Revierinfo Südengland: Segeln zwischen Falmouth und Dover

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Jonathan besegelte zusammen mit seiner Frau Claudia von 2013 bis 2019 die Welt. Sie ließen 25.000 Seemeilen im Kielwasser und befuhren ganze drei Jahre lang ihr Traumrevier: den Pazifik. Neben der klassischen Barfußroute besuchten sie vor allem auch abgelegenere Ziele wie die Osterinsel, die Tuamotus, Kiribati, Tuvalu und die Marshallinseln. 2023 veröffentlichten sie das Buch über ihre Reise „Sieben Farben Blau“. Jonathan arbeitet als Journalist rund um das Thema Segeln und Reisen und ist Referent und Organisator verschiedener Seminare und Vorträge. Seit 2020 ist Jonathan Mitglied der BLAUWASSER.DE-Redaktion.

Südengland: Raue Natur, geschichtsträchtige Orte und viel maritimes Flair

Die Küste Südenglands ist ein vielseitiges Segelrevier mit vielen interessanten Törnoptionen. Hier schroffe Felsklippen, da bewaldete Flussmündungen. An den Ufern locken kleine Städte und verträumte Dörfer, in denen die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Alte, gut erhaltene Häuser und Kirchen, enge Gassen und rostige Kettenfähren über verschlungenen Flüssen, mancherorts pfeift und zischt im Hintergrund gar ein alter Dampfzug.

Die Engländer geben viel auf ihre Tradition und in kaum einem Land Europas kann Geschichte so hautnah erlebt werden wie in Großbritannien. Die größeren Hafenstädte wie Dover, Portsmouth oder Plymouth sind geprägt von einer jahrhundertealten Seefahrtgeschichte und bieten viel maritimes Flair. Naturfreunde treffen in Poole und Chichester auf zwei der größten Naturhäfen Europas, andernorts locken ausgedehnte Wanderwege und einladende Strände. Nicht zuletzt ist da noch die berühmte Jurassic Coast mit ihren Kreidefelsen und den berühmten Seebädern von Brighton und Eastbourne.

Südengland – segeln zwischen reicher Natur und Geschichte. ©Fritz Urban

Die Bewohner der größten Insel Europas empfinden eine tiefe Verbundenheit zum Meer. England gilt neben den Niederlanden als die Wiege des Segelsports. In den britischen Gewässern wird seit über 150 Jahren zum Sport oder einfach nur zum Vergnügen gesegelt und diese Tradition des Segelsports wird auch heute noch mit viel Liebe und Hingabe gepflegt, sei es in den Regattazentren des lebendigen Solent, den Yachthäfen und altehrwürdigen Yachtclubs oder auf den vielen privaten Yachten. Dementsprechend gut ist auch die Infrastruktur an Yachthäfen, Muringfeldern, Ankerplätzen und allem, was der Segler sonst noch braucht. Selbst in den Stadthäfen sind oft gut ausgestattete Liegeplätze zu finden.

Die Küste am Englischen Kanal bietet eine faszinierende Kulisse. ©BLAUWASSER.DE

Gastlieger aus dem Ausland werden überall freundlich willkommen geheißen. Englisch ist für viele Ausländer keine große Sprachbarriere, dementsprechend schnell sind die wichtigen Informationen mit anderen Seglern oder Hafenmeistern ausgetauscht. Interessanterweise scheint dabei der wichtigste Tipp immer der für den besten Pub im Ort zu sein. 🙂

Die Hafenmeister geben beim Kassieren der Liegegebühren gerne Tipps für den Landgang. ©Sönke Roever

In den Pubs treffen sich die Segler, nicht selten bei Livemusik, um entspannt den Segeltag ausklingen zu lassen. Die meist urigen Kneipen in den Küstenorten Südenglands sind fester Bestandteil einer typisch englischen Törnplanung.

Die Pubs in den Hafenorten sind ein beliebter Treffpunkt. ©radiopelicano.de

Auf den rund dreihundert Seemeilen die englische Südküste entlang kommt auch der anspruchsvolle Segler voll auf seine Kosten, denn hier muss mit Bedacht navigiert werden. Wasserstände, Gezeiten und Strömungen sind ein wichtiger Bestandteil der Törnplanung im Englischen Kanal, diktieren mitunter gar den Tagesablauf. Zudem kann der Wind im Englischen Kanal so stark werden, dass es selbst sportlichen Seglern zu frisch wird. Dennoch bietet das Revier auch Seglern, die es lieber gemütlich mögen, viele Optionen.

