Sena Intercom-Headsets: Die Gegensprechanlage auf Yachten

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Johannes Erdmann überquerte im Alter von 19 Jahren zum ersten Mal einhand den Atlantik. Während seines Schiffbaustudiums schrieb er sein erstes Buch „Allein über den Atlantik“. Nach zehn Jahren als Wassersportjournalist, rund 60.000 Seemeilen im Kielwasser und sieben Jahren auf See gibt er heute seine Erfahrung vom Langfahrtsegeln als Berater und Journalist weiter. Mit Shorecrew.de begleitet er zudem angehende Eigner auf dem Weg zur eigenen Yacht und gehört zum Expertenteam von BLAUWASSER.DE.

Gute Kommunikation beim An- und Ablegen ist wichtig an Bord von Yachten

Ein Boot unter Segel oder Motor zu bewegen, ist meist kein Hexenwerk. Doch sobald es beim Anlegen oder Manövrieren eng wird, steigt die Anspannung an Bord spürbar. Kommen dann noch Wind, Strömung oder eine nicht eingespielte Crew hinzu, zeigt sich schnell, wie entscheidend gute Kommunikation wirklich ist. Mit zunehmender Bootslänge wächst die Distanz zwischen Steuerstand und Bug – und damit auch die Gefahr von Missverständnissen. Gerade in Situationen, in denen es eng oder hektisch wird, muss jedes Wort sitzen.

Viele Crews behelfen sich mit Handzeichen oder erhobenen Stimmen. Doch lautes Rufen sorgt selten für Klarheit, dafür aber häufig für unerwünschte Zuschauer im Hafen. Und seien wir ehrlich: Ein Skipper, der schreit, wirkt nicht souverän. Weitaus professioneller erscheint eine Crew, die ruhig, konzentriert und wortlos präzise manövriert – selbst dann, wenn es anspruchsvoll wird.

Klare Ansage vom Vorschiff: Mit Headset bleibt die Verbindung zum Cockpit auch bei Wind und Abstand stabil. ©Sönke Roever

Neue Crew, neue Herausforderungen

Gerade wenn eine Crew erstmals gemeinsam unterwegs ist, entscheidet nicht nur seglerisches Können über gelungene Manöver, sondern vor allem das Zusammenspiel an Bord. Abläufe sind noch nicht eingespielt, Rollen nicht klar verinnerlicht, und Unsicherheit gehört dazu. Während Routinecrews oft mit Blicken und kurzen Kommandos auskommen, braucht es in neuen Teams Klarheit – und zwar sofort, eindeutig und ohne Umwege. Besonders in stressigen Momenten zeigt sich dann, wie wertvoll eine direkte, verlässliche Verbindung zwischen Steuerstand und Vorschiff ist.

Die Idee vom „Marriage Saver“ bei der Kommunikation auf Yachten

Seit rund zwei Jahrzehnten setzt sich vor allem in den USA eine Technik durch, die die Verständigung an Bord neu definiert: drahtlose Gegensprechanlagen für Skipper und Crew. Die ersten Systeme stammten aus dem Motorradsport und trugen den Spitznamen „Marriage Saver“, weil sie Streit durch Missverständnisse vermeiden sollten. Für den Einsatz auf See und Hafenmanöver waren diese Lösungen jedoch nur bedingt geeignet. Wind, Wasser und Salznebel stellten Anforderungen, für die die Technik ursprünglich nicht geschaffen war.

Der Hersteller Sena erkannte diese Lücke frühzeitig und begann, Systeme speziell für Segler und Motorbootfahrer zu entwickeln. Das Ergebnis sind heute kompakte, wetterfeste Headsets, die auch bei Starkwind, Regen und Gischt zuverlässig arbeiten. Sena gilt inzwischen als Weltmarktführer in diesem Segment.

Das grün blinkende Dreieck signalisiert, dass der Kontakt zu einem anderen Headset hergestellt ist. ©Johannes Erdmann

Ruhe im Cockpit, Klarheit am Bug durch Gegensprechanlagen an Bord von Yachten

Mit einem Headset am Steuer zu stehen, erscheint vielen zunächst ungewohnt. Diese Zurückhaltung verfliegt jedoch meist nach wenigen Manövern. Die Möglichkeit, ruhig und klar miteinander zu sprechen, selbst wenn Wind und Motor Umgebungslärm verursachen, sorgt für spürbare Entspannung an Bord. Niemand muss schreien, niemand muss raten, was der andere gerade meint.

Anfangs fremd, nach wenigen Minuten unverzichtbar: Ein Headset am Steuer verändert die Kommunikation an Bord. ©Sena

Die Systeme erkennen automatisch, wenn jemand spricht, und schalten sich selbstständig frei. Gleichzeitig bleiben Umgebungsgeräusche weitgehend außen vor. Auf diese Weise hört man nur das, was wirklich wichtig ist.

Gerade die Crew am Vorschiff profitiert davon. Der Blick bleibt nach vorne gerichtet, die Hände sind frei, doch die Verbindung zum Steuerstand reißt nicht ab. Ob beim Ankern, beim Festmachen oder in engen Boxengassen – man bleibt in Kontakt.

Anfangs fremd, nach wenigen Minuten unverzichtbar: Ein Headset am Steuer verändert die Kommunikation an Bord. ©Sena

Sena bietet drei verschiedene Systeme für Intercom-Gespräche auf Yachten

Der Hersteller Sena bietet unterschiedliche Headset-Modelle an, die sich im Umfang ihrer Ausstattung unterscheiden, aber auf derselben Technologie aufbauen. Das Flaggschiff Nautitalk Bosun richtet sich an Segler, die ihr Headset den ganzen Tag tragen. Es ist leicht, schwimmfähig und vollständig wasserdicht. Metallene Kontakte wurden bewusst vermieden, stattdessen kommt ein magnetisches Ladesystem zum Einsatz, das zuverlässig funktioniert, auch wenn Salz und Feuchtigkeit im Spiel sind. Die Reichweite ist großzügig bemessen und die Akkulaufzeit reicht bequem für lange Tage an Bord.

