Afrika pur – Segeln und Chartern in Madagaskar

Von Michael Amme

Michael ist seit über 20 Jahren als Journalist und Fotograf auf dem Wasser tätig. Der studierte Geograf hat weltweit Reisereportagen in mehr als 100 Charter- und Blauwasserrevieren produziert. Zudem haben den Hamburger viele Segelreisen und seine frühere Tätigkeit als Charter- und Überführungsskipper rund um den Globus geführt. Zusammen mit Sönke Roever ist er die treibende Kraft von BLAUWASSER.DE und ein beliebter Referent auf Bootsmessen und diversen Seminaren (siehe Termine).

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Ein Revier für Weltumsegler – jetzt auch mit Charterangebot

Es ist, als würde das Wasser brodeln. Kleine Fische stieben auseinander, springen hoch, landen bäuchlings auf der Wasseroberfläche, tauchen ein, während sich das Netz um sie herum langsam enger zieht. Eine Gruppe aus drei Frauen und rund 15 Kindern, das jüngste kaum älter als zehn Jahre alt, stehen im hüfttiefen Wasser der Baie de Maribe und lassen ihre Handflächen aufs Wasser klatschen, wieder und wieder, dazu singen sie ein afrikanisches Lied.

Die Dörfer entlang der Segelroute sind an Ursprünglichkeit nicht zu überbieten.

Ganz langsam zieht der Tross durch die Bucht, hin und wieder greift eine der Frauen ins Netz und wirft ein paar Fische in eine Schüssel, winzige Fische, vermutlich Köderfische für die Männer, mit denen sie morgen früh lautlos aufs offene Meer hinausgleiten werden. In dem kleinen Pfahlbautendorf hinter dem Strand dampfen verrußte Kochtöpfe über offenen Feuerstellen, Getreidepflanzen liegen auf Bastmatten in der prallen Sonne zum Trocknen aus. Und in der Ferne grasen ein paar buckelige Zebu-Rinder.

Fröhlich und farbenfroh leben die Bewohner in sehr einfachen Hütten.

„Ich hätte nie gedacht, dass wir in so unberührte Ecken vorstoßen!“

Eine Szene wie aus einem Freilichtmuseum. Doch die Idylle auf der Insel Nosy Mitsio im Nordwesten von Madagaskar ist pure Lebensrealität, eine Lebensrealität, die seit Jahrhunderten unverändert ist. Es gibt keinen Strom, keine Straßen, keine Geschäfte, keine Ärzte und keine Schule. Es existieren keine Handynetze und auch keine Computer, die einzige Verbindung zur Außenwelt sind segelnde Auslegerkanus. „So etwas habe ich ja noch nie gesehen“, staunt Frank, Zahnarzt aus Hamburg, beim Rundgang über die Insel. „Ich hätte nie gedacht, dass wir in so unberührte Ecken vorstoßen!“

Tatsächlich ist das segelnde Auslegerkanu immer noch der am weitesten verbreitete Bootstyp.

Was früher nur Forschern ethnologischer Expeditionen vorbehalten war, kann sich nun dank einer Charterbasis jeder Urlaubssegler selbst erobern. Doch über das Revier selbst weiß kaum jemand etwas Genaues, einen Törnführer gibt es nicht. Und in den Reiseführern finden die meisten der Inseln gar keine Erwähnung. Nur das alte Seemannslied aus den Dreißigern, das kennt jeder: „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord. In den Fässern, da faulte das Wasser und täglich ging einer über Bord.“

Heute umtreiben Segler andere Sorgen: Das Tropeninstitut Hamburg warnt Madagaskar-Reisende vor Malaria, Hepatitis A und Tollwut, vor Diphterie und Polio. Ein Geo-Bericht bezeichnete Madagaskar als eines der ärmsten Länder der Welt. Und die Klimakarte bestätigt, dass das Land im Zyklonengürtel des Indischen Ozeans liegt. Dazu spricht man in der ehemaligen französischen Kolonie kaum Englisch. Ob man dort trotz alledem einen unbeschwerten Segelurlaub verbringen kann? Ob sich die lange Anreise dennoch lohnt? Sorgenfalten scheinen berechtigt.

