Kanal von Korinth: Alle Infos für Segelyachten

Von Claudia Clawien

Die Diplom-Pädagogin ist zusammen mit ihrem Mann Jonathan von 2013 bis 2019 auf der 35-Fuß-Stahlyacht INTI von Deutschland bis zu den Marshallinseln im Pazifik gesegelt – eine Reise über 21.000 Seemeilen. Claudia liebt das Leben über Wasser ebenso wie das unter Wasser, das nächtliche Segeln unter dem unendlichen Firmament, die Kunst der Improvisation und die Begegnungen mit Menschen jeglicher Couleur.

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Der Überblick

Der Kanal von Korinth verbindet den Saronischen Golf und den Korinthischen Golf und trennt die Halbinsel Peleponnes vom griechischen Festland. Wegen seiner bizarren Architektur zählt seine Durchquerung zu den Highlights einer Segelreise in Griechenland.

Aber nicht nur touristisch ist der Kanal von Korinth attraktiv, er bietet vor allem auch eine komfortable Abkürzung, denn der lange und je nach Wetter nicht immer einfache Weg um den Peleponnes herum verkürzt sich enorm: Wer zum Beispiel von Athen oder Poros im Saronischen Golf aus nach Lefkas im Ionischen Meer möchte, spart durch den Kanal etwa 100 Seemeilen. Fähren, die von Venedig aus Piräus bei Athen ansteuern, sparen etwa 130 Seemeilen. Von Patras nach Piräus sind es sogar 195 Seemeilen!

Eines aber muss man auch wissen: Der Kanal von Korinth zählt mit seinen deftigen Gebühren zu den teuersten drei Seemeilen der Welt! Aber dazu später mehr.

Kanäle verbinden

Die Idee zur Erbauung des Kanals von Korinth ist schon über 2.500 Jahre alt, schon der alte Kaiser Nero begann mit den Arbeiten zur Errichtung des Kanals. Mit dem Ergebnis, dass fortan kleine und mittlere Schiffe die etwa sechs Kilometer über einen gepflasterten Weg gezogen wurden. Tatsächlich können auch heute noch Reste der Schiffsschleppbahn besichtigt werden. Erst die Erfindung des Dynamits machte es möglich, die erforderliche Schneise in den felsigen Untergrund zu brechen. Und so wurde der Kanal erst im Jahre 1893 eröffnet.

Große Hafenmolen sichern die Einfahrt in den Kanal von Korinth. ©aerial-drone/stock.adobe.com

Der Kanal von Korinth wird wegen seiner begrenzten Dimensionen heute kaum noch von der Berufsschifffahrt genutzt. Kleinere Frachter, Kreuzfahrtschiffe, Fähren, Touristenboote und Yachten nutzen den Kanal aber auch heute noch regelmäßig. Der Kanal ist 6,3 Kilometer lang, acht Meter tief und 25 Meter breit. Für Schiffe gilt ein maximaler Tiefgang von sieben Metern. Zu beiden Seiten des Kanals ragen die charakteristischen Felswände bis zu 80 Meter in die Höhe.

Mit dem eigenen Boot durch den Kanal von Korinth

Der Kanal von Korinth ist eine Schiffseinbahnstraße. Das heißt, er wird jeweils nur in eine Richtung geöffnet, Boote, die in die andere Richtung fahren wollen, müssen warten. Bei der Annäherung wird die Ankunft über den UKW-Kanal 11 bei der „Canal Authority“ (Kanalbehörde) angemeldet. Dabei registriert die Kanalbehörde die Schiffsdaten: Nationalität, Schiffsnamen, Gewicht, Breite und Tiefgang. Ebenfalls anzugeben ist, wie bezahlt wird: Barzahlung oder mit Kreditkarte. Abschließend teilt die Kanalbehörde die voraussichtliche Wartezeit bis zur Passage mit, das können mitunter auch mal zwei Stunden und mehr sein.

Für die großen Pötte wird es richtig eng. ©BrunoBEHIER/stock.adobe.com

Wenn die Erlaubnis zum Einfahren erteilt wurde, darf nicht einfach drauflosgefahren werden. Unbedingt muss man sich an die über Funk von der Kanalbehörde vorgegebene Reihenfolge der einfahrenden Boote halten! Und die Berufsschifffahrt hat hier stets Vorfahrt.

