Segel-Webseiten: Fünf Tipps für das Bloggen von Bord

Ein Beitrag von

„Schnuller rein! Fender raus! Wir legen an“, lautet das typische Kommando beim Anlegen auf ihrem Familienboot. Gemeinsam mit ihrem Mann segelt Nina Kremer, Texterin und Schreibcoach, mit den beiden Töchtern. Wenn Nina nicht gerade schreibt oder unterrichtet, sind sie mit ihrer Dufour 36 Classic als Familien-Crew auf Nord- und Ostsee unterwegs oder chartern im Mittelmeer.

Segelerlebnisse von Bord zu teilen ist en vogue

Wer segelt, egal ob in der Karibik oder auf den Kanaren, ob auf Weltreise oder im Wattenmeer, sammelt eine Menge Eindrücke. Viele Segler möchten sie festhalten – für sich selbst, für Freunde, Familie und Daheimgebliebene, aber auch für Gleichgesinnte, Netzwerke von Seglern und Communitys von Reisenden, mit denen man seine Reisen gerne teilen würde. In diesem Beitrag gebe ich daher fünf handfeste Tipps für das lesenswerte Gestalten des eigenen Segelblogs.

Viele Segler bloggen heutzutage. ©Visionsi/stock.adobe.com

Logisch, wir wollen einen guten Text erstellen; einen Blogtext, der gelesen wird, unterhaltsam ist, persönlich und informativ. Und das verursacht erst einmal Stress. Wir haben den Wunsch, den Törn erlebbar zu machen, am liebsten packend, hautnah, mitreißend. Eine Herausforderung! Und außerdem haben wir dazu im Urlaub (eigentlich) keine Zeit. Mehr noch: Beim Segeln ist vieles Handarbeit, vom Trimm bis zur Routenplanung, sodass es nur den Wenigsten gelingen wird, täglich auch noch Zeit zu finden, um einen längeren Bericht zu schreiben. Daher ist eine strukturierte Vorgehensweise von Vorteil.

Notizen können gut mit einer entsprechenden App im Smartphone gemacht werden. ©SuziMedia/stock.adobe.com

Tipp 1: Notizen sind eine hilfreiche Grundlage beim Bloggen von Bord

Es hilft ungemein, sich beim Segeln Notizen zu machen – wahlweise sofort oder am Abend. Dabei hilft es, gedanklich die Sinne einzubeziehen. Wie roch etwas? Wie hörte sich etwas an? Wie sah etwas aus? Beispielsweise: „Die See rauscht vorbei, sieht bedrohlich zerfurcht aus. Ich schmecke das Salz der überkommenden Gischt auf meinen Lippen …“ Während eines Hafentags oder gar zuhause können die Notizen später dann zu einem Blogbeitrag weiter ausgearbeitet und in einen Gesamtkontext gestellt werden.

ANZEIGE

Tipp: 2 Das Logbuch liefert die Fakten zum Blog

Die weiteren Grundlagen für einen Reisebericht liefert das Logbuch. Hier stehen die Fakten. Wo sind wir wann gestartet? In welche Richtung haben wir unsere Reise fortgesetzt? Dieses Erzählen nach Zeit und Route ist die klassische Blaupause für Eindrücke von unterwegs. Bleibt es allerdings bei diesen Informationen, wird das Ergebnis schnell farblos. Daher müssen wir noch etwas tiefer in die Trickkiste greifen.

Das Logbuch ist eine gute Gedächtnisstütze beim Bloggen. ©Sönke Roever

Tipp 3: Persönliche Eindrücke und Meinungen machen den Segelblog spannend

Menschen lesen nur das, was sie interessiert. Wer die Reise von einem Freund oder gar Fremden verfolgt, will neben den Reisedaten aus dem Logbuch vor allem mehr über den Menschen hinter dem Blog oder Reisetagebuch erfahren. Daher ist es gut, Informationen eigensinnig zu gewichten, nach eigenen Vorlieben und persönlichen Highlights Akzente zu setzen. Dass dem Blogger etwas gefällt – oder auch mal: missfällt – gibt dem Blog eine eigene Note, einen individuellen Fokus.

Begegnungen mit Einheimischen bringen erzählenswerte Eindrücke mit sich. ©Sönke Roever

Da findet eine Begegnung mit einem alten Fischer, die nur einen Wortwechsel lang gedauert hat, auf einer halben Seite im Blogeintrag von Bord Platz, während die 60 Seemeilen zur nächsten Insel dem Blogger nur einen Halbsatz wert sind. Ist das ok? Ja, das ist ok!

