Acht Tipps zum Gebrauchtbootkauf

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Dirk Ammann ist Koordinator Vertrieb und Underwriting bei Europas führendem Anbieter von Yachtversicherungen Pantaenius und hat in seinen rund 20 Jahren so einiges gesehen, was schwimmt und Eigner gern abgesichert wissen möchten. Hier immer die richtige Einschätzung zu finden, geht nur mit eigener Erfahrung auf möglichst vielen Kielen. Groß geworden auf dem elterlichen Segelboot, war es lange vor allem das Dickschiff-Regattasegeln im Team, das Dirk faszinierte. Nach einem Intermezzo, das unter großer Maschine in die USA und die Karibik führte, ist der Hamburger heute öfter mit dem Pantaenius-Sicherungs-RIB auf Klassiker-Regatten anzutreffen. Und für den Notfall wartet der von seinem Vater gebaute Holz-Opti stets segelklar im Keller.

Der Weg zum Traumboot muss objektiv gegangen werden

Für viele angehende Yachteigner führt der Weg zum eigenen Schiff über den Kauf einer gebrauchten Yacht. Hier steckt allerdings manchmal der Teufel im Detail: Ein übersehener Mangel beim Kauf kann schnell zu einem finanziellen Desaster werden. Zudem stellt sich die Frage, ob das vermeintliche Traumboot überhaupt zu den Bedürfnissen von Skipper und Crew passt. Genauso vielseitig wie die Segelreviere der Welt sind, sind auch die Ansprüche an Segeleigenschaften, Sicherheit oder Komfort.

Der Kauf einer gebrauchten Yacht ist meist eine emotionale Angelegenheit. Nur leider kann ein rein emotional getriebener Kauf einer gebrauchten Yacht ungeplante Umbauten und Nachrüstungen nach sich ziehen, die meist teuer sind und nur selten optimal auf das ursprüngliche Yachtdesign abgestimmt werden können.

Um nicht in diese Falle zu tappen, ist vor dem Kauf eine möglichst objektive Betrachtung des Zustandes der Yacht und der eigenen Bedürfnisse und Ansprüche unerlässlich. Die folgenden Tipps sollen dabei helfen, den Weg zum eigenen Traumboot zu erleichtern und gleichzeitig die versteckten Risiken beim Gebrauchtboot möglichst kleinzuhalten.

Oft sind die Mängel bei einer gebrauchten Yacht nicht auf den ersten Blick erkennbar – hier Feuchtigkeit im Deck. ©Johannes Erdmann

1. Fahrtgebiet, Nutzung und Crew sind wichtige Entscheidungsfaktoren bei der Auswahl einer gebrauchten Yacht

Bevor man sich für den Kauf einer gebrauchten Yacht entscheidet, sollte man sich zunächst die Frage stellen, welches Boot sich überhaupt für das geplante Segelvorhaben eignet. Nicht jede Yacht passt zur angestrebten Nutzung, auch wenn sie noch so schön aussieht und gut ausgerüstet scheint. So muss eine Yacht für den sommerlichen Ostseetörn beispielsweise andere Eigenschaften haben als eine Blauwasseryacht für die weltweite Fahrt. Wer bei der nächsten Regatta siegen will, wird mit einer schweren Yacht nur wenig Freude haben.

Neben den Segeleigenschaften spielt das Raumkonzept unter Deck oft auch eine gewichtige Rolle beim Yachtkauf. ©Johannes Erdmann

Wenn auf der Yacht gelebt werden soll, sei es auf einem mehrwöchigen Sommertörn oder einer mehrjährigen Weltumseglung, muss sie anderen Komfort bieten als bei einer eher sporadischen Nutzung für Tages- oder maximal Wochenendtörns.

Gleiches gilt für die Crewstärke: Wie viele Leute sollen wie lange an Bord leben und sich dabei wohl fühlen? Während bei Einhandseglern die Ansprüche an die Yacht allein beim Skipper liegen, müssen bei größeren Crews unbedingt auch die Wünsche der Mitsegler berücksichtigt werden. Welchem frischgebackenen Eigner ist damit geholfen, wenn die Familie schon beim ersten gemeinsamen Urlaubstörn die Lust an der gemeinsamen Yacht verliert?

