Segeln in der Dänischen Südsee. Törnbericht mit vielen Tipps!

Von Svenja Neumann

Buchautorin Svenja Neumann ist 2014 eher zufällig zum Segeln gekommen. Mit ihrer Dehlya 22 HOBO ist sie nach einer ersten Saison in der Flensburger Förde im Sommer 2015 aufgebrochen, um drei Monate lang die Inselwelt der Dänischen Südsee zu entdecken. Inzwischen sind nicht nur die Törnetappen, sondern auch das Boot länger geworden. Gemeinsam mit Mann und Kindern macht sie auf einer Friendship 28 die westliche Ostsee unsicher.

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Südsee im Norden

„Du hast nur ein Handfunkgerät?!? Wenn Du in die Südsee willst, solltest Du ein Satellitentelefon mitnehmen!“, merkt mein Funkschein-Ausbilder ernsten Blickes an. Ich stelle mir vor, wie das wäre: auf 22 Fuß über den Atlantik. Und dann über den Pazifik. Alleine. „Wieso, zur Not habe ich doch mein Smartphone…!“

Das klärende Gespräch endet in schallendem Gelächter. Meine Langfahrt geht nur bis in die Dänische Südsee. Diese nicht unmaßgebliche geographische Angabe ist dem Mann zuvor entgangen.

Der kleine Hafen von Drejø in der Dänischen Südsee

Mein Ziel liegt irgendwo um die 55 Grad Nord und zwischen 10 und 11 Grad Ost. Palmen gibt es dort nicht, wohl aber eine andere malerische Inselwelt – das „Sydfynske Øhav“. Das kleine Archipel liegt nur einen Katzensprung jenseits des kleinen Belt von der deutschen Küste entfernt und ich habe sechs Wochen Zeit, es zu erkunden.

Die Dänische Südsee ist ein ideales Anfängerrevier

„Was willst Du denn sechs Wochen in der dänischen Südsee?“, lautet die nächste entgeisterte Frage. Verständlich. Das Seegebiet liegt einen entspannten Tagestörn von Kiel oder Sønderborg entfernt direkt vor der Haustür und erstreckt sich über ein Gebiet von nur etwa 20 x 25 Seemeilen. Begrenzt durch die dänische Hauptinsel Fünen im Norden und das immerhin 13 Seemeilen lange Ærø im Süden, handelt es sich um Distanzen, die ebenfalls in einem gemütlichen Tagestörn zu schaffen sind. „Und es ist immer so voll da!“ – er lässt nicht locker.

Etliche Häfen liegen in der Dänischen Südsee dicht beieinander.

Zwischen der Halbinsel Helnæs im Nordwesten bis hinunter zur Ristinge Hale im Südwesten Langelands liegen mehr als 20 Häfen, eine Handvoll malerische Ankerbuchten und ein Dank der vielen Inselpassagen landschaftlich abwechslungsreiches Segelrevier. Folglich sollte es Möglichkeiten genug geben, auch einmal einen ruhigen Liegeplatz jenseits der gut besuchten größeren Marinas anzutreffen.

Unterwegs merke ich schnell, dass die Inselwelt sowohl touristisch als auch seglerisch zwei Gesichter hat.

Zu Lande bieten die Hauptinseln Fünen, Langeland und Ærø eine umfassende Infrastruktur und Aktivitäten für die ganze Familie, während die acht bewohnten kleinen Inseln der Gegend beschauliche Rückzugsorte mit eingeschränkten Versorgungsmöglichkeiten sind – was durchaus seinen Reiz haben kann.

Entspanntes Segeln in der Dänischen Südsee

Zu Wasser ist das flache Inselmeer grundsätzlich ein geschütztes Revier, das viel entspanntes Segeln bietet. An Ecken mit geringen Wassertiefen zeigt mir die gutmütige Südsee aber auch gelegentlich ihre garstige Seite – wenn windbedingt kurzfristig schwankende Wasserstände und wechselnde Stromverhältnissen in den engen Fahrwassern zu ungemütlichen Wellen- und Windverhältnissen führen. Zumindest für ein Schiff mit nur 22 Fuß Länge.

