und Druckkräfte, während der leichte Kern sie auf Abstand hält und die Schubkräfte zwischen ihnen überträgt. Dadurch steigt die Biegesteifigkeit erheblich, ohne dass dafür große Mengen schweren Laminats benötigt werden.

Gut konstruiert und gefertigt kann ein Sandwichrumpf bei deutlich geringerem Gewicht eine sehr hohe Steifigkeit erreichen. Ein weiterer Vorteil ist die Wärmedämmung: Der leichte Kern leitet Wärme deutlich schlechter als massives GFK und isoliert den Innenraum damit gegen Hitze und Kälte – ähnlich wie der Zwischenraum bei einer Isolierglasscheibe.

Während Decks häufig vollständig in Sandwichbauweise gefertigt werden, kommt ein Balsa- oder Schaumkern im Rumpf oft nur oberhalb der Wasserlinie zum Einsatz. Hier ist der Schaumkern gut an seiner gelblich durchschimmernden Farbe zu erkennen. ©Johannes Erdmann

Allerdings müssen Bereiche mit hohen Punktlasten besonders ausgeführt werden. Rund um Kiel, Ruderlager oder Püttinge wird deshalb häufig auf den Sandwichkern verzichtet oder dieser durch besonders druckfestes Kernmaterial ersetzt. Bei vielen Fahrtenyachten findet man deshalb eine Mischbauweise: Der besonders hoch belastete Kielbereich und teilweise das gesamte Unterwasserschiff bestehen aus Volllaminat, während Freibord und Deck als Sandwich ausgeführt sind. Auch dort wird an Beschlägen und anderen stark belasteten Stellen häufig massiv laminiert.

Sandwichbauweise: Feuchtigkeit und Delamination erkennen

Wichtig sind die Qualität der Fertigung und der Pflegezustand. Gelangt beispielsweise durch eine undichte Luke, einen Beschlag oder eine Kabeldurchführung Wasser in den Kern, können erhebliche Schäden entstehen. Ein besonderes Problem bei älteren Yachten sind verschraubte Teakdecks: Hier führen mitunter hunderte Schrauben durch die äußere GFK-Schicht des Sandwichdecks bis in den Balsaholzkern.

Eine Schwachstelle für Sandwichkerne aus Balsaholz sind verschraubte Teakdecks. Wird die Verfugung mit zunehmendem Alter undicht und liegen Schraubenköpfe frei, kann Feuchtigkeit in den Balsakern eindringen und ihn langfristig schädigen. ©Johannes Erdmann

Kommt das Schiff in die Jahre, ist das Teak heruntergeschliffen, fehlen schützende Holzpfropfen oder ist die Dichtmasse spröde geworden, kann Wasser entlang der Schrauben in den Kern eindringen. Bleibt das über Jahre unbemerkt, kann das Balsaholz im schlimmsten Fall regelrecht „kompostieren“. Das Deck verliert dann seine Steifigkeit, gibt beim Begehen nach oder wippt regelrecht. Hinweise auf Feuchtigkeit im Kern können unter anderem Feuchtigkeitsmessungen liefern.

Die Sanierung solch eines Schadens ist aufwendig und teuer: Nach dem Entfernen des Teakdecks müssen häufig Teile der äußeren GFK-Schicht geöffnet, der geschädigte Kern entfernt und durch neues Kernmaterial ersetzt werden. Anschließend wird das Deck wieder geschlossen und laminiert.

Doch auch Yachten ohne Teakdeck sind davor nicht grundsätzlich geschützt. Wasser kann auch hier über schlecht abgedichtete Klampen, Relingsstützen, Luken oder Decksdurchführungen in den Sandwichkern gelangen. Problematisch wird es spätestens dann, wenn sich der Kern von einer oder beiden GFK-Deckschichten löst. Man spricht von Delamination. Hinweise darauf kann unter anderem die klassische „Klopfprobe“ liefern: Delaminierte Bereiche klingen häufig anders als ein intaktes Sandwich.

Feuchtigkeitsmessungen können Hinweise darauf geben, ob ein Sandwichkern durchfeuchtet ist und möglicherweise eine aufwendige Sanierung erforderlich wird. ©Johannes Erdmann

Der dreiteilige Aufbau arbeitet dann nicht mehr als eine gemeinsame Struktur. Die äußeren Laminatschichten sind nicht mehr zuverlässig über den Kern miteinander verbunden und können sich gegeneinander bewegen. Dadurch verliert das Sandwich einen erheblichen Teil seiner ursprünglichen Steifigkeit und Festigkeit.

