Revierinformation Spanish Virgin Islands: Das unbekannte Karibikrevier von Puerto Rico

Von Michael Amme

Michael ist seit über 20 Jahren als Journalist und Fotograf auf dem Wasser tätig. Der studierte Geograf hat weltweit Reisereportagen in mehr als 100 Charter- und Blauwasserrevieren produziert. Zudem haben den Hamburger viele Segelreisen und seine frühere Tätigkeit als Charter- und Überführungsskipper rund um den Globus geführt. Zusammen mit Sönke Roever ist er die treibende Kraft von BLAUWASSER.DE und ein beliebter Referent auf Bootsmessen und diversen Seminaren (siehe Termine).

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Titelfoto: ©ajfan25/stock.adobe.com

Die Inseln vor Puerto Ricos Ostküste werden kaum von Seglern besucht. Charterbasen vor Ort aber ermöglichen selbst dem Urlaubssegler die Entdeckung dieses unbekannten Juwels

Das am dichtesten besegelte Karibikrevier sind die British Virgin Islands, in keinem Charterrevier gibt es so viele Charteryachten auf so engem Raum. Nur 35 Seemeilen von diesem Epizentrum des karibischen Yachttourismus entfernt liegen die Spanish Virgin Islands, auf Deutsch: Spanische Jungferninseln. Die Inseln, die zu Puerto Rico gehören und damit Teil der Vereinigten Staaten von Amerika sind, gelten unter Fahrtenseglern als karibischer Geheimtipp: mit intakter Natur, entspannten Bewohnern, einmaliger Unterwasserwelt und makellosen Stränden.

Einer der top Strände des Reviers: Flamenco Beach auf der Insel Culebra. ©Michael Amme

Die Spanish Virgin Islands liegen vor der Ostküste von Puerto Rico und verteilen sich über ein Gebiet von etwa 20 mal 25 Seemeilen. Der Sonda de Vieques, wie das Seegebiet dazwischen auch genannt wird, ist an den meisten Stellen nur zwischen zehn und 30 Meter tief. Es ist die gleiche Flachwasserzone, auf der im östlichen Anschluss auch die US- und British Virgin Islands liegen. Neben den beiden Hauptinseln Vieques und Culebra gibt es noch gut zwei Dutzend kleinerer Inseln und Inselchen, auf denen man vor Anker gehen kann. Fast überall an der Küste und vor den Inseln liegen vorgelagerte Korallenriffe, ideal zum Schnorcheln und Tauchen, nur bei der Navigation ist Vorsicht geboten, aber dazu später mehr.

Starker Kontrast: Trubel auf Puerto Rico, Entspannung pur auf Culebra

Das maritime Zentrum des Reviers inklusive Charterstützpunkt ist die Marina del Rey an der Ostküste von Puerto Rico, eine der größten Marinas der Karibik. Wer hier seinen Törn beginnt und bei einer Spritztour durch die nahe Umgebung auf vierspurige Highways, Einkaufszentren, Fast-Food-Ketten, Hotel- und Apartmentburgen und fettleibige US-Touristen trifft, möchte nicht glauben, dass das Inselreich davor eine beschauliche Tropenoase ohne großen Yachttourismus ist.

Marina del Rey ist auch Ausgangshafen für einen Chartertörn. ©Michael Amme

Wer dagegen von den British Virgin Islands kommend seinen ersten Landfall auf der ganz im Osten gelegenen Insel Culebra macht (hier kann auch einklariert werden), ist sofort mittendrin im beschaulichen Inselleben. Dewey heißt das kleine Inselzentrum von Culebra, ein uriges Örtchen mit pastellfarbenen Holzhäusern, wackeligen Holzstegen, einem Labyrinth aus verknoteten Stromleitungen und staubigen Straßen mit tiefen Schlaglöchern. Es gibt einen Supermarkt, einen Internet-Point, drei Tauchshops und einen Fähranleger. Eine mangrovenbewachsene Wasserscheide teilt diesen Hauptort der Insel in zwei Hälften. Wie selbstverständlich spazieren hier an den Böschungen und auf den kleinen Anlegern keine Katzen oder Hunde, sondern signalfarben-grüne Leguane mit armlangen Schwänzen umher.

