Motor-Kraftstoff: Dieselpest auf Yachten vorbeugen, erkennen und vermeiden

Robert Möckel

Von Robert Möckel

Dr. Robert Möckel ist Ingenieur der Fachrichtung Schiffsmaschinenbau und im “zweiten Leben” Psychologe (M.Sc.). Nach einer Tätigkeit in einem Motoreninstandsetzungebetrieb hat er in diversen Lehrtätigkeiten Erfahrung in der Wissensvermittlung gesammelt und bietet Seminare zu technischen Themen auf Yachten an. Zusammen mit seiner Frau segelt er eine Dehler 35 SV, die in Flensburg beheimatet ist.

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Die Dieselpest führt zu einer Betriebsstörung des Motors

Vom Dieselmotor im Boot wünschen wir uns in erster Linie Zuverlässigkeit, er ist vielleicht nicht des Seglers beliebtester Ausrüstungsgegenstand, aber von enormer Wichtigkeit. Er hilft uns nicht nur beim Einlaufen in den Hafen oder eine Flaute zu überbrücken, er ist oft auch die letzte Kraft, um uns aus einer Gefahrensituation zu befreien.

Auch auf Segelyachten gehört Motoren mitunter zum Alltag. ©Subbotina Anna/stock.adobe.com

Die mittlerweile häufigste Ursache für Betriebsstörungen des Motors ist eine Verstopfung des Kraftstoffsystems. Meist geschieht das durch die Überreste abgestorbener Mikroorganismen – ein Effekt, der unter dem Namen Dieselpest bekannt ist.

Durch das vermehrte Hinzumischen von Biodiesel zum klassischen Diesel ist das Thema relevanter und in den letzten Jahren größer geworden. Doch der alleinige Grund für die Dieselpest ist der Biodieselanteil im Kraftstoff nicht, vielmehr können wir mit einigen wenigen Vorkehrungen die Gefahr deutlich minimieren.

Dieser Diesel im Tank sieht gar nicht mehr gut aus! ©Sönke Roever

Was ist Dieselpest und wodurch wird sie verursacht?

Die Dieselpest entsteht in Diesel, der mit Mikroorganismen, also Bakterien, Hefen oder Schimmelpilzen, infiziert ist. Die charakteristische klebrige, schwarze Masse ist ein Bioschlamm aus genau diesen Mikroorganismen und deren Ausscheidungen. Wie die meisten Lebewesen brauchen sie vor allem Wasser und Nahrung. Die Nahrung ist einfach im Diesel enthalten, Wasser zunächst einmal nicht, wenn der Kraftstoff die Raffinerie verlässt.

Typischer Bioschlamm (Dieselpest) im Dieseltank einer Yacht. ©Marga Keyl

Begünstigt wird das Wachstum der Mikroorganismen durch den vermehrten Zusatz von Biodiesel, der von den Mikroorganismen leichter und schneller abgebaut werden kann. Der Grund ist der, dass bei der Zersetzung von Biodiesel auch Wasser frei wird, welches wiederum für das Wachstum der Mikroorganismen erforderlich ist. In der EU wurde über mehrere Zwischenschritte ein Zusatz von derzeit sieben Prozent Biodiesel verordnet, Tendenz steigend.

Normaler Kraftstoff enthält meist Anteile von Biodiesel, der das Wachstum von Dieselpest begünstigt. ©Sönke Roever

Das Grundproblem der Dieselpest: Wasser im Diesel

Ohne Wasser können die Mikroorganismen nicht leben und wachsen, aber wie kann verhindert werden, dass das Wasser in den Kraftstoff gelangt? Die schlechte Nachricht ist: Ein wenig Wasser kann schon an der Zapfsäule enthalten sein. Nach Norm DIN EN 590 darf Dieselkraftstoff bis zu 0,2 Gramm Wasser pro Kilogramm enthalten. Hinzu kommen undichte Tankverschlüsse, die schlichtweg nicht mehr verhindern, dass an Deck stehendes Regenwasser oder auch Seewasser in den Tank gerät.