In England wird gern und viel gesegelt. ©radiopelicano.de

Der Englische Kanal ist ausgesprochen gut dokumentiert und verfügt über hervorragende Wetter- und Gezeitenvorhersagen. So kann bei ungünstigen Bedingungen die Situation einfach in einer der vielen gut geschützten Marinas abgewettert werden, bei der spannenden Umgebung kommt auch bei einem Hafentag keine Langeweile auf.

In England herrschen starke Gezeiten. ©radiopelicano.de

Kurzum: Südengland ist ein spannendes Revier, in dem anspruchsvolles Segeln, raue Natur, historisch interessante Orte und gemütliche Häfen aufeinandertreffen. Das macht das Seegebiet vor der Südküste Englands zu einem optimalen Ziel für Segler, die Abwechslung und auch ein bisschen navigatorische Herausforderung mögen. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die verschiedenen Reviere und navigatorischen Besonderheiten zwischen Dover im Osten, dem Segelzentrum Solent in der Mitte bis nach Falmouth im Westen.

Gut geschützt inmitten der Natur: einer der vielen Naturhäfen in Südengland. ©radiopelicano.de

Von Dover in den Solent: Segeln entlang der östlichen Südküste Englands

Die knapp 90 Seemeilen entlang der Küste von Kent und Sussex gilt zwar als das Herzstück Englands, bietet Seglern jedoch nur wenig Möglichkeiten für einen Stopp. Kielyachten können lediglich die Häfen von Eastbourne (Sovereign Harbour), Brighton, Newhaven und Shoreham anlaufen. Yachten, die trockenfallen können, haben außerdem die Möglichkeit, in Rye oder Folkestone zu halten.

Die Schleuse in den Sovereign Harbour von Eastbourne ist für viele Yachten der erste Stopp von Dover Richtung Westen. ©radiopelicano.de

Von Dover kommend ist auf dem Weg nach Westen der erste Hafen das 45 Seemeilen entfernte Eastbourne. Mit der richtigen Strömung und passendem Wind ist der Törn problemlos in einem Tagestörn zu meistern. Gegen die Tide an zu segeln, ist oft schwierig, da gerade vor Dover der Tidenstrom kräftig setzt.

Ein ruhiger Abend, doch an den Kaps muss aufgepasst werden. Hier können Kapeffekte und sogenannte Races entstehen. ©radiopelicano.de

Charakteristisch für diese Strecke im Ostteil des Englischen Kanals sind die mächtigen Kreidefelsen an der Küste. Aufgepasst: Um das Kap von „Beachy Head“ zwischen Eastbourne und Newhaven kann es gefährlich werden, hier bildet sich bei bestimmten Wind- und Stromverhältnissen ein sogenanntes „Race“ mit brechenden Wellen. Mehr dazu im Abschnitt Navigation.

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Der Solent: Segeln zwischen Hampshire und der Isle of Wight

Der Solent genannte Kanal zwischen der Südküste Hampshires und der Isle of Wight ist das Segelzentrum Englands. Auf nur knapp dreißig Seemeilen sind diverse Marinas zu finden. In den Städten Portsmouth und Southampton haben diese stellenweise gigantische Ausmaße.

Die Solent Forts vor Portsmouth markieren die östliche Einfahrt in den Solent. ©radiopelicano.de

In der Mitte des Solent, an einer Flussmündung der Isles of Wight, liegt das Regattazentrum Cowes, die unbestrittene Segelhauptstadt Englands. Drumherum locken viele kleine Häfen, Dörfer und Ankerplätze mit gemütlichem Ambiente. Ein echtes Highlight sind die beiden historischen Hafenstädte Lymington am Festland und das, gegenüber auf der Isle of Wight liegende, Yarmouth, beide mit hervorragenden Liegemöglichkeiten.

Der Solent ist das beliebteste Segelzentrum Englands. ©Fritz Urban

Am östlichen Ausgang des Solents liegt zudem der Naturhafen von Chichester, eine weitläufige Lagune mit viel intakter Natur, die bei Ebbe größtenteils trockenfällt. Über Kanäle können die verschiedenen Marinas dennoch angesteuert werden.

Die Needles sind ein berühmtes Fotomotiv. ©Sönke Roever

Die westliche Ausfahrt des Solents markieren die berühmten Needles, eine viel fotografierte, sehr markante Formation von Felsen. Das Fahrwasser bei den Needles ist bekannt für starken Tidenstrom.

