6 Tipps für die erfolgreiche Ansteuerung eines Hafens

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Die studierte Journalistin aus Flensburg segelt seit ihrem zwölften Lebensjahr. Seit fast zehn Jahren leidenschaftlich auch auf großen Yachten, gerne auch auf Langfahrten, Atlantiküberquerungen und Überführungen. Sie ist Inhaberin des Sporthochseeschifferscheins sowie des RYA Yachtmaster Offshore. Darüber hinaus ist Maren RYA Cruising Instructor (Segellehrerin). Seit 2020 hat sie ein eigenes kleines Fahrtenboot – eine Cross 25.

Allgemeines zur Ansteuerung eines Hafens

Ein fremdes Revier, ein fremder Hafen mit einer herausfordernden Ansteuerung. Gute Planung und Vorbereitung sind dann essenziell. Die größte Herausforderung dabei ist, die Farben, Zeichen und Markierungen aus der Seekarte in die reale Welt zu übersetzen. Besonders bei Nacht, wenn im Hintergrund die Lichter des Hafens oder der Stadt leuchten und Schiffe nur anhand ihrer Lichterführung zu erkennen sind, empfinden viele Skipper die Navigation als Stress.

Ein Spruch zur Seemannschaft sagt: Ein guter Navigator sollte seiner Schiffsposition stets zehn Minuten voraus sein. Damit das gelingt, habe ich sechs Tipps zusammengestellt, die die Ansteuerung eines unbekannten Hafens erleichtern.

Bei der Ansteuerung ist der Kompass ein treuer Begleiter. ©KoziołKamila/stock.adobe.com

Tipp 1: Einen Plan machen

So leicht eine Einfahrt und Ansteuerung in einen Hafen auf der Seekarte auch aussehen mögen, können sie doch tückisch sein: Tonnen sind weiter auseinander als gedacht, was „Tonnen-Hopping“ unmöglich macht, es gibt gefährliche Querströmungen oder es bestehen besondere Regularien, die eingehalten werden müssen (Sperrgebiete, Geschwindigkeitsbegrenzungen etc.).

Wer sich mit der Seekarte vorab nicht ausreichend auseinandersetzt, gerät dann gegebenenfalls unter Stress, weil Tonnen verwechselt werden, die Querströmung für Abdrift sorgt oder viel Verkehr und Lichter bei Nacht Verwirrung stiften. Mit anderen Worten: Eine unzureichende Vorbereitung kann im schlimmsten Fall zu gefährlichen Situationen führen.

Vor der Ansteuerung gilt es, Seezeichen und Kartenbild in Einklang zu bringen. ©Sönke Roever

Eine sehr gute Vorbereitung besteht darin, sich einen Plan zu machen. Wer diesen schon im Vorfeld vorbereitet, hat unterwegs genug Zeit, sich auf das Segeln und die Ansteuerung des Hafens zu konzentrieren und muss nicht kurz vor der Ankunft unter Deck sitzen und sich mit Seekarten und Hafenhandbüchern befassen.

Ein Plan für eine Hafenansteuerung enthält üblicherweise:

  • Peilungen und Distanzen zwischen den Wegpunkten
  • Peilungen von Fahrwassertonnen und anderen Marken untereinander
  • Peilungen, bei denen eine Kursänderung notwendig wird
  • Wichtige optische Hinweise und Marken – auch nach Achtern, mögliche Deckungspeilungen
  • Bei Nacht: Lichtzeichen inklusive Kennungen
  • Tiden- und Strömungsinformationen
  • Wassertiefen
  • Mögliche Gefahren
  • Befahrensregeln
  • UKW-Seefunk-Kanäle und weitere Funkinformationen

Mit so einem ausgearbeiteten Plan ist es recht einfach, während der Ansteuerung den Überblick zu behalten. Skipper, die sich schon im Vorfeld Gedanken darüber machen, wie die Tonnen befeuert sind und wie man sie erkennt, haben es während der Ansteuerung leicht, sie zu identifizieren. Das Notieren von Abständen und Peilungen vereinfacht es noch weiter. Dann müssen die jeweiligen Seezeichen oder Landmarken nach dem Passieren nur noch abgehakt werden.

