Erholsam an Bord schlafen – Wertvolle Tipps zu Matratzen für Segelyachten

Von Stefan Bolz

Stefan Bolz ist Geschäftsführer der Manufaktur für Matratzen und Schlafsysteme – LAROMA aus Schleswig. Der gelernte Kaufmann segelt seit über 20 Jahren auf unterschiedlichsten Fahrtenyachten vom Warship über Albin Express bis hin zur Swan. Und auch sonst ist er ständig auf dem Wasser, da neben dem Segeln das Kiten, Surfen und Supen zu seinen Hobbies gehören.

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Segeln und Schlafen. Wie hängt das zusammen?

Wer Segeln als reinen Regattasport betreibt, der kommt auch mit einer Rohrkoje durch die Nacht, für alle anderen stellt sich über kurz oder lang die Frage, ob der Untergrund zum Schlafen im Schiff den Begriff „Matratze“ verdient oder ob es sich eher um ein einfaches Polster handelt. 🙂

Beim Fahrtensegeln soll die Erholung nachhaltig sein. Dazu trägt der Schlaf wesentlich bei. Deshalb sollten an Bord die gleichen Ansprüche hinsichtlich einer Matratze gelten, die auch im heimischen Schlafzimmer gestellt werden.

Seglerin beim Schlafen während der Fahrt. ©Sönke Roever

Was passiert, wenn wir schlafen?

Schlafen ist ein unterbewusster Vorgang beziehungsweise Zustand. Jeder nimmt daran teil, aber keiner bekommt den Schlaf mit. Das ist die Crux. Neben dem Lichteinfluss, dem Geräuschpegel, dem Sauerstoffgehalt und ein paar Hormonen spielt die Wahl der Matratze eine gewichtige Rolle, wenn es um die Qualität des Schlafes geht. Natürlich kommen wir auf (fast) jeder Unterlage durch die Nacht, wenn die Müdigkeit groß genug ist, allerdings können die Erholung und die Regeneration dabei sehr unterschiedlich ausfallen.

Ein harter Untergrund beispielsweise kann die Körperproportionen nur unzureichend abbilden. Zum einen neigen wir auf dieser Art von Untergrund zum Schlafen in der Rückenlage, um der Druckverteilung einigermaßen „Herr“ zu werden. Zum anderen können wir in Rückenlage kaum Einfluss auf das Drehen und Wenden nehmen. Trotzdem empfinden manche Segler die Rückenlage als entspannend und gut für den Rücken (auf einem härteren Untergrund kann das sein). Allerdings führt die Rückenlage nicht selten zum Schnarchen und zur Atemnot.

Diese Schlafhaltung ist wenig vorteilhaft. ©Sönke Roever

Die Bauchlage wiederum beruhigt, bringt jedoch beim Atmen sowie in der Hals-Ergonomie ihre Herausforderungen mit sich.

Die Seitenlage (hier bevorzugt die linke Seite) ist eine Lage, die der Körper gerne sucht, um die Wirbelsäule in der natürlichen Form zu lagern und ein freies Atmen zu gewährleisten. Dabei hat der Untergrund je nach Körperform jedoch auch die meiste Arbeit zu leisten. Kopf, Schulter, Taille und Becken wollen untergebracht werden und das idealerweise mit schnurgerader Wirbelsäule und einer angenehmen Druckverteilung. Diese Parameter für den Untergrund in Einklang zu bringen, ist die größte Herausforderung bei der Wahl der Boots-Matratze. Das Ziel ist dabei, für einen ausgewogenen Schlaf zu sorgen – immerhin verbringen wir ein Drittel unseres Lebens mit Schlafen.

Die Bauart der Boots-Matratze hat erheblichen Einfluss auf den Schlafkomfort. ©Elan Yachts/Blue Yachting

Interessanterweise handeln jedoch viele Eigner von Yachten kaum nach diesen Erkenntnissen. Sie kaufen sich die besten Segel oder den neuesten Plotter, aber das Schlafen an Bord wird als nicht wichtig eingestuft. Bootspolster sind erfahrungsgemäß kein Kaufkriterium für ein Schiff. Statt eine vernünftige Matratze anzuschaffen, werden durchgelegene Bootspolster als Unterlage akzeptiert. Das kann sich unter Umständen auf gesundheitlichem Wege rächen.

Mehr noch: Die Nacht bedingt den Tag. Wer schlecht geschlafen hat, ist für gewöhnlich schlecht drauf. Wer hingegen gut geschlafen hat, ist fit für den Tag. Der Schlaf ist eine lange Phase mit unmittelbaren Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden. Unterm Strich muss der Untergrund zum Schläfer passen und den Druck an der Oberfläche optimal verteilen.

