Törnbericht: Über die Nordsee nach London segeln

Von Michael Amme

Michael ist seit über 20 Jahren als Journalist und Fotograf auf dem Wasser tätig. Der studierte Geograf hat weltweit Reisereportagen in mehr als 100 Charter- und Blauwasserrevieren produziert. Zudem haben den Hamburger viele Segelreisen und seine frühere Tätigkeit als Charter- und Überführungsskipper rund um den Globus geführt. Zusammen mit Sönke Roever ist er die treibende Kraft von BLAUWASSER.DE und ein beliebter Referent auf Bootsmessen und diversen Seminaren (siehe Termine).

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Das Ziel: Im Sommerurlaub die Themse hoch bis zur Towerbridge

An der roten Tonne D 20 gurgelt der Strom, mit Macht reißt er alles, was auf dem Wasser schwimmt, Richtung Westen. Gerade haben sich die großen Schleusentore von Kornwerderzand hinter dem Heck unserer Yacht OESTER geschlossen und die geschützte Geborgenheit des IJsselmeers abgetrennt. Auf dem Navigationstisch des Deckshauses liegen neben der Seekarte jetzt Strömungsatlas und Tidenkalender, mit neuneinhalb Knoten über Grund prescht die Yacht durch den Doove Balg Richtung Texel.

Die ersten Seemeilen der Reise führen durch das holländische Wattenmeer.

Die Etappe ist der Beginn einer Reise, deren Ziel für viele Segler ein nautischer Höhepunkt ist: London. Die britische Hauptstadt ist für die unzähligen Eigner- und Charterschiffe, die in Holland ihren Liegeplatz haben, in greifbarer Nähe. Von Amsterdam aus sind es etwa 220 Seemeilen, eine Entfernung, die auch für den Urlaubssegler zu schaffen ist.

Die Nordsee ist eines der am dichtesten befahrenen Seegebiete der Welt

Doch statt einen Run auf die Weltmetropole gibt es meist nur Stau an den Schleusen im Ijsselmeer. Der Grund dafür ist schnell erzählt: Wer Tower Bridge und Buckingham Palace ansteuern will, muss die Nordsee und die Themse befahren, strömungsreiche Tidengewässer mit extrem hoher Verkehrsdichte. Auf autobahnähnlichen Verkehrstrennungsgebieten rauscht hier der Welthandel durch die Nordsee, dazu versperren Windparks, Ölplattformen, Sandbänke und Sperrgebiete den Weg. Das schreckt viele ab.

Klar, auf der Nordsee und der Themse muss mit viel Schiffsverkehr gerechnet werden.

Auch wir als Familiencrew mit zwei Teenagern an Bord hatten Bedenken: Ist eine so anspruchsvolle Route für eine Sommerreise eine gute Idee? Dazu mit einem fremden, geliehenen Schiff? Gibt es ausreichend sichere Etappenziele, die nebenbei auch touristisch attraktiv sind? Welche nautischen Unterlagen werden benötigt, und gibt es Ausrüstung, die auf keinen Fall fehlen darf? Was erwartet einen in der Themse, und gibt es in der Megacity London einen bezahlbaren Liegeplatz? All das gilt es herauszufinden.

Mit der große Blauwasseryacht KM 56 kommen wir in Texel nur im Zuiderhaven unter.

Bei der Einfahrt in den Hafen von Oudeschild leuchten auf unserer ausgeliehenen Aluminiumyacht vom Typ Stadtship 56 bereits die Navigationslichter. Bis spät in den Abend brüten wir über Hochwasserzeiten, Strömungspfeile und Etappendistanzen, „um morgen mit der Strömung bis nach Ijmuiden zu kommen, müssen wir schon um neun Uhr wieder auslaufen“, erkläre ich der müden Crew. Zeit für eine Fahrradtour zum einsamen Strand von De Hors im Süden der Insel oder für einen Bummel zum maritimen Museum von Oudeschild bleibt somit nicht.

Andere steuern zur gleichen Zeit das gleiche Ziel von Helgoland aus an

Zur gleichen Zeit bereitet sich auch die Crew der EDEN auf ihre Reise nach London vor, ein Paar aus Oranienburg. Mit ihrer 20 Jahre alten Bavaria 41 sind sie von der Ostsee über Hamburg gekommen und liegen jetzt auf Helgoland. „Zum Bunkern und Bier einkaufen“, wie sie uns später bei einem Treffen in London erzählen werden. „Wir sind auf einer halbjährigen Auszeit auf dem Weg zu den Kanaren und planen gerne Highlights wie Hamburg oder London ein.“

Das Ziel der Reise beider Crews ist das Zentrum von London.

