Unterwegs mit Katzen an Bord von Yachten

Birgit Hackl

Von Birgit Hackl

Birgit Hackl ist gemeinsam mit ihrem Partner Christian Feldbauer und Schiffskatze Leeloo 2011 in Kroatien in See gestochen und via Mittelmeer, Atlantik und Karibik zu ihrem Traumziel Südpazifik gesegelt. Dort ist ihre SY PITUFA seit 2013 zwischen Französisch-Polynesien, Cook Inseln, Tonga und Fidschi unterwegs. Birgit schreibt für diverse Magazine und hat auch schon zwei Bücher über ihre Reise veröffentlicht. „Richtung Horizont“ und „Auf Samtpfoten Richtung Horizont“ – eine Hommage an Schiffskatze Leeloo.

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Segeln auf Samtpfoten

Als wir vor einigen Jahren von Europa aus lossegelten, machten wir uns Sorgen, wie es unserer Schiffskatze Leeloo auf langen Törns gehen würde. Wir machten uns Gedanken, ob wir Probleme beim Einklarieren haben würden und wie die Versorgungslage mit Katzenfutter sein würde …

Das Cruisen mit Katze entpuppte sich in der Realität dann jedoch als viel unkomplizierter. Obwohl unsere Leeloo schon elf Jahre alt war, als wir auf unser Boot umzogen, passte sie sich schnell an die neuen Lebensumstände an und entwickelte sich zu einer gestandenen Schiffskatze.

Crewmitglied Leeloo beim Sundowner. ©pitufa.at

Sicher segeln mit Katzen an Bord

Im Internet sind viele Webseiten zum Thema Schiffskatze zu finden, die sehr fragwürdige Rosskuren anpreisen. Beispielsweise heißt es dort, Katzen sollten regelmäßig ins Meer geworfen werden, damit sie lernen, an Bord zu klettern. Andere empfehlen Schwimmstunden mit Schwimmweste. Solche Aktivitäten sind vielleicht für einen hyperaktiven, jungen Kater lustig, sollten aber keinesfalls als Empfehlungen für alle Katzen gegeben werden.

Katze Leeloo mag es lieber gemütlich in der Sonne. ©pitufa.at

Eine sensible Katze würde durch so eine raue Behandlung traumatisiert, könnte leicht das Vertrauen in ihre Familie verlieren und zu verängstigt werden, um sich überhaupt noch auf Deck zu trauen. Außerdem neigen Katzen zu Nierenproblemen und ein ordentlicher Schluck Seewasser beim Sturz ins Wasser beziehungsweise die verschluckte Salzdosis beim anschließenden Putzen sind sicher nicht gesund. In vielen Atollen des Südpazifiks kreisen außerdem gern Riffhaie um das Boot und da könnte so ein schwimmender Fellball leicht als Haiköder enden.

Leeloo ist bereit zum Losfahren. ©pitufa.at

Wir haben, noch bevor die Katze an Bord kam, rund um das Boot ein Relingsnetz gespannt, damit sie nicht irrtümlich von Deck rutschen kann. Gerade auf dem Aluminiumdeck unserer Yacht PITUFA finden ihre Krallen keinen Halt. Dann haben wir Leeloo das eklige, nasse Wasser rund ums Boot gezeigt und sie ist in zehn Jahren als Schiffskatze nicht ein einziges Mal ins Wasser gefallen oder gar gesprungen.

Hinter einem Relingsnetz kann Leeloo auch auf See entspannt in der Sonne baden. ©pitufa.at

Katzen können im Notfall instinktiv schwimmen, es ist also unnötig, ihnen Kraulen oder Brustschwimmen beibringen zu wollen. Wenn das Boot keine Badeleiter hat oder die Katze nicht gut mit Leitern zurechtkommt, kann auch ein dicker Tampen vom Deck ins Wasser gehängt werden, der im Notfall als Aufstieg dienen würde. Als Training genügt es aber, die Katze vom Dingi aus über das Seil klettern zu lassen.