Handlaminat, Spritzlaminat oder Vakuuminfusion?

Auch die Art, wie Glasfasern und Harz zusammengebracht werden, hat großen Einfluss auf das Ergebnis. Beim Handauflegeverfahren beispielsweise werden Glasfasermatten, Gewebe oder Gelege in die Form gelegt und anschließend von Hand mit Harz getränkt und mit Rollen sorgfältig entlüftet und verdichtet. Auf diese Weise wurden jahrzehntelang die meisten GFK-Yachten gebaut – und auch heute entstehen damit noch hochwertige Boote.

Die Qualität hängt allerdings stark von der Verarbeitung ab. Zu wenig Harz kann dazu führen, dass die Fasern nicht vollständig benetzt werden – zu viel Harz erhöht dagegen vor allem das Gewicht, ohne die Festigkeit entsprechend zu steigern. Außerdem können Lufteinschlüsse entstehen, wenn das Laminat zwischen den einzelnen Arbeitsgängen trocknet und die Folgeschicht nicht sorgfältig verdichtet wird. Besonders kritisch sind enge Radien und komplizierte Formen: Hier neigen steife Glasfasergelege dazu, sich wieder von der Form abzuheben. Werden solche Stellen nicht sorgfältig geprüft und gegebenenfalls nachgearbeitet, können Hohlräume im Laminat zurückbleiben.

Wird die mit Harz getränkte Matte nicht genügend entlüftet, bilden sich Lufteinschlüsse – so wie hier unter dem Gelcoat. Bei dumpfen Stößen kann das Gelcoat dann brechen und der Mangel offensichtlich werden. ©Johannes Erdmann

Eine besonders schnelle und kostengünstige Variante war das Spritzlaminieren, das vor allem in den Boomjahren des frühen GFK-Bootsbaus weit verbreitet war. Dabei werden endlose Glasfaserstränge in einer sogenannten „Chopper Gun“ in kurze Stücke geschnitten, mit Harz vermischt und direkt in die Form gespritzt. Anschließend wird auch dieses Laminat mit Rollen verdichtet und entlüftet.

Das Verfahren ermöglichte es, große Flächen schnell und mit vergleichsweise geringem Arbeitsaufwand zu laminieren. Der Nachteil: Die kurzen Fasern liegen weitgehend ungeordnet im Laminat. Ihre Festigkeit lässt sich deshalb nicht so gezielt nutzen wie bei Geweben oder modernen multiaxialen Gelegen, deren lange Fasern entsprechend der auftretenden Belastungen ausgerichtet werden können. Um die erforderliche Festigkeit zu erreichen, muss ein Spritzlaminat daher in der Regel materialreicher und damit schwerer ausgeführt werden.

Mit GFK lassen sich leicht und in kurzer Zeit große Rümpfe bauen. Der bekannte 18 Meter lange Katamaran SPOSMOKER 2 wurde in nur vier Wochen mit einer Gruppe von Laien gebaut. ©Johannes Erdmann

Bei der modernen Vakuuminfusion hingegen werden die trockenen Glasfasern zunächst in der Form ausgelegt und anschließend unter einer luftdichten Folie evakuiert. Durch den entstehenden Unterdruck wird das Harz durch das Laminat gezogen. Dadurch lässt sich der Harzanteil genauer kontrollieren und überschüssiges Harz vermeiden. Das Ergebnis ist ein gleichmäßigeres Laminat mit einem höheren Faseranteil und geringerem Gewicht. So lassen sich sehr hochwertige und leichte Rümpfe mit vergleichsweise geringem Materialeinsatz bauen.

Auch Fasern aus Aramid (Foto) oder Kohlefaser kommen im Bootsbau zum Einsatz, um bestimmte Bereiche gezielt zu verstärken, ohne dafür viel zusätzliches Material und damit Gewicht einzubringen. ©Johannes Erdmann

Das Fertigungsverfahren allein ist allerdings noch kein Qualitätssiegel. Eine sorgfältig handlaminierte Yacht kann hervorragend gebaut sein – und eine schlecht vorbereitete Infusion kann viele Fehler enthalten.

