Manöver-Tipp: So gelingt das Festmachen an einer Muringboje

Von Martin Goerke

Martin ist Berufssegler mit über 100.000 Seemeilen Erfahrung auf Yachten und Traditionsschiffen. Als Miteigner der Swan 48 VELLAMO bietet er über seine Agentur SEGELWEGE Kojencharter-Törns in wechselnden Revieren an. Daneben führt er als Psychologe Coachings und Trainings zum Thema Kommunikation und Crewführung an Bord durch.

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Was ist eine Muring?

Manchmal sehen wir in Ankerbuchten Yachten, die an Bojen festgemacht haben, anstatt vor Anker zu liegen. Auch in einigen Häfen finden sich Boote, deren Heck oder Bug an Bojen festgemacht ist, einer sogenannten Muringboje.

Diese Yachten haben an Muringbojen festgemacht. ©Martin Goerke

Eine Muringboje ist eine Art ortsfester Anker, der fest mit dem Meeresgrund verbunden ist und an dem man mit dem Schiff festmachen kann. Damit entfällt das Einfahren des eigenen Ankers, und zum Ablegen muss in der Regel nur eine einzige Leine gelöst werden.

Trotz der beschriebenen Einfachheit genießen Murings unter Seglern mitunter einen ambivalenten Ruf. Mit den Tipps aus diesem Beitrag sind das Anfahren und Einfangen einer Muring aber keine große Herausforderung mehr.

Der Aufbau einer Muring

Eine Muring besteht aus mehreren Teilen. Unten ist das Grundgeschirr, mit dem das ganze System gehalten wird. Dabei kann es sich um einen Betonblock oder ein anderes Gewicht handeln, das auf dem Boden liegt oder besser: darin eingegraben ist. Es kann aber auch eine Bodenschraube sein oder ein versenkter großer Anker.

Dieses Grundgeschirr einer Muring besteht aus Betonblöcken. ©Sönke Roever

Am Grundgeschirr befestigt ist die Muringkette, die mit wenig überschüssiger Länge direkt zur Wasseroberfläche geführt ist. Dort wird sie durch den sichtbaren Schwimmkörper gehalten, der im Yachtbereich oft aus einer Kunststoffboje besteht. Im Großschiffbereich kann es sich aber auch um eine stabile Tonne oder Plattform von erheblicher Größe handeln, die oft sogar begehbar ist. Das liegt daran, dass der Schwimmkörper genügend Auftrieb haben muss, um die für das entsprechende Schiff ausgelegte Muringkette an der Oberfläche zu halten.

Unter Wasser ist die Muringboje über die Muringkette am Meeresgrund fixiert. ©Martin Goerke

Nahe am Schwimmkörper sind Möglichkeiten vorgesehen, die eigene Leine festzumachen. Das kann eine Tauwerkschlaufe aus schwimmfähigem Tauwerk sein, die unterhalb des Schwimmkörpers an der Muringkette befestigt ist und neben der Muringboje an der Wasseroberfläche schwimmt.

Muringbojen gibt es in unterschiedlichen Größen und Formen. ©Martin Goerke

In Norwegen beispielsweise ist auch häufig zu beobachten, dass die Festmachschlaufe mit einem kurzen Stab durch den Ring gesteckt ist und damit oberhalb des Schwimmkörpers, sozusagen auf Deckshöhe, „angereicht“ wird. Diese Ringe sind übrigens nicht dafür da, das Boot daran festzumachen. Dafür sind sie nicht stabil genug. Stattdessen wird die Leine verwendet.

Die Schlaufe zum Festmachen des Bootes ist hier durch die Variante „Stab durch Ring“ gut erreichbar. ©Martin Goerke
Nicht immer ist zu erkennen, ob der Stab durchgesteckt oder aufgeklebt ist. ©Martin Goerke

Es ist auch möglich, dass ein Ring direkt auf dem Schwimmkörper sitzt, an dem man dann festmachen soll. Im günstigsten Fall ist dieser Ring direkt mit der Kette verbunden, also quasi durch die Boje durchgesteckt. Ist das nicht der Fall, ist der Ring eventuell nur auf der Kunststoffboje angeklebt – nicht immer eine verlässliche Verbindung. Besser ist es dann, nicht den Ring zu nutzen, sondern das eigene Schiff stabil mit der Kette zu verbinden.

