Vorbereitung auf und Umgang mit Sturm. Auf See und im Hafen.

Heide Wilts

Von Heide Wilts

Heide Wilts ist Ärztin für Allgemeinmedizin und Radiologie. Mit ihrem Mann Erich zusammen segelt sie seit 1969. Beide beendeten 1990 ihre bürgerlichen Berufe, um sich ganz dem Segeln zu widmen. Inzwischen haben sie mit ihren Yachten Freydis I, II und III die Erde mehrfach umrundet und über 300.000 Seemeilen im Kielwasser. Von Heide Wilts sind inzwischen 14 Bücher erschienen.

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Titelfoto: ©Wilts

Durch den Klimawandel treten vermehrt Stürme auf

Die Mannschaft einer Fahrtenyacht, die über die Ozeane segelt, muss sich wegen des Klimawandels vermehrt auf schweres Wetter einstellen und entsprechende Vorbereitungen treffen. Denn selbst zur besten Jahreszeit treten auf der bei Weltumseglern beliebten „Barfußroute“ zuweilen schwere Stürme auf – beispielsweise auf den Abschnitten nach Neuseeland, an der afrikanischen Südspitze und auf dem letzten Teilstück, der Atlantiküberquerung von West nach Ost. Nicht immer ist es möglich, Stürme durch gutes Timing zu vermeiden oder ihnen auszuweichen.

Yacht im Sturm auf hoher See. ©Wilts

Die hochseetüchtige und küstentaugliche Yacht

Eine wichtige Vorentscheidung, um Stürme sicher zu überstehen, trifft der Eigner mit der Wahl einer hochseetüchtigen Yacht. In unserem Fall heißt das: Was Stabilität und Schiffsfestigkeit angeht, muss die Yacht auch stärkster Beanspruchung durch Sturm und Seegang standhalten. Und sie muss sich nach einem Knock-down oder einer Durchkenterung selbstverständlich (!) wieder aufrichten und dabei wasserdicht bleiben.

Brecher können auf See eine Yacht zum Kentern bringen. ©Wilts

Eine Yacht, die hochseetüchtig ist, ist nicht automatisch auch küstentauglich: In Küstengewässern unterscheiden sich Herausforderungen und Gefahren bei schwerem Wetter deutlich von denjenigen auf hoher See. Auf hoher See besteht die Hauptgefahr darin, dass Brecher die Yacht über eine Seite zum Kentern bringen oder gar überrollen. In Küstenrevieren sind dagegen Grundberührungen oder Strandung auf Untiefen oder am Ufer die größten Gefahren.

In küstennahen Gewässern besteht die Gefahr einer Strandung. ©shch/stock.adobe.com

Unglücksfälle und Havarien geschehen in Küstengewässern viel häufiger als auf hoher See. Das hat sich nicht nur bei uns in fünf Jahrzehnten gezeigt, sondern spiegelt sich auch in allen Expertisen wider. Eine küstentaugliche Yacht auf weltweiter Fahrt wird den hohen Anforderungen anspruchsvoller Küstensegelei am besten gerecht mit einem soliden, am Boden flachen Unterwasserschiff mit Schwenkkiel oder Kielschwert, mit geschütztem Ruder und geschützter Welle und Schraube. Außerdem ist eine Arbeitsplattform am Heck unverzichtbar für Manöver mit dem Dingi zum Ausbringen von Landleinen oder eines Zweitankers.

Während man auf hoher See theoretisch keine Maschine benötigt, ist in Küstengewässern eine starke und zuverlässig arbeitende Maschine unerlässlich, um in starken Strömungen und chaotischer See noch manövrieren und sich mit Motorunterstützung freikreuzen zu können.

