Italiens Adriaküste: Der große Revierüberblick für Segler

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Der Wiener hat schon zu Schulzeiten das Segeln auf Binnenrevieren erlernt. Mittlerweile segelt er hauptberuflich mit Gästen in der Adria und im Ionischen Meer. Auf seiner Bavaria 47 bietet er Kultur-, Urlaubs-, Trainings- und Ausbildungstörns an. Der Österreicher ist auch Autor des Revierhandbuchs „Dolce Vita an der Adria. Ein Hafenführer für die italienische Ostküste und ganz Albanien“ und Prüfer für den Motorsport- und Segelverband Österreichs.

Dieser Streifzug entlang der italienischen Adriaküste beschreibt die Highlights, Herausforderungen und Möglichkeiten inklusive Infoteil

Die italienische Adriaküste ist weder bei Charterseglern noch bei Eignern ein bekanntes Revier. In der Adria segeln fast alle nur auf der gegenüberliegenden kroatischen Seite im Reich der Inseln. Woran genau liegt das und was ist auf den gut 600 Seemeilen zwischen Triest im Nordosten und dem Capo di Otranto an der Hackenspitze des italienischen Stiefels genau zu erwarten? Klar ist, dass man die gesamte Küste auch in Tagesetappen absegeln kann. Doch nicht jeder Küstenabschnitt ist gleich attraktiv und einige bieten geografische Besonderheiten oder spezielle nautische Herausforderungen. Die Beschreibungen in diesem Artikel gehen von Norden nach Süden

©BLAUWASSER.DE

Italienischen Adriaküste Teil 1: Die Felsküste im Nordosten zwischen Muggia, Triest und Montfalcone

Mit dem kleinen, lieblichen Ort Muggia beginnt die italienische Adria ihren Lauf der Küste entlang, bis sie sich ab dem Capo di Otranto dann Ionisches Meer nennt. Das ist tatsächlich so, denn die Meeresströmungen drehen sich langsam, aber beständig gegen den Uhrzeigersinn rund um das Adriatische Meer.

Triest hat sich 1382 den Habsburgern angeschlossen, sodass man bis heute vom „Wien am Meer“ spricht. Aktuell ist dieser Hafen der umschlagreichste in Italien, weshalb Sportbootfahrer intensiv mit der Großschifffahrt in Kontakt kommen. Jeden ersten Sonntag im Oktober findet hier auch die größte Regatta der Welt statt, die Barcolana – mit bis zu 2.700 Booten.

Die Regatta Barcolana im Golf von Triest ist ein Großspektakel in der nördlichen Adria. ©Wolfgang Siebenhandl

Im Sommer weht oft der günstige Maestrale, ein thermischer Wind, der die meisten Ziele anzusteuern erlaubt. Sonst ist oft sehr wenig Wind, außer die böige und bissige Bora fetzt überfallartig mit bis zu 65 Knoten von den Hängen. Das geschieht zwar im Sommer selten, kann aber ein abenteuerliches Spektakel sein. Der malerischen Steilküste entlang geht es nach Norden, vorbei an Schloss Miramare und Schloss Duino zum nördlichsten Punkt des Mittelmeeres bei Monfalcone.

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Italienischen Adriaküste Teil 2: Die Nordküste mit ihren flachen Lagunen

Hier ändern sich die Gegebenheiten radikal: Von der steilen und steinigen Küste wechselt die Landschaft auf flach und sandig. Auch unter Wasser beginnt eine sehr gleichmäßige Tiefengestaltung, die nur an den Flussmündungen große Vorsicht verlangt. Eine Vielzahl an Flüssen trägt hier Sediment ein, sodass man hier idealerweise der zehn Meter-Tiefenlinie entlang navigiert. Wenn das Adriawasser mit den Lagunen von Marano und Venedig in Kontakt kommt, ergießen sich mit den Gezeiten (bei Springzeit bis 1,2 Meter!) Unmengen an Trübstoffen ins Meer.

