Anleitung: Update/Aktualisierung elektronischer Seekarten auf Kartenchip (Kartenplotter).

Von Henrik Hoffmann

Henrik Hoffmann ist Experte für elektronische Navigation beim Seekartenhändler HanseNautic. Der studierte Maschinenbauer wurde in der Nähe von Kiel geboren und hat schon im Kindesalter mit dem Segeln begonnen – vom Opti über Laser und 420er wurden die Boote immer größer bis hin zu einer Albin 79, die er zusammen mit seiner Freundin Nic auf der Ostsee segelt.

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C-MAP, Garmin, Navionics: Jeder hat ein anderes Verfahren beim Update der digitalen Seekarten

Beim Navigieren auf Fahrtenyachten sind Kartenplotter weit verbreitet. Für gewöhnlich sind auf dem Plotter auch elektronische Seekarten zu finden, die mittels eines Chips oder einer Speicherkarte in das Navigationsgerät geladen werden. Beim Kauf sind die Karten aktuell – doch was passiert nach der Saison? Wie kann ich ein Update für meinen Kartenchip bekommen und was muss dabei beachtet werden?

Interessanterweise gibt es hierfür kein einheitliches System. Vielmehr ist je nach Anbieter/Hersteller eine andere Vorgehensweise gefragt, um ein Update für die elektronischen Seekarten einzuspielen. Daher möchte ich nachstehend aufzeigen, wie für die gängigen Seekarten-Anbieter C-MAP, Garmin und Navionics vorgegangen werden muss.

Plotter mit elektronischen Seekarten sind auf Fahrtenyachten weit verbreitet.

Kostenfreie Aktualisierung oder kostenpflichtiges Update der elektronischen Seekarten?

Bevor ich auf die einzelnen Anbieter und die zugehörigen Update-Verfahren eingehe, ist wichtig zu verstehen, dass beim Update des Kartenchips zwei Verfahren unterschieden werden: die kostenfreie Aktualisierung und das kostenpflichtige Update.

Die kostenfreie Aktualisierung bietet nahezu jeder Hersteller elektronischer Seekarten an. Meistens ist sie auf ein Jahr begrenzt. Außerdem hat das Verfahren bei jedem Hersteller einen anderen Namen. So heißt es bei C-MAP beispielsweise „Free 1 YEAR update“. Navionics wiederum spricht von „Freshest Data“ und Garmin gibt eine „New Chart Guarantee“.

Garmin-Kartenbild der Elbmündung.

Inhaltlich ist das alles das gleiche – es geht um die Aktualisierung der elektronischen Seekarten im ersten Jahr nach dem Kauf. Als Käufer ist man also gut beraten, das Kaufdatum der Karten zu kennen und kurz vor Ablauf des selbigen die kostenfreie Aktualisierung durchzuführen, um noch einmal einen frischen Satz Kartenmaterial an Bord zu haben.

Nach Ablauf des ersten Jahres ist dann von einem kostenpflichtigen Update die Rede, da beim Aktualisieren der elektronischen Seekarten auf dem Kartenchip für das Update Gebühren anfallen. Diese unterscheiden sich je nach Fahrtgebiet, Kartensatz und Hersteller erheblich.

Kleinere Gebiete kosten um die 80 Euro, größere bis zu 180 Euro für ein Update. In der Regel werden rund 50 Prozent des Neupreises für ein Update berechnet.

Elektronische Seekarten aktualisieren

Grundsätzlich gibt es vier Möglichkeiten, um an einen Satz frischer Seekarten zu gelangen.

1. Neuerwerb der elektronischen Seekarte

Die einfachste – und kostenintensivste – Variante ist, sich einfach einen neuen Satz Seekarten zu kaufen. Das ergibt auf den ersten Blick wenig Sinn, kann aber notgedrungen erforderlich sein, wenn der Kartenchip verloren oder beschädigt wurde.

Bei dieser Variante muss lediglich beachtet werden, dass der gekaufte Kartensatz mit dem eigenen Gerät kompatibel ist. Oder anders gesagt: ich muss darauf achten, dass mein Gerät das gekaufte Kartenformat unterstützt und in der Folge auch lesen kann.

Wer die Kompatibilität überprüfen möchte, findet nachstehend die Kompatibilitätsführer von C-MAP und Navionics.