Der kleine Hauptort Dewey liegt an einer Wasserscheide. ©Michael Amme

Wer hier im Dinghy Dock Restaurant sein Schlauchboot direkt an der Terrasse festmacht, kann beim Morgenkaffee den Pelikanen beim Frühstück zuschauen. Einer nach dem anderen stürzt sich mit einem lauten Platsch vom blauen Himmel in das flache Wasser der Ensenada Honda, dieser zwei Seemeilen langen und sehr gut geschützten Bucht. Die wegen ihrer sicheren Lage ein beliebter Treffpunkt der Fahrtenseglerszene ist, genauso wie das Dinghy Dock Restaurant selbst.

Die Bahia Flamingo ist die postkartenschöne Badebucht von Culebra

Die schönste Bucht dieser mit sechs Seemeilen Länge zweitgrößten Insel des Archipels ist die vier Seemeilen entfernte Bahia Flamingo: ein atemberaubendes, halbmondförmiges Strand- und Palmenparadies. An Land gibt es einen Campingplatz und ein kleines Hotel, die Bucht ist der beliebteste Badeplatz der Insel. Die nach Norden offene Bucht ist als Ankerplatz allerdings nur bei östlichem Passatwind zu empfehlen, bei Nordostwinden oder Schwell aus Nord kann es hier schnell zu unruhig werden.

Bahia Flamingo wurde schon oft zu einem der schönsten Karibikstränden gekürt. ©Michael Amme

Schon in der nahen Umgebung von Culebra gibt es einige kleine und kleinste Inselchen, genannt Cayos. Hier, gut 20 Seemeilen von der Festlandsküste von Puerto Rico entfernt, ist von dem Trubel der großen Marina del Rey nichts zu spüren. Auf den Cayos mit Namen wie Luis Pena, Norte oder del Agua finden sich zum Teil einsame und naturbelassene Ankerplätze mit oft traumhaft schönen Stränden, die nur selten mit anderen Yachten geteilt werden müssen.

Viele der kleinen Inseln haben auch herrliche Riffe zum Schnorcheln. ©Michael Amme

Die unbewohnte Insel Culebrita ist so etwas wie die kleine Schwester von Culebra, auch mit zauberhafter Tropenbucht, menschenleer, dafür voll mit bunten Fischen und Korallen. Und mit einer Überraschung an Land: Hunderte knallrote, faustgroße Krebstiere krabbeln wie wild über den Strand und das grüne Dickicht. Lohnenswert ist der Pfad, der über die unbewohnte Insel bis zum höchsten Berg hinaufführt. Hier, von dem verlassenen Leuchtturm aus, gibt es einen herrlichen Blick über das gesamte Revier.

Die traumhafte Doppelbucht von Culebrita ist ein beliebtes Fotomotiv. ©Michael Amme

Riffnavigation bei der Ansteuerung von Vieques

Nur zehn Seemeilen weiter südlich liegt Vieques, mit fast 18 Seemeilen Länge die größte Insel der Spanischen Jungferninseln. Über 60 Jahre lang waren bis 2003 weite Teile der Insel militärisches Sperrgebiet der Amerikaner. Noch immer kann man hier verlassene Militäranlagen, ausgebrannte Fahrzeuge, eine rostige Flack oder ein zerschossenes Flugzeug sehen. Diese Vergangenheit der Insel hat dafür gesorgt, dass die Landentwicklung und Kommerzialisierung hier ausgeblieben sind. Mit dem Ergebnis, dass es hier überall weitläufige, einsame, weiße Sandstrände, kristallklares, türkisblaues Wasser und verhältnismäßig intakte Riffe gibt, in denen es von Fischen, Korallen und Krustentieren nur so wimmelt.

