Ausprobiert: ORCA als Navigationslösung für Yachten

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Sönke hat 100.000 Seemeilen Erfahrung im Kielwasser und von 2007 bis 2010 zusammen mit seiner Frau Judith die Welt umsegelt. Er veranstaltet diverse Seminare auf Bootsmessen (siehe unter Termine) und ist Autor der Bücher "Blauwassersegeln kompakt", "1200 Tage Samstag" und "Auszeit unter Segeln". Sönke ist zudem der Gründer von BLAUWASSER.DE und regelmäßig mit seiner Frau Judith und seinen Kindern auf der Gib'Sea 106 - HIPPOPOTAMUS - unterwegs.

Orca vereint das Beste aus zwei Welten und es lohnt sich, das System näher zu betrachten

Die Gründer von Orca sind seit etlichen Jahren in der Schiffselektronikbranche tätig und haben sich gefragt, warum so viele Segler, die über einen Plotter verfügen, bei der Planung von Törns und der Navigation auf See zusätzlich auch mobile Anwendungen auf Smartphones oder Tablets benötigen.

Bei der Recherche, die ein paar Jahre zurückliegt, kam unter anderem heraus, dass Plotter an KFZ-Navigationsgeräte aus Zeiten vor Apple Carplay oder Android Auto erinnerten. Umgekehrt waren mobile Geräte zwar einfach zu nutzen, aber sie waren nicht zuverlässig genug. Sie ließen sich bei Regen und Spritzwasser nur schlecht bedienen, neigten zur Überhitzung und mussten häufig nachgeladen werden.

Auf Testfahrt mit dem Orca-System. ©Sönke Roever

Vor dem Hintergrund haben die Gründer Orca entwickelt – ein System, das die Vorteile der Plotter mit den Vorteilen der Smartphones und mobilen Apps kombiniert. Das System ist kontinuierlich weiterentwickelt worden und inzwischen ein hochmodernes, sehr umfangreiches Navigationssystem, das das Beste aus beiden Welten inklusive Wetterrouting in sich vereint. Auf einem sehr robusten, wetterbeständigen Android-Tablet kann über das Orca-System navigiert und mit nahezu allen anderen Systemen im Yachtnetzwerk kommuniziert werden.

Das hat mich neugierig gemacht und ich habe mir das Orca-System besorgt, um es einmal ausführlich an Bord zu testen. Im Folgenden stelle ich das Ergebnis vor. Gleich vorweg: Ich bin begeistert. Hier wurde seitens der Entwickler richtig gut nachgedacht und es wurden sehr viele sinnvolle Features, die die Navigation erleichtern, in einem Gerät vereint, inklusive eigener Seekarten.

Die Komponenten des Orca-Navigationssystems. ©Sönke Roever

Komponenten des Orca-Navigationssystems

Orca-App

Das Herzstück des Orca-Gesamtsystems ist die Orca-App, eine funktionsreiche Navigationssoftware mit eigenen Seekarten, Wetterrouting und vielen weiteren praktischen Navigationsfunktionen. iOS-, WatchOS- und Android-Geräte können mit der Orca-App die Funktion eines professionellen Kartenplotters übernehmen.

Das Herzstück des Orca-Gesamtsystems ist die Orca-App. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Orca-Display

Für Nutzer, die ihre eigenen Endgeräte nicht den für elektronische Geräte ungünstigen Bedingungen auf See aussetzen wollen, bietet Orca ein spezielles Tablet an – das Orca-Display. Dabei handelt es sich um ein ultrahelles Marine-Tablet, das extremen Temperaturen und Wetterbedingungen standhält. Ich habe es mit dem iPad verglichen und es war deutlich heller. Außerdem ließ sich das Touchdisplay vergleichsweise gut bei Regen und Feuchtigkeit bedienen.

Das Orca-Display ist ein ultrahelles Marine-Tablet. ©Sönke Roever

Das Orca-Display funktioniert mit dem eingebauten hochpräzisen GPS und Kompass auch als eigenständiges Navigationsgerät. Bei der Nutzung kann zwischen Tag- und Nachtmodus umgeschaltet werden. Der Nachtmodus verwendet Rottöne. Das ist gut, weil so die Nachtsicht des Nutzers nicht beeinträchtigt wird.

