Segeln in den westschwedischen Schären – ein Erfahrungsbericht.

Von Sönke Roever

Sönke hat 80.000 Seemeilen Erfahrung im Kielwasser und von 2007 bis 2010 zusammen mit seiner Frau Judith die Welt umsegelt. Er veranstaltet diverse Seminare auf Bootsmessen (siehe unter Termine) und ist Autor der Bücher "Blauwassersegeln kompakt", "1200 Tage Samstag" und "Auszeit unter Segeln". Sönke ist zudem der Gründer von BLAUWASSER.DE und regelmäßig mit seiner Frau Judith und seinen Kindern auf der Gib'Sea 106 - HIPPOPOTAMUS - unterwegs.

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Die westschwedischen Schären sind ein anspruchsvolles Revier

Als sich die schwedischen Westschären vor mehr als 20 Jahren das erste Mal vor meinen Augen langsam von der Kimm lösten und an Kontur gewannen, begann eine Freundschaft – eine Art tiefe Verbundenheit zu diesem Revier. Obwohl: Der erste Eindruck war verheerend. Triste, eintönige Felsbuckel. Kahl, vom Sturm abgeschliffen, ohne jedes Grün. Eine graue Felswüste. Kurz überlegte ich, das Ruder herumzureißen und direkt nach Dänemark mit seinen saftig-grünen Hügellandschaften zurückzusegeln.

Auf den ersten Blick eine graue Felswüste – die westschwedischen Schären.

Doch dann kamen zwischen den Felsen die ersten Indizien zum Vorschein, die andeuteten, dass die Ödnis etwas Anheimelndes haben muss. Segel über Segel. Unmengen von Booten waren hier in der Hochsaison, im Juli und August, unterwegs. So viele Segler können nicht irren, dachte ich und so begann für mich die Entdeckung der inneren Werte dieses Reviers. Inzwischen bin ich unzählige Male hier oben gewesen und das Revier hat seinen Reiz nicht verloren. Im Gegenteil: Es hat Suchtcharakter.

Im Sommer sind unzählige Boote auf dem Wasser unterwegs.

Zum Reiz gehört für mich beispielsweise, dass ich ständig wählen kann, ob ich weiter innen oder weiter draußen im weiten Wasser segeln möchte. Gerade die Innenschären haben bei viel Wind den Vorteil, dass sie gut geschützt liegen, weiter in Richtung Festland. Dort sind die Fahrwasser enger. Zartes Grün säumt die Ufer und dazwischen stehen die typisch bunten skandinavischen Holzhäuser. In großflächigen Anlagen werden Fische gezüchtet, und an den ausgewiesenen Badestellen ist an warmen Sommertagen eine Menge los. Wieder und wieder windet sich das Fahrwasser durch enge Sunde, wie den Möllesund oder den Hamburgsund – dann wird es wieder weit, gibt den Blick zum Horizont frei.

Die Fahrwasser in den Innenschären sind eng und gut geschützt.

So ist die Auseinandersetzung mit den Schären über die Jahrzehnte für mich zum Heimspiel geworden. Zu oft war ich schon hier, und die Küste fasziniert mich trotz ihrer optischen Kälte immer wieder. Vielleicht weil ich jeden Winkel, jeden Felsen, jede Bucht kenne. Natürlich ist das nicht möglich, gar vermessen, aber es fühlt sich so an.

Festgemacht wird viel in Naturhäfen

Da wundert es nicht, dass unser letzter Törn in dieses Revier nur eine Saison zurückliegt. Eine Familienreise. Meine Frau Judith, unsere beiden Kinder und Judiths Schwester Sylvia sind an Bord. Wir wollen einmal mehr die Welt der Steine zwischen Göteborg im Süden und Strömstad im Norden erkunden.

Marstrand ist das Segelzentrum des Reviers.

Als einen der ersten Schären-Ankerplätze steuern wir die Schäre von Ussholmen an, nur etwas südlich vom Segelzentrum Marstrand gelegen. Während es in Marstrand im Sommer äußerst lebhaft zugeht, scheint auf Ussholmen die Welt eher stillzustehen. In den Felsspalten wächst saftiges Gras oder Moos. Es gibt eine Handvoll wilder Blumen hier und da und Unmengen Frösche und Möwen. Nach Westen erheben sich die Felsen imposant bis auf Masthöhe. Nach Osten ist die Bucht offen. Sie ist klein und U-förmig und wir vertäuen uns hier vor Heckanker mit dem Bug an einem der Felsen.