Angefressener Dichtring an einem typischen Verschluss einer Tanköffnung (Alter 10 Jahre). ©Robert Möckel

Häufig wird auch die Luftfeuchtigkeit und Kondensation als Quelle genannt, viele Eigner schwören daher darauf, den Tank, insbesondere im Winterlager, möglichst voll zu halten. Das ist nur bedingt richtig, da reiner Dieselkraftstoff nicht nennenswert hygroskopisch ist, er nimmt also keine Feuchtigkeit aus der Luft auf. Der Bio-Anteil im Dieselkraftstoff kann hingegen schon ein wenig Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen, doch auch dieser Anteil führt nach derzeitigem Stand der Forschung noch nicht zu einem deutlichen Wachstum der Mikroorganismen. Dafür ist flüssiges und nicht im Kraftstoff gelöstes Wasser erforderlich.

Hier konnten sich die Mikroorganismen munter vermehren. ©Privat

Damit Wasser in nennenswerter Menge aus der Luft in den Kraftstoff gelangt, muss die Luftfeuchtigkeit zunächst zu flüssigem Wasser kondensieren und dann beispielsweise von einer Tankwand in den Kraftstoff hineintropfen. Dieser Prozess kann durchaus zu einem relevanten Wassereintrag führen, wenn einerseits die Umgebungsluftfeuchtigkeit hinreichend groß ist und andererseits die Umgebungstemperatur deutlich schwankt. Bei den tief im Bootsinneren verbauten Tanks von Yachten ist die tägliche Temperaturschwankung jedoch so gering, dass der beschriebene Mechanismus als Ursache für Wasser im Kraftstoff nicht in Betracht kommt.

Voll der Sonne und Feuchtigkeit ausgesetzt, eine typische Tankanlage in einem kleinen Yachthafen. ©Robert Möckel

Bei einem im Freien stehenden Tank im Yachthafen sieht die Situation schon anders aus. Im Sommer wird der Tank von der Sonne aufgeheizt und direkt am Wasser ist, zumindest im Sommer, ein hinreichendes Feuchteangebot in der Luft. Nachts kühlt der Tank samt Inhalt aus, und über die Tankbelüftung wird Umgebungsluft angesaugt. Bei geeigneten Bedingungen wird nun ein Teil des Wassers in der angesaugten Luft im Tank auskondensieren und in den Kraftstoff fallen.

Der Tank der Tankstelle im Hafen ist noch halbvoll. Das sind günstige Bedingungen für die Wasseraufnahme durch Tankatmung und Kondensation. ©Robert Möckel

Das Hauptproblem der Dieselpest: die Lagerzeit im Tank

Etwas Wasser im Diesel ist für den Motorbetrieb an sich unproblematisch und auch Dieselpest braucht Zeit zum Wachsen. Genau das ist eine der zentralen Ursache, warum Dieselpest häufiger in den Kraftstoffsystemen von Yachten als beispielsweise denen von Autos auftritt. Der Diesel auf Yachten wird meist wesentlich länger gelagert, im Auto hingegen findet ein regelmäßiger Austausch statt.

Da hilft nur Abpumpen und Reinigen, der Diesel hat schon erste Pestklumpen gebildet. ©Robert Möckel

Viele Yachten nutzen den Motor nur bei absoluter Flaute, beim Ankern oder Ein-und Ausfahren aus Marinas. Andere Yachten werden nur saisonal und dann auch nur sporadisch genutzt. Eine Tankfüllung kann da schon mal über Monate, manchmal gar Jahre an Bord lagern. All das bietet den Mikroorganismen viel Zeit zum Wachsen.

Bewegen wir uns in warmen Regionen, wird das Wachstum der Dieselpest beschleunigt. Wie viele Kleinstorganismen mögen es auch die im Diesel am liebsten warm. Die Norm für Dieselkraftstoffe verlangt eine Lagerfähigkeit von 180 Tagen, also einem halben Jahr, in vielen Yachttanks lagert der Diesel deutlich länger.