Vorteile und Nachteile der Muring

Die größten Vorteile der Muring liegen auf der Hand: Der „Anker“ ist bereits fest im Boden, sodass das Einfahren des eigenen Ankers entfällt. Und weil die Muring fest im Meeresgrund gesichert ist, kommt sie mit viel weniger Kette aus als der Anker. Dadurch ist der Schwojkreis eines Bootes an der Muring sehr viel kleiner. Zudem wird der Meeresgrund vor Ankern und Ketten geschützt, weshalb Murings häufig in ökologisch empfindlichen Gebieten ausgebracht werden. Und schließlich muss beim Wegfahren nicht umständlich der eigene Anker eingeholt werden, sondern es muss lediglich die Muringleine oder der Muringhaken gelöst werden.

An der Muringboje ist der Schwojkreis kleiner als beim Ankern. ©Martin Goerke

Die Nachteile liegen nicht so sehr auf der Hand, sondern eher unter Wasser. Wie gut das Muringgeschirr gepflegt ist und ob die Verankerung überhaupt für die eigene Bootsgröße ausreicht, ist Vertrauenssache. Häufig steht (jedenfalls in Nordeuropa) an der Muringboje markiert, für welche Bootsgrößen sie maximal zulässig ist, und das sollte man beherzigen. Viele Revierführer beschreiben zudem, welche Muringbojen öffentlich nutzbar und für welche Bootsgrößen sie geeignet sind. Ich kenne auch Skipper, die durch beherztes Rückwärtsfahren an der Muring testen, ob sie hält.

Mit „DT“ markierte Boje der „Dansk Tursejlere“, die von Seglern genutzt werden darf. ©Martin Goerke

Bei Windstille und glatter See ist es zwar fast unerheblich, aber bei leichter Welle reicht der Auftrieb einer großen Yacht durchaus, eine kleine Betonplatte vom Meeresgrund anzuheben.

Bei Flaute oder ungünstiger Strömung zeigt sich ein weiterer kleiner Nachteil: Wenn man Pech hat, stupst das eigene Schiff dann nämlich immer mal wieder den Schwimmkörper an. Und selbstverständlich können auch die Muringketten, wenn sie nicht gepflegt werden, erheblich korrodieren und damit an Haltekraft einbüßen.

Bei sehr wenig Wind kommen Bug und Boje sich häufig nahe.

Eine gepflegte beziehungsweise vertrauenswürdige Muring ist aber vor allem bei Wind oder schwierigen Ankergründen ausgesprochen komfortabel und eine echte Alternative zum Ankern.

Die Muringboje ist eine sehr bequeme Alternative zum Ankern. ©Sönke Roever

Obwohl die Vorteile auf der Hand liegen, scheuen viele Segler dennoch das Festmachen an einer Muring. Das liegt oft nicht nur an der Muring selbst, sondern auch am Manöver des Festmachens.

Das Manöver zum Festmachen an der Muringboje

Häufig zu beobachten ist der Versuch, den Schwimmkörper mit dem Bootshaken so weit hochzuziehen, dass die Leine bequem durch den Ring geführt werden kann. Da aber ja am unteren Ende des Schwimmkörpers die schwere Muringkette hängt, ist dieser Versuch oft zum Scheitern verurteilt und endet nicht selten mit dem zeitweisen Verlust des Bootshakens.

Der Versuch, mit dem Bootshaken die Muring aufzunehmen, endet meist nicht gut. ©Martin Goerke

Das Anfahren der Muring geschieht zudem oft mit langsamer Fahrt und mit dem Bug im Wind. Das hat allerdings drei Nachteile. Für den Rudergänger ist beim Anfahren der Boje mit dem Bug voraus die Entfernung zur Boje am schlechtesten abzuschätzen, insbesondere wenn noch ein oder zwei Crewmitglieder am Bugkorb stehen und dem Skipper die Sicht nehmen.

Hier hat der Skipper keine Chance die Muringboje zu sehen. ©Sönke Roever

Außerdem passiert es leicht, dass der Bug des Schiffs aus dem Wind dreht und dann das Manöver neu angesetzt werden muss. Bei wenig Wind kann dieses Manöver allerdings gelingen. Dann sollte die Leinenverbindung jedoch aufgrund des niedrigeren Freibords mittschiffs hergestellt werden.

Und nicht zuletzt ist der Bug gar nicht die beste Stelle, um die Muring aufzunehmen, auch wenn das Schiff später dort festgemacht ist – er ist schmal und außerdem die Stelle mit dem höchsten Freibord.