An den Übergängen der Adria zu den Lagunen wie hier bei Grado gelangen auch viele Sedimente ins Meer. ©Michael Amme

Die beiden Lagunen von Grado und Venedig sind unbedingt einen Abstecher wert, hier gibt es Stille und Abgeschiedenheit genauso wie Trubel und beeindruckende Kultur zu entdecken. Ein ideales Revier auch für Chartersegler, die einen Törn bis nach Venedig von den Charterhäfen in Istrien leicht auch in einer Woche realisieren können.

Mit dem Charterboot von Istrien in Kroatien lässt sich die italienische Nordadria sehr gut erkunden. ©Michael Amme

In keinem anderen Abschnitt der italienischen Adria ist die Dichte an Marinas höher als hier. Aber Vorsicht: Wenn sich ein Schirokko (slawisch: Jugo), also ein Südostwind etabliert, gibt es Wellen und Hochwasser, sodass die Zufahrten zu fast allen Häfen unpassierbar sind. Aber dieser Wind ist immer gut vorhersehbar: Von Süden her wird der Himmel immer grauer, die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur nehmen zu, bis der konstante Wind dazustößt und die hohen Wellen erzeugt, vor denen man sich nur noch in geschützte Häfen retten kann.

Sehr große Marinas wie hier in Lignano prägen das Bild der Nordadria. ©Michael Amme

Eine Besonderheit dieser Gegend ist, dass es fast keine Charterboote und auch kaum freie Transitplätze in Marinas gibt. Wer festmachen möchte, sollte unbedingt vorher anrufen. Dann aber ist es Brauch, dass man vom Marinero mit dem Schlauchboot eingewiesen und freundlich mit der Infrastruktur vertraut gemacht wird. Die vielen Schiffe hier gehören italienischen und ausländischen Eignern. Die Wassersportler sind hier meist in Clubs organisiert, in denen man nur selten einen Platz bekommt. Darüber hinaus sind in diesen Häfen die Fischer und die Offiziellen (Guardia Costiera, Guardia di Finanza) mit ihren Booten vertreten.

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Das gilt auch für Grado, die erste Stadt, die zu einem Besuch einlädt. Von See führt eine Dalbenstraße in die Lagune – also eine Fahrrinne, die mit senkrecht in den Boden gerammten Baumstämmen markiert ist. Doch darf man daraus nicht schließen, dass überall innerhalb der Dalben die Wassertiefen ausreichend sind. Lokale Kenntnis und gute Hafenliteratur verraten, dass auf der Westseite bei Ebbe noch knapp zwei Meter zu finden sind, im Osten kaum ein Meter.

Holzdalben markieren in den Lagunen die Fahrrinne, eine Art Straßenschilder weisen den Weg. ©Michael Amme

Im Stadthafen selbst können Gastlieger mit Strom und Wasser gegen Entgelt liegen, im Westteil ganz ohne Service auch gratis. Marinas gibt es natürlich auch: Richtung Westen folgen die Orte Lignano, Bibione, Caorle und Jesolo, für die allesamt die Warnung vor den geringen Wassertiefen an der Einfahrt gilt.

Der Stadthafen von Grado liegt mitten im Stadtzentrum. ©Michael Amme

Bei Venedig hat man wieder mit der Großschifffahrt zu tun: Die mittlere der drei Einfahrten – Malamocco – wird laufend frequentiert. Einen Abstecher in diese Stadt darf man nicht auslassen: Der Blick auf den Markus-Platz ist phänomenal! Im Norden gibt es Kanäle, die kaum mehr befahren werden, deshalb kann man dort auch ankern. Unglaublich ist hier die Stille, während nur wenige Meilen entfernt die Touristenströme die Altstadt durchfluten. Je geringer der Tiefgang des Bootes ist, umso mehr Optionen tun sich auf, auch verlassene und entlegene Plätze der Lagune zu besuchen.