Sturm-Ausrüstung für das Abwettern auf hoher See und in Küstengewässern

Ausnahmslos alle Segelyachten – Verdrängeryachten, Leichtdeplacement-Yachten, Langkieler und Kurzkieler – sollten über folgende Ausrüstung verfügen, wenn ein Sturm auf hoher See abgewettert werden soll:

  • Ein Großsegel mit dreifachem Bindereff oder einem Rollreff, das auf allen Kursen zum Wind und bei allen Windstärken funktioniert und bei Ausfall der Elektrik oder Hydraulik mit einer Handkurbel eingedreht werden kann
  • Ein Trysegel mit separater Schiene am Mast
  • Eine Kuttertakelung mit einem Fockstag, an dem die Sturmfock fest angeschlagen ist. Durch eine Rollreff-Vorrichtung muss diese Sturmfock (wie bei der Genua selbstverständlich) stufenlos verkleinert werden können
  • Einen soliden Baum zum Ausbaumen der Genua oder Sturmfock vor dem Wind mit entsprechendem Geschirr
  • Einen See- oder Treibanker für den schlimmsten Fall. Wir empfehlen den Reihen-Treibanker, wie den „Jordan Series Drogue“, dessen Abmessungen abgestimmt sein müssen auf Schiffslänge und Verdrängung. Dabei ist zu beachten, dass die am Heck auftretenden Kräfte durch entsprechende Beschläge aufgefangen werden.
Das Großsegel sollte über drei Reffstufen verfügen. ©Sönke Roever

Stürmische Küstengewässer verlangen – über diese auf hoher See erforderliche Sturmausrüstung hinaus – noch weiteres Zubehör und dieses möglichst doppelt:

Sturm-Ausrüstung für das Abwettern in Ankerbuchten

  • Ein ausreichend dimensioniertes Ankergeschirr (Anker, Kette, Ankerwinsch, solide Bug- und andere Beschläge, einen starken Poller auf dem Vorschiff)
  • Mindestens zwei 100-Meter-Festmacherleinen auf Trommeln, die zum Ufer ausgebracht werden können
  • Kettenvorläufer
  • Beiboot und Außenborder
Bei diesem Wetter möchte man nicht auf See sein. ©FitchyImages/stock.adobe.com

Weitere nützliche Hilfsmittel in anspruchsvollen Revieren sind bei Sturm, außer Radar und Echolot, eine Ankerboje/ein Ankerfender, eine Ankerwache (beispielsweise über die App IDRIFTER), ein Laser-Entfernungsmesser oder alternativ ein Fernglas mit Entfernungsmesser. Auch eine Hydraulikpresse, ein Bolzenschussgerät oder ein Akku-Schlagbohrer mit Dübeln und Augbolzen leisten im Ernstfall gute Dienste.

Wertvolle Helfer: Kugelfender und ein solides Ankergeschirr. ©Wilts

Sturm-Ausrüstung für das Abwettern an der Pier oder im Päckchen

  • Gut dimensionierte Kugelfender in ausreichender Zahl
  • Zwei Fenderbretter mit je zwei Langfendern
  • Mindestens sechs Festmacher als Vor- und Achterleinen und Springs
  • Kettenvorläufer, am besten aus acht Millimeter Edelstahl
  • Zwei Autoreifen als Ruckfender
  • Starke Beleg-Klampen an Deck in ausreichender Zahl
  • Einen Schlepp-Poller auf dem Vorschiff und/oder ein solides Auge am Bug zum Schleppen- und Abbergen lassen.
Autoreifen eignen sich gut als Ruckdämpfer für Festmacher. ©Wilts

Anforderungen an die Crew bei Sturm

Zur Seetüchtigkeit gehören eine erfahrene Crew und ein qualifizierter Schiffsführer, der die üblichen Sturmtaktiken beherrscht und weiß, wie sein Schiff reagiert. Bei schwerem Wetter sind die Anforderungen an die Crew in Küstengewässern größer als auf See. Im Sturm vor Anker müssen oft neben einem zweiten Anker auch noch Leinen ausgebracht werden; auch muss alles wieder rasch eingesammelt werden können, falls der Ankerplatz wegen drohender Strandung aufgegeben werden muss. Damit ist ein Einhandsegler in der Regel überfordert, und selbst eine Zweiercrew kommt schnell an ihre Grenzen.