Was macht einen GFK-Rumpf stabil? Stringer, Bodenwrangen und Schotten

Beim Einbau eines neuen Borddurchbruchs kommt manch ein Eigner einer älteren Yacht ins Schwärmen. Nicht selten wird sogar der kreisrunde Ausschnitt der Lochsäge aufgehoben, um ihn bei Gelegenheit den Mitseglern zu zeigen: „Schau mal: 15 Millimeter Massivlaminat. DAS war noch Qualität.“ Meist noch ergänzt durch den Nachsatz: „Nicht so wie heute …“

Bei der Montage von neuen Borddurchbrüchen zeigt sich, wie dick der Rumpf der Yacht gefertigt ist. Bei diesem 13-Meter-Katamaran sind es kaum 8 Millimeter Massivlaminat. ©Johannes Erdmann

Doch eine moderne Yacht erhält ihre Festigkeit nicht allein durch einen dicken und sehr massiven Rumpf, sondern durch das Zusammenspiel mit der gesamten inneren Struktur. Dazu gehören die Schotten und häufig Innenschalen, aber beispielsweise auch Stringer und Bodenwrangen.

Das leere Rumpfkasko ist zunächst labil wie ein rohes Ei. Erst durch den Einbau von Schotten und weiteren tragenden Strukturelementen erhält es seine endgültige Stabilität und Verwindungssteifigkeit. ©Johannes Erdmann

Stringer verlaufen meist längs durch den Rumpf, Bodenwrangen quer dazu. Gemeinsam versteifen sie die großen Flächen der Außenhaut und verteilen die auftretenden Kräfte auf die gesamte Konstruktion. Bei vielen modernen Serienyachten übernimmt diese Aufgabe eine vorgefertigte Innenschale beziehungsweise ein sogenanntes Strukturgrid. Darin sind Längs- und Querverstärkungen integriert, teilweise auch bereits Aufnahmen für Möbel oder technische Anlagen. Das komplette Bauteil wird in den fertigen Rumpf eingesetzt und mit diesem verklebt oder anlaminiert.

Entscheidend für die Qualität einer solchen Konstruktion ist auch, wie zuverlässig Strukturgrid und Rumpf miteinander verbunden sind. Lösen sich Verklebungen beispielsweise infolge einer harten Grundberührung, kann die Außenhaut von außen völlig unauffällig erscheinen, während sich Teile der inneren Struktur bereits vom Rumpf gelöst haben.

Solch ein in den Rumpf laminiertes Strukturgrid aus Schaum gibt dem Rumpf Steifigkeit und verteilt die Lasten des Kiels auf den ganzen Rumpf. ©Johannes Erdmann

Ähnliches gilt für die Schotten. Bei einer besonders aufwendigen Konstruktion werden tragende Schotten mit Laminat an Rumpf und Deck anlaminiert. Das bedeutet allerdings zusätzliche Arbeitsschritte und damit höhere Kosten. Im Serienbootsbau werden deshalb häufig rationellere Verfahren eingesetzt: Vorgefertigte und bereits lackierte Schotten werden beispielsweise in entsprechende Aufnahmen der Innenschale eingesetzt oder über Profile und elastische Zwischenlagen mit der umgebenden Struktur verbunden. Nicht tragende Schotten und Teile des Innenausbaus können zum Teil auch nur geklemmt oder anderweitig befestigt sein.

Eine qualitativ hochwertig gebaute Yacht lässt sich auch daran erkennen, dass alle Schotten und Segmente an den Rumpf anlaminiert sind – was in der Produktion eine erhebliche Mehrarbeit bedeutet. ©Johannes Erdmann

Solche Konstruktionen müssen deshalb keineswegs zu schwach sein. Sie können jedoch einen Unterschied machen, wie steif und ruhig sich ein Schiff auf See anfühlt. Arbeitet und verwindet sich die Struktur in der Welle, können Innenschale, Schotten und Möbel gegeneinander arbeiten. Dann knarzt und quietscht es unter Deck mitunter beträchtlich.

Mir ist sogar eine Crew bekannt, die auf einer Atlantiküberquerung irgendwann begann, WD-40 in knarzende Holzverbindungen ihrer Großserienyacht zu sprühen. Auf unserem eigenen Großserienkatamaran quietschten die Schotten in den Achterkabinen bei Seegang vor Anker manchmal so laut, dass unsere Kinder davon wach wurden. Irgendwann begannen wir gemeinsam, Legosteine als kleine Keile zwischen Schott und Innenschale zu klemmen, um wenigstens etwas Ruhe ins Schiff zu bekommen.

