Furlex-Rollreffanlage: Foto-Anleitung für Wartung und Vorstagtausch

Von Hauke Meyer

Hauke segelt, seit er sechs Jahre alt ist. Dabei kennt er die Regattabahn genauso wie das Fahrtensegeln – egal, ob Offshore oder auf der heimischen Elbe. Hauke ist Segelmachermeister, Riggtechniker und Inhaber von Elbesegel in Hamburg. Elbesegel ist eine klassische Segelmacherei, aber auch offizieller Service- und Vertriebspartner für Seldén-Riggs und Furlex-Rollanlagen.

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Ausgangssituation

Eine Vorsegel-Rollanlage ist heutzutage auf Fahrtenyachten Standard. Dabei spielt es keine große Rolle mehr, ob ein Schiff nur auf dem heimischen Revier segelt oder auf eine Weltumsegelung geht. Neun von zehn Eignern setzen mittlerweile eine Rollanlage ein.

So auch die beiden Weltumsegler Judith und Sönke Roever. Bei ihnen an Bord ist eine Furlex 200S Rollanlage im Einsatz und nach ihrer Weltumsegelung und mehr als 40.000 Seemeilen im Kielwasser stand eine umfangreiche Wartung der Anlage an. Außerdem wurde auf dem Schiff der beiden Hamburger Segler das stehende Gut nach der Reise ausgetauscht und dazu gehört auch der Vorstagdraht in der Rollanlage.

Mit dieser Aufgabe haben die beiden mich beauftragt. Daraus ist diese Fotoanleitung entstanden. Während ich die Rollanlage überholt und überprüft habe, hat Sönke Roever das Geschehen im Hamburger Yachthafen in Wedel mit der Kamera festgehalten.

Rollanlage vom Mast demontieren

Im ersten Schritt habe ich die Rollanlage und den Mast voneinander getrennt. Dazu wird am Masttopp der entsprechende Bolzen am Toggel gelöst.

Danach konnten wir die Anlage ohne Probleme zu zweit neben den Mast legen. Wir haben das untere Ende auf eine Pappe gelegt, um die Rollanlage zu schützen und die Arbeiten auf dem steinigen Grund zu erleichtern.

Demontage der Leinentrommel

Als erstes muss die Leinentrommel abgebaut werden. Dazu wird der Toggel am unteren Ende des Vorstagdrahtes entfernt. Mit einer Zange wird der Splint herausgenommen und Bolzen und Toggel werden entfernt.

Ich habe mir in dem Zusammenhang angewöhnt, alle Teile in einer Plastikkiste zu sammeln.

Am unteren Ende der Leinentrommel sitzt ein Bolzen, der mit einem Stecksplint gesichert ist. An dieser Stelle ist die Trommel mit dem Terminal verbunden. Der Stecksplint wird entfernt und der Bolzen herausgezogen.

Außerdem werden die beiden Schrauben am oberen Ende der Leinentrommel entfernt. Sie fixieren das Furlex-Profil in der Trommel.

Wichtig: Bevor die Leinentrommel auf dem Profil verschoben wird, muss markiert werden, an welcher Stelle sie auf dem Profil sitzt. Andernfalls ist es bei der Wiedermontage schwer, das Loch für die obere Schraube zu finden. Dafür ziehe ich an der Oberkante der Trommel einen Strich.

Nun kann die ganze Leinentrommel-Einheit mitsamt dem Lager nach oben auf das Profil geschoben werden.

Demontage des Terminals am Vorstag

Das untere Auge der Rollanlage ist mit dem Vorstagdraht in einem Schraubterminal verbunden. Dieses muss als nächstes gelöst werden, da andernfalls der Draht nicht getauscht werden kann.

Das Gewinde ist mit einer Schraubensicherung fixiert. Sollte es sich nicht auseinanderschrauben lassen, muss es mit einer Heißluftpistole auf ca. 100°C erhitzt werden. Solange es warm ist, kann es auseinandergeschraubt werden.

Vor dem Erhitzen sollte die weiße Kunststoff-Distanzbuchse abgenommen werden. Sie hat einen Schlitz in der Längsrichtung, aus der sich dasDrahtseil herauspressen lässt. (Dies gilt nur für die Furlex ohne Wantenspanner.) Auf dem vorstehenden Bild ist dieser Schritt versehentlich außer Acht gelassen worden.