Achtung: Bei Wind gegen Strom kann es an den Needles für Yachten sehr gefährlich werden.

Wind, Strom und geringe Wassertiefe können den Seegang vor den Needles unangenehm machen. ©radiopelicano.de

Vom Solent bis zum Start Point

Die Südküste von Devon und Dorset gilt bei vielen Seglern als das schönste Segelgebiet Südenglands. Auf dem rund einhundert Seemeilen langen Küstenabschnitt laden idyllische Dörfer und Küstenstädte, Ankerbuchten und befahrbare Flussmündungen zum Verweilen ein. Nicht zuletzt liegt auch die sogenannte „Englische Riviera“ zwischen dem Seebad Torquay und dem Fischerort Brixham in diesem Gebiet. Ihr Name geht auf das besonders sonnige Klima zurück.

Der Yachthafen von Brixham im Herzen der „Englischen Riviera“ ist beliebt. ©BLAUWASSER.DE

Vom Solent kommend wird zunächst Poole erreicht, ein weitläufiger Naturhafen mit vielen Liegemöglichkeiten. Vorausgesetzt es herrschen nicht zu starker Wind und Schwell, kann nach dem St. Albans Head in den beeindruckenden Buchten von Chapman’s Pool, Worbarrow Bay und Lulworth Cove geankert werden.

Bei gutem Wetter kann in der Lulworth Cove direkt vor dem Strand geankert werden. ©radiopelicano.de

Hinweis: Zwischen St. Albans Head und Lulworth Cove befindet sich ein militärisches Übungsgebiet (Firing Practice Area). Rote Flaggen an Land signalisieren aktive Übungen, sind mitunter aber etwas schwer auszumachen. Einfacher ist es, mit dem Anruf „Lulworth Range Control“ auf UKW-Seefunk-Kanal 08 nachzufragen, ob das Gebiet befahren werden darf.

Bevor es in die weitläufige Lyme Bay weitergeht, bietet sich noch ein Stopp östlich der Landzunge von Portland an.

Achtung: Sowohl am Kap von St. Albans Head als auch vor Portland (Portland-Bill) können gefährliche Races auftreten, besonders gefährlich ist es am Portland Bill.

Die gewaltigen Wellenbrecher des Hafens von Portland sind schon von Weitem sichtbar, etwas verloren liegt eine Marina in der Ecke der Anlage. Mit wesentlich mehr Atmosphäre kann nur ungefähr zwei Seemeilen weiter nördlich in Weymouth angelegt werden. Das pittoreske Weymouth ist einer der wenigen Orte in Südengland mit einem Tiefwasserhafen im Stadtzentrum und bietet sowohl einen Stadthafen als auch eine moderne Marina.

Der entspannte Stadthafen von Weymouth. ©radiopelicano.de

In der Lymebay konzentrieren sich die Liegeplätze an der Westseite zwischen Exmouth und Dartmouth. Bei entsprechenden Wetterverhältnissen kann auch weiter westlich vor den Dörfern von Lyme Regis und Beer geankert werden.

Das Seebad Torquay und das Fischerstädtchen Brixham an der englischen Riviera haben gute Liegemöglichkeiten in Stadthäfen und Marinas. Beide bieten viel buntes Leben, Restaurants, Pubs und auch die Umgebung lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein.

An der englischen Riviera gibt es nicht nur viele gute Liegemöglichkeiten, sondern angeblich auch das angenehmste Klima Englands. ©radiopelicano.de

Das Highlight dieses Abschnitts sind jedoch die Flüsse um die malerischen Städte Exmouth, Teignmouth und Dartmouth. Hier kann direkt im Fluss, in Marinas, an Pontons oder Murings festgemacht werden. Die Flüsse können je nach Tiefgang auch noch weiter flussaufwärts befahren werden. An ihren Ufern locken Dörfer, Strände und üppige Natur.

Achtung: Die Gezeiten und das Wetter müssen hier einmal mehr im Blick behalten werden. Wie oft bei Flussmündungen in Tidenrevieren üblich, muss bei der Anfahrt auf die Barre achtgegeben werden. Hier kann es bei Wind gegen Strom ungemütlich bis lebensgefährlich werden.

