Törnbericht Finnland: Segeln an der Westküste zwischen Uusikaupunki und Haparanda

Von Janne Lübben

Janne sammelte bereits als Kind mit der Jolle auf einem Binnensee Segelerfahrung. 2011 segelte sie zum ersten Mal eine Kielyacht im Urlaub mit ihrem Freund Henning. Seitdem verbrachten sie gemeinsam diverse Urlaube an Bord. 2016 umrundete sie zusammen mit Henning die gesamte Ostsee.

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Diese Küste ist einen Besuch wert

Die finnische Küste nördlich von Uusikaupunki wird von vielen Seglern auf Ostseeumsegelung links liegen gelassen. Manche Crews, die von den Ålandinseln kommen, steuern Rauma oder vielleicht noch Vasaa an, aber spätestens dann zieht es sie rüber nach Schweden. Haparanda am Scheitel des Bottnischen Meerbusens oder die landschaftlich reizvolle Höga Kusten sind das Ziel. Selbst Finnen aus Südfinnland gehen lieber in Schweden segeln, da dort die Küste navigatorisch einfacher ist.

Skandinavische Sommeridylle an der westfinnischen Küste

Wir haben die westfinnische Küste erkundet und sind der Meinung, dass sie einen Besuch definitiv wert ist. Natur pur, schönste Landschaft, nette, herzliche Finnen, einsame Inseln und Inselchen sowie eindrückliche Erlebnisse verbinden wir mit der Gegend dort oben. Aber auch eine herausfordernde Navigation, viele Steine und enge Fahrwasser.

Steine und flache Gewässer sind typisch für die nordwestliche Küste Finnlands.

Manchmal müssen wir trotz bestem Segelwind ein Stück motoren, weil der Wind von vorne kommt und das Fahrwasser zu schmal zum Kreuzen ist. Aber oftmals folgt die nächste Fahrwasserkurve schon bald darauf und wir können wieder segeln.

Von Uusikaupunki geht es nordwärts

Unserer Einstieg in die finnische Segelwelt beginnt in Uusikaupunki. Wir machen Großeinkauf, waschen Wäsche, bunkern Diesel und bereiten uns auf die Zeit vor. Midsommar feiern wir auf Kylmäpihlaya, eine ruhige kleine Insel mit niedlichem Hafen vor der Stadt Rauma.

Weit sichtbare Peilmarke für sichere Navigation in den engen Schärengewässern vor Rauma

Der alte Leuchtturm auf Kylmäpihlaya bietet Übernachtungszimmer an. Es besteht eine Fährverbindung nach Rauma. In Rauma findet am Midsommar-Wochenende das RMJ-Festival (Raumanmeren Juhannus Midsummer Festival – ein Musikfestival) statt. Dann ist in Rauma, vor allem auch am Hafen, ordentlich Stimmung. Ein ziemlicher Kontrast zu den beschaulichen Inseln davor.

Der beschauliche Hafen von Kylmäpihlaya

Von Rauma, beziehungsweise Kylmäphilaya, hangeln wir uns nach Norden vor. Mit dem Wind haben wir Glück, er weht überwiegend aus Süden. Wettertechnisch bekommen wir von Flaute bis Sturmwarnung, von Sonnenschein bis Regen, von Nebel bis Gewitter, von kalt bis warm alles geboten.

Hoch im Norden dominieren Steine statt Schären

Nördlich der Turkuschären hört die typische Schärenwelt langsam auf. Es wird flacher und steiniger. So flach, dass wir teilweise weit entfernt vom Festland durch Fahrwasser segeln, die trotzdem nur zwei Meter Tiefe garantieren. Die Fahrwasser näher am Festland wiederum sind zu flach für uns.

Kilhamn – ein Hafen in typischer, finnischer Abendstimmung

Reposaari, Kilhamn, Kaskinen und Bredskäret steuern wir an. In Vasaa stocken wir Proviant auf. In Replot buchen wir wie in den meisten Häfen beim Bezahlen der Hafengebühr die Sauna gleich mit. Im Anschluss sitzen wir im Cockpit, genießen den langen Abend und sehen der deutschen Nationalmannschaft beim Toreschießen zu. Das mobile Internet ist in Finnland selbst an entlegenen Inseln unglaublich schnell und mobiles Prepaid Internet unglaublich günstig.