Vier Tasten genügen: Das Nautitalk Bosun lässt sich auch mit nassen Fingern einfach und intuitiv bedienen. ©Sena

Über eine Bluetooth-Schnittstelle lässt sich das Headset zudem mit dem Smartphone verbinden. Musik, Podcasts oder Telefonate lassen sich so direkt am Ohr erleben, ohne andere Tätigkeiten unterbrechen zu müssen. Sogar in professionellen Regattateams ist dieses System mittlerweile im Einsatz.

Reduziert auf ein Ohr: Das Nautitalk Easy ermöglicht klare Kommunikation, während ein Ohr frei für die Umgebung bleibt. ©Sena

Etwas puristischer präsentiert sich das Nautitalk Easy, das mit nur einem Ohrhörer arbeitet und damit das andere Ohr für Umgebungsgeräusche frei lässt. Trotz der reduzierten Bauweise steht es dem größeren Modell in puncto Verständlichkeit kaum nach und eignet sich besonders für Skipper, die permanent wahrnehmen möchten, was um sie herum geschieht.
Das extrem leichte Nautitalk Crew richtet sich an Crews, die ein besonders kompaktes System suchen. Kaum spürbar am Kopf, sitzt es je nach Vorliebe an der Kappe oder einem schlichten Stirnband. Auch hier sorgt ausgefeilte Filtertechnik dafür, dass störendes Windrauschen nahezu verschwindet.

Anklipsen, loslegen, verstehen: Das federleichte Nautitalk Crew sitzt am Cap und hält Kontakt. ©Sena

Sena-Headsets sind robust und für den Bordalltag geschaffen

Salz, Feuchtigkeit und Sonne sind eine harte Probe für elektronische Geräte. Sena hat das berücksichtigt und setzt auf vollständig abgedichtete Gehäuse und korrosionsfreie Ladelösungen. Die Transporttaschen sind ebenso auf das Bordleben ausgelegt wie die Headsets selbst und schützen die Technik unterwegs und im Hafen.

Reduziert und selbsterklärend: Das Nautitalk Easy überzeugt durch intuitive Handhabung. ©Sena

Bedienen ohne Nachdenken

Trotz der komplexen technischen Abläufe im Inneren bleiben die Geräte nach außen angenehm simpel. Die Tasten sind groß, klar geformt und auch mit nassen Fingern sicher zu bedienen. Beim Einschalten informiert eine Sprachansage sofort über den aktuellen Akkustand, sodass böse Überraschungen mitten im Manöver ausbleiben.

Verbindungen werden mühelos aufgebaut, Kanäle lassen sich schnell wechseln und auch die Kopplung mit dem Smartphone ist in wenigen Sekunden erledigt. Telefonate werden direkt über das Headset geführt, während das Handy geschützt an seinem Platz bleiben kann. Musik oder andere Audiodateien lassen sich ebenso bequem steuern.

Programmierung und Updates erfolgen über die Sena-App. ©Johannes Erdmann

Immer auf dem neuesten Stand

Über die zugehörige Sena-App können Nutzer zahlreiche Einstellungen individuell anpassen – von der Lautstärke bis zur Mikrofonempfindlichkeit. Auch Aktualisierungen der Gerätesoftware werden drahtlos aufgespielt. Ein Kabel zum Computer ist nicht mehr nötig, alles geschieht direkt über das Mobiltelefon.

Sena-Headsets sind rückwärtskompatibel

Wer bereits ältere Sena-Geräte nutzt, kann sie weiterhin problemlos einsetzen. Neue Modelle lassen sich bei Bedarf auf den älteren Funkstandard umstellen und bleiben so mit der vorhandenen Technik kompatibel.

Die Sena-Marine-App. ©BLAUWASSER.DE

Wenn jemand vergessen hat, sich zuzuschalten

Sollte sich ein Crewmitglied einmal versehentlich vom System getrennt haben, lässt es sich akustisch dezent zur Kontaktaufnahme auffordern. Ein kleiner Helfer, der Nerven schont – besonders dann, wenn es schnell gehen muss.

Mitten im Manöver den Hafenmeister anrufen? Mit dem Sena Nautitalk Easy überhaupt kein Problem, denn es lässt sich per Bluetooth mit dem Handy koppeln. ©Sena

Mehr Ruhe, mehr Sicherheit

Am Ende bleibt ein klarer Eindruck: Gegensprechanlagen an Bord sind kein Spielzeug, sondern ein Sicherheitsgewinn. Sie reduzieren Stress, verhindern Missverständnisse und sorgen für entspannte, souveräne Manöver. Wer sie einmal genutzt hat, möchte sie nicht mehr missen.

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Martin
Martin
13 Tagen her

‚marriage saver‘ ist auf den ersten Blick ein passender Ausdruck. Das kann sich aber schnell ins Gegenteil verkehren, wenn man gewohnheitsmäßig leise Kritik vor sich hin murmelt. Die kommt jetzt auf der Gegenseite gut verständlich an.

Phil
Phil
12 Tagen her

Hey Johannes, hattest du auch die Möglichkeit die Sena Talkies zu testen?

Anton
Anton
12 Tagen her

…leider ist das Mikrofon immer an, werden kann Kommandos auf dem Vorschiff weitergegeben, auf großen Schiffen hat nicht jeder ein Headset oder mit Nachbarliegern kommuniziert fallen allen anderen Nutzern die Ohren ab!!!