Tipp: Auch in abgelegenen Tankstellen für Yachten lagert Diesel oft sehr lang. Hier besteht die Gefahr, sich die Dieselpest schon über die Zapfsäule einzufangen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sucht sich lieber eine Tankstelle mit viel Durchfluss.

Eine unbemerkte Dieselpest kann gefährlich werden!

Ist die Dieselpest am Wachsen, sinkt der Schlamm erst einmal zum Boden des Tanks. Ist er noch nicht bis zur Höhe des Ansaugrohres im Tank angewachsen, bleibt er oft erst einmal unbemerkt. Erst durch die Schiffsbewegung wird er dann aufgewirbelt, gelangt ins Kraftstoffsystem und verstopft Filter, Leitungen und im schlimmsten Fall sogar die Einspritzdüsen.

Dieser Filter ist stark mit Bakterien-Schlamm verdreckt und wird bald verstopfen. ©Marga Keyl

Eine „Verstopfung“ der Dieselzufuhr kann zu äußerst unangenehmen Situationen führen. Beispielsweise wird nichtsahnend aus dem Hafen hinaus motort und eine Runde gesegelt, durch die Schiffsbewegungen wird die Dieselpest nun aufgewirbelt und bei der Rückkehr in den Hafen vom Motor angesaugt. Auf einmal versagt der Motor. Kommt bei einer schwierigen Anfahrt ungünstiger Strom oder gar auflandiger Wind hinzu, wird es gefährlich.

Regelmäßige Filterwechsel helfen, Dieselpest vorzubeugen und zu erkennen. Am Filter rechts sind erste Anzeichen zu erkennen. ©radiopelicano.de

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Dieselpest im Yacht-Tank

Die Versorgungskette optimieren

Der Kampf gegen die Dieselpest muss in der Versorgungskette mit Kraftstoff so früh wie möglich in Angriff genommen werden. Grundsätzlich sollte versucht werden, möglichst frischen und wasserfreien Diesel zu bekommen. Wie gesagt, bekommt man den am besten an Tankstellen mit möglichst viel Durchfluss. Einige Eigner fahren deshalb auch schon mal mit Kanistern zur nächsten Autotankstelle, statt gemütlich am Marinasteg zu tanken.

Das Tanken mit Kanistern erlaubt mitunter eine bessere Kontrolle des Diesels. ©Sönke Roever

Die Technik der Filter

Tanken mit Kanistern ist sowieso empfehlenswert, da der Diesel vor dem Einfüllen noch einmal begutachtet und eventuell auch gefiltert werden kann. Es gibt spezielle Filter-Trichter-Kombinationen für Yachten (Racor Funnel, Mr. Funnel) zum langsamen Einfüllen mit dem Kanister, die laut Hersteller nicht nur Verunreinigungen, sondern auch Wasser aus dem Kraftstoff filtern.

Eine praktische Trichter-Filter-Kombination zum Einfüllen mit dem Kanister. ©Sönke Roever
Innen im Filter sitzt ein Sieb, das Dreck und Wasser abscheidet. ©Sönke Roever

Beim Thema Filtern sind natürlich auch die motorinternen Filter wichtig, denn je weiter sich ein Befall mit Dieselpest Richtung Einspritzdüsen bewegt, umso aufwendiger wird die Reinigung. Die vom Hersteller vorgeschriebenen Wartungsintervalle von Vor- und Feinfilter sollten unbedingt eingehalten werden. Schwarze, klebrige Ablagerungen am Filter weisen auf Dieselpest hin.