Beim Orca-Display kann zwischen Tag- und Nachtmodus umgeschaltet werden. ©Sönke Roever

Technische Daten des Orca-Displays:

  • Abmessungen: 262 x 175 x 19 Millimeter
  • Bildschirmgröße: 10 Zoll
  • Auflösung: 1920 x 1080 Pixel
  • 2,2 Gigahertz – 8 Core CPU
  • 1,1 Gigahertz – Dual Core
  • 4 Gigabyte – LPDDR4x RAM
  • Wifi-Schnittstelle
  • USB-C-Anschluss zum Laden
  • Bis zu acht Stunden Navigation über den integrierten 9.500-Milliamperestunden-Akku
  • Gewicht: 870 Gramm
  • SIM-Karten- und SD-Karten-Slot
  • Wasserfestigkeit: IP-X6
  • Temperatur-Range: -15 bis +55 Grad Celsius
Das Orca-Display hat eine sehr lange Akku-Laufzeit. ©Sönke Roever

Abschließend sei noch erwähnt, dass es am Orca-Display vier Tasten gibt. Eine ist zum Ein- und Ausschalten beziehungsweise für den Standby-Modus. Zwei (Plus und Minus) sind zum Rein- und Rauszoomen oder Verändern der Lautstärke gedacht. Die vierte Taste ist sehr hilfreich, da sie das Boot auf der Seekarte zentriert.

Das Orca-Display hat vier Tasten an der Außenseite. ©Sönke Roever

Orca Mount

Orca Mount ist eine optionale Halterung, die mit dem 12- oder 24-Volt-System der Yacht verbunden werden kann. Die Halterung bietet eine kabellose Ladefunktion, was bei Feuchtigkeit sehr hilfreich ist. Der mitgelieferte Schwenkarm ist sehr stabil und gut justierbar.

Das Orca-Display in der Halterung Orca Mount. ©Sönke Roever

Alternativ gibt es die Halterung auch als Variante für die Montage auf einer Fläche – dann ohne Schwenkarm, aber dafür schön bündig mit der Oberfläche.

Alternative: Die Halterung kann auch auf einer Fläche montiert werden. ©Orca

Orca Core

Abgerundet wird das Spektrum der Komponenten durch eine Hardware-Erweiterung, die sich Orca Core nennt. Orca Core ist eine smarte Schnittstelle mit GPS, Kompass, Krängungssensor und Segelprozessor. Über ein NMEA-2000-Netzwerk kann der Orca Core mit externen Bordgeräten wie beispielsweise dem AIS-Empfänger und/oder dem Autopiloten verbunden werden. Dadurch werden alle Daten drahtlos an die Orca-App und das Orca-Display übertragen. Außerdem ist es so möglich, Routen zu im- und exportieren oder den Autopiloten mit dem Orca-Display zu steuern.

Beispiel für die Installation des Orca Core an einem Steuerstand. ©Orca

Technische Daten des Orca Core:

  • Abmessungen: 118 x 118 x 35 Millimeter
  • GPS-Genauigkeit 1,5 Meter bei einer Update-Rate von 10 Hertz
  • 9-Achsen-Bewegungssensor inklusive Kompass (Genauigkeit unter 1,5 Grad)
  • Schnittstelle zu NMEA 2000
  • Spanungsversorgung: 9 bis 32 Volt, Leistungsaufnahme: 200 Milliampere
  • Wifi-Schnittstelle
  • Wasserfestigkeit: IP-X6
  • Temperatur-Range: -15 bis +60 Grad Celsius
Entspannte Törnplanung mit dem Orca-Display. ©Sönke Roever

Hinweis: Beim Test habe ich alle vorstehenden Komponenten einzeln und kombiniert eingesetzt. Dabei habe ich schnell festgestellt, dass das Orca-Display mit seiner Robustheit und der hohen Akku-Laufzeit zusammen mit der Halterung Orca Mount und der Schnittstelle Orca Core ein geniales Gesamtsystem darstellt, weil nur dann ein vollwertiges, mobiles Navigationssystem mit einer unglaublichen Fülle an Funktionen zur Verfügung steht.

Installation des Orca-Navigationssystems

Die Installation ist recht simpel. Beim ersten Start des Orca-Displays wird die typische Routine eines Tablets durchlaufen. Es werden die Sprache ausgewählt, eine gegebenenfalls eingesetzte SIM-Karte aktiviert, Apps installiert, Dienste konfiguriert, ein Nutzerkonto angelegt und die Orca-App installiert.

