Erholsam an Bord schlafen – Tipps zu Matratzen für Segelyachten

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Guido Peisen ist Geschäftsführer des Familienunternehmens GISATEX GmbH & Co. KG – einem der führenden Anbieter von innovativen, technischen Textilien, hochwertigen Matratzen nach Maß sowie Wand- und Deckenverkleidungen für den Yachtbereich. Mit über 30 Jahren Erfahrung ist er kompetenter Ansprechpartner und international gefragter Experte und Fachautor. In seiner Freizeit ist der gebürtige Rheinländer nicht nur auf der Ostsee unterwegs, er freut sich auch über jede freie Stunde auf kurzen Segeltörns am Bodensee, direkt vor der Haustür des Unternehmens aus Reutlingen.

Segeln und schlafen – wie hängt das zusammen?

Wer Segeln als reinen Regattasport betreibt, der kommt auch mit einer Rohrkoje durch die Nacht, für alle anderen stellt sich über kurz oder lang die Frage, ob der Untergrund zum Schlafen im Schiff den Begriff „Matratze“ verdient oder ob es sich eher um ein einfaches Polster handelt. 🙂

Beim Fahrtensegeln soll die Erholung nachhaltig sein. Dazu trägt der Schlaf wesentlich bei. Deshalb sollten an Bord die gleichen Ansprüche hinsichtlich einer Matratze gelten, die auch im heimischen Schlafzimmer gestellt werden.

Seglerin beim Schlafen während der Fahrt. ©Sönke Roever

Was passiert, wenn wir schlafen?

Schlafen ist ein unterbewusster Vorgang beziehungsweise Zustand. Jeder nimmt daran teil, aber keiner bekommt den Schlaf mit. Das ist die Crux. Neben dem Lichteinfluss, dem Geräuschpegel, dem Sauerstoffgehalt und ein paar Hormonen spielt die Wahl der Matratze eine gewichtige Rolle, wenn es um die Qualität des Schlafes geht. Natürlich kommen wir auf (fast) jeder Unterlage durch die Nacht, wenn die Müdigkeit groß genug ist, allerdings können die Erholung und die Regeneration dabei sehr unterschiedlich ausfallen.

Ein harter Untergrund beispielsweise kann die Körperproportionen nur unzureichend abbilden. Zum einen neigen wir auf dieser Art von Untergrund zum Schlafen in der Rückenlage, um der Druckverteilung einigermaßen „Herr“ zu werden. Zum anderen können wir in Rückenlage kaum Einfluss auf das Drehen und Wenden nehmen. Trotzdem empfinden manche Segler die Rückenlage als entspannend und gut für den Rücken (auf einem härteren Untergrund kann das sein). Allerdings führt die Rückenlage nicht selten zum Schnarchen und zur Atemnot.

Diese Schlafhaltung ist wenig vorteilhaft. ©Sönke Roever

Die Bauchlage wiederum beruhigt, bringt jedoch beim Atmen sowie in der Hals-Ergonomie ihre Herausforderungen mit sich.

Die Seitenlage (hier bevorzugt die linke Seite) ist eine Lage, die der Körper gerne sucht, um die Wirbelsäule in der natürlichen Form zu lagern und ein freies Atmen zu gewährleisten. Dabei hat der Untergrund je nach Körperform jedoch auch die meiste Arbeit zu leisten. Kopf, Schulter, Taille und Becken wollen untergebracht werden und das idealerweise mit schnurgerader Wirbelsäule und einer angenehmen Druckverteilung. Diese Parameter für den Untergrund in Einklang zu bringen, ist die größte Herausforderung bei der Wahl der Boots-Matratze. Das Ziel ist dabei, für einen ausgewogenen Schlaf zu sorgen – immerhin verbringen wir ein Drittel unseres Lebens mit Schlafen.

Die Bauart der Boots-Matratze hat erheblichen Einfluss auf den Schlafkomfort. ©Elan Yachts/Blue Yachting

Interessanterweise handeln jedoch viele Eigner von Yachten kaum nach diesen Erkenntnissen. Sie kaufen sich die besten Segel oder den neuesten Plotter, aber das Schlafen an Bord wird als nicht wichtig eingestuft. Bootspolster sind erfahrungsgemäß kein Kaufkriterium für ein Schiff. Statt eine vernünftige Matratze anzuschaffen, werden durchgelegene Bootspolster als Unterlage akzeptiert. Das kann sich unter Umständen auf gesundheitlichem Wege rächen.

Mehr noch: Die Nacht bedingt den Tag. Wer schlecht geschlafen hat, ist für gewöhnlich schlecht drauf. Wer hingegen gut geschlafen hat, ist fit für den Tag. Der Schlaf ist eine lange Phase mit unmittelbaren Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden. Unterm Strich muss die Matratze zum Schläfer passen und den Druck an der Oberseite optimal verteilen.

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Welche Faktoren haben auch Einfluss aufs Schlafen?

