Malta und das Rolex Middle Sea Race: 600 Seemeilen rund Sizilien

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Michael ist seit über 25 Jahren als Journalist und Fotograf auf dem Wasser unterwegs. Der studierte Geograf hat weltweit Reisereportagen in mehr als 100 Charter- und Blauwasserrevieren produziert. Zudem haben den Hamburger viele Segelreisen und seine frühere Tätigkeit als Charter- und Überführungsskipper rund um den Globus geführt. Michael ist ein gefragter Referent auf Bootsmessen und in Seminaren.

Eine der schönsten Langstreckenregatten der Welt beginnt in Malta

Das Rolex Middle Sea Race zählt zu den bekanntesten Offshore-Regatten im Mittelmeer. Der traditionsreiche Langstreckenklassiker führt jährlich über rund 600 Seemeilen von Malta aus gegen den Uhrzeigersinn rund um Sizilien und zurück. Schon der Start vor den historischen Festungsmauern Vallettas bietet eine spektakuläre Kulisse. Anschließend passiert die Flotte Vulkaninseln, schroffe Küsten und kleine Archipele – und verbindet sportliche Herausforderung mit einem der eindrucksvollsten Segelreviere Europas.

©BLAUWASSER.DE

Wer das Revier näher kennenlernen möchte, findet in unserer Revierinformation zu Malta, Gozo und Comino ausführliche Informationen zu Windbedingungen, Marinas, Ankerplätzen und den Besonderheiten des maltesischen Archipels.

Fragt man Menschen, was sie mit Malta verbinden, fallen die Antworten höchst unterschiedlich aus. Die einen denken an jahrtausendealte Tempelanlagen, prunkvolle Paläste und den berühmten Malteserorden. Andere erinnern sich an den Sprachkurs kurz vor dem Englisch-Abitur, wieder andere an die spektakulären Kulissen der Kultserie „Game of Thrones“.

Egal ob Segler oder Tourist: Das historische Zentrum von Maltas Hauptstadt Valletta besuchen alle. ©Michael Amme

Unter Seglerinnen und Seglern fällt dagegen fast immer derselbe Name: das Rolex Middle Sea Race. Die Regatta, die 1968 erstmals ausgetragen wurde, zählt heute zu den beliebtesten Langstreckenregatten der Welt. Ihr Erfolg beruht nicht zuletzt auf dem außergewöhnlichen Seegebiet, durch das sie führt.

Start vor den historischen Mauern von Valletta

Legendär ist nicht nur die außergewöhnliche Schönheit des Reviers, sondern auch das Startprozedere: Die Startlinie liegt im Naturhafen Grand Harbour, der tief in die Nordostküste Maltas einschneidet. Auf der einen Seite erhebt sich die historische Parkanlage Upper Barrakka Gardens über dem Wasser, auf der anderen wacht die mächtige Festung Fort St. Angelo über den Hafen. Diese Kulisse gehört zu den meistfotografierten Motiven des Rolex Middle Sea Race.

Das Rolex Middle Sea Race ist offen für alle Bootsklassen. ©ROLEX/Kurt Arrigo

Für jede Startgruppe feuert ein uniformierter Richtschütze in den Upper Barrakka Gardens einen Schuss aus einer der historischen Kanonen der Saluting Battery ab. Die Flotte ist dabei breit gefächert: Neben hochmodernen Rennmaschinen sammeln sich an der Startlinie ebenso ambitionierte Fahrtenyachten, aufgemotzte Charteryachten und klassische Familienboote.

Acht Kanonen stehen auf der Terrasse der Saluting Battery in Reih und Glied mit Blick auf den Grand Harbour. Die historische Anlage blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück. Die heute täglich stattfindende Zeremonie mit dem Mittagsschuss wurde zum EU-Beitritt Maltas im Jahr 2004 wieder aufgenommen und zählt mittlerweile zu den beliebtesten Attraktionen Vallettas.

