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Johannes Erdmann überquerte im Alter von 19 Jahren zum ersten Mal einhand den Atlantik. Während seines Schiffbaustudiums schrieb er sein erstes Buch „Allein über den Atlantik“. Nach zehn Jahren als Wassersportjournalist, rund 60.000 Seemeilen im Kielwasser und sieben Jahren auf See gibt er heute seine Erfahrung vom Langfahrtsegeln als Berater und Journalist weiter. Mit Shorecrew.de begleitet er zudem angehende Eigner auf dem Weg zur eigenen Yacht und gehört zum Expertenteam von BLAUWASSER.DE.
Yacht-Überwachung: Big brother is watching you
Erst war es über Wochen warm, dann verkündet der Wetterbericht überraschend einen Wetterumschwung. Viel Wind ist auch angesagt – da kann der Eigner einer Yacht schonmal in Sorge geraten. Erst recht, wenn sich das Boot weit entfernt befindet. Wird das Boot den angesagten Wind gut überstehen? Sind die Luken dicht, wenn der Regen flach übers Deck peitscht? Und wie entwickelt sich die Luftfeuchtigkeit, besteht Schimmelgefahr?
Nichts ersetzt das erleichternde Gefühl, mal kurz an Bord nach dem Rechten schauen zu können. Doch wenn das Boot hunderte oder gar tausende Kilometer entfernt liegt, dann ist das nicht ohne Weiteres möglich. Es sei denn, das Boot ist mit einem Überwachungssystem versehen. Das neue System von Vanemar aus den USA wurde genau für solche Zwecke entwickelt.

Das Gehirn des Systems von Vanemar bildet ein Gateway, die Zentrale. Keine „black box“, sondern in diesem Fall eine „white box“, die bereits beim Auspacken einen hochwertigen Eindruck vermittelt, wie es sonst nur Produkte der Marke Apple tun. Das Gateway kann per NMEA-2000-Verbindung mit dem Bord-Datennetzwerk gekoppelt werden. Ansonsten benötigt es nur eine Stromversorgung aus dem 12-Volt-Bordnetz. Der Stromverbrauch ist gering und liegt bei unter 100 Milliampere, sodass er auch bei kleinen Booten spielend von einem einzigen Solarpaneel sichergestellt werden kann.

Das Gateway bildet die Basis des Überwachungssystems. Durch eine externe GPS-Antenne und eine intern verbaute global funktionierende SIM-Karte sendet es regelmäßig die Position und die Batteriespannung an den Server des Herstellers, der die Daten über die Vanemar-Connect-App an den Nutzer sendet.

Das System muss nicht einmal versteckt montiert werden, da es über eine „anti-tamper-funktion“ verfügt und bei Manipulation sofort Alarm auslöst. Eine interne Batterie lässt das Gerät selbst nach Trennung vom Bordnetz bis zu acht Stunden weiterhin die Position senden – ein Geofencing-System, das dem Eigner die Angst vor einem Diebstahl seiner kostbaren Yacht nehmen kann. Darüber hinaus trackt Vanemar auf Wunsch alle Fahrten der Yacht mit – nicht nur über Tage, sondern auf Wunsch über Jahre, sodass nach einer Weltumsegelung der Track der Reise als File exportiert werden kann.

Das Yacht-Überwachungssystem von Vanemar bietet viele Optionen
Das modulare Yacht-Überwachungssystem von Vanemar bietet noch viele weitere Sensoren, die entweder einzeln oder auch gleich zusammen mit dem Gateway als Paket erworben werden können. Neben dem Starterpaket, das das Gateway und die GPS-Antenne umfasst, enthält das „Basic“-Paket (849 Euro) auch noch einen Bilgealarm, einen Türkontakt-Sensor, einen Bewegungsmelder und einen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensor.

Als umfangreichere Variante enthält das Paket „extended“ (1.029 Euro) auch einen Rauch-Detektor und einen Smart-Plug, mit dem auch Steckdosen aus der Ferne geschaltet werden können – etwa um die Klimaanlage bereits im Anflug auf das Schiff zu aktivieren oder den elektrischen Luftentfeuchter bei langen Standzeiten aus der Ferne ein- oder auszuschalten.
Wenn zunächst nur das Gateway an Bord installiert wird, können später je nach Bedarf zusätzliche Sensoren modular hinzugefügt werden, wie beispielsweise ein Rauchmelder, ein Kohlenmonoxid-Warner, ein Bilge-Alarm, ein Bewegungsmelder, ein Türkontakt oder eine fernschaltbare Schuko-Steckdose. Auch ein oder mehrere zusätzliche Batteriesensoren können ergänzt werden, um über die Servicebatterie hinaus auch Motor-, Bugstrahl- oder sonstige Batterien überwachen zu können.