Mit der eigenen Yacht bis ins Zentrum von Venedig segeln ist ein einmaliges Erlebnis. ©Michael Amme

Ob Kloster oder Feinschmeckerlokal, ob lost place oder Festungsbauwerk, vielerlei findet man in der Lagune, womit man zunächst nicht rechnet. Ganz im Süden lädt Chioggia ein – kleiner und feiner als Venedig. Hier ist jeden Donnerstagvormittag der traditionelle Markt, auf dem man von Textil über Fahrrad- und Küchenzubehör, Kulinarik bis hin zu Büchern alles finden kann, was man sich vorstellen kann.

In den Lagunen zu ankern ist definitiv auch eine gute und entspannte Option. ©Michael Amme

Italienischen Adriaküste Teil 3: Vom Po-Delta entlang der Emilia-Romagna bis Ancona

Hat man die Lagune hinter sich, stellt sich das Po-Delta von Westen her der Fahrt nach Süden in den Weg. Es braucht einen ganzen Tag, um das Delta dieses größten Flusses Norditaliens zu umrunden. Vielen Muschelfarmen muss man ausweichen, und auch etlichen Bohrinseln begegnet man hier.

Muschelfarmen sollte man weitläufig ausweichen, insbesondere nachts. ©Wolfgang Siebenhandl

Ravenna, etwa 50 Seemeilen südlich von Chioggia, ist der nächste kulturell interessante Ort: Schon die Römer hatten hier eine Flotte stehen. Und dann kommt die lange Kette der Badeorte der Emilia Romagna mit zum Beispiel Cesenatico, Cervia und Rimini. Interessant wird es wieder in Cattolica, gleich südlich von Rimini: Da erhebt sich der Monte San Bartolomeo, dessen Abhänge bis Fano und Pesaro reichen, zwei Städte, die weniger Strand- und Nachtleben und wieder mehr Kultur bieten.

Die Küste bei Rimini bietet sehr viel Strand- und Badetourismus. ©DisobeyArt/stock.adobe.com

Am Horizont zeigt sich dann schon der Monte Conero, der Berg hinter Ancona. Hier ist seit Ravenna der erste Zufluchtsort, wenn auf der Ostseite eine Bora tobt und man einen sicheren Hafen mit ausreichend Tiefe in der Einfahrt sucht. An der Ostflanke des Conero kann auch endlich wieder einmal geankert werden, man kann baden und in Ruhe das Ambiente der hellen Felsen genießen.

Rund um die Küste am Monte Conero kann gut geankert werden. ©Wolfgang Siebenhandl

Italienischen Adriaküste Teil 4: Das zweite Drittel der Adria: die Region Marchen bis zu den Tremiti-Inseln

Das zweite Drittel der Adria beginnt mit den Marchen – eine Region, deren Hügel sehr nahe an die Küste reichen. Kleine, liebliche Städte, die alle ein wenig ähnlich sind, wechseln einander ab: Civitanova Marche, Porto San Giorgio, San Benedetto del Tronto, Giulianova. In Pescara gibt es wieder alle Verkehrsanschlüsse, Großstadtflair und eine gewaltig große Marina, aber die Einfahrt ist sehr schmal und seicht, sodass sie nur bei ruhigem Wetter befahren werden kann. Sicher bei allen Winden anzusteuern ist hingegen der nächste Hafen: Ortona. Oben auf einem 90 Meter hohen Rücken ist die Stadt erbaut, man kann auf einer Galerie entlangspazieren und das Meer betrachten.

Die sehenswerte Altstadt von Ortona ist auf jeden Fall einen Stopp wert. ©DVisions/stock.adobe.com

Nun werden die Distanzen größer: Dreißig Seemeilen wenigstens sind es ab jetzt, bis man wieder einen sicheren Hafen anlaufen kann. Termoli ist Ausgangspunkt für die Fähren auf die Isole Tremiti, die man auch selbst mit dem Boot erreicht. Bis auf den Grund sieht man hier zwischen vier Inseln, es gibt Bojen, an denen man gratis festmacht, und abends Ruhe in großartiger Kulisse. San Nicola und San Domino, die beiden größten Inseln, sind bewohnt, hier finden sich Restaurants und Bars an den zauberhaftesten Stellen. Aber wenn Wind aufkommt, ist es besser, die Tremitis zu verlassen, da der Schwell massiv zunimmt.