Die Hafeneinfahrt von Ijmuiden erreichen wir am nächsten Mittag. Am Besuchersteg des großen Yachthafens herrscht Urlaubsstimmung, es ist Mitte August und Ferienzeit. Kinder rasen mit Rollern über den Steg, Väter spritzen ihre Boote ab und Rentner dösen im Cockpit. Gleich hinter dem Hafen liegen die Dünen und ein riesig breiter Strand, im schicken Strandrestaurant Zilt aan Zee sitzen junge Pärchen mit Weißweingläsern auf lässigen Loungemöbeln.

Vor dem Absprung über die Nordsee noch ein Badetag am Strand von Ijmuiden

Mit einer guten Wetterprognose geht es rein in die Nachtfahrt

Alle Wetterberichte verkünden für die nächsten 36 Stunden das gleiche: Nordostwinde mit fünf Beaufort. „Absolute Idealbedingungen“, sage ich zur Familie, „wir könnten morgen schon in der Themse sein. So ein Wetterfenster darf man nicht liegenlassen.“ Die Teenager-Kinder sind begeistert, doch die Eltern grübeln: Die Nordsee bei Nacht, das neue Schiff, der viele Verkehr – Zweifel vor der eigenen Courage machen sich breit. Doch schon bei der Planung war klar: 500 Seemeilen in zwei Wochen wird auch eine Nachtfahrt bedeuten.

Vor dem Einbruch der Dunkelheit und dem Start der Nachtwachen gibt es noch ein Abendessen auf See.

Zum gleichen Zeitpunkt ist die EDEN bereits mit Spinnaker auf Westkurs unterwegs, die 300 Seemeilen von Helgoland bis zur Themsemündung segelt das Paar nonstop. Auch bei uns an Bord der OESTER gehen jetzt die Leinen los, Tochter Nora steuert das bei KM Yachtbuilders in Makkum gebaute Schiff in den Vorhafen. Im Schutz der Hafenmole zerrt die elektrische Winsch das Großsegel hoch, die Hydraulik fährt den Kiel aus, jetzt hat das 24 Tonnen schwere Schiff, das mit einer Pinne gesteuert wird, über drei Meter Tiefgang.

Dunkle Nacht, Wellen, Frachter und Verkehrstrennungsgebiete

Bis zur Themse liegen 150 Seemeilen und diverse Verkehrstrennungsgebiete mit Namen wie Maas North, Maas Northwest, North Hinder Junction und Sunk voraus. Der gesamte Verkehr aus dem Englischen Kanal und den Seehäfen von Belgien und Holland muss auf dieser Route einmal gequert werden. An Bord gibt es fast alles, nur leider kein AIS, das automatische Informationssystem, das die Navigations- und Schiffsdaten der umliegenden Schiffe überträgt.

Die Blauwasseryacht ist top ausgerüstet, nur das wichtige AIS fehlt.

Noch im Hellen zieht an Steuerbord ein riesiger Windpark vorbei, ein Versorger passiert, kontrolliert kreuzt im Trennungsgebiet Maas North das erste Frachtschiff unsere Kurslinie. Es wird dunkel, eine riesige und hell beleuchtete Bohrplattform bleibt in nur wenigen hundert Meter Entfernung an Backbord liegen. Nach dem Wachwechsel um Mitternacht, bei der Ansteuerung der North Hinder Junction, tauchen immer mehr Lichter auf, „du lässt mich jetzt aber nicht allein“, sagt meine Frau Karen zu mir. Der Wind hat auf 25 Knoten zugenommen, die Wellen werden größer, wir preschen mit zehn Knoten durch die Nacht.

In der Nordsee stehen etliche Bohrinseln.