Im Rahmen der Initialisierung können auch die Daten der Yacht hinterlegt werden. ©Orca/BLAUWASSER.DE

In einem weiteren Schritt können die Bootsdaten hinterlegt werden. Dazu gehören der Bootstyp, die Länge, der Tiefgang und die Höhe der Yacht. Diese Daten sollten sorgfältig eingegeben werden, da sie später beim automatischen Erstellen von Routen berücksichtig werden. Darüber hinaus werden die Einheiten festgelegt – etwa, ob der Wind in Knoten, Beaufort, Kilometern pro Stunde oder Metern pro Sekunde angegeben werden soll.

Die Einheiten können in den Einstellungen festgelegt werden. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Mit diesem Setup war ich im Mittelmeer auf einem Charterschiff unterwegs und das hat sehr gut funktioniert. Schade fand ich dabei nur, dass ich nicht auf die Daten aus dem Navigationsnetzwerk der Yacht zugreifen konnte, beispielsweise die Geschwindigkeit durchs Wasser oder die Windrichtung und Windstärke. Deshalb habe ich auf unserem Redaktionsboot zusätzlich die Datenschnittstelle Orca Core installiert.

Die Datenschnittstelle Orca Core. ©Sönke Roever

Die Installation des Orca Core ist recht einfach. Es muss lediglich im NMEA-2000-Netzwerk ein weiteres T-Stück eingefügt werden (gehört zum Lieferumfang – sehr löblich) und die Stichleitung des Orca Core angeschlossen werden. Über NMEA 2000 erfolgt die Stromversorgung. Alternativ kann der Orca Core auch ohne Anbindung an das Netzwerk genutzt werden. Das ist dann aber nur der halbe Spaß, weil ein Großteil der Navigationsdaten dann nicht zur Verfügung steht.

Über den Orca Core können beispielsweise Winddaten sichtbar gemacht werden. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Nach dem Einschalten haben sich das Orca-Display und der Orca Core unkompliziert miteinander verbunden und innerhalb weniger Sekunden standen nahezu alle Daten aus dem Navigationsnetzwerk auf unserem Redaktionsboot auf dem Orca-Display zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem: Winddaten, Wassertiefe, Geschwindigkeit, Kurs, AIS-Daten, Batteriezustände, Tankstände und Autopilot-Informationen.

Das Koppeln mit dem Orca Core gelingt unkompliziert. ©Sönke Roever

Sehr hilfreich ist, dass ich als Nutzer festlegen kann, welche Datenquelle genutzt werden soll. So kann ich beispielsweise entscheiden, ob die GPS-Position vom Orca Core ermittelt werden soll oder von einem anderen GPS-Gerät an Bord, das die Daten über NMEA 2000 zur Verfügung stellt.

Es kann konfiguriert werden, welche Datenquelle primär gelten soll (blau hinterlegt). ©Sönke Roever

Um die Sache abzurunden, habe ich abschließend im Cockpit noch die Halterung Orca Mount montiert. Dadurch hat das Orca-Display einen festen Platz und wird geladen, wenn ich es nicht mobil einsetze. Es lässt sich leicht aus der Halterung herausnehmen und wieder einsetzen und der robuste Schwenkarm ermöglicht eine gute Anpassung an die Umgebung sowie Ausrichtung des Displays.

Seekarten-Darstellung des Orca-Navigationssystems

Die offensichtliche Hauptanwendung ist die Navigation mit der Seekarte. Die Karten haben ein eigenes Layout, das sich an die übliche Farbgebung von Seekarten anlehnt. Die Darstellung erfolgt wahlweise zwei- oder dreidimensional beziehungsweise mit der Ausrichtung nach Norden (North up) oder in Anlehnung an den Kurs der Yacht (Course up oder Head up).

Für die Kartendarstellung hat Orca ein eigenes Design. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Die Seekarten sind Teil des Systems und müssen nicht extra erworben werden, was positiv auffällt. Die Seekartendaten kommen von verschiedenen ozeanografischen Instituten weltweit, in Deutschland beispielsweise vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Die Seekarten werden kontinuierlich aktualisiert, sodass man immer mit den neusten Karten unterwegs ist. Welche Seegebiete abgedeckt werden, kann auf der Orca-Webseite eingesehen werden. Das Gebiet wächst kontinuierlich und bereits jetzt werden wesentliche Teile der Welt abgedeckt.

