Der Suezkanal – alle Infos für Segelyachten

Von Claudia Clawien

Die Diplom-Pädagogin ist zusammen mit ihrem Mann Jonathan von 2013 bis 2019 auf der 35-Fuß-Stahlyacht INTI von Deutschland bis zu den Marshallinseln im Pazifik gesegelt – eine Reise über 21.000 Seemeilen. Claudia liebt das Leben über Wasser ebenso wie das unter Wasser, das nächtliche Segeln unter dem unendlichen Firmament, die Kunst der Improvisation und die Begegnungen mit Menschen jeglicher Couleur.

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Titelfoto: ©Eva Hauer

Der Suezkanal stellt eine wichtige Abkürzung dar

Der Suezkanal liegt in Ägypten und verbindet das Rote Meer mit dem Mittelmeer. Er wurde 1869 nach nur zehn Jahren Bauzeit in Betrieb genommen. Der Weg bis hin zum ersten Spatenstich war allerdings nicht unproblematisch. Schon Napoleon begeisterte sich für die Idee eines Kanalbaus, doch wurden damals die Höhen der beiden Meere falsch vermessen, sodass es dazu nicht kam.

Erst der französische Jurist und Diplomat Ferdinand de Lesseps, der mit dem ägyptischen Vizekönig befreundet war, bekam 1854 eine Konzession für den Bau des Kanals. Nach einigem Hin- und Her und diplomatischer Querelen konnte über eine Aktiengesellschaft Geld aufgetrieben werden, um den Bau zu realisieren.

Der Suezkanal aus dem Flugzeug fotografiert. ©Pabkov/stock.adobe.com

Der Suezkanal verläuft über den Isthmus von Suez und trennt geographisch Afrika von Asien. Indem der lange Weg um das Kap der Guten Hoffnung im Süden Afrikas umgangen wird, verkürzt der Suezkanal den Weg zwischen dem Nordatlantik und Indien/Südostasien um etwa 5.000 Seemeilen.

Der Suezkanal war leider auch Schauplatz politischer Krisen. Seine vorzeitige Verstaatlichung 1956 durch den ägyptischen Präsidenten Nasser war ursächlich für die Suezkrise. 1967 besetzten israelische Truppen im „Sechs-Tage-Krieg“ sein Ostufer, der Kanal wurde geschlossen, jedoch von Ägypten zurückerobert. Nicht unproblematisch ist auch der südlich gelegene Golf von Aden, der nach wie vor als Pirateriegebiet gilt.

Auf dem Suezkanal wird im Konvoi gefahren. ©Eva Hauer

Der Suezkanal im Überblick

Bei seiner Eröffnung war der Kanal 164 Kilometer lang, er wurde im Laufe der Zeit auf eine Gesamtlänge von 193 Kilometer verlängert. Aufgrund der gleichen Höhenlage der beiden Meere hat der Suezkanal keine Schleusen. Im Schnitt passieren 50 Schiffe täglich den Kanal. Betrieben wird er von der Suez Canal Authority (SCA), welche auch die Eigentümerin ist.

Der Suezkanal ist für die Berufsschifffahrt größtenteils nur einseitig befahrbar. 2015 wurde im nördlichen Teil ein 37 Kilometer langer, neuer Abschnitt eröffnet, der den Schiffsverkehr in beide Richtungen erlaubt. Auf dem Rest des Kanals gibt es Begegnungsstellen, an denen der Kanal durch die einbezogenen Seen so breit ist, dass sich die Schiffe der Berufsschifffahrt hier auf Reede legen und entgegenkommende Konvois vorbeilassen können.

Die Passage mit einer Yacht durch den Suezkanal

Ein Transit durch den Suezkanal mit einer Yacht erfordert einiges an Planung. Es gibt viele Formalitäten zu erledigen und es ist obligatorisch, einen Lotsen für die beiden Fahrtabschnitte mit an Bord zu nehmen. Vom Mittelmeer kommend beginnt die Passage in Port Said, vom Roten Meer kommend in Port Suez. Die Nacht wird immer, egal ob aus Nord oder Süd kommend, in Ismailia verbracht. Die Kanalpassage dauert zwei Tage, wenn man nicht länger in der Marina in Ismailia bleibt.

Die Formalitäten für die Kanalpassage regelt ein Agent, da es aufgrund sprachlicher Probleme und der unüberschaubaren Tarife, verbunden mit der häufigen Forderung nach Schmiergeldern, nahezu unmöglich ist, dies in Eigenregie durchzuführen. Entgegen anderslautender Berichte, die Prozedur wäre auch ohne Agenten machbar, bestätigen diverse Blauwassercrews unisono, dass dies nicht der Fall sei.

