Wetterapp Windy: Funktionsübersicht, Anleitung und Tutorial

Von Jonathan Buttmann

Von 2013 bis 2019 besegelte Jonathan zusammen mit seiner Frau Claudia auf der 35 Fuß Stahlyacht INTI die Welt. Ihre Fahrt führte sie über Ostsee und Nordsee zum Englischen Kanal und weiter über den Atlantik und die Karibik nach Panama. Drei Jahre befuhren sie daraufhin ihr Traumrevier: den Pazifik. Neben der klassischen Barfußroute besuchten sie vor allem auch abgelegenere Ziele wie die Osterinsel, die Tuamotus, Kiribati, Tuvalu und die Marshallinseln. Jonathan ist Tontechniker und betrieb vor seiner Reise ein Tonstudio in Berlin.

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Titelfoto: ©Windy.com

Die App Windy im Überblick

Hinweis vorab: Es gibt zwei Apps mit identischem Namen Windy am Markt. In diesem Beitrag geht es um die App windy.com. Die gleichnamige App windy.app ist nicht Gegenstand des Beitrags.

Die noch recht junge Onlineplattform Windy hat für ordentlich Wirbel am Markt der Wetter-Apps gesorgt. Ihr Ansatz, Wetterdaten in einer Art Film auf einer Karte darzustellen, stieß auf Anhieb auf eine begeisterte Nutzergemeinde. In einer mehrtägigen Zeitachse bekommen wir diverse Wetterprognosen – graphisch ansprechend aufbereitet – vorgespielt.

Die grafische Darstellung ist bei Windy sehr ansprechend. ©Windy.com

Dahinter steckt ein System. Die von Windy gewählte Art der Darstellung bietet einen besseren Überblick über das Wettergeschehen als die in anderen Apps verbreiteten Listen mit Windpfeilen. Diese beziehen sich nur auf einen Ort und geben uns wenig Aufschluss über das Wetter um diesen Ort herum, geschweige denn die Großwetterlage.

Wetterdarstellung für nur einen Ort mit Pfeilen und Zahlen. ©Windguru.cz

Das Darstellungskonzept von Windy ist so erfolgreich, dass mittlerweile auch viele weitere Softwarehersteller eine animierte Kartendarstellung anbieten. Streng genommen kommt dieses Konzept nicht von Windy. Der Gründer Ivo Lukacovic nutzte und erweiterte den Open-Source-Code der Earth Windanimation.

Als Programmierer, passionierter Kitesurfer und Hobbypilot schrieb Ivo Lukacovic sich auf die Fahne, ein professionelles Wettertool zu schaffen, das sich vor allem an Segler, Surfer, Fischer und Piloten richtet. Gerade für diese Nutzer sind aussagekräftige Wettervorhersagen von enormer Wichtigkeit für ihre Sicherheit, sind sie doch direkt den Naturgewalten ausgesetzt. Zudem sollte das Tool kostenfrei zugänglich und werbefrei sein. Das Startkapital stiftete Ivo Lukacovic selbst, er war zuvor im Onlinebusiness vermögend geworden.

Noch ein Beispiel: Darstellung der Regenmenge in 72 Stunden für Nordeuropa. ©Windy.com

Die Idee ging auf und das Unternehmen finanziert sich mittlerweile durch Spenden, Partnerschaften und Abomodelle. Derzeit ist die App noch werbefrei und sämtliche Module stehen kostenfrei zur Verfügung. Im März 2020 führte das Unternehmen eine Premiumversion ein. Premiumabonnenten erhalten für einen moderaten Monats- oder Jahrespreis stündliche Vorhersagen und häufigere Aktualisierungen der Vorhersagemodelle. Beispielsweise wird das Modell ECMWF in Premium nicht mehr nur zweimal, sondern viermal täglich aktualisiert. Außerdem erfolgt in der Premiumversion kein User-Tracking.

Von der 2014 gegründeten Grundversion „Windy ty“ wandelte sich die App über „Windy tv“ zu „Windy.com“. Aber nicht nur namentlich gab es Veränderungen, auch in der Funktionalität gab und gibt es regelmäßige Verbesserungen. Windy entwickelte sich zu einer Lösung, die am Markt der Wetter-Apps ihresgleichen sucht. Mittlerweile beziehen sogar Meteorologen, Mitarbeiter von Rettungsdiensten oder gar der Katastrophenschutz sie in ihre Wetterbewertung ein.