Für Landspaziergänge und als Sicherung bei rauem Wetter haben wir für Leeloo ein spezielles Katzengeschirr mit Leine gekauft. Glücklicherweise war sie aber bei Seegang immer vorsichtig, so mussten wir sie nie mit dem Geschirr sichern oder gar unter Deck einsperren.

Raue See ist auch für Katzen eine Herausforderung. ©pitufa.at

Anfangs haben wir auch versucht, sie auf Landausflüge mitzunehmen, aber diese Exkursionen waren ihr zu stressig, sie sprang ins Dingi zurück und jammerte laut, dass sie nach Hause wollte. Für abenteuerlustigere Katzen sind Strandspaziergänge aber sicher eine willkommene Abwechslung, hier kann ein Geschirr samt Leine eine sinnvolle Anschaffung sein.

Schnell nach Hause! Für Leeloo sind Landausflüge kein Spaß. ©pitufa.at

Vor Überfahrten packen wir immer einen wasserdichten Notfallspack und dazu immer ein Drybag. In dieses können wir im schlimmsten Fall der Fälle die Katze stopfen, bevor wir das sinkende Schiff verlassen müssen.

Ein katzenfreundliches Boot

Es ist nicht nötig viel Geld auszugeben, um ein Boot katzengerecht zu machen. Schon ein paar simple Dinge machen das Bordleben für Katzen angenehmer und komfortabler. Wir haben beispielsweise in die Niedergangsbretter eine Katzenklappe eingebaut, somit konnte Leeloo, auch wenn wir an Land waren, auf Deck gehen und musste nicht im stickigen, heißen Innenraum sitzen. Katzen rollen sich gern, besonders wenn das Boot schaukelt, in sicheren Verstecken zusammen. Somit standen immer einige Schachteln herum, die Leeloo als Seekojen dienten.

Auf rauen Passagen liegt auch die Katze gerne mittschiffs. ©pitufa.at

Unter der Sprayhood stand ein Topf mit Gras, an dem Leeloo knabberte, wenn sie ein Fellball im Magen drückte. Im Fachgeschäft erhältliches Katzengras ist grob und kurzlebig, wir haben stattdessen irgendwann an Land einen Ziegel Rasen ausgestochen, der viele Jahre an Bord gedieh.

Katzen brauchen Gras als Verdauungshilfe. ©pitufa.at

Leeloo liebte es zu kratzen und sich durchzustrecken, somit lagen zwei Kratzbretter auf Deck, an denen sie ihre Krallen mit Vorliebe schärfte. Dank dieser Bretter blieben die Möbel verschont und wir mussten ihr auch die Krallen nicht stutzen – sie nutzte sie selbst beim Kratzen ab.

PITUFA hat eine steile Leiter mit sieben Stufen den Niedergang hinunter. Raufklettern war kein Problem, aber beim Abstieg sprang Leeloo die letzten paar Stufen, somit haben wir einen weichen Teppich hingelegt, um ihre alten Bandscheiben zu schonen.

Ein Kratzbrett kann als Alternative zu einem Kratzbaum dienen. ©pitufa.at

Gesundheit

In Europa gibt es in jeder Stadt einen Tierarzt und auch in Mittel- und Südamerika fanden wir Veterinäre, wenn wir sie brauchten. Leeloo bekam beispielsweise in Suriname und Panama Tollwutimpfungen. Im Südpazifik sind Veterinäre jedoch abseits der städtischen Zentren rar. Es ergibt deshalb Sinn, die wichtigsten Katzenmedikamente, wie beispielsweise Antibiotika oder Schmerzmittel, in der Bordapotheke zu haben. Wichtig sind auch die Kontaktdaten zu einem Tierarzt des Vertrauens, der im Notfall nach Medikamenten und Dosierungen für die vorliegenden Symptome gefragt werden kann.