Im Sturm ist eine seetüchtige Crew von Vorteil. ©Wilts

Sturmtaktik auf hoher See

Weil jede Yacht anders reagiert und auch die Crews sich an Zahl und Know-how unterscheiden, gibt es kein Patentrezept, das immer und überall funktioniert. Jedes Schiff, jede Crew und jede Situation erfordern individuell angepasste Maßnahmen.

Kenterungen kann man nicht grundsätzlich ausschließen. Doch beim Ozeansegeln gibt es die Möglichkeit, das Risiko mit der richtigen Sturm-Taktik deutlich zu verringern. Beispielsweise ist die Gefahr einer Kenterung in schwerem Sturm oder Orkan am größten, wenn eine Yacht seitlich von einem Brecher getroffen wird – die Breitseite ist ihre Achillesferse! Eine Kenterung ist umso wahrscheinlicher, je höher der Brecher und je kleiner die Yacht ist.

Je höher der Brecher, desto höher die Gefahr einer Kenterung. ©Wilts

Modelltests haben ergeben: Keine Rumpfform – mit welcher Ballastkombination auch immer – kann anhaltend einer Kenterung widerstehen, wenn die Brecherhöhe 55 % der Rumpflänge beträgt. Die kritische Höhe ist bereits mit 35 % der Rumpflänge erreicht, so Peter Bruce in „Schwerwettersegeln“, 13. Auflage 2019. Das bedeutet bei einer 12-Meter-Yacht: Bei Brechern ab vier Metern Höhe wird es gefährlich, ab sechs Metern Höhe ist Kentern unvermeidlich.

Empfohlene Sturm-Taktiken auf hoher See

Beiliegen oder beigedreht liegen unter Segel(n)

Diese Taktik ist – abhängig vom Schiffstyp – sinnvoll bis zu mittleren Windstärken von neun bis zehn Beaufort. Der Weisheit letzter Schluss ist Beidrehen aber nicht. Legen Wind und See deutlich zu, droht die Kenterung durch Brecher.

Beidrehen funktioniert bis maximal zehn Beaufort. ©Sönke Roever

Ablaufen (Lenzen) vor dem Sturm unter Sturmsegel oder vor Topp und Takel

Bei schwerem Sturm oder gar Orkan muss eine Yacht vor dem Sturm ablaufen – ob unter kleinster Sturmbesegelung oder vor Topp und Takel hängt von den Umständen ab. Dabei muss zwar eine nicht zu geringe Geschwindigkeit gewährleistet sein, weil sonst die Seen nicht ausgesteuert werden können. Sie darf jedoch auch nicht zu hoch sein, weil dann die Gefahr des Querschlagens und Kenterns steigt.

Einsatz von Treibanker oder Trossen bei Sturm auf Hoher See

Wissenschaftliche Untersuchungen im Schlepptank und Schlussfolgerungen aus Massenunfällen bei Segelgroßveranstaltungen, wie der Fastnet-Tragödie 1979 und anderen Regatten, haben neben zahlreichen Einzelbeispielen aus der Praxis gezeigt, dass es durchaus sinnvoll ist, bei schwerem Sturm einen Treibanker übers Heck auszubringen. Insbesondere, wenn die Crew die Seen nicht sauber aussteuern kann – aus Mangel an Erfahrung oder aus Erschöpfung.

Mit einem am Heck ausgebrachten Treibanker treibt die Yacht unter Topp und Takel mit dem Heck zur See. Die Gefahr des Querschlagens und Kenterns wird signifikant reduziert, und die Crew kann Kräfte sparen.

Ein Reihen-Treibanker kann beim Abwettern helfen. ©Sönke Roever

In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche Typen von See- und Treibankern entwickelt oder weiterentwickelt und auf See und im Schlepptank getestet. Inzwischen hat sich herauskristallisiert, dass ein über das Heck ausgebrachter, richtig dimensionierter Reihen-Treibanker – wie beispielsweise der „Jordan Series Drogue“ – am besten gewährleistet, dass eine Crew schweren Sturm ungeschoren übersteht.