Für längere Törns mit größeren Crews braucht eine Yacht üblicherweise Platz und Wohnkomfort. ©Sönke Roever

Es ist hilfreich, all diese Überlegungen in einer Liste zusammenzufassen, mit der potentiellen Crew zu diskutieren und diese Liste dann als Grundlage für die Suche nach einer gebrauchten Yacht zu verwenden. Bei der Wahl der richtigen Yacht sind sicher immer Kompromisse nötig, aber so sind sie im Blick und es können gegebenenfalls schon Umbauten oder Nachrüstungen finanziell berücksichtigt werden.

2. Die eigene Einschätzung des Zustands einer gebrauchten Yacht

Wenn die zum Vorhaben passende Yacht gefunden ist, geht es zum nächsten Schritt. In den meisten Fällen ist das ein erster Besichtigungstermin. Dabei muss der allgemeine Pflege- und Instandhaltungszustand der Yacht möglichst zuverlässig beurteilt werden, um versteckte Kosten zu vermeiden. Die Schwierigkeit dabei ist, dass das Maß der Pflege und Wartung in der Eigenverantwortung des Eigners liegt. Im Gegensatz zum Auto gibt es bei Yachten kein vorgeschriebenes und vom TÜV überwachtes Wartungsintervall. Ob die Aussagen des Eigners zur Wartung, zu Vorschäden oder zum Zustand der Ausrüstung stimmen, muss also selbst beurteilt werden. Hilfreich sind hier Dokumentationen oder Rechnungen zu Wartungs-, Tausch- oder Reparaturarbeiten. Ein Vorschaden ist nicht zwangsläufig schlimm, wenn er fachgerecht repariert wurde. Gleiches gilt für Umbauten an der Yacht.

Bei Yachten mit Refit-Stau muss entschieden werden, ob sich ein Refit überhaupt noch lohnt. ©Johannes Erdmann

Einen Hinweis auf versteckte Schäden kann auch die vorherige Nutzung geben. Eine Charteryacht wurde wahrscheinlich weniger liebevoll behandelt als eine Eigneryacht, unterliegt aber mitunter strengeren Wartungsintervallen. Eine dauerhaft genutzte Yacht ist meistens stärker verschlissen, dafür wurden dort wahrscheinlich Schwachstellen eher entdeckt als bei einer Yacht, die nur selten genutzt wurde. Eine zurückliegende Atlantiküberquerung beansprucht das Material, besonders das Rigg, stärker als gelegentliche Ostseetörns.

Dieser Schaden an einem Ruderblatt wurde fachgerecht repariert. ©Sönke Roever

Generell sollte das Rigg genauer inspiziert werden. Wanten und Stagen, die älter als 25 Jahre sind, bergen ein Sicherheitsrisiko. Bei einem Rod-Rigg ist sogar schon nach 15 Jahren Vorsicht geboten. Mit älteren Wanten und Stagen wird es zudem schwierig, die Yacht zu versichern.

Übrigens: Eine üppige Ausrüstung, wie sie oft in Anzeigen für gebrauchte Yachten angepriesen wird, ist nicht unbedingt von Nutzen. Neben Zustand und Funktion sollte auch geprüft werden, ob die zusätzliche Ausrüstung wirklich nützlich ist oder beim angedachten Segel-Vorhaben eher im Wege steht.

Eine Windsteueranlage ist wichtig für eine Blauwasseryacht, aber für einen Daysailor eher nicht zu gebrauchen. ©Sönke Roever

3. Zu jedem Gebrauchtbootkauf gehört eine Probefahrt

Eine Probefahrt ist die einzige Möglichkeit, die Funktion des Schiffs unter Belastung zu überprüfen. Dabei zeigt sich beispielsweise, wie gut das laufende Gut funktioniert, wie die Bordelektronik und andere Ausrüstung arbeiten und wie sich das Schiff im Allgemeinen, aber auch bei Wind und Welle verhält.