Je nach Bauart kann am Schauglas des Wasserabscheiders erkannt werden, ob sich Schlamm gebildet hat. ©Sönke Roever

Zwischen der Wartung hilft ein regelmäßiger Blick ins Glas des Wasserabscheiders, auch hier sollte der Diesel frei von schwarzen Schwebstoffen sein. Das funktioniert jedoch nur bei einigen Filtertypen, da bei den meisten die dicken Dieselpest-Brocken oben auf dem Filter liegen bleiben, so dass sie im Wasserabscheider nicht zu sehen sind. Separ-Filter sind besser geeignet, weil der Kraftstoff dort zuerst in den Wasserabscheider und danach ins Filterelement geht.

Tipp: Es gibt umschaltbare Systeme aus zwei Vorfiltern, sollte trotz aller Vorkehrungen mal ein Filter blockiert sein, kann mittels eines Hebels auf einen zweiten, sauberen Filter umgeschaltet werden. Wirkungslos ist der Umschaltfilter allerdings, wenn die Verschmutzung schon das Ansaugrohr im Tank zugesetzt hat.

Umschaltbare Vorfilter mit Wasserabscheider. ©radiopelicano.de

Doch auch vor dem Filtern können noch weitere Vorkehrungen getroffen werden. Generell muss peinlichst darauf geachtet werden, dass kein Wasser in den Diesel gelangt. Ein oft vergessener Punkt ist da beispielsweise das Tanken bei Regen. Regenwasser zerstört zwar nicht unbedingt den Motor und wird problemlos durch den Wasserabscheider herausgefiltert, bietet aber der Dieselpest vorzügliche Nahrung.

Sehr oft wird auch vergessen, dass sich auch in lang gelagerten Kanistern Dieselpest bilden kann. Diese sind unbedingt vor dem Einfüllen zu kontrollieren, da selbst kleinste Fetzen der schwarzen Masse im Haupttank munter weiterwachsen können.

Ideale Bedingungen in der warmen Sonne für Dieselpest-Wachstum in einem Kanister. ©Sönke Roever

Die Inspektionsluke am Haupttank

Sehr hilfreich ist auch eine Inspektionsluke im Haupttank, die bei Standarddieseltanks meist leider fehlt. Eine Inspektionsluke hilft nicht nur, den Dieselvorrat regelmäßig zu inspizieren, durch sie kann der Tank auch, falls nötig, gründlich gereinigt werden. Gerade nach langen Fahrpausen lohnt es sich, mal einen Blick auf den Dieselvorrat zu werfen.

Inspektionsluken in Tanks erleichtern die Kontrolle und Wartung enorm. Hier entsteht gerade das Loch für einen nachträglichen Einbau. ©Sönke Roever

Einsatz eines Tagestanks

Viele Blauwassersegler schwören auf einen sogenannten Tagestank. Gerade das Befahren abgelegener Gebiete erfordert oft das Bunkern größerer Mengen Diesel. Der Tagestank ist ein zusätzlich zum Haupttank installierter, zweiter kleinerer Tank, dessen Inhalt so „Pi mal Daumen“ für eine Tagesreise reicht. Der Clou: Diesel wird nicht mehr direkt vom Haupttank in den Motor gepumpt, sondern nur noch aus dem Tagestank. Mittels einer Pumpe wird der Diesel durch Filter vom Haupttank in den Tagestank gefüllt. Der Vorteil ist, dass der Haupttank nur noch als Lager dient und nicht mehr direkt mit dem Kraftstoffsystem des Motors verbunden ist. Vor dem Befüllen des Tagestanks werden Verunreinigungen herausgefiltert und der Inhalt des relativ kleinen Tagestanks wird bestenfalls verbraucht, bevor sich neue bilden können. Es gibt verschiedene Systeme mit unterschiedlichen Filterstufen oder einer installierten Ablassschraube, um den Tagestank regelmäßig zu entleeren.

Einsatz von C.A.R.E-, GTL- oder Ultimate-Diesel

Auch die Hersteller von Dieselkraftstoffen sind auf das Problem aufmerksam geworden. An einigen Bootstankstellen wird mittlerweile sogenannter C.A.R.E.-Diesel angeboten. Die vier Buchstaben stehen für die englischen Wörter: CO₂-Reduction (CO₂-Reduzierung), Arctic Grade (Kältebeständigkeit), Renewable (Erneuerbarkeit), Emission Reduction (Emissionsreduzierung). C.A.R.E besteht zu hundert Prozent aus Biodiesel, soll aber resistent gegen die für Dieselpest verantwortlichen Bakterien sein.