Das Team von Windy kommt aus Tschechien. ©Windy.com

Vergleich der Wettermodelle in der App Windy

Was macht Windy also zu so einem wertvollen Tool? Anfänglich war es neben der graphischen Aufbereitung vor allem auch die Möglichkeit, die Berechnungen verschiedener Wettermodelle abzurufen und diese dann direkt miteinander vergleichen zu können. Im Bereich der kostenlosen Wetter-Apps war so etwas nur sehr selten zu finden.

Auch Windy startete mit den Daten des sehr verbreiteten GFS-Modells des US-amerikanischen Wetterdienstes NOAA, bot aber gleichzeitig schon das NEMS-Modell des Schweizer Wetterdienstes Meteoblue als Vergleich an. Schnell folgte das als äußerst zuverlässig geltende ECMWF-Modell des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage. Dieses Modell war damit das erste Mal ohne kostenpflichtige Zusatzabos in einer Wettersoftware frei verfügbar. Windy selbst stuft es als sehr verlässlich ein.

In Windy werden die globalen Modelle ECMWF und GFS sowie verschiedene hochauflösende regionale Modelle dargestellt. ©Windy.com

Im weiteren Verlauf kamen noch die Modelle ICOM des DWD, das lokale Modell NAM der NOAA und das hochauflösende Modell AROME von MeteoFrance hinzu. Für die Berechnung des Seegangs stehen die Modelle ECMWF WAM und Wavewatch 3 zur Verfügung.

Aber nicht nur Vorhersagemodelle stellt Windy dar, auch Wetterradardaten verschiedener Wetterdienste, Satellitenfotos, Webcams und Stationsmeldungen lassen sich in leicht verständlicher und übersichtlicher Form aufrufen.

Wie kann auf die Wetter-App Windy.com zugegriffen werden?

Prinzipiell ist Windy eine Onlineplattform, die in jedem Internetbrowser aufgerufen werden kann. Für Android oder iOS Systeme steht auch eine entsprechende, für mobile Systeme optimierte, App zum Download bereit.

Offline funktioniert Windy.com nicht. ©Windy.com

Die Software bezieht ihre Daten ausschließlich über das Internet, eine Version für Kurzwellenfunk- oder Satellitenverbindungen gibt es leider nicht. Damit richtet sich Windy in erster Linie an Küsten- und Binnensegler, die über Mobilfunk oder WLAN Zugriff auf das Internet haben. Für den Blauwassersegler ist die App Windy daher vor allem bei der Törnplanung relevant.

Die Grundfunktionen der App Windy

Im Folgenden wird die Browser-App betrachtet. Hier ist es empfehlenswert, sich in der „Windy Community“ zu registrieren. Das ermöglicht uns beispielweise, unsere Lieblingsorte als Favoriten zu speichern oder uns Wetterwarnungen per E-Mail zuschicken zu lassen, auch unsere Voreinstellungen bleiben nur bei einer Registrierung dauerhaft erhalten.

Klicken wir auf die drei Balken in der linken oberen Ecke, haben wir die Möglichkeit, verschiedene Voreinstellungen vorzunehmen. Falls noch nicht automatisch angezeigt, können wir hier auch die Sprache in „Deutsch“ ändern.

Im Menü können diverse Einstellungen vorgenommen werden – etwa für die physikalischen Einheiten. ©Windy.com

Durch einfaches Klicken und Ziehen in der Karte können wir hin- und herfahren und mit den Plus- und Minus-Tasten (rechts oben) hinein- oder herauszoomen – ebenso mit dem Rad an der PC-Maus. Mit der Play-Taste links unten startet eine zehntägige Prognose. Die Daten werden einfach im Hintergrund geladen.

In den Voreinstellungen wird uns die Windprognose aus dem ECMWF-Modell angezeigt. Die Windstärke ist farblich hervorgehoben, die Windrichtung durch eine Partikelanimation. Schon mal eine gute Übersicht, doch gehen wir etwas mehr ins Detail.

