Törnbericht Griechenland: Segeln in den Nördlichen Sporaden und im Golf von Volos

Von Sönke Roever

Sönke hat 80.000 Seemeilen Erfahrung im Kielwasser und von 2007 bis 2010 zusammen mit seiner Frau Judith die Welt umsegelt. Er veranstaltet diverse Seminare auf Bootsmessen (siehe unter Termine) und ist Autor der Bücher "Blauwassersegeln kompakt", "1200 Tage Samstag" und "Auszeit unter Segeln". Sönke ist zudem der Gründer von Blauwasser.de und regelmäßig mit seiner Frau Judith und seinen Kindern auf der Gib'Sea 106 - HIPPOPOTAMUS - unterwegs.

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Der Tourismus steckt in den Kinderschuhen

„Lustig die Griechen!“ Mitsegler Patrick sitzt im Cockpit und lacht nach einem Blick in den Törnführer. „Da steht, dass hier der Wein bis in die 1920er Jahre so reichlich floss, dass man ihn mangels Wasser sogar zum Mörtelanrühren für den Hausbau verwendet hat. Ein Grieche namens Staphylos soll ihn von Kreta hierher gebracht haben.“

Rund 100 Jahre später merkt man auf Skopelos nur noch wenig davon. Auf dem 20 Kilometer langen Eiland geht es gelassen zu und sich am Wein labende Griechen sind Mangelware. Der Tourismus steckt in den Kinderschuhen und in den Ankerbuchten entlang der Insel finden Yachten genug Platz. Das gilt auch für die Bucht von Staphylos, benannt nach eben jenem Wein-Bringer. Statt Wein umgibt unser Boot allerdings glasklares, türkisfarbenes Wasser. Dazu umrahmen markante, in der Morgensonne rot leuchtende Felsformationen die Bucht, an deren Scheitel ein goldgelber Sandstrand den wenigen Tagestouristen ein Ziel bietet.

Entspanntes Ankern in der Bucht von Staphylos

So oder so ähnlich sieht es an vielen Orten in den Nördlichen Sporaden aus. Sie liegen im nördlichen Teil der Ägäis und bestehen aus vier größeren und unzähligen kleinen Inseln. Zusammen mit vier Freunden habe ich sieben Tage lang Zeit, sie zu erkunden. Wobei das nicht ganz richtig ist, da unser Törn auch noch durch den Pagasitischen Golf führt. Er liegt eben westlich der Nördlichen Sporaden und wird auch Golf von Volos genannt.

Der Törn beginnt in Volos am Pagasitischen Golf.

Unser Chartertörn beginnt in Volos

In Volos beginnt unser Törn. Kräne, Frachter und eine große Betonmole bleiben im Kielwasser zurück, als sich vor uns der Pagasitische Golf öffnet. Er ist fast kreisrund, hat einen Durchmesser von etwa 15 Seemeilen und wird zu allen Seiten von hohen Bergketten eingerahmt. Mitsegler Helmut rollt das Großsegel aus und Patrick kümmert sich um die Genua. Südwestliche Winde um 14 Knoten bescheren uns einen Anlieger und beschleunigen unsere zwei Jahre junge Jeanneau Sun Odyssey 439 mal eben auf sieben Knoten. Läuft.

Segeln im Pagasitischen Golf

Der Hafen von Agios Ioannis

Zweieinhalb Stunden und 16 Seemeilen später erreichen wir Agios Ioannis. Mit uns teilen sich noch fünf andere Yachten die verschiedenen Anlegemöglichkeiten in der sichelförmigen Bucht. Wie vielerorts in Griechenland üblich, wird römisch-katholisch festgemacht. Der Buganker rasselt, die Heckleinen fliegen. Wir sind fest. Ein Brite gesellt sich zu uns und erzählt, dass er und seine Frau schon unzählige Male in diesem Revier gechartert haben. „Wir lieben die Ruhe und Ursprünglichkeit, die es hier immer noch gibt“, erklärt er. Mit der Hand zeigt er auf dümpelnde Fischerboote und die umliegenden, wolkenverhangenen Berge. „Da kommen gleich Wind und Regen. Am besten bringt Ihr noch eine Vorleine zusätzlich zum Anker aus, wenn der Wind quer kommt.“

