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Michael ist seit über 25 Jahren als Journalist und Fotograf auf dem Wasser unterwegs. Der studierte Geograf hat weltweit Reisereportagen in mehr als 100 Charter- und Blauwasserrevieren produziert. Zudem haben den Hamburger viele Segelreisen und seine frühere Tätigkeit als Charter- und Überführungsskipper rund um den Globus geführt. Michael ist ein gefragter Referent auf Bootsmessen und in Seminaren.
Wer auf einen Kojenchartertörn geht, braucht Toleranz und Offenheit
Wer sich zum ersten Mal auf einen Kojenchartertörn einlässt, bucht nicht nur eine Koje, sondern auch eine ganze Reihe Unbekannter mit. Wie wird das Zusammenleben mit fremden Menschen auf engem Raum? Wie gut harmoniert die Crew? Wie ist der Skipper drauf? Und wie komme ich selbst mit Wind, Wetter und Welle zurecht? Gerade beim ersten Mal weiß niemand so genau, was ihn an Bord erwartet.

Dabei ist das Prinzip denkbar einfach: Statt eine komplette Yacht zu chartern, buchen die Teilnehmer einzelne Kojen und gehen gemeinsam mit einem Skipper auf Törn. Für Einsteiger ist das eine gute Möglichkeit, das Fahrtensegeln kennenzulernen, erste Erfahrungen zu sammeln und erfahreneren Seglern über die Schulter zu schauen.
Fremdes Schiff, fremder Skipper, fremde Mitsegler – und doch geht fast immer alles gut
Das Angebot reicht vom klassischen einwöchigen Urlaubstörn bis zur anspruchsvollen Hochseepassage. Wer zunächst ausprobieren möchte, ob diese Art des Segelns zu ihm passt, kann beispielsweise eine Woche rund Mallorca segeln, auf Sardinen oder in der Dänischen Südsee. Erfahrenere Segler finden dagegen auch längere Passagen und Törns in entlegenen Revieren.

Wie gut vorbereitet jemand an Bord kommt, ist dabei höchst unterschiedlich. Manche haben noch kaum Segelerfahrung, andere bereits einen Sportbootführerschein oder erste eigene Törns absolviert. Viel wichtiger als Vorwissen ist deshalb die Bereitschaft, sich auf das Leben an Bord einzulassen. Denn Schiff, Skipper und Mitsegler kennt man vorher meist nur aus der Beschreibung oder einem kurzen Vorgespräch. Und auf einer Yacht lässt sich einander kaum aus dem Weg gehen.

Auch Wind und Wetter gehören zu den Unbekannten eines Kojenchartertörns. Aus einem gemütlichen ersten Segeltag kann schnell ein anspruchsvoller Törn werden – und wer vorher noch nie längere Zeit auf einer Yacht unterwegs war, weiß nicht unbedingt, wie er auf Seegang reagiert. Seekrankheit kann ebenso dazugehören wie die überraschende Erkenntnis, dass einem gerade kräftiger Wind und sportliches Segeln besonders viel Spaß machen. Genau diese Mischung aus neuen Erfahrungen, fremden Menschen und dem unmittelbaren Erleben des Segelns macht für viele den besonderen Reiz eines Kojenchartertörns aus.
Kojencharter wird von Neulingen wie auch von erfahrenen Seglern genutzt
Auch Lore Haack-Vörsmann, Mutter von vier erwachsenen Kindern, hat eine Vorliebe für schweres Wetter. Doch ihre Motive, eine Koje zu chartern, sind ganz andere. Die selbstständige Gesundheitsberaterin hat eine eigene Yacht und wahrscheinlich mehr Seemeilen in ihrem Kielwasser als viele Skipper. Warum sie sich trotzdem regelmäßig auf anderen Yachten einbucht? „Mit dem eigenen Schiff segeln wir in Deutschland und Skandinavien. Doch ich wollte immer mehr sehen, wollte andere Reviere kennenlernen! Ich hatte einfach Welthunger!“

Sie buchte sich unter anderem bei Heide und Erich Wilts ein, fuhr mit ihnen von den Pitcairn Inseln zur Osterinsel, in den Jahren darauf nach Papua-Neuguinea und nach Alaska. An Bord einer amerikanischen Segelyacht segelte sie durch den Panamakanal und nach Hawaii, nach Samoa und Tonga. Ein weiterer Törn mit Freunden, wieder in Alaska, folgte, und ein spannender Törn mit der SY Santa Maria Australis nach Grönland und nach Südgeorgien.

