Aktuelle Sicherheitslage Piraterie: Horn von Afrika/Somalia für Segler

Von Redaktion Blauwasser.de

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Ist es wieder möglich, die Gebiete vor der somalischen Küste zu bereisen?

Vom Piraterie-Präventionszentrum (PPZ) der Bundespolizei in Neustadt hat uns eine Pressemitteilung erreicht, in der auf die aktuelle Sicherheitslage am Horn von Afrika beziehungsweise dem Golf von Aden und vor der Küste Somalias eingegangen wird. Die Frage, die sich stellt, ist, ob es wieder sicher ist, diese Passage zu wagen. Immerhin stellt sie eine signifikante Abkürzung auf dem Seeweg von Australien/Südostasien nach Europa dar. Der Weg um das Kap der Guten Hoffnung herum ist etwa 4.000 Seemeilen länger.

Die Gefahr am Horn von Afrika ist noch nicht gebannt.

Aus der Pressemitteilung geht hervor, dass seit Jahren fast gar nichts mehr von den somalischen Piraten zu hören ist. Anders zuvor. Bis 2013 berichtete die deutsche Presse regelmäßig über Vorfälle vor der somalischen Küste. Piraten trieben ihr Unwesen, entführten Schiffe mitsamt der Besatzung und erpressten die Reedereien, um Lösegelder in Millionenhöhe zu kassieren. Vereinzelt waren auch Sportboote betroffen und die entführten Crews mussten dann bis zu sechs Monate bei ihren Entführern durchhalten, bevor es nach Zahlung von sehr viel Geld wieder nach Hause gehen konnte.

Immer noch eines der gefährlichsten Seegebiete der Welt

Auch wenn es in der Presse ruhig geworden ist, werden die Seegebiete am Horn von Afrika mit den Bereichen Rotes Meer/der Meeresenge Bab al Mandab, dem Golf von Aden sowie der Küste vor Somalia laut Bundespolizei immer noch als die gefährlichsten der Welt angesehen. Dennoch führte der stringentere Einsatz von Kriegsschiffen, die bessere Überwachung der Küste, verbesserte Präventionsarbeit und der Einsatz bewaffneter Sicherheitskräfte auf den Schiffen zum Rückgang der Piraterieangriffe. Außerdem gab es seit einigen Jahren keine Entführungen mehr in diesem Seegebiet.

Hierdurch werden die Skipper von Blauwasseryachten ermutigt, das Seegebiet vor der somalischen Küste, insbesondere am Horn von Afrika, wieder zu befahren. In der Pressemitteilung heißt es „In ihren Augen scheint die Gefahr gebannt und sie fühlen sich wieder sicher. Alle Warnungen von Sicherheitsbehörden und Fachleuten, dass die Gefahren weiterhin bestehen, werden in den Wind geschlagen.“

Es gab wieder Vorfälle

Dass das Seegebiet immer noch gefährlich ist, zeigten somalische Piraten vor der somalischen Küste am 19. April 2019, als sie eine unter jemenitischer Flagge fahrende Dhau, ein ca. 30 Meter langes Fischereischiff mit 25 Mann Besatzung, entführten. Die Dhau wurde mit Skiffs angegriffen. Skiffs sind eigentlich Fischerboote mit rund sechs Metern Länge, die bis zu 21 Knoten schnell werden. Die Dhau wurde kurzerhand mit Kraftstoff und Personal ausgerüstet, um als Mutterschiff für weit von der Küste entfernt durchzuführende Angriffe eingesetzt zu werden.

Ein sichergestelltes Skiff

Bereits zwei Tage später griffen die Piraten mit diesem Mutterschiff 270 Seemeilen vor der Küste Somalias das erste Schiff an. Sie attackierten mit ihren Skiffs ein 80 Meter langes Fischereischiff. Nach einem Notruf kam dem angegriffenen Schiff ein sich in der Nähe befindliches Fischereischiff zur Hilfe. Gemeinsam versuchten sie, die Angreifer in die Flucht zu schlagen. Diese beschossen die Fischereischiffe mit einer Panzerfaust. Daraufhin eröffneten die bewaffneten Sicherheitsteams beider Fischereischiffe das Feuer auf die Angreifer und schlugen diese in die Flucht.

Ein großes Mutterschiff wird bei Angriffen von kleineren Skiffs unterstützt.

Ungefähr eine Stunde später starteten die Piraten den nächsten Angriff auf ein weiteres Handelsschiff. Sie näherten sich ihm mit hoher Geschwindigkeit in einer aggressiven Art und Weise. Zum Glück befand sich auch hier ein bewaffnetes Team an Bord. Diese positionierten sich auf dem Brückendeck und zeigten demonstrativ ihre Waffen. Daraufhin drehten die Angriffsboote ab.

Einsatzkräfte der europäischen Mission Atalanta stellten zwei Tage später die Angriffsgruppe auf dem Weg zur somalischen Küste. Sie befreiten die Fischer auf der Dhau und nahmen fünf Somali fest. Die anderen Piraten flohen mit einem Angriffsboot und entkamen den Einsatzkräften. Die Festgenommenen wurden an die Behörden auf den Seychellen übergeben und warten auf ihre Gerichtsverhandlung.

Somalische Piraten auf dem Weg zu einem Einsatz

Fazit

Mit anderen Worten: Das Seegebiet am Horn von Afrika ist nach wie vor eine High Risk Area und vor dessen Befahren wird durch die Sicherheitsbehörden eindringlich gewarnt. Für die Handelsschifffahrt mit ihren großen Stahlschiffen stellt der Einsatz von bewaffneten Sicherheitskräften eine halbwegs sichere Lösung dar. Der Einsatz von Sicherheitsteams kommt aber für Segel- und Sportboote nicht in Frage. Zum einen sind diese Teams recht teuer und zum anderen bieten diese Boote, meist aus Kunststoff oder dünnem Metall, auch dem Sicherheitsteam keinerlei Schutz.

Laut Bundespolizei gilt unter den Sicherheitsbehörden einhellig die Meinung, dass die Piraterie durch die Anti-Piraterie-Maßnahmen am Horn von Afrika lediglich unterdrückt, jedoch nicht beseitigt wurde und die Piraten nach wie vor über das Potential und den Willen verfügen, Kaperfahrten durchzuführen.

Für Yachten gilt daher weiterhin der Hinweis, die Gebiete vor der somalischen Küste und im Golf von Aden unbedingt zu meiden!

Oder aber wie es vor einigen Jahren der damalige Leiter der europäischen Mission Atalanta, ein italienischer Admiral, sagte, müssen drei Dinge beachtet werden, wenn man in diesem Seegebiet segeln will:

  • Die gesamte Crew muss bereit sein, sechs Monate ihres Lebens als Geiseln in Somalia zu verbringen!
  • Man braucht dringend einen immer erreichbaren Ansprechpartner in seiner Heimat, am besten jemand aus der Familie!
  • Und diese Person muss in der Lage sein, kurzfristig über mehrere Millionen Dollar zu verfügen, um das Lösegeld zahlen zu können!

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