Agios Ioannis

An Land sitzen im Schein von Glühbirnenketten Menschen in einer Taverne. Ihr Gelächter hallt zu uns hinüber, während die tiefhängende Wolkendecke bedrohlich blaugrau näher kommt. Wind setzt ein, kommt quer zum Bug und ich erkenne, dass die Vorleine eine gute Idee war. Kurz darauf beginnt es zu regnen. Das passiert um diese Jahreszeit selten in dieser Region. Gerade mal einen Regentag zeigt die Klimatabelle für den Monat Juni.

Wir sind müde von der Anreise, bleiben an Bord und sitzen entspannt im Cockpit unter dem Bimini. Der Wind heult im Rigg und die Regentropfen trommeln ein Lied. Es gibt Oliven, Brot und Käse. Schmackhaft gemütliches Griechenland.

Beeindruckende Kontraste – die griechische Bergwelt.

Beeindruckende Kontraste im Golf von Volos

Als ein Blitz in der Ferne erleuchtet, sinniert Patrick: „Das ist ein beeindruckender Kontrast hier. Ringsherum die Berge. Eben noch Sonne, jetzt tiefe Wolken mit Gewitter und Regen. Geradezu mystisch. Kann mir durchaus vorstellen, dass hier die griechischen Sagen entstanden sind.“ Ein Satz, über den ich in den folgenden Segeltagen noch ein paarmal nachdenke. Irgendwie hat Patrick recht. Im Pagasitischen Golf entsteht ein Gefühl, am Ende der Welt zu segeln – weit weg vom Weltgeschehen.

Je weiter der Horizont, desto größer das Urlaubsgefühl.

Das Gefühl, am Ende der Welt zu segeln, ist allerdings nicht von Dauer. Als wir den Golf am südlichen Ende verlassen, schwindet das Bild. Oder anders gesagt: Das Revier hat nicht nur zwei Teile. Es hat auch zwei Seiten:

Im Pagasitischen Golf segeln wir drinnen. Land umgibt das Wasser. In den Nördlichen Sporaden segeln wir draußen. Wasser umgibt das Land.

Mir persönlich gefällt die zweite Variante besser. Der weite Horizont erzeugt bei mir ein stärkeres Freiheits- und Urlaubsgefühl. Dazu trägt sicherlich auch bei, dass fortan unbeirrt die Sonne scheint und es nicht so voll ist wie sonst im Mittelmeer. Überfüllte Marinas, buntes Hafenkino und lautstarke Manöver erleben wir nicht. Nur vereinzelt ist ein weißes Segel am Horizont auszumachen. Und auch die Landschaft hält sich zurück. Wer auf die Berge schaut, sieht ein immer gleiches Bild aus grünem Baumbestand auf felsigem Untergrund.

Immer gleiches Bild: grüner Baumbestand auf felsigem Untergrund.

Sehenswert-unaufgeregter Stopp: Agia Kyriaki

Am Ausgang des Pagasitischen Golfs liegt der kleine Hafen Agia Kyriaki. An der Pier empfängt uns ein Grieche namens Manola. Er nimmt unsere Heckleinen an und stellt sicher, dass wir mindestens 50 Meter Ankerkette ausgebracht haben. „Am Abend kommt auflandiger Wind“, er zeigt auf die Berge, über denen die Sonne im fahlen Licht steht. „Er wird sich nur für eine Stunde bemerkbar machen, aber dann braucht Ihr die Kette.“ Das passt: Die gelb-rote 50-Meter-Makierung auf der Kette ist eben unter Wasser.

Der kleine Hafen von Agia Kyriaki

Manola ist Tavernenwirt. Kaum, dass wir fest sind, geht er zu einem kleinen Tisch, vor dem einige Katzen lungern, und schuppt den Fisch für den Abend – sehr zur Freude der Katzen. Seine Taverne liegt direkt auf dem Anleger. Blaue Stühle, rote Tischdecken, tolle Aussicht. Manolas unaufdringliche, freundliche Art gefällt uns und so freuen sich nicht nur die Katzen, dass er den Fisch vorbereitet hat. „Der sieht super frisch aus“, konstatiert Helmut. Er hebt eine der Kiemen an, wirft einen kurzen Blick hinein und reckt den Daumen nach oben.