Stilecht fällt der Startschuss aus einer der acht historischen Kanonen der Saluting Battery. ©Judith Duller

Diesen Kanonenschuss einmal vom Cockpit einer Yacht aus zu erleben, während unmittelbar vor dem Start die Anspannung steigt, steht auf der Wunschliste vieler Seglerinnen und Segler. Genau diese Mischung aus spektakulärer Kulisse, sportlichem Anspruch und familiärer Atmosphäre macht den besonderen Reiz des Rolex Middle Sea Race aus. Jahr für Jahr lockt die Regatta über tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt nach Malta und bietet ihnen eine einzigartige Kombination aus sportlichem Wettkampf, maritimer Tradition und eindrucksvoller Kulisse.

Malta und seine jahrhundertealte Seefahrtstradition

Die lange maritime Geschichte Maltas verleiht dem Rolex Middle Sea Race eine besondere Note. Die zentral im Mittelmeer gelegene Insel war über Jahrhunderte hinweg ein wichtiger Knotenpunkt für Handel und Seefahrt. Das Meer war dabei nicht nur Lebensgrundlage, sondern auch ein entscheidender Faktor für die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Archipels.

Etwa 100 Yachten und 1.000 Segler treffen sich zum jährlichen Start des Rolex Middle Sea Race. ©ROLEX/Kurt Arrigo

Bereits Phönizier, Römer und Araber nutzten Malta als Zwischenstation auf ihren Handelsrouten. Ab dem 16. Jahrhundert prägten die Ritter des Johanniterordens, besser bekannt als Malteserorden, die Geschichte der Insel. Sie bauten die Naturhäfen systematisch aus, errichteten Werften, Festungen und Bastionen und machten Malta zu einem der bedeutendsten maritimen Stützpunkte im Mittelmeer.

Auch heute ist die Werftindustrie noch immer ein Standbein der maltesischen Wirtschaft. ©Michael Amme

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Insel als Teil des Britischen Empires zu einem wichtigen Stützpunkt der Royal Navy. Auch im Zweiten Weltkrieg spielte Malta aufgrund seiner strategischen Lage eine zentrale Rolle für die alliierten Seestreitkräfte.

Bis heute ist die maritime Tradition allgegenwärtig. Malta gilt als gefragter Standort für maritime Dienstleistungen und zählt zu den attraktivsten Flaggenstaaten für Yachten weltweit. Vor diesem Hintergrund erscheint es nur folgerichtig, dass eine der bekanntesten Offshore-Regatten Europas ausgerechnet hier ihren Ausgangspunkt hat.

Malta ist in der Yachtindustrie ein zuverlässiger und gefragter Flaggenstaat. ©Michael Amme

Der Royal Malta Yacht Club und die Entstehung des Rolex Middle Sea Race

Ausgerichtet wird das Rolex Middle Sea Race vom Royal Malta Yacht Club (RMYC). Als ältester Yachtclub im Mittelmeerraum spielt er seit Jahrzehnten eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Segelsports auf Malta. Gegründet wurde der Club um 1835 von auf der Insel stationierten britischen Marineoffizieren. Später erhielt er von Königin Victoria eine königliche Urkunde und wurde zum Royal Malta Yacht Club erhoben.

Der RMYC befindet sich an der Küste von Ta’ Xbiex und verfügt über eine eigene Hafenanlage, ein modernisiertes Clubhaus sowie ein beliebtes Restaurant am Wasser. Darüber hinaus engagiert sich der Club intensiv in der Segelausbildung und veranstaltet das ganze Jahr über Offshore- und Inshore-Regatten. Höhepunkt des Regattakalenders ist jedoch zweifellos das Rolex Middle Sea Race.