Ein Kleinod, die Außenschäre Ussholmen bei Marstrand

Von Ussholmens höchstem Punkt aus genießen wir einen herrlichen Blick über unsere Umgebung. Im Westen sehe ich das Wasser, soweit das Auge reicht. Im Osten liegt an einem Felsvorsprung nahe dem Ausgang der engen Bucht unsere HIPPOPOTAMUS. Natur pur und wir mittendrin.

Ussholmen

Der Tag geht. Still und rot versinkt die Sonne im Skagerrak. Die Zeit ist fortgeschritten, aber das Thermometer zeigt noch immer weit über 20 Grad an. Die Steine reflektieren die Hitze des Tages. Sie geben Wärme ab. Wir spazieren zurück zum Schiff, bringen die Kinder ins Bett und machen es uns im Cockpit gemütlich. Judith serviert eiskalten Gin Tonic aus dem Bordkühlschrank und über uns leuchten unzählige Sterne. „Willkommen in den Schären“, sage ich, als wir anstoßen.

Die Schärenwelt wurde in der Eiszeit erschaffen

Die Landschaft mit ihren 7.500 Inseln und Schären mutet mitunter herb an, als hätten die gewaltigen Eismassen nicht schon in der letzten Kälteperiode alles abgeschliffen, sondern gerade eben erst. Hier im Westen Schwedens präsentiert sich der „Schärengarten“, wie ihn die Einheimischen nennen, so ganz anders als sein Gegenstück vor Stockholm, wo üppige Wälder und Grün eher die Regel als die Ausnahme sind.

Die westschwedische Schärenwelt

Etwas lieblicher wird der Abschnitt zwischen Göteborg und Strömstad erst, wenn wir in den kommenden Tagen den nördlicheren Teil des Reviers erreichen. Dort liegt der sogenannte „rote Schärengürtel”. Da schimmert der Granit in warmen, rötlichen Farbtönen und wirkt angenehmer als das Grau im Süden. Besonders stark ist dieser Eindruck in einem Naturhafen eben westlich des Hamburgsunds, wo wir Jahr für Jahr an derselben Schäre liegen.

Im Norden schimmern die Felsen eher rötlich.

Das Bordleben hat in den Westschären seinen eigenen Takt

Das Sommerleben im Schärengarten hat bei uns an Bord ein Stück weit seine eigenen Regeln. Tagsüber: segeln, baden, sonnen und lesen. Abends: grillen, klönen und Sterne gucken. Dabei hilft, dass die Tage überwiegend sonnig und die Nächte meist klar sind, dem oft wochenlang stabilen Skandinavien-Hoch im Sommer sei es gedankt. Und nicht zu vergessen: Hier oben im Norden sind die Sommernächte kurz.

Alles andere als einladend: die Schären bei Mistwetter.

Allerdings kann das Revier am Rande des berüchtigten Skagerraks auch eine andere Seite zeigen. Etwa, wenn die Wolken tief hängen, Regen fällt oder viel Wind weht. Dann wirkt das Revier einschüchternd silbergrau und trist. Die liebliche Welt sieht dann plötzlich bedrohlich aus – gerade bei Seegang, wenn die Gischt der heranrollenden Wellen mitunter meterweit über die sich ihr in den Weg stellenden Felsen fliegt. Bei solch einem Wetter zieht es uns meistens in einen Hafen. Gut zu wissen: Auch hiervon gibt es genug im Revier.

Herbe Schären-Schönheit nach einem Schauerdurchgang

Segeln in den Westschären: Natur pur!

Mit anderen Worten: In den Schären zu segeln, ist für mich ein sehr naturnahes Leben. Am intensivsten wird es für mich, wenn wir konstant „richtige Häfen“ meiden und unsere Yacht stattdessen jeden Abend an einer anderen Schäre vertäuen. Die Ankerplätze und Buchten dafür sind in Büchern oder Seekarten haufenweise zu finden, doch vieles ergibt sich auch aus Gesprächen mit anderen Seglern. Ein Ehepaar aus Eckernförde etwa gab uns einst den Tipp, die Schäre Kungso südlich von Göteborg anzulaufen. „Da müsst ihr hin! Die flache Bucht ist ein Paradies mit Sandstrand.“ Solche Tipps sind wertvoll, sprechen sich aber leider auch schnell herum.