Spätestens an Ankerplätzen wie der Insel Nosy Tanikely sind alle Sorgen schnell verflogen.

Nosy Be ist das touristische Zentrum des Reviers

Nosy Be vor drei Tagen. Auf dem Rollfeld parkte ein Langstreckenflugzeug der französischen TUI-Tochter Corsair, die beliebteste madegassische Badeinsel ist per Direktflug mit Paris verbunden. Afrika light also? Ein Blick auf die andere Seite des Rollfeldes offenbarte ein anderes Bild: Vor dem kleinen Terminal sortierten die Fahrer wild gestikulierend Gepäck und Reisende auf die wartenden Taxen, die hierzulande längst in der Schrottpresse gelandet wären. Ein verrosteter Renault 4 nach dem anderen verließ den kleinen Parkplatz, nur die Crew und wir blieben zurück. Der bestellte Transfer war nicht dabei. Afrika eben.

Hat der Renault 4 bei uns schon Kultstatus, wird er auf Nosy Be als Alltagsfahrzeug eingesetzt.

Doch derlei Vorkommnisse sollten dem Urlauber hier nicht die Laune verderben, zu schön ist die andere Seite, die diese afrikanische Insel zu bieten hat. Riesige Palmen säumen die Straße Richtung Hell-Ville, dazwischen immer wieder Kaffee- und Bananenplantagen. Von den Abbruchkanten der Berghänge leuchtet die rote, afrikanische Erde, dahinter erstreckt sich tropisch-grüne Vegetation.

In der Hafenbucht von Hell-Ville liegen auch ein paar Weltumsegler vor Anker.

Als wir endlich eine klapprige Ente ergattert hatten, genossen wir die Aussichten, die Gerüche, es duftete nach Vanille und Zimt, hin und wieder huschte ein Dorf an den Fenstern vorbei, irgendwann auch eine Schlange, armdick, sie lag auf der Straße, überfahren, wie der Fahrer signalisierte. Er umschiffte sie und auch die Schlaglöcher, die Ochsenkarren, die spielenden Kinder. Bis er eine gute halbe Stunde später am Charterstützpunkt stoppte.

Nosy Be ist bunt, die Versorgung gut

Nachdem Crew und Gepäck an Bord waren, sagte der Basisleiter ein paar Sätze zu unserer Charteryacht, erteilte ein paar Tipps zum Törn und zum Schluss noch die wichtigste Info: „Proviant, Wasser und Diesel gibt es nur hier auf Nosy Be!“

Auf dem Markt von Hell-Ville kann man günstig viel Frisches einkaufen.

Doch schon die erste kurze Etappe führte uns heraus aus dem hektischen Treiben und hinein in die afrikanische Einsamkeit. Erst auf die unbewohnte Sand- und Palmeninsel Nosy Tanikely, deren vorgelagerter Marinepark viele Tagesausflügler anzieht. Später am Tag ging es mit der nachmittäglichen Westwindbrise zehn Seemeilen weiter nach Osten.

Nosy Tanikely wird von Tagesausflüglern besucht und bietet eine tropische Farbenexplosion.

Trotz Schmetterlingbesegelung fiel das einheimische Auslegerkanu an Backbord nicht ab, im Gegenteil: Es hielt mit, begleitete uns mit viereinhalb Knoten bis nach Ampangorina auf Nosy Komba. „Men, Nosy Komba is Hollywood, not Madagascar“, hatte uns Adriano, ein italienischer Auswanderer in strahlend weißem Outfit, kurz nach unserer Ankunft aufgeklärt. Im Dorf gab es ein paar einfache Bungalowsiedlungen für Touristen, ein paar Souvenirstände, es wurden Tischdecken, Schnitzereien und Schmuck angeboten. „Sogar Kreuzfahrtschiffe machen hier halt, denen werden wir als Künstlerdorf verkauft!“, hatte Adriano lachend erzählt.