Wie hier auf der Insel San Domino sind die Tremiti-Inseln auch bei Landtouristen ein beliebtes Ziel. ©Michael Amme

Italienischen Adriaküste Teil 5: Gargano Nationalpark, Vieste und weiter südlich bis Bari

Mit dem nächsten Segeltag erreicht man Vieste, die Stadt am östlichen Ende des Gargano, dem Sporn des italienischen Stiefels. Wie ein Riegel schiebt sich der über 1.000 Meter hohe und 50 Kilometer lange Kalksteinrücken gegen Osten. An seiner Südseite gibt es eine Vielzahl an Buchten, in denen man ankern und baden kann. Die nun folgenden Städte laden alle mit ihrer eigenen Lieblichkeit ein, sich Zeit zu nehmen und Italien mit seinem ursprünglichen Flair zu genießen: Manfredonia, Trani, Bisceglie, Giovinazzo und Bari.

Rund um den Gargano gibt es wie hier in der Baia San Felice sehr schöne Ankerplätze. ©Michael Amme

Die erste Stadt liegt exakt in der Südwest-Ecke des Gargano, verfügt wie alle anderen Städte hier über Kastell und Dom und wartet auf der Piazza mit allem auf, was man sich von der italienischen Küche so erhofft. Hat man Glück, gibt es ein Stadtfest, sodass auch Spektakel und Musik geboten werden. Trani ist noch eine Stufe attraktiver: Der Hafen scheint exakt kreisförmig ins Land geschnitten worden zu sein, die Kirche thront auf einem Landvorsprung und wenn abends die Promenade für Autos gesperrt wird, ist – gefühlt – jeden Abend Volksfest.

Apulien im Süden des Stiefels hat – wie hier Trani – attraktive Ziele für Segler. ©Alexandre ROSA/stock.adobe.com

Bisceglie, von der Anlage des Hafens ähnlich wie Trani, toppt das noch mit Blumen auf den Stegen der Marina. Auch das Hinterland bietet großartige Kultur und Kulinarik, Leihautos sind überall zu finden. Molfetta – noch ein Stück südöstlicher – ist ebenfalls einen Stopp wert, aber Vorsicht: Mitten im Hafen ist eine Untiefe, die man nur südlich umfahren soll! Bisceglie hat seinen Hafen unterhalb der Kirche. So zauberhaft er auch ist, Platz haben da nur Boote unter zehn Meter Länge.

Auch Molfetta ist eine kleine Perle im Süden der italienischen Adriaküste. ©Sandis/stock.adobe.com

Bari bietet im Nord- und Südhafen sichere Plätze, um die Hauptstadt der Region zu besuchen. Im großen, neuen Hafen gibt es Marinas, Kreuzfahrtschiffe, Fähren und viel Infrastruktur. Im südlichen, alten Hafen kann man innen am Wellenbrecher meist allein festmachen, ohne dass jemand kassieren kommt. In dieser Stadt lohnt es sich, die italienische Mode für die nächste Saison einzukaufen, egal ob Schuhe oder Bekleidung. Selbst für den nautischen Bedarf ist hier alles erhältlich und auch das Angebot an Lebensmitteln scheinbar unbegrenzt. Einen Pflichtbesuch absolviert man beim heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Seefahrer. Eine eigene Kirche wurde über seinem Grabmal errichtet und Pilger aus aller Welt kommen hierher.

Bari ist die Hauptstadt Apuliens und ein sehenswertes Ziel. ©MZaitsev/stock.adobe.com

Italienischen Adriaküste Teil 6: Der südlichste Zipfel Italiens mit Brindisi und Otranto

Nimmt man den Weg weiter die Küste entlang, so erreicht man erst Polignano, dann Monopoli. Während ersterer sensationelle Höhlen mit Gastronomie anbietet (drei Kilometer von der Marina entfernt), die sich zum Meer hin öffnen, hat letzteres als eine der ersten Städte Apuliens sich bemüht, mit sauberen und gepflegten Häusern den Gästen einen Eindruck von absolutem Wohlgefühl zu vermitteln. Im Stadthafen darf man, wenn man sich bei der Küstenwache anmeldet, 24 Stunden gratis liegen. Durch das Hafentor erreicht man die Altstadt, in der man – und das ist in Süditalien selten – fast alle europäischen Sprachen hören kann.