Kungso: Paradies mit Badestrand. Fast schon karibisch …

Kungso – ein Idyll vor den Toren Göteborgs

So auch im Fall Kungso. Der Naturhafen eben südlich von Göteborg steht bei den Schweden hoch im Kurs, und es ist oftmals knallvoll hier. „Wenn wir keinen Platz mehr an einem Felsen ergattern, können wir hier ankern“, sage ich zu meiner Familiencrew, als wir in die Bucht einbiegen, „die Bucht ist weitläufig und Platz gibt es immer.“

Für solche Fälle ist bei uns immer das Schlauchboot dabei. In meinen Augen ist es in den westschwedischen Schären unentbehrlich. So besteht immer die Möglichkeit, wenn der Wind zunimmt oder dreht, einen zweiten Heckanker auszubringen oder nachträglich Leinen zu spannen oder eben, wenn wir vor Anker liegen, an Land zu gelangen.

Yachten an den Felsen bei Kungso

Wir haben Glück und ergattern einen der begehrten Plätze am Felsen. Festgemacht wird, wie in fast allen Buchten, an verzinkten Felsnägeln, die mit dem Hammer in Steinspalten geschlagen werden. Seeseitig hält der Heckanker. Dessen alltägliche Benutzung bedeutet für viele Ostsee-Segler ein Umdenken, denn der Buganker wird fast nie gebraucht.

Die Manöver dafür sind echte Teamarbeit. Meistens stehe ich am Steuer mit Heckanker wurfbereit auf dem Achterschiff. Meine Frau Judith hingegen hält auf dem Vorschiff nach Unterwasserfelsen Ausschau und gibt mir entsprechende Zeichen. Schließlich fällt der Anker, Judith springt an Land. Gemeinsam schlagen wir die Schärennägel ein und binden unser Schiff daran fest. Heckanker durchholen, Motor ausschalten, alles noch einmal überprüfen. Fertig!

Ich gebe zu: Das war jetzt eher die Kurzform des Manövers. Ausführlich beschrieben habe ich es in diesem Beitrag über das Festmachen in Naturhäfen.

Solche Orte zu finden, kann ein Reiz des Revieres sein.

Die Qual der Wahl – es gibt tausendundeine Bucht

Entlang der Westküste Schwedens gibt es so viele Buchten, dass wir immer wieder die Qual der Wahl haben. Über die Jahre haben wir inzwischen rund 100 Plätze für uns entdeckt. Was für eine Auswahl, was für eine Abwechslung und einer schöner als der andere. Sie alle zu beschreiben würde hier den Rahmen sprengen und einen Teil des Reizes dieses Revieres nehmen. Zumindest besteht für mich auch im eigenen Entdecken dieser besonderen Plätze ein gewisser Reiz.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, in diesem Revier das Schiff zu vertäuen.

Dabei hilft, wie schon angedeutet, auch das Gespräch mit einheimischen Seglern. Einmal wurden wir beispielsweise von einer Gruppe Schweden, Studenten auf ihrem jährlichen Törn in den Semesterferien, spontan zum gemeinsamen Singen im Schein der Petroleumlampe eingeladen. Sie gaben uns zwischen den Liedern wertvolle Tipps für Orte, an die wir immer noch gerne fahren. Es herrschte eine ausgelassene Lagerfeuerstimmung, jedoch ohne Feuer. Feuer auf den Schären ist weithin verboten, ja gar verpönt. Die Steine bekommen durch die Hitze Risse, Regenwasser dringt ein und gefriert im Winter. Davon werden die Felsen regelrecht auseinandergesprengt.

Solche unkomplizierten Begegnungen mit den Einheimischen sind nicht immer an der Tagesordnung, aber die Schweden im Westen des Landes erweisen sich meist als kontaktfreudig und hilfsbereit. Es scheint eine herkunftsunabhängige, unausgesprochene Verbundenheit zu herrschen zwischen den Menschen, die sich für diesen einfachen, unkomplizierten Urlaub in der Natur begeistern können. Diese Brüder im Geiste können auf Landstrom, anonyme Riesenmarinas, Nobel-Gastronomie und Schlangestehen im Waschhaus verzichten. Die Kargheit der Felsenlandschaft genügt ihnen allemal.