Der Peilkompass ersetzt wie in alten Zeiten das AIS

Das Fernglas mit dem eingebauten und beleuchteten Peilkompass ist jetzt der wichtigste Ausrüstungsgestand an Bord, drohende Kollisionskurse können damit einwandfrei bestimmt werden. Ein großes Fischerboot sorgt mit Zickzackfahrt für Verwirrung, ein riesiger Massengutfrachter auf Kollisionskurs ändert vorschriftsmäßig seinen Kurs, ein Kreuzfahrer und zwei weitere Frachter passieren so nah, dass man ihre Schiffsnamen lesen kann. An Schlaf ist nicht zu denken, nur die Kinder finden in ihren Freiwachen Ruhe.

Nur für kurze Zeit kommt im Morgengrauen die Sonne raus.

An Bord der EDEN sind in dieser Nacht die Sorgen mit dem Schiffsverkehr gering, „von Helgoland aus konnten wir genau in der Mitte zwischen den beiden großen Verkehrstrennungsgebieten der Nordsee segeln“, wird uns die Crew später in London erzählen. „Dazu hat unser AIS herrlich genau angezeigt, in welchem Abstand die Schiffe in der Umgebung passieren. Dieses System ist hier in der Nordsee wirklich eine große Hilfe.“

In der Nordsee ist ein AIS-Transponder mit der wichtigste Ausrüstungsgegenstand

Im ersten Licht der Morgendämmerung liegt die fast 40 Seemeilen breite Themsemündung vor dem Bug. Ein Irrgarten aus Sandbänken und Flachs, durch den ein halbes Dutzend Fahrwasser mit Namen wie Knock John Channel, Black Deep und East Swin führen. Erst 30 Seemeilen später treffen sie im eigentlichen Flusslauf der Themse zusammen.

Die Themse wird bis weit flussaufwärts Richtung London auch von großen Frachtern befahren.

Wieder tauchen von überall her Frachter, Fähren und Kreuzfahrer auf, dann, mitten im Princess Channel, hüllt uns eine Gewitterfront in Dauerregen. Die Sicht ist weg, das Adrenalin steigt, mit dem Plotter tasten wir uns knapp außerhalb des Fahrwassers von Tonne zu Tonne.

In einer überraschenden Gewitterfront ist plötzlich die Sicht weg, nicht aber die gute Laune.

Die Themse hat viel Strömung und wenig grüne Natur

Die Liegeplatzmöglichkeiten im Flusslauf sind beschränkt, es gibt nur wenige Murings oder Pontons, alle Marinas können nur über Schleusen und rund um Hochwasser angesteuert werden. Die Strömungsgeschwindigkeiten betragen bis zu vier Knoten, der Tidenhub in London beträgt zur Springzeit sieben Meter. Für die Ansteuerung und das Befahren der Themse braucht es die Kraft des Gezeitenstroms von achtern.

Die Gastlandflagge geht hoch, das feuchte Wetter bestätigt das Klischee.

Die EDEN unterbricht im Gegensatz zu uns ihre Fahrt nach London am Ende der Themsemündung mit einem Abstecher in den River Medway. In einem weiteren Seitenarm, dem Sharfleet Creek, findet sie einen Ankerplatz für die anbrechende Nacht. „Eine wirklich schmale Rinne, links und rechts nur Schlick“, werden sie uns am nächsten Tag in London erzählen, „aber sehr schön und sehr geschützt und bis auf das laute Vogelgezwitscher total ruhig.“

Wir schaffen es an diesem Tag noch bis nach Gravesend, eine Arbeiterstadt an der Themse, direkt gegenüber von Tilbury, dem drittgrößten Seehafen Englands. Der Liegeplatz an der Innenseite des Fährpontons kostet 30 Pfund, im Pub neben der Stadtpier gibt es Burger, Pommes und Pints, übermüdet fallen wir in die Kojen.

Unser Liegeplatz in Gravesend ist nicht besonders charmant, aber tidenfrei zu erreichen und zentral.

Bis zur Tower Bridge sind es noch 22 Seemeilen, die Revierfahrt ist eine Enttäuschung, „alles Schrott“ wird auch die EDEN-Crew später sagen. Tatsächlich gibt es keine einzige schöne Naturlandschaft, an den Ufern ziehen Kraftwerke, Schiffswracks, Containerterminals, Raffinerien, Lagerhallen und Hafenanlagen vorbei, hin und wieder ragt die Stadtpier einer Ortschaft in den Strom. In Woolwich schützt ein Flutwehr die Hauptstadt gegen Sturmfluten, über UKW-Kanal 14 melden wir beim London Vessel Traffic Service (VTS) die Durchfahrt an.