Gelegentlich kann es ungemütliche Wellen- und Windverhältnisse geben.

Alles in allem aber ist die dänische Südsee das ideale Revier für Anfänger und Familien – und Segler, die es langsam angehen lassen wollen.

Mommark

Von der Flensburger Förde kommend ist Mommark mein erster Zwischenstopp. Der ehemalige Fährhafen hat sich unter der Regie des umtriebigen Hafenmeisters Carsten Kock zu einem quirligen Sporthafen gemausert. Der angrenzende Campingplatz, eine kleine Fischereiflotte, Angelboote und ein hübsches Strandrestaurant mit Blick auf einen ausgedehnten, familienfreundlichen Sandstrand sorgen für Zulauf an den Schwimmstegen, entsprechend bunt ist das Publikum.

Außer mir tummelt sich in Mommark ein buntes Publikum.

An diesem abgelegenen Ort gelingt der Spagat zwischen marodem Fischereihafencharme, Jägerzaun-Idyll und Chill-Out-Lounge. Und sollte es an etwas fehlen, ist ein Mitarbeiter zur Stelle und zaubert es herbei: egal ob es das frisch gezapfte Bier an der Bar oder das fehlende Benzin für den Außenborder ist.

Fynshav

Weniger als 5 Seemeilen nördlich von Mommark liegt Fynshav. Hier geht es etwas beschaulicher zu als in Mommark. Gekieste Zufahrt, ruhige Lage, einfache, saubere Anlagen, tiefenentspannte Atmosphäre. Die alten Fischer des Ortes demonstrieren, wie es langsam geht. In der Abenddämmerung versammeln sie sich auf der Holzveranda des Hafenhauses und schweigen das Blaue vom Himmel. Es braucht hier nicht viele Worte.

Fynshav

Ein großer Strand befindet sich direkt neben dem Hafen von Fynshav.

Die Wege in der Dänischen Südsee sind kurz.

Die Wege sind kurz in der Dänischen Südsee. Meistens. Mit Mommark oder Fynshav im Rücken liegen Ærø, Lyø und Avernakø und damit der nördliche Teil der Inselwelt bereits in Sicht. Dummerweise verschmelzen die Eilande am Tag meiner Beltquerung in dunstigem Einheitsgrau am Horizont, sodass ich mangels Routine im Navigieren nach Karte und Kompass Ærøs Nordspitze nicht ganz so direkt erreiche, wie ich mir das vorgestellt habe. 😉

Die Nordspitze Ærøs mit Skjoldnæs Leuchtturm

Irgendwann liegt die Nordspitze Ærøs mit Skjoldnæs Leuchtturm dann doch querab. Spätestens hier bietet sich ein Blick ins krumme Heckwasser an, denn mit großer Wahrscheinlichkeit kommt irgendwann die Inselfähre aus Fynshav auf.

Während die Ansteuerung meines nächsten Zielhafens Søby genug Manöverraum bietet, kann es anderenorts durchaus zum Kuschelkurs mit größeren Autofähren kommen.

Inselfähren sind ständige Begleiter.

Die Fähren verbinden das dänische Festland und die Hauptinseln auf den Linien Fynshav – Søby – Fåborg sowie Ærøskøbing – Svendborg. Von Fåborg aus werden die kleineren Inseln Lyø, Avernakø und Bjørnø im Pendelverkehr bedient.

Skarø, Drejø sowie Hjortø sind von Svendborg aus erreichbar, nach Strynø gibt es eine Verbindung ab Rudkøbing. Entlang der betreffenden Routen ist Aufmerksamkeit gegenüber den Großschiffen gefragt. Jenseits davon verirren sich nur selten größere Berufsschiffe in die Dänische Südsee – wobei die Kreuzfahrtindustrie der Region tatsächlich einen Halbtagesstopp in Ærøskøbing widmet!