Das Menü rechts unten bei Windy im Browser

Beim ersten Aufruf von Windy ist die Windvorhersage zu sehen. Rechts unten im Bild können wir zwischen den verschiedenen Wettermodellen wählen, die im aktuellen Kartenausschnitt verfügbar sind. Über das Informations-I im Kreis darüber erfahren wir, wann das Modell das letzte Mal aktualisiert wurde.

Modell ECMWF. In Windy lässt sich die Aktualisierung nachverfolgen. Für Bezahlkunden gibt es häufiger Updates. ©Windy.com

Links daneben haben wir die Möglichkeit, mit „Partikelanimation“ diese an- oder abzuschalten und mit dem Schieberegler „Druck“ die Anzeige der Isobaren in der Karte zu aktivieren.

Partikelanimation aus, Druck ein. Über kleine Schalter kann die Darstellung angepasst werden. ©Windy.com

Die Zeile darunter ergänzt die Karte um weitere Angaben. Mit dem Herz werden unsere als Favoriten gespeicherten Orte als Herz auf der Karte angezeigt. Mit der Wolke werden die Vorhersagewerte numerisch neben den Städten angezeigt. Über den Windanzeiger erscheinen die verfügbaren Wetterstationen mit aktuellen Windmessungen.

Klicken wir auf einen der Pfeile, bekommen wir Informationen zu der gewählten Wetterstation und weitere Messdaten. Dann sehen wir bis zu sieben Tagen rückwirkend die Sonnenstunden, Temperatur, Taupunkt, Windrichtung und -stärke sowie den Luftdruck. Diese Werte können mit verschiedenen Wettermodellen verglichen werden. Eine Ampel zeigt dabei an, ob die Vorhersage verlässlich war.

Datendarstellung für die Wetterstation „Kiel Leuchtturm“. ©Windy.com

Neben dem Windanzeiger finden wir noch gemeldete Temperaturdaten, Messwerte an Flughäfen, Zugriff auf Webcams und Messwerte an Gleitschirmplätzen. Mit „Mehr Ebenen“ haben wir sogar noch mehr Auswahlmöglichkeiten. Durch die Schieberegler daneben bestimmen wir, welche davon wir in der Auswahl auf der Hauptkarte angezeigt bekommen wollen. Beispielsweise habe ich bei mir die für Segler eher uninteressanten Gleitschirmplätze gegen die Vorhersageorte für Gezeiten getauscht.

Die Gezeitenvorhersage für Helgoland. ©Windy.com

Die ortsbezogene Wettervorhersage mit Windy

Die meistgenutzte Wettervorhersage in Wetter-Apps ist die ortsbezogene Wettervorhersage. Logischerweise kann sie auch in Windy abgerufen werden. Dazu bestimmen wir zunächst einen Ort, für den wir Wetterinformationen laden wollen. Dies geht entweder durch das Eingabefeld in der linken oberen Ecke oder durch einen einfachen Rechtsklick in die Karte und einen weiteren Klick auf „Vorhersage für diesen Ort“. Am unteren Rand öffnet sich ein Fenster mit der Wettervorhersage.

Die Wettervorhersage für die Karibikinsel Barbados. ©Windy.com

Auf einen Blick sehen wir auf dem Screenshot Sonnenstunden (rosa), Temperatur, Niederschlag, Windstärke, Windböen und Windrichtung. In der Mitte des unteren Bildrandes finden wir die verfügbaren Vorhersagemodelle für diesen Ort. Durch Klick auf den Button „Vergleichen“ können diese direkt miteinander verglichen werden.

Die verschiedenen Vorhersagemodelle im Vergleich. ©Windy.com

Auf der linken Seite des unteren Bildrandes haben wir noch weitere Auswahlmöglichkeiten. Voreingestellt sind die „Basisdaten“. Mit einem Klick auf „Wind“ rufen wir den Vorhersagemodell-Vergleich grafisch auf.