Gerade bei einem Segelblog oder Törnbericht dürfen wir ganz bewusst auf die Ausgewogenheit der Informationen verzichten. Allgemeine Reiseinformationen, Hintergründe, Daten zu Sehenswürdigkeiten, Öffnungszeiten und weitere Fakten dieser Art langweilen. Sie können gerade beim Bloggen gut als Quelle verlinkt werden, sollten den Lesefluss aber keinesfalls unnötig unterbrechen.

Und: Dem Segelblog einen persönlichen Fokus zu geben, der unseren Vorlieben entspricht, hat einen weiteren Vorteil: Wir haben mehr Freude beim Schreiben!

Ein persönlicher Fokus macht den Text individuell. ©Sönke Roever

Tipp 4: Den Schreibfluss aktivieren, Methoden finden und trainieren

Für die Texterstellung gibt es zahlreiche methodische Ansätze. Bei Menschen, die das Schreiben als leicht empfinden, laufen sie gewissermaßen automatisch ab, während andere Blogger sich bewusst für den Prozess des Schreibens Freiräume schaffen müssen und solche Methoden erst mit Hilfe von Büchern oder Kursen erlernen.

Eine der Methoden wäre etwa, alle Erinnerungen zu einer bestimmten Situation möglichst flüssig aufzuschreiben. Ohne Zensur und für eine festgelegte Zeit von beispielsweise zehn Minuten. Was erinnere ich? Wer war dabei? Wie sah es dort aus? Was ist passiert? Alles aufschreiben, Lücken stehen lassen, weiterschreiben. Schreiben und nicht aufhören, bis die Zeit um ist! Diese Methode und weitere Methoden der Materialgewinnung kann man trainieren.

Flüssiges Schreiben kann trainiert werden. ©LightfieldStudios/stock.adobe.com

Interessant ist, dass gleiche Erinnerungen in unterschiedlicher Intensität von den beteiligten Personen abgespeichert werden. Somit sind die Erinnerungen automatisch persönlich gefärbt. Das ist praktisch, da so bereits beim Erinnern eine persönliche Sicht entsteht. Ganz so, wie wir es beim Erzählen unserer Erlebnisse auch erreichen wollen.

Tipp 5: Die Suchmaschinen-Optimierung beim Bloggen von Bord nicht überbewerten

Jeder, der einen Blog schreibt, sollte sich über die grundlegenden Suchbegriffe für den Text Gedanken machen und diese regelmäßig im Beitrag auftauchen lassen. Das ist allerdings nur von Bedeutung, wenn es sich um einen vermeintlich klickstarken Blog handelt. Andernfalls geht man im Ranking ohnehin unter und muss sich damit nicht weiter aufhalten, was auf die meisten Homepages von Segel-Bloggern zutrifft.

Mit der Suchmaschinen-Optimierung sollte man es als Segelblogger nicht übertreiben. ©Confidence/stock.adobe.com

Interessant ist dabei: Wer die Suchmaschinen-Optimierung außen vor lässt und stattdessen auf das Thema fokussiert schreibt, sorgt durch den Fokus automatisch für die richtige Suchmaschinen-Optimierung, da der Text auf dem gewählten Thema bleibt und nicht abschweift.

Ich persönlich würde einen lebendigen Text nicht für die Suchmaschinen-Optimierung aufgeben. Viel sympathischer sind normalerweise Texte über Reisen, die authentisch und bunt sind. Sie zu lesen, erzeugt ein wohliges Fernweh beim Leser! Was wollen wir mehr?

Lebendige Texte sind wie das Leben auf See: abwechslungsreich und authentisch. ©mexitographer/stock.adobe.com

Fazit

Natürlich gibt es unzählige Tipps und Abhandlungen darüber, wie ein guter Text entsteht. Und klar, es braucht viel Übung, Zeit und Geduld, bis ein Text lesenswert und rund ist. Dennoch können wir mit diesen fünf einfachen Tricks schon mal dafür sorgen, dass unser Text deutlich spannender wird! Von daher: Viel Spaß beim Schreiben!

Anmerkung der Redaktion (Anzeige): Die Autorin Nina Kremer ist begeisterte Seglerin und Texterin. Sie bietet Onlinekurse für leichtes, lebendiges Schreiben. Aktuelle Termine gibt es hier: www.ninakremer.de

Subscribe
Informiere mich bei
guest
1 Kommentar
Älteste
Aktuellste Likes
Inline Feedbacks
View all comments
Elke Mahnert
Elke Mahnert
1 Jahr her

Liebe Nina, vielen liebe Dank für die vielen Tipps. Wir haben ein Schiff gekauft und starten im 6/23 mit unserer Weltumsegelung und sind sehr neugierig. Ich schreibe gerne und suche nun nach einer Seite im Internet wo ich außer You Tube und Instagram einen Blog erstellen kann. Kannst Du da etwas empfehlen? LG Elke Mahnert