Segeltörn Griechenland: Routenvorschlag Dodekanes ab/bis Kos

Von Michael Amme

Michael ist seit über 20 Jahren als Journalist und Fotograf auf dem Wasser tätig. Der studierte Geograf hat weltweit Reisereportagen in mehr als 100 Charter- und Blauwasserrevieren produziert. Zudem haben den Hamburger viele Segelreisen und seine frühere Tätigkeit als Charter- und Überführungsskipper rund um den Globus geführt. Zusammen mit Sönke Roever ist er die treibende Kraft von BLAUWASSER.DE und ein beliebter Referent auf Bootsmessen und diversen Seminaren (siehe Termine).

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Titelfoto: ©imagIN photography/stock.adobe.com

Auf einem Wochentörn die schönsten Ziele im Dodekanes ab der Insel Kos erleben. Die wichtigsten Infos und ein konkreter Routenvorschlag für Segler

Insgesamt umfasst der Dodekanes 50 größere und 150 kleinere Inseln, etwa 25 davon sind bewohnt. Dieses griechische Inselrevier liegt zwischen Samos und Rhodos ganz nah vor der türkischen Küste (streng genommen werden einige der Inseln geografisch auch zu den südlichen Sporaden gezählt).

Tolle Ankerstopps wie hier in der Bucht Ormos Vathy auf Kalymnos gehören mit zum Erlebnis Dodekanes. ©mmphoto/stock.adobe.com

Das Universum an Inseln beherbergt ungezählte Hafenorte und noch mehr Buchten, die häufig nur wenige Meilen voneinander entfernt liegen. Damit kann jeder Törn problemlos den individuellen Bedürfnissen angepasst werden. Auch der Grenzwechsel zur nahen türkischen Küste ist theoretisch möglich, es muss aber jeweils in einem Port of Entry ein- und ausklariert werden (was bei einem einwöchigen Törn aber zu aufwändig ist).

Die Navigation ist verhältnismäßig einfach, da die Küsten in der Regel steil abfallen, die wenigen Gefahrenstellen im Kartenmaterial gut gekennzeichnet sind und die nächste markante Landmarke immer in Sichtweite ist. Nur nachts sollte man auf Unvorhergesehenes eingestellt sein, denn die Lichter sind nicht immer zuverlässig im Einsatz und die Befeuerung von Hafeneinfahrten ist mitunter so spärlich, dass sie schwer auszumachen ist.

Der Dodekanes stellt auch eine Urlaubscrew vor keine großen navigatorischen Herausforderungen. ©luengo_ua/stock.adobe.com

Der Reviercharakter – Unterwegs rund um die ägäischen Inseln des Dodekanes

Wer das erste Mal in der griechischen Ägäis auf Törn geht, muss sich umstellen. Im Gegensatz zum westlichen Mittelmeer herrscht hier in den Sommermonaten Starkwind, der Meltemi sorgt für anspruchsvolles Segeln. Dazu hat Griechenland keine vergleichbare Infrastruktur an Marinas. In den kommunalen Inselhäfen liegt man meist zwischen den Fischern, Ausflugsbooten und Fähren direkt an der Promenade.

In griechischen Inselhäfen teilen sich Yachten die Pier oft mit Fischern und Ausflugsbooten. ©Michael Amme

Hilfe von Hafenmitarbeitern muss hier niemand erwarten und das Manöver heißt fast immer „römisch-katholisch“, also mit eigenem Anker im Hafenbecken und zwei Heckleinen zur Pier. Wasser und Diesel müssen in den kleineren Orten nicht selten mit dem Tankwagen herbeigeschafft werden, der Strom kommt schon mal aus der Taverne gegenüber und Sanitäranlagen gibt es meistens nicht. Für den Neuling mag all das ungewohnt sein, doch das Liegen direkt im Zentrum der Inselorte ist extrem charmant und vor allem preiswert. Denn Liegegebühren werden, wenn überhaupt, nur in geringfügiger Höhe erhoben.

Wie hier auf der Insel Samos liegt man fast überall im Revier sehr charmant direkt an der Hafenpromenade. ©pkazmierczak/stock.adobe.com

In den Buchten des Reviers ist das freie Ankern überall erlaubt, Muringfelder gibt es aber so gut wie keine. Wegen des starken Meltemi muss auch in den geschützten Buchten mit starken Fallwinden gerechnet werden. Das macht ein gutes Ankergeschirr genauso notwendig wie ein solides Ankermanöver, bei dem der Anker mit langsam steigernder Umdrehungszahl rückwärts eingefahren wird. Außerhalb der Meltemizeit, in den langen Monaten der Vor- und Nachsaison, ist das Revier dann wieder deutlich einfacher zu befahren.