C-MAP Kompatibilitätsführer

Navionics Kompatibilitätsführer

2. Kostenpflichtiges Update mittels Chip-Tausch

Dies ist die am häufigsten genutzte Methode, da sie recht unkompliziert und wenig fehleranfällig ist. Bei diesem Verfahren wird der vorhandene Kartenchip mit Tesafilm auf ein Papier-Formular geklebt und per Post eingesendet. Auf dem Formular (Download mit Rabatt am Ende des Artikels) wird neben den Kontaktdaten vermerkt, welche Form der Aktualisierung gewünscht ist.

Bei diesem Verfahren wird der Kartenchip zusammen mit einem Formular eingesendet.

Chip und Formular werden per Post eingesendet und nach ungefähr zehn Tagen erhält der Kunde einen neuen Kartenchip im Austausch zurück, auf dem die neuesten digitalen Seekarten aufgespielt wurden. Dieser Chip muss nun nur noch in den Kartenplotter eingesetzt werden und das Update ist abgeschlossen.

Tipp: ich würde die Chipkarte immer versichert versenden – beispielsweise als Paket. Im Falle eines Verlustes haftet der jeweilige Versender.

Diese Vorgehensweise wird unterstützt von: C-MAP, Garmin und Navionics.

3. Kostenpflichtiges Update mittels Gutschein

Diese Methode wird nur von Navionics angeboten. Sie ist etwas umständlicher als die beiden vorherigen, da die eigentliche Arbeit der Aktualisierung zum Kunden verlagert wird und das bringt unweigerlich eine gewisse Fehleranfälligkeit mit sich. Allerdings hat das System einen Vorteil: Es ist zeitlich etwas schneller. In der Regel muss man bei diesem Vorgehen 2-3 Werktage veranschlagen.

Ein Beispiel für den Kauf eines Updates: Der HanseNautic-Online-Shop.

Um digitale Navionics-Seekarten zu aktualisieren, kauft der Nutzer in einem Online-Shop einen sogenannten Update-Gutschein. Es werden die Kontaktdaten angegeben und per Post erfolgt die Zusendung eines Update-Chips. Parallel dazu wird eine Software auf dem eigenen PC installiert, die „Chart-Installer“ heißt. Außerdem wird ein Lesegerät für Speicherkarten benötigt.

In der Software sind die einzelnen Schritte erklärt und man folgt den Anweisungen auf dem Bildschirm. Dabei wird vereinfacht gesagt das Kartenmaterial vom zugesandten Speicherchip auf den vorhandenen Speicherchip kopiert.

Diese Vorgehensweise wird unterstützt von: Navionics.

4. Kostenpflichtiges Update über den Online-Shop des Herstellers

Diese Methode wird von C-MAP, Garmin und Navionics angeboten. Auch hierbei wird die eigentliche Arbeit des Aktualisierens zum Kunden verlagert.

Bei dieser Methode wird der Chip im Kartenleser „online“ aktualisiert.

Um die digitalen Seekarten zu aktualisieren, kauft der Nutzer im Online-Shop des Herstellers ein Update. Im nächsten Schritt wird ein Lesegerät für Speicherkarten mit dem PC verbunden. Dann folgt man den Anweisungen im Browser. Während der nun stattfindenden Aktualisierung des Kartenmaterials darf die Internetverbindung nicht getrennt werden, da sonst das Update fehlschlägt. Sollte es versehentlich zu einer Unterbrechung der Internetverbindung kommen, ist das allerdings kein großes Problem, da nach einem Abbruch das Update neu gestartet werden kann.

Diese Vorgehensweise wird unterstützt von: C-MAP, Garmin und Navionics.

Hinweise zu einzelnen Herstellern

Trotz der vorstehend beschriebenen weitestgehend allgemeingültigen Vorgehensweise gibt es bei jedem Hersteller von elektronischen Seekarten ein paar Besonderheiten.

C-MAP

C-MAP Karten gibt es in verschiedenen Technologien. Sie heißen C-MAP 4D, MAX-N+, MAX-N, MAX, NT+. Je nach Kartenplotter kommt ein anderes Format zum Tragen. Dem C-MAP Kompatibilitätsführer kann das entsprechende Format entnommen werden. Dabei ist das Vorgehen für das Update selbst immer das gleiche, unabhängig von der Technologie oder dem Alter des Kartenmoduls. Siehe oben.