Viel besser und langsamer manövrieren lässt sich die Yacht mit dem Heck im Wind. Es ist daher oft sinnvoller, gegen den Wind mit langsamer Fahrt rückwärts dicht an der Muring vorbeizufahren, zumal der Rudergänger sie dabei sehr gut im Blick hat.

Wird die Muring rückwärts angefahren, hat sie der Rudergänger besser im Blick. ©Sönke Roever

Zum Festmachen wird das eine Ende der Leine am Bug auf einer Klampe belegt und auf der Muringseite bis mittschiffs geführt. Sobald die Boje etwa mittschiffs ist, kann das freie Ende der Leine dort bequem durch den Ring oder die Schlaufe geführt werden.

Die Yacht wird mittschiffs mit der Muringboje verbunden. ©Martin Goerke

Meist kann man dabei entweder die Seilschlaufe zum Festmachen mit dem Bootshaken aufnehmen oder (bäuchlings auf Deck liegend) die Muring direkt erreichen. Während langsamer weiterer Rückwärtsfahrt kommt der Bug dann auf Muringhöhe und die Leine kann aufgekürzt und auf der gleichen Bugklampe festgemacht werden. Das Ausrichten danach übernimmt der Wind. Zum späteren Ablegen muss die Leine nur gelöst werden.

Im Anschluss kann vom Bug aus die Leine dicht genommen werden. ©Martin Goerke

Selbst das Anlegen an einer Muringtonne ohne Schlaufe oder Ring ist möglich. Wenn eine an Bord auf Slip gelegte Leine über den Schwimmkörper geworfen wird, hängt sie unter dem Schwimmkörper fest, sobald sie unter Zug ist. Auch dieses Manöver ist am einfachsten, wenn das Schiff mit dem Heck im Wind gehalten wird und dabei mit dem Bug fast über der Muring steht – dann hilft auch der Wind beim Werfen der Leinenbucht.

Muss man auf diese Weise an einer Muring festmachen, ist der Einsatz von zwei Leinen am Bug dringend empfehlenswert. Ohne Wind, also ohne Zug auf der Leine, kann das Schiff nämlich einfach an der Muring vorbeitreiben – und wenn es die ungünstige Seite erwischt, kann es sich dabei von der Muring lösen. Dagegen hilft die zweite Leine: Die erste Leine wird mit beiden Enden auf der Backbordklampe belegt, die zweite mit beiden Enden auf der Steuerbordklampe. Das macht das selbständige Lösen so gut wie unmöglich. Da Muringketten häufig mit Muscheln bewachsen sind oder sehr raue Oberflächen haben, an denen die Festmacherleinen durchscheuern können, hilft auch hier das Sichern über zwei Leinen. Allerdings ist das Liegen mit dieser Variante keine Dauerlösung.

Festmachen mit Dingi-Einsatz – auch eine Möglichkeit. ©Sönke Roever

Wenn alle Manöver nicht funktionieren, kann auch immer noch das Dingi zu Hilfe genommen werden, um die Leinenverbindung herzustellen. Nicht ratsam ist es, dass eine Person ein Bad nimmt und so hilft, da die Schiffsschraube oder das Bugstrahlruder der Yacht eine ernste Gefahr darstellen.

Keine gute Idee! Diese Crew hat zum Festmachen einen Mitsegler ins Wasser geschickt. ©Sönke Roever

Festmachen in Häfen mit Muringbojen

In einigen Häfen finden wir ebenfalls Muringbojen, an denen die Boote mit Heck oder Bug festgemacht und am anderen Ende durch Leinen zum Steg gesichert werden. Auch bei diesen „Hafenbojen“ wird – wie bei frei schwojenden Bojen – die Leine am einfachsten mittschiffs durch die Ringe oder Schlaufen geführt.

Yachten im Hafen: Das Heck wird an Muringbojen fixiert. ©Martin Goerke

Sollte das Bojenmanöver im Hafen nicht auf Anhieb gelingen, ist das oft nicht schlimm. Insbesondere wenn bereits andere Yachten im Hafen liegen, hält sich die eigene Yacht meist „von alleine“ in der Lücke und es können erst die Landleinen gelegt werden. Gut abfendern ist dabei hilfreich.