Der Strand von Nosy Komba gehört den Einheimischen, Touristen gibt es hier fast keine.

Nosy Mitso – Leben wie in vergangenen Jahrhunderten

Zurück auf Nosy Mitsio, zurück bei den fischenden Frauen und Kindern. „Es ist wirklich unglaublich“, sagt Frank, „in was für unterschiedlichen Welten wir in den letzten drei Tagen gelandet sind!“ Das belebte, touristisch erschlossene Nosy Be mit seinen Hotelstränden, das Künstlerdorf auf Nosy Komba und nun Nosy Mitsio. Ein echtes Steinzeit-Eiland. Die Frauen und Kinder lassen noch ein paar Mal ihre Hände auf das Wasser klatschen, ein paar Mal klauben sie noch mit geübten Handgriffen Fische aus dem Netz, dann stapfen sie aus dem Meer, ihren winzigen Pfahlbauten entgegen.

Einfache Hütten, sandige Plätze – die Zeit auf Nosy Mitsio scheint stehengeblieben zu sein.

Auch das nächste Ziel liegt abseits der Touristenpfade, vor der unbewohnten Insel Nosy Fanihy liegt keine andere Yacht. „Insgesamt“, hatte der Stützpunktleiter gesagt, „gibt es hier neben unserer Handvoll Yachten vielleicht noch ein weiteres Dutzend.“ Hauptsächlich kommen Franzosen und Italiener auf Weltumseglung hier vorbei, dazu ein paar Südafrikaner. „Eine ganze Insel nur für uns!“, begeistert sich Anita aus Hamburg, nachdem das Dingi im Weißwasser einer sich brechenden Welle an den watteweichen Strand gespült wurde.

Tatsächlich finden wir keine Spuren menschlicher Zivilisation, nur bizarre, angespülte und rundgeschliffene Treibhölzer, dazu Muscheln in jeder Farbe und Größe. Ein Platz, um Entdecker zu spielen, um zu baden, sich zu sonnen, zu entspannen oder zu schnorcheln. Wüsste ich nicht, dass fast jeden Tag eine neue Robinsoninsel am Horizont auftaucht, ich würde ewig bleiben wollen.

Nosy Fanihy ist unbewohnt und einsam, aber trotzdem zum Bleiben schön.

Die Navigation ist herausfordernd

Nicht ganz unproblematisch ist die Navigation. Das Kartenmaterial ist alt, die Datensätze elektronischer Systeme ungenau. Kein Wunder, die meisten Messungen im Revier sind über 100 Jahre alt. Wer GPS-Positionen auf eine Papierkarte überträgt, sieht sein Schiff nicht selten an Land stehen. Hier sind alte Tugenden wieder gefragt: Küstenlinien interpretieren, mit dem Echolot Tiefenlinien folgen und gefährliche Untiefen nur mit ein, zwei Seemeilen Abstand passieren.

Die einheimischen Seeleute sind ohne Navigationshilfen mit rustikalen Schiffen unterwegs.

Doch angesichts der Exotik des Reviers, angesichts seiner Vielfalt und seiner Schönheit, verblassen derlei Probleme. So etwa in der Baie d’Ambavatoby, einer fünf Seemeilen breiten Bucht mit einem nur winzigen Zugang zum Meer. Die weit verzweigte Bucht, in der die Mangrovenwälder bis zum Ufer wuchern, gilt in der Wirbelsturmsaison (zwischen Dezember und Februar) als idealer Zufluchtsort.

In den Mangroven der Bucht Baie d’Ambavatoby kann man exotische bunte Vögel beobachten.