Robinson-Feeling in der Bahia Icacos auf Vieques. ©Michael Amme

Wer hier die Bahia Icacos an der Nordküste ansteuert, findet in der Seekarte den Verweis „Should only be entered by experienced yachtsmen under ideal conditions”. In der Tat kann der Ankerplatz hier, wie an wenigen anderen Plätzen des Reviers auch, nur durch eine Riffpassage erreicht werden. Steht wie hier an der Nordküste auch noch die Brandung auf das Riff, kann es kniffelig werden. Wie immer in solchen Fällen ist es wichtig, die Passage mit der Sonne im Rücken zu absolvieren, dann sind die gefährlichen braun und grün schimmernden flachen Riffstellen problemlos auszumachen.

Wer so dicht unter Land segelt, sollte das Revier gut kennen. ©Michael Amme

Naturschauspiel: nächtliche Leuchtspur in Puerto Mosquito

Eine sehenswerte Attraktion auf Vieques ist in Puerto Mosquito, eine flache und durch eine schmale Zufahrt vom Meer fast abgetrennte Mangrovenbucht auf der Südseite der Insel. Alles, was sich hier bei Nacht im Wasser bewegt, wird hell erleuchtet: Fische hinterlassen eine glühende Leuchtspur und Schwimmern fällt beim Auftauchen leuchtender Staub von den Haaren. Die Erklärung: Hier leben Millionen einzelliger Mikroorganismen, die Pyrodimium Bahamense (was so viel bedeutet wie wirbelndes Feuer), die vermutlich zu ihrer Verteidigung bei Bewegungen Energie in Form von Licht abstrahlen. Ein Naturschauspiel, für das jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit Boote voll mit Touristen über die Bucht schippern.

Gleich nebenan ist die Sun Bay, eine zwei Kilometer lange Traumbucht. Palmen von einem Ende bis zum anderen, die sich im Passatwind wie gemalt über den feinen Sandstrand bis ins azurblaue Atlantikwasser biegen. Keine Clubanlage und kein Hotel verschandeln hier die jungfräuliche Natur. Die Beach Bar für den Sundowner oder das Restaurant für den Abend gibt es dafür eine Bucht weiter am Esperanza Beach.

Einsam, wild und tropisch schön: die Sun Bay auf Vieques. ©Michael Amme

Palominos ist die Badeinsel der großen Hotelanlagen vom Festland

Ganz anders Palominos, eine Bilderbuchinsel nur drei Seemeilen vor der Festlandsküste von Puerto Ricos Küste. Am Strand stehen Liegestuhlreihen, es gibt einen Jetski-Verleih und Strandrestaurants. Die Insel wird von den Clubanlagen am Festland als Ausflugsziel angesteuert, aber auch Segler sind herzlich willkommen. Ein großer Spaß ist auch die kleine Schwester nebenan, Palominitos. Eine Robinsoninsel in Miniaturformat, ein Sandhaufen mit einer Handvoll Palmen, einem schützenden Riff und türkisfarbenem Wasser.

Palominitos liegt gleich neben der belebten Badeinsel Palominos. ©Michael Amme

Das letzte Ziel der herrlich nah beieinander liegenden Inseln der Spanish Virgin Islands ist La Cordillera. So heißt die zwölf Seemeilen lange Kette aus unbewohnten Inseln und Riffen im Norden des Reviers. Hier kann zum Beispiel hinter dem Cayo Icacos auf drei Meter Wassertiefe geankert werden. Wozu? Um Stille, Ruhe, Einsamkeit und herrliche Strände zu genießen. Zumindest, wenn am Abend die vielen Tageslieger die Insel wieder Richtung Marina am Festland verlassen haben und die bunten Lichterketten der keine zwei Seemeilen entfernten Küste zu leuchten beginnen.