Die Kreuzfahrtindustrie ist auch schon da.

Die Insel Ærø

Damit sind wir auf der Hauptinsel des Reviers. Ærø bietet gleich drei attraktive, gut ausgestattete Häfen, die alle über schöne Spielplätze, Grillecken und nicht immer neue, aber gepflegte Sanitäranlagen verfügen. Neben der erwähnten Inselhauptstadt Ærøskøbing sind auch Søby im Norden und das geschichtsträchtige Marstal im Süden einen Hafentag wert.

Søby

An Søby mag ich, wie im Hafen Tourismus und lokaler Alltag verschmelzen. Hinter den zwei markanten Molenfeuern der Hafeneinfahrt liegen sowohl Marina als auch Fähr- und Werfthafen. Die Werftsirenen und das Wummern der Fähren mischen sich in die segeltypische Geräuschkulisse aus klappernden Fallen und Steggesprächen. Am späten Abend versinkt die Autofähre mit gähnendem Schlund und surrenden Aggregaten in einen unruhigen Schlaf, aus dem sie bereits zu sehr unchristlicher Stunde unter ohrenbetäubendem Kreischen und Poltern hochschreckt. So kann es auch dem Segler ergehen, der nahebei parkt. Aber die Geräuschkulisse passt irgendwie hierher und stört mich nicht weiter.

Der Hafen von Søby

Etwas abseits sind der Sandstrand, der kleine, aber gepflegte Grünbereich neben der Marina und der Hafenimbiss Anlaufstellen für Segler, Urlauber und Einheimische. Man trifft sich. An der kleinen SB-Tankstelle im Hintergrund wird das neueste Dorfgeflüster ausgetauscht – das vermutlich schnell die Runde macht, denn Søby ist klein, wenngleich während der Sommerferien auf beschauliche Weise quirlig.

Leise Töne gibt es in Søby auch.

Die Segler bekommen Inselneuheiten und die letzten Fußballergebnisse von Hafenmeister Leo Claussen direkt ans Boot geliefert, wenn er mit herzlicher Gelassenheit morgens und abends seine Runde dreht.

Ansonsten liegen Bank, Bäcker, Kaufmann und Fahrradverleih nur wenige Schritte vom Hafen entfernt. Wer sich die Füße etwas weiter vertreten möchte, findet im Ort die als Museum betriebene Windmühle oder unternimmt einen Spaziergang zum 5 km nördlich gelegenen Leuchtturm von Skjoldnæs. Bei klarem Wetter sehr empfehlenswert – denn vom Turm aus geht der Blick nicht nur über das akkurate Grün des örtlichen Golfclubs, sondern reicht auch über die zahllosen Blautöne des Inselmeeres hinweg bis nach Rudkøbing.

Vom Turm aus reicht der Blick bis nach Rudkøbing.

Ærøskøbing

Ærøskøbing liegt auf halber Strecke entlang der Nordküste Ærøs und bietet sich mit großzügiger Marina und Stadthafen als zentral gelegener Ausgangsort für die Erkundung der benachbarten Inselwelt an. Landseitig hält der kostenlose Inselbus nach Marstal und Søby direkt am Hafen. Dort liefert mir der „Ærø Guide“ der Touristeninformation eine Entscheidungshilfe für Aktivitäten auf der Insel. Die bietet nämlich mehr, als tennisbesockte Kreuzfahrttouristen an einem halben Tag ergründen können.

Der Hafen von Ærøskøbing

Schöne Tagesziele sind der Gutshof Søbygaard, die Inselbrauerei in Rise oder das Schifffahrtsmuseum von Marstal. Erreichbar mit dem Bus. Aber Achtung: Der Fahrstil der ÖPNV-Bediensteten ist sehr dynamisch. Ærødynamisch eben. Vielleicht fühlt es sich aber auch nur so schnell an, weil ich schon nach wenigen Tagen an Bord die Beschleunigung auf über 6 Knoten nicht mehr gewohnt bin.