Der sehr kinderfreundliche Lotse Mohammed an Bord der Segelyacht POLARWIND. ©Osvaldo E. Escobar Torres

Vorbereitungen für die Suezkanal-Passage mit einer Yacht

Es gibt zwei Agenturen, die beide zuverlässig und seriös arbeiten. Das ist zum einen die Agentur FELIX-Maritime Agency und zum anderen die Agentur Prince of the Red Sea (Ansprechpartner: Captain Heebi). Vor der Ankunft in Ägypten kontaktiert man eine der beiden, um die Einreise vorzubereiten. Allerdings operiert „Prince of the Red Sea“ nur von Suez und Port Ghalib aus, sodass man vom Mittelmeer kommend die „FELIX-Maritime Agency“ nehmen muss.

Ist die Entscheidung für eine Agentur gefallen, so wird dem Agenten im Voraus eine Kopie der Pässe, die Crewliste, ein Foto der Yacht sowie der Eigentumsnachweis (idealerweise das Flaggenzertifikat) zugemailt.

Eine grundlegende Entscheidung steht nun an: Will man mit der Yacht einfach nur schnell durch den Kanal oder sollen auch Landgänge stattfinden? Entscheidet sich die Crew dafür, nur den Kanal zu durchqueren, lautet der Status „Yacht in Transit“. Die Crew kann sich innerhalb der Marinagelände von Port Said, Port Suez und Ismailia bewegen, diese aber nicht verlassen. Hierher können auch Diesel, Wasser und Lebensmittel geliefert werden, darum kümmern sich dann der Agent und das Marinapersonal. Es muss allerdings mit Preisaufschlägen gerechnet werden. Den Zwischenstopp in Ismailia nutzen einige Yachten als Wartezeit für ein gutes Wetterfenster Richtung Mittelmeer.

Marina Port Suez am südlichen Ende des Kanals. ©Osvaldo E. Escobar Torres

Plant die Crew hingegen in Ägypten einzureisen, werden ein Visum und ein „Cruising permit“ benötigt. Das erlaubt, weitere Häfen anzulaufen und sich an Land zu bewegen. Wichtig: Auch wenn Yacht und Crew schon im Süden des Landes in Hurghada oder Port Ghalib einklariert wurden und von hier aus nur noch die Kanalpassage in Angriff nehmen wollen, werden die Unterlagen benötigt. Hierum kümmert sich der zuständige Agent.

Tipp: Alternativ kann schon vorab ein E-Visum beantragt werden: https://egypt-journey.com

Frachter auf einem der Seen am Suezkanal. ©Eva Hauer

Die Ankunft in Ägypten

Die Port Control des Hafens (Port Said oder Port Suez) wird angefunkt und die abgefragten Details werden durchgegeben und vor allem der Name des zuständigen Agenten genannt. Zur Einreise benötigt die Crew folgende Papiere:

  • Ausklarierung vom letzten Hafen (Zarpe)
  • Schiffsregistrierung
  • UKW-Sprechfunklizenz
  • Versicherungsnachweis
  • Crewliste
  • Pässe

Tipp: Eine offizielle Crewliste kann hier heruntergeladen werden.

Innerhalb von etwa zwei Tagen sind die Papiere für den Kanaltransit fertig. Die Crew informiert den Agenten über den geplanten Termin für die Passage. Manchmal kann es sein, dass der Termin nochmal verschoben werden muss, da auch Kriegsschiffe den Kanal passieren und er dann für die komplette Schifffahrt gesperrt wird.

Vor dem Transit wird die Yacht vermessen und das Militär überprüft die Papiere. Nun ist das Boot im Register des Suezkanals aufgenommen und muss bei weiteren Passagen nicht mehr vermessen werden.

In Port Said kann ein- und ausklariert werden. ©napa74/stock.adobe.com

Die Passage durch den Suezkanal

Der Agent arrangiert das Treffen mit den Lotsen. Am Tag des Transits besteigt der Lotse morgens zwischen vier und fünf Uhr die Yacht. Es ist vorgesehen, dass er auch das Steuer des Bootes übernimmt, was allerdings auch verhandelbar ist.