Liegeplätze in traumhaft-britischer Umgebung gibt es in den Flussläufen. Hier: River Salcombe. ©BLAUWASSER.DE

Vom Start Point über Plymouth nach Falmouth

Direkt hinter dem Kap von Start Point wartet noch ein weiterer malerischer Flusslauf. In Salcombe kann entspannt an Murings im Fluss gelegen werden. Die Stadt lockt mit zahlreichen touristischen Angeboten und attraktiven Stränden in der Umgebung.

Die Einfahrt nach Salcombe ist ein Naturerlebnis. ©radiopelicano.de

Etwas rustikaler und deutlich ruhiger geht es weiter westlich im River Yealm zu. Auch hier kann umgeben von wunderschöner Natur an Murings oder Pontons gelegen werden.

Achtung: Tiefgang und Tidenstand beachten. Die Anfahrt ist zwar gut markiert, aber recht eng und es gibt einige Untiefen.

Die Queen Anne’s Battery Marina in Plymouth ist eine viel gefragte Marina. ©BLAUWASSER.DE

Deutlich urbaner geht es in Plymouth zu. Auf den ersten Blick ist die Stadt nicht unbedingt eine Schönheit, an vielen Ecken nagt erbarmungslos der Zahn der Zeit. Dennoch lassen sich beim genaueren Hinsehen ein paar schöne Ecken entdecken.

Plymouth bietet viele Reparatur-, Ersatzteil- und Liegemöglichkeiten. Hier kann eigentlich jede notwendige Arbeit am Boot durchgeführt werden. Zwischen dem Stadthafen mit der nahegelegenen Queen Anne’s Battery Marina und dem am anderen Ufer gelegenen Torpoint sind mehrere Yachthäfen und Boatyards zu finden.

An der Hafenpromenade von Plymouth lässt es sich gut aushalten. ©radiopelicano.de

Mehr Atmosphäre bietet das ungefähr 35 Seemeilen weiter westlich gelegene Falmouth. Die lebendige Kleinstadt ist seit jeher einer der Absprunghäfen der Blauwassersegler über die Biskaya. Hier treffen Segler aus aller Welt aufeinander. Auf halben Weg zwischen Plymouth und Falmouth können Kielyachten noch in Fowey stoppen. Auch hier wird an Murings im Fluss festgemacht.

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Nautische Begebenheiten: Die Navigation in den Gewässern vor Südengland

Die Navigation in Südengland ist anspruchsvoll und eine gewissenhafte Törnplanung ist maßgebend für einen entspannten Törn. Neben dem Wetter müssen auch die starken Gezeiten und verschiedenen Landeffekte berücksichtigt werden. Dennoch ist das Revier gut zu meistern, da alles hervorragend im Internet, in Karten und Handbüchern dokumentiert ist.

Die Dichte an geschützten Liegeplätzen mit Platz für Gastlieger ist enorm. Eigentlich ist nur zwischen Dover und Eastbourne ein längerer Schlag nötig. So bietet sich für Einsteiger immer auch die Möglichkeit, auf optimale Bedingungen zu warten und kurze Schläge zu machen.

In Südengland gibt es viele gut ausgestattete Marinas mit reichlich Platz. ©radiopelicano.de

Für den geübten Nordseesegler unterscheidet sich das Revier nicht groß von Zuhause. Auch der Schiffsverkehr ist vergleichbar, der Ärmelkanal ist ein Nadelöhr mit regem Verkehr der Großschifffahrt. Die Frachter bewegen sich jedoch zum größten Teil im Verkehrstrennungsgebiet des Englischen Kanals, dem eine Yacht auf einem Törn entlang der südenglischen Küste kaum näherkommt. Anders sieht es mit den vielen Fähren aus, diese nähern sich oft rasend schnell und müssen gut beobachtet werden.

Gerade im Solent ist der Fährverkehr enorm, hier sind sogar noch Luftkissenboote unterwegs. ©radiopelicano.de

Ein AIS an Bord ist eine gute Hilfe, um die Gefahr einer Kollision besser einschätzen zu können. Sollte dennoch einmal etwas schiefgehen, ist immer Hilfe vor Ort. Die englische Seenotrettung hat zahlreiche Stützpunkte und ist deshalb immer schnell zur Stelle. Hinzu kommen die vielen Schiffsbeobachtungsstationen, die auch die Bewegungen der Yachten im Blick haben.