Der Royal Malta Yacht Club ist auch Veranstalter des Rolex Middle Sea Race. ©Judith Duller

Die Regatta wurde einst von vier Seglern ins Leben gerufen – zwei in Malta lebenden Briten sowie den beiden maltesischen Yachtclub-Mitgliedern John und Paul Ripard. Deren Söhne und Enkel zählen bis heute zu den führenden Skippern, die es bei diesem Rennen Jahr für Jahr zu schlagen gilt. Ihre Idee war ebenso einfach wie ambitioniert: ein Rennen, das länger und anspruchsvoller sein sollte als alles, was damals in dieser Region üblich war. Nach einigen Diskussionen fiel die Wahl auf eine Umrundung Siziliens mit Start und Ziel in Malta – die Geburtsstunde einer Regatta, die heute zu den renommiertesten Offshore-Wettbewerben Europas zählt.

An der ersten Austragung des damals lediglich „Middle Sea Race“ genannten Rennens nahmen nur acht Yachten teil. Das Rennen stieß jedoch von Beginn an auf große Unterstützung in der Bevölkerung sowie bei den maltesischen Behörden und Institutionen. Zum Sieger krönte sich mit einer Swan 36 das kleinste Boot der Flotte. An der Preisverleihung nahm zudem Sir Francis Chichester teil, der erst kurz zuvor mit seiner Solo-Weltumsegelung in die Geschichte des Segelsports eingegangen war.

Der aktive Vulkan von Stromboli ist eine der Wendemarken des Rolex Middle Sea Race. ©Michael Amme

Vom Geheimtipp zur internationalen Großregatta

Das Middle Sea Race wurde in den folgenden Jahren regelmäßig im Oktober ausgetragen, wobei die Teilnehmerzahlen zunächst bei rund 30 Yachten lagen. Mit dem Einstieg von Rolex als Titelsponsor im Jahr 2002 begann für das heutige Rolex Middle Sea Race jedoch eine neue Ära. Die Teilnehmerzahlen stiegen kontinuierlich, die internationale Aufmerksamkeit nahm deutlich zu und die Regatta entwickelte sich zu einer der bekanntesten Offshore-Veranstaltungen Europas.

2009 verlegte man den Start der Regatta in den Grand Harbour. 2014 wurde erstmals die magische Marke von hundert teilnehmenden Yachten überschritten. Beim Jubiläumsrennen zum 50-jährigen Bestehen gingen 2018 schließlich 130 Yachten aus 29 Nationen an den Start – bis heute ein Rekord für die Veranstaltung.

Mit am Start sind auch immer prestigeträchtige Yachten mit Rekordambitionen. ©ROLEX/Kurt Arrigo

Auch sportlich schrieb das Rolex Middle Sea Race immer wieder Geschichte. 2021 beendete der 100-Fuß-Maxi COMANCHE unter Skipper Mitch Booth das Rennen bei idealen Bedingungen in 40 Stunden und 17 Minuten. Damit stellte die Yacht einen neuen Monohull-Rekord auf und gewann die Regatta zugleich nach berechneter Zeit. Der MOD70 ARGO setzte im selben Jahr mit 33 Stunden und 29 Minuten eine neue Bestmarke für Mehrrumpfyachten.

Fest im Gedächtnis vieler Seglerinnen und Segler verankert bleibt auch die Auflage von 2007, während der ein massives Tiefdruckgebiet über das Regattafeld fegte, sodass von 57 gestarteten Yachten lediglich 17 das Ziel erreichten. Ein unter australischer Flagge segelnder 60-Füßer ging vor der Nordküste Siziliens verloren, die Besatzung konnte jedoch von der italienischen Luftwache und der Küstenwache unverletzt geborgen werden. Der 90-Fuß-Maxi RAMBLER nutzte das Frontsystem hingegen für einen neuen Streckenrekord, der anschließend 14 Jahre lang Bestand haben sollte.