In Monopoli darf man den ersten Tag kostenlos liegen. ©David Brown/stock.adobe.com

Nach einer weiteren langen Etappe von etwa 40 Seemeilen gelangt man an einen Wellenbrecher, der länger als eine Seemeile ist. Dahinter liegt Brindisi, ein schon zu römischer Zeit wichtiger Hafen, über den besonders die Heeresbewegungen nach Osten gelaufen sind. Deshalb endet auch die Via Appia hier, jene römische Straße, die bis heute von zwei Säulen direkt an der großen Treppe am Hafen markiert wird (also gut: eine ist bei einem Erdbeben vor 500 Jahren umgefallen).

Die verbliebene Säule markiert die Via Appia in Brindisi. ©Mi.Ti./stock.adobe.com

Man hat die Wahl, ob man im mittleren Hafen die Marina ansteuert oder im inneren Hafen direkt am Altstadtkai festmacht. Letzteres ist idyllisch und einzigartig, bietet durch die Hafenfähre leider aber auch eine Menge Schwell, die alle zwanzig Minuten passiert. In der Stadt selbst gibt es römische Ausgrabungen, die zeigen, dass dieser natürliche Hafen den Handel schon damals begünstigte. Am Altstadtkai trifft man immer wieder Segler, die auf langen Passagen sind. Limongello heißt das Zubehörgeschäft, das vor Ort (fast) alle Dinge auf Lager hat. Etwas weiter im inneren Hafenbecken hat die italienische Kriegsmarine einen Stützpunkt. Hier stehen ein paar große Schiffe in hellgrauer Farbe, die daran erinnern, dass die See nicht immer friedlich ist.

Auch in Brindisi findet man zentrumsnah gute Liegeplätze. ©Erika/stock.adobe.com

Die Ausfahrt aus Brindisi nach Süden erfordert wieder volle Konzentration: Einerseits sind hier viele Fähren und Transporter unterwegs, andererseits sind die Gewässer landseitig klippenverseucht. Es dauert eine Weile, bis man wieder in gleichmäßig tiefem Wasser in Sichtweite der strukturierten Küste unterwegs ist. Vorbei ziehen Casalabate und San Cataldo, aber die Häfen sind versandet oder nur für winzige Boote groß genug. Damit ist die erste Möglichkeit wieder anzulanden in San Foca.

Aber schon zehn Seemeilen später lockt Otranto: Das natürliche Hafenbecken, das nur gegen Osten offen ist, wird von einer Stadt bewacht, die sich immer noch in ihren mittelalterlichen Stadtmauern befindet. Anlegen gelingt nur selten, fast immer muss man mit den anderen Booten in guter Distanz zueinander vor Anker liegen. Manchmal sind am Grund Felsplatten, die ein Augenmerk erfordern, aber zumeist hält der Anker hier recht gut. Hier gibt es auch eine Tankstelle, an der auch Wasser erhältlich ist.

Absolut sehenswert, auch wenn Liegeplätze rar sind: Otranto. ©Serenity-H/stock.adobe.com

In der Stadt selbst scheint von der Architektur her die Zeit stehengeblieben zu sein: Innerhalb der Stadtmauern gibt es nur schmale Gassen, durch die keine Autos passen. Gaststätten haben ihre Tische und Stühle aufgebaut und Handwerksläden und Souvenirgeschäfte buhlen um ihre Kunden. Vom 12. bis 14. August wird gefeiert: Musik und Puppentheater sowie Maler und Künstler aller Art unterhalten am Abend die zahlreichen Gäste.

Und damit ist die Adria zu Ende, hier am östlichsten Punkt Italiens, dem Capo di Otranto. Auf den weniger als 60 Seemeilen rüber auf die andere Seite nach Griechenland oder Albanien gibt es dann auch wieder tausend Meter tiefes Wasser.