Das Besondere dabei ist: Es bedarf keines Steuermanns. Treibanker, insbesondere Fallschirme, haben sich als sinnvolle Sturm-Ausrüstung etabliert und gezeigt, dass sie eine wichtige zusätzliche Möglichkeit sind, mit Schwerwetter fertig zu werden.

Yacht mit Sturmbesegelung. ©Uwe Röttgering

Umstritten ist bis heute, ob eine Yacht unter Kleinstbesegelung oder blanken Masten beim Ablaufen vor dem Sturm noch steuerbar ist, wenn über das Heck Trossen oder Treibanker ausgebracht sind, die einerseits die Geschwindigkeit reduzieren, andererseits aber die Steuerfähigkeit erhalten sollen. Es wirken unterschiedliche, teils gegenläufige Kräfte: die Ruderkraft einerseits, die Zugkräfte der Trossen oder des Seeankers andererseits. Die Erfahrungen namhafter Segler, ob die Yacht noch dem Ruder gehorcht, widersprechen sich. Wir selber haben dazu keine Erfahrung.

Panik vermeiden, das Boot nicht aufgeben

Solange die Yacht schwimmt, sollte das Boot nicht aufgegeben werden. In die Rettungsinsel zu steigen oder sich abbergen zu lassen, sind in diesem Fall keine guten Alternativen. Die Erfahrung zeigt immer wieder: Schiffe sind stärker als ihre Crews. Viele Segler würden heute noch leben, wenn sie das beherzigt hätten.

Yachten sind deutlich stabiler, als viele Crews denken. ©Wilts

Ungeeignete Sturm-Taktiken auf hoher See

Die Yacht unter Topp und Takel treiben lassen

Ein treibendes Boot nimmt automatisch eine Position annähernd quer zu den Wellen ein. Das Treibenlassen unter Topp und Takel hat sich als besonders riskant herausgestellt, weil dadurch die Gefahr am größten ist, dass die Yacht von einem Brecher seitlich getroffen wird und kentert.

Zu langsam oder zu schnell vor dem Sturm ablaufen

Läuft die Yacht zu langsam, sind Brecher nur schwer auszusteuern, läuft sie die hohen Seen hingegen zu schnell hinunter, droht sie aus dem Ruder zu laufen oder sich sogar zu überschlagen.

Die Ruhe vor dem Sturm. ©Arsen/stock.adobe.com

Einen Seeanker über den Bug ausbringen

Jeder Versuch, eine Yacht mit dem Bug in den Wind zu legen, ist ein Kampf gegen ihre natürliche Neigung, gegen die Elemente, und führt zu nichts. Da die Yacht vor Seeanker reitend Fahrt achteraus macht, kann außerdem das Ruder durch die auftretenden Kräfte leicht Schaden nehmen.

In schwerem Sturm das „Pardey System“ anwenden

Das „Pardey System“ steht für einen Para-Seeanker, der über den Bug ausgebracht wird und mit einem Hahnepot das Boot in einem Winkel von 50 bis 60 Grad zu den Wellen legt. Die von den Pardeys beschriebene Blasenspur, die anrollende überbrechende Seen beruhigen soll, ist dabei nicht oder nicht ausreichend vorhanden. Auch im Versuchsbecken ist inzwischen bewiesen, dass ein über den Bug ausgebrachter Para-Seeanker eine Kenterung nicht verhindern kann. Das geht auch aus einem Bericht der Wolfson Unit aus Southampton über die Testergebnisse von Schleppversuchen mit See- und Treibankern hervor.

Bei Sturm gegenansegeln

Zum einen ist das Gegenansegeln eine Tortur für die Crew und eine gewaltige Belastung für das Schiff. Zum anderen kann man dabei nie ausschließen, dass man besonders nachts von einem Brecher oder einer querlaufenden See getroffen wird. Nur, wenn in Lee eine Gefahr droht – wie etwa eine Untiefe oder Land –, ist es sinnvoll dies zu versuchen, um aus der Legerwall-Situation auszubrechen.