Agia Kyriaki ist ein unaufgeregter Ort.

Agia Kyriaki ist ein unaufgeregter Ort. Katzen streunen, Fischerboote dümpeln und auf einer nahen Werft deutet Hämmern auf geschäftiges Treiben hin. In einer kleinen Seitenstraße entdecken wir einen ebenso kleinen Laden. Hinter der Theke steht Janis, ein bärtiger Grieche mit grauen Haaren und kräftigen Oberarmen:

“Hier bekommt Ihr den besten Feta von ganz Griechenland.“

Janis führt drei Finger zum Mund und macht eine Lecker-Geste. Wir zögern nicht lange und nicken. Janis nimmt den Feta respektvoll aus einem Fass, lässt die Lake abtropfen und wickelt ihn liebevoll in Papier. Später ärgern wir uns, dass wir nicht mehr gekauft haben.

Bei Janis gibt es den besten Feta von ganz Griechenland.

So oder so ähnlich ergeht es uns im gesamten Revier. Schnell stellen wir fest, dass wir in einer Ecke Griechenlands unterwegs sind, die mit den touristischeren Gebieten, wie den Kykladen oder dem Dodekanes, nichts gemein hat. Kein Massentourismus, wie auf Rhodos, Kreta, Mykonos oder Santorini. Das ist selbst in den touristischeren Hauptorten des Reviers auf Skopelos, Alonnisos oder Skíathios so.

Kap- und Düseneffekte auf dem Weg nach Skíathos

Zurück zum Segeln. Die Überfahrt nach Skíathos ist 15 Seemeilen lang. Zumindest auf der direkten Linie. Faktisch segeln wir allerdings in einem großen Halbkreis dorthin, weil wir eindrucksvoll erleben, was durch Landformationen hervorgerufene Kap- und Düseneffekte für Auswirkungen haben können. Eigentlich weht der Wind aus nördlichen Richtungen. Auch nicht besonders stark. Gerade mal drei Beaufort sollen es laut Wetterbericht sein.

Tatsächlich weht der Wind im zweieinhalb Seemeilen breiten Sund zwischen Skíathos und der mehr als 1.600 Meter hohen Halbinsel Pilio mit sechs Windstärken aus Nordost und folgt damit dem Verlauf der Küste. Genau genommen fächert er an seinem südlichen Ende sogar aus, was zur Folge hat, dass wir das östlich gelegene Skíathos zunächst gar nicht anliegen können, da unser Kurs hoch am Wind erst einmal nach Südosten verläuft. In der Mitte des Sundes können wir schließlich einen Kurs nach Ost und dann später sogar nach Nordost halten. Ein Blick auf den Kartenplotter bestätigt dies. Unser aufgezeichneter Track ist ein Halbkreis.

Hoch am Wind geht es nach Skíathos.

Die Bucht von Koukounariés auf Skíathos

Im Südwesten von Skíathos befindet sich die Bucht Koukounariés. Der erste Eindruck erinnert an Ibiza. Im Vordergrund ein Traumstrand mit Strandbars und Sonnenstühlen in Reih und Glied. Im Hintergrund ein eher zweckmäßiger Hotelkomplex. Eingerahmt wird das Ganze durch sehenswerte Felsformationen an beiden Seiten. Musik aus den Charts dringt zu uns herüber. Mir ist das zu rummelig.

Im Südwesten von Skíathos befindet sich die Bucht Koukounariés.

Als die Tagestouristen am Abend verschwinden, nehme ich die Bucht plötzlich anders wahr. In der Sonne leuchten die Felsen angenehm rötlich, Yachten wiegen im Wind, Wellen schlagen ans Ufer und eine schier endlose Zahl von Grillen zirpt. Nichts ist mehr zu spüren vom Tagesrummel mit Sandburgen und Tretbooten. Ich merke, wie sich eine angenehme innere Ruhe in mir breitmacht. Und spätestens als der Sternenhimmel sich wie eine Käseglocke über die Bucht stülpt, ist alles perfekt. Ich sehe den Jupiter, das Sternbild des Skorpions und natürlich den Klassiker – den großen Wagen.