Fazit: Wer die Adria durchqueren möchte, muss keinesfalls zwingend nur die kroatische Küste befahren. Auch die italienische Adriaseite hat einiges zu bieten, darunter viele Häfen, die die Reise auch in Tagesetappen möglich machen.

Weitere Infos zur italienischen Adriaküste

Angeln

Das Angeln in Italien ist gesetzlichen Beschränkungen unterworfen. In Angelgeschäften kann eine Lizenz erworben werden. Kategorie D gilt für nicht in Italien wohnhafte Personen. Details zu den Regeln in den einzelnen Regionen, sogar Provinzen, findet man hier.

Ankern

In den Lagunen und an den Küsten vor Conero und Gargano ist das Ankern beliebt. Ein Abstand von 300 Metern zur Küste muss eingehalten werden. Nicht wundern, wenn die Ankerplätze am Abend leer werden: Der Italiener hat es im Allgemeinen nicht weit und übernachtet gerne im heimischen Hafen.

Wie hier auf den Tremiti-Inseln ist das Ankern auch in Italien beliebt. ©Michael Amme

Bohrinseln

Von Venedig bis zum Gargano stehen etwa 40 Bohrinseln. Viele sind klein und bestehen nur aus ein paar Stangen, andere sind riesige Plattformen. Manche stehen weit draußen im Meer, einige sind unweit der 10-Meter-Linie. Generell besteht ein Verbot, sich diesen Bauwerken auf weniger als 500 Meter anzunähern.

Nicht alle Bohrinseln sind so groß und gut sichtbar wie diese. ©Wolfgang Siebenhandl

Charter

Das Angebot an Charteryachten ist bescheiden und meist durch kleine lokale Anbieter geprägt. Davon aber gibt es erstaunlich viele, und wer sich an der italienischen Adriaküste auf einen Urlaubstörn begibt, wird im Gegensatz zum restlichen Italien (und überhaupt zu anderen Charterrevieren im Mittelmeer) eine ganz neue, weil sehr authentische Reiseerfahrung machen.

Auch im Südteil wie hier in Vieste in Apulien gibt es Chartermöglichkeiten. ©Michael Amme

Dokumente

Notwendig ist eine Bootszulassung (Libretto), also der internationaler Bootsbrief/Seebrief. Auch ein gültiger Führerschein (Licenza) wird genauso gefordert wie eine Versicherungsbestätigung (Assecurazione). Die Haftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von 7 Mio. Euro ist verpflichtend. Dieser Umstand wird sehr gerne kontrolliert, weshalb es gut ist, von der Versicherung eine italienischsprachige Bescheinigung mitzuführen.

Einklarieren

Wer aus einem Nicht-Schengenstaat kommt (z. B. Albanien, Montenegro, Türkei, Tunesien) muss einklarieren. Dieser Vorgang muss bei der Polizia di Stato durchgeführt werden, die jedoch nur in Otranto, Brindisi, Bari, Manfredonia, Ancona, Venedig und Triest Büros hat. Mehr dazu steht auch hier.

Fisch- und Muschelzuchtanlagen

Entlang der italienischen Adriaküste muss mit unzähligen Fisch- und Muschelzuchtanlagen vor der Küste gerechnet werden. Oft sind sie innerhalb oder außerhalb der 10-Meter-Linie, selten genau darauf. Da die Beleuchtung oft mangelhaft ist, empfiehlt es sich in der Nacht, mit fünf Seemeilen Abstand zur Küste zu fahren.

Auf See eine Plage, an Land köstlich: die Zucht und Ernte von Miesmuscheln. ©Wolfgang Siebenhandl

Gezeiten

In der nördlichen Adria beträgt der Tidenhub bei Springzeit etwa einen guten Meter. Wer die Lagunen besegelt, sollte deshalb einen Tidenkalender haben. Zumal durch diesen Tidenhub in den Zufahrten zu den Lagunen bis zu fünf (!) Knoten Strömung entstehen können. Hier sollte eine ungünstige Konstellation aus Welle, Wind und Strömung unbedingt vermieden werden. Im Winter, wenn auch nicht gebaggert wird, können lang anhaltende Nordwinde den Wasserstand soweit senken, dass die Hafeneinfahrten unpassierbar werden.

