Kroatien: Unter Segeln zu den Brijuni-Inseln

Von Michael Amme

Michael ist seit über 20 Jahren als Journalist und Fotograf auf dem Wasser tätig. Der studierte Geograf hat weltweit Reisereportagen in mehr als 100 Charter- und Blauwasserrevieren produziert. Zudem haben den Hamburger viele Segelreisen und seine frühere Tätigkeit als Charter- und Überführungsskipper rund um den Globus geführt. Zusammen mit Sönke Roever ist er die treibende Kraft von BLAUWASSER.DE und ein beliebter Referent auf Bootsmessen und diversen Seminaren (siehe Termine).

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Titelfoto: ©mmphoto/stock.adobe.com

Vor der Küste von Istrien vermissen Segler die für Kroatien sonst typische Inselkette. Mit den Brijuni-Inseln hat aber auch Istrien seine kleine Insel-Perle

Schon bei der Ansteuerung wird man Tito verstehen! Hinter den Wellenbrechern, die an Back- und Steuerbord ins Wasser ragen wie zwei lange, dünne Finger, öffnet sich das weite Hafenbecken. Ringsherum helle Kaimauern, dahinter Steineichen und Pinien, in deren Grün sich hier und da geschichtsträchtige Fassaden ducken. Spätestens in diesem Moment wird man denken: Was für ein Juwel!

Schon bei der Ankunft ist man von der entspannten Atmosphäre auf Veli Brijuni gefangen. ©stock.adobe.com/ Nikolai Korzhov

Das muss auch Tito gedacht haben! Kaum hatte er seinen Fuß auf das keine vier Seemeilen von Pula auf Istrien entfernt liegende Eiland gesetzt, war er der Insel verfallen. Schon ein Jahr später bezog er seine Residenz auf Veli Brijuni. Und fortan war die kleine, zauberhafte Insel mit ihren Pinienbäumen, den Kieselstränden und dem türkisgrünen Meer rundherum nur noch für ihn und seine Gäste zugänglich.

Heute Nationalpark, früher wurde auf den Brijuni-Inseln Weltpolitik gemacht

Der damalige Präsident der Republik Jugoslawien empfing dort Staatsmänner, Diplomaten und Schauspieler, beschloss mit dem indischen Präsidenten Nehru und dem ägyptischen Herrscher Nasser die Gründung der Blockfreien Staaten und trank auf der Terrasse der weißen Villa Wein mit Sophia Loren, Josephine Baker und Eleonor Roosevelt. Dabei ließ sich Tito von seinen glamourösen Gästen gern Geschenke in Form von Tieren mitbringen.

Der Tierpark auf der Insel ist nicht nur für Familien einen Besuch wert. ©Michael Amme

Die Tiere sind auch heute, lange nach Titos Tod, noch da – Zebras und somalische Schafe beispielsweise, Lamas, Antilopen und jede Menge Hirsche. Und längst ist das 14 Inseln umfassende Brijuni-Archipel, das 1983 zum Nationalpark erklärt wurde, auch wieder für Besucher zugänglich. Doch der Hafen von Veli Brijuni, der größten der insgesamt 14 Brijuni-Inseln, ist selten voll belegt. Vielleicht, weil der Hafenmeister viel zu viel Geld für eine Nacht kassiert? (Details dazu siehe Infoteil)

Spazieren, Baden, Golfen – Brijuni lädt ein zum Verweilen

Doch ist man schon mal hier, sollte man auch dem Blubbern des Meeres und den Zikaden lauschen und sich dann auf den Weg machen, um die vier Kilometer lange und zwei Kilometer breite Insel genauer unter die Lupe zu nehmen. Nach ein paar Fußminuten ein erster Stopp an dem Kiosk im Schatten der steinalten Eichen. Meine Empfehlung: ein Cappuccino mit einem Stückchen Schokoladentorte! Ja, die Frage, wie ein solch hauchzartes Törtchen in einer Kioskvitrine gelandet sein kann, habe ich mir auch schon gestellt – übrigens, ohne eine Antwort gefunden zu haben! Ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist nur, dass man jetzt weiterwandert: an der Kirche St. German und dem Hotel vorbei Richtung Westen, über den Golfplatz und an den Wiesen vorbei, auf denen Titos Tiere grasen, indische Rinder, Pfauen und viele, viele Zebras.

Neben dem Kiosk gibt es direkt am Hafen auch Restaurantplätze. ©Michael Amme

Spätestens hier wird man sich fühlen wie in einer anderen Zeit! Während die Pfauen einem das trockene Gras aus den Händen rupfen, kann man seine Gedanken abschweifen lassen in jene Zeiten, als Tito hier mit Sophia Loren oder Josephine Baker entlanggeschlendert sein muss. Wahrscheinlich war er auch mit ihnen in der Bucht Verige südöstlich des Hafens, in dem sich die Überreste der Römischen Villa aus den struppigen Gräsern erheben.