Gegenanbolzen ist ein mühsames Unterfangen. ©Wilts

Sturm-Taktiken in Küstengewässern

Sturm-Taktiken bei stürmischem Wetter in Küstengewässern

Sturm ist für eine Yacht im beschränkten Seegebiet (Küstengewässer) wesentlich gefährlicher als im freien Seeraum. Deshalb sollte der Skipper, sobald er eine bedrohliche Wetterverschlechterung in Küstennähe erkennt, nach sorgfältiger Abwägung aller Umstände eine Entscheidung treffen: Entweder wird das schwere Wetter auf See abgeritten, dann muss die Crew schleunigst freien Seeraum gewinnen, oder der Skipper will Schutz suchen unter Land oder in einem Hafen.

Bestehen nur die geringsten Zweifel daran, dass es gelingt, einen sicheren Hafen oder einen sicheren Ankerplatz zu erreichen, sollte der Skipper den Sturm auf offener See abwettern und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Eine Küste bei auflandigem Sturm anzulaufen ist besonders gefährlich. In der Regel gibt es dann kein Zurück mehr, auch nicht mit Maschinenunterstützung. Auflandiger Sturm kann ein Schiff sowohl am Ankerplatz als auch im Hafen zerstören. Deshalb sind rechtzeitig entsprechende Manöver einzuleiten, um diese Situation zu vermeiden.

Bei auflandigem Wind können manche Küsten nicht angesteuert werden. ©Iván Vieito García/stock.adobe.com

Zweifel sind ganz besonders angebracht, wenn der Schiffsort nicht eindeutig ist und keine genaue Seekarte, insbesondere in einem vernünftigen Maßstab vorliegt. Wir haben weltweit zahlreiche Reviere kennengelernt, in denen wir uns nicht auf die Angaben in den Seekarten verlassen konnten, weil die Vermessung ungenau war.

Sturm-Taktiken an Ankerplätzen, Buchten und in Häfen

Die Wahl des Ankerplatzes entscheidet über den Erfolg des Manövers. Zu berücksichtigen sind insbesondere der Platz zum Schwojen, damit genügend Kette gesteckt werden kann, dazu der Schutz vor Fallböen, vor Wellen und Schwell und die zu erwartende (Tiden-)Strömung.

Lässt der Ankergrund es nicht zu, dass sich der oder die Anker richtig eingraben, helfen nur noch Landleinen. Und im Hafen, auch wenn er gut geschützt ist: Festmachen auf der Leeseite der Pier.

Beim Ankern sollten komplizierte Ankertechniken vermieden werden, damit im Ernstfall (auch nachts) schnell ankerauf gegangen werden kann. Falls das nicht gelingt, muss das Ankergeschirr markiert, zurückgelassen und später geborgen werden. Das gilt auch für Leinenverbindungen zum Land.

An diesem Ankerplatz wird es gleich ungemütlich. ©Sönke Roever

In Buchten, in denen mehrere Yachten ankern, sollte berücksichtigt werden, dass Yachten bei viel Wind auf Drift gehen können – auch die eigene. Bei der Wahl des Ankerplatzes gilt deshalb: Wer in Luv des Ankerfeldes liegt, ist am sichersten vor treibenden Yachten.

Der Hauptanker darf nur mit Kette ausgebracht werden, nie mit Trosse, der Zweitanker zur Not mit Kettenvorläufer und Tauwerk. Wann immer möglich, sollte man eine Ankerboje am Anker befestigen. Mit ihr muss man den Anker, falls er sich verhakt – beispielsweise in Korallen oder an Unterwasserhindernissen, falsch herum aus dem Grund ziehen können.

Bei Sturm im Hafen sind die Manöver anspruchsvoll. ©Wilts

In Häfen gilt es rechtzeitig den Liegeplatz zu wechseln, wenn sich die Windrichtung ändert. Ist das nicht möglich, dann Anker oder Leinen – falls erforderlich, unter Zuhilfenahme des Dingis – nach Luv ausbringen. Bei viel Wind ist das ein anspruchsvolles Manöver.

Wenn die Bucht oder der Hafen keinen ausreichenden Schutz bietet, gibt es nur eins: Nichts wie raus und entweder einen anderen, sicheren Liegeplatz suchen oder in See stechen.