Wenn das Tablet online ist – sei es über Mobilfunk oder eine Wifi-Verbindung – lädt automatisch die Seekarte, wenn in ein Seegebiet hineingezoomt wird. Alternativ können Karten auch dauerhaft für den Offline-Gebrauch heruntergeladen werden, beispielsweise für eine Reise im Ausland ohne Roaming oder eine Ozeanüberquerung.

Seekarten können für die Offline-Nutzung heruntergeladen werden. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Die Seezeichen werden übersichtlich und mit ihren Kennungen dargestellt. Das ist bei anderen Apps mitunter nicht der Fall und erschwert dann die Navigation bei Nachtfahrten. Außerdem wird der Track der Yacht auf der Karte mitgeplottet. Beim Tracking variiert der Abstand der Trackpunkte in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit.

Auf der Karte (hier 3D-Ansicht) werden Seezeichen mit ihren Kennungen dargestellt. Der Track wird mit grauen Dreiecken hinterlegt. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Für die Seekarte können Flachwassergrenzen hinterlegt werden. Bereiche, die für die Yacht zu flach sind, werden dann entsprechend schattiert. Außerdem werden die Durchfahrtshöhen von Brücken mit einer unzureichenden Durchfahrtshöhe rot eingefärbt.

Flachwasserbereiche können auf der Orca-Seekarte eingefärbt werden (blau). ©Orca/BLAUWASSER.DE

Und zu guter Letzt können bei Orca, wie bei vielen anderen Seekarten-Applikationen auch, Satellitenbilder über die Seekarte gelegt werden. Das erlaubt eine umfangreiche Orientierung oder die Einschätzung der Attraktivität eines Ankerplatzes.

Die Kombination aus Seekarte und Satellitenbild bietet eine umfassende Orientierung. ©Sönke Roever

Navigation mit dem Orca-Navigationssystems

Orca bietet mit der App ein vollwertiges Navigationssystem an, dass einen sehr guten Funktionsumfang hat. Dazu gehört logischerweise die Darstellung der eigenen Position auf der Seekarte mit einem Richtungsvektor beziehungsweise einer Ziellinie sowie optional auch Laylines. Sehr gut finde ich, dass die Ziellinie dynamisch in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit oder mit einer festen Länge dargestellt werden kann.

In diesem Beispiel ist der Vektor auf eine Länge von zehn Minuten eingestellt. ©Orca/BLAUWASSER.DE

In verschiedenen Panels können Navigationsdaten wie der Kurs über Grund, die Geschwindigkeit über Grund, die Position und vieles mehr dargestellt werden. In Kombination mit dem Orca Core stehen auch umfangreiche weitere Daten zur Verfügung, wenn dieser mit dem Navigationsnetzwerk der Yacht gekoppelt wurde.

Beispiel für Navigationsdaten, die in Orca dargestellt werden. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Außerdem gibt es einen digitalen Meilenzirkel zum Messen von Entfernungen und Kursen beziehungsweise Peilungen. Das erleichtert die Törnplanung. Einziger Haken: Die Bedienung ist etwas umständlich, weil das Feature über ein Menü aufgerufen werden muss und nicht auf der obersten Ebene zur Verfügung steht.

Entfernungen und Kurse können mit Orca gemessen werden. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Wetter-Interpretation mit dem ORCA-System

Des Weiteren stehen Wetterinformationen, Winddaten, Regen-, Seegangs-, Strömungs- und Gezeiteninformationen zur Verfügung. Hierbei selektiert das System die für den abgerufenen Seeraum „beste“ Quelle. Werden beispielsweise Windinformationen für die deutsche Nordseeküste abgerufen, greift Orca auf das Wettermodell ICON-D2 des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zurück. Mehr dazu steht hier.

Wetterdaten (hier: Wind) können über Zeitverläufe betrachtet und farbig dargestellt werden. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Aktuell werden diese Modelle als Wetterdaten genutzt:

Liste der eingesetzten Wettermodelle. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Der Clou ist, dass die hochaufgelösten Wetterdaten als animierte Ebenen unmittelbar über die Seekarte gelegt werden. Damit entfällt der bei vielen Seglern typische Wechsel zwischen Navigationssoftware und separaten Wetter-Apps. Die animierten Wetterebenen zeigen nicht nur aktuelle Bedingungen, sondern auch die Entwicklung von Wettersystemen im Zeitverlauf. Dadurch können Skipper Wetterlagen schneller erfassen und es lassen sich besser Entscheidungen während der Fahrt treffen.

