Törnbericht Mallorca – mit der Charteryacht einmal um die Insel

Von Michael Amme

Freier Journalist und Fotograf, der seit über 20 Jahren Revierreportagen in allen Charter-Destinationen der Welt produziert. Er kann auf die Erfahrung von mehr als 100 Charter-Törns und Boots-Übernahmen zurückgreifen. Zudem haben ihn viele Blauwasserreisen und seine Tätigkeit als Charter- und Überführungsskipper rund um den Globus geführt. Michael Amme ist Referent auf dem Charter-Seminar, das jährlich im Rahmen der Messe boot Düsseldorf stattfindet.

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Mallorca hat viele Gesichter – die schönsten erreicht man mit der Segelyacht

Ginster wuchert. Der Duft von Rosmarin wabert durch die sommerwarme Luft. Im glasklaren Wasser spiegeln sich die wenigen knorrigen Kiefern wider, die ihre Wurzeln in den kargen Boden krallen. Ein holpriger Pfad windet sich durch Gestrüpp, führt steil hinauf, bis er sich irgendwo hoch oben zwischen den kargen Felsen verliert. Silbermöwen und Sturmtaucher kreisen über der Bucht, hin und wieder auch ein Eleonorenfalke. Keine Autos weit und breit, keine Häuser, nur Ruhe und Stille.

Die Naturschutzinsel Sa Dragonera darf auch ohne Genehmigung betreten werden.

Mallorca? Ja, fast zumindest. Denn das kleine, stille Inselchen Sa Dragonera im Südwesten Mallorcas gehört zur Insel wie alle übrigen Gesichter auch. Wie die schöne Hauptstadt und der wilde Nordwesten. Wie die sanfte Ostküste und der facettenreiche Norden. „Zu Mallorca hatte ich bis heute nicht viel mehr im Sinn als den Ballermann“, sagt Jan aus Bayern, Crewmitglied auf der Charteryacht RED PEPPER, der noch nie zuvor auf der Insel war. Jetzt steht er auf dem höchsten Gipfel von Sa Dragonera, lehnt an den Mauerresten des verfallenen Leuchtturms und schwärmt für das kleine Eiland, das ein Naturpark ist.

Jans Blick wandert über die senkrecht in die Tiefe stürzenden Felsen hinweg in die Ferne, wo sich das Tramuntana-Gebirge in den milchigen Himmel erhebt. „Da hinten“, sagt er, und zeigt auf die schroffe Küste, „da soll es noch mehr Plätze wie diesen geben.“ Wir werden es herausfinden, denn gemeinsam mit der RED PEPPER wollen wir Mallorca umrunden.

Die Meerenge zwischen Sa Dragonera und Mallorca zeigt die stille Seite der Insel.

Eine Inselumrundung garantiert die meiste Abwechslung

Rückblick. Vor zwei Tagen haben wir mit unserer Charteryacht in Palma de Mallorca abgelegt, in der quirligen Inselmetropole, die die Heimat der Hälfte aller Mallorquiner und des Großteils der Charterunternehmen ist. Sechs verschiedene Marinas mit mehr als 2.000 Liegeplätzen bieten den Motor- und Segelyachten Platz.

Der Hafen von Palma de Mallorca hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt, ist gewachsen und gewachsen. „Früher konnten dort drüben an der öffentlichen Pier noch die Fahrtensegler preisgünstig festmachen“, erinnert sich der Stützpunktleiter unseres Charterunternehmens und zeigt auf die Uferstraße Paseo Maritimo gegenüber. „Heute liegen dort die Megayachten der Superreichen.“

Die Gegensätze der Insel sind groß, hier kann jeder sein Glück finden.

Die Häfen der Inselmetropole liegen mitten im Zentrum der Stadt.

Von Palma bis nach Sa Dragonera sind es weniger als 25 Seemeilen, der Streckenabschnitt gilt als das Naherholungsgebiet der Hauptstadt. Hinter jeder Felsnase finden sich Strände und Buchten, die Cala de Portals zum Beispiel, eine weite Bucht mit feinsandigen Nischen, in der Schiffe jeder Art und Größe an ihren Ankerketten ruckeln.

Der bodenständige Teil von Port Andratx mit Fischerpier und öffentlichem Anlegesteg für Yachten

Port Andratx liegt dort auch, ein Hafenort mit Gegensätzen. Das von steilen Hängen umgebene ehemalige Fischernest hat sich zur teuersten Immobilienregion der Insel gemausert. Mercedes Cabriolets und Graumelierte in Armani-Anzügen gehören in Port Andratx ebenso zum Ortsbild wie rostige Fischerboote und Matrosen, die am Nachmittag ihren Fang in Kühllaster hieven.

Rund Mallorca. Rechts- oder linksherum?