Vergleich der Modelle ECMWF, GFS und METEOBLUE für die Nordspitze von Barbados. ©Windy.com
Schwachwind auf den Kapverden im Vergleich. ©Windy.com

Das Menü rechts an der Seite bei Windy im Browser

Über das Menü am rechten Rand können wir bestimmen, welche Vorhersagen in der Hauptanimation auf der Karte dargestellt werden sollen. Am rechten Bildrand finden wir dazu die entsprechenden Buttons. Beispielsweise für Wetterradar, Satellit, Wind, Regen, Gewitter, Temperatur, Wolken, Wellen und Luftqualität.

Hinter „Mehr Ebenen“ verstecken sich umfangreiche Parameter. ©Windy.com

Auch hier haben wir durch Klicken auf „Mehr Ebenen“ die Möglichkeit, das Auswahlmenü mit Schiebereglern anzupassen. An diesem Punkt wird klar, welche Power hinter Windy steckt, über 40 Anzeigemöglichkeiten werden uns dort angeboten. Nicht alle sind für Segler relevant, wir beschränken uns daher in diesem Tutorial erst einmal auf die wesentlichen Wetterwerte für unsere Törnplanung.

Die Böen-Vorhersage in Windy

Noch einmal zurück zum Wind. Wie gesagt: Beim Programmstart wird uns von Windy standardmäßig die Windvorhersage angezeigt. Das ergibt Sinn, für uns Segler ist die Information über die Windentwicklung ja meist die relevanteste.

Winddarstellung für den Englischen Kanal in Knoten ohne Böen. ©Windy.com

Nicht zu verachten ist, dass es im Menü an der rechten Seite einen Parameter gibt, der sich „Windböen“ nennt. Diesen würde ich immer mit betrachten, da nur so ein vollständiges Bild der Windvorhersage entsteht. Gerade die Intensität der Böen entscheidet oft mit darüber, wie angenehm oder unangenehm ein Törn von der Crew wahrgenommen wird.

Wieder der Englische Kanal. Diesmal die Darstellung der Böen. ©Windy.com

Das Wetterradar in Windy

Mit einem Wetterradar wird die Atmosphäre horizontal und vertikal gescannt. Wie beim Radareinsatz auf Yachten auch werden dabei Niederschläge sichtbar. Allerdings handelt es sich beim Wetterradar um eine andere Größenordnung von Radargerät.

Mit dem Wetterradar werden hochaufgelöste Radarbilder von den meteorologischen Instituten erzeugt, die sogar Schauer mit schwacher Intensität erfassen. Durch die kontinuierliche Aufzeichnung lässt sich ihre Zuggeschwindigkeit erfassen.

Regenaktivität an der norwegischen Westküste in Windy dargestellt. ©Windy.com

Windy verfügt über eine Schnittstelle zu den verschiedenen Datenquellen. Als physische Einheit wird „dBZ“ verwendet. Je höher die Zahl, desto stärker ist das empfangene Radarecho.

Die Satellitenbilder in Windy

Unter „Satellit“ liefert Windy aktuelle Satellitenfotos. Auch diese werden animiert und geben somit einen guten Eindruck über Bewölkung, Zugrichtung von Fronten, Regenwahrscheinlichkeit und vieles mehr. Unter dem Zeitbalken können wir zudem zwischen verschiedenen Satellitenanbietern wählen.

Satellitenbild für die Straße von Gibraltar. ©Windy.com

Der Wert „K“ an der farbigen Skala am unteren Bildrand steht für die physikalische Einheit „Kelvin“. Sie gibt die Temperatur an. Wahlweise kann auf Grad Celsius oder Fahrenheit umgeschaltet werden.

Regendarstellung in der Wetter-App Windy

Die Regenmenge wird in Millimetern oder Zoll angegeben und farbig dargestellt. Die Farbe sagt aus, wie stark es zum Berechnungszeitpunkt regnet.

Regenmenge um ein Tief über dem Atlantik. ©Windy.com

Grundsätzlich kann auch die Art des Niederschlags eingesehen werden. Das ist tendenziell eher etwas für Eisfahrer. Im nachstehenden Beispiel ist Kap Hoorn links oben im Bild zu sehen und die Antarktis am unteren Rand. Auf der Überfahrt wechselt der Niederschlag von Regen (blau), über Regen mit Schnee (grün) zu Schneefall (weiß).