Nach dem Erhitzen sollte es für gewöhnlich möglich sein, das Terminal (oder den Furlex Wantenspanner) auseinanderzuschrauben. Am Boden des Schraubteils befindet sich eine konische Scheibe. Sie muss vor dem nächsten Schritt entfernt werden.

Jetzt wird das Terminalteil wieder bis zum Anschlag festgeschraubt. Ist der Anschlag erreicht (handwarm anziehen reicht), wird das Terminalteil wieder zwei Umdrehungen gelockert.

Mit einem Hammer wird auf das Auge des Terminalteils (oder den Furlex Wantenspanner) geklopft. Dadurch sollte sich die Schraubhülse lösen und auf dem Drahtseil bewegen.

Wenn die Schraubhülse locker ist, kann das Terminal wieder auseinandergeschraubt werden.Die Schraubhülse wird beiseite geschoben und der Konus sollte nun zugänglich sein.

Wenn der Draht weiter verwendet werden soll/muss, werden alle Drahtseilkardeelen in Höhe der Biegung außerhalb des Konus abgeschnitten (das ergibt eine Kürzung um etwa fünf Millimeter).

Der Konus hat einen Schlitz. Hier kann ein Schraubenzieher hingesteckt werden, um den Konus vorsichtig zu öffnen. Durch Klopfen auf den Schraubenzieher löst sich für gewöhnlich der Konus und er kann vom Draht gezogen werden.

Wichtig: Der Konus muss immer getauscht werden – auch wenn der Draht weiterverwendet wird. Da es sich beim Konus um ein Ersatzteil handelt, das nicht viel kostet, empfehle ich daher, es bei einer Langfahrt an Bord zu haben.

Abschließend werden die Drahtseilkardelen um die Seele gedreht (gegen den Uhrzeigersinn von unten gesehen). Nun kann die Schraubhülse abgezogen werden.

Da im hier beschriebenen Fall der Draht und der Konus erneuert werden sollten, habe ich beide zusammen abgeflext.

Das Drahtseil aus dem Profil ziehen

Im nächsten Schritt kann das Drahtseil aus dem Profil gezogen werden. Nach dem Ausziehen wird es neben die Rollanlage gelegt. Wir brauchen es noch, wenn wir später den neuen Draht wieder einziehen.

Die Lager der Trommel reinigen und fetten

Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die Trommel zu demontieren und die Lager darunter zu fetten. Um die Leinentrommel zu lösen, müssen verschiedene Schritte durchgeführt werden.

Im ersten Schritt wird die Leinenführung entfernt. Dazu wird die Schraube mit der Nummer 2 ganz gelöst. Die Schraube mit der Nummer 3 hingegen wird nur einige Umdrehungen gelöst.

Nachdem die Leinenführung entfernt wurde, kann die Trommel entfernt werden. Sie besteht aus zwei Leinentrommelhälften.

Hinweis: Wird dieser Schritt im Wasser durchgeführt, sollte mindestens eine Umdrehung Leine auf der Leinentrommel während der Demontage gelassen werden, um zu verhindern, dass die losen Trommelhälften über Bord gehen.

Um die Hälften zu trennen, wird ein Schraubenzieher unter den Schnappverschluss der einen Trommelhälfte gesteckt und gleichzeitig mit einem zweiten Schraubenzieher zwischen die Trommelhälften auf der gleichen Seite gedrückt, sodass diese 3–4 Millimeter auseinandergepresst werden.

Die Trommel wird eine halbe Umdrehung gedreht und danach auch noch der Schnappverschluss auf der anderen Seite geöffnet. Dabei verbleibt der andere Schraubenzieher die ganze Zeit zwischen den Trommelhälften.

Nun liegen die verschiedenen Lager frei und können gesäubert und neu gefettet werden. Ich verwende dazu Bremsenreiniger. Mit dem Reiniger werden die Lager großzügig eingesprüht. Teilweise muss auch das alte Fett von Hand entfernt werden. Dabei helfen ein Schraubenzieher und Haushaltstücher.

Nach der Reinigung werden alle Lager mit seewasserbeständigem Fett wieder gefettet. Ich verwende hierzu das Fett des Herstellers (Teile-Nummer 312-501).

Zusammenbau der Leinentrommel

Nach dem Fetten kann die Leinentrommel samt Leinenführung wieder zusammengebaut werden.

