Segelkauf: Was muss ich bei der Bestellung beachten?

Von Redaktion Blauwasser.de

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Titelfoto: ©️Elvström

Die Wahl der richtigen Segel für eine Yacht ist einfacher als gedacht!

Dacron, Laminat, Membran, Kohlefaser, diverse Tuchstärken und Schnitte, lange Latten oder kurze Latten und all die Reffsysteme … Der Kauf neuer und vor allem passender Segel für eine Yacht sieht auf den ersten Blick nach einer Herausforderung aus, die der Eigner nur schwer allein meistern kann. Die gute Nachricht: Es reicht, sich auf einige wenige und einfache Grundfragen beim Segelkauf zu konzentrieren!

Unterm Strich spielen beim Kauf eines neuen Segels genau genommen nur drei übergeordnete Fragestellungen eine Rolle:

  • Was für einen Yachttyp segle ich?
  • Was für einen Törn habe ich typischerweise mit dem Segel vor?
  • Welche persönlichen Faktoren spielen eine Rolle?

Der Rest kann getrost dem Profi überlassen werden. Durch die Beantwortung dieser Fragen hat ein kompetenter Segelmacher alle Angaben zur Hand, um ein optimal auf die individuellen Bedürfnisse angepasstes Segel herzustellen.

Die Anforderungen an Segel sind sehr unterschiedlich. Hier: Blauwassersegeln. ©Sönke Roever

Frage 1: Was für einen Yachttyp segle ich?

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Besegelung optimal zur Bauform der Yacht passt. Segelmacher brauchen also alle wichtigen Maße, um ein ideal geschnittenes und bestmöglich an den Yachttyp angepasstes Segel herzustellen. Für die Übermittlung der Maße an den Segelmacher kommen drei Szenarien in Frage.

Segel für Yachten aus Einheitsklassen

Eigner von Segelyachten aus Einheitsklassen haben es einfach. Um einen fairen Wettkampf zu gewährleisten, verfügen alle Yachten der Klasse auch über dieselbe Segel-Bauform. Hier sind die Maße genormt. Die Segelmacher haben alle notwendigen Daten und Vorgaben zur Herstellung einer neuen Besegelung vorliegen. Folglich reicht ihnen als Vorgabe lediglich die Angabe der Segelklasse.

Bei Einheitsklassen-Booten sind die Segel genormt. ©Sönke Roever

Segel für Yachten bekannter Werften

Ähnlich einfach ist es für Yachtbesitzer, die Yachten der gängigen Werften segeln. Auch hier haben die Segelmacher meist schon die notwendigen Daten vieler Bootstypen gespeichert. Doch aufgepasst: Werften nehmen über die Jahre durchaus auch Veränderungen zur Verbesserung einer Yachtserie vor. Es reicht also nicht aus, nur die Marke anzugeben, wichtig sind auch das genaue Modell und das Baujahr.

Dazu ein Beispiel: Wer neue Segel für die unter Blauwasserseglern beliebte 42-Fuß-Yacht vom Hersteller Hallberg-Rassy kaufen möchte, muss zwingend auch die genaue Typenbezeichnung angeben. Die zwischen 1980 und 1991 gebaute 42E ist beispielweise eine Ketsch und hat folglich einen komplett anderen Segelplan als die zwischen 1990 und 2001 gefertigte Sloop mit der Bezeichnung 42F.

Beim Segelkauf berät der Segelmacher den Kunden. ©Messe Düsseldorf/ctillmann

Segel für alle anderen Yachten

Wurde das Rigg modifiziert oder ist die Yacht ein exotischeres Modell, welches nicht in den Listen der Segelmacher zu finden ist, muss die Yacht vermessen werden. Auch das ist, wenn auch etwas aufwendiger, recht einfach zu bewerkstelligen. Viele Hersteller bieten dazu Anleitungen und Listen mit praktischen Grafiken an, mittels derer Schritt für Schritt die Komponenten und Maße bestimmt werden können.

Bei der Segelgestaltung spielen Takelung und Reffsystem eine wichtige Rolle. ©OneSails

Normalerweise braucht der Segelmacher ein paar allgemeine Angaben zur Yacht – beispielsweise die Länge, die Breite, das Gewicht, die Takelung und die Bauform (Einrumpfyacht oder Katamaran).

Außerdem müssen verschiedene Komponenten des Riggs vermessen und Angaben zum Reffsystem, zur Segel-Befestigung am Baum und zur Mastschiene gemacht werden.

Tipp: Besonders praktisch zum Vermessen ist ein langes Rollmaßband mit einer Schlaufe am Ende, das auch am Fall angeschäkelt werden kann. Bei Segelmachern gehört es zur Standardausrüstung.

Frage 2: Was für einen Törn habe ich typischerweise mit dem Segel vor?