Versorgungsmöglichkeiten für Verpflegung und Treibstoff finde ich ebenfalls gleich jenseits des Steges. In den malerischen Ortskern mit seinem Kopfsteinpflaster, bunten Bilderbuchhäusern und Stockrosen sind es nur ein paar hundert Meter. Dort gibt es einige gemütliche Restaurants und eine Handvoll kleiner Läden mit lokalen Produkten.

Ærøskøbing– malerischer Ort mit Kopfsteinpflaster und Stockrosen

Lohnenswert ist auch ein Blick in das Programm der alten Werft „Det Gamle Værft“ – offene Workshops, z.B. in der Schmiede oder Seilerei, wechseln sich mit einem Kulturprogramm ab, zu dem im Sommer auch abendliche Konzerte wie etwa das Ærø-Jazz-Festival Anfang August zählen.

Außerdem bietet der Ort gleich zwei geschützte Ankerbuchten. Die eine liegt östlich des Stadthafens in der Bucht von Ommel. Hier gibt es zwar nur einen kleinen Sandstreifen zum Anlanden des Dingis, dafür fällt der Anker nur einen Steinwurf vom Stadthafen entfernt. Die andere liegt westlich am Vesterstrand jenseits der Halbinsel Urehoved. Hier wiegt ein weitläufiger Sandstrand mit bunten Badehäuschen die größere Entfernung zum Ort auf, der einen etwa 20-minütigen Fußmarsch durch Weideland und entlang der Marina entfernt liegt.

Der Vesterstrand mit Blick auf bunte Strandhäuschen

Marstal

Marstal ist sicher der geschichtsträchtigste Ort der Insel. Der Roman „Wir Ertrunkenen“ des Autors Carsten Jensen schildert die bewegte Vergangenheit des Hafens. Bis zum Ende der Segelschiff-Ära bot Marstal einer bedeutenden Handelsflotte Schutz. Das sehenswerte Schifffahrtsmuseum und die Museumswerft führen mir diese Zeit noch einmal lebendig vor Augen, auch wenn der Ort heutzutage hauptsächlich im Zeichen der Sportschifffahrt steht. Die Marina erstreckt sich entlang der Wasserkante, die Wege in den Ort sind daher etwas weiter.

Der Hafen von Marstal mit großem Spielplatz

Auch wenn der Ortskern nicht ganz so malerisch wirkt wie der von Ærøskøbing, so gibt es doch einige hübsche Gässchen, eine kleine Einkaufszone mit Ausgehmöglichkeiten und neben einem sehr gut sortierten Supermarkt im Ort auch einen Bootsbedarf direkt an der Marina. Die Suche nach einer geeigneten Box kann in den Sommermonaten etwas dauern. Aber Geduld – mit meinen unter 30 Fuß kann ich mich bis in die letzte Gasse zur Ærøhale hineinwagen. Dort findet sich noch ein freies Plätzchen. Ganz hinten, dafür aber mit unverbautem Blick auf die Badehäuschen auf der angrenzenden Landzunge.

Liegeplatz in Marstal mit unverbautem Blick

Jenseits der Insel Ærø liegen eine Handvoll kleiner Inseln hinter dem Wind und wollen erobert werden. Wobei es im Sommer tatsächlich recht voll werden kann. Das Rezept lautet: kurze Strecken und frühes Erscheinen – vor 17.00 Uhr gibt es meistens ausreichend Platz im Hafen. Oder aber vor Starkwindmeldungen. Ich liebe es, mich gut bevorratet einfach mal auf einer dieser Inseln einwehen zu lassen. Dann nämlich bleiben oft nur eine paar eingeschworene Segler in den kleinen Häfen zurück – woraus im Verlauf meiner Reise bleibende Freundschaften entstanden sind!