Der Stadthafen von Skíathos

Stadthafen von Skíathos

Rummel gibt es auch im Stadthafen von Skíathos. Der Ort ist die Hauptschlagader der Nördlichen Sporaden. Internationaler Flughafen, Fähr-Knotenpunkt und Charter-Stützpunkt. Tavernen, Bars, Shops, Mietroller, Menschen und Rollkoffer. Schnell sehen wir ein, dass es schwierig ist, in dem pulsierenden Hub einen Liegeplatz zu bekommen. An der Stadtpier sind keine Charteryachten geduldet und am Schwimmsteg einer Charterbasis sind nur die Yachten aus der eigenen Flotte willkommen. Es braucht ein wenig verbales Hin und Her, bis wir schließlich für drei Stunden an der Stadtpier liegen dürfen, um uns den geschäftigen, aber sehenswerten Ort anzusehen.

Auf der Pier treffe ich die beiden Blauwassersegler Friedel und Bettina Breuer. Seit neun Jahren segeln sie mit ihrer SY ALINA – einer Sunbeam 42C Deckssalon-Yacht – durch das Mittelmeer. „2015 sind wir hierhergekommen. Seitdem genießen wir hier unseren (Un)Ruhestand“, Friedel lacht und fährt sich mit der Hand durch das sonnengebräunte Gesicht. „Die Nördlichen Sporaden sind für uns ein ideales Segelrevier, weil es reizvolle Häfen und traumhafte Buchten gleichermaßen gibt. Außerdem mögen wir die kurzen Distanzen.“ Und Bettina ergänzt: „Wir bleiben auch mal länger an einem Ort und freuen uns immer wieder über die freundlichen, hilfsbereiten Menschen.“

Segeln vor Skíathos

Ruhe, Einsamkeit und Pinien-Duft: Agnontas

Je weiter wir nach Osten vordringen, desto besser gefällt uns das Revier. Die Dichte der Buchten nimmt zu, ihre Einsamkeit und Schönheit auch. Was nicht bedeuten soll, dass am westlichen Ende der Nördlichen Sporaden oder im Pagasitischen Golf keine schönen Buchten zu finden sind. Im Gegenteil. Im Ostteil gefallen sie uns einfach nur noch besser.

So auch die kleine Bucht von Agnontas. Hier finden wir Ruhe und Abgeschiedenheit umhüllt von Pinien-Duft. Eigentlich ist die Bucht für unangenehmen Schwell bekannt, der durch Winddünung entsteht. Laut Wetterbericht ist für die Nacht Flaute angesagt und so entscheiden wir zu bleiben. Sicherheitshalber liegen wir vor Anker – dann kann uns potentieller Wellengang nichts anhaben. Mit uns sind nur noch zwei andere Schiffe hier. Sie liegen an der Betonpier. Eine Yacht davon sogar längsseits. Das finde ich mutig.

Typisch Griechenland: Abendessen am Strand.

Griechische Lebensart: Tavernen am Strand

Am Scheitel der Bucht entdecken wir zwei Tavernen. Der Wirt der linken Taverne versteht sein Handwerk und begrüßt uns angenehm unaufdringlich auf Deutsch. Er bietet uns einen Tisch am Strand an. Während er die obligatorische weiße Papiertischdecke auf dem blau lackierten Tisch in Form bringt, erzählt er: „Ich bin seit 13 Jahren auf der Insel. Vorher habe ich 17 Jahre in Nürnberg studiert.“ Er stellt Brot, Olivenöl, Essig, Salz und Pfeffer auf den Tisch und fährt fort: „Aber wenn ich ehrlich bin, dann habe ich in der Zeit mehr gekellnert als studiert. Daher bin ich nun wieder hier.“ Wellen plätschern auf den Kiesstrand, Seebrasse und Wein munden und ich bin glücklich. Erst ein schöner Segeltag und dann ein schöner Abschluss. So muss Urlaub sein!