Einziehen des neuen Vorstagdrahtes

Zum Abschluss wird das neue Vorstag eingezogen. Im Fall von Judith und Sönke Roever haben wir das Original-Stag über den Fachhandel bezogen und eingesetzt.

Beim Drahtwechsel empfiehlt es sich wie folgt vorzugehen: Wie oben beschrieben, wird der alte Draht neben die Rollanlage gelegt. Der neue Draht wird vom Masttopp-Ende aus durch das Profil in die Anlage geschoben bis das Terminal an der Toppmanschette anschlägt. Sollte sich der Draht im Profil verhaken, kann er gegen den Uhrzeigersinn am Hindernis vorbeigedreht werden.

Die Länge des neuen Vorstags bestimmen

Die Herausforderung ist, nun für den neuen Draht die Stelle zu ermitteln, an der er gekappt werden kann. Für gewöhnlich wird der Draht mit Überlänge geliefert.

Dazu werden am oberen Ende der Anlage der alte und der neue Draht nebeneinander gelegt und mit einem Bolzen verbunden. Damit ist gewährleistet, dass beide Drähte „längenmäßig“ zueinander passen.

So lassen sich die beiden Drähte am unteren Ende „längenmäßig“ synchronisieren und die passende Stelle zum Kappen kann ermittelt werden. Dabei darf nicht vergessen werden, dass in diesem Fall der Konus abgeflext wurde. Diese Länge muss mit eingerechnet werden. Die zu kappende Stelle wird mit einem Permanentmarker markiert.

An der ermittelten Stelle wird das Drahtseil/Vorstag mit der Flex/Trennscheibe gekürzt.

Das Terminal montieren

Die Schraubenhülse des Terminals wird von Rückständen der Schraubensicherung befreit und gegebenenfalls dafür im Gewinde gereinigt. Das geht mit einem kleinen Schraubenzieher oder Messer ganz gut.

Nach der Reinigung kann die Schraubhülse über den Draht geschoben werden. Dann wird der Konus über den Drahtseilkern gedreht. Dies erfolgt im Uhrzeigersinn (von unten gesehen). Der Drahtseilkern soll am Ende rund zwei Millimeter aus dem Konus herausragen. Dabei sollten die Außendrähte gleichmäßig um den Konus verteilt sein.

Wenn die zwei Millimeter Überstand erreicht sind, wird die Schraubhülse so über die Kardelen geschoben, dass sie festgehalten werden.

Jetzt wird sichergestellt, dass die Schraubhülse fest mit dem Konus verkeilt ist. Dazu wird ein Verstellschlüssel zwischen das Furlex-Profil und die Schraubhülse gehalten. Mit einem Hammer wird dann auf den Kern des Drahtseils geklopft bis die Schraubhülse fest verkeilt ist. Der Drahtseilkern soll dabei weiterhin rund zwei Millimeter aus dem Konus herausragen.

Achtung: Es muss darauf geachtet werden, dass kein Draht im Schlitz des Konus liegt!

Danach werden die äußeren Drähte mit einer Rohrzange/Wasserpumpenzange etwas nach innen gebogen. Alternativ können sie mit einem kleinen Hammer nach innen geklopft werden. Ich würde dabei immer gegen einen Holzklotz klopfen, um das Gewinde der Schraubhülse nicht zu beschädigen.

Abschließend wird die konische Scheibe in das Augteil des Terminals oder des Furlex-Wantenspanners gelegt. Bevor die Schraubhülse mit dem Augteil verschraubt wird, kommen auf das Gewinde der Hülse noch zwei bis drei Tropfen Schraubensicherung. Sie dienen zunächst nur als Schmiermittel.

Das Festziehen erfolgt vorsichtig mit zwei Schraubenschlüsseln. Dabei gehe ich langsam vor, damit sich das Drahtseil zwischen dem Konus und der Hülse anformen kann.

Nach dem Zusammenbau erfolgt noch einmal eine Demontage, um zu kontrollieren, dass die Außenkardelen gleichmäßig um den Konus verteilt sind. Dabei muss zwingend beachtet werden, dass kein Draht im Schlitz des Konus liegt!

Sieht alles gut aus, werden weitere zwei bis drei Tropfen Schraubensicherung auf das Gewinde getropft. Dann wird die Hülse wieder aufgeschraubt und fest angezogen. So soll eine permanente Verschraubung entstehen.