Tipp: Einige Medikamente für Menschen funktionieren in entsprechend niedriger Dosierung auch für Katzen. Leeloo bekam beispielsweise Metoclopramid/Paspertintropfen bei Magenproblemen. Jedoch nie ohne vorheriges Nachfragen solche Medikamente anwenden, denn manche sind für Tiere schädlich oder sogar tödlich!

Stugeron ist ein bewährtes Mittel gegen Seekrankheit, bei Katzen funktioniert es am einfachsten in Tropfenform. ©radiopelicano.de

Wie beim Menschen, sind einige Katzen seefest und andere werden seekrank – unsere Leeloo gehörte leider zur letzteren Kategorie. In der Anfangszeit erbrach sie zu Beginn jedes Törns und bald genügte schon das Kettengeräusch, dass sie sich ängstlich in ihre Schachtel verzog.

Glücklicherweise fanden wir heraus, dass Stugeron (ein Mittel gegen Reisekrankheit bei Menschen) sich in Tropfenform hervorragend auch für Katzen eignet. Zwei Tropfen vor jedem Törn und Seekrankheit war Geschichte.

Salz ist für Katzen ungesund, somit wuschen wir das Deck nach jedem Törn, damit Leeloo beim Sonnenbaden auf Deck nicht rundherum eingesalzen wurde.

Das richtige Katzenklo an Bord

Als Katzenklo verwendeten wir eine Plastikbox mit hohem Rand, damit Leeloo beim Herausspringen keine Streu im Boot verteilte. Das Katzenklo stand bei uns auf einer Anti-Rutschmatte unter dem Tisch im Salon, wo die Schiffsbewegungen auch bei rauen Bedingungen nicht zu extrem sind. Leeloo war zwar als Freigängerin früher daran gewöhnt, ihr Geschäft im Garten zu verrichten, sie hat das „Kisterl” aber sofort akzeptiert und auch bei starkem Wellengang immer den Weg dahin gefunden.

Leeloos Schlafbox und Katzenklo. ©pitufa.at

Als Streu verwendeten wir Silicatstreu, die zwar teuer, aber sehr leicht und unglaublich effizient ist. Wenn man Feststoffe täglich entfernt, muss man die Streu nur alle 3 Wochen tauschen. Außerdem ist Silikat unbedenklich für die Umwelt und somit kein Problem beim Entsorgen. Sparsame können die Streu sogar waschen und mehrmals verwenden! Zwischendurch haben wir an abgelegenen Orten auch Sand vom Strand verwendet – aber nur dort, wo kein Ungeziefer den Strand unsicher macht (keine sandflies, nonos, no-see-ums und ähnliche beißende Biester). Ein Sandkisterl muss aber jeden zweiten Tag erneuert werden, sonst wird es zur Stinkbombe.

Futter für die Katze an Bord

Sogar in abgelegenen Gebieten ist in Minimärkten Tierfutter, meist billige Marken, zu finden. Wer jedoch eine heikle Mieze wie unsere hat, sollte hochwertiges Katzenfutter in großen Mengen aufstocken, wann immer es zu finden ist. Nach einem Fang kann das tägliche Menü auch mit frischem Fisch erweitert werden, viele Katzen lieben Fisch!

Ist auch genug für mich dabei? Leeloo beim Proviantieren. ©pitufa.at

Bürokratie

Innerhalb der EU ist Reisen mit Katze kein Problem, vorausgesetzt es ist ein internationaler Impfpass mit regelmäßigen Tollwutstempeln und ein von einem EU-Labor ausgestellter Titernachweis vorhanden. Sobald wir in die Karibik kamen, begannen wir, die Katze beim Einklarieren zu deklarieren. Ob Suriname, Tobago, Grenada, Bonaire, Curacao, Kolumbien oder Panama, wir hatten nie Probleme mit den Behörden. 2012 war auch Galapagos noch kein Problem, das könnte sich aber mittlerweile geändert haben.