In den Lagunen ganz im Norden der Adria muss auch mit Strömungen gerechnet werden. ©Michael Amme

Guardia di Costiera/Guardia di Finanza

Die italienische Küstenwache (Guardia di Costiera) hat in beinahe jedem Hafen ein einsatzbereites Boot. Sie koordiniert die Verwaltung der Häfen und die Seenotrettung. Ich hatte mit der Küstenwache in etwa 500 Tagen an der italienischen Küste sicherlich 30 Kontakte – meist Kontrollen. Alle bis auf eine waren ausnahmslos freundlich und hilfsbereit.

Die 60.000 Mann starke Truppe der Guardia Finanza hat als Hauptaufgabe die Wirtschaftskriminalität zu bekämpfen, doch obliegt ihr auch der Zoll- und Grenzschutz. Deshalb haben sie auch Luft- und Seeeinheiten, die besonders gut ausgerüstet sind. An der Adria sind in Triest, Venedig, Rimini, Ancona, Pescara und Bari Seestützpunkte, weshalb die Chance besteht, auch mit dieser Art von Exekutive Bekanntschaft zu machen. Mein Erfahrungswert aus Begegnungen ist, dass sie ein wenig militärischer auftritt als die Küstenwache, weniger gut englisch spricht, aber genauso hilfsbereit ist.

Führt hin und wieder Kontrollen durch, bleibt aber meist freundlich: die Guardia di Finanza. ©cineberg/stock.adobe.com

Häfen

In den Häfen Italiens herrscht im Allgemeinen ein Ankerverbot, um Haltevorrichtungen oder Leitungen unter Wasser nicht zu beschädigen. Die meisten Häfen kann man direkt anlaufen, einen Platz suchen und anlegen. Einheimische sind meist freundlich, in jedem Fall dann, wenn man sie auf Italienisch anspricht. Bei wenigen Häfen verlangt die Guardia Costiera ein vorheriges Anmelden über Funk. Das hat weniger mit dem Hafen, als mit dem aktuellen Kommandanten der jeweiligen Station zu tun. Wie bei allen Menschen gibt es hier sehr großzügige und hilfsbereite, aber auch wichtige und geltungsbedürftige Personen.

Literatur

Dolce Vita an der Adria; Hafenführer für die gesamte italienische Ostküste und ganz Albanien; Wolfgang Siebenhandl, Auflage 2023/24. Bezug über: Wolfgang Siebenhandl, wolfas77@hotmail.com, 30 Euro plus Versand

Kartensatz für Sportboote (Cartografia Nautica per il Diporto); Istituto Idrografico della Marina Italia. Man benötigt drei Bände, um die gesamte Adria abzudecken: Triest bis vor Ancona, Ancona bis Otranto, Otranto bis Kalabrien. Leider vergriffen!

Die Website www.pagineazzurre.com ist für Italiener das Standardwerk mit vielen Infos zu allen Häfen. Hier kommen Aktualisierungen frühzeitig an die Öffentlichkeit.

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Wetter

Generell kann man sagen, dass im Sommerhalbjahr oft zu wenig, im Winter dafür schnell auch mal zu viel Wind bläst. Die Tiefdruckgebiete, die für die Adria ausschlaggebend sind, stammen entweder vom Atlantik ab, sind Ausläufer von nordalpinen Tiefs oder direkt im Mittelmeer entstanden. Typisch für die Adria ist die ungleichmäßige Fortbewegungsgeschwindigkeit der Tiefs, was die Vorhersage oft unsicher macht. Die Tiefdruckgebiete kommen gewöhnlich über die Po-Ebene, um dann direkt weiter nach Osten, oder die Adria entlang nach Südost zu ziehen. Oder sie driften direkt aus Westen über Kalabrien und verharren gerne am Ausgang der Adria.