Ein cooles Feature ist, dass die Strömungsdaten farbig über die Seekarte gelegt werden können (hier: Großer Belt). ©Orca/BLAUWASSER.DE

Das macht sich auch bei der Routenplanung bemerkbar. Segler können bereits bei der Planung erkennen, wie sich Wind- und Wetterverhältnisse entlang der geplanten Route entwickeln. Besonders in Revieren mit starken Strömungen hilft die Kombination aus Strömungs-, Wellen- und Wetterdaten dabei, kritische Situationen wie „Wind gegen Strom“ frühzeitig zu erkennen. Oder anders formuliert: Orca sieht Wetterinformationen nicht als Zusatzfunktion, sondern als festen Bestandteil der Navigation. Das ist extrem hilfreich. Bevor wir hier tiefer einsteigen, sehen wir uns zunächst die Wegpunkt- und Routenfunktion an.

Routen und Wegpunkte mit dem Orca-Navigationssystem nutzen

Ein spannendes Feature ist die Wegpunkt- und Routenplanung mit Orca. Neben den klassischen Funktionen kann insbesondere bei den Routen gewählt werden, ob diese automatisch oder manuell erstellt werden sollen. Bei der automatischen Route sucht das System den optimalen Weg zu einem Ziel in Abhängigkeit von Voreinstellungen, wie beispielsweise einer gewünschten Mindestwassertiefe oder einem gewünschten Mindestabstand zum Ufer.

Beispiel für eine Route im Mittelmeer unter Motor mit Uhrzeiten. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Außerdem kann festgelegt werden, ob die Route unter Segeln oder unter Motor zurückgelegt werden soll. Bei Motorfahrten wird entlang der grafisch dargestellten Route die Uhrzeit angezeigt, zu der ein Punkt auf der Strecke passiert wird. Voraussetzung hierfür ist, dass eine Geschwindigkeit unter Motor festgelegt wird. Bei Routen unter Segeln wird die Route anhand des Polardiagramms der Yacht und der aktuellen Wettervorhersage optimiert.

Wird die Option „Segeln” ausgewählt, wird die Route anhand des vorhergesagten Wetters und der Performance der Yacht angepasst. © Orca/BLAUWASSER.DE

Für die Routenplanung im Modus „Segeln” ist eine Internetverbindung erforderlich. Zudem muss ein Polardiagramm der Yacht hinterlegt werden. Für viele gängige Yachtmodelle ist bereits ein Polardiagramm im System hinterlegt.

Das Polardiagramm der Yacht kann in Orca hinterlegt und jederzeit angepasst werden. ©Orca/BLAUWASSER.DE

In der Standardansicht wird angezeigt, wo und wann auf der Route welcher Wind weht. Durch Klicken auf „Wetter“ wird eine detailliertere Wetteransicht aufgerufen. Durch Klicken auf die Route wird die angezeigte Vorhersage auf die errechnete Zeit geändert, zu der die Position erreicht wird.

Der Button „Wetter“ bietet detaillierte Wetterinformationen für den Törn. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Über das Seitenmenü können die angezeigten Vorhersagen umgestellt werden. Es besteht die Möglichkeit, verschiedene Wettermodelle abzurufen und die Anzeige von Wind, Wellen, Strömung oder Gezeiten umzustellen.

In dieser Ansicht ist der Seegang entlang der geplanten Route zu sehen. © Orca/BLAUWASSER.DE

Kommt der Wind bei der Routenplanung von vorne, erkennt das System dieses und berechnet in Abhängigkeit vom Polardiagramm die Kreuzschläge. Mit anderen Worten: Es findet ein Wetterrouting mit dem optimalen Weg zum Ziel statt.

In Abhängigkeit von Performancedaten werden die Kreuzschläge berechnet. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Während des Segelns hat das hinterlegte Polardiagramm einen interessanten Nebeneffekt: Die eigene Performance kann bei Bedarf überprüft werden. Orca kann die aktuelle Geschwindigkeit ins Verhältnis zur Sollgeschwindigkeit aus dem Polardiagramm setzen und die Performance in Prozent anzeigen.