Beim späteren Zwischenstopp in Ismailia, im nordwestlichen Ende des Lake Timsah, wird der Lotse wieder an Land gebracht. Hier verbringt die Crew die Zeit bis zur Weiterreise in der Marina oder an einer Muringboje. Wie gesagt: Der Landgang ist ohne Visum nur innerhalb des Marinageländes erlaubt. Am Tag der Weiterreise steigt wieder ein Lotse zwischen vier und fünf Uhr morgens zu und die Fahrt geht weiter.

Kommt man von Norden, wird die Fahrt in der Marina beim „Suez Yacht Club“ beendet. Wurden Yacht und Crew in Port Said bereits ausklariert oder haben sie den Status „Yacht in Transit“, kann nach dem Absetzen des Lotsen die Fahrt direkt weitergeführt werden.

Kommt man von Süden, wird die Fahrt in der Marina beim „Port Said Yachtclub“ beendet. Hat die Crew in Suez bereits ausklariert oder ist sie nur „Yacht in Transit“, kann sie nun direkt ihre Fahrt ins Mittelmeer weiterführen. Ein kleines Boot kommt längsseits und nimmt den Lotsen auf. Dieser gibt Meldung an die Behörden weiter, dass die Yacht ihre Fahrt aus Ägypten heraus fortführt.

Ein Boot kommt längsseits und holt den Lotsen ab. ©Osvaldo E. Escobar Torres

Allgemeine Regelungen für den Suezkanal-Transit

Alle Boote fahren im Konvoi durch den Suezkanal, hierbei darf eine Geschwindigkeit von fünf Knoten nicht unterschritten werden. Bei einem Motorschaden im Kanal ist die Kanalbehörde zu benachrichtigen.

Abschleppen kann übrigens sehr teuer werden. Daher der Tipp: In einem solchen Fall unbedingt erst mit dem Agenten in Verbindung setzen, er kann unter Umständen eine günstigere Möglichkeit finden.

Die Fahrt führt durch Wüstengebiet. ©Dipix/stock.adobe.com

Die ganze Fahrt führt durch Wüstengebiet. Es gibt kleine Fähren, die die Menschen von einem Ufer zum anderen bringen. Selten gibt es eine Brücke, die berühmteste und eindrucksvollste ist wohl die Suezkanal-Brücke.

Auffällig: Am Ufer liegen an mehreren Stellen große Schwimmkörper. Diese dienen im Kriegsfall dazu, eine schwimmende Brücke zu bilden, um Fahrzeuge und auch Panzer auf die andere Uferseite zu bekommen.

Ein Fischer auf dem Suezkanal. ©Eva Hauer

Achtung: Während der Passage durch den Suezkanal kommt man immer wieder an Fischerbojen vorbei, die nah am Kanalufer schwimmen. Die Fischer kennzeichnen damit ihre Langustenfallen. Dazu ein netter FunFact: Ein Lotse erzählt: „Beim Kanalbau waren auch viele Italiener beteiligt, die schon damals Langusten fingen. Die ägyptischen Arbeiter fragten „Was ist das?“ und die Italiener fragten zurück „Questa cosa?“ (Dieses hier?) Mit der Antwort gaben sich die Ägypter zufrieden und seitdem heißt Languste auf Arabisch „Istacusa“.“

Wichtig: Das Benutzen von Drohnen ist strikt verboten.

Die Suezkanal-Brücke. ©Oleksii Fadieiev/stock.adobe.com

Was kostet die Passage durch den Suezkanal für eine Yacht?

Es gibt kaum verlässliche Zahlen über den Preis der Durchfahrt. Man sollte bei einer Yacht von 15 Meter Länge mit einem Preis von etwa 500 US-Dollar rechnen, ohne Liegegelder in den Marinas. Die Gebühren werden bar oder mit Kreditkarte in US-Dollar oder Euro an die betreuende Agentur bezahlt.

Tipp: Bakschisch (Trinkgeld) gehört in Ägypten zum Alltag. Allerdings sollte man eine klare Haltung hierzu einnehmen, um nicht unnötig über den Tisch gezogen zu werden. Der Lotse erwartet in jedem Fall „Geschenke“ und sollte diese auch erhalten. Das kann Bargeld sein, aber auch Süßigkeiten, Zigaretten, Kinderbücher oder neue Kleidung werden gern entgegengenommen.