Im Kanal selbst ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von fünf Knoten einzuhalten. Aber Achtung: Bei besonderen Wind- und Gezeitenverhältnissen kann es im Kanal zu Strömungen von bis zu drei Knoten Geschwindigkeit kommen!

Die Wind- und Strömungsverhältnisse folgen stets der Kanalrichtung. ©J. Ossorio Castillo/stock.adobe.com

Betriebszeiten des Kanals von Korinth

Der Kanal von Korinth ist rund um die Uhr geöffnet und kann auch nachts befahren werden. Nur am Dienstag zwischen sechs und 18 Uhr ist der Kanal wegen Wartungsarbeiten geschlossen. Beide Eingänge sind nachts beleuchtet, grün auf Steuerbord, rot an Backbord. Im Golf von Korinth gibt es einen Leuchtturm mit einem weiß blinkenden Leuchtfeuer und einer Reichweite von 20 Seemeilen.

Bei Ansteuerung auf der Seite des Saronischen Golfs findet man einen Leuchtturm mit einem rot blinkenden Leuchtfeuer und einer Reichweite von 18 Seemeilen. Sowohl die Eingänge als auch der gesamte Kanal von Korinth werden von der Kanalbehörde mit etlichen Videokameras überwacht.

Die Durchfahrt ist stets auch in der Nacht möglich. ©YK/stock.adobe.com

Kosten: Die Kanalgebühren für den Kanal von Korinth

Am Osteingang befindet sich der Tower der Kanalbehörde, nur hier können die Kanalgebühren entrichtet werden (in bar oder mit Kreditkarte). Die Preise für die Durchfahrt sind gestaffelt und bemessen sich nach der Länge des Bootes in Metern (Länge über Alles). Preisbeispiele für das Jahr 2020: Yachten bis neun Meter bezahlen 80 Euro, für elf Meter sind bereits knapp 160 Euro fällig, 15 Meter kosten schon 270 Euro. Empfehlenswert ist es, ein Dokument über die „Länge über Alles“ der Yacht wie beispielsweise den internationalen Bootsschein oder ein Flaggenzertifikat vorlegen zu können. Alternativ wird die Länge geschätzt.

Diese Yacht wartet auf die Passage durch den Kanal am Saronischen Golf. ©Sönke Roever

Auf beiden Seiten des Kanals kann geankert werden, um die Wartezeiten zu überbrücken. Wer allerdings auf der Ostseite im Tower die Kanalgebühr bezahlen möchte, der kann längsseits an der Pier festmachen und dort bis zu drei Stunden kostenfrei liegen. Aber Achtung: Beim Passieren großer Schiffe muss mit ordentlich Schwell gerechnet werden!

Tipp: Wer auf der Westseite von der Kanalbehörde erfährt, dass die Wartezeit mehr als eine Stunde beträgt, kann in der Marina Corinth anlegen. Und von dort aus mit einem Taxi in zehn Minuten zum Tower fahren, um die Formalitäten zu erledigen. Der Vorteil: Nach der Durchquerung kann direkt weitergefahren werden und man erspart sich den Bezahlstau auf der Ostseite.

Die Fahrt im Kanal ist immer nur in eine Richtung erlaubt. ©Sönke Roever

Das Revier um den Isthmus von Korinth

Der Golf von Korinth ist nicht nur der Kanal selbst. Das Seegebiet mit diesem Namen erstreckt sich von Korinth bis Patras und bietet durchaus einiges an Abwechslung und Geschichte. Eine Seemeile vor der westlichen Einfahrt liegt die schon erwähnte Marina Corinth. Hier kann längsseits an hölzernen Stegen festgemacht werden, ebenso mit Bug oder Heck zum Steg. Fußläufig ist ein großer Supermarkt mit gutem Angebot zu erreichen.