Die Leine zur Muring kann dann hinterher entweder mit dem eigenen Dingi ausgebracht werden oder der Hafenmeister hilft beim Belegen. Manchmal finden sich auch andere vorbeifahrende Dingis dafür ;-). Lediglich bei auflandigem Wind sollte das Fixieren des Bootes an der Muringboje keine Ewigkeit dauern.

Manchmal ist auch der Hafenmeister beim Festmachen der Leinen an der Muringboje behilflich. ©Martin Goerke

Der Einsatz von Haken als Hilfsmittel beim Festmachen an Muringbojen

Sollten Muringbojen mit Ringen oder Schlaufen vorhanden sein – egal ob im Hafen oder einer Bucht –, machen zwei praktische Erfindungen das Festmachen an diesen noch einfacher.

Die erste ist der Patentmuringhaken wie vom Typ Hook and Moor. Dieser Haken sieht aus wie ein kräftiger Bootshaken, dessen Haken einem geöffneten Ring gleicht. An dem Patenthaken wird ein Leinenvorläufer befestigt und dann der Haken mit etwas Druck in den Festmachring gehalten. Dabei löst sich eine Sperre, der ganze Haken dreht sich, und beim Zurückziehen des Hakens ist die Leine wie durch Zauberhand durch den Ring geführt. An der Vorläuferleine kann dann bequem der Festmacher durch den Ring gezogen und auf Slip an Bord belegt werden, wie das folgende Video zeigt.

Eine Alternative zum Anlegen sind lange Schleusenhaken, die es mit und ohne Sicherung gibt. In der einfachsten Form ist das Objekt etwa einen Meter lang und hat einen circa 20 Zentimeter langen Haken. Wenn dieser Haken in einen Ring gelegt wird, hält ihn bereits sein eigenes Gewicht sicher darin fest – die Leine muss dann nur noch an Bord belegt werden.

Der Schleusenhaken funktioniert sowohl bei Murings, an denen man schwojend festmacht, wie auch beim Verwenden einer Heckmuring im Hafen, wenn mit dem Bug am Steg festgemacht wird. Der einzige „Nachteil“ dieses Systems ist, dass der Muringhaken auch manuell wieder losgehakt werden muss und nicht einfach geslippt werden kann.

Der Schleusenhaken wird in den Ring der Muring eingehakt. ©Martin Goerke

Fazit

Mit diesen Tricks im Hinterkopf gelingen Manöver an Muringbojen auch mit kleinen Crews leicht und ohne laute Rufe, weil die Beteiligten während des gesamten Manövers alles bequem im Blick haben. Kurzum: So steht einer komfortablen Nacht an der Muring oder dem entspannten Anlegen in einem Hafen nichts mehr im Wege.

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Stefan Deerberg
Stefan Deerberg
21 Tagen her

Dankeschön für diesen ausführlichen Bericht! Was uns allerdings fehlt ist: wie funktioniert das Manöver bei böigen 6-7 oder 8 und ruppiger Welle? Zudem finden sich auf Langfahrt nur sehr selten bis gar keine so schönen Bilderbuch Bojen mit Stange und Ring. Der Blauwasser Alltag sieht meistens anders aus und wenn es Bojen gibt, ist höchste Vorsicht geboten. Ob und wie lange die letzten Wartungsarbeiten zurückliegen, ist nur schwer einzuschätzen. Deshalb checken wir die Bojen wenn immer es geht mit einem kleinen Tauchgang. Am sichersten ist für uns immer das eigene, gut gewartete und ausreichend stark dimensionierte Ankergeschirr. Zu Hause fühlt… Mehr lesen »

Gerhard Clemenz
Gerhard Clemenz
19 Tagen her

Vielleicht habe ich es übersehen, aber, wenn nicht, dann ist es sehr wichtig darauf hinzuweisen, dass eine Festmacherleine immer kritisch knickt, wenn sie nur durch einen Metallring geführt wird. Die Festigkeit selbst einer neuen und unbeschädigten Leine nimmt dadurch erheblich ab, eventuell sogar um 50 %. Außerdem bekommt man teilweise das blanke Grausen wenn man so manche verwendete Leinen bzw.. ihren jämmerlichen Zustand ansieht. Es geht dabei nicht nur um die eigene Yacht, sondern auch auf die nächste, die durch eine reißende Leine (leider bereits zweimal erlebt aus der Nähe – zum Glück nur als Beobachter) stark beschädigt werden kann.… Mehr lesen »