In abgelegenen Gebieten sind Landausflüge mit der Katze meist kein Problem. ©pitufa.at

Auch Französisch-Polynesien ist insgesamt sehr locker, was Bestimmungen betrifft. Hier ist das Importieren einer Katze nach 6 Monaten Quarantäne an Bord möglich, wobei die Zeit auf See mitzählt. Dann ist das Ganze nur noch eine Formalität, die in Tahiti mit ein wenig Papierkram und Gebühren schnell erledigt ist. Wenn die Katze an Bord bleibt, ist kein Import notwendig.

Bei der Einreise in kleine Inselstaaten im Südpazifik gilt im Allgemeinen: Animal must remain on board. Die Beamten reagieren eher amüsiert, wenn man den Internationalen Pass der Mieze vorzeigt. Achtung: Fidschi, Neuseeland und Australien haben strengere Vorschriften, die sich ständig ändern, hier sollte man sich unbedingt vor der Einreise informieren und vorbereiten.

Kein Landgang möglich? Auch an Bord gibt es viel zu entdecken. ©pitufa.at

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Katze an Bord das Cruiserleben etwas komplizierter macht. Wir konnten nie, wie andere Segler, ausgedehnte Inlandsreisen oder Heimataufenthalte einlegen, weil wir unsere Leeloo nicht alleine lassen konnten/wollten. Man kann nicht alle Destinationen anlaufen und muss bei der Reiseplanung Rücksicht nehmen. Trotzdem überwiegen die positiven Aspekte: Leeloo war ein Familienmitglied und gehörte einfach zu uns. Leider ist sie letztes Jahr im stolzen Alter von 21 Jahren gestorben und das Boot scheint leer ohne unsere Piratenprinzessin. Sie hat eine große, katzenförmige Lücke hinterlassen, denn eine Bordkatze ist jeden Tag eine Bereicherung im Alltag.

Bordkatze Leeloo und die Crew der Pitufa. ©pitufa.at

Natürlich birgt das Bordleben auch Gefahren für eine Samtpfote, aber mit einer Kombination von Vorsicht und Vertrauen lassen sich diese gut meistern. Nach Leeloos erstem Segeltörn überlegten wir, Bordaufenthalte als „Persönlichkeitsbildungsseminare für Katzen” zu vermarkten. Vor ihrem Abenteuer auf See war Leeloo nämlich sehr schreckhaft – ein weit entfernter Donner oder ein Rasenmäher beim Nachbarn genügten, um sie unter die Couch flüchten zu lassen. Nach ihrer ersten Starkwinderfahrung entlockten ihr solche Kleinigkeiten nur noch ein abgeklärtes Grinsen. Katzen sind von Natur aus neugierig und mit „ihren Menschen” als Verstärkung war Leeloo mutig genug für die Entdeckungsreise Richtung Horizont.

Eine Yacht kann auch für Katzen ein Ort zum Wohlfühlen sein. ©pitufa.at
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Caroline
Caroline
23 Tagen her

Vielen Dank für diesen Bericht. Da wir bald auch diesen Schritt mit Katze wagen wollen, ist euer Einblick mit dem Leben einer Bordkatze sehr hilfreich. Hattet ihr eigentlich ein Geschirr mit Auftriebshilfe?

Frank Ehrsam
Frank Ehrsam
21 Tagen her

Ein entzückender Bericht, der uns bestätigt. Zwar schaukeln und schwimmen wir noch in der Refit-Phase, haben bislang vor allem die Überführung und den Schiffsalltag am Steg mit unserem 11 Jahre alten Herrn durch, aber in der Summe ist es bei uns genau so, wie hier beschrieben. Alles ist möglich und solange die Samtpfoten sich räkeln und die Augen Dich milde selig anlächeln, ist´s richtig. Klasse Beitrag, ganz herzlich Frank