Langlebigkeit von Segeln: Pflege, Reinigung, Lagerung, Wartung und Schutz

Von Uwe Kock

Uwe Kock ist Inhaber der Schultz Segel GmbH in Kiel und baut seit mehr als 40 Jahren Segel für Regatta-, Fahrten- und Langfahrtsegler. Er segelt seit seiner Jugend und hat über die Jahrzehnte an unzähligen Regatten teilgenommen. Aktuell segelt er zudem regelmäßig in der klassischen Szene auf der 8M-R-Yacht FEO von 1927.

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Segel brauchen Aufmerksamkeit

Die Segel sind der Antrieb der Fahrtenyacht und nicht wenige Eigner investieren relativ viel Geld in die Segelgarderobe. Wer sich ein neues Segel anschafft, möchte für gewöhnlich, dass dieses für eine lange Zeit an Bord eingesetzt werden kann. Dafür sind logischerweise ein gewisses Maß an Pflege, Reinigung und Wartung sowie die richtige Lagerung außerhalb der Saison unerlässlich. Das ist jedoch nur die halbe Miete. Die Langlebigkeit von Segeln hängt auch vom Umgang mit dem Segel während des eigentlichen Segelns ab.

Vor dem Hintergrund habe ich eine kleine Liste von Tipps erstellt, die helfen sollen, die Langlebigkeit der Segelgarderobe zu gewährleisten. Viel Spaß damit.

Segel-Killen verhindern

Unabhängig davon, ob es sich um ein Laminat- oder Dacronsegel handelt – langes Killen ist mittelfristig der Tod eines jeden Segels. Dazu ein Beispiel: Nimmt der Wind zu, kommt es bei den meisten Segeln zum Killen des Achterlieks. Insbesondere bei Dacronsegeln tritt dieser Effekt auf, da dieses Segeltuch vergleichsweise stark dehnt. Das dauerhafte Killen beansprucht die Fasern und führt auf Dauer zu einer Materialermüdung, die vermeidbar wäre.

Mit Hilfe der Liekleinen-Spannung wird das Killen am Achterliek reguliert.

In diesem Fall führt das Abstellen des Killens durch eine Korrektur der Liekleinen-Spannung zu einer Verlängerung der Lebensdauer des Segels.

Vorliek-Spannung beachten

Jeder Segeltrimmer weiß, dass das Vorliek Einfluss auf das Profil des Segels hat. Es wird in Abhängigkeit von der Windstärke über die Fallspannung getrimmt. Wird das Vorliek über das Fall stark gespannt, kann eine zusätzliche Spannung des gegenüberliegenden Stags – etwa durch dichtnehmen des Achterstag-Spanners bei einem toppgetakelten Rigg – das Vorliek überdehnen. Gleiches gilt auch für die Benutzung von Backstagen bei nicht toppgetakelten Riggs. Das ist ein Schaden, der irreparabel ist und das Profil des Segels dauerhaft verändert.

Die Fock scheuert bei dieser Yacht auf dem Bugkorb.

Scheuerstellen vermeiden

Auf einer Fahrtyacht gibt es genug Stellen, an denen das Segel scheuern kann. Beispielsweise Salinge, Relingsstützen, Wanten, Stagen oder am Bugkorb. Daher sollte es sich jeder Eigner zur Aufgabe machen, regelmäßig bei verschiedenen Segelstellungen zu überprüfen, wo das Segel potentiell scheuern könnte oder gar scheuert. Diese Stellen müssen optimiert werden.

Selbstklebender Salings-Patch auf einem Großsegel

Wird beispielsweise lange Zeit auf einem Kurs vor dem Wind gesegelt – etwa im Rahmen einer Atlantiküberquerung – kann es beim Großsegel vorkommen, dass dieses auf der Saling scheuert. Eine solche Stelle gehört mit einem sogenannten Salings-Patch verstärkt. Das ist eine Art Flicken, der auf das Segeltuch aufgebracht wird und in der Folge anstatt des Segeltuches durchscheuert. Ist der Flecken verschlissen, kann er unkompliziert erneuert werden. Viele Segler verwenden hierfür eine selbstklebende Folie, wie sie für Segelnummern verwendet wird. Zuschneiden, aufkleben, fertig.

UV-Strahlung beschädigt auf Dauer das Segel.

In dem Zusammenhang wird auch ein anderes Thema gerne unterschätzt. Hat das Großsegel durchgehende Latten und das Rigg eine Takelung mit gepfeilten Salingen, kann es sein, dass die Lattentaschen vor dem Wind auf dem Oberwant scheuern. Dann hilft eine Verstärkung dieser Stellen mit Gurtband, die Langlebigkeit des Segels zu erhöhen.

Segel schützen

Nach jedem Törn müssen die Segel vor Schmutz aus der Luft, Regen und Sonnenschein geschützt werden. Das liegt auf der Hand. Dennoch sieht man immer wieder Schiffe, deren Crew das Benutzen von Persenningen nur unzureichend anwendet. Dabei hilft es zu wissen, dass insbesondere die von der Sonne ausgesandte UV-Strahlung der Hauptfaktor bei der Alterung von Segeltuch ist. Bei Roll-Vorsegeln kann statt einer Persenning alternativ auch ein dauerhafter UV-Schutz angebracht werden.

Persenninge schützen das Segel vor Schmutz, Regen und UV-Strahlung.