Tipp 2: Den Überblick behalten

Ein typischer Fehler von Skippern ist es, sich zu sehr am Plotter zu orientieren. Doch ist – besonders bei Charterbooten – oftmals nicht klar, wann dessen Seekarten zuletzt aktualisiert wurden. Es besteht also die Gefahr, dass die Realität von der Seekarte auf dem Bildschirm abweicht. Wer zu viel auf den Bildschirm schaut oder häufig zwischen Steuerstand und Seekarte unter Deck hin- und herläuft, kann zudem schnell etwas verpassen. Es könnte ein Schiff vorbeikommen, eine Landmarke wird übersehen oder ein Wegpunkt wird verpasst.

Bei der Weiterfahrt kann das Verwirrung stiften und auch dazu führen, dass aus Versehen abgekürzt wird oder die Tonnen verwechselt werden. Im Southampton Water an der Südküste Englands beispielsweise kann das schnell passieren: Wer die Tonne „Bald Head“ statt „Hook“ ansteuert, landet in flachen Gewässern, anstatt weiter dem Fahrwasser nach Southampton zu folgen, wie die folgende Seekarte zeigt.

Wer die Betonnung verwechselt, kann schnell in Flachwasser gelangen, so wie hier im Southampton Water im Süden Großbritanniens. ©NV Charts/Maren Budahn

Wenn der Skipper mit seinem Ansteuerungs-Plan an Deck ist, hat er permanent den Überblick über die Situation: So sieht er, ob Landmarken und Tonnen richtig identifiziert und angesteuert werden, kann mit dem Fernglas auf die folgenden Marken schauen und hat auch immer den Blick auf die Segelstellung sowie den Verkehr rundherum.

Tipp: Sollte der Skipper unterwegs doch einmal die Übersicht verlieren, ist aufstoppen das erste Mittel der Wahl. Sollte das nicht ausreichen, um sich zu orientieren, geht es einfach zurück zum vorherigen Punkt.

Andere Verkehrsteilnehmer im Auge zu behalten, gehört zu den Aufgaben des Skippers. ©Sönke Roever

Tipp 3: Nautische Unterlagen nutzen

Wenn ein Hafen oder eine Bucht in der Seekarte attraktiv und einladend aussieht, muss das in der Realität nicht unbedingt der Fall sein. Ein Beispiel dafür ist der Ostsee-Hafen Darßer Ort in Mecklenburg-Vorpommern. In der Seekarte sieht der kleine Nothafen ansprechend aus. Allerdings ist er mittlerweile für den öffentlichen Bootsverkehr gesperrt und war auch vorher aufgrund der für viele Kielyachten unzureichenden Wassertiefe nur schlecht zu erreichen.

Gute und weitreichende Hafenbeschreibungen und Informationen für Liegeplätze bietet die Fachliteratur. Hafenhandbücher gibt es für nahezu jedes Segelrevier der Welt. Sie enthalten detaillierte Informationen über Gefahren bei der Hafeneinfahrt, Regularien, Wissenswertes zu den Liegeplätzen und Gebühren, Serviceangebote rund um die Marina, Restaurants und vieles mehr. Hafenhandbücher sollten für die Planung einer Ansteuerung daher unbedingt genutzt werden.

Hafenhandbücher enthalten die wichtigsten Informationen für die Ansteuerung von Häfen und Ankerplätzen. ©Maren Budahn

Tipp 4: Licht- und Tagsignale kennen

Welche Lichter führt ein Fischer bei Nacht, wenn er sein Fanggerät ausgebracht hat? Diese Frage können viele Skipper nicht genau beantworten und begehen deshalb einen folgenschweren Fehler. Um den Ausweichregeln nach Kollisions-Verhütungs-Regeln (KVR) zuvorzukommen, halten viele Skipper direkt auf das Heck eines anderen Schiffes zu. Bei einem Schleppverband oder einem Fischer passiert es dann jedoch schnell, dass die Yacht im ausgebrachten Netz hängen bleibt.