Kielaufnahme bei GFK-Yachten: Hier wirken enorme Kräfte

Eine der am stärksten belasteten Stellen einer Segelyacht befindet sich dort, wo der Kiel mit dem Rumpf verbunden ist. An einem mehrere Tonnen schweren Kiel entstehen beim Segeln erhebliche Hebelkräfte. Noch größer können die Belastungen bei einer Grundberührung werden. Deshalb genügt es nicht, einfach einen dicken Rumpfboden zu bauen. Die Kräfte müssen großflächig in die Struktur des Schiffes eingeleitet werden. Dafür sorgen kräftige Bodenwrangen, Längsträger oder entsprechende Bereiche eines Strukturgrids.

Die Kielaufnahme muss stabil ausgeführt sein. Über das Strukturgrid werden die Kräfte an den Rumpf übertragen. ©Johannes Erdmann

Bei der Begutachtung einer gebrauchten Yacht ist es deshalb wichtig, den Bereich um die Kielaufnahme besonders sorgfältig anzuschauen. Risse im Gelcoat, Verformungen, beschädigte Bodenwrangen oder gelöste Verklebungen können Hinweise darauf sein, dass das Schiff irgendwann einmal hart auf Grund gelaufen ist oder die Struktur anderweitig überlastet wurde.

Treten rund um den Kiel Risse im Topcoat auf, sollte die Befestigung der Bodenwrangen genau überprüft werden. ©Johannes Erdmann

Ruder und Ruderlager: Schwachstellen bei GFK-Yachten erkennen

Ähnliches gilt für das Ruder. Besonders bei modernen Yachten mit freistehendem Spatenruder wirken erhebliche Kräfte auf Ruderschaft und Lager. Anders als bei einem Ruder, das zusätzlich an einem Skeg oder am Kiel abgestützt wird, muss der frei aus dem Rumpf ragende Ruderschaft sämtliche Kräfte über seine Lager in das Schiff übertragen.

Solch ein lediglich mit einer Vielzahl von Matten eingeklebter Ruderkoker gibt die auftretenden Kräfte nicht unbedingt optimal an den Rumpf weiter. ©Johannes Erdmann

Die Lager müssen deshalb nicht nur zuverlässig im Rumpf befestigt sein, sondern die auftretenden Kräfte auch großflächig in die umgebende Struktur ableiten. Interessant ist bei einer Begutachtung deshalb nicht allein, ob das Ruder Spiel besitzt, sondern auch, wie die Kräfte über die Lager in den Rumpf und seine Struktur eingeleitet werden. Besonders hoch sind die Belastungen am unteren Ruderlager. Entsprechend kräftig muss dieser Bereich ausgeführt sein. Je nach Konstruktion geschieht das durch zusätzliche Laminatlagen, Bodenwrangen, Schotten oder eigens dafür vorgesehene Verstärkungen, die das Ruderlager mit der übrigen Struktur verbinden.

Bei dieser sehr hochwertig gebauten Sirius 35 DS ist der Ruderkoker in vier Richtungen abgestützt. ©Johannes Erdmann

Bei einer gebrauchten Yacht lohnt deshalb ein genauer Blick auf diesen Bereich. Risse im Gelcoat oder Laminat rund um die Lageraufnahme, gelöste Verklebungen oder sichtbare Bewegungen beim kräftigen seitlichen Bewegen des Ruders können auf Schäden oder Verschleiß hinweisen. Gerade nach einer Grundberührung oder Kollision kann die Struktur belastet worden sein, ohne dass dies von außen sofort erkennbar ist.

Püttinge: kleine Bauteile, enorme Lasten

Über die Püttinge werden die Kräfte des Riggs in den Rumpf eingeleitet. Obwohl die Beschläge selbst vergleichsweise klein wirken, müssen sie enorme Zugkräfte aufnehmen und zuverlässig auf eine wesentlich größere Fläche verteilen. Je nach Konstruktion sind die Püttinge direkt mit kräftigen Schotten verbunden, über Edelstahlkonstruktionen im Rumpf verankert oder Bestandteil speziell laminierter Verstärkungen. Bei modernen Yachten können auch strukturell verklebte Schotten einen wesentlichen Teil dieser Lasten aufnehmen.

Wäre der Püttingbeschlag lediglich durch das Deck gebolzt, würden die hohen Kräfte des Riggs direkt am Deck zerren. Eine Edelstahlstange leitet sie stattdessen gezielt in die Rumpfstruktur ein. ©Johannes Erdmann

Auch hier ist nicht entscheidend, ob irgendwo möglichst viel Material verbaut wurde, sondern wie die Kräfte in die Struktur eingeleitet werden. Eine kräftige Edelstahlplatte allein nützt wenig, wenn sie ihre Last nur punktuell in ein vergleichsweise schwaches Laminat einleitet. Ich habe schon Boote gesehen, bei denen die Lasten der Oberwanten über einfache U-Bolzen ins Deck eingeleitet wurden und dieses mit den Jahren immer stärker zu wippen begann.