Lilla Kornö – eine Perle des Reviers

Lilla Kornö – Perle des Reviers

Einer dieser Tipps von den Einheimischen ist Lilla Kornö. Das verschlafene Fischerdorf wird eingerahmt von hohen Felswänden und hat einen geschützten Naturhafen, in dem etwa 25 Schiffe Platz finden. Er ist bei den Schweden bekannt, beliebt und im Sommer oft überfüllt. Wer einmal da war, weiß warum. Die Ansammlung der bunten Holzhäuser erinnert an bekannte schwedische Kinderbücher. Sie stehen dicht beieinander an schmalen holprigen Wegen. Es gibt keine Autos auf dieser Insel, die Zeit scheint hier stillzustehen. Das Ganze sieht aus wie die Kulisse von „Ferien auf Saltkrokan”.

Fast wie im Buch „Ferien auf Saltkrokan“

Die Navigation ist anspruchsvoll

Als wir Lilla Kornö verlassen, herrscht Flaute. Fahrt unter Motor, eine gute Gelegenheit, um meine Schwägerin in die anspruchsvolle Navigation in diesen Gewässern einzuarbeiten. Die Karten sind in sehr großen Maßstäben (bis zu 1:25.000) erstellt und herrlich detailliert. Auf einem Blatt des Schärenatlas finden gerade mal zehn Seemeilen Platz. Jeder Stein, jeder Steg und jedes Haus ist vermerkt. Die Visualisierung des Kartenbilds in der Realität ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Auf manchen Urlaubstörns passt der gesamte Kursverlauf auf eine Karte, im Schärengarten wird eher alle zwei Stunden eine neue benötigt.

Ich bin da recht altmodisch und die Mappe mit den Papierkarten liegt immer im Cockpit, und grundsätzlich wird jedes Seezeichen abgehakt. So wissen alle Crewmitglieder immer sofort, wo wir uns gerade befinden. Navigatorisch gibt es hier nichts Wichtigeres. Besonders außerhalb der viel befahrenen Strecken an den inneren Schären ist Klarheit über den Schiffsort unbedingt vonnöten. Zu groß die Gefahr, dass wir einen der zahlreichen Unterwasserfelsen rammen. Bei Zweifeln über die eigene Position muss aufgestoppt werden, bis die Situation geklärt ist.

Beim Navigieren hilft auch das Tablet.

Natürlich sind elektronische Seekarten auch eine gute Hilfe und nicht selten nutze ich sie parallel oder lasse unseren Plotter mitlaufen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist die Position immer exakt. Ich habe es aber auch schon erlebt, dass das GPS-Signal Ungenauigkeiten hatte und die kann ich mir hier zwischen all den Steinen absolut nicht erlauben.

Zwischen den Segelyachten: ein typischer Leuchtturm im Revier. Eher klein und nicht immer leicht auszumachen.

Insbesondere die Leuchttürme erfordern eine gewisse Gewöhnung und Toleranz. „Die Dinger sind ein Witz”, schimpft ein deutscher Familienvater in Smögen, der neben uns festgemacht hat. „Nicht mal zwei Meter hoch und mit einer 25-Watt-Birne ausgestattet. So gut wie gar nicht zu entdecken!“ In der Tat sind die winzigen Seezeichen, Türmchen oder Baken, aus Steinen aufgeschichtet und mit Farbe bemalt, in den Schären kaum auszumachen. In den Zeiten vor GPS suchten Segler die sicheren Einfahrten ins Schärengewirr oft stundenlang.

Smögen ist im Sommer die Partyhochburg der Westschären.

Smögen – das Partyzentrum der Schärenwelt

Stichwort Smögen: In der Marina entlang des Naturhafens machen viele deutsche Crews gerne Station. Der Hafen scheint das Zentrum aller Touristen im Westen Schwedens zu sein. Schon früh morgens werden sie wie von einem Magneten angezogen und mit zahlreichen kleinen Fähren und Fischerbooten vom gegenüberliegenden Kungshamn hergebracht. Sie schlendern über den engen Steg entlang der tiefen Lagune, stöbern in den Boutiquen und besuchen die zahlreichen Fischrestaurants. Auch wir lassen uns den leckeren Fang nicht entgehen und zelebrieren das im Cockpit: Es gibt frisch geräucherten Lachs mit Dill und Zitrone nebst ofenwarmem Baguette.