Einfache Gastgeschenke sind sehr gefragt

Ebenso der Rivière Baramhamay, ein tiefer, fast fjordähnlicher Einschnitt in die hohe Felsküste des Festlandes. Sowohl an Backbord als auch an Steuerbord gibt es sichere Ankerplätze vor kleinen Dörfern. Hin und wieder traut sich ein Einwohner in seinem Auslegerkanu zu uns hinaus, möchte Honig, Hummer oder Fisch verkaufen. Und hat meistens auch einen kleinen Wunsch: ein T-Shirt vielleicht, eine alte Hose, eine Cap, Batterien, Benzin oder Werkzeug. Am häufigsten aber wird nach Medizin gefragt. „Das ist nicht unproblematisch“, sagt Frank, „man muss dann schon sicher sein, dass die Medikation auch die Richtige ist. Und, dass der Betroffene Dosis und Anwendungsdauer auch wirklich verstanden hat.“

Die Einheimischen haben oft nur das Nötigste zum Leben, eine medizinische Versorgung ist nicht vorhanden.

Kurz vor Ende des Törns folgt ein Höhepunkt der ganz anderen Art: Nosy Iranja. Der Stützpunktleiter hatte bei der Schiffsübergabe darauf hingewiesen, dass vor dem Landgang erst über UKW-Kanal 14 eine Erlaubnis eingeholt werden muss. Das private Mini-Eiland ist eine exklusive Resort-Insel mit Strandvillen, Sterneküche und Tauchbasis. Wer sich hier einnistet, muss 300 Euro pro Nacht berappen. „Yes, you are welcome, please come ashore“, scheppert eine Stimme in akzentfreiem Englisch aus dem UKW-Lautsprecher und macht damit den Weg frei auf bequeme Korbsessel, eine luftig-schattige Vollholzterrasse, auf Fruchtcocktails, Cappuccino und ein Drei-Gänge-Lunch. Auch das ist offensichtlich Afrika.

Im Revier liegt auch die hochpreisige Resortinsel Nosy Iranja.

Schildkröten auf Nosy Iranja

Doch der eigentliche Clou der Insel ist eine fast eine Seemeile lange Sandbank, die bei Niedrigwasser trockenfällt und die winzige Resort-Insel mit ihrer Mutterinsel verbindet. „So, der Hindenburgdamm wäre jetzt frei zur Begehung“, scherzt Frank nach dem Mittagessen. Umgeben von türkisem Wasser, umspült von den letzten, gurgelnd über die Sandbank rollenden Wellen spazieren wir in das Dorf der gegenüberliegenden Insel.

Bei ablaufendem Wasser wird der Damm zwischen den beiden Inseln spektakulär freigesetzt.

Hier, nur einen Katzensprung entfernt, leben die Einheimischen ihr einfaches Leben in dichtgedrängten, winzigen Pfahlhütten mit aus Palmenwedeln bedeckten Dächern. Über dem Ort thront das vermutlich höchste Bauwerk des Archipels: ein 20 Meter hoher, verrosteter Leuchtturm, entworfen von keinem geringeren als Gustave Eiffel, gebaut 1909. Aber natürlich ist er ebenso wenig in Betrieb wie alle anderen in der Seekarte verzeichneten Leuchtfeuer, auch das ist Afrika.

Auf der anderen Insel leben die Einheimischen bescheiden in ihren einfachen Pfahlbauten.

Zurück auf der Resort-Insel. Den naturbelassenen Strand im Süden der Insel haben die Meeresschildkröten für ihre Eiablage auserkoren, vermutlich schon seit ewigen Zeiten. „Wir haben hier die höchste dokumentierte Rate an Eiablagen im gesamten Indischen Ozean“, erzählt der Manager des Resorts stolz. „Wir beschäftigen extra zwei Wissenschaftler, die den Bestand pflegen und beobachten.“ Zurzeit sind über 40 Gruben mit Eiern gefüllt, „und in genau zweit Tagen, exakt am 60. Tag nach der Eiablage, schlüpfen die nächsten Jungtiere.“ Wenn wir wollen, dürften wir dann gerne mit dabei sein.