Bei dieser 35-Fuß-Yacht (Sirius) ist die Kraftaufnahme in den Rumpf übermäßig massiv ausgeführt. ©Johannes Erdmann

Gelcoat bei GFK-Yachten: Schutzschicht, Risse und Alterung

Die sichtbare Oberfläche einer GFK-Yacht besteht aus Gelcoat, einer vergleichsweise dünnen Schicht aus eingefärbtem Kunstharz, die beim Bau als erste Schicht in die Negativform eingebracht wird. Erst dahinter folgen die eigentlichen Glasfasern und damit das tragende Laminat.

Nach der Ausformung des Rumpfes und Decks steht dem Bootsbauer eine „weiße Leinwand“ zur Verfügung, die er ausbauen und mit Beschlägen bestücken kann. ©Johannes Erdmann

Das Gelcoat erfüllt gleich mehrere Aufgaben: Es sorgt für die glatte, glänzende und farbige Oberfläche des Rumpfes, schützt das darunterliegende Laminat vor UV-Strahlung und bildet eine Barriere gegen Wasser und andere Umwelteinflüsse. Zur eigentlichen strukturellen Festigkeit des Rumpfes trägt es dagegen kaum bei.

Risse im Gelcoat sind häufig ein Hinweis auf Überlastung. Ist ein Gelcoat durch viel Sonne spröde geworden, können solche Risse häufiger erstehen. ©Johannes Erdmann

Nicht jeder Riss im Gelcoat ist deshalb gleich ein struktureller Schaden. Feine Haarrisse können beispielsweise entstehen, wenn das vergleichsweise spröde Gelcoat durch Bewegungen des darunterliegenden Laminats belastet wird. Typisch sind solche Risse etwa rund um Relingsstützen, Klampen oder andere stark belastete Beschläge. Auch eine zu dick aufgetragene oder mit den Jahren in der Sonne spröde gewordene Gelcoatschicht kann im Laufe der Jahre zu Rissbildung neigen.

Sind Yachten aus mehreren Teilen zusammengebaut – wie häufig bei Katamaranen –, dann können sich zwischen den zusammenlaminierten Teilen mit der Zeit Risse bilden. ©Johannes Erdmann

Trotzdem sollte man genauer hinsehen. Häufen sich Risse an einer bestimmten Stelle, verlaufen sie deutlich durch das Material oder sind sogar Verformungen erkennbar, kann die Ursache tiefer liegen. Dann ist möglicherweise nicht nur die Oberfläche betroffen, sondern auch das darunterliegende Laminat oder die innere Struktur.

Bei älteren Yachten verliert das Gelcoat außerdem häufig seinen ursprünglichen Glanz. UV-Strahlung und Witterung lassen die Oberfläche auskreiden und stumpf werden. Das sieht zunächst unschön aus, ist aber meist kein strukturelles Problem. Häufig lässt sich die Oberfläche durch eine gründliche Aufarbeitung und Politur wieder erstaunlich gut auffrischen.

Blaue Rümpfe sind schön anzusehen, kreiden in tropischer Sonne aber auch schnell aus. ©Johannes Erdmann

Unter Wasser besitzt das Gelcoat noch eine weitere Aufgabe: Es soll das Laminat möglichst gut gegen eindringendes Wasser abschirmen. Vollständig wasserdicht ist insbesondere ein Gelcoat auf Polyesterbasis jedoch nicht. Über sehr lange Zeit können Wassermoleküle in das Material eindringen – und damit beginnt das Thema, das wohl wie kein anderes mit älteren GFK-Yachten verbunden wird: Osmose.

Osmose: der „Krebs“ der GFK-Yachten?

So praktisch GFK-Yachten auch sind, es gibt eine große Sorge vieler Eigner: die Gefahr der Osmose, oft sogar als „Krebs der GFK-Yachten“ bezeichnet. Tatsächlich kann sie das Laminat schwer schädigen. Begünstigt wird Osmose unter anderem durch lange Liegezeiten im Wasser und höhere Wassertemperaturen. Dauer-Wasserlieger in warmen Revieren können deshalb besonders betroffen sein.