Hier segelt die Yacht nur 80 Prozent der vorgesehenen Leistung aus dem Polardiagramm. Entweder ist das Polardiagramm zu ambitioniert oder der Segeltrimm stimmt nicht. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Die Wegpunkte, die zusammen die Route ergeben, können von Orca über den Orca Core in das NMEA-2000-Netzwerk übertragen werden. Ich war so in der Lage, die Wegpunkte der in Orca berechneten Route auf den Tochteranzeigen von Raymarine im Cockpit abzulesen.

Orca kann über den Orca Core mit dem vorhandenen Netzwerk kommunizieren. Hier mit den Tochteranzeigen von Raymarine. ©Sönke Roever

Zusätzlich können Wegpunkte an Plotter der Serie Axiom von Raymarine übertragen werden. Außerdem können Werte wie die Ankunftszeit, die Restfahrzeit, der Kurs zum Wegpunkt oder die Distanz zum Wegpunkt auf dem Orca-Display eingeblendet werden. Für diese Übertragung reicht die App, es wird kein Orca Core benötigt.

Autopilot-Einbindung des Orca-Navigationssystems

Besonders cool finde ich, dass das Orca-System durch die Netzwerkanbindung über den Orca Core auch auf die Autopiloten ausgewählter Hersteller zugreifen kann. Aktuell gelingt das grundsätzlich mit B&G, Lowrance, Simrad, Raymarine, Garmin und YachtD. Der Funktionsumfang variiert allerdings in Abhängigkeit vom Hersteller. Es gibt bei Orca einen Beitrag zum Thema Kompatibilität mit Autopiloten. Er wird kontinuierlich angepasst und es ist ratsam ihn anzusehen.

Die Autopilot-Steuerung über das Orca-Display. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Ich habe beim Test die Verbindung mit einem Garmin-Autopilot vom Typ Reactor 40 problemlos herstellen können und mit dem System in zwei Richtungen kommuniziert. Das beutet, dass das Orca-Display und das Garmin-Display sich gegenseitig synchronisiert haben. Wurde der Kurs bei Garmin am Display geändert, hat Orca das erkannt, umgekehrt genauso. Das macht das Orca-Display zu einer vollwertigen und mobilen Autopilot-Steuereinheit. Mehr noch, in Orca programmierte Routen können mit dem Autopilot im Modus „Navigation“ abgefahren werden.

Hier folgt der Autopilot der automatisch erstellen Orca-Route. ©Orca/BLAUWASSER.DE

AIS-Darstellung des Orca-Navigationssystems

Das Orca-System wertet für die Darstellung von AIS-Daten verschiedene Quellen aus. Zum einen werden, wenn das System mit einen AIS-Empfänger über die Netzwerkschnittstelle Orca Core gekoppelt wurde, die empfangen Daten abgebildet. Zusätzlich werden bei einer Online-Verbindung die AIS-Daten ausgelesen, die sich nicht in unmittelbarer Reichweite befinden, da diese im Internet zur Verfügung stehen. An jedem Signal ist ersichtlich, aus welcher Quelle es stammt. Es werden nur AIS-Daten aus dem Internet verwertet, die aktuell sind.

AIS-Signale auf der Flensburger Förde. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Der AIS-Layer kann ein- oder ausgeblendet werden. Außerdem kann die Länge des AIS-Vektors angepasst werden. Ich verwende beispielsweise gerne zehn Minuten als Vektorlänge. Und selbstverständlich kann zu jedem AIS-Datensatz ein Detailfenster mit weiteren Informationen geöffnet werden. Dabei werden primär die relevanten Parameter wie Geschwindigkeit über Grund (SOG), Kurs über Grund (COG), Abstand, relativer Kurs, dichtester Punkt der Annäherung (CPA) und Zeitpunkt der dichtesten Annäherung (TCPA) dargestellt. Sekundär können auch Fotos des Verkehrsteilnehmers und weitere Daten wie beispielsweise das Rufzeichen, die MMSI oder die Signalklasse angezeigt werden.

Beispiel für einen AIS-Datensatz. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Logbuch-Erstellung mit dem Orca-Navigationssystem

Bei einer Verbindung mit dem Orca Core plottet das System alle Information, die für eine Logbuchführung von Bedeutung sind, mit. Dazu gehören eine Reiseübersicht mit Track auf der Seekarte (Track kann als GPX-Datei exportiert werden), Navigationsdaten, Winddaten, Strömungsdaten, Batteriespannung, Kraftstoffverbrauch.