Smögen ist bekannt für seinen guten Fisch.

Ab Mittag ergänzen in Smögen zusätzlich überwiegend junge schwedische Segelcrews das Hafenbild. Hier wird im Sommer täglich bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Das wissen alle Schweden. Beschwerden über Lärm gibt es daher nicht oder nur von Unwissenden. „Smögen muss man mögen“ ist ein vielerorts strapaziertes Zitat, wenn es wieder einmal laut war.

Der Sotenkanal. Praktische Abkürzung auf dem Weg nach Norden

Der Sotenkanal

Keine Lust auf Party? Kein Problem: Bordvorräte aufstocken und weiter. Durch den Sotenkanal geht es am nächsten Morgen weiter nach Norden. Der künstliche Felsendurchstich ist eine Art Landstraße auf dem Wasser. Wie an einer Perlenschnur aufgezogen, tuckern die Schiffe über den schmalen, drei Seemeilen langen Wasserweg. Kurz nach dem Kanal setzen wir wieder die Segel und schleichen bei nur vier Beaufort durch das kurvenreiche Fahrwasser weiter nordwärts zur Insel Dannemark.

Unter Segeln geht es nach Dannemark.

Dannemark

Dannemark ist ein weiterer beliebter Schärenplatz bei den Einheimischen. Die Bucht ist zwar schon gut gefüllt, aber das stört uns nicht. Losgelöst von empfohlenen Liegemöglichkeiten haben wir vor ein paar Jahren einen Felsvorsprung gefunden, der etwas versteckt liegt und gerne übersehen wird. Eine steile Kante unter Wasser, ausreichend Felsspalten für die Schärennägel und ein traumhafter Blick über die Bucht am Abend kennzeichnen ihn.

Unter Segeln durch den Havstensund

Havstensund – kurz vor Strömstad

Unsere Reise nähert sich dem Ende und wir erreichen den Havstensund. Wieder so eine Durchfahrt, in der zu beiden Seiten die Felsen steil emporragen. Gemütlich gleiten wir mit Groß und Fock durch die Enge, rutschen dahinter fast lautlos in eine große Bucht nordöstlich des Sundes. Ein Liegeplatz inmitten der Natur ist schnell gefunden. Anders als sonst liegen wir längsseits an den Felsen. Es ist unser letzter Abend im Insel-Idyll der westschwedischen Schären. Morgen ist Crewwechsel in Strömstadt und dann geht es weiter nach Norwegen.

Längsseits an einer Schäre festzumachen, ist etwas ganz Besonderes.

Langsam sinkt die Sonne zum Horizont, taucht die Schärenwelt in ein wunderbar rotes Licht. Ich treibe mit dem Schlauboot ein wenig durch die Bucht und genieße die Stille. Dabei wird mir einmal mehr klar, dass die Segelwelt hier oben auf eine Art und Weise in Ordnung ist, wie ich sie aus meiner Kindheit kenne. Aus den Heile-Welt-Kinderbüchern von Astrid Lindgren. Und genau deshalb ist meine Verbundenheit mit diesem Revier so groß und genau deshalb werde ich immer wieder hierherkommen.

Weitere Infos zum Revier

Charter

An der Westküste von Schweden ist Göteborg der bekannteste und beste Ausgangshafen für einen Törn in die Schären, die direkt vor den Toren der Stadt liegen. Zudem ist Göteborg sehr gut mit direkten Flug- und Fährverbindungen zu erreichen und bietet an der Westküste das beste Angebot an Chartermöglichkeiten. Einer der größten Flottenbetreiber in dem Revier ist Yachtcharter Göteborg, die schwedische Firma betreibt nahe der Göteborger Innenstadt ihren eigenen Stützpunkt in der City Marina.