Spätestens hier steht die Entscheidung, ob die Insel rechts- oder linksherum umrundet werden soll, erneut auf dem Prüfstand. Denn voraus liegt die offene, ungeschützte und steil ins Meer stürzende Nordwestküste Mallorcas, die auf ihren 45 Seemeilen nur einen wirklichen Schutzhafen hat, Port de Sóller. Die Vorhersage verspricht umlaufende Winde, später Süd bis Südost, zwei bis drei. „Keine Frage“, sage ich zur vierköpfigen Crew, „besser können die Bedingungen für eine Erkundung dieser einsamen Nordwestküste nicht sein.“

Der Hafen von Port de Sóller ist der einzige sichere Unterschlupf an der einsamen Nordwestküste.

Am dritten Morgen verlassen wir mit unserer Charteryacht – eine Sun Odyssey 40 – den Ankerplatz Cala Lladó auf Sa Dragonera und passieren die fischreiche Meerenge zwischen dem Inselchen und Mallorca. An Steuerbord zieht Mallorcas wilder Westen vorüber, Mitsegler Jan wird diese Küste später einmal mit Irland vergleichen, „so grün, so wild, so einsam habe ich mir Mallorca nicht vorgestellt.“ Hin und wieder kleben Dörfer zwischen dem spärlichen Grün und einsame Buchten verstecken sich hinter schroffen Felsnasen. „Man könnte hier ja Tage verbringen“, meint Jan, während er das englische Seehandbuch „Islas Baleares“ studiert, „so viele Ankerplätze hätte ich hier nicht erwartet.“

Einsame Buchten wie hier vor dem Bergdorf Banyalbufar zeigen ein häufig unbekanntes Gesicht der Insel.

Die stille Nordwestküste Mallorcas kennen die wenigsten.

Banyalbufar beispielsweise, dieses von terrassierten Hängen umgebene Bergdorf oberhalb der steilen Klippen, das früher für seinen „Malvasía-Wein“ bekannt war. Und Port de Valdemossa, sechs Kilometer vom berühmten Hauptort Palma entfernt gelegen, wo eine Handvoll Häuser und ein paar Restaurants zum Zwischenstopp einladen. Oder der Ankerplatz hinter der Halbinsel Sa Foradada, hinter der schon die NIXE, die alte Dampfyacht des exzentrischen Erzherzogs von Österreich, Ludwig Salvator, Schutz gesucht hat. Bereits auf den ersten 20 Seemeilen bis nach Sóller finden sich fast ein Dutzend selten besuchte und abgeschiedene Ankerplätze.

Der Ankerplatz Sa Foradada hat große Wassertiefen, bietet aber einen schönen Wanderweg und ein Ausflugslokal.

Port de Sóller

Der einzige Schutzhafen dieser einsamen Nordwestküste ist Port de Sóller, ein Muss jeder Inselumrundung. Die kreisrunde Hafenbucht ist fast komplett von schützenden Felswänden umgeben, hinter denen eine Marina, eine öffentliche Steganlage, Muringbojen und reichlich freier Ankerraum sichere Liegeplätze versprechen. Jetzt am Abend taucht die untergehende Sonne die weite Hafenbucht, den schönen Sandstrand und die kilometerlange Promenade in mildes Licht. Eine orangefarbene historische Straßenbahn rattert über holprige Schienen, die Touristenattraktion des Ortes fährt an Zitronen- und Orangenplantagen vorbei bis zum gleichnamigen Bergdorf Sóller. Wer im Hafenort bleibt, findet Platz auf den Terrassen der vielen Bars und Restaurants, hört den Straßenmusikern zu oder kauft Schmuck und Souvenirs an den Ständen der Kunsthandwerker.

Die Straßenbahnfahrt ins Bergdorf Sóller ist ein lohnenswerter Ausflug.

Cap de Formentor

Der Kurs unserer Segelyacht führt weiter Richtung Nordspitze der Insel, wo sich das Cap de Formentor rund 300 Meter hoch aus dem Meer erhebt. Auch hier, nur einen Steinwurf von den touristischen Zentren Port de Pollenca und Port d’Alcudia entfernt, finden sich wieder stille und einsame Buchten. Die wilde, unbebaute Cala Figuera zum Beispiel, in der wir als einziges Segelboot vor Anker liegen. An Land treffen wir nur eine Handvoll Individualtouristen, die über einen schmalen Pfad zum kleinen Kiesstrand der Bucht gewandert sind. Nach einem Bad im glasklaren Meer schüttelt Mitsegler Jan den Kopf: „Langsam zweifele ich an Mallorcas Image, an den Bildern von Ballermann und Massentourismus. Tolle Idee – hier ein Schiff zu chartern!“

Wild und einsam zeigt sich die Nordwestküste wie hier in der Cala Figuera am Cap de Formentor.