Segeln in der Dänischen Südsee. Auf dem Weg zu neuen Inseln.

Lyø

Den Anfang macht Lyø im Norden des Reviers: Der Hafen liegt an einem Damm etwa 20 Minuten Fußmarsch vom Inselort entfernt, wo ein Kaufmann die Grundversorgung sicherstellt. Es gibt einen flachen Sandstrand mit kleinem Spielplatz, saubere Sanitäranlagen, einen kleinen Aufenthaltsraum mit Küche und eine Grillecke mit Seeblick. Ansonsten macht genau das, was es nicht gibt, den Reiz dieser kleinen Insel aus: Ich mache mich auf dem ansonsten unbebauten Eiland auf zur Inselerkundung. Gegenüber des Kaufladens finde ich Kescher und Eimer zum Ausleihen, daneben Schautafeln mit Anregungen für naturkundliche Touren – der Nachmittag ist gerettet!

Lyø Købmand. Der Kaufladen ist Treffpunkt für Einheimische und Gäste.

Avernakø

Avernakø etwas weiter östlich ist mit fast 8 km Ausdehnung die längste der kleineren Inseln im Revier. Abgesehen vom nahen Strand finde ich den entlegenen Inselhafen mangels Baumbestand und Spielplatz etwas trostlos für Familien. Nur einen Kilometer ins Inselinnere sieht die Welt ganz anders aus. Die Hauptstraße führt unter Alleebäumen am Kaufmann vorbei durch einen hübschen kleinen Inselort zur weißgetünchten Kirche, wo es auch Sportplatz und Spielplatz gibt. Weiter geht es durch eine hügelige Knicklandschaft und über einen Damm zum östlichen Inselteil Korshavn. Es lohnt sich, am Hafen eines der Mietfahrräder zu nehmen und das andere Inselende zu erkunden, denn dort wartet der feine, flache Sandstrand von Mærsk Møller Havn auf Besucher.

Avernakø– zwei Inseln in einer

Wer es urig mag, ankert gleich dort oder geht eine Bucht weiter westlich in den flachen Hafen Korshavn Bro an Land. Hier gibt es außer einer öffentlichen Toilette, einer Flotte klappriger Leihfahrräder und einer kleinen Räucherei nichts. Jedenfalls nichts, was man mit Geld kaufen könnte. Der kleine, brüchige Hafen macht mich anders als sein nördliches Gegenstück mit seiner Mangelversorgung und einem üppigen Sonnenuntergang glücklich – denn in Korshavn Bro herrscht gerade an Wochenenden, wenn bunt gewürfelten Crews mit Kind und Kegel die windschiefe Mole entern, viel gute Laune.

Maroder Charme – in Korshavn Bro (Avernakø) ist das Leben einfach.

Drejø und Skarø

Drejø und Skarø sind der Insel Lyø recht ähnlich – auch hier liegen die Inselorte fußläufig etwa 20 Minuten landeinwärts. Auf Drejø gibt es am Hafen einen kleinen Aufenthaltsraum, in dessen Nachbarschaft mir ein Ziehfloß und Ausrüstung für kleine und große Wasserforscher viel Spaß gemacht haben.

Drejø – die Wege sind nie weit auf den Inseln und führen zwangsläufig zum Wasser …

Skarø bietet einen kleinen Spielplatz direkt am Hafen. Auf beiden Inseln laden gemütliche Hofcafés mit selbst gemachten Köstlichkeiten zum Verweilen und kleine Pfade zu Erkundungstouren ein. Während auf Drejø ein kleiner Laden die nötigste Verpflegung verkauft, deckt auf Skarø das Café den Grundbedarf mit Milchprodukten und einigen wenigen haltbaren Lebensmitteln. In der ersten Augustwoche steigt auf Skarø übrigens das alljährliche Musikfestival – dann wird es schon Tage vorher sehr voll im Hafen!

… und meistens auch an einem gemütlichen Café vorbei.