Auch GTL-Diesel soll resistent gegen Dieselpest sein, wird allerdings nicht wie C.A.R.E. aus nachwachsenden Rohstoffen, sondern aus Erdgas (Gas-To-Liquid) gewonnen. In jedem Fall ist bei beiden Kraftstoffen die Verträglichkeit mit dem jeweiligen Bootsmotor zu überprüfen.

Diese Tankstelle verspricht Diesel ohne zugemischten Biodiesel. ©Sönke Roever

Einen anderen Ansatz vertritt der Hersteller Aral. Mit dem Produkt „Ultimate-Diesel“ ist an den Aral-Zapfsäulen ein konventioneller Dieselkraftstoff ohne Bioanteile erhältlich. Dieser ist zwar nicht gegen Dieselpest resistent, aber laut Hersteller zumindest weniger anfällig und deutlich länger lagerfähig.

Die chemische Keule gegen Dieselpest – Additive

Verschiedene Anbieter vertreiben sogenannte Additive zur Vorbeugung und Reinigung, die dem Kraftstoff zugemischt werden können. Zu den bekanntesten gehören die Produkte von „Grotamar“ und „Liqui Moly“. Die Testergebnisse der Produkte sind durchaus zufriedenstellend, dennoch ist der Gebrauch umstritten. Additive bestehen aus Bioziden, die die Bakterien im Diesel abtöten. Diese sind nicht nur hochgiftig und führen demnach zu einer erheblichen Mehrbelastung der Umwelt, sie gelten auch als krebserregend. Das Produkt Grotamar 81 beispielsweise darf deshalb seit 2018 nicht mehr an Privatpersonen verkauft werden. Einige Segler berichten auch von Motordichtungen, die durch den Dauereinsatz von Additiven angegriffen wurden. Hierzu gehen die Meinungen allerdings auseinander. Unumstritten ist der Nutzen von Additiven bei der sogenannten „Stoßbehandlung“ bei akuten Dieselpestbefall.

Ein Additiv zur Bekämpfung von Dieselpest. ©Sönke Roever

Eine vorhandene Dieselpest beheben

Hat die Dieselpest trotz aller Vorbereitung dennoch die Oberhand gewonnen, hilft nur eine Komplettreinigung des gesamten Systems. Eine Tankreinigung reicht nicht aus, auch alle weiteren Komponenten des Kraftstoffsystems müssten gereinigt und desinfiziert werden. Experten empfehlen gar den Austausch sämtlicher Leitungen. Ein recht aufwendiges, klebriges, stinkendes und auch dreckiges Unterfangen, mit dem am besten eine Fachfirma beauftragt wird. Fachfirmen können zudem den verseuchten Kraftstoff auch gleich fachgerecht entsorgen.

Ist die Dieselpest bis hinter den Feinfilter vorgedrungen, müssen auch die Einspritzdüsen gereinigt werden. ©radiopelicano.de

Im Rahmen der Reinigung muss zunächst der gesamte verbliebene Diesel abgepumpt werden. Wem er zu schade zum Entsorgen ist, sollte ihn gründlich filtern, mit einem Additiv versetzen und dann möglichst schnell verbrauchen, beispielsweise im Auto. Bei der Wiederverwertung in der Yacht besteht die Gefahr einer Neuinfektion! Die sicherere Variante ist, den Diesel zu entsorgen und nach der Behandlung frischen einzufüllen.

Nach dem Abpumpen geht die Tankreinigung los, die klebrige und äußerst widerspenstige schwarze Masse muss weg. Die groben Ablagerungen werden am besten mechanisch entfernt. Im Tank helfen da zum Beispiel Spachtel, um die Masse abzuschaben. Leitungen wiederum können mit Drähten durchstoßen werden.