Dieser Fischer schleppt ein Netz. Abstand ist geboten. ©Sönke Roever

Ähnlich sieht es bei den Kennungen von Leuchtfeuern aus, die in Seekarte, Handbüchern und Leuchtfeuerverzeichnissen angegeben werden. Wer nachts unterwegs ist, sollte die Kennungen lesen und unterscheiden können. Was bedeutet die Angabe „ISO 8s“ in der Seekarte, die beispielsweise beim Ostsee-Leuchtfeuer Kalkgrund am Ausgang der Flensburger Förde abzulesen ist? Ist das Licht acht Sekunden lang an und dann acht Sekunden lang aus oder dauert die gesamte Phase acht Sekunden? Dann wäre das Licht vier Sekunden lang an und vier Sekunden lang aus. Antwort: Die Hell- und Dunkelphasen wechseln sich innerhalb der acht Sekunden ab. Es ist also vier Sekunden lang hell, dann vier Sekunden lang dunkel. Ein kleiner Unterschied, der bei der Nachtfahrt aber viel ausmachen kann.

Der Leuchtturm Kalkgrund am Ausgang der Flensburger Förde auf der Seekarte. ©NV Charts/Maren Budahn
So sieht der Leuchtturm dann in der nächtlichen Ansteuerung aus. ©Maren Budahn

Kurzum: Eine gute Vorbereitung ist auch hier essenziell. Denn nur wer sich mit den verschiedenen Navigationslichtern und Befeuerungen auskennt, kann einen fremden Hafen nachts sicher ansteuern. Dazu gehört auch, sich mit den Schallsignalen bei Nebel zu befassen. Hilfreich dafür können beispielsweise die FlipCards der Royal Yachting Association sein. Wer es lieber digital mag, kann sich Apps, wie beispielsweise IALA Buoyage and Lights für Apple oder Navigationslichter für Android, herunterladen.

Die FlipCards der RYA helfen bei der Törnvorbereitung, die Lichterführung, Betonnung und Schallsignale ins Gedächtnis zu rufen. ©Maren Budahn

Tipp 5: Gezeiten und Strömungen berücksichtigen

Wer in Tidengewässern, wie dem Englischen Kanal unterwegs ist, darf die Gezeiten und ihre Strömungen keinesfalls unterschätzen. Im besten Fall wird das Boot einfach um mehrere Seemeilen versetzt, sodass ein Umweg zur Hafeneinfahrt gesegelt werden muss. Eine Törn-Verlängerung ist die Folge. Gefährlicher wird es, wenn die Strömung das Boot auf eine Gefahrenstelle, ein Flach oder eine Fahrwassertonne versetzt. Das kann dann erhebliche Folgen für Mensch und Yacht haben.

Dieser Almanach enthält detaillierte Informationen zu den Gezeiten. ©Sönke Roever

Handbücher, Tidentabellen und viele nützliche Apps unterstützen bei der Kalkulation der Gezeiten. Die Navigationssoftware Navionics weicht zwar in Teilen von den Angaben in den offiziellen Publikationen ab, gibt aber einen ersten Überblick über Ebbe und Flut sowie die dazugehörigen Gezeitenströmungen. Diese Strömungen sollten unbedingt in den Steuerkurs einkalkuliert werden.

Um trotz guter Kalkulation unterwegs nicht unbemerkt abzudriften, bieten sich Peilungen an. Wer zwei feste Objekte an Land und auf dem Wasser in Deckung bringt und auf diese zusteuert, bekommt es schnell mit, sollte er durch die Drift vom Kurs abweichen. Ebenso bieten sich Peilungen nach Achtern an. Einfach die notwendige Peilung zu einem Objekt anhand der Seekarte bestimmen und immer wieder kontrollieren. Weicht die Peilung ab, muss der Kurs korrigiert werden.

Für Deckungspeilungen oder Peilungen nach Achtern sind Fahrwassertonnen ein gutes Hilfsmittel. ©Maren Budahn

Um nicht etwa auf eine Flachstelle aufzulaufen, muss die Höhe der Gezeit richtig kalkuliert werden. Grundberührungen sind nicht nur ungemütlich, sie können auch große Schäden am Boot verursachen.