Die Durchfahrt durch das Flutwehr vor London muss auf UKW angemeldet werden.
Die Polizei kontrolliert die Papiere und durchsucht das Schiff nach Flüchtlingen.

Endlich: erst Greenwich, dann die Tower Bridge

Dann ist sie plötzlich da: the City of London. Erst geht es unter der zu den Olympischen Spielen 2012 eröffneten Gondelbahn hindurch, dann vorbei an dem o2-Dome, dem größten Kuppelbau der Welt. Verspiegelte Glasfronten riesiger Skyscraper ziehen genauso vorbei wie alte, bis ins Wasser stehende Backsteinfassaden. Noch einmal windet sich der Fluss mit einer Schleife durch die Stadt, dann ist es soweit: An Backbord steht das Old Royal Naval Collage, die CUTTY SARK und das National Maritime Museum – um genau 14.36 Uhr passieren wir den Nullmeridian von Greenwich.

Für den Bruchteil einer Sekunde zeigt der Plotter 0°00.000‘: Der Nullmeridian von Greenwich.

Alle Marinas der Stadt haben die telefonische Anfrage nach einem Liegeplatz abgelehnt. Und das, wie sich später herausstellt, obwohl in den Häfen noch Platz ist. „Das ist doch eine Seefahrernation, die können uns doch nicht hier auf dem Strom verhungern lassen“, ärgert sich auch die EDEN-Crew. Unabhängig voneinander prüfen wir beide die möglichen Optionen. Die Rettung für uns beide ist schließlich ein von der Strömung umspülter Hausbootponton.

Zusammen mit der EDEN finden wir Platz an der Hermitage Wharf: zentral, aber unruhig.

Hermitage Wharf ist einzigartig im Zentrum direkt neben der Tower Bridge gelegen, ein Liegeplatz zum Niederknien. Der einzige Nachteil: Den ganzen Tag über rasen Ausflugsboote, Fähren und Ribs umher, „wie wir hier an den Leinen reißen, ist grenzwertig“, sagt der Skipper der EDEN. Später entschuldigt sich der Marinadirektor der beliebten St Katharine Docks nebenan: „Sorry, aber wir erwarten die Ankunft der Teilnehmeryachten zum Start eines Round the World Race und müssen den Hafen vorbereiten.“

Ruhig, zentral und durch eine Schleuse von der Themse getrennt: die Marina St. Katharine Docks

Für Londons Sehenswürdigkeiten braucht man Tage

Zwei Tage London reichen gerade mal für die Klassiker: Big Ben, Buckingham Palace, Trafalgar Square, Westminster Abbey. Mit der Tube geht es zum Maritime Museum von Greenwich und auf das Deck des alten Teeklippers „Cutty Sark“. Ein Abstecher in den Norden, zu einem Premier League Spiel von Tottenham Hotspur, zeigt, dass die Stadt mit ihren großen Arbeiterklassevierteln auch eine andere Seite hat.

Im Maritime Museum im Stadtteil Greenwich werden auch die englischen Maße erklärt.

„London ist cool“, sagt Sohn Jakob, das finden auch alle anderen an Bord. Gleiches gilt für die am Ende der Reise in Tagesetappen angelaufenen Ziele der Rückreise. Ramsgate am Eingang der Themsemündung zum Beispiel, ein quirliger Hafenort mit entspannter Seebad-Atmosphäre.

In Ramsgate ist gleich neben der Marina ein weiter Strand und das Zentrum der Stadt.

Auch Oostende und Scheveningen haben uns als Zwischenstopps zurück ins IJsselmeer überzeugt, beide Hafenstädte liegen mit ihren Zentren direkt am kilometerlangen Nordseestrand. Und auf den lebendigen Promenaden mischt sich das touristische mit dem einheimischen Leben.

In der Mercator Marina in Oostende liegt man mitten im Zentrum gegenüber vom Hauptbahnhof.

Jeder kann die Tower Bridge für sich öffnen lassen

Doch vor dem Verlassen Londons passiert das Unglaubliche: Die Tower Bridge öffnet nur für uns ihre Brückenflügel. Und das, obwohl es dahinter keinen Platz zum Anlegen gibt und die Weiterfahrt flussaufwärts wegen einer festen Brücke unmöglich ist. Trotzdem: Jedes Schiff mit einer Masthöhe von über 30 Fuß kann offiziell und kostenlos eine Brückenöffnung beantragen.