Welche Faktoren haben auch Einfluss aufs Schlafen?

Neben dem Untergrund spielen wie erwähnt auch die Lichtverhältnisse, der Geräuschpegel, der Sauerstoffgehalt und einige Hormone eine Rolle. Letztere sogar eine recht entscheidende Rolle. Es geht vereinfacht gesagt darum, zwischen dem Schlafhormon Melatonin, dem Glückshormon Serotonin und dem Stresshormon Kortisol ein Gleichgewicht herzustellen.

Sonnenlicht, Helligkeit oder blaues Licht hemmen beispielsweise das Melatonin und lassen uns nur schwer zur Ruhe kommen. Deswegen sollte auf Fernsehkonsum, Tablet- oder Handy-Aktivität vor dem Einschlafen verzichtet werden. Ein kleiner Apfel vor dem Schlafengehen wiederum hebt den Blutzuckerspiegel und hilft so dem Serotonin. Wer mag, kann hier auch mit einem Stück Schokolade unterstützen. 😉

Sind die Hormone im Einklang und wird der Schlafplatz von wenig äußeren Reizen gestört sowie von viel Sauerstoff umgeben (offene Fenster oder Luken helfen!), steht einer erholsamen Nacht wenig im Wege.

Die beste Schlaflage ist auf der Seite. ©Laroma

Welche Rolle spielt die Yacht-Matratze?

Um den beschriebenen guten Schlaf zu erreichen, müssen ein paar Features bedacht werden. So sollte eine vernünftige Matratze beispielsweise die verschiedenen Zonen der Wirbelsäule (Schulter/Taille/Becken) ausgewogen und abgestimmt auf den Schläfer berücksichtigen. Das gewährleistet eine gerade Lage der Wirbelsäule. Dabei spielen die Größe und das Gewicht der Person eine Rolle. Was, nebenbei bemerkt, auch bedeutet, dass zwei unterschiedliche Personen auch zwei unterschiedliche Matratzen benötigen.

Der Matratzenkauf ist folglich auch eine persönliche Angelegenheit. So wie der Segelmacher an Bord kommt, um Maß für das neue Segel zu nehmen, ist es hilfreich, wenn der Matratzenhersteller in einem persönlichen Beratungsgespräch die Person sieht und später den Bau die Matratze darauf abstimmt. Falls das nicht möglich ist, kann ein versierter Hersteller auch eine Ferndiagnose machen.

Eine hochwertige Matratze hat mehrere Zonen und gibt entlang der Körperbereiche unterschiedlich nach. ©Laroma

Die Oberfläche der Matratze

Auf den meisten Yachten haben alle Bootspolster im Schiff die gleiche Oberfläche unabhängig von ihrer Nutzung. Das ist nicht logisch. Im Salon beispielsweise bestehen andere Anforderungen als in der Eignerkabine. Im Salon soll die Oberfläche pflegeleicht und im Idealfall auch abwaschbar sein. Das bedeutet, dass die Oberfläche wenig bis gar nicht atmungsaktiv ist.

In der Schlafkabine hingegen bildet die Oberfläche eine Art Klimazone zwischen Schläfer und Untergrund, sie sollte abnehmbar und waschbar sein, was hygienisch gesehen ein großer Vorteil ist. Die Alternative wäre, die gesamte Matratze aus der Kabine zu holen und zu waschen/reinigen. Das ist wenig praxistauglich.

In der Kabine sollte die Oberfläche leicht abtrennbar und waschbar sein. ©Laroma

Die Belüftung der Yacht-Matratze

Während wir schlafen, entzieht die Oberdecke dem Körper Feuchtigkeit, die er abgibt. So wird verhindert, dass wir, wie man so sagt, im eigenen Saft liegen. Das ist gut, bedingt aber auch eine gute Belüftung der Matratze, um die Feuchtigkeit abzutransportieren. Der Schaumkern der Matratze muss daher offenporig und ventilierend sein. Außerdem werden in hochwertige Matratzen entsprechende Lüftungsgewebe an den Seiten und der Unterseite eingearbeitet – in der Fachsprache ein sogenanntes „3D-Abstandsgewirk“.

In hochwertigen Matratzen werden 3D-Abstandsgewirke an den Seiten und der Unterseite eingearbeitet. ©Laroma

Die Teilung der Matratze

In der Regel befinden sich unter den Kojen Fächer, die als Stauraum dienen. Manche Eigner wünschen sich daher im Sinne eines guten Zugangs zu diesen Fächern eine Teilung der Matratze. Das ist nicht immer umsetzbar. Schließlich ist die Hauptfunktion der Matratze guten Schlaf zu bieten. Ihr Aufbau sollte daher dem Sinn des Schlafens folgen. Demnach gehören Kopf, Schulter, Taille und Becken auf ein ungeteiltes Polster. In dieser Zone stellt die Matratze ihre hauptsächliche Funktion dar. Was unterhalb der Wirbelsäule – also im Beinbereich – passiert, ist hingegen egal. Eine Teilung sollte daher erst unterhalb des Beckens erfolgen.