Tolle Erlebnisse mit Menschen und der Natur beim Kojencharter
„Bei jedem Kojenchartern bin ich aufs Neue gespannt, wer an Bord sein wird. Man hört so viele Geschichten, man bekommt so viele Einblicke in andere Berufe, das finde ich wahnsinnig spannend!“, sagt Lore Haack-Vörsmann. Sie bezeichnet sich selbst als sehr empfindungsfähigen Menschen, „dadurch habe ich viele schöne Momente erlebt.“ Mit Menschen und in der Natur. Großartige Erlebnisse haben ihr diese Reisen bislang beschert, sinniert sie, den Landfall in der Antarktis zum Beispiel.
Und auch wenn sie sich an die Reise nach Südgeorgien zurückerinnert, fängt sie an zu schwärmen – von dem Moment, als sie den Pinguinen gegenüberstand und als sie den Albatrossen beim Gleiten um das Schiff zugeschaut hat. Viele Kontakte mit Einheimischen, etwa auf den zahlreichen Segelreisen in der Südsee, bleiben ebenso in Erinnerung. Lore Haack-Vörsmann weiß, dass sie noch lange von ihnen zehren wird, auch wenn die Reisen schon eine Weile zurückliegen.

Durch ihre zahlreichen Kojenchartertörns weiß sie auch um die diversen Kniffe und Regeln, die zum Gelingen solch eines Törns beitragen. „Man sollte Rücksicht nehmen können und ausgeglichen und zuverlässig sein“, sagt sie. „Außerdem betritt man an Bord einer Yacht ständig die Intimsphäre eines Mitseglers. Man kann nicht den Abstand wahren, den man sonst wahrt. Daher ist es wichtig, sich zwischendurch zurückzuziehen.“ Dafür nimmt sie sich Bücher und Musik mit, „quasi ein Wohlfühlpaket, so kann ich immer das Beste aus einem Törn machen.“

Tipp: Wer unsicher ist, was für einen Törn als Mitsegler alles eingepackt werden sollte, findet hier eine umfangreiche Packliste.
Auch Ulf-Hartwig Hagemann, 66, zieht sich regelmäßig zurück, „auch auf einem gut besetzten Schiff findet man ein Eckchen dafür“, meint der Oberstaatsanwalt aus Berlin. Er segelt seit Kindertagen, hat ein eigenes Schiff und immer wieder auch selbst gechartert. „Doch meine Frau hatte Angst auf dem Wasser, und das wurde mit den Jahren leider nicht weniger, sondern mehr.“
Kojencharter als Option für Eigner?
Statt sich Mitsegler zu suchen, buchte Hagemann irgendwann eine Koje. Beim ersten Mal segelte er auf einer Dehler 38 von Gran Canaria nach Malaga. „Ich war derjenige, der nach dem Skipper am meisten Ahnung hatte“, eine Erfahrung, die Hagemann immer wieder machen sollte. „Häufig verstehen Kojencharterer wenig vom Segeln“, meint er. Doch das stört ihn nicht. Genervt hat ihn allerdings ein Mitsegler, der auf einem anderen Törn mit ihm an Bord war. „Der wollte partout nichts lernen!“ Beim Anlegen stellte sich heraus, dass der Palstek nicht sitzt. Auf Hagemanns Angebot, ihm diesen noch einmal zu zeigen, winkte der Knoten-Banause ab, „er schaue sich das mal im Internet an, hat er gesagt. Fortan habe ich bei Manövern gedacht: Ich mache es lieber allein!“

