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Dr. Robert Möckel ist Ingenieur der Fachrichtung Schiffsmaschinenbau und im “zweiten Leben” Psychologe (M.Sc.). Nach einer Tätigkeit in einem Motoreninstandsetzungebetrieb hat er in diversen Lehrtätigkeiten Erfahrung in der Wissensvermittlung gesammelt und bietet Seminare zu technischen Themen auf Yachten an. Zusammen mit seiner Frau segelt er eine Dehler 35 SV, die in Flensburg beheimatet ist.
Kühlmittel: Schutz vor Korrosion statt nur vor Frost
Während die Segler in nördlichen Gefilden das umgangssprachliche „Frostschutzmittel“ zumindest einmal im Jahr prüfen – beim Einwintern der Yacht –, so fristet es bei Seglern im Mittelmeer oder auf weltweiter Fahrt nicht selten ein unbeachtetes Dasein. Fehlt ein wenig Flüssigkeit im Ausgleichsbehälter und ist kein passender Ersatz zur Hand, wird es dort gelegentlich sogar durch Wasser ersetzt, mit der beruhigenden Gewissheit im Hinterkopf, dass für den Motor hier, bei selbst im Winter nur selten an den Gefrierpunkt herabsinkenden Temperaturen, keine Gefahr besteht, kaputt zu frieren.

Das Frostschutzmittel in Motoren mit indirekter Kühlung (auch „Zweikreiskühlung“ genannt) hat neben dem Schutz vor Winterfrost noch eine weitere Eigenschaft: den Korrosionsschutz der gesamten indirekten Kühlung. Wer also Wasser ins System gießt, richtet langfristig Schaden an seinem Motor an.

Die unsichtbare Gefahr im Kühlsystem
Doch auch das richtig gewählte Kühlmittel verliert im Laufe der Zeit seine Korrosionsschutzwirkung und der Motor wird früher oder später von innen korrosiv angegriffen. Die Folge ist die Entstehung eines rot-bräunlichen Schlamms, der im fortgeschrittenen Stadium den Wärmeübertrager zusetzt und seine Leistung reduziert. Dann droht eine Überhitzung des Motors, wenn die volle Leistung abverlangt wird.

Im Folgenden wird der Kühlmittelwechsel an einem der gängigsten Motoren bei Segelbooten zwischen 9 und 11 Metern beschrieben, einem Modell D1-30 von Volvo Penta. Die meisten Informationen sind jedoch auch auf die verwandten Typen D1-13, D1-20 und D2-40 übertragbar. Der Motor hat im Vergleich zur Vorgängerbaureihe MD2010 bis MD2040 einige Eigenheiten, die es beim Kühlmittelwechsel zu berücksichtigen gilt.
Welches Kühlmittel ist das richtige?
Grundsätzlich ist der Kühlmittelwechsel eine einfache Arbeit. Nach dem Öffnen einer Ablassmöglichkeit fließt das alte Kühlmittel von selbst aus dem Motor heraus. Danach wird frisches Kühlmittel in das Ausgleichsgefäß gegossen.

Schwieriger wird die Aufgabe nur, wenn das Kühlmittel deutlich zu spät gewechselt wurde und sich bereits brauner Schlamm im Motor gebildet hat. Dann ist die Entfernung des alten Kühlmittels deutlich mühsamer.

Der Hersteller hat bis zum Jahr 2011 ein Kühlmittel mit einer grünen Färbung verwendet. Dieses ist dann von einem anderen Kühlmittel mit der Bezeichnung VCS abgelöst worden. Wichtig ist, dass beide Sorten Kühlmittel nicht vermischt werden dürfen, da sich ansonsten Ausflockungen bilden können.
Daher gilt: Wird in dem Motor bislang das grüne Kühlmittel verwendet, so sollte dieses auch weiterverwendet werden. Ist der Motor hingegen mit einem gelben oder rosafarbenen Kühlmittel gefüllt, so darf kein grünes eingefüllt werden.

Möchte man einen Motor, der bisher mit dem grünen Kühlmittel betrieben wurde, zukünftig mit VCS oder VCS2 betreiben, so ist bei der Umstellung eine Spülprozedur einzuhalten. Details hierzu gibt es bei den Vertragswerkstätten von Volvo Penta.

Warum Kühlmittel aus dem Autohandel keine gute Wahl ist
Nicht empfehlenswert ist es hingegen, Kühlmittel aus dem Autozubehör zu verwenden, auch wenn dieses etwas günstiger sein mag. Allein anhand der Farbe des Kühlmittels (das mit einem Farbstoff versetzt ist) ist es nicht möglich, mit hinreichender Sicherheit auf die Eigenschaften des Kühlmittels zu schließen. Das im Automobilbereich verbreitete System von Bezeichnungen wie G11 oder G12+ ist für diese Motorenbaureihe nicht anwendbar, weil der Hersteller keine entsprechenden Angaben macht. Die Gehäuse der Wärmeübertrager der D1-Baureihe bestehen aus Aluminium und sind als Ersatzteil recht teuer. Daher ist es sinnvoller, zur Sicherheit das originale Kühlmittel zu verwenden.
Noch ein Hinweis zur Arbeitssicherheit: Das Kühlmittel ist gesundheitsschädlich und sollte nicht auf die Haut gelangen. Für die Entsorgung sind die lokalen Vorschriften zu beachten. Der Wertstoffhof (Recyclinghof) der örtlichen Stadtreinigungsbetriebe ist sicherlich eine gute Anlaufstelle für die Entsorgung.

