Inselgruppe Islas Columbretes: Alle Infos für Segler

Von Martin Muth

Journalist seit 40 Jahren. Der Wahlhamburger war verantwortlicher Redakteur bei einer großen Segelzeitschrift und Projektleiter der Bootsausstellung hanseboot in Hamburg. 2011 begann er als Verleger mit dem "Portbook & Island Guide" für die Balearen-Inseln. 2014 erschien der Bildband "Around Mallorca". Er ist auch Autor von Büchern im Verlag Delius Klasing. Und seit 2002 ist er für den Deutschen Segler-Verband, die Kreuzer-Abteilung, der Berater für das Mittelmeer.

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Titelfoto: ©Delta Ebre Port

Der naturgeschützte Inselarchipel Islas Columbretes ist ein sensationelles Mittelmeerziel

Die Islas Columbretes liegen etwa 30 Seemeilen vor der spanischen Festlandküste etwas nördlicher als querab von Valencia und dementsprechend nah auch an Ibiza und Mallorca. Die naturgeschützten Inselchen vulkanischen Ursprungs sind ein außergewöhnliches und beeindruckendes Ziel, das man unbedingt einmal angesteuert haben sollte.

Die Inselgruppe liegt zwischen den Balearen und dem Festland. ©Portbook Terres de L`Ebre/Satellitenfoto: ESA

Die Inselgruppe ist eine sogenannte Reserva Marina mit Einschränkungen für den Fischfang und einigen Restriktionen für Besucher. Doch das Ansteuern ist erlaubt und es gibt Bojen für Boote unterschiedlicher Länge zum Übernachten. Durch den Schutzstatus seit 1990 haben die Columbretes eine reiche Unterwasserwelt, die man beim Tauchen und auch schon beim Schnorcheln erleben kann.

Sehr klares Wasser und Fischreichtum laden zum Schnorchel ein. ©Delta Ebre Port

Betreten werden darf nur ein Teil der größten Insel, L`Illa Grossa, und das nur im Rahmen einer Führung. Entstanden sind die Columbretes Forschungen zufolge vor 12 Millionen Jahren. Rund um die Illa Grossa hat man vier Stellen lokalisiert, an denen es zu Vulkanausbrüchen gekommen sein muss.

Mit einem Besuch auf den Columbretes teilt man auch die längere Distanz einer Überfahrt zu den Balearen. Nach Sant Antoni de Portmany an der Westseite von Ibiza sind es nur noch 65 Seemeilen direkter Weg, bis Port d’Andratx, nächstgelegener Hafen auf Mallorca, 80 Seemeilen.

Der Vulkanismus und die Erosion prägen die markanten Formen der Inseln. ©Delta Ebre Port

Die Ansteuerung der Islas Columbretes

Bei durchschnittlicher Sicht taucht die größte und mit 67 Metern höchste Insel der Gruppe aus zirka 15 Seemeilen Entfernung am Horizont auf. Vom Festland kommend, quert man einige Seemeilen vor den Inseln eine Großschifffahrtsroute. Der Seeraum rund um die Hauptinsel L`Illa Grossa ist rein, aber innerhalb ihrer nach Osten offenen Bucht Puerto Tofino gibt es vor allem im mittleren Teil am nördlichen und südlichen Rand knapp überspülte oder sporadisch auftauchende Untiefen.

Die hohen Küsten und der Leuchtturm machen die Inseln schon von Weitem sichtbar. ©Delta Ebre Port

Weitere Untiefen befinden sich rund um die anderen Inselchen der Gruppe, vor allem südlich der Islote La Ferrera und bei den südlichsten Felsen im sich über gut drei Seemeilen erstreckenden Mini-Archipel. Befeuerte Seezeichen stehen ausschließlich auf der hufeisenförmigen Illa Grossa, darunter der weithin sichtbare Leuchtturm.

Kostenlose Bojen für Yachtbesucher

In der hufeisenförmigen Bucht Puerto Tofino sind zehn Festmacher-Bojen verankert, auf der Westseite der Illa Grossa weitere drei, für den Fall, dass Seegang aus östlichen Richtungen einen Aufenthalt dort unmöglich machen sollte. Es gibt auch von dieser Westseite aus einen Anleger mit Aufgang zum Besuch der Insel. Die meisten Bojen im Puerto sind für Boote bis 15 Meter Länge, für über 15 Meter gibt es drei (auch die drei auf der Westseite) und für Einheiten über 20 Meter nur eine Boje. Die maximale Länge ist auf den Bojen vermerkt. Man befestigt die Leine an der kleineren Hilfsboje.