Die Basis von Yachtcharter Göteborg

Flotte und Preisbeispiel
Insgesamt stehen auf der Basis von Yacht Charter Sweden 11 Segelyachten von 34 bis 50 Fuß zur Verfügung, darunter Schiffe von Bavaria, Dufour, Jeanneau und Beneteau. Eine Yacht vom Typ Jeanneau Sun Odyssey 449 (Baujahr 2018/4 Kabinen) kostet pro Woche zwischen 2.900 Euro in der Nebensaison und 4.400 Euro in der Hauptsaison – zuzüglich Endreinigung (270 Euro), Schlauchboot (80 Euro), Außenborder (100 Euro), Bettwäsche/Handtücher (20 Euro/Person). Alle Angaben beziehen sich auf die Saison 2020.

Der Transfer zwischen dem Flughafen Göteborg Landvetter und der City Marina kostet für vier Personen 55 Euro und für bis zu acht Personen 79 Euro. Wer möchte kann vor Ort auch einen ortskundigen Skipper dazu buchen.

Weitere Infos und Buchung (Büro Schweden)
Telefon: + 46 31 51 10 40 (englischsprachige Beratung)
E-Mail: info@ycsweden.com
Internet: www.boatcharter-sweden.com

Diese Charter-Agenturen helfen dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter für einen Törn durch die westschwedischen Schären können diese Firmen behilflich sein:

Diese Anbieter betreiben vor Ort einen Stützpunkt

Große und kleine, nationale und internationale Flottenbetreiber bieten in in den westschwedischen Schären moderne Yachten an. Unter anderen betreiben diese Firmen vor Ort ihren eigenen Stützpunkt.

Wind & Wetter

Die Küste verläuft in Nord-Süd-Richtung, sodass bei den im Sommer vorherrschenden westlichen Winden um 3 bis 5 Beaufort fast immer ein günstiger Kurs gefunden werden kann. An vielen Abschnitten kann zwischen einem inneren, geschützten und einem äußeren, ungeschützten Fahrwasser durch die Schären gewählt werden.

Typische Marina in den Westschären. Hier Gullholmen.

In den Naturhäfen wird nur bei einer stabilen Wetterlage im Lee der Felsen festgemacht. Ist über Nacht ein Wetterumschwung zu erwarten oder weht es mit mehr als fünf Beaufort, ist eine Marina der deutliche bessere Ort für die Nacht.

Häfen & Ankerplätze

In allen größeren Häfen gibt es Strom und Wasser am Steg. Sie liegen aber oft etwas weiter in Richtung Festland. Die Versorgung mit Diesel und Proviant ist nicht durchgehend gut, insbesondere wenn viel in den Naturhäfen verweilt wird. Dann besser großzügig bunkern.

Mollösund. Einkaufsmöglichkeiten und Marina

Empfehlenswerte Einkaufsmöglichkeiten gibt es in: Marstrand (gegenüber der Marina), Mollösund, Hamburgsund und Havstensund. Die Naturhäfen sind mit gut geschützten Ankerbuchten gleichzusetzen. Das Schiff wird vor Heckanker mit dem Bug am Fels vertäut.

Navigation & Seemannschaft

Die Navigation erfolgt mit Papierkarte, elektronischer Karte, Kompass (zur schnellen Orientierung) und/oder Kartenplotter. Landmarken, Baken und Seezeichen sind zwar gewöhnungsbedürftig, aber so ausreichend vorhanden, dass man sich immer sicher fühlen kann. Passierte Seezeichen sollten in der Karte abgehakt werden.

Durch Felsen über und unter Wasser ist das Echolot nur bedingt eine Hilfe.

Das Standard-Echolot ist in den Schären keine große Hilfe, da es teilweise rasche Tiefenwechsel gibt. Beim Einlaufen in die Naturbuchten sollte ein Crewmitglied auf dem Vorschiff Ausschau nach Unterwasserfelsen halten. Kein Muss, aber hilfreich ist hier ein vorrausschauendes Echolot.

Dicht am Festland vorbei schlängeln sich etliche enge Fahrwasser.

Auf den gut 100 Seemeilen zwischen Göteborg und Strömstad gibt es weiter landeinwärts gut betonnte Hauptfahrwasser, die ein rasches Vorankommen ermöglichen.

Handbücher & Seekarten

– Gerti und Harm Claußen: „Naturhäfen in Schweden“
– Törnführer Schweden 1: Die Westküste mit Trollhättekanal und Vänersee Südteil
– Sportbootkarten Satz 3: Westküste Schweden – Delius Klasing

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Reinhard Junge
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Reinhard Junge

sehr ausführliche und informative revierbeschreibung- reizt zum nachmachen