Die Niederschlagsart wird farbig dargestellt. ©Windy.com

Tipp: Blauwassersegler können über die akkumulierte Regenmenge gut feststellen, ob und wie stark eine Konvergenzzone gerade ausgebildet ist und wo sie sich aktuell befindet. Auf dem nachstehenden Screenshot liegt die Innertropische Konvergenzzone (ITCZ) nördlich von Australien über den Salomonischen Inseln, Papua-Neuguinea und Indonesien (rosa Bereich).

Kumulierte Niederschlagsmenge: gut erkennbar die ITCZ über dem Westpazifik. ©Windy.com

Die Gewitterinterpretation mit CAPE in Windy

Neben einer Darstellung der Gewitterprognose können wir auch den CAPE-Index einsehen (muss eventuell unter „Mehr Ebenen“ aktiviert werden). CAPE steht für Convective Available Potential Energy, ein Wert für die verfügbare Energie, mit der ein Luftpaket gehoben werden kann. Vom CAPE-Wert lässt sich die Wahrscheinlichkeit von Gewittern und Squalls sowie deren Intensität ableiten. Im Gegensatz zu den Gewitterdaten aus dem Wetterradar werden die Werte hier in einem Vorhersagemodell errechnet.

CAPE-Index für Panama. Über dem Kanal ist die Wahrscheinlichkeit von Gewittern hoch. ©Windy.com

Seegangsverhältnisse in Windy betrachten

Auch beim Seegang können wir die Daten der verschiedenen Berechnungsmodelle abrufen und zwischen verschiedenen Wellentypen unterscheiden. Die Animation gibt einen guten Überblick darüber, wie der Seegang durch unterschiedliche Wettersysteme und Landmassen beeinflusst wird.

Seegangsverhältnisse auf der Ostsee. An der Nadel: 2,1 Meter über 6 Sekunden Wellenperiode verteilt. ©Windy.com

Wenn wir auf eine ortsbezogene Vorhersage durch das Setzen einer Nadel wechseln, bekommen wir weitere Parameter zur Auswahl angezeigt. Wählen wir hier „Wellen“, entsteht ein klareres Bild des zu erwartenden Seegangs. Auch hier ist es möglich, zwischen den Modellen WAM des ECMWF und WW3 der NOAA zu wechseln. Rechts daneben finden wir Angaben darüber, wann das Modell zuletzt aktualisiert wurde.

Seegangsdarstellung in Windy. ©Windy.com

Durch den Klick in die Karte lassen sich die Seegangsverhältnisse klarer erkennen. Das ist im folgenden Screenshot gut zu sehen. Er zeigt die Meerenge zwischen den Kanareninseln Gran Canaria und Teneriffa. Hier läuft der Seegang quer zum Wind. So lassen sich übrigens auch Kreuzseen aus Dünung und Windsee erkennen.

Die Seegangsverhältnisse im Seeraum Kanaren. ©Windy.com

Vorhersagen zur Strömung in Windy

Ein weiteres Feature, welches sonst eher selten in kostenfreien Wetter-Apps zu finden ist, ist die Darstellung von Strömungen. Es handelt sich allerdings nur um eine Momentaufnahme des US-amerikanischen Modells NEDIS, die im Abstand von zwei Tagen aktualisiert wird. Ein Vorhersagemodell ist bisher leider noch nicht in Windy integriert.

Gut zu sehen: der Golfstrom. Östlich von Florida an der Nadel mit 1,8 Knoten. ©Windy.com

Sonstige Vorhersageparameter in Windy

Auf die gleiche Art können wir so noch diverse weitere Informationen abrufen, die allerdings den Rahmen dieses Beitrags sprengen würden. Natürlich finden wir auch Angaben zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck, aber eben auch Werte, die eher interessant für Piloten und Kitesurfer sind.

Kann ebenfalls abgerufen werden: die Wassertemperatur im Nordatlantik. ©Windy.com

Spannend ist auch der Parameter Wind-Summierung, der aufzeigt, wo es über einen bestimmten Zeitraum besonders windig ist. Skifahrer freuen sich sicherlich über die Neuschnee- und Schneehöhenangabe. Weitere Werte sind: Taupunkt, Nullgradgrenze, diverse Wolkenanalysen und Wolkenhöhenangaben, Nebel, Sichtweite, Schadstoffbelastung und vieles mehr.