Die Bojen in der Bucht Porto Tofino liegen weit auseinander. ©Delta Ebre Port

Auch auf der Westseite der kleinen Insel Foradada liegen zwei Bojen aus und eine einzelne befindet sich westlich der Isla Ferrera. Diese Bojen dürfen besucht, jedoch nicht zum Übernachten genutzt werden. Keine der Bojen kann reserviert werden. Doch nach Auskunft der Ranger, die auf der Insel Gruppen bis zum Leuchtturm führen, waren bis jetzt nur an wenigen Tagen im August alle Bojen belegt. Aber auch in diesen Fällen gibt es kein Problem, denn vorübergehend kann eine Boje durch zwei Schiffe genutzt werden, so die Bedingungen es zulassen. Eine Anmeldung über UKW-Kanal 09 wird gewünscht (nur bis ca. 23 Uhr).

Die Bucht Porto Tofino ist fast rundum gut geschützt. ©Delta Ebre Port

Landgang mit Führung auf der Illa Grossa

Für einen Besuch der Hauptinsel muss man sich über UKW-Kanal 09 anmelden. Es werden dann Gruppen zusammengestellt für Führungen, die etwa 1,5 Stunden dauern. Sie beginnen um 10.30, 12.00, 13.30, 17.00 und 18.30 Uhr. Das Anlanden passiert mit dem Beiboot bei einem Drehkran im Westteil der Hafenbucht. An Land wird ausschließlich der nördliche Teil der Illa Grossa besucht, vom Anleger in Richtung Leuchtturm.

Die Anlandestelle mit Steintreppe kann gut mit dem Schlauchboot erreicht werden. ©Delta Ebre Port

Andere Areale dürfen nicht betreten werden und mehr als 78 Personen pro Tag sollen es laut Reglement nicht werden, im Juli und August sind auch bis zu 120 möglich. Die Ranger erzählen den Besuchern über die Geschichte der Inselgruppe: die letzten Leuchtturmwärter, die Ausrottung der Schlangen vor dem Bau des Leuchtturms 1856, die besonderen Pflanzen und Tiere. Darunter Eleonorenfalken, die jedes Jahr im Spätherbst nach Madagaskar und wieder zurück fliegen, und auf den Columbretes in Höhlen der Steilküste unterhalb des Leuchtturms leben.

In Kleingruppen geht es über die Insel bis zum Leuchtturm. ©Delta Ebre Port

Die fischreiche Unterwasserwelt ist ideal für Taucher und Schnorchler

Die Columbretes sind bei Tauchern sehr beliebt, weil sich die Unterwasserwelt ohne Fischfang enorm entwickelt hat. So kommen regelmäßig Tauchschulen vom Festland herüber. Zackenbarsche kann man aber auch schon beim Schnorcheln sehen, dazu Barrakudas und Langusten. 72 Taucher pro Tag sind maximal zulässig. Wer allein tauchen möchte, sollte mindestens 15 Tage im Voraus einen Antrag stellen (Kontakt siehe unten).

Unbedingt empfehlenswert: ein Tauch- oder Schnorchelausflug. ©Delta Ebre Port

Ein Erlebnis, das man nicht unterschätzen sollte, sind die Nächte auf den Columbretes. Weit entfernt vom Festland gibt es abgesehen vom Schein des Leuchtturms keine Lichtverschmutzung. Ein perfekter Sternenhimmel ist garantiert, solange keine Wolken aufziehen oder der Mond zu hell leuchtet. Wer Sternschnuppen sehen möchte, sollte zwischen dem 17. Juli und 24. August einen Besuch planen. Es ist die Zeit des jährlich wiederkehrenden Meteorschauers der Perseiden mit dem Maximum um den 13. August.

Der Leuchtturm ist weit und breit das einzige Licht der Umgebung. ©Delta Ebre Port

Regeln und Genehmigungen

Da es sich um ein Meeresschutzgebiet handelt, ist Angeln und Fischfang in den gesteckten Grenzen verboten. Auch Ankern ist verboten, als Alternative gibt es die Bojen an den genannten Plätzen. An Land ist es untersagt, die Wege zu verlassen. Man darf keine Pflanzen pflücken oder auf sie treten, keine Steine mitnehmen und keine Tiere.

Die kleine Inselgruppe weit ab vom Festland ist nur wenigen Mittelmeerseglern bekannt. ©Delta Ebre Port

Die Inselgruppe kann ohne vorherige Anmeldung angesteuert werden, mehr Informationen und Genehmigungen für zum Beispiel das individuelle Tauchen gibt es hier:

Planatario de Castellón
Paseo Maritimo 1
E-12100 Grau de Castell.
T +34 964 288 912
M +34 679 196 310
parque_columbretes@gva.es

Alle Informationen zur Inselgruppe im Internet gibt es hier (allerdings nur auf Spanisch). Eine Vielzahl von Flyern zum kostenlosen Download (ebenfalls nur auf Spanisch) gibt es hier.

Der Leuchtturm ist das einzige Bauwerk auf den Inseln. ©Delta Ebre Port

Charter

Um die Inseln mit der Charteryacht zu erreichen, sind die Stützpunkte am spanischen Festland am nächsten, zum Beispiel Valencia oder der Hafen von Sant Carles de la Ràpita, dem Wassersportzentrum der Region direkt am Ebro-Delta. Etwas weiter sind die Charterbasen von Mallorca und Ibiza entfernt.

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