Neben dem Untergrund spielen wie erwähnt auch die Lichtverhältnisse, der Geräuschpegel, der Sauerstoffgehalt und einige Hormone eine Rolle. Letztere sogar eine recht entscheidende Rolle. Es geht vereinfacht gesagt darum, zwischen dem Schlafhormon Melatonin, dem Glückshormon Serotonin und dem Stresshormon Kortisol ein Gleichgewicht herzustellen.

Sonnenlicht, Helligkeit oder blaues Licht hemmen beispielsweise das Melatonin und lassen uns nur schwer zur Ruhe kommen. Deswegen sollte auf Fernsehkonsum, Tablet- oder Handy-Aktivität vor dem Einschlafen verzichtet werden. Ein kleiner Apfel vor dem Schlafengehen wiederum hebt den Blutzuckerspiegel und hilft so dem Serotonin. Wer mag, kann hier auch mit einem Stück Schokolade unterstützen. 😉

Sind die Hormone im Einklang und wird der Schlafplatz von wenig äußeren Reizen gestört sowie von viel Sauerstoff umgeben (offene Fenster oder Luken helfen!), steht einer erholsamen Nacht wenig im Wege.

Die beste Schlaflage ist auf der Seite. ©LjupcoSmokovski/stock.adobe.com

Welche Rolle spielt die Yacht-Matratze?

Um den beschriebenen guten Schlaf zu erreichen, müssen ein paar Features bedacht werden. So sollte eine vernünftige Matratze beispielsweise die verschiedenen Zonen der Wirbelsäule (Schulter/Taille/Becken) ausgewogen und abgestimmt auf den Schläfer berücksichtigen. Das gewährleistet eine gerade Lage der Wirbelsäule. Dabei spielen die Größe und das Gewicht der Person eine Rolle. Früher bedeutete dies, dass zwei unterschiedliche Personen auch zwei unterschiedlich gebaute Matratzen benötigten. Dank moderner Materialien, die bei innovativen Anbietern zum Standard gehören, ist dies nicht mehr der Fall.

Eine hochwertige Matratze trägt zum Wohlbefinden an Bord bei. ©Sönke Roever

Außerdem ist der Matratzenkauf eine persönliche Angelegenheit. So wie der Segelmacher an Bord kommt, um Maß für das neue Segel zu nehmen, ist es hilfreich, wenn der Matratzenhersteller in einem persönlichen Beratungsgespräch die Person sieht und später den Bau die Matratze darauf abstimmt. Falls das nicht möglich ist, bietet ein versierter Hersteller auch eine telefonische Beratung an.

Eine hochwertige Matratze hat mehrere Zonen und gibt entlang der Körperbereiche unterschiedlich nach. ©GISATEX

Die Oberfläche der Matratze

Auf den meisten Yachten haben alle Bootspolster im Schiff die gleiche Oberfläche unabhängig von ihrer Nutzung. Das ist nicht logisch. Im Salon beispielsweise bestehen andere Anforderungen als in der Eignerkabine. Im Salon sollen die Sitzpolster pflegeleicht und im Idealfall auch abwaschbar sein. Das bedeutet, dass die Oberfläche wenig bis gar nicht atmungsaktiv ist.

In der Schlafkabine hingegen bildet die Matratzen-Oberfläche eine Art Klimazone zwischen Schläfer und Untergrund. Daher sollte sie nachhaltig, leicht abnehmbar und waschbar sein, was hygienisch gesehen ein großer Vorteil ist. Die Alternative wäre, die gesamte Matratze aus der Kabine zu holen und zu waschen/reinigen. Das ist wenig praxistauglich.

Tipp: Besonders gut abnehmbar sind Oberflächen mit Reißverschlüssen an vier Seiten.

Beispiel für die Unterlüftung einer Matratze. ©GISATEX

Die Belüftung der Yacht-Matratze

Während wir schlafen, entzieht die Oberdecke dem Körper Feuchtigkeit, die er abgibt. So wird verhindert, dass wir, wie man so sagt, im eigenen Saft liegen. Das ist gut, bedingt aber auch eine gute Belüftung der Matratze, um die Feuchtigkeit abzutransportieren.

Insbesondere an Bord einer Yacht, wo die Umgebung salzig und feucht ist, muss der Schaumkern der Matratze daher offenporig und ventilierend konstruiert werden. Außerdem werden in hochwertige Matratzen entsprechende Lüftungsgewebe an den Seiten und der Unterseite eingearbeitet – in der Fachsprache ein sogenanntes „3D-Abstandsgewirk“. Im Fachhandel findet man dieses beispielsweise unter dem Markennamen DRYWEAVE (Hersteller GISATEX).

Wichtig: Das Abstandsgewirk sollte mindestens einen Zentimeter dick sein. Andernfalls kommt es zu einem Stau und die Feuchtigkeit wird in der Folge nur unzureichend abtransportiert.