Mit der Windsummierung wird die Zugbahn eines Tiefs über zehn Tage sichtbar (weißer Streifen). ©Windy.com

Törnplanung mit Windy

Gehen wir noch einmal zurück zum Menü in der linken oberen Ecke (drei Balken). Hier versteckt sich seit Mitte 2019 eine einfache, aber für Fahrtensegler ziemlich hilfreiche, Wetterrouting-Funktion. Durch Auswahl von „Entfernung & Planung“ verwandelt sich unser Mausanzeiger in ein Kreuz, mit dem wir eine Route erstellen können. Für diese Route wird uns dann das zu erwartende Wetter auf dem Törn im Verlauf angezeigt. Unter Seglern auch gerne als Streckenwetter-Planung bezeichnet.

Windy hat auch eine Streckenwetter-Darstellung. ©Windy.com

Nachdem wir die Wegpunkte markiert haben, wählen wir noch am unteren Bildrand „Boat“ und rechts daneben unsere Durchschnittsgeschwindigkeit – im Beispiel sind 5 Knoten eingestellt. Geplant wird eine Fahrt von Bornholm nach Lettland. Der Clou: Mit dem Schieberegler können wir den Startpunkt verändern.

Mit dem Streckenwetter bekommen wir eine Übersicht über die Wetterbedingungen, die für unseren Törn vorhergesagt wurden. Klicken wir in die numerische Anzeige, verändert sich auch die animierte Hauptgraphik und auf der Route wird unsere voraussichtliche Position durch einen blinkenden Punkt dargestellt.

Hinweis: Das Wetterrouting ist bisher leider nur auf Basis des ECMWF-Modells möglich, auch werden uns keine optimierten Routen angeboten. Und es wird auch nicht die Geschwindigkeit des Bootes auf Basis eines Polardiagramms berücksichtigt.

Fazit zur Wetter-App Windy

Bei uns und bei vielen weiteren Blauwasserseglern ist Windy zu der Standard-App für die Törnplanung geworden. Ich habe bisher keine vergleichbare kostenlose Wetterapp gefunden, die solch einen Funktionsumfang bietet.

Besonders gut gefällt mir die übersichtliche, fast schon selbsterklärende Oberfläche, die nur wenige Fragen offenlässt. Windy bietet hier alles, was Wassersportler und Piloten brauchen, und ist dennoch nicht überladen.

Einziger Haken: Lediglich Strömungsvorhersagen und Synoptische Wetterkarten sind noch nicht zu finden. Aber das ist vermutlich auch nur eine Frage der Zeit. Und ganz wichtig: Leider ist es in Windy bisher nicht möglich, Wetterdaten ohne eine stabile Internetverbindung abzurufen. Auf hoher See ist die Software daher nicht einsetzbar. Dennoch bietet sie dem Blauwassersegler ein mächtiges Planungstool.

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Thomas SV Rødspætten
Thomas SV Rødspætten
26 Tagen her

Diesen Artikel finde ich äusserst wichtig. Ich benütze windy.com seit nun 4 Jahren. Da man eine Onlineverbindung braucht, habe ich mir für das Strecken-Routing ganz einfach Hardcopys pro Tag gemacht und diese in Papierform auf meinem Kartentisch liegen. Das hat bisher bestens funktioniert. Über Iridium-Handy ist die Online-Nutzung wegen der hohen Datenübertragung zu teuer, auch zu langsam und letztlich unnötig. – Zu erwähnen ist noch, dass die Datenaufbereitung (vor allem des ECMWF-Modell) durch eine Universität in der Schweiz, zu Vorzugskonditionen, dem Windy-Team zur Verfügung gestellt wird. Das freut mich als ehemaliger CH-Steuerzahler ganz besonders.

Hohenloher
Hohenloher
10 Tagen her

Guter Beitrag zu einer anscheinend guten App.
Die drei Balken links oben neben Ort suchen finde ich leider nicht.
Auch nicht die plus minus buttons und nicht die senkrechten und waagerechten schwarzen Buttonleisten. Gibt es das nur in Premium?