Strynø

Die westlichste Insel Strynø unterscheidet sich von den Nachbarinseln dadurch, dass sie als einzige Insel der Region noch über eine Grundschule und damit über eine gut durchmischte Altersstruktur verfügt. Die älteren Kinder düsen morgens mit ihren Fahrrädern zum Hafen, um die „Schulfähre“ nach Rudkøbing noch zu erwischen.

Der Hafen von Strynø

Bei meinen Besuchen 2015 und 2016 bereicherte das Smakke-Center die Familienaktivitäten auf der Insel – dort wurden kleine Smakke-Jollen nachgebaut und verliehen. Die kleinen Boote mit den zwei Sprietsegeln waren bis ins 20. Jahrhundert das Haupttransportmittel zwischen den Inseln. Ein schön gemachtes, naturkundliches Museum, Inselführungen und ein Café ergänzten das Angebot nahe des Hafens.

„Seekajak“ – Grundschulfach auf Strynø

Es geht noch kleiner: Birkholm und Hjortø

Wer hat mitgezählt? Genau! Elf Häfen und drei Ankerbuchten liegen im Heckwasser. Bis hierhin also Stoff für mindestens 14 Tage Törn. Aber es geht noch weiter. Die Kleinstinseln unter den Kleininseln waren noch nicht dran.

Birkholm …

… die sanitären Einrichtungen auf einen Blick

In den Häfen von Hjortø und Birkholm, die kaum mehr als 10 Booten Platz bieten, gibt es keinerlei Versorgungsmöglichkeiten. Nach Hjortø führt eine Fahrrinne mit 1,90 m Solltiefe, in die man sich vom Højestene Løb kommend hereintastet. „Soll“ bedeutet nicht unbedingt „Ist“. Links und rechts des Bootes schimmert der Sand gelb unterhalb der Wasseroberfläche und nur einen Schritt weiter ist das Wasser kaum knietief. Da ist Augenmaß bei der Ansteuerung gefragt. Der Lohn ist ein entspannter Abend auf einer Insel, deren Verbindung zum Festland eine Fähre mit dem Fassungsvermögen von genau einem PKW ist. Die Inselleute wissen das zu nutzen: Der vom Festland bestellte Elektroinstallateur zaubert schnell das Speiseeis für die Truhe in der Hafenhütte aus dem Werkstattwagen – neben einer kleinen Sanitärbox mit Dusche und WC einziger Luxus dort – bevor er auf dem Weg zum Reparaturauftrag noch schnell die Wocheneinkäufe an die Inselbewohner verteilt.

Hjortø

Nach Birkholm verkehrt nur das winzige Postschiff aus Marstal. Ein Auto hat keinen Platz. Das braucht es vor Ort ohnehin nicht, denn das Inselchen ist nur etwa einen Kilometer breit. Dafür werde ich Zeuge, wie der Hafenmeister seine neue Waschmaschine von Bord hievt und frage mich, ob er wie ich die Wäsche hier mit Salzwasser wäscht – denn eine Süßwasserversorgung gibt es in dem kleinen Hafen nicht.

Geheimtipp: Ommel

Immer noch nicht genug von dänischer Hygge? Da wär dann aus eigenem Erleben noch das zauberhafte Ommel südlich von Ærøskøbing. Ein Fischersteg, ein Saunazelt, das war’s. „Where no man has gone before“, schreibt Stephan Boden in seinem Buch „Digger Hamburg: Kleiner segeln, größer leben“ über den Anleger – Hafen wäre geprahlt. Es ist flach dort. Sägt Euren Kiel ab und fahrt hin. Die Langsamkeit. Spätestens hier findet Ihr sie.

Geheimtipp: Ommel

Die „Großstadthäfen“ Fåborg und Svendborg

Es reicht mit Inseldasein, die Familie hat genug von Hygge, Landschaft und Nudeln-mit-Soße in Selbstversorgung?