In Holland bleiben Yachten häufig das ganze Jahr im Wasser. Das können sie ab – auch GFK-Yachten. Der Nachteil ist jedoch, dass die Rümpfe dann nie die Gelegenheit bekommen etwas auszutrocknen. ©Johannes Erdmann

Vereinfacht gesagt, dringt bei der Entstehung von Osmose Wasser durch die Farbschichten und das Gelcoat in das Laminat ein. Dort können sich durch chemische Prozesse wasserlösliche Stoffe bilden. Dadurch wird weiteres Wasser in das Material gezogen, der Druck steigt und unter dem Gelcoat können sich die typischen Blasen bilden. Beim Öffnen enthalten sie häufig eine säuerlich-stechend riechende Flüssigkeit. Bleibt ein ausgeprägter Befall über lange Zeit unbehandelt, können Harz und Laminat zunehmend geschädigt werden, im schlimmsten Fall kann es zu Delaminationen kommen.

Im flachen Licht der starken LED-Lampe sind die Osmose-Blasen gut zu erkennen. ©Johannes Erdmann

Doch das Thema muss eingeordnet werden, denn Osmose bedeutet nicht automatisch das Todesurteil für eine Yacht. Gerade bei älteren Booten finden sich Osmoseblasen relativ häufig, ohne dass die strukturelle Festigkeit des Rumpfes ernsthaft beeinträchtigt wäre. In den Niederlanden etwa wird das Thema nach meiner Erfahrung wesentlich gelassener betrachtet als hierzulande. Dort liegen viele ältere GFK-Yachten ganzjährig im Wasser, und häufig begegnet man Booten mit mehr oder weniger ausgeprägten Osmoseerscheinungen. Gesegelt werden sie trotzdem.

Ist eine Osmosesanierung nötig, kann mithilfe eines Gelcoathobels innerhalb eines Tages ein gesamtes Unterwasserschiff vom Gelcoat befreit werden. ©Johannes Erdmann

Entscheidend ist deshalb die Frage, wie weit der Schaden fortgeschritten ist. Einige vereinzelte Blasen im Gelcoat sind etwas völlig anderes als ein großflächig durchfeuchtetes und geschädigtes Laminat mit Ablösungen zwischen den einzelnen Schichten. Im Zweifel helfen Feuchtigkeitsmessungen, das Öffnen einzelner Blasen und eine fachkundige Beurteilung des Laminats. Selbst ein stärkerer Osmoseschaden ist meist sanierbar – allerdings können das Abtragen des Unterwasserschiffs, das gründliche Trocknen und der anschließende Neuaufbau erhebliche Arbeit und Kosten verursachen.

Alterung von GFK: Wie alt kann ein Rumpf werden?

Wenn heute noch GFK-Yachten aus den 1960er-Jahren unterwegs sind, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie lange hält so ein Kunststoffrumpf eigentlich? Wird das Material irgendwann spröde, verliert es seine Festigkeit – und gibt es so etwas wie ein natürliches Ablaufdatum für GFK?

Die Van de Stadt Pionier 9 gilt als eine der ersten in GFK gebauten Yachten Europas. Der Serienbau begann im Jahr 1959 – und die meisten der Boote segeln noch heute. ©Johannes Erdmann

Ein gut gebauter und ausreichend dimensionierter GFK-Rumpf kann durchaus viele Jahrzehnte überstehen. Allerdings altert auch ein Laminat. Dabei sind es weniger die Glasfasern selbst, die zum Problem werden. Glas ist gegenüber Alterung ausgesprochen beständig. Veränderungen finden vor allem im Harz und an der Verbindung zwischen Harz und Glasfasern statt. Wasseraufnahme, Temperaturwechsel und vor allem jahrzehntelange wechselnde Belastungen können die Eigenschaften des Verbundwerkstoffs beeinflussen.

Bei GFK-Yachten muss ein gewisser Grad an Verwitterung und Grünspan noch lange nicht das Ende bedeuten. Selbst dieses Kasko konnte nach zwei Jahrzehnten auf der Wiese wiederbelebt und zu einer fertigen Yacht ausgebaut werden. ©Johannes Erdmann

UV-Strahlung betrifft hauptsächlich die äußeren Schichten und das Gelcoat. Im eigentlichen Laminat spielt sie kaum eine Rolle, solange dessen Oberfläche intakt ist. Wasser kann dagegen tiefergehende Auswirkungen haben: Es diffundiert in das Material und kann hydrolytische Prozesse im Harz begünstigen. Im ungünstigen Fall können daraus Osmose und Schäden am Laminat entstehen.