Leinentrommel wieder anbauen

Nun fehlt nur noch der Anbau der Leinentrommel samt Lager. Dabei sollte nicht vergessen werden, die weiße Kunststoff-Distanzbuchse wieder auf den Draht zu setzen.

Jetzt wird noch kurz die Leinentrommel an die eingangs erstellte Markierung geschoben. Die beiden Schrauben am oberen Ende werden wieder fixiert. Ebenso ist mit dem Bolzen samt Sicherungssplint am unteren Ende zu verfahren.

Und zu guter Letzt wird die gesamte Rollanlage wieder mit dem Mast verbunden. Dazu muss einfach nur der Bolzen am Toggel am Masttopp wieder eingesetzt werden.

Fazit

Die Wartung der Rollanlage ist kein Hexenwerk und mit etwas handwerklichem Geschick wird das jedem Eigner problemlos gelingen. Wichtig ist dabei, dass sich Zeit gelassen und jeder Schritt in Ruhe angegangen wird. Hierbei ist auch die mitgelieferte Bedienungsanleitung eine wertvolle Hilfe, da sie sehr detailliert aufzeigt, wie vorgegangen werden muss.

Insbesondere das regelmäßige Fetten der Lager ist für die Langlebigkeit und Leichtgängigkeit der Anlage unabdingbar. Sie sollte daher selbstverständlich sein und es würde mich freuen, wenn die vorstehenden Beschreibungen und Fotos dazu beitragen, dass dies zukünftig leichter von der Hand geht.

Weiterführende Beratung (WERBUNG)

Eine ausführliche, weiterführende Beratung zum Thema “Rigg” oder “Rollanlage” oder auch passende, qualitativ hochwertige Produkte kannst du bei einem der folgenden Anbieter bekommen:

Hahnfeld-Masten

Seit 1979 ist die Riggmanufaktur Hahnfeld-Masten ein Begriff in der Seglerszene und bekannt für hochwertigen Mastenbau, Arbeiten rund ums Rigg und einem professionellen Rundum-Service aus einer Hand.

Reckmann

Das Traditionsunternehmen Reckmann bietet seit 125 Jahren qualitativ hochwertige Rollreffanlagen, Mast-, Rigg- und Hydrauliksysteme an. Wahlweise in Serienfertigung oder als Individuallösung für Superyachten.

Seldén

Das schwedische Unternehmen Seldén gilt als weltgrößter Hersteller von kompletten Masten. Zur Produktpalette gehören auch Bäume, Beschläge, Blöcke, Furlex-Rollanlagen, Rodkicker, Rutschersysteme oder Winschen.

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Matthias von Mutius
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Matthias von Mutius

Servus, ich empfehle noch zusätzlich beim Fetten der Lager das Fett wirklich gut einmassieren mit den Fingern damit das Fett wirklich raumfüllend verteilt ist. Ein paar OP-Handschuhe dafür anziehen… Manche empfehlen auch das Vorstag in Silikon einzubetten um gar nicht erst Wasser eindringen zu lassen…
Herzlich Matthias
Farrier F9RX one off Freyia 2

Andy
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Andy

Hallo Miteinander
Wow, ich mache derartige Arbeiten gar nicht gerne, da ich immer viele farbige Bilder benötige um zu ‘erkennen’ wie ich sowas bewerkstelligen sollte. Ich habe jedes Jahr ein schlechtes Gewissen, wenn es um meine 2 Rollfocks geht. Dank eurer unwahrscheinlich guten Foto und Beschreibungs Serie, getraue ich mich das nächste mal auch. Hoffe ich kann alles so Ausdrucken, wie es hier erscheint. DANKE VIELMALS, Andy

Andreas Fock
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Andreas Fock

Tolle Doku und super detaillierte Fotos. Ich hab zwar eine ältere Furlex anlage (noch mit Kunststofftrommel) aber ich denke, das Verfahren wird ähnlich sein. Bei meiner Anlage liegen allerdings die Lager nicht so offen, dass man das Fett direkt draufschmieren kann; stattdessen gibt es Löcher, die mit GREASE beschriftet sind. Ich denke mal, hier ist eine Fettpresse von Vorteil. Woran erkenne ich eigentlich, dass ein Austausch des Drahtseils überhaupt notwendig ist ? Gerade am oberen Ende ist das Ende des Drahtseils ja in der Schiene verschwunden und nicht zu sehen. Oder sollte man in jedem Fall nach einer gewissen Nutzungsdauer… Mehr lesen »