Der übliche Sommerwind beginnt am späten Vormittag aus Nordwest (Maestrale) und schläft am Abend wieder ein. Dieses Geschehen läuft umso konstanter ab, je weiter südlich man ist. In der Gegend um Venedig kann sich die Situation aber auch so darstellen, dass ein leichter Südost in derselben Zeitspanne weht. Triest wird auch während des Sommers bisweilen für ein paar Stunden bis Tage von den kalten Fallwinden (Bora) erwischt. Ist eine Bora angekündigt, bedeutet das für die weit entfernte italienische Adriaküste, dass der Wind hier nur abgeschwächt ankommt, sich dafür aber durchaus eine nennenswerte Welle aufbaut.

Selten dreht im Sommer der Wind auf Südost, dann bringt der Schirokko schwüle und drückende Hitze. Nicht selten zusammen mit einem Frontgewitter, das mit heftigen Regenschauern ein wahres Inferno auslösen kann.

Der Schirokko bringt viel Staub mit. ©Antonio/stock.adobe.com

Kommt bei Nordwestwind im Laufe des Tages aus Südwest ein Dunststreifen auf, der scharf nach unten begrenzt ist und sich bald zur Wolkenbank formt, so steht ein Libeccio bevor. Es handelt sich um einen kurzen, dafür umso heftigeren Sommerwind aus Südwest, bei dem mit Gewitter und gewaltigen Regenschauern alles verloren geht, was nicht gesichert ist.

Insgesamt hat die Adria eine hohe Gewitterdichte: Im Norden liegt der Schnitt bei je fünf Gewittertagen im Juli und August, es sind aber auch schon 18 vorgekommen. Generell ist die Häufigkeit im Norden größer als im Süden. Charakteristisch ist die blaugraue Färbung von Luft und Wasser in den Stunden davor, verbunden mit schlechter Sicht. Oft kann man schon zwei Tage bevor die Gewitter die Grenze zwischen Land und See erreichen abends weit draußen Wetterleuchten sehen.

Wasserhosen nehmen in der Adria in den letzten Jahren laufend zu: Generell begünstigen warme Wassertemperaturen und kühle Luft diese Erscheinung, weshalb die Häufung im Oktober stattfindet und im Winterhalbjahr langsam verebbt. Neuerdings treten die Wasserhosen aber auch schon im Juli auf. Aus den tiefen Wolken löst sich ein Rüssel, der auf der Wasseroberfläche einen rotierenden Strudel hochreißt, bis sich die beiden zu einem Ganzen vereinen und dann völlig unvorhersehbar über die Wasseroberfläche stürmen. Diese Wettererscheinung kann durchaus lebensgefährlich sein!

Insbesondere im Spätsommer können Wasserhosen eine echte Gefahr werden. ©Wolfgang Siebenhandl

Wetterberichte

Der italienische Seewetterbericht, der Bollettino del Mare, wird vom meteorologischen Dienst der Luftwaffe herausgegeben. Er ist sowohl über VHF als auch über Internet zu erhalten: www.meteoam.it/meteomar/view

Für die Nordadria sind noch zwei weitere Websites empfehlenswert: Die zuverlässige Vorhersage, ob über Triest die Bora fegen wird, gibt es hier. Und Aufschluss über die aktuellen Wasserstände und Gezeiten in den Lagunen gibt es hier.

Diese Charter-Agenturen helfen dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter entlang der italienischen Adriaküste können auch diese Firmen behilflich sein:

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SV AURORA
SV AURORA
15 Tagen her

Kurze Info zu Bari: Die kostenlose Mole im alten Hafen ist zur Zeit wg. Bauarbeiten kaum nutzbar. Wir wurden weggeschickt, der Zugang zur Stadt ist verschlossen. Falls man trotzdem anlegt, bleibt nur das Dinghi um in die Stadt zu gelangen.

Axel Augspurger
Axel Augspurger
15 Tagen her

Herzlichen Dank für diesen großartigen und informativen Bericht. Eine Inspiration mal die Adria-Seite zu wechseln.