Fazit: Die Spanish Virgin Islands sind mehr als nur ein Mikrorevier und eignen sich für einen eignen Törn

In der Kleinteiligkeit des Reviers gibt es erstaunlich viel Abwechslung, jede Insel und jede Bucht haben ihren ganz eigenen Charme. Die zur Verfügung stehenden Ankerplätze sind fast alle gut geschützt. An den Wochenenden besuchen auch die vielen Motorboote aus Puerto Rico die Inseln, insgesamt aber geht es hier deutlich ruhiger zu als auf den British Virgin Islands nebenan.

Auch wenn die Spanischen Jungferninseln kein Geheimtipp mehr sind, eine Entdeckung ist dieses durch ihre spanisch-amerikanische Geschichte geprägte Revier auf jeden Fall. Die Distanzen sind kurz und gesegelt wird in einer Art geschütztem Revier außerhalb des tiefen Atlantiks. Stets gibt es den Wechsel von touristisch geprägten Badeplätzen zu abgeschiedenen Ankerbuchten, von kleinen Ortschaften zum pulsierenden Yachtzentrum am gegenüberliegenden Festlandsufer.

Zur Badeinsel Palominos kommen täglich die Badegäste vom Festland. ©ALEXIS/stock.adobe.com

Weitere Kurzinfos zum Revier Spanische Jungferninseln

Wer als Urlaubssegler unterwegs ist, findet hier selbst mit zwei Wochen Zeit genügend Ziele, die Entfernungen aber bleiben natürlich kurz. Häfen für Yachten gibt es mit Ausnahme von Isleta Marina auf den ganzen Inseln keine. Dafür stehen an der Ostküste von Puerto Rico gleich mehrere Marinas zur Verfügung. Versorgungsmöglichkeiten gibt es auf Culebra, Vieques und auf dem Festland, die meisten der kleinen Inseln sind unbewohnt, ebenso viele Buchten.

Das ganze Revier liegt im Passatwindgürtel mit stetigen Nordostwinden von drei bis fünf Beaufort. In der Praxis können aber sowohl in der Richtung als auch in der Stärke einige Variationen auftreten, auch Gewitter sind nicht unüblich. Von Dezember bis März können weit entfernte Sturmtiefs im Norden unangenehme Dünung verursachen, die in die nach Norden offenen Ankerbuchten rollt.

Unter allen Passatbedingungen stets sicher ist die Ensenada Honda auf Culebra. ©Michael Amme

Die Währung ist der US-Dollar und Kreditkarten werden überall akzeptiert. Die Inseln gehören zu Puerto Rico, was wiederum Teil des US-Commonwealth Territoriums ist. Ein US-Visum ist somit unbedingt erforderlich! Ein- und Ausklarieren ist sowohl auf Culebra als auch in der Marina Puerto del Rey möglich. Die Landessprache ist Spanisch und Englisch. Alle Ziele der Inseln sind sowohl in dem Handbuch „The Virgin Islands“ wie auch „The Puerto Rico Guide“ beschrieben, beide von Stephen J. Pavlidis, Seaworthy Verlag.

The Caribbean way of life bedeutet auch, alles ruhig und gelassen zu sehen. ©Michael Amme

Chartermöglichkeiten

Seit einiger Zeit vermitteln auch deutsche Agenturen zunehmend Charterkunden in die Spanish Virgin Islands. Auch, weil hier neue Stützpunkte an der Festlandsküste ganz nahe an den Inseln aufgemacht haben und die Flugverbindungen vergleichsweise gut sind. Natürlich ist auch die Ansteuerung von einer der zahllosen Charteranbieter auf den British Virgin Islands möglich, das jeweilige Ein- und Ausklarieren (US-Visum vorausgesetzt) muss dabei natürlich mit eingeplant werden. Genauso wie eine 40 Seemeilen lange Passage gegen den Passatwind auf dem Rückweg.

Festlands- und Inselmarina liegen ganz dicht beieinander. ©Michael Amme

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