Ein Beitrag von
Dr. Robert Möckel ist Ingenieur der Fachrichtung Schiffsmaschinenbau und im “zweiten Leben” Psychologe (M.Sc.). Nach einer Tätigkeit in einem Motoreninstandsetzungebetrieb hat er in diversen Lehrtätigkeiten Erfahrung in der Wissensvermittlung gesammelt und bietet Seminare zu technischen Themen auf Yachten an. Zusammen mit seiner Frau segelt er eine Dehler 35 SV, die in Flensburg beheimatet ist.
So kündigen sich elektrische Probleme auf Yachten häufig an
Der Geruch ist unverwechselbar: ein leicht süßlicher, stechender Hauch von verschmortem Plastik. Wer einmal erlebt hat, wie sich ein elektrisches Problem an Bord ankündigt, vergisst diesen Moment so schnell nicht mehr. Meist gibt es zuvor erste Warnzeichen: Das Licht flackert kurz, ein Instrument fällt aus. Doch aus diesen kleinen Hinweisen kann innerhalb weniger Minuten ein ernstes Sicherheitsproblem entstehen.
Während Segler in den 70er Jahren noch mit einfachster Elektrik und häufig einer Petroleumlampe unterwegs waren, ist moderne Elektronik heute aus dem Bordalltag nicht mehr wegzudenken: Autopilot, Plotter, Wasseraufbereitung, Kühlschrank, Lithiumbatterien und Ladegeräte – alles benötigt Strom und hängt an einem immer komplexeren Netz aus Kabeln, Sicherungen und Verteilern.

Gleichzeitig wächst die Installation über die Jahre oft organisch: Hier ein neues Gerät, dort eine zusätzliche Leitung, später noch eine weitere Batterie. Das Ergebnis ist nicht selten ein System, das einem gewachsenen Baum gleicht, weil es über Jahre erweitert wurde – aber nie wirklich neu geplant.

Die meisten Probleme entstehen dabei nicht durch komplizierte Technik, sondern durch erstaunlich einfache Fehler: falsche Kabel, schlecht gecrimpte Verbinder oder fehlende Sicherungen. Dinge also, die sich mit etwas Aufmerksamkeit leicht vermeiden ließen.
Um ein wenig für die Thematik zu sensibilisieren, habe ich die zehn häufigsten Fehler in der Yachtelektrik zusammengetragen:
Yachtelektrik Fehler 1: Gammelige Kabel
In Kabeln verwandelt sich metallisches, gut leitendes Kupfer unter dem Einfluss der salzigen Seeluft in schwarze Brösel. Diese leiten schlecht bis gar nicht, was zu einer Erwärmung der Kabel und letztlich zur Feuergefahr führt. Da hilft nur der rechtzeitige Austausch.
Yachtelektrik Fehler 2: Falsche Pressterminals
Beim Anschluss der Kabel an Geräte und Verteiler sind Pressterminals oder Quetschverbinder häufig das Mittel der Wahl. Leider werden häufig die falschen Verbinder verwendet und leider auch falsch verarbeitet.

Yachtelektrik Fehler 3: Falsche Absicherung
Sicherungen werden häufig nach dem Motto: „Wie stark muss sie denn mindestens sein, damit sie nicht rausfliegt?“ ausgelegt und nicht nach dem eigentlichen Zweck, also der Verhinderung eines Kabelbrandes.

Yachtelektrik Fehler 4: Leitungen ohne Absicherung
Im Zuge des organischen Wachstums der Yachtelektrik-Installation bilden sich mitunter neue Triebe, die Gefahren bergen: Kabel ganz ohne Absicherung. Auch der Brand eines kleinen Kabels kann den Segler zum Verlassen des Schiffs zwingen.