Früher wurden die Staatsgäste mit dem alten Cadillac von Tito über die Insel kutschiert. ©Michael Amme

Ankern darf man in dieser Bucht leider nicht, ebenso wenig wie in allen anderen Einbuchtungen des Brijuni-Archipels. Nur auf Mali Brijun, der nördlich gelegenen Insel, darf man noch anlanden: Hier darf an den ausgebrachten Murings festgemacht werden, das freie Ankern ist jedoch verboten!

Das freie Ankern ist vor Mali Brijun, der nördlich gelegenen Insel, verboten. ©Michael Amme

Zurück auf Veli Brijuni. Mammutbäume und Zedern recken ihre Zweige in den blauen Himmel, Oleander, Myrte und Lorbeer würzen die Luft. Bevor man wieder an Bord springt und dem Nationalpark den Rücken kehrt, sollte man noch ein paar bewundernde Blicke über den rund 1.700 Jahre alten Olivenbaum und über Titos grünen Cadillac streichen lassen, der übrigens 350 PS unter seiner Haube verbirgt. Und in dem kleinen Museum am Hafen über die Fotos: Tito mit Gaddafi, Tito mit Willy Brandt, Tito mit Jassir Arafat, Tito mit Fidel Castro, Tito mit Indira Gandhi.

Die internationale Politik- und Gesellschaftselite hat sich auf Brijuni eingefunden. ©Michael Amme

Ja, Tito hat Brijuni geliebt, man versteht das, wenn man über die Insel streift. Und vielleicht nimmt man für so ein Juwel sogar die hohen Hafengebühren in Kauf!

Schöne Alleen gehören ebenfalls zum Inselbild. ©Michael Amme

Alle Infos zu den Brijuni-Inseln

Liegeplatz

An der Innenseite der Nordmole gibt es Muringplätze mit Strom und Wasser, gepflegte Sanitäranlagen im Gebäude daneben. Die Liegegebühren betragen in der Hochsaison für ein Boot von 11 bis 17,99 Meter Länge pauschal 1.500 Kuna (ca. 200 €) in der Nebensaison 1.000 Kuna (132 €, Stand 2021). Darin inbegriffen ist der Eintritt in den Nationalpark für bis zu fünf Crewmitglieder. Weitere Crewmitglieder müssen den normalen Eintrittspreis bezahlen (ca. 25 Euro). Ebenfalls im Tagespreis inbegriffen ist ein Stopp an einer Muring in der Bucht des Heiligen Nicholas auf der Insel Mali Brijun.

Der Hafen bietet sichere Liegeplätze, die oft selbst in der Saison nicht ausgebucht sind. ©Michael Amme

Essen und Trinken

In der Saison bieten insgesamt fünf Restaurants ein abwechslungsreiches Angebot. Das „Catering Restaurant“ bietet zudem Abendessen unter freiem Himmel am Standort der Wahl an: zum Beispiel unter den Pinien neben dem Schiff am Hafen. Tagsüber verkauft auch eine Art Kiosk mit Terrassenplätzen Kaffee, Kuchen und Snacks. Einkaufsmöglichkeiten gibt es keine.

Selbst für etwas Abwechslung ist auf Brijuni gesorgt. ©Michael Amme

Aktivitäten

Es gibt einen 18-Loch-Golfplatz (Leihausrüstung vorhanden) und vier schattige Tennisplätze. Mit den Leihfahrrädern können insgesamt 24 Kilometer asphaltierte Wege befahren werden. Besonders entspannt: mit dem Golfcart über die Insel und durch den Tierpark rollen, zu mieten direkt am Hafen (etwa 20 Euro/Stunde). In der Bucht Verige (Ostseite von Veli Brijuni) gibt es einen 500 Meter langen Unterwasserlehrpfad für Schnorchler.

Tolles Erlebnis und sehr entspannt: die Inselrunde mit dem Golfcart. ©Michael Amme

Mehr Infos

Aktuelle Preise für Liegeplätze und mehr Infos zur Insel gibt es bei der Nationalparkverwaltung der Inseln.

Revierführer

Küstenhandbuch Kroatien und Slowenien

Dieser Band 1 des Küsten- und Hafenhandbuchs Kroatiens beinhaltet Slowenien und den Nordteil Kroatiens mit Istrien, dem Kvarner und Norddalmatien. Mit allen Infos von der Planung des nächsten Segeltörns bis zum Anlegen vor Ort.

Charter

Wer die Brijuni-Inseln mit der Charteryacht erkunden möchte, kann an der gegenüberliegenden Küste Istriens chartern, der Charterhafen von Pula ist nur wenige Seemeilen entfernt. Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter können diese Firmen behilflich sein:

Pula mit seinem alten Amphitheater ist das istrische Zentrum gleich gegenüber der Brijuni-Inseln. ©Michael Amme
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