Wetter – Im Sommer sorgt der Meltemi für anspruchsvolles Segeln

Im Sommer, von etwa Mitte Juni bis Mitte September, weht der Meltemi, ein kräftiger und beständiger Nord- bis Nordwestwind. Diese Monate sind trocken und heiß, der Himmel ist klar und blau und die Sicht gut. In diesem Zeitraum muss man von einem anspruchsvollen Starkwindrevier sprechen. Anders im Frühling und im Herbst: Dann weht der Wind oft aus südöstlicher Richtung und erreicht meist nur Windstärken zwischen zwei und vier Beaufort.

In den Hochsommermonaten darf mit kräftigem Meltemi aus nördlicher Richtung gerechnet werden. ©hydraviridis/stock.adobe.com

Routenvorschlag Dodekanes ab/bis Kos für eine Woche (ca. 140 Seemeilen)

Tatsächlich gibt es im Dodekanes mehrere Optionen für einen Wochentörn. Bei einem Törn während der Meltemizeit ist es, wie in diesem Törnvorschlag beschrieben, ratsam, erst Strecke nach Norden zu machen. Damit ist die pünktliche Rückkehr zur Ausgangsbasis auch dann gewährleistet, wenn der Meltemi zum Ende des Törns noch eine Schippe drauflegt.

Tag 1: Kos – Kalymnos, 17 sm

Für einen Badestopp in einer der Buchten von Psemiros ist auf dieser Etappe locker Zeit. Zum Beispiel in der sandigen Ormos Psemiro, in der auch der urige Inselort mit seinen wenigen Tavernen und dem kleinen Minimarkt liegt. Das Tagesziel aber ist Kalymnos. Im alten Fischer- und Schwammtaucherdorf mit gleichem Namen macht man direkt an der Promenade im Stadtkern fest, die ausgebaute Hafenpier bietet Platz für bis zu 50 Yachten (inklusive Strom und Wasser). Gleich gegenüber vom Liegeplatz liegen die vielen Tavernen, Cafés und Läden, der pulsierende Inselort zieht viele Tagesgäste der umliegenden Inseln an. Beste Einkaufsmöglichkeiten, viele Geschäfte, EC-Automaten, Schiffszubehörladen und Behörden zum Ein- und Ausklarieren machen Kalymnos zudem zu einem beliebten Seglerstopp.

Der große Inselhafen von Kalymnos bietet gute Versorgungsmöglichkeiten und viel Abwechslung. ©Freesurf/stock.adobe.com

Tag 2: Kalymnos – Leros, 21 sm

Wieder geht es ein Stück weiter Richtung Norden, der Wind entscheidet, ob die Route lieber an der Ost- oder Westküste von Kalymnos vorbeiführt. Auf beiden Inselseiten erlauben Badebuchten in kurzen Abständen einen gemütlichen Mittagsstopp. Auf der Insel Patmos gibt es gleich fünf kleine und kleinste Hafenorte, die Hafenbucht Ormos Panteli ist mit ihren Hotels und Fischtavernen die vermutlich schönste Option der Insel. Im winzigen Hafen bleibt allerdings kaum Platz für Yachten, doch vor dem Hafen oder dem Sandstrand nebenan gibt es sichere Ankerplätze für die Nacht. Hier geht es deutlich ruhiger als in Kalymnos zu, griechische Tavernen aber finden sich auch hier.

Die weißen Würfelhäuser von Panteli erinnern fast schon an die Inseln der Kykladen. ©Thomas Jastram/stock.adobe.com

Tag 3: Leros – Patmos, 22 sm

Nächster Tag, nächste Insel. Mit Kurs Nordwest geht es zu einer der Lieblingsinseln aller Dodekanes-Touristen, nach Patmos. Tief in die Insel eingeschnitten liegt der Haupthafen Skala. Die Zutaten dieses Stopps sind Palmen neben den Liegeplätzen an der Promenade, ein Stadtstrand, das Ein- und Ausschiffen der vielen Fährpassagiere und das Knattern der Mopeds – Skala ist ein lebendiger Ort. Wer an der Kaimauer (mit Strom und Wasser) nahe am Zentrum keinen Platz mehr findet, der kann etwas nördlich davon frei ankern. Gleich neben der kleinen Marina, die meist mit Dauerliegern und einheimischen Booten voll belegt ist und noch immer auf einen ordnungsgemäßen Betrieb wartet. Zur Chora, dem Hauptort der Insel mit seinem bedeutenden Kloster, fahren regelmäßig Busse ab Skala, zu Fuß ist man etwa 45 Minuten unterwegs und genießt tolle Ausblicke über die Inselwelt des Dodekanes.