Die Einfahrt vom Mittelmeer in den Suezkanal bei Port Said. ©Rangzen/stock.adobe.com

Die Marinas für Yachten am Suezkanal

Marina Port Said

Die Marina in Port Said sollte nach Möglichkeit nicht nachts angelaufen werden, da vor der Hafeneinfahrt und im Hafen sehr viel Schiffsverkehr herrscht. Bei Ankunft wird die Port Control (UKW-Seefunkkanal 12) angefunkt. Dann wird die Yacht von einem Piloten in die Marina gelotst.

In der Marina Port Said wird römisch-katholisch angelegt. Deshalb der dringende Tipp: Beim Anlegen keine Trippleine ausbringen, da sie leicht im Dunkeln übersehen wird und von einem Polizeiboot überfahren werden kann, das spät abends in den Hafen kommt. Trippleine, Ankerkette und Anker verheddern sich in der Schraube des Polizeibootes. Ein Sprung in das Hafenbecken ist eine unsaubere Angelegenheit, die keiner riskieren möchte, vor allem nicht nachts.

Da bis zur Fahrt durch den Kanal einige Tage vergehen können, kann man diese nutzen, um sich Port Said anzuschauen. Eine kleine Fähre fährt zum anderen Ufer, wo das ägyptische Leben tobt. Hier gibt es viele kleine Shops, Straßenstände mit Essen, Obst- und Gemüsestände, Menschen sitzen auf der Straße in den Cafés, trinken Tee und rauchen Shisha. Mehrmals am Tag hört man den Muezzin über die Dächer zum Gebet rufen.

Die Marina in Ismailia

Der Yachtclub in Ismailia bietet Waschmaschinen, freies Internet und sanitäre Anlagen inklusive Duschen an.

Die Marina in Ismailia. ©Osvaldo E. Escobar Torres

Marina beim Suez Yacht Club

Im „Suez Yacht Club“ gibt es Duschen, Waschmaschinen und eine Bar, die nichtalkoholische Getränke serviert. Der Club ist ein wenig in die Jahre gekommen, allerdings ist das Marinapersonal sehr bemüht und hilfsbereit. Betrieben wird der Yachtclub von der Suezkanal-Gesellschaft.

Von Suez aus können gut Ausflüge nach Kairo und Gizeh zu den Pyramiden unternommen werden. Auf dem Rückweg zur Marina bietet sich ein Besuch im „Carrefour“ Supermarkt an.

Ein beliebtes Ausflugsziel: die Pyramiden in Kairo. ©WitR/stock.adobe.com

Port Ghalib

In Port Ghalib gibt es eine relativ moderne Marina mit 1.000 Liegeplätzen. Es gibt Elektrizität an den Stegen, Internet, Waschmaschinen, Duschen und Toiletten sowie Frischwasser. Das Marinapersonal hört auf den UKW-Seefunkkanälen 16 und 10.

Port Ghalib. ©jbphotographylt/stock.adobe.com

Fazit

Die Fahrt durch den Suezkanal ist für Blauwassersegler eine spannende Angelegenheit, vor der man keine Sorge haben muss, da die Agentur das meiste für einen regelt. Wer etwas Zeit im Gepäck mitbringt und Vorlauf einplant, kann sich in Ruhe darauf einlassen. Dazu gehört auch, dass die Passage gegebenenfalls durch Landgänge und eine Unterbrechung in Ismailia aufgelockert werden kann, sofern ein Visum und ein Cruising Permit beantragt werden.

Es würde mich freuen, wenn die vorstehenden Infos helfen, den Transit durch den Suezkanal zu erleichtern. In diesem Sinne „fair winds“.

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Birgit
Birgit
7 Monaten her

Ein kleiner Nachtrag, ich bin mir sehr sicher, dass Captain Heebi, Prince of the Red Sea beide Richtungen anbietet. Vor ein paar Tagen ist eine schwedische Yacht mit ihm als Agenten Richtung Süden gefahren. Wir hatten mit beiden Agenten zu tun, während wir in Ägypten waren. Es fällt mir schwer eine Empfehlung auszusprechen. Die Kosten zu vergleichen lohnt sich. Ach ja, die Meinungen, ob Port Ghalib wirklich als Marina durchgeht, gehen bei den Seglern, die dort waren, weit auseinander. Über Strom und Wasser hinausgehend gab es null Marina-Service. Es gibt stattdessen eine große Anzahl von helfenden Händen, die für das… Mehr lesen »

andre
andre
5 Monaten her

wow, ich beneide euch um dieses Hobby. Toll, wenn man sich sowas zeitlich und finanziell leisten kann.

Viel Spaß weiterhin bei so tollen Abenteuern. 🙂