Ich würde das mit der Teilung aber auch nicht überbewerten, da eine gut zonierte Matratze sich in der Regel sehr leicht rollen beziehungsweise knicken lässt und selten ein Hindernis beim Zugang zu den Fächern unter den Kojen darstellt.

Die Teilung der Matratze sollte dem Sinn des Schlafens folgen. ©Sönke Roever

Die Form der Yacht-Matratze

Die Form der Matratze wird logischerweise auf das Schiff angepasst. Boote haben nun mal Schrägen, Rundungen, Schotten und Einbauten. Bei einem seriösen Hersteller ist jede Form der Matratze möglich.

Ich treffe immer wieder Eigner, deren Schiffe einen Absatz in der Unterlage haben. Etwa durch ein eingelegtes Brett, das einen Freiraum überbrückt. Das kann zum Beispiel ein abgesenkter Tisch sein. Bootsbautechnisch sind solche Stellen mitunter höher und das muss beim Bau der Matratze berücksichtigt werden. Vor allem dann, wenn dieser Absatz in den Bereich der Schulterzone fällt.

Die Form der Matratze wird auf das Schiff angepasst. ©Sönke Roever

Die Stärke der Yacht-Matratze

Die Stärke der Matratze sagt nicht zwingend etwas über den Komfort oder die Passgenauigkeit aus, viel mehr muss die Stärke zum Body-Mass-Index (BMI), also der Größe in Relation zum Gewicht, passen. Wer 2,00 Meter groß ist und 130 Kilogramm wiegt, hat andere Bedürfnisse als eine Person mit einem Gewicht von 55 Kilogramm und einer Größe von 1,60 Metern. Davon ist auch die Wahl die Stärke der Matratze abhängig.

Um die Kombination aus Ergonomie und Druck für alle Schlafnotwendigkeiten unter einen Hut zu bekommen, sollte bei einem gesunden BMI mindestens eine Stärke von 15 bis 17 Zentimetern gewählt werden. Bei dieser Stärke der Yacht-Matratze lassen sich Zonen und Verstärkungen mit einer weichen Oberfläche am besten kombinieren. Im Zusammenspiel mit einem belüfteten Boden und einer abtrennbaren Oberdecke ergeben sich eher 17 statt 15 Zentimeter.

Ist der BMI überdurchschnittlich hoch, können durchaus auch 21 Zentimeter Stärke erforderlich werden. Sind an Bord bautechnisch weder 21 noch 17 Zentimeter Matratzenstärke realisierbar, müssen Abstriche in Kauf genommen und es muss auf etwas Komfort verzichtet werden. Deutlich besser als bei einfachen Schaumstoffpolstern wird das Ergebnis aber immer sein.

Die Matratze sollte eine Dicke von mindestens 17 Zentimetern haben. ©Laroma

Je höher eine Matratze ist, desto weniger Effekt hat ein Lattenrost. Ab einer Stärke von 17 Zentimetern ist ein Lattenrost nicht mehr erforderlich. Die gesamte erforderliche Technik kann dann in der Matratze selbst untergebracht werden. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Qualität des Schaumkerns. In der Fachsprache spricht man von Raumgewicht in Kilogramm pro Kubikmeter (kg/m³). Eine gute Matratze sollte mindestens 45 kg/m³ haben. Wer nur am Wochenende an Bord nächtigt, kommt auch mit einer geringeren Qualität zurecht. Raumgewichte ab 50 kg/m³ entsprechen der Premium-Qualität aus dem häuslichen Bereich.

Eine "richtige" Matratze trägt maßgeblich zum Wohlbefinden an Bord bei. ©Elan Yachts/Blue Yachting

Fazit

Da wir ein Drittel unseres Lebens mit Schlafen verbringen, ist es durchaus sinnvoll, sich auch mit der Matratze an Bord zu beschäftigen. Das bringt zusätzliche wertvolle Lebensqualität in den Bordalltag. Bei der Anschaffung sollten allerdings die vorstehenden Punkte beachtet werden, damit sie sich auch lohnt.

Ein seriöser Matratzenbauer weiß um diese Aspekte und kann eine entsprechende Beratung liefern. Er weiß auch, dass die Kunst beim Matratzenbau darin liegt, so zu arbeiten, dass der Schaumkern perfekt zur Körperform passt und dieser perfekt auf der Matratze liegt.

In diesem Sinne: Gute Nacht!

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