Beispiel für einen Törn auf der Elbe. Die blaue Linie ist der Track. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Weitere Informationen, die im Orca-Navigationssystem zur Verfügung stehen

Bis hierhin wurden die wesentlichen Funktionen des Systems sehr ausführlich beschrieben. Es gibt noch unzählige weitere Features, die das System bietet. Um nicht den Rahmen des Beitrags zu sprengen, werden abschließend noch einige Punkte erwähnt, die ebenfalls interessant sein könnten. Nicht vergessen werden darf dabei, dass es sich um ein hochwertiges Android-Tablet handelt und somit im Umkehrschluss alle Apps aus dem Google-Play-Store installiert werden können.

Apps aus dem Google-Play-Store können auf dem Orca-Display installiert werden. ©Orca/Android/BLAUWASSER.DE

Wird das Orca-Display mit dem Internet verbunden, können in der Orca-App Informationen zu Häfen und Ankerplätzen abgerufen werden, die in Kooperation mit Navily in der Seekarte sichtbar gemacht werden.

Ein Beispiel: Die Infos zum Hafen Sonderborg in Dänemark wurden abgerufen. ©Orca/BLAUWASSER.DE

Preis des Orca-Navigationssystems

Die einzelnen Komponenten des Orca-Systems haben folgende Preise:

  • Orca-Display 999,- Euro
  • Orca Core 649,- Euro
  • Orca Mount 299,- Euro

Die Nutzung des gesamten Funktionsumfangs ist im ersten Jahr kostenfrei. Ab dem zweiten Jahr kann man sich entscheiden, ob man Orca in einer abgespeckten Version nutzen möchte (kostenfrei) oder eine der beiden kostenpflichtigen Versionen nutzt.

Das Abonnement „Plus” kostet 49 Euro pro Jahr und beinhaltet zusätzlich folgende Funktionen:

  • Hochauflösende Online-Satellitenkarten
  • Offline-Seekarten-Nutzung
  • Segel-Routing-Funktionen für fünf Tage.

Das Abonnement „Smart Navigation” kostet 149 Euro pro Jahr und beinhaltet zusätzlich diese Funktionen:

  • Hochauflösende Online-Satellitenkarten
  • Offline-Seekarten-Nutzung
  • Grafische Darstellung von CPA/TCPA (AIS)
  • Zusätzliche AIS-Daten, beispielsweise Fotos
  • Neuberechnung von Routen.
  • Segel-Routing-Funktionen für zehn Tage

Eine detaillierte Übersicht gibt die folgende Grafik.

©Orca

Fazit

Zu diesem umfangreichen Test, der sich über mehrere Wochen und Törns erstreckte und längst nicht alle Features widerspiegelt, gehörte auch, dass wir das Orca-Display genutzt haben, um im Cockpit vor Anker das Finale der Champions-League zu gucken. Klar, das ist nicht der Kern-Anwendungsbereich, zeigt aber einmal mehr die ungeheure Bandbreite des Systems.

Das ist auch eine Möglichkeit, den Tag mit dem Orca-Display am Ankerplatz zu beenden. ©Sönke Roever

Eines muss man den Machern von Orca lassen, sie haben einen sehr guten Job gemacht und gezielt die Funktionen und Vorteile, die Plotter bieten, mit den Vorzügen von Smartphones und Tablets kombiniert. Entstanden ist eine Navigationslösung, die eine beeindruckende Funktionsvielfalt bietet. Fängt man einmal damit an, das System zu nutzen, fällt es schwer, es wieder loszulassen.

Der große Clou ist in meinen Augen die Kombination aus Orca-Display, Orca Mount und Orca Core. Insbesondere die ausgeklügelten Funktionen des Orca Core machen das System so richtig rund. Vor allem mit den Polardaten und der Routenplanung samt Wetterrouting. Auch wenn das System in Teilen noch etwas rudimentär wirkt, bin ich mir sicher, dass wir hier noch einiges in den nächsten Jahren erwarten dürfen.

Unter dem Strich bietet Orca ein umfassendes Gesamtpaket mit sehr gut durchdachten Funktionen für die sichere Navigation an Bord. Mich hat das vollends überzeugt. Ich gebe mein System daher nicht an den Hersteller zurück und bin stattdessen zukünftig damit unterwegs. Beim Chartern, beim Fahrtensegeln oder beim Ozeanüberqueren.