Teilweise sind auf Yachten noch ältere Kartenplotter mit C-MAP-NT-Karten oder C-MAP-MAX-Karten auf sogenannten FP-Modulen im Einsatz. Es ist möglich auch solche Daten zu aktualisieren, allerdings mit etwas höherem Zeit- und Kostenaufwand. Hierzu könnt Ihr mich gerne ansprechen (Telefon: +49 4351 469 99 50).

Tipp: C-MAP bringt übrigens jedes Jahr im Frühjahr ein großes Update der Kartendatenbank heraus. Gegebenenfalls lohnt es dieses abzuwarten. Infos dazu gibt es unter: www.hansenautic.de

Unterschiedliche C-MAP-Kartenchips.

Garmin

Garmin hat zur Saison 2018 sein Kartenangebot aufgeräumt. Aktuell sind die letzten Details noch in Klärung. Ich ergänze hier den neuesten Stand sobald alles final feststeht.

Digitale Seekarten von Garmin, auch BlueChart genannt, sind mittlerweile nur noch auf micro-SD-Karten erhältlich und die früher gebräuchlichen Garmin-Module sind nicht mehr verfügbar. Die Karten werden von zugelassenen Distributoren auf die micro-SD-Karte kopiert – beispielsweise bei uns im Hause.

Bei einem Neukauf des Kartenmoduls gibt es eine Gutschrift für das bereits vorhandene Modul. Dabei ist allerdings (leider) kein Gebietswechsel möglich.

Hinweis: Es können aus technischen Gründen lediglich Karten zum Update verwendet werden, die nach dem 1. Februar 2012 auf den Chip gespielt worden.

Navionics

Um Navionics-Karten kostenfrei zu aktualisieren, müssen diese registriert sein. Die Registrierung ist bis zu zwei Monate nach dem Kauf möglich. Erst dann können die Karten über den Online-Service „Freshest Data“ von Navionics auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Alternativ kann die Karte – wie oben beschrieben – per Post eingesendet werden. Dabei ist es bei Navionics generell möglich, im Rahmen des Updates sowohl das Format des Datenträgers als auch das Fahrtgebiet zu wechseln.

Navionics-Kartenchip.

Fazit

Eine elektronische Seekarte auf einem Kartenchip zu aktualisieren ist kein Hexenwerk. Ich persönlich würde das Update mittels Chip-Austausch per Post vorziehen, da es, wie beschrieben, am wenigsten fehleranfällig ist. In der Regel ist ja bekannt zu wann die aktualisierten Karten benötigt werden, sodass die zehntägige Laufzeit keine große Herausforderung darstellen sollte. Wer es besonders eilig hat, kann alternativ natürlich auch eine der anderen Varianten wählen.

Update-Vordruck zum Download

Die Firma HanseNautic bietet das folgende PDF-Dokument zum Downloaden und ausdrucken an. Damit kann ein Update des Kartenchips beauftragt werden.

Weitere Infos unter: www.hansenautic.de

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Albin BalladLösing Harald Recent comment authors
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Lösing Harald
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Lösing Harald

Die unter 3. Update mit Gutschein beschriebene Variante von Navionics funktioniert auch per direkter Bezahlung mit Debitkarte und ist damit mit 4. gleichzusetzen. Allerdings basiert das System zum Kopierschutz auf IDs auf der Karte, so dass bei einem neuen Seegebiet eine Speicherkarte mit ID zu kaufen ist. Der Service von Hansenautic ist hier sehr gut, da man auch Beratung zum Seegebiet bekommt. Wären die Hersteller etwas innovativer, könnte man den Umweg mit ID auf der Karte durch Webservice basierte Authentifizierung ersetzen, um dabei die ID für den Offlinebetrieb an Bord zu bekommen. Ich bin gespannt was der Kauf von Navionics… Mehr lesen »

Albin Ballad
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Albin Ballad

Wie funktioniert das „Free 1 YEAR update“ von C-Map. Leider läßt sich darüber nichts im Netz finden und auch die Händler scheinen überfragt ?