Abendrot in Replot

In den Häfen liegen wir entweder vor Heckboje oder längsseits. Unsere Schärennägel verschwinden immer tiefer in der Backskiste. Hilfreicher ist ein großer Karabiner oder ein langer Haken zum Festmachen an den Heckbojen.

Im Päckchen am Anleger von Bredskäret

Richtig schlemmen können wir auf Mässkär. Das Restaurant hat nur zwei Gerichte zur Auswahl, eins ist bereits aus, als wir bestellen wollen. Das verbleibende Fischgericht ist seinen Preis absolut wert. Uns wird erzählt, dass der Restaurantinhaber und Koch bei einem Sternekoch in Stockholm gelernt hat, bevor er in seine Heimat zurückgekehrt ist. So schmeckt das Essen definitiv auch.

Ein lohnendes Ziel vor Jakobstad: Mässkär

Kleinod an Kleinod

Nördlich von Mässkär und Jakobstad, der Heimat der Swan-Yachten der Nautor-Werft, liegt gleich das nächste idyllische Kleinod: Tankar. Auf Tankar werden wir eingeweht, müssen einen Sturm aussitzen. Wieder einmal lernen wir die finnische Gastfreundschaft kennen. Wir bekommen das fehlende Spiegelei für unseren Labskaus geschenkt. Unsere Vorräte neigen sich dem Ende zu. Als wir uns nach dem besten Weg zum Festland erkundigen, um einkaufen zu können, bekommen wir umgehend einen Gast an Bord.

Der Leuchtturm auf Tankar

Da die Eigner kleinerer Motorboote sich bei dem Wellengang nicht zum Festland trauen, sitzen alle Gäste auf der Insel fest. Der Cafébetreiber vermittelt uns so als Überfahrt für seinen Gast und handelt gleich den zugehörigen Deal aus. Die nette Finnin, die quasi kein Englisch spricht, bringt uns zum Einkaufen und danach zurück zum Boot, wenn wir sie mit zum Festland nehmen. Gesagt, getan. Die Dame in Rosa bekommt eine Rettungsweste an, klammert sich bei ordentlich Wellengang an den gezeigten Haltemöglichkeiten fest und wir motoren gemeinsam zum Festland nach Kokkola.

Sicherer Yachthafen in Kokkola

Weiter nördlich wird es schwedischer

Je nördlicher wir kommen, desto mehr bemerken wir den schwedischen Einfluss. Immer öfter steht der schwedische Stadtname über dem finnischen. Immer öfter sprechen die Einwohner neben Finnisch und Englisch auch Schwedisch.

Der nicht immer geschützte Anleger von Maakalla

Auf Maakalla ist die schwedische Vergangenheit ganz besonders zu erleben. Die Insel ist nach altem schwedischen Recht autonom verwaltet. Es gibt eigene Gesetze und Vorschriften. Zum Beispiel dürfen einzig und allein Fischer die Häuser auf Maakalla erwerben. Ansonsten können diese nur vererbt werden.

Fischladen mit Selbstbedienung auf Maakalla

Wir werden auf Maakalla erst in die Sauna und danach zum gemeinsamen Lagerfeuer eingeladen. Auch wenn nicht alle fließend Englisch können, klappt die Verständigung gut und wir erfahren einiges über die Insel und ihre Bewohner. Dazu gibt es frischen und geräucherten Fisch in einem niedlichen und liebevoll dekorierten 7/24 geöffneten Schuppen zu kaufen.

Voll belegter Hafen auf Härkäletto

Einen würdigen Abschluss bietet Härkäletto. Eine winzige Insel mit dem kleinsten Gästehafen, den wir je gesehen haben; genau zwei Boote haben Platz am Steg. Obwohl Hochsommer ist und das eine Boot schon seit einer Nacht dort liegt, bekommen wir den zweiten Platz. Das Festland liegt hier östlicher als Helsinki, soweit schiebt sich der Bottnische Meerbusen nach Osten. Die Sonne lässt sich Zeit mit dem Untergehen. Es wird um diese Jahreszeit quasi nicht mehr dunkel, dafür zieht sich die blaue Stunde bis zum Sonnenuntergang über Stunden hin und taucht alles in ein warmes, weiches Licht.