Fåborg heißt die eine, Svendborg die andere Alternative. Beide Städte liegen verkehrsgünstig auf der Hauptinsel Fünen im Norden der Dänischen Südsee. Beide haben eine (große und eher entspannte) Marina sowie einen (vollen und eher lauten) Stadthafen.

Im Stadthafen Svendborg ist es öfter mal etwas voller. Mit kleinem Boot kein Problem.

Während der Ansteuerung gilt hüben wie drüben, die eingangs erwähnten Fähren im Blick zu behalten. Im Svendborg Sund kann außerdem kräftiger Strom stehen. Sind diese Hürden genommen, laden die Orte mit ihren schönen, alten Stadtkernen zum Bummeln, Ausgehen und Museumsbesuch ein.

Im Svendborg Sund steht oft ein starker Strom.

In Fåborg finde ich den Aufstieg auf den weithin sichtbaren gelben Glockenturm, eine Fahrradtour zur Rundkirche nach Horne und für ältere Kinder den Besuch des Gefängnismuseums empfehlenswert.

Landgang: der Glockenturm von Fåborg

In Svendborg habe ich das ehemalige Armenhaus besichtigt – eine sehr deprimierende Veranstaltung, die nicht gerade geeignet ist, verregnete Stimmung zu heben. Da machen das Tiermuseum Naturama (mit Kindern) oder eine Tour mit dem historischen Dampfer MS HELGE deutlich bessere Laune. Der Traditionsdampfer läuft Kristiansminde, Troense, Grønodde und Valdemars Slot im östlichen Svendborg Sund an – allesamt schöne Stopps für einen Spaziergang oder Strandbesuch.

Der Traditionsdampfer MS HELGE läuft verschiedene Orte im Svendborg Sund an.

Fazit

Die Dänische Südsee mit den beschriebenen 19 Stopps hat ihren Reiz und es gibt noch viel mehr dort zu entdecken. Selbst in der Hauptferiensaison findet sich also ein lauschiges Plätzchen für Boot und Crew. Vorausgesetzt, es muss nicht die voll ausgestattete Marina sein. Schon in der Randsaison herrscht wieder freie Platzwahl in den Häfen. Und das eingangs erwähnte Satellitentelefon braucht man nicht, um sie zu finden. Das im Übrigen meistens frei verfügbare WLAN braucht man auch nicht unbedingt. Oft ist es ohnehin langsam. Viel schöner ist es, sich mit den freundlichen, ebenfalls langsamen Menschen vor Ort zu beschäftigen. Dann sind sechs Wochen schnell um. Viel Spaß beim Nachsegeln!

Tipp der BLAUWASSER.DE-Redaktion

Buchtipp zum Thema

Die meisten der beschriebenen Häfen hat Svenja Neumann 2015 während einer 6-wöchigen Einhandreise mit ihrer Dehlya 22 HOBO besucht. Seitdem steuert sie immer wieder die Dänische Südsee an, um Neues zu entdecken. Ausführlich beschrieben hat sie ihren Törn im Buch ÆRØDYNAMISCH.

Aerodynamisch / Mein Segelsommer in der dänischen Südsee

von Svenja Neumann

ISBN: 978-3667112736

EUR 22,90

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1 Kommentar für "Segeln in der Dänischen Südsee. Törnbericht mit vielen Tipps!"

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Heike
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Danke für diesen tollen Bericht. Ach, es ist herrlich, diese Inselchen zu erkunden! Auf Birkholm gibt es inzwischen eine sensationelle Neuerung: eine Dusche! Das kleine Gebäude nennt sich recht selbstbewusst “Birkholm Brus” (in großen Lettern drangeschrieben), liegt im Ort neben dem Selbstbedienungsladen (man fährt also mit dem Fahrrad hin) und ist nicht ganz günstig. Aber: es gibt eine Dusche! Und somit auch Frischwasser, was die Waschmaschine des Hafenmeisters erklären könnte. Viel Spaß und eine gute Saison!
Heike