Die Hafenpier für Yachten liegt etwas nördlich des Zentrums von Skala. ©aerial-drone/stock.adobe.com

Tag 4: Patmos – Fournoi, 21 sm

Die letzte Etappe Richtung Norden kann bei Meltemi einen anspruchsvollen Segeltag gegen den Wind bedeuten. Die stark gegliederte Inselgruppe Fournoi (auch Phournoi genannt) bietet tolle und anspruchsvolle Durchfahrten zwischen Hauptinsel und vorgelagerten Inseln und Felsen. Schon auf dem knapp vier Seemeilen langen Weg entlang der Westküste der Insel bieten sich zahlreiche Ankermöglichkeiten an, doch der Schutz und die Umgebung in der Kambi-Bucht sind einfach perfekt (außer bei Südwind). Direkt am Strand neben dem kleinen Anleger des Miniortes (der Platz für ein paar Yachten mit weniger als zwei Meter Tiefgang bietet) liegt die Kampi Beach Bar. Mit Blick auf die ankernde Yacht genießen Segler hier neben dem griechischen Salat auch die himmlische Ruhe.

Der Ankerplatz von Kambi auf Fournoi liegt sehr geschützt und idyllisch. ©Cavan/stock.adobe.com

Tag 5: Fournoi – Lipso, 24 sm

Zur Zeit des Meltemi liest sich die Beschreibung der Tagesetappe in etwa so: Die Heckwelle gurgelt, der Meltemi schiebt und schnell kommt der pittoreske Hafenort Lipsi in Sicht. Die kleine Insel auf dem Weg zurück nach Süden ist auch das Ziel vieler Individualtouristen. In dem Gewirr der Inseln und Felsen rund um die beiden kleinen und nahe beieinander liegenden Inseln Arki und Lipso gibt es viele sehr gut geschützte Anker- und Badebuchten für einen Zwischenstopp. Wer dann am Abend die Annehmlichkeiten eines Inselortes wünscht, wird im gleichnamigen Hafenort Lipso fündig. An der langen Hafenpier (mit Strom und Wasser) finden Yachten an der Innen- und Außenseite Platz, gleich daneben gibt es ausreichend Ankerplatz. Sehr urige Tavernen und ein hübscher Inselort am Hang machen Lipso zu einem bleibenden Erlebnis.

Liebenswert und sehr einheimisch: Der Ort Lipso auf der gleichnamigen Insel ist ein lohnenswerter Stopp. ©John/stock.adobe.com

Tag 6: Lipso – Kos, 36 sm

Vor dem Wind ist auch die längste Etappe der Reise schnell abgesegelt und eine Rückkehr zum Charterstützpunkt bis 17 Uhr kein Problem. Das ist auch deshalb eine gute Nachricht, weil damit ausreichend Zeit für den größten Ort des Reviers bleibt. Für seine vielen uralten Sehenswürdigkeiten genauso wie für das Basarviertel. Im Stadthafen selbst ist es oft voll und unruhig, dauernd laufen Fähren und Ausflugsschiffe ein und aus und am Abend wird der Hafen von lauter Musik beschallt. Etwas ruhiger und mit allen Annehmlichkeiten eines modernen Yachthafens ausgestattet, bietet die etwa einen Kilometer Fußweg vom Stadthafen entfernte Kos Marina weitere Liegeplätze. Von wo aus auch immer am Abend der Weg in die Stadt führt, Kos ist der ideale Ort für einen Abschiedsabend eines erfolgreichen Dodekanes-Törns.

Der Stadthafen von Kos ist das lebendige Zentrum für einen Törn durch die Inselwelt des Dodekanes. ©olezzo/stock.adobe.com

Charter

Kos ist ein beliebter Ausgangshafen, hier haben fast ein Dutzend Anbieter ihre Charterbasis. Die meisten davon sind griechische Charterfirmen, die auch in anderen Landesteilen weitere Stützpunkte betreiben. Von Kos aus gibt es auch direkte Charterflugverbindungen nach Deutschland oder Österreich. Der andere große Charterhafen im Dodekanes liegt etwa 60 Seemeilen weiter im Süden auf Rhodos.

In der modernen Marina von Kos sind auch die Charterstützpunkte zu Hause. ©sergzel/stock.adobe.com

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