Auch GFK kann mit den Jahren Ermüdungserscheinungen zeigen – insbesondere bei dünnen Laminaten und intensiver Nutzung. Der Cockpitboden dieser Dufour Arpège aus Massivlaminat ließ sich stellenweise um bis zu fünf Zentimeter eindrücken. ©Johannes Erdmann

Hinzu kommen Millionen kleiner Lastwechsel durch Seegang, Riggkräfte und Verformungen des Rumpfes. Besonders an hoch belasteten Stellen können dadurch mit der Zeit Mikrorisse, Ablösungen oder Delaminationen entstehen.

Das bedeutet aber nicht, dass ein 50 Jahre alter Rumpf allein aufgrund seines Alters schlecht sein muss. Entscheidend sind Bauqualität, verwendete Harze, Laminataufbau, Belastung und bisherige Schäden. Ein solide gebauter, trockener und strukturell unauffälliger Rumpf kann auch nach einem halben Jahrhundert durchaus weitere Jahrzehnte halten. Umgekehrt kann ein wesentlich jüngeres Boot durch schlechte Verarbeitung, Grundberührungen oder überlastete Strukturen bereits deutlich stärker geschädigt sein. Bei GFK ist deshalb der Zustand meist aussagekräftiger als das Baujahr.

Solche tiefen Kratzer im Gelcoat sind an Deck vor allem ein optischer Mangel und schädigen das darunterliegende Laminat meist erst langfristig. Unter Wasser sollte das Gelcoat dagegen möglichst intakt und geschlossen sein. ©Johannes Erdmann

GFK reparieren: fast überall und mit einfachen Mitteln

Einer der größten Vorteile von GFK: Kaum ein anderer moderner Bootsbauwerkstoff lässt sich mit so einfachen Mitteln und nahezu überall auf der Welt reparieren. Ein Schaden wird freigelegt und ausgeschliffen, anschließend werden neue Glasgewebe oder geeignete Glasfasermatten mit Harz auflaminiert. Kleine Schäden lassen sich auf diese Weise ebenso reparieren wie größere strukturelle Beschädigungen. Selbst nach schweren Grundberührungen oder Kollisionen können beschädigte Bereiche herausgetrennt und neu aufgebaut werden.

GFK kann überall repariert werden. Nach der Kollision mit einem Felsen auf den Bahamas benötigten wir nur 2 Tage im Lift, um diesen Kielschaden wieder zu reparieren und unsere Reise fortzusetzen – vorwiegend den Trocknungszeiten geschuldet. ©Johannes Erdmann

Glasfasermaterial, Polyester- oder Epoxidharz und Härter sind weltweit vergleichsweise gut erhältlich. Und selbst wenn auf irgendeiner kleinen Südseeinsel keine Werft und kein Fachbetrieb zur Verfügung stehen, lässt sich ein Schaden im Zweifel mit einer Dose Harz, Härter und etwas Glasfasermaterial zusammenkleistern. Das Ergebnis mag optisch weit von professionellem Yachtbau entfernt sein – richtig vorbereitet und ausreichend dimensioniert kann eine solche Reparatur trotzdem stabil sein und das Boot wieder seetüchtig machen.

Kaum 48 Stunden nach dem Auskranen ist von dem Schaden kaum noch etwas zu sehen. Dabei handelte es sich lediglich um eine Behelfsreparatur für den Rest der Saison – später wurde der als Opferteil konstruierte Kiel dieser Fountaine Pajot komplett ersetzt. ©Johannes Erdmann

Entsprechend gehört etwas Reparaturmaterial auf vielen Langfahrtyachten zur Grundausstattung. Damit lassen sich nicht nur Schäden am Rumpf beheben, sondern auch Bauteile verstärken, Halterungen herstellen oder gebrochene Einbauten reparieren. Später kann eine Notreparatur immer noch sauber ausgeschliffen und fachgerecht neu aufgebaut werden.

Auch hier wurde erfolgreich eine Notreparatur durchgeführt, um das Boot nach Hause zu bringen. ©Johannes Erdmann

Großserie oder spezielle Blauwasseryacht?