Kurze Distanzen: Segeln in den Nördlichen Sporaden

Buchten kommen, Buchten gehen. Immer anders und immer schön. Das gefällt. Wir fahren kreuz und quer durch das Revier und lassen die Seele baumeln und erfreuen uns der mitunter kurzen Distanzen. Einzig, dass um diese Jahreszeit kaum Wind weht, ist schade. Waschechte Segler kommen hier jetzt zu kurz. Vor allem aber gelingt es uns nicht, eine verbindliche Regel aufzustellen, zu welchen Tageszeiten thermische Effekte für Wind sorgen. Mal weht er morgens, mal nachmittags, mal gar nicht. Hieran ist die so unterschiedliche Topographie des Reviers schuld. Hohe Bergformationen wechseln mit schmalen Sunden zwischen Inseln und Weite bis zum Horizont. Was bleibt, ist ein Auge auf die Großwetterlage zu haben und den Wind zu nehmen, wie er kommt.

Badespaß unter Segeln im tiefblauen Ägäischen Meer.

So auch auf dem Schlag von Alonnisos nach Skopelos. Groß und Genua sind gesetzt und fünf Knoten Wind sind für 1,4 Knoten Fahrt gut. Wir schleichen durch ein tiefblaues Ägäisches Meer. Es ist dieses typische Blauwasser-Blau, dessen Anblick süchtig macht. Sonnenstrahlen verlieren sich in der Tiefe der See und Pink Floyd untermalt die Gelassenheit melodisch. Auch das ist Segeln.

Im zweiten Teil unserer Reise weht der Wind schließlich gar nicht mehr. Eine fast dreitägige Flaute umhüllt uns. Wir wollen Segel setzen, Schoten trimmen und Wind spüren. Fehlanzeige. Bleierne See, gleißende Sonne und kein Windhauch sind an der Tagesordnung. Allerdings hat die Flaute auch ein Gutes: Wir können jede Bucht anlaufen, ohne uns Gedanken machen zu müssen, ob sie auf der geschützten oder ungeschützten Seite der Insel liegt, wenn Wind einsetzt. Ein Luxusproblem.

Ormos Peristera: Eine Bucht, die fast immer angelaufen werden kann.

Abstecher nach Peristera

Ormos Peristera hingegen ist eine Bucht, die fast immer angelaufen werden kann. Sie liegt im Süden der gleichnamigen Insel. Hier gibt es statt Infrastruktur Natur. Wir richten den Bug zum Buchteingang aus, lassen den Anker in das kristallklare Wasser fallen und verbinden das Heck mit einer langen Leine mit dem Ufer. Neben uns sind noch eine Handvoll andere Yachten in der Bucht. Chartercrews und Blauwassersegler gleichermaßen. Als es schon lange dunkel ist, kommt ein Schwarm Delphine zum Jagen. Im Schein der Ankerlichter, die sich auf dem Wasser spiegeln, sehen wir ihre Finnen. Theoretisch ist das wild-romantisch-schön. Praktisch stört die Hoch-die-Tassen-Crew vom Charterschiff zwei Bootslängen weiter mit Gegröle und „Atemlos“ von Helene Fischer. Man kann nicht alles haben.

Delphine sehen wir noch öfter während unserer Zeit in den Sporaden. Allerdings scheinen sie, anders als mitten auf dem Ozean, die Segler hier zu kennen. Unbeirrt halten sie ihren Kurs bei. Mit der Yacht spielen wollen sie nicht, und so bleibt es oft bei kurzen Begegnungen.

Lohnenswertes Revier – die Nördlichen Sporaden.

Der Törn endet an der Charterbasis auf Skopelos

Am letzten Abend liegen wir in der Bucht Pánormos auf Skopelos vier Seemeilen südlich unseres Abgabeortes Loutraki am kommenden Morgen. Wir haben zwei Heckleinen zu Bäumen ausgebracht und einmal mehr den Buganker in das klare Wasser geworfen. Dichter Wald umgibt uns und wir schnorcheln durch den Garten unter uns. Fische, Seegurken und ein Sepia sind mit von der Partie.