Probleme sollten beim Kojenchartern am besten gleich angesprochen werden
Hagemann hat inzwischen mehr als ein Dutzend Kojenchartertörns absolviert, häufig in den nördlichen Breiten, hin und wieder im Mittelmeer, am liebsten bucht er jedoch Atlantikpassagen, „etwa von den Azoren oder den Kanaren nach Hamburg.“ Er weiß heute, was man mitbringen muss, damit man eine Seereise mit fremden Menschen genießen kann. „Man sollte alle Charaktere aushalten können“, so Hagemann, „auch die Betriebsnudel, die nicht still sein kann. Man muss vieles hinnehmen können und diplomatisch und tolerant sein.“
Und wenn doch mal Schwierigkeiten auftreten? Dann ist das Runterschlucken seiner Meinung nach keine gute Strategie, „daraus entwickelt sich allzu oft eine schlechte Stimmung. Besser man stellt freundlich klar, wenn die Toleranzschwelle überschritten wurde“, so Hagemann.

Das Gelingen des Kojencharter-Törns hängt stark vom Skipper ab
Jochen Schoenicke, Inhaber des Schoenicke Skipperteam, wundern Geschichten wie diese kaum, er hat schon alles erlebt. Mehr als 1600 Segler buchen Jahr für Jahr eine Koje bei dem Hamburger Unternehmen, in Nord- und Ostsee, in Nordeuropa, dem Baltikum, im Mittelmeer und in der Karibik. Jochen Schoenicke weiß aus Erfahrung: „Der Skipper ist der Mittelpunkt eines jeden Törns, von ihm hängt vieles ab.“ Er muss gut segeln können, natürlich, „aber darüber hinaus muss der Skipper auch Animateur sein, er muss seine Mitsegler fördern und fordern können, muss gut organisieren können und sich im Idealfall auch noch mit all der Technik an Bord auskennen.“

Ein anspruchsvoller Job. Ist so ein „Idealtyp“ an Bord, gibt es selten Beschwerden, so Jochen Schoenicke. „Obwohl, ganz sicher kann man nie sein“, unterbricht er sich selbst: „Einmal hat sich ein Kunde beschwert, weil das Schiff immer schief lag und geschaukelt hat!“ Jochen Schoenicke lacht tief und dunkel, als er sich daran erinnert, er sagt, „manchmal haben die Menschen schon skurrile Vorstellungen.“ Doch die allermeisten seiner Kundinnen und Kunden seien höchst zufrieden. Und das liegt auch daran, dass man sich reduziert. „Man denkt nicht ständig darüber nach, ob man diesen oder jenen mag. Es geht eher darum, ob man bei dem Geschaukel ins Bett kommt oder ob man vorher noch eine Brühe kocht. Alles andere ist sekundär!“, das weiß der Hamburger Kojenvercharterer aus vier Jahrzehnten Erfahrung.

Auch Extremseglerin Lore Haack-Vörsmann ist bislang mit jeder Crew klargekommen. „Ich weiß, worauf ich mich bei einem Kojenchartertörn einlasse. Ich bin Teil einer Mannschaft und nicht Tourist. Das heißt, ich bin wie alle anderen auch für das Gelingen eines Törns mitverantwortlich.“ Nur beim Wachwechsel sollte man ihre Toleranz und Geduld nicht auf die Probe stellen. „Nichts ist ätzender, als in solchen Momenten zu spät zu erscheinen!“, bringt sie es auf den Punkt. Dem schließt sich auch der Berliner Oberstaatsanwalt an: „Das ist das Allerschlimmste! Man hört sie, man sieht sie, aber sie kommen einfach nicht hoch!“

Fazit: Das Abenteuer Kojencharter lohnt sich
Situationen wie diese sind die Ausnahme. Meist läuft es an Bord eines Kojenchartertörns rund, weil alle ein gemeinsames Ziel haben: Sie wollen segeln, neue Reviere entdecken, Erfahrungen sammeln und eine gute Zeit miteinander verbringen. Wer offen auf fremde Menschen zugeht, Rücksicht nehmen kann und bereit ist, sich als Teil einer Crew einzubringen, findet im Kojencharter eine unkomplizierte Möglichkeit, aufs Wasser zu kommen – ganz gleich, ob als Segelanfänger oder mit vielen Seemeilen Erfahrung.

