Bei der Probefahrt sollte eine Segelyacht auch unter Segeln ausprobiert werden. ©Sönke Roever

Eigentlich beginnt die Probefahrt schon vor dem Verlassen des Hafens, nämlich mit dem Start des Motors. Springt dieser gut an und läuft er zuverlässig? Ein defekter Motor ist eine der größten Kostenfallen beim Kauf einer gebrauchten Yacht.

Ebenso können Geräusche Aufschluss über den Zustand des Schiffes geben. Wenn die Yacht an Stellen, an denen es nicht sein soll, quietscht, klopft oder andere ungewöhnliche Geräusche macht, muss unbedingt abgeklärt werden, warum das so ist. Nicht zuletzt ist auf dem Wasser auch ein Blick in die Bilge wichtig, um zu schauen, ob das Schiff wirklich dicht ist.

4. Bei gebrauchten Yachten müssen die Papiere stimmen

Zu jeder Yacht gehören verschiedene Unterlagen, Dokumente und Registrierungen, beispielsweise eine Betriebsanleitung, CE-Zertifizierungen und verschiedene Nummern wie Mast-, Motor- oder Rumpfnummern. Diese Unterlagen müssen mit den vorherigen Kaufverträgen, dem Bootsschein oder dem Flaggenzertifikat abgeglichen werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass das zum Verkauf stehende Boot auch wirklich das ist, was auf dem Papier steht. Mit dem Original-Kaufvertrag kann außerdem sichergestellt werden, dass die Yacht frei von Rechten Dritter wie Miteigentümern, Leasinggesellschaften oder Kreditinstituten ist und dass sie ordnungsgemäß versteuert wurde.

Zu jedem Motor gehört eine Motornummer (hier in der Bildmitte). ©Sönke Roever

5. Professioneller Check des Zustands einer gebrauchten Yacht

Für Laien ist es oft schwierig, den Zustand einer gebrauchten Yacht zuverlässig zu bestimmen. Um keine bösen Überraschungen mit teurem Nachspiel zu erleben, ist es besonders bei hochpreisigen Yachten empfehlenswert, die gebrauchte Yacht von jemandem mit Sachverstand beurteilen zu lassen. Nur so kann das Risiko minimiert werden, dass es folgenschwere Schäden am Rigg, am Rumpf, an der Elektrik oder am Motor gibt.

Gutachter haben nicht nur Sachverstand, sondern auch den wichtigen objektiven Blick auf den Zustand einer Yacht. ©Yacht-Sachverstand

Wird ein Sachverständiger zu Rate gezogen, muss dies nicht zwangsläufig ein zertifizierter Gutachter sein. Auch andere technisch versierte Personen wie beispielsweise ein Bootsbauer können den Zustand einer gebrauchten Yacht in der Regel gut beurteilen. Grundsätzlich kann es hilfreich sein, mehrere Fachleute mit verschiedenen Spezialgebieten hinzuzuziehen. Beispielsweise einen Rigger für das Rigg und einen Motorfachmann für die Maschine.

Rigger können den Zustand des Riggs oft besser beurteilen als Standardgutachter. ©Sönke Roever

Bestehen Zweifel am Zustand des Rumpfes, kann ein spezielles Gutachten erstellt werden. Eine Feuchtemessung gibt Aufschluss über Osmose bei GFK-Rümpfen und ein Schallgutachten kann beurteilen, ob ein Metallrumpf unter Korrosion gelitten hat. Holzrümpfe werden am besten von einem mit Holz vertrauten Bootsbauer beurteilt.

Eine Osmose-Kontrolle gibt Aufschluss darüber, ob der Rumpf intakt ist. ©Johannes Erdmann

6. Der Preis einer gebrauchten Yacht ist immer verhandelbar

Der Preis einer gebrauchten Yacht ist schwer zu bestimmen. Anders als bei Autos gibt es für Yachten keine Schwacke-Liste, die als Richtwert für den Preis dient. Selbst gebrauchte Serienboote sind oft unterschiedlich ausgestattet und haben dadurch nicht zwangsläufig den gleichen Wert.