Mallorca hat viele Gesichter

Doch auf der anderen Seite der Insel zeigt Mallorca ein neues Gesicht. In den Buchten von Alcudia, Pollenca oder Cala Ratjada reiht sich ein Hotel an das andere, irgendwo müssen die etwa fünf Millionen deutschen Besucher pro Jahr ja bleiben. Was nicht bedeutet, dass man in diesen Hafenorten nicht auch schöne Urlaubserlebnisse hat. Beim Baden an feinsandigen Stränden, beim Besuch der alten und gleichnamigen Bergdörfer oder beim Feiern in einigen der bekanntesten Clubs der Insel. Auch wir besuchen zum Bergfest der Reise in Cala Ratjada erst die Open-Air-Bar Chocolate, die eigentliche Party aber steigt im Physical, dem größten Club des Ortes mit Lasershow und Go-go-Tänzern.

Kontrastprogramm: Im Physical in der Cala Ratjada trifft die Segelcrew auf Partytouristen.

Mallorcas Südostküste – Hafenorte und Buchten an der Perlenschnur

Im Uhrzeigersinn geht es weiter Richtung Südostküste, hier folgen Orte, Fischerhäfen und Buchten mit Namen wie Porto Cristo, Portocolom, Cala Domingos, Cala Mitjana und Cala Figuera. An diesem Küstenabschnitt hat der Segler die Qual der Wahl. „Die meisten unserer Chartergäste bevorzugen diesen Küstenabschnitt wegen der vielen sandigen Buchten und der guten Hafeninfrastruktur“, hatte uns der Stützpunktleiter unserer Charterfirma erzählt. Tatsächlich finden auch wir traumhafte Nischen zwischen dem Fels, in der Cala Mitjana liegt unsere Segelyacht vor einem Privatgrundstück idyllisch neben einem winzigen Strand. Ein Platz, der von Land aus kaum zu finden und damit den Bootsbesuchern vorbehalten ist.

Im Südosten der Insel finden sich Dutzende Ankerplätze in Buchten wie der Cala Mitjana.

Port de Cala Figuera

Leichter Nordwind schiebt unsere Charteryacht langsam weiter Richtung Süden, im Kielwasser verschwimmt Badebucht um Badebucht, dann erreichen wir unter Segeln die Cala Figuera. Das Dorf trägt den gleichen Namen, wie die Ankerbucht am Cap de Formentor, ist aber ganz anders.

In dem bekannten Fischerdorf liegen die Bootsgaragen direkt am Wasser der zweigeteilten Bucht. Die kleine öffentliche Hafenpier hat Platz für acht, neun Yachten, dahinter machen jeden Tag die Fischkutter fest und entladen ihren Fang.

Nur eine Handvoll Segelyachten findet in Cala Figuera einen Liegeplatz.

Möwen kreischen, Fischkisten scheppern, zusammen mit Dutzenden Touristen beobachten wir die einheimischen Kutterbesatzungen beim Sortieren des Fangs. „Ich gehe mal rüber zum Kühlhaus“, sagt Jan und kommt fünf Minuten später mit fünf fangfrischen Doraden für das Abendessen zurück.

Jeden Tag sortieren die Fischer in der Cala Figuera ihren Fang.

Die Insel Cabrera – Nationalpark und Sehnsuchtsort

Am Südzipfel der Insel tauchen in der Entfernung am Horizont Silhouetten auf, der Inselarchipel rund um die Insel Cabrera ist heute ein Nationalpark. Früher nutzten Piraten die Inselgruppe als Schlupfwinkel, heute sind es Delphine, Schildkröten und Wale. „Dürfen die Inseln angelaufen werden?“, möchte Jan wissen und zeigt auf die nur sieben Seemeilen entfernte Silhouette. „Kein Problem für alle, die sich wie wir vor Törnbeginn eine Genehmigung geholt haben“, erkläre ich.

Unter Segeln gleiten wir in die tief eingeschnittene Hafenbucht, in der 50 Muringbojen zum Festmachen ausliegen, die Hafenpier ist den wenigen Fischer- und Behördenbooten vorbehalten. Mit dem Bootshaken bekommen wir eine Festmacherleine an der vorbestellten Muringboje fest, mit dem Schlauchboot geht es rüber zum winzigen Hafen. Hier gibt es gerade mal ein Dutzend Häuser und eine Hafenbar. „Wie herrlich ruhig das hier wieder ist“, findet Jan beim Spaziergang zu den Überresten der alten Festungsanlage, die über der Bucht thront.