Die berühmte Tower-Bridge öffnet für uns.

Eine halbe Stunde vor der vereinbarten Brückenöffnung kommt über UKW-Kanal 14 von der Tower Bridge die Aufforderung, sich bereitzuhalten. Dann wird der Londoner Cityverkehr gestoppt und die beiden Flügel zwischen den 121 Jahre alten Brückentürmen klappen langsam auf. Am Ufer stehen Hunderte von Touristen und zücken ihre Kameras, an Bord machen wir Handyfotos. „Voll krass“, sagt Jakob, „das glaubt mir mein Englischlehrer nie!“

Die holländische Hochseeyacht OESTER vom Typ KM 56 auf dem Weg zurück über die Nordsee

Liegeplatztipps für London

Wer die Themse mit Ziel London befährt, sollte unbedingt im Vorfeld einen Liegeplatz gebucht haben. Denn es gibt so gut wie keine temporären Anlegemöglichkeiten, schon gar nicht im Stadtgebiet, außerdem ist die Strömung stark.

St. Katharine Docks:

Marina mit absolut zentraler Lage und 160 Liegeplätzen gleich neben der Tower Bridge. Von hier aus lassen sich die ersten Sehenswürdigkeiten der Stadt zu Fuß erreichen, dazu bietet die Marina ein tolles Ambiente. Zugang über eine Schleuse etwa zwei Stunden vor und nach Hochwasser. Telefon: +44 20 72 64 53 12 oder www.skdocks.co.uk

Hermitage Wharf

Ein Hausbootponton im Strom der Themse direkt vor der Tower Bridge. Zwei bis drei Gastliegeplätze, die tagsüber durch den enorm hohen Schiffsverkehr sehr unruhig sind. Telefon: +44 20 74 81 21 22 oder www.hcmoorings.org

Limehouse Marina

90 Liegeplätze in zentraler und, bis auf den Schienenverkehr, ruhiger Umgebung. Etwa drei Stunden rund um Hochwasser über eine Schleuse erreichbar. Telefon: +44 20 73 08 99 30 oder www.bwml.co.uk/limehouse-basin-marina/

South Dock Marina

In der Mitte zwischen Greenwich und Tower Bridge liegt Londons größte Marina. Zugang über eine Schleuse etwa zwei Stunden rund um Hochwasser. Telefon: +44 20 72 52 22 44 oder www.southwark.gov.uk/leisure-and-sport/south-dock-marina

Greenwich Yacht Club: Etwas außerhalb vom Zentrum bietet der Club Gastliegeplätze an Murings, die im Fluss liegen. Telefon: +44 84 47 36 58 46 oder www.greenwichyachtclub.co.uk

Zentral gelegen und mit top Ambiente: die Marina St Katharine Docks

Charter

Wer von den Charterstützpunkten in Holland und Belgien startet, hat die kürzeste Anreise nach London. Hier gibt es ein großes und vielfältiges Angebot an Charterstützpunkten, die hochseetaugliche Yachten für eine Reise über die Nordsee anbieten. Die meisten Anbieter erlauben die Reise Richtung England, die passenden nautischen Unterlagen aber darf man nicht an Bord erwarten und sollten mitgebracht werden. Natürlich kann man auch von den Charterstützpunkten in der Ostsee starten, durch den Nord-Ostsee-Kanal und die Elbe ist man in zwei Tagesetappen in der Nordsee.

Egal, ob die Charter in Holland oder Belgien beginnt: Der Weg in die Nordsee beginnt meist mit einer Schleuse.

Diese Charter-Agenturen helfen dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter für einen Törn nach London können diese Firmen behilflich sein:

Weitere Infos zum Revier

Navigation und Seemannschaft

An der kontinentalen Nordseeküste und in der offenen See betragen die Strömungen bis zu zwei Knoten, oftmals ist es weniger. Der Tidenunterschied beträgt bis zu vier Meter, die meisten Häfen sind auch bei Niedrigwasser erreichbar. In der Themsemündung und auf dem Fluss erhöhen sich diese Werte auf bis zu vier Knoten und sieben Meter. Vor der Belgischen Küste und im Mündungsgebiet der Themse gibt es viele gefährliche Flachwasserbereiche beziehungsweise Sandbänke.