Dann ist unsere Zeit um. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass dieser Teil Griechenlands mit seinen freundlichen Menschen, traumhaften Buchten und vor allem seinem ursprünglichen Charme unsere Begeisterung geweckt hat. Eines ist jetzt schon sicher: Das war nicht der letzte Törn hier.

Die Charterbasis von Sail Aegean in Loutraki

Weitere Informationen zum Törn

Anreise

Es gibt Flugverbindungen nach Volos. Alternativ kann nach Thessaloniki geflogen und mit einem von der Basis organisierten Transfer weiter nach Volos gereist werden. Für vier Personen kostet das 30 Euro pro Person/Strecke. Oder per Fähre von Thessaloniki nach Skopelos (Hafen Loutraki – Umsteigen in Skiathos – Euro 65 pro Person). Vereinzelt gibt es auch Flüge direkt nach Skíathos. Von dort per Fähre in 30 Minuten nach Skopelos.

Die Charterbasis auf Skíathos liegt direkt beim Flughafen.

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Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter können diese Firmen behilflich sein:

Diese Anbieter betreiben vor Ort einen Stützpunkt

Große und kleine, nationale und internationale Flottenbetreiber bieten vor Ort moderne Yachten an. Unter anderen betreiben diese Firmen vor Ort ihren eigenen Stützpunkt.

Häfen & Ankerplätze

Es gibt viele Ankerbuchten, die nicht immer gut geschützt sind (Wettervorhersage beachten). Ankergrund Sand oder Seegras. Sind die Buchten sehr voll, wird mit Landleinen gearbeitet. Häfen an den Insel-Hauptorten. Festgemacht wird dort römisch-katholisch oder mittels Grundleine. Strom gibt es in den Häfen. Wasser gibt es teilweise an den Tavernen oder vom Wasser-LKW in den Ortschaften. Diesel bekommt man an den beiden Stützpunkten per Tanklaster. Wer eine Woche chartert, sollte mit der Dieselkapazität an Bord gut auskommen.

Es gibt viele reizvolle Ankerbuchten.

Navigation & Seemannschaft

Die Navigation ist nicht sehr anspruchsvoll, da es abseits der Küste schnell tief wird und das Wasser in den Buchten meistens glasklar ist. Vereinzelte Untiefen gilt es zu beachten gegebenenfalls mit Ausguck auf dem Bug. Da es im Revier quasi keine Seezeichen gibt, sollte auf Nachtfahrten eher verzichtet werden. Im Lee der Inseln bildet sich kaum Wellengang. Vereinzelt erzeugen jedoch Gewitter Dünung, die in die Buchten läuft.

Die Navigation im Revier ist einfach.

Wind & Wetter

Hauptsaison ist von Mitte Mai bis Ende September mit Temperaturen von 25 bis 30 Grad. Der griechische Sommerwind Meltemi weht in den Sporaden schwächer als im restlichen Griechenland mit bis zu sechs Beaufort. Im Pagasitischen Golf gibt es überwiegend wechselnde Winde. Auf den Inseln außerhalb des Golfes wehen meistens nördliche Winde.

Relaxtes Segeln im griechischen Sommer.

Achtung: Aufgrund der Höhe der Inseln und des Pilion-Gebirgszuges sollten die Kap-, Düsen- und Schatteneffekte beachtet werden.

Vereinzelt kann es zu Gewittern kommen. Schauer oder Regen kommen im Sommer kaum vor. Wettervorhersagen würde ich mit Vorsicht genießen, da es kaum Wetterstationen gibt. Die Wassertemperatur lädt zum Baden ein.

Literatur & Karten

„Charterführer Nördliche Sporaden“ von Melanie Haselhorst/Kenneth Dittmann (Edition Maritim 24,90 Euro). „Griechische Küsten – Häfen und Ankerplätze“ von Rod und Lucinda Heikell (Edition Maritim 69,90 Euro, 620 Seiten, wiegt 3 Kilo, deckt ganz Griechenland ab). Seekarte: Imray Chart G25 Northern Sporades & North Evvoia. (23,20 Euro – Bezug: Hansenautic).

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