Bei Dieselpest hilft nur konsequentes Abpumpen und Reinigen. ©Sönke Roever

Der „Feinschliff“ erfolgt mit Lappen und Spiritus oder Benzin. Alle Rückstände müssen restlos entfernt werden, auch in Filtergehäusen und anderen Komponenten. Dieselpest wird oft mit einer bakteriellen Infektion verglichen, schon mit dem kleinsten Infektionsherd kann das Problem von vorne losgehen.

Problematisch ist es mit den Hochdruckleitungen und anderen schwer zugänglichen Motorteilen. Wer einen Austausch vermeiden will, führt idealerweise eine „Stoßbehandlung“ durch. Dabei wird der Motor mit Diesel betrieben, der mit einem höheren Anteil an Biozid versetzt wird. Damit sollen Leitungen und andere schwer zugängliche Teile desinfiziert werden. Angaben zum Mischungsverhältnis bieten die Hersteller.

Vorbeugen hilft! Sieht nach viel Arbeit aus, ist aber wesentlich einfacher als eine spätere Reinigung. ©Sönke Roever

Fazit

Die Dieselpest wird vom Yachteigner leider viel zu oft unterschätzt. Immer wieder erwischt es Yachten, die das Problem nur mit viel Aufwand und Kosten wieder in den Griff bekommen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Gefahr, die davon ausgeht. Versagt der Motor im falschen Moment, sind sowohl Yacht als auch Crew in akuter Gefahr!

Verschärft hat sich die Herausforderung Dieselpest durch den vermehrten Zusatz von Biodiesel im Kraftstoff, der das Bakterienwachstum begünstigt. Dennoch ist Dieselpest kein Grund zur Panik, mit ein bisschen Mehraufwand und Vorsicht ist auch die Gefahr der Dieselpest problemlos zu bändigen.

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Wilhelm MOSER
Wilhelm MOSER
1 Monat her

Doch der alleinige Grund für die Dieselpest ist der Biodieselanteil im Kraftstoff nicht,…

Und wieso können dann Schiffe Diesel verwenden der in den 40er Jahren irgendwo vergessen wurde? Und… ja sie haben keine Probleme damit. Ich darf also ableiten daß die schwachsinnige Palmölbeimengungsehr wohl daran schuld ist… und die Leute die das politisch verbrochen haben gehören für die Umweltschäden und die Schäden an unseren Kraftstoffanlagen haftbar gemacht.

Thomas Fetzberger
Thomas Fetzberger
1 Monat her

Ich habe bis 2015 ein starkes Problem mit der Dieselpest gehabt. Den Tank selbst so gut es ging gereinigt. Seitdem nur noch C.A.R. E. Und seit 2 Jahren GTL getankt. Keine Probleme mehr und Treibstoff klar wie Wasser.
Motor Yanmar läuft weicher und effektiver.

Thomas Fetzberger
Thomas Fetzberger
29 Tagen her

GTL ist in der Ancora Marina in Neustadt zu bekommen und kostet ca. 30 €Cent mehr als der normale Diesel. Soll aber auch bis zu 15% effektiver sein. Kühlungsborn hält diesen Treibstoff auch vor. Auch ist die Umweltbelastung im Abgas um ein Vielfaches geringer als mit dem normalen Diesel.

Thomas Fetzberger
Thomas Fetzberger
29 Tagen her

Hierzu noch eine Ergänzung. Gemessen an den Vorteilen bei der Verwendung von C.A.R.E. oder GTL, ist der höhere Treibstoffpreis immer noch günstiger, als die Kosten für die Beseitigung der Dieselpest und die Installation von zusätzlichen Equipment.

Mo
Mo
10 Tagen her

Wie schätzen Sie Enzym-basierte Dieselzusätze ein, wie bspw. XBEE? Funktionieren die?

https://xbee.com/de/