Gut zu sehen: das Abstandsgewirk DRYWEAVE für die Hinterlüftung. ©GISATEX

Die Teilung der Matratze

In der Regel befinden sich unter den Kojen Fächer, die als Stauraum dienen. Manche Eigner wünschen sich daher im Sinne eines guten Zugangs zu diesen Fächern eine Teilung der Matratze. Das ist nicht immer notwendig. Schließlich ist die Hauptfunktion der Matratze, guten Schlaf zu bieten. Ihr Aufbau sollte daher dem Sinn des Schlafens folgen. Demnach gehören Kopf, Schulter, Taille und Becken auf ein ungeteiltes Längspolster.

Die Teilung der Matratze sollte dem Sinn des Schlafens folgen. ©Sönke Roever

Die Form der Yacht-Matratze

Die Form der Matratze wird logischerweise auf das Schiff angepasst. Boote haben nun mal Schrägen, Rundungen, Schotten und Einbauten. Bei einem seriösen Hersteller ist jede Form der Matratze möglich.

Ich treffe immer wieder Eigner, deren Schiffe einen Absatz in der Unterlage haben. Etwa durch ein eingelegtes Brett, das einen Freiraum überbrückt. Das kann zum Beispiel ein abgesenkter Tisch sein. Bootsbautechnisch sind solche Stellen mitunter höher und das muss beim Bau der Matratze berücksichtigt werden. Vor allem dann, wenn dieser Absatz in den Bereich der Schulterzone fällt.

Die Form der Matratze wird auf das Schiff angepasst. ©Sönke Roever

Die Stärke der Yacht-Matratze

Die Dicke der Matratze nach Maß sagt nicht unbedingt etwas über den Komfort oder die Passgenauigkeit aus, vielmehr muss das Druckprofil dem Body-Mass-Index (BMI), also der Körpergröße im Verhältnis zum Körpergewicht, entsprechen. Wer 2,00 Meter groß ist und 130 Kilogramm wiegt, hat andere Bedürfnisse als jemand, der 55 Kilogramm wiegt und 1,60 Meter groß ist.

Mit dem Ziel, Ergonomie und Druckentlastung für alle Schlafbedürfnisse intelligent unter einen Hut zu bringen, wurden in den letzten Jahren große Fortschritte hinsichtlich der Material- und Produkteigenschaften gemacht. Innovative Matratzen sind heute dauerhaft ergonomisch.

Komfortzonen und Kaltschaumkerne, Unterlüftung und klimaregulierende Oberflächen lassen sich am besten bei Matratzenstärken zwischen 12 und 15 Zentimetern kombinieren. Im Zusammenspiel mit einem gut und dauerhaft belüfteten Boden und einer 4-seitig abtrennbaren Decke wird das beste Druckprofil erreicht. Das Ergebnis sind maßgeschneiderte Matratzen, die einen bisher nicht gekannten Schlafkomfort an Bord von Yachten bieten.

Eine „richtige" Matratze trägt maßgeblich zum Wohlbefinden an Bord bei. ©Elan Yachts/Blue Yachting

Fazit

Da wir ein Drittel unseres Lebens mit Schlafen verbringen, ist es durchaus sinnvoll, sich auch mit der Matratze an Bord zu beschäftigen. Das bringt zusätzliche wertvolle Lebensqualität in den Bordalltag. Bei der Anschaffung sollten allerdings die vorstehenden Punkte beachtet werden, damit sie sich auch lohnt.

Ein seriöser Matratzenhersteller weiß um diese Aspekte und kann entsprechend nach dem neuesten Stand der Technik beraten. Integrierte Komfortzonen aus modernen technischen Textilien gehören heute ebenso zum Standard wie eine permanente Unterlüftung der Matratze. Das spart nicht nur den Lattenrost, sondern auch Geld und Gewicht.

In diesem Sinne: Gute Nacht und bleiben Sie wachsam beim Kauf neuer, maßgeschneiderter Matratzen!

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B.Wagner
B.Wagner
6 Monaten her

Danke für diesen differenzierten, somnolgisch-fachlich ziemlich korrekten Beitrag. Bin seit 30Jahren Schlafmediziner ( Somnologe ) und gehe in 8 Wochen in Rente aufˋs Schiff. Schlaf wird von vielen unterschätzt. Häufig wird die Matratze auch zu selten, zu spät ersetzt. Nach wieviel Nächten / Jahren sollten sie ersetzt werden? Sie schreiben, die Matratzen sind dauerhaft ergonomisch, aber halten moderne Matratzen ewig?
Gruss B.Wagner (LA KSM Bad Zurzach)

Disclaimer : bin mit dem Autor oder der Firma in keinem Geschäftsverhältnis

Meikel
Meikel
5 Monaten her

Ein wirklich umfassender Bericht. Wir hatten das Problem, daß wir nicht gut schlafen konnten, nicht so gut wie zu Hause! Dann haben wir uns in einem dänischen Bettenhaus 🙂 einen guten Topper gekauft. Vorteil: einfach mit einer Schere die Form anpassen und in den Bezug zurück. Seitdem schlafen wir richtig gut, manchmal besser als zu Hause