Herzlich und zufrieden: Mädchen mit traditioneller Kopfbemalung

Das südliche Inselarchipel Radama ist dann wieder ganz in einheimischer Hand. Unser Landgang auf Nosy Ovy beschert uns einen Blick in einen einheimischen Schulalltag – auf einen Insellehrer und seine 60 barfüßigen Schüler, die unter grauem Wellblechdach lernen. Wir werden hereingerufen, sollen uns vorstellen und auf einer Weltkarte zeigen, woher wir kommen. Der Lehrer und die Kinder wollen uns gar nicht mehr gehen lassen und wir sind am Ende ganz beseelt von den Bildern einer afrikanischen Schulklasse, die wir bisher so nur aus Fernsehreportagen kannten.

Viele Kinder, wenig Ausstattung und eine Klasse für alle Jahrgänge – mehr geht auf den Inseln nicht.

Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner die Zeit

Auf unserem Weg zurück nach Nosy Iranja kreuzen überall segelnde Auslegerkanus unseren Kurs, „aus der Entfernung sieht das hier manchmal aus wie zur Hauptsaison in Kroatien“, sage ich mehr zu mir selbst. Auch die meist schwachen Windverhältnisse sind vergleichbar, was die Madegassen kaum aus der Ruhe bringen kann. Ist der Wind weg, wird gepaddelt oder schlicht abgewartet. Ganz nach dem Motto: Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner die Zeit.

Egal ob mit oder ohne Segel, Auslegerkanus sind Verkehrsmittel und Fischereifahrzeug zugleich.

Zurück am Strand der Schildkröten. Die Sonne steht schon tief, plötzlich entdecken wir im Sand einige Unruheherde, hier und da ein kleines Zappeln, mehr nicht. Nur bei näherem Hinsehen erkennen wir, dass es kleine Schildkröten sind, die sich da aus dem Ei zu pellen versuchen, die hilflos mit den Beinen rudern, umfallen, sich wieder aufrappeln, weiterkämpfen. Wer es aus dem Ei geschafft hat, krabbelt wie ferngesteuert Richtung Meer. Erst schnappen die kleinen Wellen nach den Winzlingen, dann, deutlich zu erkennen, die Raubfische. Die Tunfische, Haie und Barrakudas scheinen genau zu wissen, wann die Schildkröten schlüpfen.

Mit leider sehr wenig Überlebenschance kämpft sich die geschlüpfte Meeresschildkröte Richtung Meer.

Fazit: mehr Exotik geht nicht

Gibt es neben der Karibik, Thailand, Belize, den Seychellen oder Brasilien wirklich noch Bedarf an einem weiteren, exotischen Charterrevier? Tatsächlich ist die Frage falsch gestellt, denn Madagaskar ist einfach anders. Denn in keinem anderen Revier der Welt kann man mit einer gecharterten Yacht zu so unberührten Plätzen vorstoßen und so pures einheimisches Leben entdecken wie in Madagaskar. Ja, auch hier finden sich vereinzelt touristisch erschlossene Ziele wie Nosy Iranja. Insgesamt aber bleiben die Plätze unentdecktes Terrain, das bisher nur Weltumseglern vorbehalten war. Oder, wie die Tourismuswerbung des Landes behauptet: Madagaskar, das am besten gehütete Geheimnis der Welt!

Jeder Stopp der Reise bestätigt die absolute Exotik des Reviers.