Cabrera: beliebter Anziehungsmagnet für Blauwasser- und Charteregler

Es Trenc – eine Strandbucht zum Niederknien

Auf dem Weg zurück zur Ausgangsbasis in Mallorcas Hauptstadt Palma zeigt die Insel abermals neue Gesichter. Zunächst der meilenweite und unbebaute Strand von Es Trenc, der mit seinem feinsandigen Strand und dem türkisfarbenen Wasser davor Karibikflair versprüht. Ankerplatz gibt es hier reichlich, nur vor den kleinen Strandbars, auch Chiringuitos genannt, sammelt sich ein Pulk von Motor- und Segelbooten. Der Anker plumpst in vier Meter flaches Wasser und bohrt sich langsam in den weichen Sand. Dann springen wir in die kristallklaren Fluten, schwimmen zum Strand, spielen Fußball und Beachball und genießen am Abend unter sternenklarem Himmel Pasta mit Meeresfrüchten im Cockpit. „Hier könnte ich Tage verbringen“, sagt Jan.

Der unbebaute Strand von Es Trenc ist ein beliebtes Ziel von Tagesausflüglern und Yachten.

El Arenal – Epizentrum des Massentourismus

Zwischen El Arenal und Palma offenbart die Insel dann ihr massentouristisches Gesicht, der sieben Seemeilen lange Küstenabschnitt ist durchgängig bebaut. Volle Strände, günstige Unterkünfte und deutsche Bierlokale gehören hier genauso zum Bild wie die 15 Strandlokale, Balneario genannt. Nummer 6 wurde unter dem Namen Ballermann weltbekannt, heute ist das Eimersaufen hier verboten und die Umbenennung auf Beach Club Six soll das alte Image vergessen machen. Der Hafen des Ortes ist mit seinem gepflegten Swimmingpool dagegen fast schon eine Oase der Ruhe.

Der Mix aus Sonne, Strand und Palmen ist auch in El Arenal kein schlechter.

Fazit Mallorca: eine Insel mit vielen Gesichtern

Mallorca ist und bleibt eine Insel mit vielen Facetten. Die Party-Segeltour ist hier genauso möglich wie der Natur-Chartertörn in abgelegenen Buchten. Und dazwischen finden sich genauso geschichtsträchtige Hafenorte wie moderne Marinaanlagen. Mallorca ist eine Insel für jeden Segel-Geschmack, hier findet jeder sein Glück. Immer ändert sich das Erscheinungsbild, wer die 160 Seemeilen einer Inselumrundung absegelt, bekommt alle Gesichter zu sehen. „Dass es so viele ruhige und stille Seiten auf der Insel gibt, hatte ich nicht gewusst“, sagt Mallorca-Neuling Jan bei der Ansteuerung von Palma. Der Inselvirus hat ihn sichtlich infiziert, „wir mussten viel zu viel auslassen“, sagt er beim Festmachen, „komm, wir chartern eine Woche länger und fahren einfach noch einmal rum!“

Sommer, Sonne, Segeln: Mallorca bietet mit seinen ganz unterschiedlichen Facetten viel Abwechslung.

Yachtcharter auf Mallorca

Gleich neben der berühmten Kathedrale und ganz nah an der Altstadt liegt die Marina La Lonja.

Die Hauptstadt Palma de Mallorca ist das Zentrum des Yachttourismus, die meisten Charteranbieter haben hier oder in den nahen Häfen entlang der Bucht von Palma ihre Basis. Internationale Flottenbetreiber sind hier genauso vertreten wie viele kleinere Firmen. Die meisten Charter-Stützpunkte bieten Flotten mit zehn bis 30 Schiffen an, die Mehrzahl davon sind Kielyachten, doch der Anteil an Katamaranen nimmt stetig zu. Die Schiffsgrößen der Charteryachten bewegen sich zwischen 30 und 54 Fuß und die Flotten bestehen überwiegend aus den Marken herkömmlicher Serienboothersteller wie Bavaria, Dufour oder Beneteau. Die einzelnen Charter-Stützpunkte in Palma sind über die weite Hafenbucht verteilt, den kürzesten Weg zur Altstadt hat man von der La Lonja Marina.

Diese Charter-Agenturen helfen Dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter für einen Törn ab Mallorca können diese Firmen behilflich sein:

Diese Firmen bieten organisierte Reisen an

Flottille, Kojencharter, Crewed-Charter, Segelkreuzfahrt – die Möglichkeiten, das Revier Mallorca unter Anleitung oder in der Gruppe kennenzulernen, sind vielfältig. Diese Firmen bringen Dich aufs Wasser:

Diese Anbieter betreiben vor Ort einen Stützpunkt

Große und kleine, nationale und internationale Flottenbetreiber bieten auf Mallorca moderne Yachten an. Unter anderen betreiben diese Firmen vor Ort ihren eigenen Stützpunkt.

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