Eine gute Möglichkeit, um sich zumindest eine Vorstellung vom üblichen Marktpreis einer gebrauchten Yacht zu machen, ist, sich in den Gebrauchtbootportalen umzuschauen. Doch aufgepasst: Die Preise von gebrauchten Yachten sind in der Regel verhandelbar, weshalb sie von Händlern und Privatverkäufern gerne etwas höher angesetzt werden. Nicht zuletzt hat auch der zuvor bestimmte Zustand einen direkten Einfluss auf die Preisverhandlungen.

Beim Kauf ein Schnäppchen, doch wie hoch werden die Sanierungskosten sein? ©Johannes Erdmann

Tipp: Beim Budget immer einen Puffer für spätere Verbesserungen einkalkulieren. In den seltensten Fällen muss bei einer gebraucht gekauften Yacht nicht nachträglich in die Ausrüstung oder Wartung investiert werden.

7. Auch beim Kauf muss einiges bedacht werden

Sind sich Verkäufer und Käufer einig, muss ein Kaufvertrag erstellt werden. In diesem sollte der Kaufgegenstand in einem Übergabeprotokoll genau dokumentiert werden. Neben den Zahlungsmodalitäten muss der Zeitpunkt des Eigentumsübergangs im Kaufvertrag oder im Übergabeprotokoll vermerkt sein. Ab diesem Zeitpunkt ist der Käufer für Schäden und Haftung verantwortlich. Ein Mustervertrag mit Übergabeprotokoll kann hier heruntergeladen werden.

8. Der Versicherungswechsel

Zum Abschluss kommt noch die Versicherung in Spiel. Hier laufen viele Punkte zusammen, die bereits genannt worden sind. Zum Beispiel der Zustand: Ist die anvisierte Gebrauchtyacht versicherbar? Das macht bei jungen Serienbooten in gutem Zustand in der Regel keine großen Probleme. Hat man es dagegen mit einer älteren Yacht, mit einem Einzelbau, gar einem Eigenbau oder einer besonders ausgestatteten Yacht zu tun, wird sicher eine detaillierte technische Dokumentation oder ein Gutachten vonnöten sein, um Zustand und Wert gegenüber der Versicherung dokumentieren zu können. Je besser die Dokumentation, desto einfacher. Aber auch die Frage des Fahrtgebiets kommt beim Thema Versicherung wieder zum Tragen. Nicht alle Anbieter versichern alle Yachten in allen angestrebten Fahrtgebieten.

Der Zustand der Yacht kann beim Versicherungswechsel eine Rolle spielen. ©Johannes Erdmann

Was die Versicherung selbst angeht, ist das Verfahren recht einfach: Die Versicherungen des alten Eigners gehen auf den Käufer über, der allerdings ein Sonderkündigungsrecht hat. Das gibt dem neuen Eigner die Gelegenheit, sich zu informieren und Versicherungsangebote einzuholen. Das sollte er auch dringend tun und die Angebote samt den zugrunde liegenden Bedingungen eingehend prüfen. Die Konditionen sind sehr verschieden und können sich gerade auf einer Langfahrt fernab der gewohnten Infrastruktur sehr unterscheiden.

Tipp:
Je weniger eine Versicherung über den Zustand der Yacht wissen möchte, desto genauer sollte man in den jeweiligen Bedingungen die Ausschlüsse angucken.

Wurden die Risiken eingegrenzt, hält die Freude auch nach dem Bootskauf an. ©Sönke Roever

Fazit

Der Kauf einer gebrauchten Yacht ist meist eine emotionale Angelegenheit. Doch das vermeintliche Traumboot zum Schnäppchenpreis kann sich schnell in einen finanziellen Alptraum verwandeln. Nur eine objektive Betrachtung kann die Risiken minimieren und sicherstellen, dass die Folgekosten überschaubar bleiben und Skipper und Crew mit Freude in ihr neues Segelabenteuer starten können.

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Pantaenius Yachtversicherungen

Seit 50 Jahren bietet Pantaenius Eignern, Skippern und Crews ausgezeichneten Versicherungsschutz. Über 100.000 Kunden machen das Unternehmen zu Europas führendem Spezialisten für Yachtversicherungen.

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