Tipp: Wird das Vorsegel mit einer Persenning geschützt, ist es trotzdem ratsam, das Segel mit einem UV-Schutz auszustatten. Das hat den Vorteil, dass das Segel nicht ständig ein- und ausgepackt werden muss und das Segel auch in den Segelpausen außerhalb des Hafens vor der aggressiven UV-Strahlung geschützt wird.

Generell sollte ein UV-Schutz auf dem Roll-Vorsegel vollflächig verklebt und mit extrastarkem DABOND-Garn vernäht werden. Das ist ein besonders starkes Garn mit einer Beschichtung, die es vor den UV-Strahlen schützt.

Vorsegel mit aufgeklebtem UV-Schutz (die schattierte Fläche am Rand)

So gesehen könnte man auf die Idee kommen, nur den aufgeklebten/aufgenähten UV-Schutz zu verwenden. Davon möchte ich abraten, da eine Persenning deutlich besser vor Feuchtigkeit schützt und verhindert, dass Regenwasser in das aufgerollte Segel läuft. Vor allem bei Laminatsegeln ist das ein wichtiges Thema, da sie nicht sonderlich atmungsaktiv sind. Bei gewebten Tüchern wir Hydra-Net oder SQ-Dacron ist das hingegen weniger relevant, da sie relativ atmungsaktiv sind und einen guten Abtransport der Feuchtigkeit erlauben.

Wird das Schiff mit stehendem Rigg längere Zeit im Hafen oder an Land gelassen, sollten die Segel abgeschlagen werden. Sie können unter Deck oder in einem entsprechenden Lager verstaut werden. Auch das erhöht die Lebensdauer.

Blauwasseryacht mit abgeschlagenen Segeln im Winterlager

Segel richtig einrollen

Ein weiteres Augenmerk sollte darauf gerichtet werden, das Segel möglichst glatt und nicht zu eng einzurollen. Werden starke Falten mit Druck eingerollt, kann es passieren, dass sie dauerhaft im Segel verbleiben, da die Faser an der Stelle geschwächt ist.

Außerdem gilt: Werden Rollreffsegel feucht eingerollt, kommt es mit der Zeit zu Schimmelbildung. Insbesondere in den warmen, feuchten Perioden des Sommers besteht hierfür eine erhöhte Gefahr. Natürlich lässt es sich nicht immer vermeiden, ein feuchtes Segel einzuholen. Allerdings sollte das Segel dann im nächsten Hafen getrocknet werden.

Ein Großsegel wird im Hafen getrocknet.

Segel spülen

Es gibt wohl kaum ein Segel aus dem Hochseebereich, das nicht irgendwann mal größere Mengen Salzwasser abbekommen hat – beispielsweise durch überkommende Gischt. Sofern es danach nicht längere Zeit in Strömen geregnet hat, müssen solche Segel am Saisonende mit Frischwasser gespült werden. Ich denke, dass es sich von selbst versteht, dass ein Segel, welches ständig dem Salzwasser ausgesetzt ist, nach dem Trocknen immer noch Salzkristalle im Gewebe hat. Dieses Salz zieht immer wieder Feuchtigkeit an, also auch im Lagerraum nach der Saison. Daher darf nicht vergessen werden, die Segel vor dem Einlagern gründlich zu spülen/reinigen. Dies kann mit einer milden Seifenlösung erfolgen.

Vor dem Einlagern sollte das Segel gründlich gespült werden.

Segel lagern

Werden Segel zusammengelegt, so sollten sie trocken und locker aufgerollt in ausreichend großen Säcken gelagert werden. Der Lagerraum selbst wiederum sollte möglichst trocken sein und über eine ausreichende Belüftung verfügen. Dies beugt Spark oder Schimmel vor.

Der Segel-Lagerraum sollte möglichst trocken und ausreichend belüftet sein.

Weichere Tourensegel können übrigens gestapelt werden. Laminat-Segel hingegen sollten locker gelegt werden. Harte Regattasegel wiederum sollten knickfrei in gerolltem Zustand eingelagert werden, da durch das Knicken die Fasern brechen können.

Diese Segel lagert über Winter in einer Yacht. Dann muss ausreichend gelüftet werden.

Segel reinigen

Hat das Segel dennoch Flecken in Form von Schimmel bekommen, können diese mit besagter Seifenlösung gereinigt werden. Mit hochprozentigem, reinem Alkohol aus der Apotheke können die Stellen zudem desinfiziert werden. Eine gründliche Trocknung im Anschluss ist unerlässlich.

Tipp: Besonders Laminat-Sandwichtuche neigen verstärkt zu Stockfleckenbildung. Treten sie auf, ist eine 1%ige Chlorlösung hilfreich. Nachträgliches Ausspülen muss sein.

Segel prüfen

Immer wieder kommt es vor, dass im Frühjahr nach dem Setzen Schäden an den Segeln entdeckt werden. Hier kann man durch eine rechtzeitige Überholung vorbeugen. Etliche Segelmacher wissen um diesen Umstand und bieten günstige Pauschalangebote zur Durchsicht der Segel an. Werden dabei größere Reparaturen entdeckt, sollte ein genaues Angebot erstellt und das weitere Vorgehen mit dem Segelmacher besprochen werden.

Fazit

Die Langlebigkeit eines Segels kann vom Nutzer stark beeinflusst werden. Daher ist es wichtig, die genannten Punkte zu kennen und in der Praxis anzuwenden. Die Belohnung dafür ist eine lange Freude am Segel.

Weitere Informationen auch unter www.schultz-segel.de

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