Weitere Infos gibt es bei Orca auf der Webseite.

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Orca bietet eine moderne Komplettlösung zum Navigieren – mit leicht zu bedienender Navigationssoftware, robustem Marine-Tablet und intelligenter Schnittstelle zu bestehenden Systemen.

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Online-Seminar: ORCA Navigations-App Tutorial (live)

ORCA kombiniert speziell entwickelte Hardware mit moderner Navigationssoftware. In diesem Seminar werden das System und die wichtigsten Navigations- und Wetterfunktionen praxisnah erklärt und vorgestellt.
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Uwe Gräfer
Uwe Gräfer
2 Monaten her

Hallo Sönke,

vielen Dank für deinen ausführlichen Test! Die ORCA-App habe ich seit ein paar Wochen auf Tablet und Telefon in Nutzung in ich bin ebenso begeistert, wie Du. Die bislang genutzte Navionics-App erscheint dagegen mit einem Schlag steinzeitlich. Das Overlay mit Wetter- und Tidendaten hat sich auf einer gestern beendeten Überführung auf der Nordsee als äußerst zuverlässig und „userfriendly“ erwiesen.

Von meinen Kunden, die das System schon nutzen erhalte ich auch nur positive Rückmeldungen.

Fazit: Core und Display stehen klar oben auf dem Wunschzettel.

FlensMan
FlensMan
2 Monaten her

Ich stimme zu: Konzeptionell eine super Sache und die Abo Preise sind noch moderat.

Aber: wer ins Internet will mit dem Tablet: Achtung: Altes Android 14!

Gregor
Gregor
2 Monaten her

Vielen Dank für diesen interessanten Test. Ich nutze gerade in Schweden als Ergänzung ein iPad mit Navionics, das ich immer sehr kritisch im Auge behalte. Es arbeitet oft unzuverlässig, macht falsche Ortsangaben und vor allem: die automatische Routenplanung ist in Teilen schlicht gefährlich.
Das ORCA sollte man sich ansehen!

Hauke
Hauke
2 Monaten her

Leider musste ich im Vergleich zum etablierten Navionics bereits mehrere Ungenauigkeiten im Kartenmaterial feststellen. Es fehlen schlicht Details, die in anderen Karten (Papier und digital) enthalten sind. Für mich ist daher Orca leider keine Option. Was nützen einem die tollen Funktionen wenn es bereits an der essentiellen Grundlage für eine sichere Navigation scheitert. Sehr schade. Ich fände einen systematischen Vergleichstest des Kartenmaterials daher sehr interessant. Vielleicht ist das ja ein Thema für einen weiteren Artikel.

Ubuntu
Ubuntu
2 Monaten her
Reply to  Hauke

Habe mir vor rd 2 Jahren ORCA schonmal angeschaut und musste gleich Erfahrung für die deutschen Küstengebiete der Ostsee machen.

COOGOR
COOGOR
1 Monat her
Reply to  Hauke

Ich bin jetzt das dritte Jahr mit Navionics (Plotter u Tablet)-Karten im Mittelmmer unterwegs. Die Tiefenangaben sind meist Schrott, gerade in Küstennähe. Das Pricing ist eine Unverschämtheit. Die Tablet karte hab ich jetzt gekündigt, nachdem sie die Preise nochmal um 20% angehoben hatten. Die App fand ich eh…überarbeitungswürdig.

Steffen
Steffen
2 Monaten her

Ich bin diese Saison auch mit dem Orca-Tablet unterwegs und benutze es sowohl mit der Skippo App als auch mit der Orca-App. Das Kartenmaterial in Finnland scheint identisch, aber in Schweden kann man bei Skippo noch die Detailkarten für Häfen und Ankerplätze/Schären dazubuchen. Die Orca-App hat einige Funktionen, aber die grundlegenden Funktionen sind eher noch unausgereift. Ein paar Beispiele: -ETA wird basierend auf der Geschwindigkeit berechnet ohne Berücksichtigung des Kurses, was gerade an der Kreuz zu Fehlern führt -Es gibt nur eine farbliche Abstufung von Flachwasserbereichen. Man kann diese Stufe zwar selbst wählen, aber die für Sportbootseekarten übliche zweistufige dunkel-… Mehr lesen »