Stets machen sich auch kleine Yachten auf den 606 Seemeilen langen Weg dieser Traditionsregatta. ©ROLEX/Kurt Arrigo

Heute zählt das Rolex Middle Sea Race zu den großen Klassikern des Offshore-Segelns. Die Mischung aus anspruchsvoller Navigation, wechselhaften Wetterbedingungen, spektakulärer Kulisse und vergleichsweise niedrigschwelligem Zugang macht die Regatta für Profis ebenso interessant wie für ambitionierte Amateursegler. Wer einmal zwischen den Festungsmauern von Valletta gestartet ist und auf einem 600 Seemeilen langen Kurs rund um Sizilien segelt, versteht schnell, warum diese Regatta für viele Seglerinnen und Segler zu den großen Lebensträumen gehört.

Auch die Start- und Zielkulisse rund um die große Hafenbucht von Maltas Hauptstadt Valletta ist einzigartig. ©ROLEX/Kurt Arrigo

Alle Infos zum Rolex Middle Sea Race (RMSR)

Was ist das RMSR?

Eine traditionsreiche Offshore- und Langstreckenregatta, die seit 1968 jedes Jahr im Oktober vom Royal Malta Yacht Club veranstaltet wird. Das Rennen zählt zu den bekanntesten Segelveranstaltungen im Mittelmeerraum.

Wie verläuft der Kurs beim Rolex Middle Sea Race?

Start und Ziel liegen im Grand Harbour von Valletta auf Malta. Der ganz genau 606 Seemeilen lange Kurs führt gegen den Uhrzeigersinn rund um Sizilien. Dabei werden mehrere Inseln passiert sowie die zwei aktiven Vulkane Stromboli und Ätna umrundet beziehungsweise passiert.

Wie viele Yachten nehmen am Rolex Middle Sea Race teil?

In der Regel gehen mehr als 100 Yachten an den Start. Insgesamt nehmen jedes Jahr über 1.000 Seglerinnen und Segler aus zahlreichen Nationen an der Regatta teil.

Welche Yachten dürfen am RMSR teilnehmen?

Teilnahmeberechtigt sind Monohulls mit gültigem IRC- oder ORC-Zertifikat, Multihulls mit MOCRA-Rating sowie One-Design-Klassen. Die Boote reichen von rund neun bis über 30 Meter Länge und müssen für Hochseeregatten entsprechend ausgerüstet sein.

Jede Bootsklasse hat ihren eigenen Start vor historischer Kulisse. ©Francesca Vincenti

Wie erfolgt die Wertung?

Gewertet wird nach berechneter Zeit in den Klassen IRC, ORC, IRC Double-Handed und MOCRA. Für One-Design-Klassen können bei ausreichender Teilnehmerzahl eigene Wertungen eingerichtet werden. Die schnellste Monohull- beziehungsweise Multihull-Yacht erhält zusätzlich die sogenannten Line Honours.

Was kostet die Teilnahme am RMSR?

Die Startgebühr richtet sich nach der Länge der Yacht und liegt derzeit (2026) zwischen 1.000 Euro und 5.750 Euro. Für Yachten ab 29 Metern Länge werden 231 Euro pro Meter berechnet. Hinzu kommt eine einmalige Verwaltungsgebühr von 200 Euro.

Wie lange dauert das Rolex Middle Sea Race?

Die Renndauer hängt von Wetterbedingungen und vom Bootstyp ab. Die schnellsten Yachten erreichen das Ziel meist nach etwas mehr als zwei Tagen, während kleinere und langsamere Boote häufig fünf bis sechs Tage unterwegs sind. Der aktuelle Monohull-Streckenrekord liegt bei 40 Stunden und 17 Minuten.

Je nach Bootsgröße und Wetter sind die Yachten zwischen zwei und sechs Tagen nonstop auf See. ©ROLEX/Kurt Arrigo

Kann ich auch ohne eigene Yacht am RMSR teilnehmen?

Ja. Der Royal Malta Yacht Club bietet eine eigene Crewbörse an. Darüber hinaus gibt es verschiedene Kojencharter- und Mitsegelangebote auf Regatta- und Offshore-Yachten. Dadurch können auch ambitionierte Seglerinnen und Segler ohne eigenes Boot am Rolex Middle Sea Race teilnehmen.

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