Etwa 19 Seemeilen von Korinth entfernt, auf der Südseite des Golfs von Korinth, liegt Xylokastro. Der Name bedeutet „Burg aus Holz“, im Mittelalter stand hier ein hölzerner, von Venezianern errichteter Wachtturm. Heute ist Xylokastro ein lebendiger Ferienort mit einer gut erreichbaren Marina. Allerdings ist die Zufahrt aufgrund von Versandung nur Yachten bis 1,70 Meter Tiefgang möglich.

Die Enden des Kanals sind gekennzeichnet durch Brücken, die komplett im Wasser versenkt werden. ©radiopelicano

Galaxidi ist ein weiteres Highlight, dieses Mal im nördlichen Golf von Korinth. Ein sehr geschützter Hafen bietet hier die Möglichkeit, mit Bug oder Heck am Steg anzulegen. Galaxidi beherbergte im 18. und 19. Jahrhundert die mächtigste Handelsflotte im Mittelmeerraum. Noch heute zeugen die gut erhaltenen Kapitänshäuser vom Wohlstand der vergangenen Zeit.

Auch ein bekannter Seglertreffpunkt ist die Insel Trizonia, etwa 20 Seemeilen nordwestlich von Patras. Weil der Hafen nie richtig fertiggestellt wurde, kann man hier umsonst festmachen. Ein bei allen Wetterlagen sicherer Liegeplatz für bis zu 150 Boote. Und in der Umgebung sind fußläufig einige Bars, Tavernen und Restaurants zu finden.

Nordöstlich von Patras liegt das malerische mittelalterliche Fischerdorf Nafpaktos mit einem kleinen Hafen und etlichen gemütlichen Tavernen. Nur bei südlichen Winden steht leider eine starke Dünung im Hafen, dann wird es ungemütlich.

Natürlich gibt es auch im Saronischen Golf viele interessante Ziele, das Revier ist ein Hotspot für Segler. Auch für Chartersegler und viele Griechen selbst, liegt das Revier doch vor den Toren Athens. Mehr zum Saronischen Golf könnt ihr in diesem Artikel nachlesen.

Schönes Segeln im Golf von Korinth ©radiopelicano

Mehr Infos zum Kanal von Korinth

Nautische Begebenheiten

Der Kanal von Korinth ist recht einfach zu befahren. Wie in jedem Kanal ist auf die Verwirbelungen durch das Schraubenwasser größerer Schiffe zu achten. Je nach Windrichtung kann es durch die Düsenwirkung auch mal ordentlich durch den Kanal blasen, dann ist etwas mehr Motorleistung gefordert. Die Tidenunterschied fällt mit bis zu 50 Zentimeter kaum ins Gewicht, trotzdem können im Kanal Strömungen von bis zu drei Knoten auftreten. Achtung: Abbrüche der Kanalwände sorgen am Rand des Kanals für unerwartete Untiefen.

Vorsicht: Dicht am Ufern können Flachstellen auftreten. ©Sönke Roever

Wind und Wetter

Der Golf von Korinth ist beidseitig von hohen Bergen umgeben, der Wind kommt deshalb meist aus West oder Ost. Die hohen Berge der Umgebung tragen dazu bei, dass es um den Kanal von Korinth schon früh im Jahr heftig gewittern kann. Im Sommer kommt der Wind vornehmlich aus West, im Winter kann mit teilweise kräftigem Ostwind gerechnet werden. Auch der Meltemi macht sich hier in den Sommermonaten von Juni bis September durchaus bemerkbar. Der griechische Sommer ist meist heiß und trocken, im Juli und August können die Temperaturen schon mal auf 35 Grad steigen.

In der Nebensaison kann es auch Tage mit schlechter Sicht geben. ©Martina Ehmen

Literatur und Seekarten

  • Griechenland 1, Gerd Radspieler, Delius Klasing Verlag
  • Hafenguide Griechenland 1, Per Hotvedt, Hanne Engevik, Jørn Engevik, Edition Maritim
  • Griechische Küste, Rod und Lucinda Heikell, Edition Maritim
  • Sporbootkartensatz GR 1, NV Atlas Greece, NV Verlag
  • Seekarte G13, Gulfs of Patras and Corinth, Verlag Imray

Gut zu wissen

Website der Kanalbehörde in Englisch und Griechisch: http://aedik.gr/?lang=en

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