In den Verkehrstrennungsgebieten der Nordsee und vor den Ansteuerungen der Seehäfen gibt es ein erhebliches Verkehrsaufkommen, diese Gebiete sollten im rechten Winkel gekreuzt werden, eine Anmeldung über Funk ist nicht erforderlich, ein AIS-Gerät ist in diesem Revier eine große Hilfe. Windparks, Bohrplattformen, Fahrwasser und Ansteuerungen sind mit den verschiedensten Lichtern, Tonnen und Leuchtfeuern sehr gut gekennzeichnet.

Eine Öffnung der Tower Bridge muss spätestens 24 Stunden im Voraus per Mail unter BridgeLifts@towerbridge.org.uk angemeldet werden.

Fischereifahrzeuge und große Frachter sind auf einem Törn nach London ständige Begleiter.

Wind und Wetter

Egal zu welcher Jahreszeit, auch mit Starkwind und Regen muss gerechnet werden. Die Sommermonate Juni bis August versprechen die besten Bedingungen. Wechselnde Windrichtungen und Windstärken sind an der Tagesordnung, eine Häufung aus westlichen Richtungen ist signifikant. Die Engländer behaupten, der September sei der beste Segelmonat im Land.

Schöner Sonnenschein wird nicht selten bald darauf von einer Schlechtwetterfront abgelöst.

Häfen und Ankerplätze

Die Hafendichte entlang der Nordseeküste ermöglicht es, London in Tagesetappen zu erreichen. Mit dabei sind sehenswerte Ziele wie Scheveningen, Oostende, Ijmuiden, und Ramsgate. Auf der Themse sind alle Häfen nur über Schleusen rund um Hochwasser erreichbar, immer wieder finden sich im Strom auch kleine Pontonanleger oder Murings. In den Seitenarmen des Mündungsgebietes gibt es gute und sichere Ankerplätze.

Strategisch günstig am Eingang der Themsemündung liegt Ramsgate.

Literatur & Seekarten

• Unentbehrlich: der jährlich erscheinende Reeds Nautical Almanac mit allen Hafenplänen, Strömungs- und Gezeitenkarten sowie vielen nautischen Informationen, Verlag Bloomsbury Publishing
• Für die Planung: Brian Navin, North Sea Passage Pilot, Imray Verlag
• Alle wichtigen Informationen zum Befahren der Themse auf einen Blick: Recreational Users Guide, Port of London Authority, kostenlos zum Runterladen: www.pla.co.uk/Safety/River-User-Guidance-Documents.
• Übersegler: Imray C 70, Southern North Sea Passage Chart. Seekarte ab Belgien: Imray C 30. Für die Themse: Imray C 1 und C2

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Frank
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Frank

Hallo, wir sind dieses Jahr über Ostern von der Osterschelde (Roompot Marina) nach London gesegelt. Hatten Glück mit dem Wetter. Bei der Hinfahrt NO 3-4, bei der Rückfahrt SW 4-5. Waren bei der Hinfahrt 30Std. unterwegs. Gegen mittag ca 11.00 vor der Tower Bridge bei Sonnenschein. Hatten schon vor Wochen einen Liegeplatz gebucht, deshalb keine Probleme. Zu dieser Jahreszeit war eh wenig los. Rückfahrt auch wieder direkt zur Osterschelde in ca 26 Std. Waren zu viert unterwegs. Die Reise steht im Logbuch als besonderes Highlight. Wenn das Wetter passt, ist so ein Segeltörn ein unglaubliches Erlebnis. Mit unserer Delphia 40.3… Mehr lesen »

Manuel Wolf
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Manuel Wolf

Hallo Michael, ein toller Bericht. Wir sind letztes Jahr von Zeeland aus nach London gesegelt. Gerade erlebe ich das ein oder andere Dejavu. Es ist wie du beschrieben hast, bis dahin kaum sehenswert auf englischer Seite, aber trotzdem Imposant. Wir sind die Themse nachts hinauf, so dass wir morgens um rund 4:30 Uhr vor den St. Katharina Docks am Steg für die Ausflugsboote festgemacht haben. Wir hatten zu der Zeit einen Platz in der Marina ergattern können. Es ist ein toller Trip, wir sind dann die Küste weiter runter über Margate/Ramsgate, an Dover vorbei nach Boulogne sur Mer, Dünkirchen zurück… Mehr lesen »