Buch zum Thema

Dieser Text ist die Quintessenz aus dem Buch „Im Sturm“ von Heide und Erich Wilts. Während die Thematik hier nur sehr oberflächlich wiedergegeben werden kann, wird sie im Buch ausführlich behandelt.

Im Sturm – Segeln im Extremwetter

„Im Sturm – Segeln im Extremwetter“ von Heide und Erich Wilts bietet eine hochinteressante Mischung aus theoretischem Wissen mit einer geballten Ladung an Erfahrung. In zwei Bänden beschäftigen sich die Weltumsegler ausführlich und praxisnah mit dem Segeln in Extremsituationen.

Mehr zum Thema

Heide und Erich Wilts im ausführlichen Interview über Blauwassersegeln

Heide und Erich Wilts werden ausführlich von Weltumsegler Sönke Roever zum Blauwassersegeln interviewt. Die beiden Segler geben wertvolle Tipps aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz!
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Thomas SV Rodspaetten
Thomas SV Rodspaetten
1 Monat her

Eindruecklich beschrieben und bestaetigt, natuerlich auch von Moitessier, Erdmann, Schenks u.a. Lediglich umstritten wird immer noch die Schleppanker Methode. Auch beim GGR liessen Slats, Lethinen diese Methode schnell fallen. Wer weiss, ich hab da keine Erfahrung und moechte sie auch nicht einfordern.

Just Justus
Just Justus
1 Monat her

Kugelfender? Nach meinen Erlebnissen stellte ich fest, dass bei auflandigem Wind und Wellengang die Kugelfender zwischen Bordwand und Hafenmauer nach oben rutschen. Diese Erfahrung machte ich auf einem Katamaran.

Jürgen Wanninger
Jürgen Wanninger
1 Monat her
Reply to  Just Justus

Das ist auch meine Beobachtung, ich vermute aber dies ist auch Folge der immer vertikaleren Rümpfe der Charteryachten, die immer mehr auf Raumangebot optimiert werden, während die Yachten der Wilts natürlich auf Seetüchtigkeit optimiert sind

Jürgen Wanninger
Jürgen Wanninger
1 Monat her

Durch den Klimawandel treten vermehrt Stürme auf – so so ! Komischerweise zeigen alle Statistiken inklusive deren des sogenannten Weltklimarates IPCC KEINE Zunahme an Stürmen. Hurricanes, über die Erhebungen seit Mitte des 19. (!!) Jahrhunderts vorliegen, und Taifune zeigen KEINE Häufung, ebensowenig Tornados oder Starkstürme an Land. Das gilt im übrigen auch für Starkregenfälle. Dass Überflutungen zunehmen, wenn sich die versiegelten Flächen wie aktuell geradezu explosionsartig ausbreiten, weil immer mehr rücksichtslos in die Fläche gebaut wird, ist offenkundig und hat nichts mit irgendwelchen ‘Klimastrafen Gottes’ zu tun. Ich selbst segle seit 25 Jahren in allen Charterevieren, das ist beileibe keine… Mehr lesen »

Last edited 1 Monat her by Jürgen Wanninger
Claudia Kirchberger
Claudia Kirchberger
23 Tagen her

Als großer Fan von Heide und Erich Wilts schätze ich ihre Meinung sehr und habe natürlich auch die interessanten Bücher der Beiden an Bord. Deshalb bitte ich auch, diese Anmerkungen in keiner Weise als Kritik zu werten. Allerdings decken sich unsere Erfahrungen im Bezug auf Gegenansegeln im Sturm nicht mit der Meinung der Beiden. Denn wir haben SEHR GUTE Erfahrungen damit, so hoch am Wind gegen Sturm zu segeln als möglich. Diese Erfahrungen haben wir auf zwei verschiedenen Yachten gemacht: einmal an Bord unserer ersten Yacht (34 Fuß, Flossenkiel) in einem Orkan mit 11 bis 12 Windstärken und 11 Meter… Mehr lesen »