Schritt für Schritt: Der Kühlmittelwechsel
Wie bei den meisten Modellen gibt es auf beiden Seiten des Motors eine Ablassmöglichkeit für das Kühlmittel. Verwendet wird hierfür ein Ablassnippel aus Kunststoff. Er hat außen eine vierkantige Kontur und lässt sich mit einem Gabelschlüssel (Maulschlüssel) der Schlüsselweite 17 mm bewegen. Ist der Nippel ein wenig gelöst, so kann er auch mit den Fingern weiter gedreht werden. Im Normalfall ist es nicht erforderlich, den Nippel ganz herauszudrehen. Vielmehr lässt sich ein Stück Schlauch mit einem Durchmesser von 13 mm (normaler Gartenschlauch) aufstecken, sodass das Kühlmittel kontrolliert in einen Kanister fließen kann.

Vorsicht gerade bei älteren Motoren, denn das Plastik des Ablassnippels wird mit den Jahren spröde und bricht dann leicht.
Das Beispielboot, auf dem die Fotos aufgenommen wurden, verfügt über eine große Motorbilge als Teil der Innenschale. Hier war die praktikabelste Lösung, das Kühlmittel einfach in die Motorbilge fließen zu lassen und es dann mit einem Absauggerät zu entfernen.

Um das Kühlmittel auch aus dem Warmwasserspeicher (Boiler) zu entfernen, wird einer der Schläuche, die zum Speicher führen, am Motor gelöst. Dann wird eine Schlauchbootpumpe (elektrisch oder manuell) genutzt, um die Leitung zum Warmwasserspeicher und die Heizschlange im Speicher selbst durch Luftdruck zu leeren. Diese Aufgabe lässt sich bereits mit wenigen Hüben erledigen, da das Volumen der Schläuche und der Heizschlange eher klein ist. Ein Absaugen des Kühlmittels von oben ist nicht möglich.

Beim Einfüllen des neuen Kühlmittels ist zu erwarten, dass nicht die gesamte Menge sofort in das System passt. Das liegt an den Luftblasen, die zunächst ihren Weg zum Ausgleichsgefäß und damit nach draußen finden müssen. Das Einfüllen erfordert also etwas Geduld.
Nach dem Befüllen kann der Motor angelassen werden. Erfahrungsgemäß sinkt der Stand des Kühlmittels im Ausgleichsgefäß nach kurzer Laufzeit, sodass weiteres Kühlmittel nachgegossen werden kann. Es ist häufig erforderlich, diesen Vorgang mehrfach zu wiederholen, bis sich der Pegel stabilisiert hat.

Fazit
Der Kühlmittelwechsel ist eine unscheinbare, aber wichtige Wartungsarbeit. Entscheidend ist dabei weniger der Frostschutz als der Korrosionsschutz im Motorinneren. Wird das Kühlmittel zu selten gewechselt oder durch Wasser ersetzt, drohen Ablagerungen, Korrosion, Leistungsverlust und langfristige Schäden.
Der Aufwand ist gering – der Nutzen zwar unscheinbar, aber groß. Wer regelmäßig das Kühlmittel wechselt, sichert die Zuverlässigkeit und Lebensdauer seines Motors.






























Danke, Herr Möckel! Sehr hilfreich für mich war insbesondere der Hinweis zum Leeren der Flüssigkeit im Boiler (wird so in den Handbücher nicht beschrieben).
eine Frage noch: Ich habe bei mir und bei Bekannten festgestellt: Im kalten Ruhezustand ist die Füllhöhe der Flüssigkeit genau passend (gemäss Angabe im Ausgleichsgefäss). Bei Motorbetrieb sackt der Pegel aber einige Zentimeter ab an den unteren Rand der empfohlenen Füllhöhe oder sogar darunter. Gilt die empfohlene Füllhöhe für Ruhezustand oder Motorbetrieb?
Die Markierungen für die Füllhöhe beziehen sich immer auf den Ruhezustand. Leichte Änderungen während des Betriebs sind unbedenklich, wenn nicht insgesamt Kühlmittel verloren geht.
Geht der Pegel aber so deutlich zurück, so würde ich vermuten, dass ncoh irgendwo ein wenig Luft im System ist. Erfahrungsgemäß findet die Luft früher oder später ihren Weg zum Ausgleichsgefäß und damit ins Freie. Je nach Verlegung der Schläuche zum Warmwasserspeicher kann das aber eine Weile dauern.