Auch hierzu ein Beispiel aus dem Englischen Kanal: Die Sandbank Bramble Bank zwischen der Isle of Wight und dem Fahrwasser Southampton Water ist täglich nur für kurze Zeit passierbar. Hier muss genau berechnet werden, von wann bis wann das Boot mit seinem Tiefgang die Sandbank sicher passieren kann. Denn bei Niedrigwasser fällt sie trocken, bei Springtiden spielen die Briten hier teilweise Cricket.

©NV Charts/Maren Budahn

Ist ein Ort nicht im Tidenkalender verzeichnet, muss mit Hilfe eines verzeichneten Bezugsortes eine Kalkulation für den gesuchten (Anschluss-)Ort durchgeführt werden. Wer mit dieser Prozedur nicht vertraut ist, kann auf Apps oder lokale Anbieter zurückgreifen. Auch hier gilt: Navionics gibt einen ersten Anhaltspunkt, aber die Daten weichen teilweise vom tatsächlichen Wasserstand ab. Wer nicht auf die Technik vertrauen will, aber trotzdem sicher sein möchte, kann den Tiefgang der Yacht mit der gewünschten Sicherheitsmarge addieren. Dort wo dieser Wert in der Seekarte zu finden ist, sollte die Durchfahrt sicher sein.

In Tidengewässern ist es wichtig, bei allen Pegelständen genug Wasser unter dem Kiel zu haben. ©Sönke Roever

Tipp 6: Echolot beobachten

Der Wind und der Einfluss von Hoch- und Tiefdruckgebieten können trotz guter Kalkulation dazu führen, dass die tatsächlichen Wasserstände erheblich abweichen. Während Hochdruck den Wasserstand senkt, hebt Tiefdruck ihn in einigen Gebieten, wie beispielsweise den ostschwedischen Schären an. Ebenso können Stürme große Mengen Wasser bewegen und damit zu Pegelschwankungen führen. Diese Schwankungen müssen beim Benutzen der Tiefenangaben in den Seekarten bedacht werden.

Außerdem ist das Echolot ein essenzielles Mittel zur Navigation, insbesondere auch bei schlechter Sicht. Der Navigator kann mit dem Echolot Tiefenlinien zur Positionsbestimmung nutzen. Segler, die in einer fünf Meter tiefen Fahrrinne auf einen Hafen zufahren, können darauf achten, dass das Echolot immer mindestens fünf Meter Wassertiefe anzeigt.

Mit Hilfe des Echolots können Tiefenlinien erfasst werden. ©Sönke Roever

Um ein unabsichtliches Auf-Grund-Laufen zu vermeiden, kann es zudem helfen, das Echolot stets im Blick zu behalten. Es zeigt an, wenn das Wasser flacher wird und man gegebenenfalls auf ein Flach zusteuert. Auch das kann davor schützen, ungewollt auf Grund zu laufen.

Tipp: Insbesondere auf Charteryachten ist es wichtig, die Kalibrierung des Echolots zu kennen. Zeigt es die Tiefe unter Kiel, unter Wasseroberfläche oder einen Wert dazwischen an? Stichwort: DBT, DBK und DBS.

Diese Grafik zeigt den Unterschied zwischen DBT, DBK und DBS. ©BLAUWASSER.DE

Fazit

Auch wenn eine Hafeneinfahrt noch so einfach wirkt, können kleinste Fehler schon zu Gefahren werden. Daher ist es ratsam, sich vor jedem Törn mit den anzusteuernden Häfen zu befassen. Eine umfangreiche und detaillierte Planung kann dabei helfen, auch bei widrigen Bedingungen sicher in einen unbekannten Hafen zu kommen.

Wer die detaillierte Planung bereits im Vorfeld vornimmt, hat dann bei der Ansteuerung die Zeit, den Überblick über die Situation zu behalten. Das ständige Hin und Her zwischen Deck und Kartentisch sollte vermieden werden. Ein Fernglas, ein Handpeilkompass sowie eine wasserabweisende Verpackung für den Pilotage-Plan können zusätzliche wertvolle Hilfsmittel sein.

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