Die Beobachtungsstationen der National Coastwatch Institution sind an der gesamten englischen Küste vertreten. ©radiopelicano.de

Die Wetterverhältnisse im Revier Südengland

Das Wetter in Südengland ist wechselhaft, zwischen Flaute und Orkan ist alles möglich. Auch für Nebel ist die Region berühmt-berüchtigt. Die Wetterlage kann sich schnell ändern und muss immer im Blick behalten werden. Aufgrund der guten Internetverbindungen in England stellt aber auch das kein großes Problem dar.

Das Wetter im Englischen Kanal kann sich schnell ändern. ©Sönke Roever

Es hat sich bewährt, mit den gängigen Wetterapps die Großwetterlage und die nähere Umgebung regelmäßig zu betrachten. Dabei lohnt ein Vergleich der verschiedenen Datenmodelle, mit denen die Vorhersage berechnet wurde. Stimmen diese weitestgehend überein, ist die Prognose meist zutreffend. Auch die Nebelwahrscheinlichkeit und der Seegang können so gut vorhergesehen werden. Gerade der Seegang kann im Englischen Kanal wegen seiner oft kurzen Wellenperiode ungemütlich werden und sollte bei der Törnplanung unbedingt berücksichtigt werden.

Beim Segeln im Englischen Kanal hilft ein Funkgerät. Beispielsweise nutzen einige Marinas Kanal 80. ©Sönke Roever

Über UKW-Seefunk kann beim Segeln im Englischen Kanal regelmäßig das Wetter von verschiedenen Küstenstationen abgehört werden. Es wird auf Kanal 16 angekündigt, auf welchem Kanal der Wetterbericht ausgesendet wird. Wie auch an der Nordsee ist im Sommer mit günstigeren Verhältnissen zu rechnen. Schwerwetterkleidung sollte jedoch immer an Bord dabei sein.

So macht es Spaß! Flottes Segeln bei frischem Wind und wenig Welle. ©radiopelicano.de

Gezeiten und Strömungen und die Gefahr von „Races“ in Südengland

England ist ein Revier, das starken Gezeiten ausgesetzt ist. Die Wasserstände können um mehrere Meter schwanken und die Strömungen sind stark. Die damit verbundenen Gefahren sollten jedem Skipper bewusst sein. Es besteht nicht nur die Gefahr aufzulaufen oder nicht von der Stelle zu kommen, an Barren oder bei starkem Wind kann es auch zu gefährlichen Wellenbildungen kommen. Besonders an Kaps und Landzungen ist Vorsicht geboten, hier können die Strömung und der Wind beschleunigen und begünstigt durch Untiefen und Seegang können hohe, brechende Wellenberge entstehen. Ich versuche bei frischem Wind in Regionen mit starker Strömung generell zu vermeiden, dass der Wind gegen den Strom setzt. Ganz besonders dort, wo es dazu auch noch flach ist.

Bei Wind gegen Strom kann es ungemütlich werden. ©radiopelicano.de

Die sogenannten „Races“ sind gefährlich für Mensch und Material. Allerdings ist die von ihnen ausgehende Gefahr meist kleinräumig und das Gebiet in den gängigen Seekarten dokumentiert. Bei elektronischen Karten muss tiefer hineingezoomt werden, um die Races zu sehen. Generell sind die Strömungen und Wasserstände in den Seekarten für den Englischen Kanal sehr gut dokumentiert, beispielsweise im Reeds Nautical Almanac.

In der Seekarte für das Portland Race sind die Races gut zu sehen (blaue Wellen). ©BLAUWASSER.DE/NV-Charts

Von Frankreich nach Dover über den Englischen Kanal

Yachteigner aus Nordeuropa beginnen einen Englandtörn meist in Dover. Das begründet sich darin, dass der Abstand zum europäischen Festland vor Dover am kürzesten ist und auch das vielbefahre Verkehrstrennungsgebiet im Englischen Kanal hier am schmalsten ist. Die rund 25 Seemeilen von Calais in Frankreich können gut bei Tageslicht und passender Tide zurückgelegt werden. Am anderen Ende wartet die Marina von Dover, sie ist zentral gelegen, gut geschützt und eignet sich somit optimal, um sich auf den weiteren Törn in Richtung Westen vorzubereiten.