Hochsaison auf Selkä-Sarvi

Unser letzter Stopp in Finnland ist Selkä-Sarvi. Ebenfalls ein kleiner Hafen. Mit Sauna. Mit kleinem Wanderweg über die Insel. Mitten in der Natur. Ein typisches Beispiel für die kleinen finnischen Häfen. Er wird voll, mehrere Yachten liegen in Zweier-Päckchen. Die Sauna-Buchungsliste ist schnell gefüllt. Es ist unser letzter Hafen an der finnischen Westküste. Von Selkä-Sarvi aus steuern auch wir das Sehnsuchtsziel Haparanda in Schweden an.

Sehnsuchtsziel Haparanda – das Clubhaus mit Wimpeln der Gastyachten

Die Segelsaison ist kurz in Nordfinnland. Im Winter ist die Ostsee dort zugefroren. Inseln wie Mässkär erreicht man dann per Ski oder zu Fuß und nicht per Boot. Auf der schwedischen Seite bei Luleå werden dann von der Stadt öffentliche Straßen auf das Eis gebaut. Bis in den März kann man so einige vorgelagerte Inseln mit dem eigenen Auto erreichen. Oft schmelzen erst im Mai die letzten Eisschollen.

Im Winter werden hier öffentliche Straßen auf das Eis gebaut.

Trotzdem ist hier oben die Hauptsaison eher wie die Nebensaison in der dänischen Südsee. Hochsaison bedeutet, vielleicht auch mal ins Päckchen zu gehen, statt spät abends noch einen Einzelliegeplatz zu bekommen. Während sich in den Stockholmer Schären und ab Midsommar auf den Ålandinseln die Boote nur so tummeln und in den schönen Ankerbuchten fast schon stapeln, ist es nördlich davon angenehm lebhaft.

Die Navigation zwischen den vielen Steinen ist anspruchsvoll.

Navigation in Finnland

Aktuelle Seekarten sind für die Navigation äußerst wichtig. Fahrwasser werden mittels Kardinalzeichen, roten und grünen Tonnen sowie Peilmarken markiert und man sollte sich strikt an diese halten.

Peilmarken leiten durch die Steine.

Während auf der ostschwedischen Seite gegenüber das Land steil ins Wasser fällt, ist die westfinnische Seite gespickt mit Steinen über und unter Wasser. Grundberührungen passieren in Finnland öfter als gedacht, wir haben vor Rauma das falsche Fahrwasser genommen und einen Stein erwischt. Verschiedene Segler, die wir danach getroffen haben, haben ebenfalls von selbsterlebten Grundberührungen erzählt.

Reizvoll: die idyllischen Inseln im Norden des Bottnischen Meerbusens.

Fazit

Wie zwischen den Zeilen unschwer zu lesen ist, hat uns der Abstecher an diese entlegene Küste der Ostsee unglaublich gut gefallen. Die wunderbare Natur und die Herzlichkeit der Finnen werden wir in guter Erinnerung behalten. Und auch wenn das mit den vielen Steinen gelegentlich anstrengend ist, hat Westfinnland gegenüber Ostschweden noch einen unschlagbaren Vorteil: In Finnland geht die Sonne fast immer über dem Meer unter, in Ostschweden ist das nur äußerst selten der Fall.

Leuchtturminsel Kylmäphilaya

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Wenn nicht jetzt, wann dann? Sönke Roever und Helmut Adwiraah kennen sich seit der Schulzeit und segeln seitdem miteinander. Nach einigen Jahren Studienzeit und Berufsarbeit beschließen sie, sich mit knapp 30 Jahren, bevor der wirkliche „Ernst des Lebens“ beginnt, einen Traum zu erfüllen und einen ganzen Sommer lang die Ostsee zu umrunden. Dabei streifen sie auch durch die finnische Segelwelt zwischen Uusikaupunki und Vasaa. Intensiv erlebt und erfrischend locker beschrieben, regt dieser fröhliche und optimistische Reisebericht, gewürzt mit Anekdoten über Land und Leute und gespickt mit seglerischen Tipps, zum Nachmachen an.

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