Yachtelektrik Fehler 5: Rattennest
Die für die Yachtelektrik grundlegende Parallelschaltung bringt es zwangsweise mit sich, dass an manchen Stellen viele Kabel zusammengeführt werden müssen. Dabei kann eine Klemmstelle nur eine begrenzte Anzahl an Kabeln aufnehmen. Werden zu viele Kabel auf eine Schraubklemme geführt, so führt das zu einem schlechten Kontakt. Es entsteht die umgangssprachlich gern als „Rattennest“ bezeichnete unübersichtliche Ansammlung von Kabeln – und somit indirekt auch eine erhöhte Brandgefahr.

Yachtelektrik Fehler 6: Fehlende Dokumentation
Gerade der neue Besitzer eines älteren Boots steht vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe, wenn er oder sie sich einen Überblick über die vorhandene Elektrik verschaffen will und dabei Geräte vorfindet, zu denen weder gedruckte Unterlagen vorliegen noch sich Infos im Internet finden lassen (weil sie älter als das Internet sind …).

Yachtelektrik Fehler 7: Redundante Kabel
Manche Installationen werden von der Zeit überholt: Das Gerät wird demontiert, aber die Kabel bleiben im Kabelkanal. Das zieht die Fehlersuche unnötig in die Länge und verbraucht Platz, der bei einer sorgfältigen Neuinstallation dann fehlt.

Yachtelektrik Fehler 8: Zu dünne Kabel
Kabel müssen so ausgewählt werden, dass sie einerseits nicht überlastet werden und andererseits nicht zu viel Spannungsverlust erzeugen. Mitunter werden alte Kabel umgewidmet, ohne die richtige Dimensionierung hinreichend zu prüfen. Die Folge: unzulässige Erwärmung, unbefriedigende Gerätefunktion.

Yachtelektrik Fehler 9: Instrumente passen nicht mehr zur Anlage
Als Erbe der Autoelektrik ist mitunter auch eine Instrumentierung vom PKW übernommen, die mit
Volt- und Amperemeter nicht zur heutigen Bordelektrik passt. Der zeitgenössische Look lässt sich erhalten, aber sinnvolle Instrumente sollten eingebaut werden.

Yachtelektrik Fehler 10: Kette von Mehrfachsteckdosen
Serienmäßig sind auf vielen Yachten nur ein bis zwei Steckdosen installiert. Anstatt jedoch zusätzliche 230-Volt-Steckdosen zu montieren, werden häufig die aus dem Haushalt bekannten Mehrfachsteckdosen verwendet – gerne auch mehrfach als Kette. Dies ist nicht zulässig, weil es zu Sicherheitsproblemen an Bord führt.

Fazit
Die meisten Probleme der Bordelektrik entstehen also nicht durch komplizierte Technik, sondern durch kleine Nachlässigkeiten: ein falsch gewählter Kabelquerschnitt, eine fehlende Sicherung oder ein schlecht gecrimpter Verbinder. Dinge also, die im Alltag schnell übersehen werden – deren Folgen jedoch gravierend sein können.
Gerade weil moderne Yachten immer mehr elektrische Verbraucher an Bord haben, lohnt sich beim Bootskauf, aber auch beim eigenen Boot ein kritischer Blick auf die Installation: Wer Kabel sauber dimensioniert, Leitungen korrekt absichert und die Anlage übersichtlich dokumentiert, schafft nicht nur Ordnung hinter der Schalttafel, sondern erhöht vor allem die Sicherheit an Bord.




























Die Elektrik auf dem Foto von Johannes Erdmann ist wohl so von der Werft installiert worden. Bei mir sieht es (leider) ähnlich aus.
Schade, dass wir in Europa nicht wie in den USA die Vorschrift haben / hatten, dass auf Schiffen nur verzinnte Kabel benutzt werden dürfen.
USB C ist auch eine interessante Alternative für die Stromversorgung von so manch einem Gerät an Bord. Da reicht es mit USB Power Delivery inzwischen für bis zu 240W bei 48V und 5A. Die dabei zu vermeidenden Fehler sind allerdings immer noch die gleichen wie auch die in diesem gelungenen Artikel.