Zwischen Dover und Calais wird ein viel befahrenes Verkehrstrennungsgebiet passiert. ©Sönke Roever

Achtung: Im Seeraum vor Dover wird streng auf die Verkehrsregeln geachtet! Das Verkehrstrennungsgebiet muss nach Vorschrift im rechten Winkel (Kompasskurs) durchfahren werden. In Dover muss zwei Seemeilen vor der Hafeneinfahrt „Dover Port Control“ auf UKW-Seefunk-Kanal 74 angerufen und um Einfahrt gebeten werden. Port Control gibt dann Anweisungen zum Befahren des Hafens in Richtung Marina. Der Grund ist der rege Verkehr der teils gigantischen Kanalfähren im Hafen.

Zwischen Dover und Calais herrscht reger Fährverkehr. ©Sönke Roever

Die Formalitäten beim Segeln in Südengland am Englischen Kanal

England ist mit dem „Brexit“ aus der Europäischen Union (EU) ausgetreten, demzufolge müssen Yachten aus EU-Ländern jetzt Ein- und Ausklarieren. Der Prozess ist jedoch recht einfach zu bewerkstelligen. Es muss lediglich ein Formular auf der Webseite gov.uk heruntergeladen, ausgefüllt und an die angegebene Adresse per Mail zurückgeschickt werden. Bei der Ankunft muss die gelbe Quarantäneflagge (Q) gesetzt werden. Die Höflichkeit gebietet natürlich ebenfalls das Setzen einer Gastlandflagge.

Das Formular für die Einklarierung kann als Exceldatei heruntergeladen, ausgefüllt und zurückgeschickt werden. ©gov.uk

Ein Crewwechsel in Südengland am Englischen Kanal

England hat ein gut ausgebautes Bahn- und Busnetz, mit dem eigentlich jeder Ort erreicht werden kann. Im Westen werden die Verbindungen stellenweise etwas seltener und komplizierter. Einziger Haken: Durch die Privatisierung des Streckennetzes operieren viele verschiedene Anbieter und es ist mitunter etwas schwer, den Überblick zu behalten.

Von außerhalb kommend, empfiehlt es sich, die Flughäfen von London, Southampton oder Bristol anzufliegen, von dort gelangt man gut an die südenglischen Küstenorte. Alternativ kann auch mit der Fähre oder mit dem Zug durch den Eurotunnel angereist werden.

Englands Häfen sind gut angebunden, in Darthmouth kann sogar stilecht mit einer dampfbetriebenen Lok angereist werden. ©radiopelicano.de

Literatur und Seekarten für einen Segeltörn in Südengland am Englischen Kanal

  • Tom Cunliffe; The Shell Channel Pilot; Imray
  • Reeds Nautical Almanac
  • NV Atlas UK1 Scilly Isles to Start Point
  • NV Atlas UK2 Start Point to the Needles
  • NV Atlas UK3 The Solent
  • NV Atlas UK4 Selsey Bill to London

Charter-Stützpunkte, Mitsegelgelegenheiten und weitere Dienstleistungen (Anzeigen)

Diese Firmen betreiben vor Ort einen Charterstützpunkt und helfen dir die richtige Charteryacht zu finden. Andere haben ein attraktives Mitsegelangebot im Programm oder bieten interessante Dienstleistungen für Segler an.
In Englands Häfen ist immer etwas los. ©radiopelicano.de

Fazit

Viele Mythen ranken sich um „The Channel”, wie der Englische Kanal auch gerne genannt wird. Unbeständiges Wetter, starke Strömung, Untiefen, Nebel, dichter Schiffsverkehr … Da ist viel Wahres dran, aber das Revier ist auch eines der am besten dokumentierten und überwachten Seegebiete weltweit. So ist es möglich, sich optimal auf die Herausforderungen vorzubereiten oder sie bestenfalls sogar im doppelten Sinne zu umschiffen. Nicht zuletzt kann die Navigation in einem Tidenrevier auch richtig Spaß machen und erstaunliche Geschwindigkeiten auf die Logge bringen. Mir persönlich gefällt das aktive und vielseitige Segeln an der Südküste Englands, mal entspannt von Hafen zu Hafen dümpeln, mal sportlich mit einer steifen Brise dahinrauschen.

Das Segeln vor der rauen Küste Englands ist ein Erlebnis. ©radiopelicano.de

Die vielen Orte und Häfen entlang der südenglischen Küste am Ärmelkanal sind voll und ganz auf Segler eingestellt und begrüßen Gäste überall mit offener Freundlichkeit. Am Englischen Kanal hat das Segeln eine althergebrachte Tradition und so klingt der Segeltag nicht selten in einem urigen Pub bei einem gemeinsamen Bier mit einheimischen Seglern aus.

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