Entscheidend für die Herstellung von Segeln ist neben der Form vor allem auch der Bestimmungszweck. Hierbei spielen verschiedene Aspekte eine Rolle und es ist hilfreich, wenn ich die folgenden Punkte schon einmal gedanklich durchgespielt habe, bevor ich einem Segelmacher gegenübertrete, um über ein neues Segel zu sprechen.

Regatta oder Fahrtensegeln

Bei einem Segel für Regatten kommen andere Materialien zum Einsatz als bei einem Segel für Fahrtensegeln. Für Regattasegler spielt eher das Gewicht eine Rolle, während Fahrtensegler eher den Fokus auf die Langlebigkeit des Materials legen, was durchaus mit schwereren Tuchstärken einhergeht.

Wenn die Konfiguration stimmt, kann der Segelspaß folgen. ©Sönke Roever

Das Fahrtgebiet

Ebenso ist das Segelrevier ein Faktor. Wer zum Kap Hoorn segelt, wird wahrscheinlich auf drei Reffstufen setzen, dem Ostseesegler hingegen reichen vermutlich zwei. Dieser Gedanke beleuchtet auch die Frage, ob ein Stark- oder Leichtwindrevier besegelt wird. Das ist von Bedeutung, da die unterschiedlichen Druck- und Zugbelastungen anders auf das Material wirken.

Außerdem spielt beim Segeln in den Tropen oder dem Mittelmeer die UV-Beständigkeit eine Rolle, ein Punkt, der in der Nordsee nicht so sehr ins Gewicht fällt. Und nicht zuletzt können Segel für langgezogene Ozeandünungen einen anderen Schnitt haben als die für Küstenreviere.

Eines von vielen Details: die Segellatten. ©Sönke Roever

Die Nutzung

Was für eine Nutzung ist beim neuen Segel geplant? Wenn eine Fahrtenyacht nur an den Wochenenden und vielleicht noch einmal im Jahr für einen längeren Törn im Sommer zum Einsatz kommt, muss das Segel anderen Ansprüchen gerecht werden als das Segel auf einer ganzjährig genutzten Blauwasseryacht – beispielsweise auf einer Weltumsegelung.

All diese Fragen beeinflussen maßgeblich die Materialien, die zur Verwendung kommen, die Bauform, die Verarbeitung und einiges mehr. Umso genauer wir die Bestimmung des Segels definieren können, desto besser wird es später für unsere Zwecke funktionieren.

Viele Details bestimmen, wie gut das Segel am Ende funktioniert. ©IrkIngwer/stock.adobe.com

Frage 3: Welche persönlichen Faktoren spielen eine Rolle?

Auch persönliche Vorlieben sind bei der Wahl eines neuen Segels wichtig. Gefragt sind nicht nur optische Aspekte, wie beispielsweise die Farbe des Materials oder vielleicht eine Beschriftung. Die Bestellung einer neuen Besegelung bietet auch Raum für ein paar Grundüberlegungen. Waren uns die alten Segel zu schwer? Haben wir keine Lust mehr Segel zu wechseln und suchen nach einem Allroundsegel? Wollen wir einen aufgenähten Sonnenschutz auf der Rollgenua, um keine Persenning mehr hochziehen zu müssen? Ist uns ein durchgelattetes Großsegel lieber?

Auf Basis der Kundenanforderung wird das Segel konfiguriert. ©Rolly Tasker

Der Grund für den Kauf eines neuen Segels ist oftmals nicht nur der Verschleiß oder ein neuer Bestimmungszweck. Hier gilt es, möglichst genaue Angaben zu machen. Ein neues Segel bietet immer auch die Möglichkeit zu einer Veränderung in Richtung mehr Komfort oder Performance.

Schlussendlich spielt für viele Käufer auch der Preis eine Rolle, der mit den eigenen Wünschen in Einklang gebracht werden muss.

Hat man als Käufer die aufgezeigten Fragen geklärt, wird es für den Segelmacher wesentlich einfacher herauszufinden, an welchen Punkten Kompromisse zu Gunsten des Preises eingegangen werden können und an welchen Punkten auf keinen Fall gespart werden sollte.

Wenn alle Parameter feststehen, kann der Segelmacher das Segel bauen. ©Sönke Roever

Fazit

Das vielschichtige Wissen zu Materialien, Eigenschaften, Bauarten und Schnitten von Segeln kann man getrost dem Profi überlassen. Wichtig ist, dem Segelmacher möglichst genaue Vorgaben an die Hand zu geben, damit er gezielt auswählen und planen kann. Sind die genauen Maße der Yacht bekannt und die aufgezeigten drei grundsätzlichen Fragen einmal durchdacht, steht der Bestellung eines optimal auf unsere Bedürfnisse maßgeschneiderten Segels nichts mehr im Wege.

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