Muss es für die große Reise eine schwere, besonders aufwendig gebaute Blauwasseryacht sein? Mitnichten. Denn auch eine moderne Großserienyacht kann den Atlantik überqueren und auf Langfahrt gehen. Der höhere Preis einer Hallberg-Rassy, Oyster oder Contest kauft nicht automatisch mehr „Überlebensfähigkeit“. Er steckt häufig vielmehr in größeren strukturellen Reserven, höherer Steifigkeit, aufwendigeren Detaillösungen, natürlich auch mehr Komfort und einer längeren Lebensdauer.

Fazit

Zurück zur Anfangsfrage: Würde ich mich lieber auf einen Zentimeter „Plastik“ verlassen oder auf einen Rumpf aus Metall?
Die Antwort ist: Ein gut gebauter GFK-Rumpf ist ein hervorragender Werkstoff für eine Fahrten- und Blauwasseryacht. Gleichzeitig bedeutet alt und dick nicht automatisch gut – genauso wenig wie leicht und modern automatisch schwach bedeutet. Ein 15 Millimeter starkes Massivlaminat mag beeindruckend aussehen, ist für sich genommen aber noch kein Qualitätsnachweis.

Auch eine Großserienyacht kann um die Welt segeln. Doch eine Qualitätsyacht macht die Reise möglicherweise etwas angenehmer. ©Johannes Erdmann

Entscheidend ist das Gesamtkonzept: Welche Materialien wurden verwendet? Wie sorgfältig wurde laminiert? Wie werden die Kräfte von Kiel, Ruder und Rigg in die Struktur eingeleitet? Wie sind Schotten, Stringer und Bodenwrangen angebunden? Und vor allem bei einem gebrauchten Boot: Was hat diese Struktur in ihrem bisherigen Leben erlebt?

Eine gute, etwas hochwertiger gefertigte Yacht segelt auch nicht weiter als ein Großserienboot – aber es fühlt sich an Bord besser an. ©Johannes Erdmann

Auch eine moderne Großserienyacht kann eine geeignete Blauwasseryacht sein. Wer aber etwas mehr Geld für eine besonders aufwendig gebaute Yacht ausgibt, kauft damit vor allem mehr Reserven, höhere Steifigkeit, aufwendigere Details, mehr Ruhe und Komfort an Bord – und möglicherweise eine längere Lebensdauer.
Und sollte doch einmal etwas kaputtgehen, besitzt GFK noch einen entscheidenden Vorteil: Es lässt sich nahezu überall reparieren. Im Zweifel reichen Glasgewebe, Harz, Härter und etwas handwerkliches Geschick, um ein beschädigtes Boot wieder seetüchtig zu bekommen.

Mehr zum Thema

Bootsbau: Stahl als Rumpfmaterial für Segelyachten. Das sollte man wissen!

Yachten aus Stahl sind robust, solide und bei Blauwasserseglern beliebt. Unser Experte erklärt die Vor- und Nachteile von Stahlrümpfen und worauf beim Unterhalt einer Yacht aus Stahl unbedingt geachtet werden muss.

Ankerketten aus Edelstahl – das sollte man beim Kauf beachten

Edelstahl ist nicht gleich Edelstahl! Was beim Kauf einer rostfreien Ankerkette unbedingt beachtet werden muss, welche Materialunterschiede es gibt und wie die Schweißnaht an den Kettengliedern beschaffen sein sollte, beleuchtet unser Experte in diesem ausführlichen technischen Fachbeitrag.

Bootsbau: Aluminium als Rumpfmaterial für Segelyachten. Das sollte man wissen!

Yachten aus Aluminium sind solide, pflegeleicht und beliebt. Unser Experte erklärt, warum das so ist, was Aluminium als Material für Rumpf und Deck auszeichnet und worauf beim Bau und Unterhalt einer Yacht aus Aluminium unbedingt geachtet werden muss.

Acht Tipps zum Gebrauchtbootkauf

Der Kauf einer gebrauchten Yacht ist meist eine emotionale Angelegenheit. Nur eine objektive Betrachtung kann jedoch sicherstellen, dass die Folgekosten überschaubar bleiben. Mit diesen Expertentipps können die Risiken beim Gebrauchtbootkauf erfolgreich eingeschätzt werden.

Achtercockpit oder Mittelcockpit?

Da Segler sich beim Segeln die meiste Zeit im Cockpit aufhalten, sollte sich Gedanken über seine Lage gemacht werden. Weltumsegler Sönke Roever stellt die Vor- und Nachteile von Achtercockpit und Mittelcockpit vor.
Subscribe
Informiere mich bei
guest
0 Kommentare
Älteste
Aktuellste Likes