Charter

Vermutlich ist Madagaskar das exotischste Charterziel weltweit, keine andere Destination führt einen schon nach einer Tagesetappe zu Zielen fernab der Zivilisation, wo Menschen mit einfachsten Mitteln ihr traditionelles Leben führen. Nach einem ersten Versuch vor gut zehn Jahren, hier einen Charterstützpunkt zu etablieren, gibt es jetzt einen zweiten. Im Angebot sind nicht viel mehr als ein halbes Dutzend Yachten, die meisten davon Katamarane. Einer davon bietet auch Törns mit Skipper und Hostess an, auch Kabinen-Charter genannt.

Madagaskar ist weltweit das am weitesten von der Zivilisation entfernte Charterrevier.

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Weitere Infos zum Revier

Segelrevier

Das Revier teilt sich auf in das Inselarchipel Mitsio im Norden, die Ankerplätze und Inseln rund um die beliebte Ferieninsel Nosy Be in der Mitte sowie die Festlandsküste mit dem vorgelagerten Inselarchipel Radama im Süden. Die Tagesetappen können mal zehn bis 15 Seemeilen, mal aber auch 30 bis 35 Seemeilen lang sein. Wer alle drei Revierabschnitte besucht, hat auf einer Rundreise etwa 250 Seemeilen auf der Logge.

Das Revier hat viele Facetten, tropisch-exotisch ist es auf jeden Fall.

Navigation

Das Kartenmaterial beruht auf sehr alten Daten, dementsprechend weichen die GPS-Daten von den Kartenpositionen ab (bis zu einer Meile). Gleiches gilt für elektronische Seekarten. Für einen sicheren Landfall reicht aber die Navigation nach Sicht und Echolot, oder man gibt die von der Basis für jeden Ankerplatz notierten GPS-Daten als Wegepunkt ein. Seezeichen gibt es keine. Der Tidenhub beträgt bis zu vier Meter, dennoch sind die Strömungen weitestgehend vernachlässigbar. Nur das Schlauchboot muss beim Anlanden gesichert werden.

Bei der Küstennavigation unbedingt nicht blind dem Kartenmaterial oder Plotter vertrauen.

Wind und Wetter

Im europäischen Winter sind die Temperaturen im Revier zwar am höchsten, wegen der Regenzeit aber auch die Niederschläge. Zwischen Dezember und März gibt es bis zu 20 Regentage im Monat, dazu besteht in dieser Zeit die Gefahr von Wirbelstürmen. Die beste Reisezeit sind somit die Monate zwischen April und November, die Tagestemperaturen sind mit durchschnittlich 30 Grad tropisch-heiß. In der Regel gibt es morgens eine Ostwindströmung mit fünf bis 15 Knoten Wind, Varatraz genannt. Am Nachmittag kommt der Wind dann mit gleicher Geschwindigkeit aus West und heißt Talo. In den Monaten August und September dominiert der Talo das ganze Tagesgeschehen, dann kann es auch mal Starkwind geben. Es gibt aber auch ausgedehnte Flautenperioden, gerade nachts. Mit vereinzelten, sintflutartigen Gewittern muss auch in der Trockenzeit gerechnet werden.

Nicht immer ist der Himmel wolkenlos, auch in der Trockenzeit muss mit Wolken und Regen gerechnet werden.

Häfen und Ankerplätze

Nur an der Charterbasis gibt es eine Art Hafen, im Rest des Reviers wird geankert. Meist auf etwa zehn Meter Wassertiefe, meist in einiger Entfernung vom Land. Denn fast überall ragen Flachstellen und Riffe bis weit vor die Küste. Von den gut zwei Dutzend von der Basis empfohlenen Ankerplätzen sind nur knapp die Hälfte auch für einen Nachtstopp geeignet.

Wer Madagaskar erkundet, der muss ankern.

Literatur & Seekarten

Viel mehr als eine Art Exposé, in dem die Positionen und ein paar (spärliche) Informationen zu allen Ankerplätzen aufgelistet sind, darf man hier nicht erwarten. Die drei französischen Seekarten (4379, 5264, 5404) des Reviers haben eine gute Maßstabsgröße.

Madagaskar ist paradiesisch schön.
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