Der Clou dabei ist die einfache Installation. Lediglich das Gateway und der Batteriesensor müssen per Kabel an das Bordnetz angeschlossen werden, die einzelnen Sensoren hingegen werden kabellos per WLAN mit dem Gateway verbunden, dessen interne Batterien übrigens nur alle vier Jahre getauscht werden müssen.
Die Zuverlässigkeit der WLAN-Verbindung stellt ein Zigbee-Mesh-Netzwerk sicher, das speziell für diese Art der Heimsicherheits-Anwendung entwickelt wurde und daher einen großen Fortschritt gegenüber allen bislang erhältlichen Systemen darstellt.
Die App-Steuerung von Vanemar hat viele Funktionen
Mit einem zusätzlich erhältlichen NMEA2000-Adapter lassen sich auch alle anderen auf dem Boot gemessenen Daten direkt und live in der App ablesen. Auf diesem Wege ist es möglich, einen echten Eindruck zu bekommen, wie die Wind- und Wetterverhältnisse an Bord sind – denn nicht immer hat der Skipper Zugriff auf Wetterstationen, die sich direkt im selben Hafen befinden.

Auch bei einem Verleih der Yacht – beispielsweise an Freunde oder die Familie – kann der Eigner über die App virtuell mitsegeln und auf Bootsdaten zugreifen, die über das NMEA2000-Netzwerk verteilt werden. Dabei ist nicht nur ein einziger Zugang möglich, sondern bei Eignergemeinschaften können auch mehrere Eigner oder Skipper in der App den Zugang auf alle Informationen erhalten. Auch ein Tracking von Charterflotten ist möglich.

Dabei beschränkt sich der Zugriff längst nicht nur auf die Beobachtung der Parameter, es können auch digitale Schalter über das Netzwerk angesteuert werden und auf diese Weise beim Auslösen eines Einbruchsalarm beispielsweise die Bordbeleuchtung, eine Stroboskoplampe oder eine Sirene aktiviert werden.
Hinweis: Im Rahmen der nächsten Ausbaustufe des Systems ist zudem eine Überwachungskamera geplant, die noch im Jahr 2026 auf den Markt kommen wird.

Im Alarmfall meldet sich das Yacht-Überwachungssystem von Vanemar per App-Push-Nachricht und gegebenenfalls zusätzlich per Telefonanruf beim hinterlegten Kontakt. Über die App kann dann genau nachgeprüft werden, wie es zu dem Alarm gekommen ist, denn auch Verläufe der Batteriespannungen, der Luftqualität und der vielen weiteren gemessenen Werte sind als Kurve im System nachlesbar.

In der App kann auch nachverfolgt werden, ob die Batterie übermäßig entladen wird, der Motor in zu hohen Drehzahlen gefahren wird oder in zu flachem Wasser geankert wird. Alle Daten, die das NMEA-Netzwert über den Verlauf des Törns übertragen hat, sind über das Vanemar-System zugänglich beziehungsweise überwachbar.

Die Yacht-Überwachung von Vanemar bietet verschiedene Abos
Da die Datenverbindung des Vanemar-Systems über das GSM-Handynetz sichergestellt wird und das Gateway eine Global-SIM-Karte enthält, muss der Nutzer für den Service eine monatliche (15,99 Euro) oder jährliche Nutzungsgebühr (159 Euro) bezahlen. Dabei kann das das Abo auch über längere Zeit pausiert werden kann, etwa wenn die Yacht im Winterlager liegt.
Wichtig: Die eigentliche Überwachung der Yacht ist davon unabhängig. Befindet sich die Yacht beispielsweise außerhalb des Handynetzes, zeichnet das System die Positionen und Daten auf – mangelt Netzabdeckung können die Daten in diesem Fall jedoch nicht an die App übertragen werden.
Allerdings werden Gegenden mit mangelnder Abdeckung immer weniger und bereits jetzt arbeitet Vanemar mit 470 Netzanbietern in über 200 Ländern zusammen. Kurzum: Es gibt kaum einen Anker- oder Liegeplatz in der Welt, der nicht vom Handynetz erreicht wird. Darüber hinaus hat sich der Hersteller bewusst für eine GSM-Datenverbindung statt einer Satellitenverbindung entschieden, weil sie deutlich weniger Energie benötigt und der Empfang auch ohne externe Antenne unter Deck zuverlässiger ist.

Fazit
Bei moderner Yachtüberwachung geht es nicht um die Kontrolle um jeden Preis, sondern um Gelassenheit. Zu wissen, dass sich das Überwachungssystem der Yacht auch aus der Ferne meldet, wenn etwas an Bord nicht stimmt, ist vorteilhaft. Systeme wie das hier vorgestellte von Vanemar ersetzen nicht den eigenen Blick an Bord – sie schaffen aber das gute Gefühl, jederzeit nah dran zu sein, selbst wenn die Yacht gerade weit weg liegt.
Mehr zum Thema unter: www.ferropilot.de

























HomeAssistant und ein bisschen Lust zum Basteln machen das deutlich billiger und mächtiger. Einstiegshürde ist sicher höher